Ausgabe 
30.6.1938
 
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Stengel^der Pflanze wird handlang oder kniehoch, verzweigt sich in viele größere und kleinere Aest- chen. Die Blätter sind doppelt gefiedert und zart aezipfelt. An der Spitze der Blütenstiele stehen die strahligen Blütenkörbchen die Kamille gehört zur großen Familie der Korbblütler, der am meisten verbreiteten Blütenart der Erde, aus der mancher­lei wichtige Heilpflanzen hervorgehen, wie der Löwenzahn, der Huflattich, die Arnika u. a. m. Der weiße Rand der Blüte ist der Strahlenkranz, das gelbe Innere die Scheibe, die eigentliche Blüte mit ihren Röhrengefäßen, einer Zusammensetzung von mehr als 400 Einzelblüten, die auf dem hohlen Gewölbe des Fruchtbodens dicht zusammengedrängt stehen. Die weißen Randblüten der jungen Köpf­chen bleiben gerade abstehend, während die der reifen Blüten, die sich zum Aufbewahren am besten eignen, nach unten geschlagen sind. Wie zahlreiche sommerliche Heilpflanzen, ist auch die Kamille im Juni und Juli, den sonnereichen Monaten, in ihrer höchsten Kraft Die kleinen gelben Sonnenscheiben mit ihren weißen Strahlenkränzen empfangen die Glut des Tagesgestirns, um sie umzuwandeln in ein heilsames ätherisches Del.

Unsere alten deutschen Kräuterbücher haben den hohen Rang der Kamille als Heilpflanze nachdrück­lich betont und ausführlich darauf aufmerksam ge­macht. Sie überlieferten damit nur altes Volksgut, bewährtes Wissen Damals mochte es wohl kaum eine Hausmutter geben, die sich nicht einen Vorrat von Kamille für Notfälle gesammelt ober aufbe­wahrt hätte, und dieser kluge Brauch ist noch heute auf dem Lande lebendig. Die Anwendung der Kamille ist vielfältig. Die Volksheilkunde betont ihre Anwendung vornehmlichfür Personen mit reiz­barem Nervensystem und großer Empfindlichkeit gegen Schmerz sowie bei Neigung zu Krämpfen. Sie findet deshalb häusig ihre Anwendung bei Frauen- und Kinderkrankheiten. Doch soll man sich vor Mißbrauch hüten und die Kamille nur mit Maß gebrauchen, insbesondere bei Magenleiden, das sich wohl augenblicklich bessert, bei längerer An­wendung aber verschlimmert."

Die Anwendung geschieht durch den hinlänglich bekannten Tee und durch den aus frischem Kraut und frischer Blüte gepreßten Saft, der mit Wein­geist vermischt wird. Es genügt, die Tinktur trovken- weise, zwei bis vier Tropfen, mehrmals tagsüber zu nehmen. Wer sie nicht anfertigen mag oder kann, bedient sich der Kamillenpräparate der Apo­theken oder des homöopathischen Mittels Chamo- milla, das aus der ganzen blühenden frischen Pflanze gewonnen in Essenzen und flüssigen Po­tenzen hergestellt wird. Das Kamillenöl, hergestellt

aus Blüten und Olivenöl und in der Sonne destil­liert, ist ein sehr gutes Einreibmittel.

Der Wirkungskreis der Kamille ist ausgedehnt. Sie wirkt nervenberuhigend, krampflösend und er­wärmend. Ihr ätherisches Oel und ihr Bitterstoff sind ihre Hauptwirkstoffe. Es ist nicht möglich, alle Anwendungsmöglichkeiten zu nennen. Der Blüten­abguß 5 bis 7 Gramm auf einen halben Liter kochendes Wasser dient bei Koliken, Magen­krämpfen, Blähungen, Magenverstimmungen, bei schlechter Verdauung, Blutfluß, Leberkrankheiten, bei rheumatischen und katarrhalischen Fiebern und bergt Nebeln mehr. Als Gurgelmittel ist sie sehr empfehlenswert und vor allem für hustende und erkältete Kinder eine wahre Wohltat. Die homöo­pathische Arzneimittellehre nennt ihr Mittel Cha- momilla bei Heiserkeit nach Erkältung, trockenem Erkältungshusten, Scharrhusten der Kinder mit Kitzel im Halsgrübchen, insbesondere nachts... Wer versucht, wird überzeugt. Von warmen Kamillen- säckch^n und Umschlägen mit Kamille bei Entzün­dungen, Wunden und Schäden braucht man nicht lang zu sprechen: diese Hausmittel sind wohl be­kannt.

