Ausgabe 
30.9.1938
 
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Die Einigung in München läßt die Welt aufatmen.

Die (Srgebtiifie öer BierersBespfechung überall mit tieser Besnedigung ausgenommen.

Der Frieden ist gewahrt!

Pariser Presse hofft auf eine dauerhafte Zusammenarbeit

Paris, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Meldung über die Münchener Beschlüsse, die in Pa­ris erst kurz vor drei Uhr nachts bekannt wurde, kam zu spät, als daß sie noch in den gewöhnlichen Ausgaben der Pariser Morgenblatter hätte Platz finden können. In den ersten Ausgaben sämtlicher Blätter ist daher nur von einer grundsätzlichen Einigung die Rede. Die Zeitungen veröffentlichen in großer Aufmachung Korrespondenzberichte und Leitartikel, die jedoch inzwischen zum größten Teil durch die Tatsache der endgültigen Einigung über­holt sind. Immerhin kann man feststellen, daß d i e gesamte Pariser M o r g e n p r e s s e, von der kommunistischen Humanitö natürlich abgesehen, einen großen Seufzer der Erleichte­rung ausstößt. Immer wieder kann man in den verschiedenen Blättern aller Richtungen die Worte lesen:De r Friede ist gerettet". Rach eini­gen gefährlichen Wochen, heißt es in den Blättern, gäbe es jetzt eine Entspannung, wie man sie jedenfalls seit geraumer Zeit nicht mehr gekannt habe.

Besondere Hervorhebung verdienen übrigens die zahlreichen Stimmungs berichte, die von den nach München entsandten Sonderberichterstattern der Blätter über die Ereignisse am Rande der Bespre­chung gebracht werden. Besonders tiefen Eindruck hat auf die französischen Berichterstatter d e r Empfang gemacht, den Ministerpräsident D a - lädier sowohl bei der deutschen Bevölkerung als auch beim Führer und Generalfeldmarschall Göring gefunden hat. Mit Genugtuung verzeichnen die Blätter, daß bei Ankunft des französischen Minister­präsidenten auf dem Münchener Flugplatz die Mar­seillaise gespielt wurde. In ausführlichen Schilde­rungen wird die Begeisterung der Münchener Be­völkerung beim Eintreffen Daladiers wiedergegeben. Auch die herzlichen Unterhaltungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und General­feldmarschall Göring sowie die, wie der Jour berichtet,besonders herzliche Unterredung" zwischen Daladier und Adolf Hitler, wobei der Führer dem Wunsch auf eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland zum Ausdruck gebracht habe, werden mit der größten Aufmerksamkeit und Be­friedigung von der hiesigen Presse verzeichnet.

Kurz nach Bekanntwerden der endgültigen Eini­gung zwischen den Staatsmännern in München wurde der Druck sämtlicher großer Morgenzeitungen unterbrochen. Erst nach fünf Uhr morgens kamen die neuen Ausgaben der Blätter heraus, in denen das glückliche Ergebnis der Münchener Verhandlungen in Ueberschriften, die an Umfang und Fettdruck nahezu alles dagewesene überbieten, verkündet wird. Die allgemeine Entspannung in Frankreich kommt übrigens nicht allein in der Pa­riser Presse zum Ausdruck. Trotz vorgeschrittener Nachtstunde herrscht in der französischen Hauptstadt ein ungewöhnlich reges Leben. Ueberall standen Menschen und gaben ihrer Begeisterung Ausdruck.

Der Direktor desF i g a r o" gibt dem Wunsche Ausdruck, daß nach der Münchner Einigung auch die allenthalben getroffenen Sicherheitsmaßnahmen wie­der rückgängig gemacht werden. Der Direktor des 3 o u r" erklärt, vier Staatsmänner feien deshalb in München zusammengetreten, weil kein Abkommen möglich gewesen wäre, wenn sie zu fünfen oder zu sechsen gewesen wären. Nach eingen Worten des Dankes und der Anerkennung an Chamberlain und Mussolini heißt es dann weiter, natürlich beklage man sich in gewissen französischen Kreisen der äußer­sten Linken darüber, daß weder Benesch noch Stalin zur Teilnahme an dieser Konferenz aufgefordert wurden. Die Abwesenheit. Beneschs sei gerechtfertigt, denn in einem Augenblick, wo man ku , zuvor mit Mühe und Not die äußersten Schwierigkeiten aus dem Wege geschaffen habe, könne man zwei Todfeinde nicht an den gleichen Tisch setzen. Komisch wirke es vollends, wenn die Anwesenheit Sowjetrußlands in München gefordert werde.

