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Dienstag, 50. Huguft 1958

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Hr.202 Zweites Blatt

Voranschlag des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1938

Am gestrigen Montag zwischen 15 und 17 Uhr ng über Wetzlar und den benachbarten Orten

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Gastspiel Hilde Hildebrand inHedda Gabler".

Schweres Gewitter über dem Hüttenberg

Bahnverkehr Dutenhofen-Garbenheim unterbrochen. Keller unter Wasser

Geheimzeichen L. B. 17

leiten. Es war natürlich unvermeidlich, daß unter diesen Umständen alle Züge in dieser Rich­tung große Verspätungen erlitten, die sich noch bis in die heutigen Frühstunden hinein auswirkten.

Bereits in den gestrigen Abendstunden gelang es, den Bahnkörper so weit wieder in Ordnung zu bringen, daß der Verkehr eingleisig ausgenom­men werden konnte. Während der ganzen Nacht wurde eifrig gearbeitet, um die Strecke insgesamt wieder befahrbar zu machen.

Im Verlaufe des Unwetters schlug ein Blitz in die bei dem Dorfe Atz b ach stehende Feld­scheune des Landwirts Georg A g e l von Atzbach ein. Die Scheune mit allen darin geborgenen Ernte­vorräten brannte leider vollständig nie-

ging über

ein schweres Gewitter nieder, das neben starken Blitzen und Donnern auch so gewaltige Regenfälle brachte, daß die Augenzeugen durchweg von einem Wolkenbruch- sprechen. Bei den

nahmen und Ausgaben folgendes von Interesse zu berichten:

Belriebsrechnung.

Allgemeine Verwaltung:

5193 Mark (im Vorjahr 5163 Mark),

starken Regengüssen füllten sich die Fluß- und Bach­läufe so rasch mit Wasser, daß sie schon nach kur­zer Zeit nicht nur bis zur oberen Grenze ihres Bettes vollgelaufen waren, sondern auch über die Ufer traten und das Land weithin über­schwemmten.

Die großen Wassermengen machten sich insbeson­dere zwischen Dutenhofen und Garben- heim bemerkbar, wo sie nicht nur die Bahn- gl e i s e der Strecke, Gießen Wetzlar über- und unterspülten, sondern auch zwi­schen dem Block Dorlar und Garbenheim von dem unmittelbar am Bahnkörper gelegenen hügeligen Gelände große Erd- und Sandmassen herabschwemmten und auf den Bahn­körper trieben. Die Folge war, daß der ge­samte Zugverkehr auf der Strecke Gießen Wetzlar zwischen Dutenhofen und Gar- benheim eingestellt werden mußte und zwi­schen Gießen und Dutenhofen nur ein L o - kal-Pendelverkehr der Personenzüge bei äußerst vorsichtigem Befahren der Strecke er­möglicht werden konnte. Von Dutenhofen aus in Richtung Block Dorlar waren aber nicht nur die Bahngleise auf etwa 300 Meter Länge unterspült, sondern auch der Weg am Bahnkörper ent­lang in Richtung Block Dorlar st and vollkom­men unter Wasser, so daß auch der Fuß­gängerverkehr an der blockierten Bahnstrecke vorbei unmöglich geworden war. Die Reichs­bahn sah sich gezwungen, von Gießen ab in Rich­tung Wetzlar alsbald den gesamten Güter­verkehr st ill zulegen und alle Perso- n e n z ü g e in Richtung WetzlarDillenburgSie­genKöln über den Bahnhof Lollar und die Strecke über Kinzenbach nach Wetzlar umzu-

sehen: Zuschuß für das Rhein-Mainische Landes­orchester 720 Mark, Zuschuß für den Rhein-Maini- schen Gemeindekulturverband in Frankfurt a. M. 550 Mark.

Für Neuanschaffungen auf dem Gebiet des Feuer­löschwesens ist eine Neuausgabe von 9600 Mark be­absichtigt, wovon allein 8000 Mark auf die An­schaffung von Vorspannwagen für die Motorspritzen von sieben Kreisgemeinden entfallen. Zur teilweisen Deckung dieser Kosten werden dem Kreisfeuerlösch­fonds 5000 Mark entnommen.

