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Vielgestaltig wie der Mensch in den Sudeten, im Erzgebirge, im Böhmerwald, an den Grenzen des Waldoierteler Granitmassivs, im füdmärischen Flach­land, ist dessen Landwirtschaft und dementsprechend seine Bodennutzung, seine Betriebsweise. Das neu zu uns gekommene Gebiet entspricht etwa der Grütze der Provinz Sachsen und Thüringens. Wenn auch von Zahlenangaben für landwirtschaftliche Struktur hier abgesehen werden muß, so kann doch festgestellt werden, datz das Schwergewicht der su­detendeutschen Bodennutzung neben seiner durch die Gebirgszüge bedingten Forstwirtschaft auf dem Ackerbau beruht. Besonders sind es einer­seits Getreidebau, anderseits eine stark be­tonte Futterwirtschaft, die ihr das Gepräge aufdrücken. Wenn auch die ärmeren Böden in den Gebirgslagen überwiegen, so gibt es doch wert­vollere Landstriche wie das Egerland, welches durch seine vielen Heilquellen in aller Welt bekannt ist, das Saazer Hopfengebiet oder das Kuhländchen in der breiten Mulde des Odertales. Ebenso fruchtbar sind die deutschsprachigen Gebiete Südmährens und die Sprachinseln in Mittelmähren. Bekannt ist die weite südmährische Ebene durch die vielen Weinbau­orte, die einen köstlichen Wein liefern. Das Klima ist überall milde und der Boden sehr fruchtbar.

Die zwanzig Jahre tschechischer Agrarpolitik, be­wußt betrieben zur Entdeutschung dieses Gebietes, haben die Landwirtschaft fast zum Erliegen ge­bracht. Trotz dieser Vernachlässigung und der Not­wendigkeit umfangreicher Meliorationen, welche hier zur Entsäuerung des Grünlandes notwendig sind, liegen in allen Teilen des neu erworbenen Landes große Möglichkeiten baldiger Erzeugungssteigerun­gen. Die Bevölkerung wartet nur darauf, damit be­ginnen zu können, soweit nicht schon damit ein An­fang gemacht worden ist. Bei Betrachtung dieser und der östmärkischen landwirtschaftlichen Verhältnisse darf aber nicht übersehen werden, daß ihr augen­blicklicher Zustand für die deutsche Ernährungswirt­schaft nicht maßgebend ist. Er ist etwas Vorüber­gehendes und, wie gezeigt, günstig zu beeinflussen. Die Tat unseres Führers darf aber niemals unter dem engen Gesichtswinkel reiner Wirtschaftlichkeit betrachtet werden. Wir haben vor allem wert­volle Menschen aewonnen, denen es nur an der entsprechenden Führung gefehlt hat, um die in ihrer Scholle ruhenden Schätze zu heben.

Betrachtet man so die Leistungen des deutschen Landvolkes im Laufe des zur Neige gehenden Jah­res sie müssen jedem, der landwirtschaftliche Ar­beit zu beurteilen versteht, Achtung abringen dann gewinnt das Vollbrachte noch mehr an Be­deutung, wenn man bedenkt, daß die Mehrerträge trotz Arbeitermangel erzielt worden sind. Und mit der Erwähnung dieses Problems, der Lö­sung der Landflucht, ist eine das ganze Volk an­gehende, sehr ernste Angelegenheit berührt. Mit mahnender Stimme hat der Reichsbauernführer auf den ganz unmöglichen Zustand, eine gesteigerte Er­zeugung mit verminderter Arbeiterzahl auf der Höhe halten zu müssen, hingewiesen, denn einer Mechani­sierung, wenn sic auch noch stark ausbaufähig ist, sind Grenzen gesetzt. Schon beginnt sich in den Milch­viehstellen der Mangel an helfenden Mädchen durch Nachlassen der Milcherzeugung fühlbar zu machen. Und das Erschütterndste ist, daß die ganze zusätzliche Arbeitslast während des Jahres, Alltag, Sonntag und Festtag, ohne Pause und ohne Erholung a u f den Schultern der deutschen Landfrau ruht. Die Landwirtschaft hat bisher keinen Acht­stundentag gekannt, die Erzeugungsschlacht hat an sich schon der Landbevölkerung eine arbeitsmäßige Mehrbelastung gebracht und insbesondere der Land­frau, die auf die Dauer nicht getragen werden kann. Diese Verhältnisse nehmen heute schon vielfach der deutschen Bäuerin die Möglichkeit, Mutter zahl­reicher Kinder zu sein. Es droht hier eine Ent­wicklung einzusetzen, welche unserem Volkskörper nicht wieder gut zu machende Schäden zufügen könnte. Reichsminister Darre hat das, was unsere Bauersfrauen in den vergangenen Jahren an Ar­beit und seelischer Belastung, an Mühe und Not haben durchmachen müssen, das hohe Lied eines wahren Heldentums genannt.