An anderer Stelle heißt es,

man könne jetzt nicht mehr daran zweifeln, daß das fudelendeulfcheProblem und das Problem um Frieden oder Krieg geregelt fei. Wichtiger als ander Probleme sei aber die Tatsache, daß diese Fühlungnahme zwischen den vier Großmächten ein g ü n st i g e s Klima für alle Regelungen, für alle Möglichkeiten und für alle Abrüstungen geschaffen habe. Der Münchener Berichterstatter des Blattes spricht von einer wirklichen Entspannung.

Wer hätte gedacht, daß eine Zusammenkunft zwi­schen den politischen Chefs der vier direkt inter­essierten Großmächte genügen werde, um die am Horizont heraufgezogenen schweren Wolken wieder zu vertreiben. Es sei eine Tatsache, daß es kei­nen Krieg geben werde. Das Abkommen zwi­schen Hitler, Mussolini, Daladier und Chamberlain trage in weitgehender Form sowohl dem Godesber- ger Memorandum als auch dem britisch-französi­schen Plan Rechnung. Und das werde in München als ein Beweis für den guten Willen aller Interessierten ausgelegt. Ministerpräsident Dala­dier habe eine besonders herzliche Besprechung mit Adolf Hitler und Göring gehabt. Der Führer habe die Hoffnung ausgedrückt, daß nach der historischen Münchener Zusammenkunft zwischen Frankreich und Deutschland eine dauerhafte Zusam­menarbeit geschaffen werden könne. Alle ausländi­schen Zeitungskorrespondenten seien erfreut gewesen über die Herzlichkeit, die u. a. auch Marschall G ö - ring gegen Daladier gezeigt habe.

Der Münchener Sonderberichterstatte der H a v a s° agentur meldet, von allen Seiten werde versichert, daß die persönlichen Fühlungnahmen zwischen den vier Staatsmännern so herzlich wie nur irgend möglich gewesen seien. Er schildert dann anschaulich den Empfang vor allem

des französischen Ministerpräsidenten und kleine Prmatgespräche der Staatsmänner und ihrer Be­gleitung untereinander, die in recht freundlichem Tone gehalten sind. Der Leitartikler desExcel- s i o r" schreibt, unendlich viel menschliche Hoffnun­gen seien auf die Münchener Besprechungen gesetzt worden. Diese Hoffnungen seien nicht enttäuscht worden. Man hätte es nicht verstanden, wenn nur wegen methodischer Phrasen ein Krieg ausgebrochen wäre. Habe Adolf Hitler in seiner Sportpalastrede nicht versichert, daß Deutschland mit Frankreich und England in Frieden leben wolle, und daß sein An­spruch auf das sudetendeutsche Gebiet seine letzte gebietsmäßige Forderung in Europa sei? Daß Adolf Hitler sich letzten Endes mit den vereinbarten lieber» gabemethoden einverstanden erklärt habe, sei ebenso für den Führer wie für diejenigen Staatsmänner ein moralischer Dienst, die selbst in den kritischsten Stunden der Kriese nicht verzweifelt seien.

Die Münchener hätten gestern beim Eintreffen Daladiersheil Frankrei ch!" gerufen, und der Reichskanzler sei über diesen Ruf sehr zufrieden gewesen. Daladier habe sich über den wahren Zug dieser politischen Kundgebung nicht getäuscht. Beweise sie nicht, daß die wie­derholten Erklärungen des Führers über die Rotwendigkeit einer d e n t s ch - f r a n z ö s i- scheu Zusammenarbeit den liefen Wunsch der beiden Völker zum Ausdruck bringen?

