Ausgabe 
30.8.1938
 
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verloren gegangene Lebensmoglichleiten zu breken. Der Dogelschutzverein vereinigt unter dem Vorsitz des Leiters der hessischen Landesforstoermaltung, Landesforstmeister Dr. Hesse, die Dogelschützer und Freunde der Vogelwelt in Hessen. Die dies- jährige Hauptversammlung wird am 4. September im Kerckhoff-Institut in Bad-Nauheim durchgeführt. Aus dem Programm der Tagung sind besonders ein Lichtbildervortraa des Leiters der Dogelschutzwarte Frankfurt, Dr. B a n z h a f, und eine Führung von Forstassessor Schäfer durch die Dogelschutz- anlagen des Kurparkes und der Goldsteinanlagen hervorzuheben.

Den Zagdlameraden erschossen.

LPD. Mainz, 29. Aug. Vor dem Mainzer Schwurgericht wird augenblicklich in einem dreitägigen Prozeß gegen den Friedrich Georg Weinsheimer aus St. Johann in Rheinhessen verhandelt, dem vorgeworfen wird, den Winzer Heinrich Beißer in einer Waldspitze der Gemarkung Ober-Hilbersheim am Psingstmontag erschossen zu haben. Der Erschossene war Mitvächter der Jagd der Gemeinde Sprendlingen (Rheinhessen). Das Waldstück, auf dem sich die Bluttat abgespielt hat, gehört zu der Sprendlinger Jagd und war Gegen- stand wiederholter Auseinanderset­

zungen zwischen den Pächtern der beiden Gemar­kungen. Die Situation verschärfte sich, als der jetzige Angeklagte kaum 200 Meter von der Sprend­linger Gemarkung eine Jagdkanzel errichtete, um die in seine Waldspitze überwechselnden Rehe der Sprendlinger Jagd abzuschießen. Es war auch wie­derholt zu gegenseitigen Strafanzeigen gekommen. Am Pfingstmontag war der erschossene Beißer in den Wald gegangen, um sich nach Rehböcken um­zusehen, für die eben die Jagd aufgegangen war. Dabei wurde er von der Jagdkanzel des Ange­klagten aus beschossen und schließlich in einer Aus­einandersetzung mit dem Angeklagten von diesem durch einen Revolverschuß niedergestreckt. Der An- geklagte schützt Notwehr vor.

Am ersten Verhandlungstag wurde eine Reihe von Zeugen vernommen, die sehr ungünstig über den Angeklagten aussagten. Insbesondere charakterisierte der zuständige Kreisjägermeister Weinsheimer als einen jähzornigen, brutalen, egoistisch auf seinen Vorteil bedachten Mann, dem wegen seines hoch­fahrenden Wesens der SpitznameBaron" gegeben worden war. Im Gegensatz dazu wird der Erschos­sene allgemein als ein friedliebender, harmloser Mensch geschildert, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute.

ORL.-Dasketball-Reichsmannschast trainiert in Gießen.

Am Basketballturnier bei den NS.-Kampfspielen in Nürnberg wird auch eine Basketball-Mannschaft beteiligt sein. Um die Mannschaft vorzubereiten, wurde nunmehr beschlossen, sie zu einem Trainings­lager in Gießen zu vereinigen. Die aus den ver­schiedenen Teilen des Reiches stammenden Spieler dieser Reichsbundmannschaft werden für einige Tage nach Gießen kommen, um auf den schönen Plätzen an der Liebigshöhe oder bei schlechtem Wetter in der Turnhalle des VfB.-Reichsbahn zu üben. Dabei werden voraussichtlich auch einige Uebungsfpiele mit der NSKK.-Reichsmannschaft, wie sie Gauobmann Mohr aus seinem Sturm aufgestellt hat, ausoe- tragen werden. Die Leitung des Uebungskursus für die DRL.-Mannschaft liegt in den Händen der Reichssportlehrer M u r e r o und Clausen.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 Dunlop Hanau 0:1.

Es hat nicht sollen sein! Auch diesmal mußten die Blauweißen ihrem Gast das bessere Ende über­lassen! Zum Teil lag dies daran, daß die Platzbe­sitzer doch nicht in der vorgesehenen Aufstellung an­treten konnten und zum anderen an dem unent­schlossenen, ja manchmal direkt hilflosen Spiel des Sturmes.