Die großen Aerzte H u f e l a n d und Friedrich Hoffmann haben die Kamille sehr gerühmt, und dieser Ruhm der Heilpflanze wird nicht vergehen. Neuere Aerzte urrtr Heiler haben nichts anderes gesagt. Es ist eigentlich überflüssig, zum Preis der Kamille ein Wort hinzuzufüqen. Wenn in den katholischen Gegenden das schöne Fest der Kräuter- roeibe im Sommer begangen wird, zum Gedächt­nis der fruchtbaren Flur und Pflanzenwelt, ist auch die Kamille im würzigen Kräuterbüschel enthalten, denn sie ist ein heilig-heilsames Kraut.

'Zeitschriften.

Ein Dolomitenheft desB e r g st e i g e r s" (Verlag Bruckmann, München, 1,20 RM.) das em Farbbild von Handel-Mazzetti schmückt, beginnt mit einer AbhandlungGoldene Felswege der Dolo­miten" von Gunther Langes, die mit prachtvollen Aufnahmen und Zeichnungen bebildert ist. Ihr schlie­ßen sich anDas Volk der Dolomiten" von K F Wolff,Der Schiern ein Muster der Dolomitengeo­logie" von R. v. Klebelsberg,Landschaft im Por­phyr" von Hans Kiene. Den Krieg an der Dolo­mitenfront behandeln zwei Beiträge: .Alpine Auf­gaben deutscher Gebirgstruppen zu Beginn des Krieges in Tirol 1915" von General der Artillerie a. D KraUt d. Dellmensingen undDer Handstreich auf den Monte Piano" von Generalmajor d. R.

V. Schemfil (mit vielen Kriegsbildern und Karten­skizzen). Josef Mühlberger erzählt ein KrieZserleb- nisKameradschaft mit Schlangen" und Fritz Schütt gibt eine Fahrtenschilderung in das Kriegsgebiet der Presanella. Den Schluß des Heftes bilden tue Schilderung derErsten Winterbegehung der Gro- ßen Zinne-Nordwand" (mit seltenen Kletterausnah- men) von Fritz Kasparek und WeiteresDolomiten- Allerlei".

Hochschulnachnchten.

Professor Dr. Alfons D o p s ch , Ordinarius für Wirtschafts- und Kulturgeschichte an der Universi­tät Wien, Begründer und Leiter des Wiener wirt- schafts- und kulturgeschichtlichen Seminars, voll­endete dieser Tage das 7 0. Lebensjahr. Dopfch ist Sudetendeutscher: seine Hauptarbcits- gebiete sind Verfassungsgeschichte und Rechts- und Wirtschaftsgeschichte des alten Oesterreich.

Unter den von der englischen Universität Ox­ford kürzlich mit hohen Ehrengraden ausgezeich­neten Gelehrten und Forschern befindet sich auch der verdiente Vorkämpfer für Deutschland und Leh­rer für deutsche Sprache und Literatur, Professor Hermann Georg Fiedler. Ihm wurde der Ehren- grad des D. Litt (Ehrendoktors der Litteratur» ver­liehen. Der deutsche Gelehrte stammt aus Zittau, studierte in Leipzig und ging 1907 nach Oxford, nachdem er schon vorher in Glasgow und Birming­ham tätig gewesen war Seme Arbeit hat der deut­schen Wissenschaft und Kultur auch in den Krisen­jahren in England große Dienste geleistet. Nach­folger Professor Fiedlers, der Ende 1937 in den Ruhestand trat, wurde Dr. I. Boyd, der in Hei­delberg als Lektor gearbeitet hat.

