Ausgabe 
30.8.1938
 
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Weinprobe in Franken.

Von Philipp Gottfried Maler.

Weil der Wein mehrmals jedes andere Gewächs den Charakter der Landschaft in sich trägt, schmeckt er dort am besten, wo er wächst. Nicht nur, daß die Substanzen der Erde, aus der er kommt, in ihm in edler Verwandlung auferstehn. Auch seine Men­schen gehören zu ihm, seine Dörfer und Städte, Felder und Hügel und Hänge, auf denen er gedieh, Fluß und Strom, deren glitzernder Widerschein ihm zum Segen wurde.

Die noblen Weinhäuser der großen Städte in allen Ehren, aber was sind sie gegen die stillen Stuben ländlicher Gasthöfe, in denen die Geister der Jahrhunderte umgehen! Dankt dem Lenker eurer Schritte, der euch hier irgendwo einkehren heißt. Denn hier wird euch der Wein wie ein stilles Wunder aufblühen, wenn der Herr des Hauses, der alte Gastwirt wie ein besorgter Vater neben euch sitzt, schmunzelnd vor Freude und Stolz, da er euch nachdenklich die Blume wittern sieht. Und dann trinkt ihr, kostet mit ausdrucksvollen Lippen den Nachhall des Weins und zieht anerkennend die Augenbrauen hoch. Und das sagt euerm Wirt ge­nug. Auf euch hat er gewartet.

Franken ist jenes gesegnete Stück deutscher Erde, das der Main zwischen Schweinfurt und Gemünd im Dreieck durchzieht. Hier sind wir im Herzen des fränkischen Weinlandes. Nur wer sein Vaterland und seine Schätze nicht genügend kennt, weiß nicht, welche Freunde der Frankenwein seit alters besitzt, daß in der Karolingerzeit diese Hügel schon mit Re- ben bepflanzt waren, daß die hohen Herren vieler Jahrhunderte, weltliche und geistliche, ihn zu schät­zen wußten. Bei Gott, aus der klassischen Dichtung können wir erhärten, daß wir mit Recht in dieser Landschaft verweilten und unsere Liebe zu seinen warmen Hängen, zu den edlen Jahrgängen seiner ehrwürdigen Keller erneuerten.

Sende mir noch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken, und ich bin ver­drießlich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht." (Goethe an seine Frau, 1806.)Der uns bis jetzt von Euer Hochwohlgeboren übersendete Escherndorfer 1798er Wein hat den Beifall meines Vaters erworben, und wenn Sie uns mit dergleichen ferner nutzen können, so wird es mir angenehm sein, meine Bestellungen erneuern zu können. Vor­derhand ersuche ich Euer Hochwohlgeboren, uns abermals ein Zweieimerfaß (etwa 150 Liter) von besagtem Escherndorfer 1798er Wein baldigst zu

übersenden. Jedoch bemerke ich, daß mein Vater be­sonders auf größte Egalität im Wein streng achtet und besonders liebt, wenn dergleichen Weine ihre natürliche blasse Farbe behalten." (August v. Goethe an eine Schweinfurter Weinhandlung, 1819.) Ersuche hiermit ergebenst, mir noch vor den Frö­sten ein Ohm (ungefähr 150 Liter) Escherndorfer für meinen Vater zu senden, da Besuche mancher Art den Vorrat dünn gemacht haben." (August v. Goethe an eine Schweinfurter Weinhandlung, 1826.)

Der universale Mann hat auch in dieser Sache das Rechte gefunden. Doch möchten wir zu seinen Gunsten annehmen, daß in anderen Briefen auch Randersackerer (bei Würzburg) und vor allem Jphofer Wein bestellt worden ist. Die Heilbronner Fachleute von 1937 werden wissen, warum sie Ip­hofens' Weinbau (Echterberg" Trockenbeerenaus­lese 1934!) mit einer hohen Auszeichnung bedacht haben, denn bei diesem Städtchen, abseits vom Main, an den Hängen des Steigerwalds, gedeiht in idealer Lage Vorzügliches, das dann in altehrwür­digen Kellern, die Fröhliches und Schreckliches ge­sehen haben, der Vollendung entgegenreift.

