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Dienstag, 30. August 1938

188. Jahrgang

202 Erstes Blatt

außerordentlichen S-itzung zusarn- in in London hat wissen lassen, es

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Wille zur Herausforderung.

Die Fortsetzung der Schimpfserie, die der tsche­chischeMoravskoslezsky Denik" gegen die deutsche Armee veröffentlicht, ist das Zeichen eines unbeding­ten Willens zur Herausforderu n g. Eine große Zahl von Tschechen will den Weltkrieg. Sie kalkuliert etwa so: Wie wir dem Kampf der Groß­mächte gegeneinander das Entstehen unseres Staa­tes verdanken, so soll uns ein neuer Kladderadatsch die Fortdauer des Zustandes verbürgen, den wir mit Lug und Trug erreicht haben. Denn darüber geben sich natürlich olle Tschechen vollkommen Re­chenschaft, daß sie nur mit Lug und Trug in dem stürmischen Gedränge der ersten Nachkriegszeit die Errichtung der Tschecho-Slowakei in ihrer heuti­gen Form erreichen konnten. Ein berühmter Histo­riker hat einmal den Ausspruch getan, daß die Staaten mit den Mitteln erhalten werden, mit de­nen. sie gegründet wurden. Nun wohl: Die Tschecho- Slowakei ist auf Lug und Trug gegründet, Lug und Trug ist die Politik, die die Pra­ger Regierung seit jeher getrieben hat, und mit Lug und Trug wollen die Tschechen auch heute das Rennen machen. Der tschechische Staatspräsident Dr. B e n e s ch schildert in seinem BucheDer Aufstand der Nationen" sehr anschau­lich, wie schwer es ihm und dem früheren Präsi­denten Masaryk in Paris, London und Rom ge­fallen ist, die Forderungenvder tschechischen Emi-

kanzler aus Hainburg an der Donau folgendes Te­legramm gerichtet:

Anläßlich der Ueberschreitung der deutschen Grenze drängt es mich. Euerer Exzellenz, sowie der Reichsregierung und dem ganzen deutschen Volke für die mir und meiner Gemahlin erwiesenen Be­weise der aufrichtigen Freundschaft un­seren herzlich st en und innig st enDank auszusprechen.

Wir,kehren in unsere Heimat mit den denkbar schön st en Eindrücken zurück und mit der Er­innerung an jenen überaus herzlichen Empfang, der die unsere beiden Länder verknüpfen-

des berüchtigten tschechischen HetzblattesMorav­skoslezsky Denik" nicht hätte für möglich halten sollen, ist dennoch eingetreten: Das Blatt hat nach seiner Ankündigung jetzt tatsächlich die S u d e l e i e n fortgesetzt, mit denen die Ehre des deut­schen Weltkriegssoldoten in der gemein­sten Art und- Weise herabgesetzt und beschmutzt wer­den soll. Im Hinblick auf den deutschen Schritt sind die neuerlichen Gemeinheiten, die die tschechischen Sudelköche in ihren offenbar perversen Hirnen aus­gebrütet haben, aber nicht nur Angelegenheit' jener verantwortungslosen Journaille, sondern

die tschechische Regierung und der Staatspräsi­dent Dr. Venesch selbst haben sich zu Mitschul­digen an dieser Skandalaffäre gemacht, weit sie es unterließen, rechtzeitig dagegen einzu­schreiten, obwohl ihnen dies ohne weiteres möglich gewesen wäre. Die Tatsache, daß die maßgeblichen tschechischen Stellen es nicht für nötig gehalten haben, die weiteren unglaub­lichen Beschimpfungen der ruhmreichen alten deutschen Armee zu unterbinden, hat im gan­zen deutschen Volk verständlicherweise die aller­stärkste Empörung hervorgerufen.

Ein auch nur annähernd so schwerer Verstoß gege die guten Sitten im Dölkerleben dürfte bisher noa. nicht dagewesen fein. Den Tschechen blieb es vorbehalten, diesen Gipfel der Unansiändig- k e i t zu erklimmen. Es ist einfach unfaßbar, wie

Gefühle erneut bekräftigt.

Nikolaus von Horthy, Reichsverweser des Königreiches Ungarn.

Außenminister von Konya an den lieic-saußenminister.