Die heutige Lage der Landwirtschaft ist aber nicht nur durch einen Mangel an Arbeitskräften gekenn­zeichnet, sie ist es auch durch ungenügende Kaufkraft der landwirtschaftlichen Erzeugni.sse für Waren der gewerb­lichen Wirtfchaft. Natürlich hängen diese bei­den Momente eng zusammen, entzieht doch die Wirt­fchaft durch die Möglichkeit, höhere Löhne bezahlen zu können, dem Lande die so notwendigen Arbeits­kräfte. Dazu kommt, daß die bekannte Preisschere zu ungunsten der Landwirtschaft sich wieder geöff­net hat. Es ist damit zu rechnen, daß in den näch­sten Jahren das Gesamteinkommen des deutschen Volkes weiter steigen wird. Wenn dann aber das Verhältnis der Verteilung des Einkommens zwischen Stadt und Land dasselbe bleibt wie seither, so wird damit zwangsläufig der Anteil der. Landwirtschaft am Gesamteinkommen unseres Volkes immer niedri­ger. Die Landflucht wird dann noch schwerer zu bekämpfen sein, und es werden sich ernsthafte, volks­wirtschaftliche Schäden für unser Volk ergeben. Vorsorge muß also getroffen werden, daß durch eine günstigere Gestaltung des Verhältnisses von Auf­wand und Ertrag die Landwirtschaft ihren gerech­ten Anteil am Gesamteinkommen des Volkes erhält.

An der Steigerung der Erträge hat die wissen­schaftliche Arbeit auch in diesem Jahre her­vorragenden Anteil genommen, indem sie dies durch ihre Arbeiten bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand ermöglichte. Der Einsatz des Forfchungsdien- st e s der Landbauwissenschaft hat sich hier besondere Verdienste erworben und wird auch in Zukunft im Geiste der Leistungssteigerung an erster Stelle mitzuwirken haben. So ist die Gewähr für die Sicherung unserer Ernährung durchaus ge­geben. Es kommt jetzt vor allem darauf an, der Landflucht zu steuern, indem Bauern und Landarbeitern gerechter Lohn zuteil wird und un­serer Heranwachsenden Jugend Wertschätzung und Bedeutung der Landarbeit sowie des Landlebens nahegebracht wird.

Verlängerter Weihnachtsurlaub für Arbeiter der Westbefestigung.

Berlin, 29. Dez. (DNB.) Der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Abteilung Wies­baden, gibt für die Arbeiter des Bau­vorhabens der Westbefestigung be­kannt: Die Rückfahrt der Urlaubersonderzüge wird wegen des Frostwetters um vier Tage ver­schoben. Wer also am 2. Januar abfahren sollte, fährt erst am 6. Januar, wer am 3. Januar ab­fahren sollte, fährt erst am 7. Januar. Die Uhr- zeiten und Bahnhöfe bleiben die gleichen. Diese Regelung betrifft nur d i e Arbeiter, welche mit Sonderzügen fahren. Die für den Weih­nachtsurlaub gezahlte Ausfallbeihilfe wird auch für den verlängerten Urlaub gewährt. Die Auszahlung erfolgt nach Eintreffen auf der Bau­stelle.

Chamberlains Romreise und das französisch-italienische Verhältnis.

EineInformations-Mission" des britischen Premierministers.

Fine Vorbeugungsmaßnahme"

Die französischen Truppentransporte nach Dschibuti.