Wenn wir also jetzt, geleitet vom väterlichen Wirt, ausgerüstet mit Brst und Gläsern und Hammer in den Keller steigen, so steigen wir einige Jahrhun­derte vier bis fünf mögen es sein in die Tiefe. Mönche eines nahen Klosters haben sein Gewölbe erbaut, wie auch das Haus darüber, das von auf­rührerischen Bauern zerstört worden ist. Das ist nun schon lange her, daß der Bruder Kellermeister hier umging und einer Tages der Schrecken in die gepflegte Gemütlichkeit einbrach. Und wir beiden sind es nun im Wandel der Geschlechter, ein Wan­derer und ein väterlicher Wirt, die hier auf Leitern Fässer ersteigen, Spunde losklopfen und mit dem Schläuchlein die Proben entnehmen. Wie wir aber am Morgen in der Spätsommersonne denKrons- berg", dieKammer", dieKalb" und denEchter- berger" (nach dem Würzburger Fürstbischof. Julius Echter von Mespelbrunn genannt, der um 1600 Iphofen förderte) durchwanderten, grauen und roh lidjcn Boden in der Hand zerbröckeln ließen, auch die Traubensorten des Landes (Silvaner, Traminer, Muskateller, Riesling) kosteten, so schlürfen wir jetzt, von Faß zu Faß wandernd, was Sonne und menschliche Kunst aus der fränkischen Rebe machten. Wie zwei zeitlose Geister, das Glas am Munde, den Finger bedeutsam hebend, ein wenig angestrengt bemüht, Rasse und Charakter der Proben zu er- spüren, stehen mir, spärlich beleuchtet, vor den hohen Fässern, die Hand aufs Herz Tod und Le­ben zu spenden in der Lage sind. Uns aber gereich' es zu Leben und Gesundheit! Auch euch in der.

konnten die Wassermengen nicht fassen. Der Gönsbach trat teilweise über seine Ufer und überschwemmte die Umgegend. An der-tiefsten Stelle des Dorfes, auf demKreuz", {taufe sich das Wasser, es bildete sich ein See. Fast die ganze Hundstaatenstraße, der Niederhofen sowie ein Teil des Schmittgrabens und der Breitgasse standen vollständig unter Wasser.

Die ersten Autos, die die Tiefe des Wassers, es stand an vielen Stellen über 50 Zentimeter hoch, unterschätzten, blieben im Wasser stehen, da die Motore aussetzten, und sie mußten mit Hilfe von andern Fahrzeugen abgeschleppt werden. Als der Regen in immer stärkerem Maße vom Himmel stürzte, wurde die Feuerwehr alarmiert, die dann den Durchgangsverkehr durch die ver­schiedenen Seitenstaßen regelte.

Das Wasser drang in die Keller und Dorrctts- räume der anliegenden Bewohner ein und ver­ursachte hier den größten Schaden. In manchen Räumen zu ebener Erde standen schon Säcke, in denen ein Teil der gedroschenen Frucht war.

Nahezu zwei Stunden tobte das Wetter, auch einzelne Blitze schlugen ein, ohne allerdings Schaden anzurichten. Gegen 18 Uhr ließ der Regen nach, um dann gegen 20 . Uhr von neuem einzusetzen. Der Arbeit der Feuerwehr gelang es dann doch, das Wasser langsam zum Abftießen zu bringen, so daß in den späten Abendstunden der normale Durch­gangsverkehr wieder einsetzen konnte.

*

<£ Großen-Linden, 29. Aug. Auch in unse­rem Dorfe und über unserer Gemarkung trat das Unwetter des gestrigen Nachmittags stark in Erschei- nung. Die Ortsstraßen glichen für einige Zeit reißen­den Bächen. Ganz besonders im unteren Ortsteil stauten sich die Wassermassen, so daß im Nu Keller und Diehställe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Diele Tiere standen im Wasser. Die Motorspritze mußte dazu herangezogen werden, eine Reihe von Kellern auszupumpen. Die ältesten Einwohner unse­res Ortes erinnern sich seit einem halben Jahrhun­dert eines so schweren Unwetters nicht.