DerI o u r" schreibt weiter, daß Generalfeld­marschall Göring im HotelBier Jahreszeiten", wo beide Wohnung genommen haben, mit lauter Stimme zu Daladier gesagt habe:Sie sollten eigentlich noch nicht abreisen. Bleiben Sie doch zum O k t o b e r f e st." Das Blatt setzt dann seinen Lesern auseinander, was es mit dem Münchner Oktoberfest auf sich hat. In diesen kleinen Zügen zeigt sich die Besserung der Atmosphäre zwischen Deutschland und Frankreich. So berichten die Zei­tungen, daß auf Daladier, als er sein Hotel ver­ließ, eine Frau zugekommen sei, ihn in ihre Arme genommen und ihm im Namen aller Müt­ter gedankt habe, daß er nach München ge­kommen sei, um den Frieden zu retten. Der Mün­chener Sonderberichterstatter desI o u r n a l" schreibt, Ministerpräsident Daladier habe in deut­schen Kreisen eine gute Aufnahme gefunden. Er sei ein Frontkämpfer, und das sei für die Deutschen und besonders die Nationalsozialisten von großer Bedeutung. Man habe sich von den Sympathien

überzeugen können, die Daladier bei der deutschen Bevölkerung genieße.

DerMatin", der seinen Lesern die Nachricht von dem Abkommen von München in einer für die­ses Blatt ganz ungewöhnlichen Form, einer doppel­ten, achtspaltigen Ueberschriftenzeile, mitteilt, wen­det sich zugleich auf das schärfste gegen die Umtriebe derjenigen Kreise in Frankreich, die nichts unver­sucht gelassen hätten, um dieses Ereignis zu hin­tertreiben.Und wenn die tragische Aufregung völlig vorbei sein wird", schreibt das Blatt,sind einige Rechnungen zu begleichen und einige Erklä­rungen abzugeben. Die Fälscher und Provokateure sind hiermit gewarnt, daß man sie an der Kehle nehmen wird und daß man sie nicht mehr loslassen wird. Es wird notwendig sein, daß man uns er­klärt, weshalb systematisch alarmierende Nachrichten durch die offiziellen Agenturen und durch den offi­ziellen Rundfunk verbreitet wurden, während die beruhigenden Dementis der Regierungen nicht weni­ger systematisch verzögert oder sogar unterdrückt wurden." Das Blatt greift ein paar krasfe Fälle heraus, in denen versucht wurde, das französische Volk durch hetzerische Meldungen in eine Kriegs­panik zu treiben.

Daß die (Einigung fo rasch erfolgen würde, hül­len selbst die Optimisten nicht vorauszusagen gewagt, und es herrscht helle Freude darüber, daß jetzt der Friede endgültig ge­wahrt ist und die mehreren hunderttausende Reservisten, die in der letzten Zeit eingezogen worden sind, bald wieder zu ihren Familien zurückkehren werden. Der Franzose ist im Grunde seines herzens friedliebend.

Die unverbesserlichen Ideologen auf der Seite der Linken, die dem nationalsozialistischen Deutschland die Rückkehr seiner Söhne aus dem Sudetengebiet in das Reich nicht gönnen wollten, machen keines­wegs die Mehrheit des französischen Volkes aus. Auf alle Fälle ist jetzt ein Schlußstrich unter ein Kapitel gezogen worden, das die deutsch-französi­schen Beziehungen auf die Dauer zu vergiften drohte. Vielleicht ist jetzt die Bahn frei für eine wirklich fruchtbare Politik der beiden Völker zu einer weiteren Sicherung des Friedens. Auf fran­zösischer Seite sind starke Tendenzen vorhanden, zu einer Besserung des Verhältnisses zu kommen, die sich in der Vormittagspresse vom Freitag wie­derspiegeln. So unterstreicht man immer wieder die herzliche Aufnahme, die Ministerpräsident Dala­dier in Deutschland gefunden hat.

chen, der Hochburg der Revolution Adolf Hitlers, mit Ehren wieder gut gemacht worden. Die Versailler Methoden der Obstruktion und der Der» schleppung sind unmöglich gemacht worden. Es war der einmütige Wille aller, daß der Konflikt, der die Völker Europas aufgeschreckt hatte, in jeder Hinsicht seine endgültige Lösung fand."