P a r i s , 29. Dez. (Europapreß.) Das französische Kolonialministerium hat nunmehr die Entsen­dung eines Bataillons Senegalneger nach Dschibuti amtlich bestätigt. Der Abtrans­port erfolgt jedoch erst am Samstag von Marseille aus. Die beiden TransportdampferSphinx" und Chantilln" werden bis dahin ihre Abfahrt auf- schieben. Außerdem wird amtlich gemeldet, daß der ZerstörerE p e r v i e r" ebenfalls nach Dschibuti abgefahren ist und, da er schneller fährt als das Kolonial-Kanonenbootd' I b e r v i l l e", bereits am Donnerstag oder Freitag in der Hauptstadt von Französisch-Somaliland eintreffen wird. DerEx- celsior" schreibt, es handele sich um eine einfache Vorbeugungsmaßnahme. Es würde über- trieben sein, wenn man die Fahrt des Zerstörers Epervier" und des Kanonenbootesd'Jberville" durch das Rote Meer als eine Flottenkundgebung bezeichnen wollte. Ebensowenig könne das Batail­lon Senegalneger, das am Samstag in Marseille eingeschifft werde, als ein Expeditionskorps bezeich­net werden. Es handele sich um Truppen, deren Garnison in Somaliland liege. Auch der halb­amtlichePetit Parisien" schreibt unter großer Ueberschrift, es handle sich um militärische Vor­beugungsmaßnahmen an der Somali-Küste.

London unterrichtet.

London, 29. Dez. (Europapreß.) Der franzö- ische Botschafter in London, Sorbin, stattete am Donnerstag erneut dem Foreign Office einen Besuch ab. Dem Vernehmen nach galt diese neue Unterredung, wie die vom Mittwoch, der Unter­richtung der britischen Regierung über die franzö- ische Haltung gegenüber Italien. WieEvening News" mitteilt, soll die französische Haltung im Laufe dieser diplomatischen Gespräche in Paris und London folgendermaßen Umrissen worden sein: Ab­lehnung territorialer Aenderungen, Gewährung be- anderer Bedingungen für den Gebrauch des Ha- ens von Dschibuti und möglicherweise Zugeständ­nisse bei der Verwaltung des Suezkanals. Die fran­zösische Regierung bestehe jedoch darauf, sämtliche Verhandlungen über diese Fragen unmittelbar mit Italien und ohne eine irgendwie ge­artete Vermittlung Chamberlains zu ühren.

Auch die Pariser Blätter betonen, daß London über den Standpunkt der französischen Re­gierung genau informiert fei. Der dem Quai d'Orsay nahestehendePetit Parisien" unterstreicht, daß Chamberlain nunmehr in präziser Form Fin­gerzeige erhalten habe, die ihm sehr nützlich fein werden, falls im Laufe des Besuches in Rom die Frage der französisch-italienischen Beziehungen an­geschnitten werden sollte. Der englische Premier er­

strebe keineswegs die Rolle eines Vermittlers. Sein Aufenthalt in Rom werde zum größten Teil den Empfängen gewidmet fein, die die Erneuerung der englisch-italienischen Freundschaft bekunden werden. In den Besprechungen würden das Mitte l- m e e r, Spanien und das Rote Meer die Hauptpunkte bilden. In diesem Zusammenhang könnten auch die französisch-italienischen Beziehun­gen zur Sprache kommen. Chamberlain würde da­bei Kenntnis von den wirklichen Auffassungen des Duce erhalten, die man noch nicht kenne. Chamber­lain könne nötigenfalls Mussolini von den franzö­sischen Absichten unterrichten für den Fall, daß die französische und die italienische Regierung wenn erst einmal der Lärm vorüber sei zu einer nütz­lichen Besprechung über ernsthafte und praktisch mögliche Dinge gelangen würden. Es handele sich also um eineJnformations-Missio n", die der britische Premier zu erfüllen gedenke. Dies

werde ihn nicht hindern, mit der ihm eigenen Heber- zeugungskraft das Gleichgewicht zu feftiaen zu su­chen, in denen sich die britischen, französischen und italienischen Interessen überschneiden. Die Auf- re ch t e r h a l t u n g des Status quo im Mi11elmeer, das Wesentliche des englisch-ita­lienischen Abkommens, stelle den Grundsatz dar, auf dem sich Chamberlain zweifelsohne stützen werde, um eine Friedensatmosphäre in jener Zone zu schaffen, in der die Weltreichsstraßen Englands, Frankreichs und Italiens liegen. DasOeuvre" glaubt mitteilen zu können, daß Frankreich unter gewissen Bedingungen über folgende Fragen zu verhandeln bereit sei: Eisenbahnlinie von Djibuti nach Addis-Abeba, Einrichtung einer Freizone in Hafen von Djibuti und Transportvergünstigungen durch den Suezkanal. Selbstverständlich müßten diese Verhandlungen auf direktem Wege zwischen Frankreich und Italien stattfinden.

Das Echo in Hom.