Die anfängliche Ueberlegenheit der Gäste, bedingt durch ihr genaues Zuspiel und die taktische Einstel­lung, ging etwa in der 15. Minute an die Platz­besitzer über. In dieser Zeit hatten die Blauweißen manche Chance, in Führung zu gehen. Doch neben einigem Pech, was man bei den Schüssen von Löb- sack und Bergmann wohl sagen kann, war es die Gleichgültigkeit, mit der Koch I. die klarsten Aus­sichten verschoß. Dadurch verwirrt, sank die Lei­stungskurve stark ab und die Gäste machten sich wieder mehr bemerkbar. In dieser Spanne fiel auch der Treffer für die Hanauer. Ein auf Richtung Tor gehender Schuß wurde von Fischer ausgenommen, der Ball entfiel ihm jedoch, und der hinzuspringende Puth nützt die günstige Gelegenheit.

Nach dem Wechsel ändert sich das Geschehen in­sofern, als jetzt mehr Abwechslung in das Spiel kam. Die Momente wechselten jetzt schneller. Da­durch kam es zu mehr Abwicklung im Felde als in den Strafräumen. Die Folge davon war, daß das Spiel an Wert merklich verlor. Gegen Schluß steigerte es sich zwar nochmals, als die Platzbe­sitzer sich um den Ausgleich bemühten. Doch vergeb­lich, die Hintermannschaft der Gäste gab sich keine Blöße und so mußten sich die Blauweißen abermals denDunlopmännern" beugen.

Die Gäste in der Aufstellung: Weber, Schlett, Bauswein, Roth, Schmitz, Schmidt, Steinmeyer, Weigand, Puth, Gruner, Michel, haben sich gegen­über ihrem ersten Auftreten nicht verändert. Ihr technisches Können ist noch vorhanden, doch schien ihre Kampfstärke nicht mehr so ausgeprägt.

Die Blauweißen mit der Vertretung Fischer, Zei- ler, Hain, Erhard, Rensina, Günther (Kirchner), Theiß, Bergmann, Koch I., Löbsack, Kociok ließ gegenüber dem Vorsonntag manchen Wunsch offen.

Schwarz ...bei Blauweiß!

Die Jugendmannschaften warfen alle Erwartun- gen über den Haufen. Von der 1. Jugend erwartete man einen Sieg und eine Niederlage wurde mit« gebracht. Der 2. Jugend hatte man gar keine Chance eingeräumt, aber wider allen Erwartungen erzielte sie einen eindeutigen Sieg. Die 3. Jugend kämpfte unglücklich und mußte wieder geschlagen das Feld verlassen.

1900 1. Jugend Komb. Mannschaft Leihgestern 0:4 (0:1).

1900 2. Jgd. Oueckborn 1. Jgd. 3:0 (2.-0).

Die 2. Jugend der Blauweißen schlug sich mehr als tapfer. Nie hatte man erwartet, daß sie auf dem Gelände in Queckborn einen solchen Sieg er­ringen würde.

1900 3. Jgd. Allendors (Lahn) 1. Jgd. 1:6 (0:6).

Die 3. Jugend mußte mit einer hohen Niederlage den Heimweg antreten. Erst in der zweiten Halb­zeit fanden sich die Jungens der Spvgg. 1900 und erzielten auch in dieser Spielperiode das Ehrentor. FE.Teutonia" Watzenborn-Steinberg

Teutonia" Steinberg I BfB.-R. Gießen 1 2:3 (1:2).

Auf dem Sportplatz an der Neumühle herrschte am Sonntag wieder einmal Hochbetrieb. Waren es doch drei Teutonen-Mannschaften, die mit ansehn­lichen Gegnern die Kräfte maßen. Leider errang nur die Jugend einen Sieg.

Zum Spiel der 1. Mannschaft muß berücksichtigt werden, daß die Teutonen mit fünf Mann Ersatz antraten; auch die Gießener waren nicht komplett. Zeitweise bewegte sich die Spielweise hart an den Grenzen des Erlaubten. Bei den Gästen war der beste Mannschaftsteil der Sturm, während die Ab­wehr der Gießener nicht allzu stark war. Doch der Steinberger Sturm brachte es nicht fertig, die ge­botenen Chancen auszunützen. Folgende Spieler traten an:

VfB- R.: Gottschalk; Thron, Leutheuser ; Feh­ling, Kramer, Mattern; Fleischauer I, Fleischauer II, Godglück, Schlitz, Schmuck.