Aus der Stadt Gießen.

Insel der Freude.

Dornotizen.

Eben hatte ich am Postschalter einige Marken ge­kauft, als mir in der Schalterhalle ein Bekannter über den Weg lief. Wir grüßten uns und sprachen einige Worte.Aber Sie haben ja Marken in der Hand", sagte plötzlich der Bekannte und heftete sei­nen Blick auf die grünen und roten Postwertzeichen, darf ich mal sehen?" Natürlich, ich hatte nichts da­gegen. Nach einigen Augenblicken der Prüfung gab er mir die Marken zurück.In Ordnung, sogar sehr in Ordnung, leider." Auf meinen erstaunten Blick offenbarte er mir, daß er Markensammler sei.Nur so nebenbei, eine kleine Liebhaberei von mir, weiter nichts." Was das aber mit den neuen gekauften Marken zu tun habe, wollte ich wissen.O, auch darunter gibt es Raritäten", lachte er,Zufallselten­heiten, man muß sie nur erwischen. Aber Sie müs­sen -mich mal besuchen. Ich erkläre es Ihnen."

Ich habe meinen Bekannten eines Tages besucht. Bei dieser Gelegenheit bekam ich einem Einblick in die Geheimnisse der Briefmarkenkunde. Ich erfuhr, was es mit dem gezähnten Rand der Briefmarke auf sich l)at, welche Bedeutung die Wasserzeichen haben, und welcher Wert den Seltenheiten beige­messen wird. Was mich aber weit mehr interessierte, war die offensichtliche Hingabe, mit der mein Be­kannter sich der Sache widmete. Stolz zeigte er seine Schätze, mit einem Eifer ohnegleichen weihte er mich ein. Als ich meine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, wurde er ein wenig ver­legen. ,La, wissen Sie, etwas muß ja der Mensch haben. Für mich ist das Sammeln immer wieder eine äußerst reizvolle Sache, eigentlich kann ich sagen, sie ist meine Insel der Freude."

Das Wort von derInsel der Freude" ließ mich aufhorchen. Es war gar nicht so schlecht gewählt, denn ich hatte mich ja überzeugen können, mit wel­cher Lust und Liebe -mein Bekannter seine Neigung pflegte. Tagsüber hatte er seine alltägliche Arbeit, er ging in eine Maschinenfabrik, aber abends rettete er sich auf jene Insel, die ihm Freude unh Glück be­scherte. Und geht es nicht vielen ähnlich so? Der Alltag fordert von uns allen ein gerüttelt Maß an Pflicht, und nur wenigen ist es vergönnt, im Berus restlose Befriedigung zu finden. Deshalb ist es gar kein Wunder, roepn die stille Sehnsucht sich eine Insel sucht, wo sie ihre Beglückung erfährt. Einer ist eifriger Radiobastler, der andere zeichnet und malt in seinen Freistunden, dieser, pflegt Musik, jener widmet sich der Photokunst. Vielfältig wie die Tem­peramente der Menschen sind auch ihre Neigungen, aber glücklich ist der, der mitten im Alltag eine Stätte weiß, wo er ganz sich selbst geben kann.

Und so kommen häufig Leistungen zustande, die sich wirklich sehen lassen können. Ist das aber nicht der beste Beweis dafür, daß in jedem Menschen Kräfte schlummern, die nur gehoben werden müssen? Oft genug schon hat eine stilleInsel der Freude" Talente entwickelt, die zum allgemeinen Nutzen ihre Anwendung finden konnten. Vor allem aber hat sie einer geheimen Sehnsucht Raum gegeben, und das ist das schönste, weil sie damit einem schaffenden Menschen den Alltag verklärt. H. W. Sch.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Spiegel des Lebens". ^Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Geheimzeichen 500000 M.

nach Heffen-Naffau gefallen.