Der Popolo d'Jtalia schreibt: Die Erfah­rungen der letzten Jahre von den Sanktionen bis zum 'Zusammenbruch Genfs hätten gezeigt, daß künftig die Staaten nicht in der Lage seien, das Schicksal Europas zu leiten, wenn die vier Großmächte in Mittel- und Westeuropa nicht ein Mindestmaß von Verständnis und Zusammenarbeit finden. Nunmehr habe die Gewalt der Ereignisse die vier Großmächte und ihre Staatsmänner in einer der dramatischsten , Stunden nach langen Mißgeschicken zusammen­geführt. Deutschland sei Gerechtigkeit zu teil ge­worden, indem man die nationalen Rechte in dem Sudetengebiete anerkannte. Der Grundsatz der Volkszugehörigkeit triumphiere. Die Irrtümer von Versailles seien ohne Blutver­gießen durch freie Uebereinkunft der Westmächte und Italiens, das ein Recht darauf batte, ein Wort der Gerechtigkeit über das Schick­sal der Donaugebiete mitzureden, nachdem es das Habsburger Reich zerschlagen hatte, zum Teil wie­der gutgemacht worden.

Schweizer Stimmen: Der Frieden gerettet!*

Basel, 30. Sept. (Europapreß.) Die Nachricht von der in München erzielten Einigung der vier Großmächte ist mit ungeheurer Erleichte­rung ausgenommen werden. Unter der über die ganze Seite gehenden Schlagzeile:Der Friede gerettet!" würdigt dieNeue Basler Zeitung" die Verdienste der vier Staatsmänner um die Ret­tung des Friedens, insbesondere des Führers und Reichskanzlers, dem viel Unrecht getan worden sei.In zahllosen Blättern wird er aufs bitterste bekämpft und angefochten. Er könnte es sicher be­quemer haben, beliebter und außerhalb Deutschlands populärer sein, wenn er nachgiebiger und ,kompro­mißbereiter' wäre. In Wirklichkeit muß es so sein, daß dieser Führer des deutschen Volkes, erfüllt von seiner Sendung, erfüllt von höchstem Pflichtgefühl, die Aufgabe, die er sich gesetzt hat, bis zur letzten Konsequenz durchführt und vor allem nicht über faule Kompromisse neue untragbare Verhältnisse schaffen will." Das Matt gibt dann der Zuversicht Ausdruck, daß nunmehr der Stachel, der eine Ver­ständigung der vier europäischen Großmächte ver­hindert hat, im Interesse des Weltfriedens für immer beseitigt sei. Eine Begrenzung der übertriebenen Rüstungen- eine Rückkehr zur Friedensarbeit, zum Bekenntnis des wirtschaftlichen Wiederaufbaues könne jetzt begonnen werden.

Folgen der bolschewistischen Wühlerei im tschechischen Heer.

Wien, 30. Sept. (DNB.) Im Thgya-Abschnitt liefen von Joslowitz her zwei tschechische Grenzjäger vom Regiment Nr. 11 in voller Ausrüstung und mit Waffen auf reichsdeutsches Gebiet über. Sitz erklärten, daß die Stimmung unter den tschechischen Truppen im Thaya-Ab­schnitt infolge der bolschewistischen Wühlereien ge­spannt sei, daß es innerhalb der Truppenteile bereits zu Schießereien gekommen sei; eine Reihe von katholischen Tschechen setzten sich mit aller Macht gegen die von höherer Stelle be­fohlene bolschewistische Agitation zur Wehr. Man habe ihnen mit Erschießen gedroht, weil sie sich gegen die Mißhandlung deutscher Flüchtlinge ausgesprochen und diese als mit den Grundsätzen der Menschlichkeit und der christlichen Nächstenliebe unvereinbar bezeichnet hätten. Sie hätten darauf dep Entschluß gefaßt, die Tschecho-Slowa- kei zu verlassen, nachdem ja doch alles ver­loren sei und die bolschewistische Führung sie in das größte Unglück gestürzt habe.

Neue Grausamkeiten der tschechischen Soldateska.

Wien, 30. Sept. (DNB.) In Garschöntal wurde der Sudetendeutsche Franz R o s s a k aus Eisgrub bei dem Versuch, die Grenze zu überschreiten, von einer tschechischen Streife aufgegriffen und mit dem Bajonett niedergestochen. Trotz seiner schweren Verletzungen und unaufhörlich blutender Wunden wurde er gezwungen, sechs Kilometer zu Fuß bis zum nächsten Krankenhaus zu gehen, wo feine Auf­nahme vom tschechischen Arzt verweigert wurde. Rossak wurde daraufhin ohne ärztliche Versorgung, und ohne daß seine Wunden verbunden wurden, in das Gefängnis Nikolsburg eingeliefert.