Professor Dr. Wolfgang Keller, München, tritt wegen Erreichung der Altersgrenze in den R u h e st a n d. Der hervorragende Anglist ist Her­ausgeber des Shakespeare-Jahrbuches und Neubear­beiter der Shakespeare-Ausgabe von Schlegel-Tieck.

An der Universität Breslau wurden wegen Er­reichung der Altersgrenze von den amtlichen V»r- pflichtungen entbunden: der o Professor her Be­triebswirtschaftslehre und Direktor des Betriebs­wirtschaftlichen Instituts Dr rer. not Georg O b st, der im Februar b I. seinen 65 Geburtstag' beging; der o. Professor ber gerichtlichen Medizin' und Di­rektor bes Gerichtsärztlichen Universitätsin'tituts Dr. Karl Reuter: an ber Technischen Hochschule Breslau: ber arbentliche Professor ber Elektro­technik unb Elektromaschinenbau Dr.-Ing. Georg Hilpert.

Gießen im Zeichen ver Verkehrserziehung

Seit einigen Tagen schon wirb bie Bevölkerung unserer Stabt nachdrücklich auf bie Notwenbigkeit einer gesteigerten Verkehrsbisziplin hingewiesen. Die Verkehrserziehungswoche fordert alle heraus, die die Straße benützen, ruft jedem die Forderung ins Gewissen: Halte Disziplin im Straßenverkehr! Nimm Rücksicht auf deine Mitmenschen!

So sieht man denn in diesen Tagen die Polizei­beamten und die Männer vom Verkehrserziehungs- dienst des NSKK. damit beschäftigt, ihre Aufmerk­samkeit in gesteigertem Maße dem Verkehr zuzu­wenden. Man bemerkt immer wieder, wie sie sich den einen ober anberen Volksgenossen zu einer freunblichen Ermahnung aus bem stetigen Fluß bes Verkehrs vornehmen. Darüber hinaus find sie auch bamit beschäftigt, bie hanblichen Zettel zu verteilen, auf benen man jene zehn Gebote gebrückt vorfinbet, bie, schon am Freitag burch Reichsminister Dr. Goebbels verkünbet, nun jebem einzelnen noch schriftlich in bie Hanb gegeben werben.

Die Verkehrserziehungswoche bebeutet auch in unserer Stabt eine unbedingte Notwendigkeit. Kammer wieder muß man erleben, daß an den Brenn- und Gefahrenpunkten des Verkehrs Unfälle

geschehen, die für die unmittelbar. Beteiligten schwe­ren körperlichen oder materiellen Schaben nach sich ziehen unb bie boch vermieben werben könnten. Man kann beobachten, wie unvorschriftsmäßig ge­parkt wirb, wie. sich bie Lenker ber Fernlastzüge nicht scheuen, ihre riesigen Züge stunbenlang in Hauptverkehrsstraßen aufzustellen unb sie oft auch bie ganze Nacht stehen lassen, obwohl es auf Oswalbsgarten einen ibealen Parkplatz für Fern­lastzüge gibt Man muß immer wieber erleben, rote z. B. in ber Schulstraße Radfahrer aus ber Stabt unb aus ber Umgebung immer wieber ihre Fahr­räder auf bem Bürgersteig aufstellen, so baß sich bald, unb besonbers in ben Mittags- unb Nach- mittagsstunben, so viele zusammensinben, baß man eine respektable Großhanblung bamit eröffnen könnte. Dabei scheut man sich auch nicht, sich mit ben Fahrrädern auf ben Bürgersteig zu stellen, sich zu unterhalten, währenb die Fußgängex immer wieder Bogen um die Gruppen machen müssen. Und immer wieber muß man sehen, baß sich an ber Kreuzung von Sonnenstraße, Schulstraße und Neuen Säue mit Vorliebe Fußgänger an die Ecken stellen, plaudern und den Fahrzellglenkern die

Uebersicht versperren. Es fällt auch nicht schwer, Volksgenossen dabei zu sehen, wie sie mitten auf der Straße stehen bleiben und sich etwas zu erzählen haben. Es mag wichtig sein, was sie sich gegenseitig mitteilen müssen aber die Fahrbahn ist nicht der geeignete Platz für einen Meinungs­austausch.