Berlin, 29. Aug. (DNB.) Seine Exzellenz der kgl. ungarische Minister des Aeußeren, Koloman von Kan ya, hat beim Verlassen des deutschen Bodens an den Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop folgendes Telegramm gerich­tet:

Beim Ueberfchreiten der Reichsgrenze ist es mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen, Herr Neichs- außenminister, für die mir in Deutschland zuteil­gewordene Gastfreundschaft im G e i st e auf­richtiger Verbundenheit auf das aller- herzlichste und uErmste zu d a n k e n. K a n y a."

Dieser Tage wurde mitgeteilt, daß das Buch des FührersMein K a m p f" die Auflage von vier Millionen Stück überschritten habe.

Wenn gelegentlich gesagt wird, daß auch Bücher ihre Geschichte haben, so kann von diesem Werke gesagt werden, daß es dazu beitrug, daß Geschichte gemacht wurde. Sein Werdegang ist eng ver­bunden mit dem Aufstieg und dem Durchbruch der nationalsozialistischen Idee, es wurde eine der star­ken Waffen des Führers in feinem großen Kampfe um ein neues Reich. Als Adolf Hitler nach dem Niederbruch von 1932 mit vielen seiner Getreuen auf der Festung Landsberg am Lech saß, fiel es auf, daß er durch mehrere Stunden des Tages nicht zu sprechen war, ebenso fein nächster Vertrauter Rudolf H e ß. Nach einiger Zeit lichtete sich das Ge­heimnis, der junge politische Führer, den andere gern als einenTrommler" abtun wollten, schrieb an einem Buche über den Kampf seiner Bewegung. Als es abgeschlossen war, trug das Manuskript den TitelViereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit, eine Abrechnun g".

Zunächst waren zwei Bände vorgesehen, so sehr hatte sich das Thema ausgeweitet. Noch bevor die Arbeit abgeschlossen wurde, begann die Werbung durch Zeichnungsliften. Bei dem Mangel an Geld war es notwendig, vor der Drucklegung für einen gesicherten Absatz zu sorgen. Der Ruf fand freu­digen Widerhall, schon im Juli 1925 unh im De­zember des gleichen Jahres erschien die erste und zweite Auflage mit zusammen 18 OOO Bänden. Der zweite Teil wurde auf dem Obersalzberg abgeschlos­sen und erschien^ Ende 1926 im Buchhandel. Unter dem TitelMein Kampf, eine Abrechnung von Adolf Hitler", wanderte das Werk des Führers nun

gerte, daß die Leitung der SDP. das Recht der Notwehr freigeben mußte? Gibt es niemand in London zu denken, daß die tschechischen Ueberfälle auf Sudetendeutsche sich so mehren, als gäbe es Überhaupt keinen englischenVermittler" in Prag?

Dekorationen, Versatzstücke und Kulissen haben auf der Bühne die Szenerie darzustellen und den Hin­tergrund zu verbergen. Was England in der tschechischen Frage bisher getan hat, ist nichts als ein Spiel mit Dekorationen unb Kulis­sen. Es will nicht wahrhaben, daß es 1919 in her Tschecho-Slowakei ein unnatürliches Staatsmonstrum selbst mitgeschaffen hat-, es will weder die innere Unwahrhäftigkeit des Tschechenstaates, noch feine brutale Gewaltpolitik gegen die Sudetendeutschen wahrhaben: es weiß auch nichts von einer ständi­gen Rückenstärkung dieser Politik durch die Lon­doner Regierung. Aber schon bereitet sich in der Politik die Wahrung des guten Scheines die neue Kampagne gegen *bie Sudetendeutfchen und gegen das Reich vor, die nach der Londoner Meinung allein an einem Versagen der LondonerVermitt­lung" schuldig zu sein haben ... Rl

dampfersZsofia" wieder in der ungarischen Hauptstadt ein, stürmisch begrüßt von einer riesigen Menschenmenge.

Zur Begrüßung. hatten sich eingefunden das ge­samte Kabinett unter Führung des Ministerpräsi­denten I m r e d y , die hohe Generalität, die Abge­ordneten des Ober- und des Unterhauses, die Bür­germeister der Stadt Budapest und der deutsche Ge­sandte von Erdmannsdorf mit dem gesam­ten diplomatischen Personal und den beiden Waffen­attaches. Ferner waren anwesend der italienische Gesandte Graf Vinci, der Hofminister der gegen­wärtig in Budapest weilenden Königinmutter in Aegypten.