Im Finanz- und Steuerwesen stehen die Einnahmerückstände nach dem Rechnungsab­schluß von 1936 mit rund 14 219 Mark, gegen 20 001 Mark im Vorjahre, als Einnahme vermerkt. Aus dem Reste- und Ausgleichsstock werden als Be­triebsmittel 60 000 Mark in Einnahme übergeführt, gegen 110 00 Mark im Vorjahr. Bei den Steuern ist bemerkenswert: Auf der Einnahmenseite er­scheinen die Reichssteueranteile des Kreises an der Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer mit 38 000 Mark (im Vorjahr 56 160 Mark), an der Grunderwerbssteuer mit 117 800 Mark (im Vor­jahr 140 Mark), an der Kraftfahrzeugsteuer mit 29 800 Mark (im Vorjahr 25 150 Mark). Als Kreis-

Kapitalverrnögen und Kapitalschul­den: Einnahmen 1296 Mark (357 Mark), Aus­gaben 146 Mark (107 Mark).

Vermögensrechnung.

Reste- und Ausgleichs st ock: Einnahmen 60 000 Mark (182 362 Mark), Ausgaben in glei­cher Höhe.

Kapitalien- und Erneuerungsfonds: Einnahmen 9407 Mark (12 754 Mark), Ausgaben in gleicher Höhe.

Einzelheiten von besonderen Bedeutung.

Zur Förderung des Baues von HI.-Hei­me n sind in dem Voranschlag 6000 Mark als Bei­hilfen an ärmere Gemeinden zur Restfinanzierung vorgesehen.

Für Schulzwecke sind neu vorgesehen: Anteil an den nicht gedeckten persönlichen Ausgaben der staatlichen Höheren Schulen 34 000 Mark, Anteil an den persönlichen Kosten der Berufsschulen 97 000 Mark, Schulbaurücklage 19 000 Mark, insgesamt neu 150 000 Mark.

Für die Förderung der K u n st sind wiederum vorgesehen: Zuschuß zum Gießener Stadttheater 3000 Mark, wie im Vorjahr; Zuwendung an Mu­seen, wissenschaftliche und künstlerische Vereinigun­gen 1100 Mark, wie im Vorjahr. N e u sind vorge-

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erlaubnisfteuer 2150 Mark. Dafür fallen aber in dem Voranschlag erstmalig die Kreisanteile an den bisherigen Provinzialsteuern fort, die im vorigen Jahre noch mit 106 497 Mark in Einnahme ver­zeichnet standen. Ebenso fallen weg die Kreissteuern aus den selbständigen Gemarkungen, die im Vor­jahr mit 37 635 Mark veranschlagt waren. An Kreis­umlagen auf die Gemeinden, die selbständigen Ge­markungen und auf den gemarkungsselbständigen Grundbesitz sind für das Rj. 1938 insgesamt 528 000 Mark (im Vorjahr 170 000 Mark) auszuschlagen. Auf der Ausgabenseite erscheint neu eine Landes­umlage (Anteil des Kreises an den Ausgaben des Landes für die Schulbaurücklage, für Wohlfahrts­pflege einfchl. Gesundheitswesen und für Straßen­bau) in Höhe von 108 500 Mark.

Vezirksfürsorgesielle und Jugendamt.

Der Sondervoranschlag der Bezirkssürsorgestelle und des Jugendamtes für das Ri 1938 schließt wie folgt ab: Gesamtausgaben 359 260 Mark, Ge­samteinnahmen 162 620 Mark, mithin Fehlbetrag 196 640 Mark, der aus Mitteln des Kreises gedeckt wird und sich gegen das Vorjahr nicht geändert hat.

Vermögensübersicht.

Nach dem Stand am 1. Januar 1938 beläuft sich das Vermögen des Kreises Gießen auf 341 525,94 Mark. Die Schulden bezifferten sich

die Aufmerksamkeit auf die Gefährlichkeit von Or­ganisationen jit lenken, die, wie man weiß, leider keineswegs nur in der Phantasie von Drehbuchver- faffern und Filmspielleitern existieren. Die Be­setzung ist vorzüglich; es wird allenthalben so kon­zentriert und sachlich gespielt, wie der ganze Film angelegt und inszeniert ist. Willy Birgel gibt dem Hauptmann Terno die sehr sparsame und über­legte Eindringlichkeit seiner darstellerischen Persön­lichkeit; er spricht und handelt knapp, zielsicher und folgerichtig. Wernicke als Kommissar arbeitet in der gleichen Richtung, aber aus einem anderen Tem­perament, mit einem leisen Unterton von Humor, einer liebenswürdig halblauten Ironie. Hilde Meiß­ner als die Tänzerin Manja: eine schöne, elegante Frau; sie bleibt auch nicht in dem von Marlene Dietrich inspirierten Chanson-Ton stecken, mit dem sie auf der Bühne einsetzt, sondern schöpft die Mög­lichkeiten aus, die sich, ganz menschlich, aus ihrer Situation zwischen den feindlichen Fronten ergeben. Bernhard M i n e 11 i gibt den Direktor Bjelinski mit schneidender Kälte des Tons, mit einer Geschmeidig­keit, welche die Gefährlichkeit dieses Gegners sogleich erkennen läßt. Sehr gute Leistungen sieht man auch von Rene D e l t g e 'n , Carl Günther und vor allem Theodor Loos.

