Nr. 305 Erstes Blatt
188. Jahrgang
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„Nicht der Blick nach dem ,Brautschatz< einer ,Provinz^ würde die Frage nach der Landwirtschaft Sudetendeuts ch l a n d s rechtfertigen, das endlich ins Reich hat Heimfinden können. Sudetendeutschlands Landwirtschaft gedeiht zum großen Teil auf kargem Boden an den niederschlagsreichen Hängen seiner Höhenzüge." Trotz allem bietet auch in den stark industriellen Gebieten, also dort, wo der größte Teil der Menschen in Glashütten, Holzfabriken oder Spinnereien Beschäftigung findet, der kleine Landbesitz für die Menschen immer die Lebensgrundlage, die sie auch in den Zeiten der Arbeitslosigkeit am Leben erhalten hat. Es hat sich hier ein bäuerliches Brauchtum erhalten in einer Form, wie sie bei uns im Altreich nur noch vereinzelt zu finden ist. Der Bauer ist das stärkste Bollwerk gegen die Entdeutschung gewesen.
Unsere Landwirlschast im Großdeutschen Reich. Rückblick und Ausblick zur Jahreswende.
Von Professor Dr. Gessous, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung ✓ der Ludwigsuniversitat Gießen.
Rund vier Jahre Erzeuaunbsschlacht liegen hinter uns und damit der Abschnitt einer großen, der deutschen Landwirtschaft gestellten Ausgabe. Das Fahr 1938 brachte aber auch die Heimkehr unserer Brüder aus Ostmark und Sudeten l a n d mit ihrer Scholle. Jahresrückschau und Vorschau über des Bauern Leistung und künftige Aufgaben werden daher im Zeichen dieser Ereignisse zu stehen haben.
Welche überragende Rolle bei der landwirtschaftlichen Erzeugung dem Witterungsablauf zukommt, ist wiederum deutlich beim Vergleich des jetzt zur Neige gehenden Jahres mit 1937 zu erkennen. Ließ damals die Getreideernte in ihrer Menge zu wünschen übrig -und war dem- aegenüber eine Rekordernte von Hackfrüchten zu verzeichnen, so brachte 1938 einen Körnerfruchtsegen, dessen Bergung sogar Schwierig
keiten bereitete. Früher stellte eine den Bedarf überschreitende Getreidemenge durch Bedrohung der Preise schwere wirtschaftliche Nachteile für den Bauern dar. Heute führt sie endlich zur Schaffung der angestrebten Kraftreserve, die dem Führer zu der berechtigten Feststellung Anlaß gab, daß jede Spekulation auf eine Hungerblockade verfehlt sei und gab ihm die politische Freiheit für die Schaffung Großdeutschlands. Aber nicht nur das Getreide, auch Knollen- und Wurzelgewächse, sowie Oel- und Eiweißpflanzen haben für ihr Gedeihen wieder sehr günstige Lebensbedingungen gefunden, so daß die Höchst-Kartoffel- und Rübenernten von 1937 zwar nicht ganz erreicht, der langjährige Durchschnitt jedoch wesentlich überschritten worden ist. Die nachstehende Uebersicht zeigt für die Hauptfrüchte die Zahlen, welche für sich sprechen dürften.
6 5r = Frühkartoffeln; Sp = Spätkartoffeln.
Jahr
Anbaufläche in Mill, ha
Ernte
Anbaufläche in Mill, ha
Ernte
Anbaufläche in Mill, ha
Ernte
in Mill, t
je ha in dz
in Mill.
je ha in dz
in Mill, t
je ha in dz
Getreide
Zuckerrüben
Kartoffeln
1934
12,0
21,6
18,0
0,36
10,4
289
2,9
46,8
Fr. 99,9 Sp. 166,0
1935
11,7
22,0
18,8
0,37
10,6
286
2,8
43,2
Fr. 100,0 Sp. 152,0
1936
11,6
21,8
18,8
0,39
12,1
310
2,8
50,0
Fr. 61,0 Sp. 168,0
1937
11,3
21,8
19,5
0,46
15,7
341
2,9
55,3
Fr. 133,0 Sp. 194,0
1938
11,3
25,9
29,0
0,50
15,0
300
2,9
51,0
Fr. 130,0
Sp. 178,0
Bei diesen Angaben ist hervorzuheben, daß im Vergleich der deutschen Getreideerträge mit den europäischen diese im letzten Jahre eine Steigerung von nUr 8 v. H. gegenüber einer solchen von 17 o. H. der deutschen Ernten zeigen, was unmißverständlich eine weitere Leistungssteigerung der deutschen Landwirtschaft erkennen läßt, die nicht allein dem guten Wetter zu danken ist. Denn damit waren auch andere europäische Länder gesegnet.