Trotz des anhaltenden Regens hatte sich eine un­übersehbare Menschenmenge auf dem flaggenge- schmückten Platz vor der Pester Redoute angefam- melt. An der Dampfer-Haltestelle hatte eine Ehren­kompanie Aufstellung genommen sowie Abordnun­gen der ungarischen Frontkämpfer in ihren Unifor­chen und die Kriegsinvaliden. Der Reichsverwefer und Frau von Horthy fuhren durch die reich mit Fahnen geschmückte Hauptstadt zum Landsitz Gödöllö, auf der ganzen Fahrt immer wieder be­grüßt von der Menge, die in den Straßen ein dichtes Spalier bildete.

Donk an den Führer.

Berlin, 29. Aug. (DNB.) S. D. der Reichs­verwefer des Königreiches Ungarn Admiral Horthy von Nagybanya hat beim Verlassen des deutschen Bodens an den Führer und Reichs-

Reichsverweser von Horthy wieder daheim.

Budapest, 29. Aug. (DNB.) Reichsverweser Nikolaus von Horthy und seine Gemahlin tra­fen Montagnachmittag 17 Uhr an Bord des Donau-

Mein Kampf" in vier Millionen Glücken

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Reue tschechische Beschimpfung deutscher Soldaten

Jetzt wird auch die Ehre der ungarischen Armee von Tschechen besudelt. Oie Prager Regierung sieht weiter stillschweigend zu.

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Oekoraiions- und Kuliffenpolitik.

5er englische Außenminister beruft telephonisch U Botschafter aus. Berlin zur Berichterstattung nah London. Die englische Regierung läßt einen früheren Außenminister, jetzigen Schatzkanzler, propagandistisch stark vorbereitete Rede zu dem brennendsten Problem in Europa halten. Der Be- auftragte der englischen Regierung in Prag, Lord ftunciman, erwirkt eine Unterbrechung der bienftreije Henleins und dessen Erscheinen zu einer ils sehr dringlich hingestellten Unterredung. Das malische Kabinett tritt am heutigen Dienstagvor-

granten der französischen, englischen und italienischen Regierung plausibel zu machen; wie groß die Be­drängnisse waren, denen diese Staatsmänner von Rußland ganz zu schweigen unter dem Druck der deutschen Armee ausgesetzt waren, und wie wenig Lust sie zu politischen Träumereien hatten. Und nun kommt zwanzig Jahre nach dem Weltkrieg ein tsche- cho-slowakischer Schmierfink und schreibt, daß die preußischen, bayerischen und anderenHelden" wie Besessene vor den Franzosen davonliefen, dafür aber imstande waren,auf die Zivilbevölkerung regelrechte Jagden zu veranstalten". So können nur Menschen mit schmutzigen Gedanken und erfüllt von feiger Verrätergesinnung zetern: siehe die tsche­chischen Legionen in Sibirien! Man darf aber die Prager Regierung noch einmal fragen, ob sie sich durch die weitere Duldung dieser gemeinen Verleumdungen und verbrecherischen Flegeleien wirklich mitschuldig machen will.

Ein Skandal!

Berlin, 29. Aua. (DNB.) Trotz des Protest­schrittes der deutschen Reichsregierung wird in der Tschecho-Slowakischen Republik die wüste Beschimp­fung der deutschen Armee fortgesetzt. Unter der ÜberschriftGin Skandal" schreibt dazu der Deutsche Dien ft":

Was man nach dem von der deutschen Reichs­regierung in Prag unternommenen diplomati­schen Schritt gegen die unflätigen Auslassungen

Prag, 29. Aug. (DNB.) Wie das > tschechische HetzblattMoravskoslezsky Denik" kürzlich angekün­digt hatte, setzt es seine dreisten und uner­hörten Greueldarstellungen fort, die da­zu bestimmt sind, die tschechische Bevölkerung zum Haß gegen alles Deutsche aufzuhetzen. Das Schmierblatt bringt in der Nummer 232 vom 24. August 1938 folgenden Schmutzartikel:

Deutsche Kulturtätigkeit während des Krieges. Gemetzel der Zivilbevölkerung in Frankreich wäh­rend des Weltkrieges war eine Beschäftigung der heldenhaften" deutschen Militärs. Wir schrieben bereits über diese preußischen, bayerischen und an­deren Melden", die wie Besessene vor den Fran­zosen davonliefen, dafür aber imstande waren, auf die Zivilbevölkerung regelrechte Jagden zu veran­stalten. Das deutsche Militär übte sich an der Zivil­bevölkerung ein, die nicht damit rechnen konnte und in der Meinung, daß ihr nicht nahegetreten werden köyne, in ihren Heimen verblieben war.