Lpd. In der gestrigen Vormittagsziehung wurden bei der Preußisch-Süddeutschen Staatslotterie zwei Gewinne von je 500 000 RM. gezogen. Die beiden Gewinne fielen auf die Losnummer 19 6 131. Das Los wird in der ersten Abteilung in Achtelteilung in einer Lotterieeinnahme in Hessen-Nassau,' in der Zweiten Abteilung gleichfalls in Achtetteilung in einer Berliner Lotterieeinnahme gespielt. Alle glück­lichen Besitzer eines Achtelloses erhalten bar 50 000 RM. ausgezahlt.

Das Ende ist ein verbranntes Dorf.

ZdR.Na, endlich Feierabend", sagt Jochen, als er noch einmal im Stall nach dem Rechten gesehen hat. Er macht einen letzten Zug aus seiner kurzen Pfeife, drückt mit dem Daumen die Glut aus und steckt die Pfeife in die Tasche seiner Joppe. Die Joppe aber hängt er, als er noch einmal vor die Tür geht, um mit dem Nachbarn im Dorfkrug einen kleinen Schwatz zu halten, an einen Nagel im Stall.

Das ist der Anfang. Das Ende ist ein verbranntes Dorf, zweihundert Häuser in Asche. Vernichtet die Wohnungen der Bauern, das Elternhaus der Kin­der, vernichtet die Ernte, verbrannt das Gerät, in der Glut erstickt das Vieh.

Es ist keine Kindererzählung aus einem Schul- lesebuch, die Geschichte von der teuren Tabakspfeife des leichtsinnigen Jochen. Sondern auf diese Weise ging vor fünf Jahren bas Dorf Oeschelbronn in Baden in Flammen auf. Es ist aber auch kein vereinzelter Fall, in dem durch ein Feuer der Land­wirtschaft ein so großer Schaden entstanden ist. Es ist auch keinesfalls (elfen, daß Leichtsinn und Un­achtsamkeit ein solches Unheil verursachen. Sondern: Stündlich brennt in Deutschland ein Bauernhof ab, täglich ein Dorf, wöchentlich eine Kleinstadt, jährlich eine Großstadt: denn diesem Verlust entspricht die Summe von 400 Millionen Mark, die jährlich durch Brände verloren geht. 350 000 Brände im Jahr, von denen über 200 000 auf das Land entfallen und die zum größten Teil durch Leichtsinn, Unacht­samkeit, Fahrlässigkeit oder spielende Kinder hervor­gerufen werden.

Es ist eine erschreckende Bilanz, die wir hier auf­stellen. Sie ist es besonders deswegen, weil der Bauer und Landarbeiter, der sich Tag für Tag plagt, um die Ernte zu sichern, der ein ganzes Jahr der Mühe und Arbeit daransetzt um die Frucht zu bergen, sich selber und damit bas ganze Volk durch eigene Schuld um einen großen Teil des Erfolges seiner Mühe bringt. 200 000 Volksgenossen könnten allein von den verbrannten Nahrungs­mitteln leben!

Gießener Wochenmarkkpreife.

* Gießen, 30. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, kg 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25, gelb 25, Tomaten 18 bis 30, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 45 bis 50, Kürbis 6 bis 8, Pilze 45 bis 60, Kartoffeln, V» kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,75 bis 4,20 Mark, Aepfel, Yi kg 40 bis 45 Pf., Falläpfel 12 bis 15, Birnen 25 bis 45, Pfirsiche 50 bis 60, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 45, Pflaumen 40, Mira­bellen 40, junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppen­hühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Ober- kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.

** Lagerangabe unbedingt erforber» l i ch. Zur Beschleunigung der Aushändigung der Postsendungen an Lagerinsassen auf dem Reichs­parteitaggelände während des diesjährigen Reichs­parteitages ist die genaue Lagerangabe unbedingt erforderlich.

** Zusammen st zwischen Personen- und Lastkraftwagen. Gestern um die Mit­

tagsstunde ereignete sich in der oberen Frankfurter Straße ein Derkehrsunfall. Ein Personenkraftwagen und ein Lastkraftwagen fuhren zusammen. Der Per­sonenwagen wurde dabei erheblich beschädigt. Die drei Insassen erlitten glücklicherweise leichtere Ver­letzungen und konnten nach erster Behandlung in der Chirurgischen Klinik wieder entlassen werden.