Teutonia: Happel; Jung. Fett; W. Schmandt,

A Großen-Lindrn, 29.Aug. Eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Witwe Christine Peppler, geborene Stamm, Bahnhofstraße 110, konnte ihren 8 8. G e b u r t s ta g feiern. Dle Grei­sin erfreut sich noch vechältnismaßig guter körper- licher und geiftiger Rüstigkeit. Die Schuler der mittleren und oberen Jahrgänge sammelten im Laufe der letzten Woche auf den abgeernteten Aek. fern Aehren für die NSV. Auch rupften, wie in den Vorjahren, die beiden obersten Jahr­gänge den Flachs auf dem Gemeindefeld.

Kreis Wetzlar.

(V K r o f d o r f. 29. Aug. Vom Wetter begünstigt beging am Sonntag der hiesige N S D.- K i n d e r - garten fein Kinderfest, gleichsam als Auftakt zur Krofdorfer Kirmes am kommenden Sonntag. In einem bunten Festzug marschierte und fuhr auf kleinen Wägelchen die Kinderschar auf den farbenprächtig abqegrenzten Platz an der Turnhalle. Der Obmann der NSV., Hauptlehrer Schwalm, begrüßte die Besucher, kennzeichnete die Bedeutung der Kinder­gärten und wies auf die Wertschätzung der kinder- reichen Familien im heutigen Staate hin. Die Aus- Führungen klangen im Gruß an den Führer aus. Zwei Stunden lang tummelten sich bann die Kleinen im Ring, zeigten viel abwechslungsvolle Spiele und nahmen zum Lohn Würstchen, Brötchen und Brezel in Empfang. Tante Friedel und ihre Helferin Erika sorgten für mustergültige Abwicklung der Spielfolge und ernteten für ihr Mühen Anerkennung und Dank.

Ständiges Fliegerlager der HZ.

LPD- Eibelshausen (Drllkreis), 29. August. Das in diesem Jahre zwischen Eiershausen und Hir­zenhain eingerichtete Fliegerlager der HI., in dem in den letzten Wochen Hunderte von Jungen aus dem Rhein-Main-Gebiet versammelt waren, soll alle Jahre dort eingerichtet werden. Die Jungen üben in dem schönen Gelände am Eiershau- fener Hang sowie auf den Bergen bei Hirzenhain.

Drei schwere Derkehrsunfälle.

Zwei Tote, vier verletzte.

Lpd. Marburg, 29. Aug. In den späten Abendstunden des Sonntag ereignete sich auf der Straße zwischen Marburg und Gießen vor Sichertshausen ein folgenschwerer Autoun - fall. Ein Kraftwagen, der mit zwei jungen Män­nern und einem Mädchen besetzt war und nach Mar­burg wollte, fuhr mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baurn. Die drei Personen wurden schwer verletzt und mußten in die Marburger Klinik gebracht werden. Der Kraftwagen wurde vollständig zertrümmert.

Lpd. Herborn, 29. Aug. Auf der Burger Landstraße wurde der 57 Jahre alte Karl Melchert aus Burg von einem Personenkraftwagen angefah­ren und so schwer verletzt, daß er kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Das Auto wurde bei dem Zusammenstoß gegen eine Mauer geschleudert und schwer beschädigt. Der aus Roth stammende Kraftwagenfahrer wurde, nachdem man ihm eine Blutprobe entnommen hatte, in haft ge­nommen.

Lpd. h a i g e r , 29. Aug. Zwei junge Leute, die sich mit dem Motorrad auf der Fahrt von Wies­baden nach Werl befanden, waren von Limburg über den Westerwald nach Bürbach gekommen und gedachten von hier aus Siegen zu erreichen. Sie verfehlten jedoch den Weg und kamen versehentlich in das Gebiet der Kalten Eiche, von wo sie den Allendorfer Berg hinunterfuhren. Obwohl sie die Warnungsschilber beachteten, unterschätzten sie als Wegunkundige in ber Dunkelheit es war nach 20 Uhr wohl die Gefahren des Berges unb kamen in ber berüchtigten Kurve zu Fall. Der Len­ker des Motorrades, ein 24jähriger Mann, war f o - fort tot, während der Beifahrer mit leichteren Verletzungen davonkam.