*

Das Beiprogramm bringt die Fox-Wochenschau und eine Anzahl reizender Ausnahmen aus der Tier­kinderstube. Hans Thynot.

Lang-Göns: Die Hauptstraße auf 100 m Entfernung und 50 cm Tiefe unter Wasser. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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schlämmt waren.

Den größten Schaden richteten die Wasserfluten im Dorfe selbst an. Die Kanalrohre, besonders auch das große Rohr, das den Gönsbach durch die Hundstaaten- und Niederhofenstraße leitet.

Stürmen lassen sich die Möwen, wenn sie draußen überrascht werden, auf Fahrzeugen nieder und warten den Sturm ab. Ich dachte mir, so eine zer­zauste, angeknockte Möwe hat auf einem Schiff Zu­flucht gesucht, das Schiff sank; jemand griff sie, wollte feinen letzten Gruß mit ihr befördern, viel­leicht war ja auch ein Brief, ein Zettel daran gewesen, nüch, wer kann das wissen? Die Möwe hat ihn verloren. Den Ring konnte sie nicht ver­lieren. Was hätten Sie getan?"

Ich zuckte die Achseln.K. H. 5. 5. 33. Sehr schwer, etwas herauszufinden."

Er nickte.Ich sagte mir, lange hat die Möwe den Ring noch nicht am Fuß, nüch, sonst hätte sie schon einer deswegen abgeschossen. Also holte ich mir Berichte über die letzten Schiffsunfälle in der.Nordsee. Totalverluste kamen ja nur in Frage. Ich schrieb an die Reedereien nach Hüll, nach Ham­burg, nach Bergen und nach Cuxhaven. Vier Schiffe waren im letzten Jahr vermißt und galten als verloren. Ich ließ mir die Namen der Ver­heirateten sagen. Dann forschte ich nach, wer von den Männern hatte eine Frau, deren Namen mit den Buchstaben K. H. anfingen, welcher Mann hatte am 5. 5. 33 geheiratet."

Es konnte ja das Verlobungsdatum fein", warf ich ein. Er schüttelte den Kopf.Der Ring war eine Botschaft", sagte er.Der Mann, Her da die Möwe fing, ehe er mit dem Leben abschloß, der ihr den Ring umtat, rechnete, daß die Möwe das Land erreichen werde. Er rechnete, daß jemand den Versuch machen werde, den Ring abzuliefern. Die Frau K. H. mußte zu finden sein. Und fie war zu finden! Das Hamburger SchissAdelaide" war im Vorjahr gesunken, 15 Mann wurden vermißt. Dar­unter der Steuermann Jochen Rode. Ich erfuhr, wie von vielen anderen, seine Heiratsdaten. Hier stimmte es. Er hatte am 5. Mai 1933 Katherina Heinz geheiratet. Ich schrieb an Katherina Heinz. Wir trafen uns. Ich gab ihr den Ring. Sie war eine nette, junge Frau. Die Gewißheit des Todes ihres Mannes machte fie traurig. Aber Sie wissen ja, das Leben geht weiter, und es war alles schon eine gute Weile her. Wir trafen uns öfter." Er brach ab. Eine junge Frau in der Friefentracht stand in der Tür.

Irina", sagte Tim Oelkensen, und sein Gesicht veränderte sich, es war stolz, und seine Augen strahlten.Wo steckst du denn? Ich habe dem Herrn inzwischen erzählt, wie wir uns kennengelernt haben. Das ist nämlich Katherina, meine Silber­möwe", schloß er.

Ich gab der jungen Frau die Hand. Sie hatte ganz lichtes Haar, und Tim Oelkensen war, wenn er an diese Haarfarbe dachte, gar nicht so im Un­recht, sie feine Silbermöwe zu nennen.

53 310 Mark (im Vorjahr 45 931 Mark).