Ein Wort zur Qualität der deutschen Brotgetreideernte 1938: während die Größe der diesjährigen Ernte beim Roggen auch seiner Güte entsprach, kann dies allgemein beim Weizen nicht gesagt werden, da'das Wetter sich während des Einbringens der Ernte in einigen Teilen des Reiches, so auch in unserem engeren Heimatgebiet, verschlechterte und infolgedessen Güteminderungen brachte. Erfreulich gestiegen sind Anbauflächen und Erträge der H a u p t ö l f r ü ch t e Raps, Rübsen von 6000 Hektar 1932 auf 60 000 1938, also um das Zehnfache, die Ernten sogar um das Zwanzigfache, von 700 auf 12 800 Tonnen, wozu noch die Samenerträge beim Faserpflabzenbau von rund 31000 Tonnen hinzugerechnet werden müssen. Während auch die Hanfanbauflächen beträchtlich zugenommen haben, zeigt der Flachsanbau dagegen einen Rückgang, der im Mißverhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Preis zu suchen ist, und dem bereits durch Regulierung der Bezahlung abgeholfen ist. Sehr erfreulich ist auch das Ergebnis der Rauhfutterernte, die von bewußt verringerter Fläche über dem fünfjährigen Durchschnitt der letzten Jcchre liegt. Sie gibt Zeugnis, daß die Grün- landverbefserung sich auszuwirken beginnt.
Da die Fettversorgung noch zu 'wünschen übrig läßt, wird der Oelfrüchtbau, nachdem beim Getreide eine starke Entspannung eingetreten ist, auf dessen Kosten noch ausgedehnt werden können. Dabei werden namentlich dafür geeignete Flächen in den neu zu Deutschland gekommenen Ländern heranzuziehen sein. Ein weiterer Weg zur Schließung unserer Fettlücke liegt in der durch den vergrößerten Hackfruchtbau ermöglichten verstärkten Schweinehaltung. In der Fleischversorgung, das darf hervorgehoben werden, hat die deutsche Landwirtschaft ebenfalls ihre Aufgaben zu erfüllen vermocht, sie wird mit 3,7 Millionen Tonnen eine halbe Million Tonnen mehr liefern als im Durchschnitt der Jahre 1928 bis 1932, eine Auswirkung der gesteigerten Eigenfuttererzeugung, d. h. allgemein der Leistungen des Ackerbaues, denn der Mangel an Devisen gestattete nur eine begrenzte Einfuhr von Kraftfuttermitteln. Daher kann nach der diesjährigen großen Ernte, welche sich in einer Erweiterung der Veredlungserzeugung auswirken wird, mit einer Steigerung der Erzeugung von Fleisch und tierischem Fett bestimmt gerechnet werden.
Während sich in der Landwirtschaft fehlende Arbeitskräfte bei Feldarbeit immerhin noch durch vorübergehenden Einsatz zusätzlicher Hände ersetzen lassen, ist mangelnde Hilfe bei der Diehpflege nur durch geübte und erfahrene Menschen möglich. Auf diesen Punkt hat der Reichsbauernführer beim letzten Reichsbauerntag in Goslar mit allem Nachdruck hingewiesen. Er erklärte, daß abgesehen von der Beeinträchtigung der Erzeugung durch die Schäden der Maul- und Klauenseuche und durch zu geringen Milchpreis, der inzwischen für den Erzeuger eine Erhöhung erfahren hat, leider auch der Mangel an
Melkpersonal am Rückgang von Milch- und Buttererzeugung schuld fei. Aus diesem Grunde sind Leistungssteigerungen auf dem Gebiete der Buttererzeugung weit schwieriger. Wohl müssen sie auf dem Weg der Züchtung und Futtererzeugung erstrebt werden, aber, einen wesentlichen Anteil wird Mehrung und Erhaltung von Viehpflegern daran haben. Selbstverständlich spielt bei der Butterknappheit der an sich durch höhere Ar- bcitsanforderungen gesteigerte Bedarf der Bevölkerung ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Von höchster Bedeutung ist nun für unsere künftige Ernährungslage die Heimkehr der zehn Millionen Verbraucher ins Reich und die Befriedigung chrer Bedürfnisse. Wenn auch deren Versorgung aus der heimatlichen Scholle zur Zeit noch unter dem Satz des Altreiches liegt, so ist damit zu rechnen, daß bei den Reserven, die im ostmärkischen, wie im sudetenländischen Boden ruhen, der Vorsprung eingeholt, werden wird. Die Verhältnisse in der Ostmark lagen bei der Eingliederung etwa folgendermaßen: das ehemalige Staatsgebiet Oesterreich umfaßt 84 000 Quadratkilometer (= Bayern und Sachsen) mit einer Einwohnerzahl von 6,8 Millionen (= Bayern). Das bedeutet eine Bevölkerungsdichte von 80 Personen gegenüber 144 im Altreich je 1 Quadratkilometer. Äon allen Erwerbspersonen der Ostmark, rund 3,17 Millionen entfallen 1 Million auf in der Land- und Forstwirtschaft Tätige, mithin auf die Urproduktion 31,7 v. H. gegenüber 28,8 im alten Deutschen Reich. Die Oberflächengestaltung des ehemaligen Bundesstaates Oesterreich ist zu 75 v. H. gebirgig, allein 40 v. H. davon Hochgebirge.