Doaelschuharbeit in Hessen.

Jahreshauptversammlung des Vogelschuhvereins.

Lpd. Darmstadt, 29. Aug. Seit Jahrzehnten verfolgt der Dogelschutzverein für Hessen das Ziel, den durch die fortschreitende Kultivierung des Lan­des in ihrem Bestand bedrohten Vögeln durch ge­eignete Einrichtungen und Maßnahmen Ersatz für

Kannst du zurück, Don?

Roman von Hedda Lindner.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Gar nicht so schlimm!" Dores Stimme zitterte vor Aufregung; sie machte sich jetzt erst richtig klar, was ber Mann für sie gewagt hatte, so sehr er auch durch seinen leichten Ton darüber hinweggehen wollte.Sie haben Ihr Leben eingesetzt, um meines zu retten. Oder wollen Sie bestreiten, daß ich ohne Ihr Eingreifen jetzt wahrscheinlich ..." Sie wurde blaß und schluckte ein paarmal schwer.

Mein Leben!" Er lachte kurz auf.Das braucht Sie nicht zu belasten, ber Einsatz rift nicht allzu hoch."

Oh!" sagte Dore und verstummte erschreckt vor der Bitterkeit, die aus seinen Worten unb mehr noch aus seiner Stimme klang. Erst nach einer ganzen Weile fing sie zaghaft wieder an:Das Leben ist nicht immer leicht, ich habe es auch schon erfahren müssen. Aber solange man dies noch haben darf", sie wies auf las Land ringsum,und die Sonne, und die Blumen Sie glauben nicht, wie dankbar ich Ihnen bin, baß ich das alles noch sehen darf."

Dank ist ein Wort, das ebenso rasch gesprochen wie vergessen ist", entgegnete er verächtlich.

Dore fliegen bei dieser schroffen Abweisung Trä- nen in die Augen.

Das dürfen Sie nicht sagen", sie kämpfte müh­sam das Weinen nieder,für mich ist Dankbarkeit bestimmt kein leeres Wort. Ich wollte, ich könnte es Ihnen beweisen."

Er antwortete nicht gleich, sondern sah vor sich hin, aber man merkte seinem Gesicht an, daß ein Gedanke in ihm arbeitete.

Vielleicht nehme ich Sie tatsächlich beim Wort , sagte er langsam.

Wenn Sie bas tun wollten, wäre ich froh dar­über."

Er schwieg wieder, sichtlich immer noch mit die­sem Gedanken beschäftigt.

Sind Sie verheiratet?" fragte er plötzlich.

Sie schüttelte den Kopf.Ich bin Witwe. Seit vier Jahren schon. Ich war kaum sechs Monate ver- heiratet", fügte sie noch hinzu, als sie sein Erstau­nen bemerkte.

Darum. Ich wunderte mich. Sie müssen doch noch sehr jung sein."

Genau sechsundzwanzig."

Er nickte nur kurz, so ungefähr hatte er sie ge­schätzt.Wie.lange wollen Sie noch in der Schweiz bleiben?" fragte er weiter.

Ungefähr vierzehn Tage."

Nun gut. Schenken Sie mir diese vierzehn Tage!"

Dore sah ihn an, gänzlich fassungslos. Er sah starr geradeaus, sie konnte nicht erkennen, ob seine Worte Scherz oder Ernst waren.

Wie wie soll ich das verstehen?" sagte sie dann zögernd.

Wie ich es gesagt habe. Sie sollen mir vierzehn Tage Ihres Lebens schenken."

Und dann?"

Dann verschwinde ich für immer aus Ihrem Ge­sichtskreis. Sogar aus Europa, wenn Sie das be­ruhigt. Und Sie, Sie kehren in Ihr gewohntes Da­sein zurück und werden sehr rasch vergessen, daß Sie einmal zwei Wochen lang ein fremdes Leben miterlebt haben."

Zurückkehren?" In ein gewohntes Leben zurück- kehren, als ob nichts gewesen ist? Kann man bas?" »sagt sie grübelnd, mehr zu sich selbst.