Polizeiwesen: Einnahmen 60 648 Mark (60 799 Mk.), Ausgaben 63 538 Mark (63 089 Mk.).

Schulwesen: Einnahmen nichts, Ausgaben 154 100 Mark (4100 Mark).

Kunft und Wissenschaft: Einnahmen nichts, Ausgaben 5370 Mark (4100 Mark).

Bauwesen: Einnahmen 5571 Mk. (4468 Mk.), Ausgaben 151 572 Mark (153 564 Mark).

Allgemeine Förderung der Wirt­schaft: Einnahmen nichts, Ausgaben 5995 Mark (5495 Mark).

Wohlfahrtspflege und Gesund­heitswesen: Einnahmen 166 498 Mk. (182 512 Mark), Ausgaben 372 626 Mark (388 929 Mark).

An st alten und Einrichtungen: Ein­nahmen 9410 Mark (4470 Mark), Ausgaben 24 144 Mark (16 094 Mark).

Finanz- und Steuerwesen: Einnahmen 817 305 Mark (527 833 Mark), Ausgaben 235116 Mark (104 181 Mark).

Grundstücksverwaltung: Einnahmen

20 Mark (3 Mark), Ausgaben 15 Mark (15 Mark).

Das Gießener Stadttheater hatte . Montag abend ein Berliner Ensemble mit Hilde Hildebrand zu einer einmaligen Aufführung des SchauspielsHedda Gabler" von Henrik Ibsen verpflichtet. Damit gab das Ensemble das zweite Gastspiel in unserer Stadt. Schon vor etwas über einem Jahre sah man das Schauspiel in glei­cher Aufführung. Wir berichteten damals ausführ­lich darüber. (30. 3. 37.) In der gestrigen Aufführung hatte man Gelegenheit, wieder einmal die unerhört sichere Darstellung zu erleben, wie man sie schon vor Jahresfrist sah. Hilde Hi l d e b r a n d gab überlegen die Titelrolle, Carl-Heinz Klub er tanz war überzeugend der pedantische ahnungslose Gemahl m ihrem Schatten, Erwin K l i e t s ch zeigte^ich wieder als der kalt rechnende Gerichtsrat. Else Koenig gefiel gut als Frau Elvftedt mit all ihren Sorgen und Nöten, und als Ejlert Lövborg sah man dies­mal Karl Klüsner, der den leidenschaftlichen Mann glaubhaft gestaltete. Das Publikum folgte mit gespannter Aufmerksamkeit. H. L. Neuner.

Der Kreisdirektor des Kreises Gießen, Dr. Lotz, hat am gestrigen Montag den Voranschlag des Kreises Gießen für das Rech­nungsjahr 19 3 8 mit dem Kreisausfchuß bera­ten und festgestellt. Die Verzögerung ist dadurch entstanden, daß der Finanz- und Lastenausgleich erst jetzt zum Abschluß gekommen ist.

Der Voranschlag schließt in der Gesamt­summe mit 1 1 35 339 Mark in Einnahme und Ausgabe, gegen 980 721 Mark im Vorjahre, ab. Davon entfallen auf die 58 e t r i e b s r e d) n u n g in Einnahme und Ausgabe 1065 932 Mark (im Vorjahr 785 605 Mark), auf die Vermögens- rechnung 69 407 Mk. (im Vorjahr 195 116 Mk.).

Diese Zahlen zeigen zwar eine rechnungsmäßige Erhöhung gegenüber dem Vorjahre, die aber in Wirklichkeit nur eine Verlagerung von Ausgaben und Einnahmen bedeutet. Denn dieser Voranschlag steht erstmalig im Zeichen des neuen Finanz- und Lastenausgleiches zwischen Reich und Land einer­seits sowie Kreis und Gemeinden anderseits. Dieser Ausgleich wirkt sich beim Kreisvoranschlag des Krei­ses Gießen für 1938 in der Uebernahme neuer Ver­pflichtungen in Höhe von rund 320 000 Mark aus, die auf die Gemeinden und selbständigen Gemar­kungen des Kreises mehr umgelegt werden müssen. Die Gemeinden ihrerseits erhalten die erforderlichen Mittel dadurch, daß ihnen neue Einnahmequellen in der erforderlichen Höhe überwiesen werden; diese bestehen im wesentlichen darin, daß die Gemeinden die Anteile an der Gewerbesteuer und die früheren Provinzialsteuern nicht mehr an die Staatskasse abzuführen haben. Dafür erhält der Kreis vom Land einen Beitrag von 13 000 Mk. Für den Kreis Gießen kommt auf der Ausgabenseite noch in Betracht, daß er nach der Auflösung der Provinzen die seitherige Prooinzialkasse als Amtskasse zur Erledigung staat­licher Aufgaben übernehmen mußte. Zieht man alle diese Lastenverschiebungen infolge des neuen Fi­nanz- und Lastenausgleiches in Betracht, so ist fest- auftellen, daß sich der Voranschlag des Kreises trotz der rein zahlenmäßigen Erhöhung im Grunde ge­nommen nicht geändert hat, sondern im großen und ganzen auf der alten Linie geblieben ist.