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht oder sich auch nur einmal eine halbe Stunde am Selters­tor, an der Gartenstraße, am Marktplatz oder an der Neustadt vor dem Viadukt aufhält, wird feft- stellen müssen, daß auch in Gießen im Hinblick auf die Verkehrsdisziplin noch einiges gelernt werden muß.

Dabei muß man aber anderseits auch wieder fest­stellen, daß alles wie ebn Schnürchen klappt, wenn ein Polizeibeamter in Sicht ist, oder wenn ein An­gehöriger des Derkehrserziehungsdienst^s des NSKK. den Straßenverkehr beobachtet. Da wissen ai|f einmal alle Verkehrsteilnehmer, wie sie sich zu verhalten haben. Da gibt es auf einmal das, was man die Kameradschaft der Straße nennt!

Noch ist Derkehrserziehungswoche! Noch bleibt es meist bei wohlmeinenden Ermahnungen! Aber schon heute muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß Verkehrssündern, die leichtfertig sich und vor allem ihre Umgebung gefährden, nach dieser Derkehrs­erziehungswoche keine Nachsicht erwarten dürfen!

Verkehrssünder auf der Tat ertappt: Lin ks: Unterhaltung mitten auf der Fahrbahn. Rechts: Ein Fahrradlager auf dem Bürgersteig! (Ausnahmen (2): Neuner, Gießener Anzeiger.)

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Hr.150 Zweiter vlatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

334.Jahresfeier der Ludwigs-Llniversitäi.

Gestern, Mittwoch vormittag, sand in alther­gebrachter Weise die 3 3 1. Jahresfeier d e r Ludwigs-Universität Gießen in der Neuen Aula statt. Der Festakt wurde nach dem Ein- narsch des Senates und des Lehrkörpers und nach d-m Fahneneinmarsch mit dem vom Akademischen Gesangverein vorgetragenenBittgesang" von Haybn eingeleitet. Darauf erhob sich der

JReffor Professor Or Geiser

nid hieß zunächst im Namen der Ludwigs-Univer- fiät die zahlreich erschienenen Ehrengäste herzlich Willkommen. Prof. Seifer ergriff bann bas Wort' zi seiner F e ft r e b e über bas ThemaWege vnd Ziele ber Seuchenforschun g", in ber er u. a. folgenbes ausführte:

Wirtschaftlicher Niebergang, Hunger unb Elenb linb Gräber ohne Zahl zeichnen bie Wege, bie bie keuchen gezogen finb. Gute Schätzungen geben an, daß zur Zeit bes Schwarzen Todes um bie Mitte i?s 14. Iahrhunberts runb ein Drittel ber Bevölke­rung ber Seuche erlag. Die Diphtherie trat im 15. unb 17. Jahrhundert in Spanien in heftigster SBeife auf. Die von den spanischen Eroberern in die reue Welt eingeschleppten Pocken haben weite Land- friche fast entvölkert. 1876 starben von 150 000 Ein­geborenen ber Fibschiinseln 40 000 an Masern. In Kußlanb wirb bie Zahl ber Erkrankungen an Fleck­feber für 191821 auf 25 bis 30 Millionen ge­schätzt. Die Malariaepidemie auf Ceylon 1934/35 Dar bie größte biefer Art feil Jahrzehnten.