Warum nicht! Wenn die äußeren Bedingungen so günstig liegen wie hier. Wir beide in einem frem­den Land, unb ich sagte Ihnen ja schon, baß ich nachher für immer verschwinben werbe."

Einfach vierzehn Tage aus meinem Leben her­ausnehmen und einem fremden Menschen geben wie denken Sie sich bas eigentlich?"

Dore hat ihr gefährliches Erlebnis fast vergessen, so sehr nahm sie bieser absonderliche Vorschlag ihres Retters.gefangen.

Zunächst möchte ich bemerken, baß ich nicht beab­sichtige, Äe zu irgendeinem verbrecherischen Vor­haben zu benutzen. Ebenso werde ich bestrebt sein, Sie so wenig wie möglich bloßzustellen. Allerdings müßten Sie'sich verpflichten, während dieser Zeit weder Bekanntschaften zu machen, noch mich in Briefen jemals zu erwähnen; weder als Reisebe­kanntschaft noch als sogenannten Lebensretter. Ich bin für niemanden da und nach diesen vierzehn Tagen auch nicht mehr für Sie", erklärt er sachlich.

,jöber ich weiß doch gar nicht, wer Sie über­haupt sind."

Ebensowenig weiß ich, wer Sie sind", antwor­tete er kühl.

Ihre Nerven gaben nach.Aber bas ist doch Wahnsinn, bas ist boch völlig unmöglich", schrie sie ihn an.

Er warf ihr einen schrägen Seitenblick zu und lachte. Dore empfand dies Lachen wie einen Schlag. Sie haben recht, es ist unmöglich", sagte er darauf mit einer Gelassenheit, die sie täuschen würde, hätte

sie fein Lachen nicht gehört,es sollte auch nichts weites sein als eine Illustration zu dem Wort Dank!"

So fassen Sie das auf?" Dore war empört unb gleichzeitig verwirrt, sie fühlte sich boch irgenbwie getroffen.

Er erhob sich.Ich denke, Sie sind jetzt ausge­ruht genüg, um weitergehen zu können; ich werde Sie bis zum Dorf begleiten", sagte er abschließend und bot ihr den Arm.Der Weg ist breit genug, stützen Sie sich auf mich."

Sein Ton schloß Widerspruch aus.

Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. Dore spürte die kräftigen Muskeln seines Ar­mes durch das leichte Seidenhemd, das er trug.O Gott, Ihr Rock! Der ist boch sicherlich hin", fiel ihr plötzlich mit Schrecken ein.

Diese Bemerkung war so echt weiblich, daß er doch lächeln mußte.Das kann man wohl sagen", antwortete er nicht ohne Humor.Auf diese Ver­wendung war er nicht eingerichtet. Aber es braucht Sie nicht auch noch zu beunruhigen, ich bin ausrei­chend versehen."

Dore schwieg wieder und ging im Geist ihre Be­kannten durch: wer von ihnen würde wohl den Mut haben, seinen Rock einem rasenden (Stier über den Kopf zu werfen? Das Ergebnis war betrübend: sie hätten sich wohl sämtlich auf gute Ratschläge Hinterm Zaun beschränkt, trotz aller Freundschaft mit ihr, sie war ein gänzlich unbekanntes Wesen, das leichtsin­nig in einem roten Pullover durch ein abgegrenztes Weidegebiet gegangen war. Und doch verdankte sie ihm ihr Leben. Dasselbe Leben, von dem er jetzt vierzehn Tage verrückter Gedanke wie ein Mensch nur auf so etwas kommen konnte ...

Was hat das mit Dank zu tun?" fragte sie plötz­lich heftig aus ihren Ueberlegungen heraus.

Wieder lächelte er etwas spöttisch.Sie behaup­ten freundlicherweise, ich hätte Ihnen das Leben ge­rettet. Ein Leben, von dem Sie nach menschlichem Ermessen noch eine geraume Spanne Zeit erwarten können. Und von allen diesen Jahrzehnten, die Sie nach Ihrer eigenen Ansicht mir verdanken, wollen Sie dennoch nicht vierzehn Tage für mich opfern."

So dürfen Sie bas doch nicht auffassen", sagte Dore nervös.Was Sie verlangen, ist berart un­gewöhnlich ..."