Bei einem Grenzgang wurde unmittelbar auf der Grenze in der Nähe von Reichenbera im Ried der Grenzwachmann Robert Weiß von tschechischen Po- lizisten erschossen. Die Leiche wurde von den Tschechen auf tschechisches Gebiet gezogen und nach Feldsberg geschafft.

In Mielowitz bei Nikolsburg wurde der Ordner der Sudetendeutschen Partei Soukup von einem Gendarmen erschossen.

OieTschechen wollen EhlorgaS ablaffen

Böhmisch- Krumau, 30. Sept. (DNB.) Die tschechisch-jüdische Firma Spiro in Böhmisch- Kruma verfügt in ihrer Fabrik über große Mengen Chlorgas. Der jüdische Ingenieur S u l i k ver­suchte vor seiner Abreise nach Prag, das gesamte Chlorgas abzulassen, wurde aber von der Arbeiter­schaft unter der sich übrigens auch Tschechen be­finden und die vor den Chlorgasbehältern eine ständige Wache eingerichtet hat, daran gehindert. Das Ablassen des Gases würde höchste Gefahr für die Bevölkerung der ganzen Stadt mit sich gebracht haben. Sulik ist nach Prag zurückgefahren, am Don­nerstagabend überraschend nach Böhmisch-Krumau zurückgekehrt, offenbar mit der Absicht, gegebenen« falls unter militärischer Bedeckung den Versuch noch einmal zu machen. (!)

Line Freudenbotschast für ganz England.

Londoner Morgenpresse unter dem Eindruck des Münchener Abkommens.

London, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Nachricht von dem Abkommen der vier Mächte in München ist für London wie eine Erlösung gekommen. Als die ersten Gerüchte über ein Zu­standekommen eines Abkommens in London in den späten Abendstunden eintrafen, wurden teilweise in den Theatern und Kinos die Vorstellungen unterbrochen, um1 bem Publikum diese neue und so sehnlich erwartete Nachricht mitzuteilen. Ungeheurer Jubel war überall die Antwort auf üiOse Freudenbotschaft. Die Begeisterung fand zum Teil ihren Ausdruck in langandauernden Ju­belrufen auf den König und Chamberlain. Dasselbe Gefühl der Erleichterung spiegelt sich auch in der Londoner Morgenpresse wider, obgleich für ihre ersten Ausgaben die erste Mitteilung des tat­sächlich erreichten Abkommens noch nicht vorlag.

In ihren Leitartikeln behandeln die Blätter aus­schließlich das Abkommen von München, obwohl sie mit einer gewissen Zurückhaltung schreiben müssen, weil bei Abfassung der Leitartikel eine offizielle Bestätigung für den Abschluß noch nicht vorlag. DieTimes" unterstreicht u. a. als bezeichnend, daß der Spitznameb t e Großen Vier" (Big Four") jetzt bereits den in München versammelten Staatsmännern gegeben worden sei. Das erinnere einen an jene Verhandlungen in Paris die Friedensverhandlungen, deren Ergebnisse jetzt zum Teil rückgängig gemacht würden. Damals hätten nur Frankreich, England und Italien zu den Verhandlungsmächten gehört. Die Tatsache, daß ein deutscher Führer jetzt an Stelle eines Amerikaners den vierten Platz einnehme, fei symbolhaft. Das Fehlen eines deutschen Ver­treters bei den Friedensverhandlungen in Paris fei hauptsächlich für die Tatsache verantwortlich, daß Deutschland die Revision jetzt selbst in die Hand nehmen müßte. Später sagt dieTimes" dann, daß man allerdings d i e Zustimmung der am meisten betroffenen Regie­rung noch erhalten müsse. Man könne daher noch nicht mit Sicherheit davon sprechen, daß der ganze Komplex der deutsch-tschechischen Beziehungen ein­schließlich der Frage einer internationalen Garantie

Tiefe Befriedigung in Rom.