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Im einzelnen ist aus dem Voranschlag über Ein- befonberem

der, da eine Hilfeleistung bei der ganzen Sachlage von vornherein unmöglich war.

Das Unwetter über Lang-Göns.

s. Lang-Göns, 29. Aug. Unsere Gemarkung wurde heute gegen 16 Uhr von einem Unwetter heimgesucht, wie wir es in den letzten 50 Jahren nicht erlebt haben. Mehrere Gewitter hatten sich zusammengezogen und entluden sich bann gemein­sam über unserem Dorf in wolkenbruchartiger Form. Besonbers bas Wetter, bas von Osten heran- zog, brachte die größten Wassermassen.

An manchen Stellen fielen auch Hagelkörner, boch ohne größeren Schaden anzurichten. Die Bau­ern waren in ben Felbern mit bem Einfahren ber Frucht beschäftigt. Der größte Teil ist wohl schon in ben Scheunen, in ber Hauptsache steht noch Hafer in dem Feld, vereinzelt auch Weizen. Die Garben find burch bie ungeheuren Regenfälle natürlich so burchnäßt, zum Teil auch umgestürzt, baß es felbft bei gutem Wetter lange Zeit bauern wirb, bis bie Körner wieber trocken finb. Ebenso müssen alle Wagenlabungen, bie in bas Wetter kamen, wie­ber hinausgefahren ober getrocknet werben. Rie­sige Wassermassen über­schwemmten in wenigen Augenblicken Gärten und Felber, rissen an schräg gelegenen Aeckern bie gute Erbkrume weg und führten sie in bie Grä­ben, bie bald überfüllt und vollstänbig ver­

steuern finb neu eingestellt: Wertzuwachssteuer 900 I "ach bem Stand am 1. Februar 1938 auf 32 563,22 Mark, Jagb- unb Fischereisteuer 7000 Mark, Schank- Mark.

Oie GiWermöwe.

Von Frank $. Braun.

Der Regen fiel mit solcher Wucht unb so plötzlich vom Himmel, daß gar keine andere Möglichkeit bestand, als das strohgedeckte einsame Fischerhqus hinter der Düne zu überfallen. Zu meiner Freude stand Tim Oelkensen in der Tür. Wir schüttelten uns die Hände; ich kannte ihn von mancher Segel­fahrt in die. Nordsee hinaus.Irina 1", rief er; aber Irina antwortete nicht. So fchob er mich in das Wohnzimmer, holte eine Flasche aus dem Spind und schenkte uns ein. Der Regen trommelte gegen die Scheiben.

Gemütlich haben Sie es hier, lim Oelkensen." Ich sah mich in der guten Stube um. Ein rotes Plüschsofa, die Häkeldecke auf dem blanken lisch, vier Sessel, die Petroleumlampe an der Decke. Sind das alles Andenken, da auf Ihrer Anrichte?" Anrichte? Ach, auf ber Iruhe da? Ja, gewiß. Die Muscheln finb aber nicht von hier, bie habe ich aus China mitgebracht. Ueberhaupt ist bas meiste von unterwegs, als ich noch auf großer Fahrt war. Das heißt, bie Möwe, die ausgestopfte Silbermöwe, die stammt von unseren Dünen. Das war nämlich bie Möwe mit bem Ring."