Italien über die englische Zurückhaltung befriedigt.

Rom, 29. Dez. (Europapreß.) Die Einstellung Englands gegenüber dennatürlichen Aspirationen Italiens" und der Presseauseinandersetzung, die sich darüber zwischen Rom und Paris entsponnen hat, findet knapp zwei Wochen vor dem Besuch des englischen Ministerpräsidenten in der italienischen Hauptstadt besonderes Interesse. Die römischen Blät­ter bringen sehr ausführliche Meldungen ihrer Lon­doner Vertreter über die in englischen politischen Kreisen herrschende Stimmung. Man glaubt fest­stellen zu können, daß die britische Regierung e s peinlich vermeide, sich vor der Romreise Chamberlains auf den französischen Standpunkt f e ft I e ge n zu lassen. Der Londoner Berichterstatter desGiornale d'Jtalia" will darüber hinaus An­zeichen für eine Verständnisbereitfchaft den italienischen Wünschen gegenüber entdeckt haben. Die Nachrichten über wiederholte freundschaftliche Besprechungen zwischen dem englischen Botschafter und dem italienischen Außenminister hätten einen wohltuenden Einfluß auf die Stimmung in der eng­lischen O öffentlich kett ausgeübt, die durch beun­ruhigende Meldungen aus Pariser Quellen irre- geführt worden sei.

Zu der Londoner Meldung, die französische Re­gierung habe dem Foreign Office ausdrücklich mit­teilen lassen, daß sie eine Vermittlung Chamberlains in der französisch-italienischen Auseinandersetzung nicht wünsche, erklärt das halbamtliche Blatt, dieser Gedanke sei nicht von Italien ausgegangen; er sei zuerst von der französischen und englischen Presse in die Er­örterung gezogen worden. Das Blatt glaubt jedoch annehmen zu können, daß die französisch - italie­nischen Gegensätze bei dem bevorstehenden englisch- italienischen Meinungsaustausch nicht mit Stillschweigen übergangen werden würden. Das würde den auf eine Klärung der politischen Lage in Europa hinzielenden Bestre­

bungen Chamberlains nicht entsprechen. Mit Be- ftiedigung nimmt im übrigen die italienische Presse von der Londoner Mitteilung Kenntnis, die eng­lischen Staatsmänner würden auf ihrer Romreise nicht in Paris Halt machen. Man sieht hierin den Beweis für den Willen der englischen Minister, sich völlige Freiheit für ihre römischen Besprechungen zu wahren.

Daladiers Besuch auf Korsika.

Paris, 30. Dez. (DNB. Funkspruch.) Je näher der Zeitpunkt der Abreise des französischen Mi­nisterpräsidenten nach Korsika und Tunis heranrückt, desto mehr zieht dieses Ereignis die Aufmerksamkeit der Presse und der französischen Oesfentlichkeit auf sich. Fast alle Zeitungen bringen Artikel und Reportagen über politische, wirtschaft­liche und geschichtliche Fragen, die den französischen Einfluß im Mittelmeer und besonders in Nord­afrika zum Gegenstand haben. Bei der Reise Dala­diers sollen große Kundgebungen sowohl in Korsika wie in Tuunis stattfinden. Auf einem Ban­kett in Tunis wird Daladier eine wichtige Rede halten. Die italienische Presse wird zahlreiche Ver­treter nach Tunis entsenden. Daladier wird den Wünschen der korsischen Bevölkerung entsprechen und seinen Aufenthalt in Korsika, für den ursprüng­lich nur drei bis vier Stunden vorgesehen waren, verlängern. Daladier wird daher seinen Reise­weg ändern und von B a st i a sich auf dem Eisen­bahnwege quer durch die Insel nach Ajaccio begeben. Im Hafen von Ajaccio soll Daladier dann wieder an Bord eines Kriegsschiffes gehen, mit dem er die Neber fahrt nach Tunis fortsetzen wird. Der französische Generalresident von Tunis, ßabonne, hat Paris wieder verlassen, um sich auf seinen Posten zurückzubegeben.

Rumäniens Außenpolitik.

Außenminister Gafencu verspricht Achtung der Bolksgruppen-Rechte.