Das gebe ich zu. Aber dennoch kaum ungewöhn­licher als bie' Umftänbe, in denen mir uns begegnet sind. Im übrigen sind Sie auf das Thema zurück­gekommen, nicht ich."

Weil ich nicht will, daß Sie mich für undankbar halten. Daß mir an Ihrer guten Meinung liegt,,

H. Schmandt, K. Schmitt; Hirz, Häuser, M. Schmitt» Brückel, Buß.

In den ersten zehn Minuten sah man ein verteil« tes Feld spiel. Beide Hintermannschaften verhindere ten zunächst jeden Erfolg. Einige 16-Meter-Strafe stoße für Steinberg brachten nichts ein. In ber 18« Minute fiel bann Das erste Tor, aüerbings für bis Gäste. Der Rechtsaußen hatte sich fein burchgespielt» und seine Vorlage verwandelte Godglück für Happel unhaltbar. Nach Wiederanstoß versuchte es Schmitt mit Alleingängen, boch meistens wurde er gelegt unb konnte nichts erreichen. Doch in ber 30. Minute wurden bie Bemühungen belohnt. Buß war es, bet mit einem schönen Flachschuß Gottschalk schlagen konnte. Lange bauerte bie Freube jeboch nicht, Denn ber Gäste-Linksaußen lanbete einen Bombenschuß Bei diesem Stande blieb cs bis zur Pause.

Nach dem Wechsel wurde unverdrossen meiterga kämpft. Doch im Teutonen-Sturm klappte es nichG Immer wiener drängten bie Läufer nach vorne, boch alles schien vergebens. Als jeboch Fehling hei einem Strafstoß den Ball mit ber Hand herabschlug, ließ es sich Fett nicht nehmen, den verhängten Elfmeter sicher zu verwandeln. Kurze Zeit danach hatte Brückel eine günstige Gelegenheit, ein weite­res Tor zu erzielen, aber jagte das Leder haushoch Darüber. Man hatte sich schon allgemein mit diesem Stande abgefunben, boch bie Gäste würben noch glückliche Sieger. Einen Weitschuß hielt Happel nicht fest, unb ber nachsetzende Godglück erzielte das Sie­gestor. Trotz größter Bemühungen konnten bie Teu­tonen an diesem Stande nichts mehr ändern.

Teulonia II BfB.-K. Gießen II 11:4 (0:2).

In diesem Spiel waren bie Gäste bie einwand­frei bessere Mannschaft. Der Sieg war verdient.

Jugend Jugend Dorf-Gill 5:1 (2:0).

Die Jugendlichen zeigten ein schönes Spiel und gewannen auch in dieser Höhe verdient.

Sportverein 1920 Lollar.

Lollar I Oberursel! 1:2 (1:1).

Die Lollarer Elf schlug sich tapfer und konnte ein ehrenvolles Resultat erzielen. Hatte doch die Platz­mannschaft gegenüber den schnellen und einsatz. bereiten Gästen einen schweren Stand. Bis zehn Minuten vor Schluß stand das Spiel noch 1:1 und mancher Anhänger rechnete im stillen vielleicht doch, noch mit. einem unentschiedenen Ausgang. Der Gästesturm sorgte aber Dafür, daß es doch noch anders kam. Torwart Ziegler war gegenüber beiden Toren machtlos, ja er hat sogar durch seine präch- ttge Abwehr großen Anteil daran, daß die Tor­differenz nicht höher ausfiel. Die Läuferreihe verfiel wieder in ihren alten Fehler, sich zu weit hinten in der Verteidigungszone aufzuhalten, statt besser die Verbindung mit ber Stürmerreihe zu suchen. Da» burch konnten sich bie Stürmer nicht richtig entfalten unb tarnen wenig zum erfoIgDerfprerfjenben Tor­schuß.

Mit dem Anstoß ber Gäste entwickelte sich ein temperamentvolles Spiel. Die Lollarer Hintermann­schaft hatte alle Hände voll zu tun. Bei den Gästen fiel bie Sicherheit im Zuspiel unb bie gute Ball- behanblung auf. Trotz einer leichten Felbüberlegen- beit ber Oberurseler konnte Lollar nach den ersten 20 Minuten den Führungstreffer anbringen. Die Freude dauerte jedoch nicht lange unb zehn Mi­nuten später hatte Oberursel den Ausgleich geschaf­fen. Mit diesem Stanb ging es bann auch in bie Pause.