Jtunöfunfprogramm

Mittwoch, 31. August.

5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym­nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gym« naftif. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.45: Volk und Wirtschaft: Sinn und Zweck der Staatsanleihen. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Musik, die das Herz erfreut! 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Vier Monde unter dem Spaten. 16: Nachmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Fliegendes Deutschland. 19.15: Bunte Stunde. 20: Nachrichten. 20.15: Abendkonzert im Kurpark Bad Wildungen. 21: Stunde der jungen Nation: Durch Deutschland kreuz und quer, dem Rundfunk fällt nichts schwer. 21.30: Euer Wunsch fei uns Be­fehl! 22: Nachrichten. 22.20: Unsere Kolonien: Eine Stimme der Vernunft. 22.30: Musik aus Wien. 24: Nachtmusik I. 2 bis 3: Nachtmusik II.

Leistung entscheidet!

Erfolgreiche Kurzschristler in den Uebungsftätten der OAF.

Täglich kann man jetzt in den Tageszeitungen die Stellenanzeigen lesen:Flotte Stenotypistin ge­sucht" usw. Sehr groß ist die Nachfrage nach wirk­lich leistungsfähigen Kräften, aber nur sehr gering das Angebot der brauchbaren Arbeitskräfte, die hier zum Einsatz gebracht werden könnten. Woran liegt das? Alle jungen Arbeitskameraden, die sich das Schreibgerät zu ihrem Beruf ausgewählt haben, werden einmal mit der Kurzschrift während der Ausbildung vertraut gemacht. Nun ist es aber bei der Kurzschrift so, daß man diese neue Schrift- art nicht von heute aus morgen erlernen kann, sondern hierfür eine gewisse Zeit benötigt, während der man sich für das gesteckte Ziel mit ganzer Willenskraft einsetzen muß. Aus diesem Grunde kommen die meisten Arbeitskameraden nicht aus der Anfangsstufe heraus und geben voreilig auf. Es sollte doch eigentlich Pflicht eines jeden jungen, Dorroärtsftrebenben Arbeitskameraden sein, der die­sen Beruf gewählt hat, seinen Berus auch voll und ganz auszufüllen. Die Parole muß lauten: Leistungssteigerung nicht nur im eigenen Interesse, sondern im Interesse des gesamten Volkes!

In den Uebungsftätten der Deutschen Arbeitsfront wurde für alle Schaffenden eine Stätte der Lei­stungssteigerung, der fördernden Berusserziehuna geschaffen, die in jeder Weise als mustergültig und vorbildlich angesprochen werden kann. Ersahrene Praktiker sind hier die Leiter der Uebungsgemein- schaften (Lehrgemeinschaften und Aufbaukamerad- schaften, Arbeitsgemeinschaften), die in der Lage sind, den ihnen anvertrauten Teilnehmern den Weg zum Erfolg zu ebnen. Es muß die Pflicht aller Schaffenden sein, diese segensreiche Einrichtung, die der Führer dem Arbeiter der Stirn und der Fartst gegeben hat, voll auszunutzen.

Die deutsche Kurzschrift, die heute in allen Be- trieben zu einem unentbehrlichen Faktor geworden ist, beherrscht die dauernde Nachfrage nach leistungs­fähigen Arbeitskräften. Daß die Uebungsftätten der DAF. diese leistungsfähigen Arbeitskräfte für das Wirtschaftsleben heranbikden, fei mit der Veröffent­lichung der Abfchlußprüsung einer Uebungsgemein« schäft bewiesen.

Das Leistungszeugnis der Deutschen Arbeitsfront wurde den nachstehend angeführten Arbeitskame­raden für gute Leistung in deutscher Kurzschrift ausgestellt:

Abteilung 240 Silben: Greta Iochum;

Abteilung 220 Silben: Anni B o l^ ;

Abteilung 160 Silben: Erich Frank, Otto T ö r n e r, Willi Enkirch. Herta R r 6 e, Hil­

degard Le sch, Lotte Heß, Elisabeth Bar, Elfriede Weiß, Elisabeth Pfeiffer, Emma Kehl und Elsa Martin.