Der nutzbare Boden der Ostmark wird überwiegend bäuerlich bewirtschaftet, in 433 000 landwirtschaftlichen Betrieben mit einer Gesamtfläche von 7,6 Millionen Hektar unterliegen 4,2 Millionen Hektar einer landwirtschaftlichen Nutzung (Ackerland, Grünland und Weinbau), 3,1 Millionen Hektar entfallen auf Wald und Forsten, also fast 38 v. H. der Gesamtfläche des ehemaligen Oesterreichs. Im einzelnen seien nur wenige Angaben gemacht, die von Bedeutung sind für einen Einblick in die landwirtschaftliche durch Klima und Boden bedingte Struktur des Landes. Auf Ackerland entfallen 44,4 v. H., auf Wiesen, Weiden und Almen dagegen 53,2 v. H. (30,0 v. H.*). Es überwiegt der Getreidebau mit 68 v. H. (50,0 v. H.*), worunter Mais eine nicht unbedeutende Fläche einnimmt, wohingegen der Hackfruchtbau (Kartoffeln, Rüben u. ä.) nur 12,2 v. H. (22 v. H.*) ausmacht.
Im Hinblick auf die Bodenbe"utzuna b^anf-rncht die V i e h w i r t s ch a f t in der Ostmark eine besondere Stellung und innerhalb der gesamten Nutzviehhaltung die Rinder. Für Nutzvieh, Milch und Molkereierzeugnisse ist das Land Ueberschußgebiet, ebenso wie für Bau- und Nutzholz. Bei Hebung der Erträge, Steuerung des Anbaus, Vermehrung vor allem des Futterbaues und Verbesserung der weiten Grünlandflächen sind die im ostmärkischen Boden ruhenden großen Reserven in nicht ferner Zeit zu erwecken. Bei den zahlreichen Bergbauern kommt es vor allem darauf an, die Brotgetreide- erzeugung auf eigner Scholle zu heben, die in völliger Verkennung ihrer Wichtigkeit durch die früheren Machthaber ganz unzureichend geblieben ist. Ein großer Teil der dürftigen Einnahmen der Bauern im Gebirge aus tierischen Erzeugnissen
* Zahlen in Klammern bedeuten im Altreich.
muß für den Zukauf von Brot und Mehl verbraucht werden, so daß ost sogar die Mästung eines Schweines als Hauptflei ch- und Fettlieferanten in Frage gestellt ist. Derbes erter Ackerbau, ausreichende Mineraldüngung, An aat ertragreicherer Zuchtsorten an Stelle der abgebauten Getreide- oder Kartoffelsorten, wird diesen fleißigen, rührend genügsamen und so treu an ihrer kärglichen Scholle hängenden Menschen bald helfen, mehr zu erzeugen. Mehrerzeugung bedeutet bessere Lebensbedingungen für Mensch und Tier, aber auch gesteigerte Ablieferung für den Markt, die Allgemeinheit. Schon die bisherige Senkung der Düngemittelpreise und die Bereitstellung von Zuchtsaatkartoffeln, was erstmalig in diesem Jahr geschah, machte sich durch eine deutliche Verringerung des Abstandes der Durchschnittserträge der Ostmark von denen des Altreiches bemerkbar.