Rom, 30. Sept. (Europapreß.) Seit die Nach­richten über die erzielte Einigung der Staatsmänner in München durch Sonderausgaben der römischen Blätter den Einwohnern Roms zur Kenntnis ge­langt sind, gleicht die Stadt einem aufgestörten Ameisenhaufen. Dichte Menschenmassen füllen die Straßen der Stadt und diskutieren über das große Ereignis. In einer Sonderausgabe unterstreicht das G io male d'Jtalia" die feierliche Bestätt- gung des deutschen Rechts als Ergebnis der Münche­ner Besprechung, die auch dessen sofortige Befrie­digung gewährleiste. Die Einigung lasse alle Spe­kulationen um einen europäischen Krieg zunichte werden und gebe den europäischen Völkern den sicheren und gerechten Frieden zurück. Die Eini­gung sei der Sieg der wirklichkeitsnahen Politik Hillers und Mussolinis und die überwältigende Wi­derlegung jeder Nützlichkeit der Genfer Liga für eine wahre Friedenspolitik. Das Abkommen von Mün­

für den verbleibenden tschechisch-slowakischen Staat als Unruhefaktor verschwunden sei. England könne aber auf jeden Fall stolz darauf fein, daß fein Ver­treter in allen den hitzigen Gegensätzen der letzten Wochen ein klares Ziel gehabt habe, nämlich die gerechte Lösung dieses zentraleuropäischen Pro­blems, ohne einen Weltbrand hervorzu­rufen.

DerDaily Telegraph" meint, daß in allen Nationen der Schrecken vor dem Kriege und das Gefühl, daß der Krieg etwas Dum­mes sei, gleich stark sei. Der Unermüdlichkeit Chamberlains sei es zuzuschreiben, daß der Streit­fall jetzt wieder, obwohl er schon hoffnungslos ge­schienen habe, zur Schlichtung in den Konferenz- raum gebracht sei. Das Blatt schreibt bann, daß die Nachricht von dem Abkommen mit tiefer und allgemeiner Erleichterung begrüßt wurde. Die neuen Bedingungen müßten jetzt den Tsche­chen zur Annahme vorgelegt werden. Verschiedene Zweifelsfragen, so meint das Blatt, die einem bei der ersten Prüfung aufsteigen, würden sicherlich bei der Rückkehr Chamberlains am Freitag weitere Aufklärung finden.Daily Wl a i r schreibt, alle vernünftig denkenden Menschen, müßten sehen, daß die Münchener Besprechungen die wichtig- sten seit dem Kriege seien. Auch der mar­xistischeDaily H e r a I d", der immer die Partei der Tschechen ergriffen hat, findet sich jetzt mit der neuen Lösung völlig ab. Es sei, fo schreibt das Blatt, zum Guten ober Schlechten jetzt geregelt, daß das Sudetenland abgetreten werde. In England habe nunmehr keine Gedankenrichtung das Recht, tschechischer als die Tschechen" zu sein. Das Su­detenland sei abgetreten, und es würde weder den Tschechen noch irgend jemand sonst gegenüber fair fein, jenen zu raten, nicht mehr zu ihren Worten zu stehen. Das liberaleNews C h r o n i c I e" sagt, daß die ganze Welt schon bei der Ankündigung aufatmen werde, daß der Krieg abgewendet fei. Daily Expreß" ruft feinen Lesern zuFreut euch und danket Gott! Die Schwingen des Friedens rauschen über uns und den Völkern Europas."

chen bestätige auch, daß die enge Harmonie zwischen Italien und Deutschland lebendiger und mächttger sei als fe. Das Blatt schließt mit der Feststellung, Europa könne in der Münchener Einigung einen feierlichen Augenblick begrüßen, der seine Ehre und seine Zivilisation wiederherstelle.

M-ssaggero" erklärt unter der lleberschrift Die Geburtsstunde des neuen Europas":Der Friede ist gerettet. Recht und Gerechtigkeit haben ohne Waffengang gesiegt. Der tschecho-flowa- kische Wirrwarr ist ohne Krieg entwirrt worden, obwohl noch wenige Stunden zuvor jede Hoffnung auf eine friedliche Lösung verloren war. Die Be­gegnung von München hat in wenigen Stunden eine der abscheulichsten Schandtaten der Tyrann- Verschwörung von Versailles ausgelöscht und dieser Schandfleck von Versailles, mit dem 3% Millionen Deutsche den furchtbaren Klauen der Tschechen aus- geliefert worden waren, ist im Führerhaus in Mün-

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PALMOLIVE-SEIFE