Diese Ergebnisse sollen die Säumigen an ihre Pflicht erinnern und ihnen beweisen, daß die vor­erwähnten Arbeitskameraden ihnen weit voraus sind und ihren Beruf auch wirklich als solchen auffaffen. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß diese Arbeitskameraden sich keineswegs gescheut haben, auch während der heißen Sommer- tage regelmäßig, und pünktlich die angesetzten Uebungsstunden zu besuchen. Nur durch gut durch- dachten, systematischen Aufbau, Fleiß und Ausdauer konnten diese Resultate erreich^ werden. Mögen diese Leistungen die noch Fernstehenden anspornen und aufwecken, damit auch sie den Weg in die Uebungs- ftätten der DAA finden.

Aus der engeren Heimat.

Erweiterung des Bahnhofs Butztach.

* Butzbach, 29. Aug. Gegenwärtig liegen beim Kreisamt in Friedberg Pläne auf, die eine Erwei- terung des Bahnhofes in Butzbach vorsehen. Zur schnelleren Abwicklung des Personenverkehrs und zur Erhöhung der Betriebssicherheit im Bahnhof Butzbach soll ein Zwischenbahn st eig geschaf- fen werden, der einen schienenfreien Zugang erhält. In Anbetracht des gesteigerten Verkehrs würde diese Neuanlage vom reisenden Publikum sehr be­grüßt werden.

Landkreis Gießen.

4- Grünberg, 29. Aug. Am Sonntag fand in der hiesigen Turnhalle die Vereidigung der hiesigen Rote-Kreuz- Bereitschaft statt. Vereidigt wurden 17 männliche und 20 weibliche Vorhelfer und Helfer der DRK.-Gruppe Grünberg. Die Vereidigung wurde durch den DRK.-Kreisführer, Oberfeldführer Dr. Lotz (Gießen) vorgenommen. Führer der hiesigen männlichen DRK.-Gruppe ist Haupthelfer Hundsdorf, Stellvertreter Haupt- Helfer Habicht, Führerin der weiblichen Gruppe ist Frau Bocher. Die ärztliche Betreuung der Gruppe geschieht durch Dr. med. Fuldat. Zu der Vereidigung waren u.a. Bürgermeister Kraemer und Vertreter der Partei erschienen.

<£ Leihgestern, 30. Aug. Ihren 78. Ge­burtstag kann am heutigen Dienstag Frau Elisabethe Schäfer, geb. Fischer, in guter Ge­sundheit begehen.

Ferne, die ihr im Lichte wandelt und edlen Sinnes seid!

Dann steigen wir,kleine Bocksbeutel" in der Hand, wieder in den Tag, um die feinen 34er Spät­lesen in stiller Stube zu studieren, wo würdige geist­liche Regenten aus dunklen Bildern von den Wän­den schauen. Selbst Freunde und Förderer der frän­kischen Rebe haben sie Generationen von Zechern, sttllen und lauten, heiteren und melancholischen, hier ein- und ausgehen sehen. Wie sttenge Hüter der Traditton achten sie auf die späten Nachfahren, ob sie auch würdig seien, hier zu sitzen, ob sie, statt mit der Gurgel, mit Zunge und Lippen trinken und bei ihrem Geschäft den Geist meinen und nicht den Bauch. Sollten die weisen Alten nicht mit uns zu­frieden gewesen sein, als sie die Gewächse in einer kleinen Kolonne von Pokalen vor uns stehen sahen und wir mit Maß und Andacht von dem und jenem kosteten und mancherlei schone Namen ersannen, fast schüchtern zu dichten begannen, um die Eleganz, die Anmut, die Fülle und Würze und Rossigkeit ge- bührend zu loben?