Gegen Kriegsgerede und Pessimismus.
Oer Kampf für eine Derirauensbasis zwischen den Völkern geht weiter.
Eine Aeujahrsbotschafl Chamberlains.
London, 29. Dez. (Europapreß.) Ministerpräsident Chamberlain veröffentlicht in der Zeitschrift der Konservativen Partei „Home and Empire" eine Neujahrsbotschaft, in der er- sich gegen die Auffassung wendet, daß der Krieg unvermeidlich und die Kriegsvorbereitung die einzige Aufgabe sei, die gelöst werden müsse. Sein Bestreben sei immer dahin gegangen, die möglichen Kri eg s ursa che n zu beseitigen und durch persönliche Besprechungen ein größeres Maß von Dertrauen zwischen den Völkern herzustellen. Im gleichen Geiste werde er auch weiterhin arbeiten.
Bemerkenswert in innerpolitischer Peziehung ist die Aufforderung, die Chamberlain an die Konservative Partei richtet, im Hinblick auf die „unvermeidlich näherrückenden allgemeinen Wahlen" das eigene Haus in Ordnung zu bringen. Der Zeitpunkt der Wahlen fei zwar noch unbekannt, aber wenn es so weit sei, müsse die Partei bereit fein, einen Sieg für die Nationalregierung zu erringen, der für die Sicherheit und den Wohlstand
Englands und für den Frieden der Welt von größter Bedeutung sei.
Weiter erklärt der Ministerpräsident in seiner Botschaft, das vergangene Jahr habe Prüfungen und Sorgen gebracht, die aber durch Gewinne auf verschiedenen Gebieten weitaus wettgemacht würden. Hierzu gehöre das Abkommen mit Italien und dasjenige von München. Das abgelaufene Jahr biete keinen Anlaß zu besonderem Pessimismus fiir die Zukunft.
Auf das Rüstungsprogramm eingehend, erklärt Chamberlain, es sei zwar noch viel zu tun übrig. Um aber jeden falschen Eindruck, der durch das Gerede über Verzögerungen und Mängel in der englischen Aufrüstung hervorgerufen worden sei, zu 'zerstreuen, wiederhole er seine Erklärung, daß die Ausrüstung heute einen solchen Fortschritt gemacht habe, daß England im Notfälle allen seinen Verpflichtungen nachkommen könne. Wörtlich heißt es dann weiter: „Unsere bewaffnete Stärke ermöglicht es uns, im Rate der Völker zu sagen, daß wir mit allen Völkern Freundschaft suchen und ihnen im Geiste der Vernunft und des fairen Handelns gegenübertreten, daß wir aber der Gewalt nicht weichen werden."
Diejapanische Durchdringung des eroberten China Oie Geschäftsleute folgen den Soldaten. — Oer Bericht eines französischen Beobachters aus Schanghai.
Paris, 29. Dez. (EP.) Der Schanghaier Berichterstatter des „Matin" bringt eine interessante Schilderung der friedlichen Durchdringung des eroberten China durch die Japaner. Der Berichterstatter stellt fest, daß nach 15 Monaten Krieg halb China bereit ist, mit den neuen Herren, die es besetzten, zusammenzuarbeiten. Aehnlich wie in der Mandschurei haben die Japaner in allen wichtigen Bezirken des eroberten Gebiets bedeutende Wirtschaftsunter- nehmungen errichtet, deren Zweck es ist, die wirtschaftlichen Möglichkeiten Chinas zu nutzen. In Norüchina ist eine Gesellschaft mit 350 Millionen Pen Kapital gegründet worden, in Zentralchina eine solche mit 100 Millionen Pen, während man wohl bald ein gleiches aus Südchina hören wird. Der Berichterstatter verzichtet darauf, auf die vielen kleineren und privaten japanischen Unternehmen einzugehen, die ebenfalls schon erstanden sind. Er nennt für die großen Wirtschafts- Unternehmungen des Nordens ein Gesamtgefell- fchaftskapital von 700 Millionen Pen. während er für Zentralchina auf eine durch das japanische Unternehmen investierte Summe von 185 Millionen Pen kommt. Besonders herausgestrichen werden die japanischen Operationen auf dem Geldmarkt. Die Japaner haben in Nord- und in Zentralchina eine neue Währungseinheit ein- geführt, die im Begriffe ist, den alten chinesischen Dollar aus dem Felde zu schlagen. Tokio wird, wen.n der Erfolg dieser Finanzreform gesichert ist, die neue Währung zweifellos nach dem Pen aus- richten. Diesen großen Wirtschaftsvorgängen tritt idie Zuwanderung von Tausenden von Japanern zur Seite, die als Kaufleute, Handwerker, Bauern usw. neben den Besatzungstruppen erscheinen. Wie Bauern des Schachspiels werden sie auf dem chinesischen Schachbrett zum Einsatz gebracht.