93 u f a r e ft, 29. Dez. (Europapreß.) Der neue rumänische Außenminister Gafencu sprach über alle rumänischen Sender, die rumänische Außen­politik könne sich nur auf d i c Kraftquel­len des eigenen Landes stützen. Rumänien fei bereit, alle feine Kräfte in den Dienst einer riedlichen Ordnung in Europa zu stellen. Insbe­sondere werde es sich bemühen, die Verständi­gung mit den benachbarten Donau­ländern in weitestem Maße zu fördern, voraus­gesetzt, daß auch bei diesen die gleiche Bereitschaft bestehe. In der Minderheitenfrage wolle Rumänien eine Lösung im Seifte der G e - r e ch t i g k e i t suchen, denjenigen Volksgruppen, die innerhalb der Landesgrenzen durch ihre Ar­beit und Kultur seit Jahrhunderten mit dem Boden verwachsen seien, würden ihre angestammten Rechte im Rahmen der Verfassung gesichert bleiben. Durch die Errichtung des Minderheiten ko mmis- s a r i a t s sei der Wille der Regierung zum Aus­druck gebracht worden, das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen mit der eigentlichen rumänischen Bevölkerung zu erleichtern. Die Ver­waltungsorgane seien angewiesen, die verfassungs­mäßig garantierten Rechte der Volksgruppen i n vollem Umfange z u achten. Die Zusam­menarbeit könne sich jedoch nicht auf solche Volks­gruppen erstrecken, die ihre politische Aktivität nicht innerhlb des rumänischen Staates zu ent­falten bereit seien.

Hinsichtlich der Judenfrage betonte der Minister, es sei notwendig, durch vorausschauende und inter­nationale Maßnahmen die jüdische Auswan­derung zu fördern. Rumänien werde daher mit feinem vollen Gewicht Kolonial- m ä ch t e ersuchen, die vollkommene und gründliche Lösung des rumänischen Judenproblems zu er­leichtern.

Rumänien betrachte es als seine Aufgabe, mit allen Staaten zur Förderung des Friedens zu­sammenzuarbeiten. Voraussetzung dazu sei aber in jedem_Falle die volle Unversehrtheit des rumänischen Staatsgebietes. In diesem Punkte seien alle Schichten des rumänischen Volkes einig.

Gchnerder-Creuzoi verkauft leine Gkoda-Aktien.

Prag, 29. Dez. (Europapreß.) Mit Rücksicht auf die veränderte Lage in Mitteleuropa hat die fran­zösische Gruppe, die bisher die Skoda-Werke, die tschechische Rüstungsindustrie in Pilsen, kontrollierte, ifyren Aktienbesitz abgestoßen und an ernt tschecho-slowakische Gruppe veräußert, die die tschecho-slowakische Regierung oertritt. Es handelt sich um das Aktienpaket, das Schneid er - C r e u z o t, der große französische Rüstungskonzem, durch feine Holding-Gesellschaft, dieUnion Eu°

ropeenne" verwaltete. Das Kapital der Skodawerke beträgt 220 Millionen Tschechenkronen, der Anteil der französischen Gesellschaft daran bezifferte sich auf etwa fünfzig Prozent, er wird von einem tschecho-slowakischen, unter Führung der Anglo- T s ch e ch o - S l o w a k i s ch e n Bank stehenden Konsortium übernommen. Diese Bank stand schon bisher den Skoda-Werken nahe. Aber auch der tschecho-slowakische Staat hat auf die Anglo-Tschecho-

Slowakische Bank einen maßgebenden Einfluß ge­wonnen, als er sich während der tschecho-slowaki­schen Bankenkrise kapitalsmäßig an dem Institut weitgehend beteiligte, um dessen Sanierung durch­führen zu können. In den letzten Jahren hatte sich zwar die Anglo-Tschecho-Slowakische Bank zu er­holen vermocht, doch war die Verbindung zum tschecho-slowakischen Staat bestehen geblieb**1

Belgrads aktive Jahresbilanz.

Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

v. M. Belgrad, tm Dezember 1938.