Ach, es wollte uns scheinen, auch der große Schatz unserer Sprache reiche nickst aus, das alles zu be­nennen, was in diesen Gläsern gesammelt war, und man müsse seltsame Umwege gehen, um zum Ziele ZU kommen, von Erde und Himmel, von der Kunst und vom menschlichen Herzen reden, um zu beschrei­ben, was sich hier vollendet hatte. So müssen wir denn auch schweigen, solange unser Ausdrucksver­mögen mit den Ahnungen der Zunge nicht Schritt halten will, von den kostbaren Altertümern, die ein fränkischer Weinkeller birgt, und ein wenig von den reichen und großen Jahrgängen fabulieren, wo die Fässer nicht faßten, was die Hänge bescherten, und wo die Sonne ein Uebermaß an Glut nach Iphofen schickte, daß der Chronist begeistert und dankbar ein­trugsehr gut und ziemlich viel" (1811),gut und viel" (1818),noch besser und viel" (1819), 'ausge­zeichnet" (1846).

Nun, sie sind dahin. Sie haben ihre Seligkeit geschenkt und leben nur noch in der Überlieferung. Nur ein Nachhall ist es ihres Ruhmes, nur ein Wort gewordener Rest ihrer Blume, was aus alten Büchern zu uns spricht oder aus den Fakturen, die dem Geheimrat in Weimar zugestellt worden sind. Wen aber hat der 1599er (in diesem Jahr wuchs der beste Wein des Jahrhunderts", berichtet der Chronist) erheitert und getröftet? Bei Gott, er ist zuletzt in wilder, schwerer Zeit getrunken worden, als die Schrecken des Krieges Franken heimsuchten, als die Bevölkerung Iphofens die dreizehnmal ge­plünderte Stadt verließ und auf dem nahen Schwan­berg Schutz suchte

Doch schweigt, vergilbte Blätter, von dem Grauen schlimmer Vergangenheit! Vorbei mit euch, auf denen wir von Pest und Tod und unseligem Auf- rühr lesen müssen! Wir nachdenklichen Zecher ken- nen die Dämonen und glauben auch ohne Bestä­tigung, daß im Herzen des Menschen neben dem Edelmut noch anderes wohnt. Kommen wir zu dem 93er, von dessen Sonne und Feuer unser Wirt zu erzählen weiß, reden wir vom Her und 21er und was weiter Gutes geschah und zuletzt von dem, was die Sonne von 37 uns bescherte! Wahrhaftig, es kommt uns gar nickst darauf an; wir sind soweit, daß wir beschwingt durch die Jahrhunderte eilen, vor- und rückwärts streifen und einem geistlichen Regenten an der Wand guten Gewissens und dank­bar-fröhlichen Herzens den Pokal entgegen heben undProfit" sagen dürfen.

Oie vollkommene Ehefrau von 1795.

3mFederal Mirror" von Concord in New Hampshire vom Jahre 1795 ließ ein ehelustiger Mann eine Anzeige erscheinen, in der er eine Ehe­frau nach seinem Ädeal suchte:Sofort gesucht eine Frau, die gern einen Mann haben möchte; sie muß von gesundem Geist und Körper sein, ein mäßiges Vermögen haben, annehmbar hübsch und nicht der Trunkenheit unterworfen. Sie darf nur einmal im Monat zanken, muß ihr Haar wenigstens einmal in der Woche kämmen, und vor allem, sie darf weder Tabak kauen noch schnupfen. Eine Frau, die dem entspricht, möge sich an I. R. in H. wenden, der alles Erforderliche besitzt, was chn zu einem guten Ehemann stempelt." Seiber weiß man nicht, ob dieser Mann sein Ideal gefunden hat. B.

Hochschulnachrichten.

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den ordentlichen Professor an der Universität Würzburg, Geheimen Regierungsrat Dr. Ludwig R u l a n d, wegen Erreichung der Alters­grenze von feinen amtlichen Verpflichtungen entbun­den. Aus diesem Anlaß hat ihm der Führer und Reichskanzler für feine erfolgreiche akademische Wirk­samkeit und dem deutschen Volke geleisteten treuen Dienste seine Anerkennung und seinen Dank aus­gesprochen.

Professor Dr. Kurt Heidermanns von der Universität Bonn übernimmt vom 1. September ab die frei gewordene Professur für Zoologie an der Universität Greifswald.