Und was sagt das chinesische Volk dazu? Der Berichterstatter des „Matin" erklärt auf diese Frage: Die Chinesen im besetzten Gebiet machen sich wenig Sorgen darum. Läßt man sie nur ihr Leben fristen, sich vermehren und in Ruhe sterben, so werden sie von vornherein die Autorität anerkennen, die ihnen Ordnung und Arbeit sichert. Was die reichen Chinesen anbetrifft, so meint der Berichterstatter, daß sie das Mäntelchen nach dem Wind hängen. Er vertritt die Ansicht, daß sie nun die japanische Karte ausspielen werden. Der Berichterstatter ist sich bewußt, daß er mit seinen Darlegungen aus dem Rahmen dessen fällt, was das Ausland bisher über China zu hären gewohnt war. Er ruft deshalb aus: „Warum soll man einen Zustand noch leugnen, der von 65 v. H. der chinesischen Bevölkerung als Tatsache hingenommen wird?"
47 V.H. Chinas von Japan beseht
Tokio, 29. Dez. (Europapreß.) Nach einer Uebersicht des kaiserlichen Hauptquartiers sind 47 v. H. Chinas mit einer Bevölkerung von 170 Millionen, d. h. 68 o. H. der gesamten Einwohner, von Japan besetzt. Die japanischen V e r l u st e an Toten während der 18 Monate seit Beginn der kriegerischen Verwicklungen bis Ende November 1938 werden mit 47 133 angegeben gegenüber 823 330 chinesischen Toten. Hiervon sollen die Chinesen 8 10 0 0 Mann i m Schanghai-Feldzug, 83000 in den Schlachten um Han kau, 123 000 in der Schlacht um S u ch a u und 99 000 in Nordchina verloren haben. Zusammen mit den Verwundeten sollen die chinesischen Ver - luste die Zweimillionengrenze überschritten haben. Die Japaner erklären, sieben Provinzen v o l l st ä n d i g und vier zum größten Teil besetzt zu haben, insgesamt rund neuneinviertel Millionen Quadratkilometer.
Chinesischer Vorstoß auf die Kanton Kaulun-Eisenbahn. Schanghai, 29, Dez. (Europapreß.) Kämpfe zwischen chinesischen Freischärlern und japanischen Truppen um den Besitz des Ortes Hai men südlich von Nantungsd>au an der.Jangtse-Mündung haben am Mittwoch, wie von chinesischer Seite gemeldet wird, zur zeitweisen Rückeroberung Hai- mens durch die chinesischen Freischärler geführt. Die Chinesen seien aber von ungefähr tausend Japanern, die von einer in der Mündung des Jangtse liegenden Insel kamen, nach heftigem Widerstand schließlich aus Haimen wieder vertrieben worden. Die chinesischen Truppen sollen einen Angriff von Waischau entlang der Linie Sheungping— Wanglik — Nuktau aus auf d i e Kanton — Kaulun - Eisenbahn eingeleitet haben. Der Angriff der chinesischen Truppen soll sich hauptsächlich auf die Stadt Tungkwan und die Bocca-Tigris-Forts richten.
MobMerunq der japanischen Industrie
Tokio, 29. Dez. (Europapreß.) Die feit langem angekündigte „Mobilisierung der japanischen Industrie" ist durch kaiserliche Verordnung in Kraft gesetzt worden. Darin werden die restlose' Erfassung der wirtschaftlichen Hilfsquellen Japans, Konttolle der Löhne und Arbeitsstunden, staatliche Eingriffe in die Dioidendenoerteilung der Großunternehmen und die Beschlagnahme von Lebensmitteln, Fabriken, Werkstätten, Ländereien und Gebäuden vorgesehen. Man erwartet auch einen Kabinetts- beschluß hinsichtlich der Inkraftsetzung des von einem besonderen Planungsausschuß ausgearbeiteten Dreijahresplans, der die staatliche Lenkung der Wirtschaft noch weiter ausbauen wird.