Jugoslawien konnte im Jahre 1938 seine Schlüs- selsts11 ung im S ü d o s t e n, die es in den zwei vorangehenden Jahren erobert hatte, be­haupten und verstärken. Die Ereignisse in Mittel­europa im Frühjahr und im Herbst 1938 haben diese Stellung stabilisiert. Die Serie der Besuche führender Staatsmänner des Auslandes in Bel­grad und des jugoslawischen Mtnisterpräsidenten und Außenministers Dr. S t o j a d i n o w i t s ch in den Hauptstädten der Nachbarländer und der Großmächte wurde im Januar 1938 durch einen Besuch Dr. Stojadinowitschs in Berlin abge­schlossen. Die für .Jugoslawien günstigen Folgen dieses Besuches zeigten sich schon einen Monat nachher. Die Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Reiche rief in Jugoslawien nicht nur keiner­lei Beunruhigung hervor, sondern brachte Jugo­slawien im Gegenteil noch eine Verstärkung seiner außenpolitischen Stellung; denn die jugoslawische Regierung erhielt von höchster deut­scher Stelle Sicherungen seiner Nordwest-Grenze. Auch die tschecho-slowakische Krise im September zeigte, wie klug und weitsichtig die Politik der Freundschaft mit Großdeutschland gewesen ist. In der allgemeinen Unruhe und Unsicherheit, die da­mals in Mitteleuropa und in ganz Europa herrschte, war Jugoslawien einer der wenigen Staaten in Europa, der volle Ruhe bewahren und keinerlei militärische Maßnahmen zur Sicherung seiner Grenzen ergreifen mußte.

Neben diesem Ausbau und der Verstärkung der Freundschaft mit Grotzdeutschland, die nach dem Besuch des Reichswirtschaftsministers Funk im September und dem Abschluß des neuen Handels­abkommens im Oktober auch wirtschaftlich auf brei­tere Grundlagen gestellt wurde, war das wichtigste Ereignis in der Außenpolitik Jugoslawiens die Verständigung von Saloniki zwischen den Staaten des Balkanbundes und Bulgarien, durch welche der Frieden am Balkan konsolidiert und solid und dauernd untermauert wurde. Diese Verständigung bedeutet eine friedliche Revision des Friedensvertrages gegenüber Bulgarien, durch die Bulgarien die volle Gleichstellung unter den Staa­ten des Balkans wiedergewonnen hat. Von allen Seiten wurde anerkannt, daß die Verständigung von Saloniki, die am 31. Juli 1938 unterzeichnet

worden ist, ein Musterbeispiel darstelle, wie auch schwierige Streitfragen, bei beiderseitigem guten Willen, zwischen Nachbarstaaten einvernehmlich ge-> regelt werden können. Jugoslawien machte den ersten Schritt zu dieser Verständigung durch Ab­schluß eines Freundschaftsvertrages mit Bulgarien im Januar 1937 und hatte sich damit zum Wort­führer der Politik der Verständigung und Freund­schaft mit dem Nachbarn im Südosten gemacht. Deshalb wurde auch durch die Verständigung von Saloniki das außenpolitische Ansehen und die Be­deutung Jugoslawiens im Süboften stark gehoben.

Auch wirtschaftlich konnte Jugoslawien im Jahre 1938 weitere große Fortschritte verzeichnen. Der Prozeß der Industrialisierung des Landes nahm immer größeren Umfang an, so daß auf dem Gebiete der Kriegsindustrie Jugoslawien bereits völlig unabhängig geworden ist. Obwohl in der Ausfuhr ein gewisser Rückschlag gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen ist, und zwar als Folge des Nachlassens der Weltmarkt-Konjunktur, konnte eine Art Stabilisierung des Außenhandels erreicht wer­den, unabhängig von der wechselnden Konjunktur, nicht zuletzt durch Sicherung des Handelsverkehrs mit Deutschland, das nunmehr rund 50 v. H. des jugoslawischen Außenhandels absorbiert. Von der Legierung vorgenommene öffentliche Arbeiten stei. gern noch den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes. Im Rahmen eines Vierjahres-Planes be­absichtigt die Regierung,, 4000 Kilometer moderner Autostraßen sowie etwa 1000 Kilometer neuer Bahnverbindungen zu bauen, große Gebiete sump­figen und wasserarmen Bodens landwirtschafttich nutzbar zu machen und auf dem dadurch gewon­nenen Land den jährlichen Ueberschuß der land­wirtschaftlichen Bevölkerung anzusiedeln.

Auch innenpolitisch schreitet das Land einer vollen Konsolidierung entgegen, und es ist zu erwarten, daß nach dem für die Regierung so günstigen Ausfall der Parlamentswahlen am 11. Dezember Mittel zur Verfügung stehen werden zur Liquidierung der wichtigsten innen­politischen Frage des jugoslawischen Staates, der kroatischen Frage. Man kann daher ohne Uebertreibung behaupten, daß die Bilanz Jugo­slawiens im Jahre 1938 stark aktiv ist, auf alten Gebieten, zum Vorteil des Landes, aber auch im Interesse des Friedens tm Südosten.