Ich sah ihn an.Was ist bas für eine Geschichte?" Ach", sagte er,eine schöne Geschichte." Seine wasserblauen Augen strahlren mich an, er lachte mit hunbert Falten unb Fältchen auf bem wetter- braunen Gesicht.Das ist nun schon ein paar Jahre her, ba bin ich in ben Dünen und hänge die Netze zum Irocknen. Wie immer kommen ein paar Möwen heran und wollen sich das Kleinzeug aus den Maschen picken, da sehe ich doch, daß die eine Möwe einen Ring um den einen Fuß hat. Jh, denke ich, sollte die von Helgoland von der Vogelwarte beringt worden sein, eine ganz gewöhnliche Silber­möwe? Ich gucke genauer hin, da sehe ich den Ring blitzen, und mir will scheinen, er ist aus Gold! Ich hole ein paar Heringsköpfe und werfe sie unter bas gespannte Netz. Die Möwen stürzen sich krei­schend darauf; ich reiße das Netz um, sie sind ge­fangen. Das Pech will es, daß die Iragftange ber Möwe, bie ben Ring trägt, auf ben Kopf fällt. Da war sie tot, und ich konnte sie man so in die Hand nehmen. Was soll ich Ihnen sagen! Der Ring war aus Gold. Es war ein Ehering. Jemand hatte ihn mit einer Kneifzange in der Mitte durch­gebrochen, der Möwe um den Fuß getan und die Enden wieder zusammengepreßt. Ich las die In­schrift: K. H. 5. 5. 33. Was hätten Sie nun ge­tan? Ich meine, es war ja ganz klar, daß ein Schiffbrüchiger den Ring als letztes Zeichen einer Möwe ums Bein getan hatte, nüch? In großen

Wiedereröffnung des Lichtspielhauses.

Das Lichtspielhaus hat nach einer längeren Som­merpause gestern seine Pforten wieder geöffnet: es beginnt die neue Spielzeit mit dem lerra-Film Geheimzeichen L. B. 17", zu dem Ludwig Metz­ger, Berthold Ebb ecke unb Ph. L. Maynng das Drehbuch schrieben. Das Buch ist sehr gut ge­macht und von dem Regisseur V. lourjansky ungemein geschickt und konzentriert ins Bild über­tragen; der Streifen ist so geschnitten, daß die ein­zelnen Phasen der schnell umspringenden Handlung logisch, wie ein Uhrwerk, ineinanbergreifen; der Be­schauer wird gezwungen, intensiv bei der Sacke zu bleiben und bei der Entwirrung der Fäden selber mitzukombinieren. Wo die Spannung sich zu lockern scheint, geschieht es mit Bedacht, im Sinne einer flüchtigen Entlastungspause ober um neue Fäbeu anzuknüpfen, eine neue Beziehung anzubeuten, eine neue Spur aufzugreifen; in ähnlichem Sinne wirken die sparsam eingeschalteten komischen Effekte. Uebrigens wohnt ber Fabel an sich eine natürliche, aktive Spannung inne, bie zur Lösung brängt. (Es hanbelt es sich um bie Aushebung einer mit großen Mitteln arbeitenben anarchistischen Verschwörung, welche bie Sicherheit bes Staates bebroht. Ein burch Zufall entbedtes unb vereiteltes Attentat auf ben Kriegsminister gibt bas Signal zu einem erbitter­ten Kampfe gegen bie gut getarnte Verschwörer- zentrale; bieser Kampf wirb von zwei Seiten gleich­zeitig geführt: ein Offizier unb ein Kriminalkom­missar arbeiten, äußerlich getrennt, Hanb in Hanb. Ein Zigarettenstummel unb eine Streichholzpackung, am Tatort gefunben, weisen auf eine Spur, die in einem großen Vergnügungslokal mit Varietöbühne endet. Hauptmann lerno, vom Kriegsminifter mit -der Führung ber Gegenaktion beauftragt, fpielt em gewagtes Spiel nicht bloß um Gelb. Die lan- zerin Manja hat allen Grunb, sich Sorgen um ihn «3U machen. Ein junger Offizier wirb erschossen auf- flefunben, bie länzerin schwer verwunbet, auch der Kommissar kommt im Dienst ums Leben. Der Schlus­sel bes Geheimsenbers, mit beni bie Staatsfeinbe arbeiten, wirb entziffert ... aber er arbeitet mit Einer anberen Chiffre weiter: es muß ein Verräter mit ben Anarchisten gemeinsame Sache machen toer ist ber Verräter, wer ist ber geheimnisvolle Lenski, bei bem alle Fäben ber Verschwörerorgani- fation zusammenlaufen? Das ist bie große Frage, ouf die sich zuletzt bie gesammelte Aufmerksamkeit des Beschauers richtet, unb bie auf eine oerblüffenbe Weise beantwortet wirb. Abgesehen bavon, baß der Film auf eine anregenbe unb überaus feffelnbe 21rt unterhält, erfüllt er unaufbringlich ben Zweck,

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