Den Deutschen dünkte es dumm, nach den we­nigen Kindern, Frauen und Alten zu schießen. Sie richteten es sich im Laufe einer Woche nach dem Einfall in Belgien und Frankreich so ein, daß aus mit Petroleum gefüllten Spritzen die Häuser be­gossen wurden, die sie dann anzündeten. Sehr tapfer benahmen sich die deutschen Soldaten gegenüber Frauen und Kindern. Damit die Gatten ober Väter die Frauen nicht verteidigen konnten, wurden sie zuvor von den deutschen Soldaten erschlagen. Die Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und schließlich erschlagen. Solcher Vorfälle gibt es tau­sende. Auf diese Art hausten die Deutschen in Ruß­land, Serbien und Rumänien. Mit Recht nennt man sie van der Zeit abHunnenmilitär". Die österreichischen Soldaten benahmen sich in dem er­oberten Gebiet noch anständig, besonders, soweit es Soldaten slawischer Nationaltät waren.

Regelrechte Verwüstungen verursachten die unga­rischen Soldaten und ihre Offiziere. Aus einem Schloß oder Palast binnen 24 Stunden einen Dün­gerhaufen zu machen, war keine Kunst. Ställe er­richteten sie in Kapellen, Schulen und besseren Häu­sern. Sa sah die deutsche und ungarische Kultur im Lichte der Wahrheit aus."

in alle deutschen Gaue. Bis 1929 hatte der erste Teil die Aufluge van 29 000 erreicht.

Im Jahre 1930 kannte endlich der Wunsch des Verfassers in Erfüllung gehen, eine billige Volks­ausgabe zu schaffen, die das Werk in einem einzigen handlichen Bande zusammenfaßte. Die Auflage ging mit dem Wachsen ber nationalsoziali­stischen Bewegung sprunghaft in 'die Höhe. 1932 brachte allein den Absatz von 80 000 Stück. Im Jahre des Sieges 1933 wurde die erst e M i 11 i o n überschritten, 1935 die zweite Million über­holt und 1937 war die Auflage auf 3,45 Millionen gestiegen. Damit war wohl der größte Erfolg er­reicht, den je ein politisches Buch auf dem Erden­rund gefunden hatte. Jetzt, Mitte 1938, kurz vor dem Nürnberger Reichsparteitag wird gemeldet, daß die vierte Million des Buches in die Hände der Leser gewandert ist.

Das Ausland hat den Nationalsozialismus jähre- lang nicht begriffen oder ihn als störend bearg­wöhnt. Was konnte hier aufklärender wirken als die U e b e r f e tz u n g e n des Standard-Werkes bes« Führers in fremde Sprachen? Damit wurde auch dem Versuch am besten begegnet, durch nichtautori­sierte Uebersetzungen und tendenziöse Auszüge falsche Eindrücke zu erzwecken. So erschienen seit 1933 Nacheinander Uebersetzungen in Nordamerika, England lAuflage 47 000), Norwegen, Schweden, Italien, Ungarn, Dänemark, Spanien, Brasilien unb Arabien. In ber italienischen Ausgabe finb Abolf Hitler, Benito Mussolini und General Franco als bie Führer eines neuen Europa bezeichnet.

Mit Recht kann man. sagen, baß bas Buch bes Führers einen Siegeslauf burch bie Welt angetre­ten hat, im beutfchen Volke selbst ist es schon längst heimisch geworben.

ul fürchten haben würbe.

.c ni Großbritannien von 1938 ist bie Wahrung ; bes guten Scheines, er mag so äußerlich sein wie ix will, ber zweite Grundsatz der Außenpolitik so im wie je in Merry Old-England. Also machte ßo-.bon, als die Rückenstärkung für Prag dann doch sii großen Staub in Europa aufwirbelte, eine billige Sete, indem es einen hervorragenden englischen ( Antiker mit einer Mission als Ermittler und Vermittler in der Tschechei beauftragte. Gleich- icii g aber wurden die Tschechen mit jeder nur er­denklichen Freundlichkeit dahin beschwichtigt, daß bet also beauftragte Lord Runciman weder Btilreter der englischen Regierung sei, noch imAuf- fr6$e der Regierung handle, noch irgendwelche Ich-dsrichierlichen Befugnisse haben usw. usw. Wie- jeram war ber gute Schein gewahrt, Englanbs llvzenpolitik fanb sich von ben bengalischen Feue n jeher Freunbe illuminierend angekuchtet unb >it Tschechen selbst wußten längst, was sie von ber Uten Aktion zu halten -hatten.