Nach bem Wechsel sah man bäsfelbe Bilb der leich­ten Ueberlegenheit ber Gäste. Immer wieder ver­standen sie durch ihren schnellen Einsatz zuerst am Ball zu sein unb konnten so ben Kampf lenken. Die Platzelf strengte sich wohl mächtig an unb Der Sturm versuchte immer roieDcr burchzukommen. Es würbe aber zu burchsichtig gespielt, so baß es für die aufmerksame Hintermannschaft ber Gäste nicht schwer war, abzuwehren. Die Gäste nutzten bann geschickt einen schwachen Augenblick ber Lollarer Verteibigung aus und kamen zu ihrem siegbringen- ben zweiten Tor. Endlich rückte die Läuferreihe der Platzelf mehr auf unb Lollar konnte bie letzten zehn Minuten bas Spielfeld beherrschen. Um ein Weni­ges wäre ben Gastgebern Der Ausgleich geglückt, jeboch ber Schlußpfiff machte bem Spiel ein Enbe.

Lollar II Oberursel Reserve 5:1 (1:0).

Die zweite Mannschaft von Oberursel weilte in Leihgestern, Dafür trug bie Oberurseler Reserve ein

werden Sie vielleicht verstehen", antwortete sie ge­reizt.

,Zch habe Durchaus keine schlechte Meinung von Ihnen", versicherte er höflich.Sie benehmen sich genau, wie sich jeDe andere Frau in Ihrer Lage auch benehmen roürDe; sogar etwas besser, muß ich anerkennen: Sie haben wenigstens darauf ver­zichtet, die landläufigen Moralbegriffe - ins Treffen zu führen."

Auf die Gefahr hin, daß Sie mich für leichtsin­nig halten."

Er wandte Den Kopf unb sah sie voll an, zum ersten Male war etwas wie Wärme in seinem Blick. Wenn ich Sie für leichtsinnig hielte, hätte ich bie» ses Ansinnen nicht an Sie gestellt. Ich suche kein Abenteuer."

Den Einbruck halt? sie von Anfang an nicht ge­habt, aber was suchte er bann? Dore schweigt, von Den wiberstreitenbsten Empfindungen hin unb her gerissen. Das war ja alles gar nicht ernst zu neh­men, was dieser Mann baberrebete, man lieh sich Doch nicht einen Menschen für eine bestimmte Zeit aus wie ein Buch ober einen Regenschirm. Es war einfach ein Scherz, um ihr qber den Schock hinweg­zuhelfen.

Wenn es aber Doch kein Scherz war der Stier jedenfalls hatte es bitter ernst gemeint, und wenn dieser Mann nicht gekommen wäre, läge sie als blutige, zerstampfte Masse Da oben man mußte nur Den Mut haben, sich Das richtig klarzumachen. Dann fand man doch, daß vierzehn Tage eine be» scheidene Forderung waren, nachdem man ein gan­zes Leben geschenkt bekommen hatte.

Sie fühlte eine plötzliche Zuneigung in sich auf» springen für diesen fremden Menschen, anders als die bisherige natürliche Dankbarkeit ihrem- Retter gegenüber. Es war fast ein körperliches Gefühl, schmerzhaft und beseligend zugleich. Unwillkürlich stützte sie sich stärker auf ihn, sie fühlte Die Wärme seines Armes durch ihre Haut bringen, fühlte, wie jeder Nero in ihr auf diese Wärme antwortete.

Und damit entschied sich alles.

Sie waren im Dorf angekommen, und er gab ihren Arm frei.Geht es jetzt?"

Sie machte ein paar Schritte.Vollkommen. Ich bin wieder ganz in Ordnung. Vielen Dank!"

Sie haben sich tapfer gehalten", sagte er aner­kennend,ich darf mich jetzt verabschieden." Er streckte ihr die Hand hin.

Sie legte die ihre hinein, langsam, zögernd, wie um bie Entscheibung noch hinauszuschieben.War bas bas vorhin wirklich Ihr Ernst?" fragte sie unsicher.

(Fortsetzung folgt!)