(5 ist nötig, biefe Vorgänge einmal kurz zu- sarmenzufassen, um den richtigen Blick für bie jec=nmärtige Situation im allgemeinen unb für die mi tisch kostenlose Geschäftigkeit Londons im beson- 5ertn zu gewinnen. Es überrascht keineswegs, daß itris und Prag der Rede John Simons zu- föirmten. Denn es ist ja nicht nur so, daß diese Rebe nicht ein einziges energisches 03 r t an d i e Pranger Adresse enthalt, nach- iHrtt die wochenlange englische Politik<bes!tatenlosen schauens und des fonfeguenten Uebersehens selbst jämerfter Ausschreitungen mit tödlichem Ausgang jp Prag als immer neue Ermunterung auf gefaßt goerben mußte. Und es ist auch nicht nur so, daß die Rede jedes Wort der Feststellung darüber ver- ivridet, daß die Tschechen gar nichts bis­her zur Beseitigung bes Konfliktes bei getragen haben, was auf 9"len Willen Meßen lassen könnte. Wohl aber beruft sich Sir 3oln Simon, beauftragter Sprecher der eng­lischen Regierung, um so nachdrücklicher aus die klk lärungChamberlains vom 24. M ar,3, bie das A und das O der englischen Außenpolitik M Fall Tschechei sein soll. Nun, jene Erk arung Lljcmberlains lehnte zwar eine bedingungslose Ga­rantie für ein bewaffnetes Eingreifen Englands an sch ab, aber in sehr verklausulierten Wendungen stillte Chamberlain im gleichen Atem feft, baß England, kurz gesagt, im Falle eines kriegerischen fioiflittes in Europa nicht untätig bleiben könne. Tiefe sehrdiplomatische" Sprache wurde in Prag genau so gut verstanden, wie die bis dahin ersolg- tm indirekten Ermunterungen. Genau die gleiche Sprache spricht auch Simon, wenn er behauptet, ein Konflikt ließe sich nicht lokalisieren, unb wenn er Dann jebe Möglichkeit bes Eingreifens für Cngs

offen läßt. .

Dir können in allebem keinerlei Unter­stützung der schwierigen Aufgabe Lord $ 1 n c im a n 5 in Prag sehen, um so mehr aber ein: Erschwerung. Das gilt in vielleicht noch hohe- rmr Maße von den Vorschußlorbeeren, die das fior.boner Foreign Office der tschechischen Regie- rurg schon wieder einmal spendet unb ihr eine versöhnliche Haltung" entgegen allen Tatsachen be- Mnigt, einzig nur beshalb, weil bie Tschechen 6 k r ü cht e über einen neuenVorschlag" vervrei- ht haben. Tatsächlich haben ja bann auch öie Tschechen in gewohnter Manier bie Quittung für bie Iganze merhnürbigeVermittlung" Englanbs bereits »ikder durch gnze Serien von Ueberfäl­le i und Mißhandlungen gegen Sudetendeutsche ge­geben. Anscheinend findet niemand in London etwas brfei, daß allein in der Zeit vom 1. Mai bis zum 9Lugust 50 besonders schwere tschechische Ue^ber- ff>;fe festgestellt werden mußten, die außer zahl- lisrn Schwer- und Leichtverletzten drei Tote zur

ernst" ansehe.

i.urz, man veranstaltet in London einen schon unenglischen Wirbel von Unternehmungen in und derselben Angelegenheit. Das stimmt noch be mklicher als nachdenklich. Die englische Regie- rurg hat sich seinerzeit zur Vermittlung in dem foiflitt angeboten, ber burch ben Ausbruch eines

alles von politischer Geisteskrankheit in ber L jecfjei für Europa entstauben ist. Dieses Ange- vo mürbe von Deutschland begrüßt, solange, der

chein ehrlichen Maklertums gegeben d - Dieser Anschein schwanb dahin, als sich bie an- ze^iche englische Vermittlung zunächst sehr bald in :iib offene Parteinahme unb zusammen mit Funkreich in eine Rückenstärkung für bie Tsche­che oerroanbelte. Damit war ber Prager Regierung 90: selbst bie Direktive gegeben, daß sie weder aus vvris, noch aus London irgend etwas Ernstliches JI der weiteren Verfolgung ihrer Terror-Politik

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrSHIsche UuiverfttStrdruckerei «.Lange in Siehen. Schristleitvng und SeschSftrftelle: Schulftrahe 7