Zu ben Kriegsseuchen, bie meist größere Tobes- rpfer forberten als bie Kämpfe, gehören bas Fleck- f eher, bie Bubonenpeft, bie Cholera, ber Bauch- lyphus, bie Ruhr, bie Pocken unb in süblichen Län­dern auch bie Malaria. Die Malaria ist als enbe- nische Seuche auf ber Erde ungeheuerlich verbreitet. Über auch bie Kulturlänber bes gemäßigten Klimas laben ihre Seuchen, bie eine schwere Gefahr für lie Gesunbheit unb ben Bestaub des Volkes bebeu- ien, wie bie Tuberkulose unb bie G e - schlechtskrankheiten.

Unter bem Einbruck ber elementaren Wucht ber Ceuchen empfanb bie fernere Vergangenheit bas Un- heil als Heimsuchung übernatürlicher Art, als seinb- :chen Akt ber erzürnten Gottheit. Von Siefen Vor- lellungen bis zu unserem heutigen Wissensstanb ist as menschliche Mühen einen steilen und bornen- nollen Pfab geroanbert. Mit ber Entbeckung ber Krankheitserreger unb ihrer Züchtung in Reinkul­tur brach bie neue Aera ber kausalen Forschung an. Die experimentelle Krankheitsübertragung unb die ersten Jmmunisierungsversuche find Meilensteine auf tiefem Wege. Die Seuchenbetrachtung von heute schöpft ihre Probleme aus ben Ergebnissen ber stetig sortschreitenben ätiologischen Forschung unb bebient sich zur Ergrünbung Ses Seuchengeschehens sowohl her alteren inbuktiv analytischen, wie ber moberneren debuktioen Methobe. Die bebuktive ober Ursachen- 1 sorschung geht aus von ben Krankheitserregern ,unb Ihren Eigenschaften unb sucht zunächst in Ver­folgung einer bem Experiment zugrunde liegenben (Hypothese ben Kausalnexus unb unter Variation ber Bersuchsbebingungen bie Pathogenese in ihren ver- fchiebenen Abwanblungen zu klären. Unter Berück- | sichtigung ber Eigenschaften bes befallenen Indi- ; oibuums unb ber Uebertragunqsmöglichkeiten wirb auf bebuktivem Wege bas ZustanSekommen des ; Krankheitsfalles unb ber Ausbruch unb Verlauf einer Seuche erläutert.

Die Jnbuktioe ober Tatsachenforschung be­traget bie Seuche als Phänomen. Ihr liegt die Beobachtung ber spontan sich barbietenben Krank­heitsfälle zügrunbe, bie sie analysiert, sammelt unb orbnet. In Form ber Mebizinalstatistik schreitet sie fort zur quantitativen Erfassung des Beobachtungs- Materials, um nach bessen Aufglieberung in alle Teilerscheinungen zur kausalen Analyse vorzubrin­gen. Erst in ben letzten Jahrzehnten würbe auch ber Weg ber experimentellen Epibemiolo - I - -- ---

Die Kamille.

g i e beschritten, bie Epibemien in Mäusedörfern ober sonstigen Populationen erzeugt, um ihren na­türlichen Verlauf zu verfolgen unb auszuwerten. Die ursächliche Forschung ist bei ber Lösung ber Probleme überlegen. Je mehr sich aber ihre Ge- bantengänge vom Experiment lösen, befto notwen­diger wird bie Kontrolle burch bie inbuktive Me­thobe, bie bie tatsächlichen Erscheinungen registriert. Der inbuktiven Methobe haften gewisse Mängel an. Seibe Methoben finb bemnach berufen, sich zu er­gänzen und ihre Ergebnisse wechselseitig zu über­prüfen.

Die geographische Verbreitung ber Seuchen ist beftänbigen Schwankungen unterworfen. Die schweren Seuchenzüge der Pest, der Cholera, der Pocken unb ber Diphtherie gehören für bas Europa oon heute ber Geschichte an. Gefürchtete Seuchen von einst haben sich in ihre Ausgangsherde zurück­gezogen ober in ber milbettn Form ber Zivilisa- tionsseuchen eingebürgert. Aber schon tauchten bis­her unbekannte in unserem Blickselbe auf, wie bie Papageienkrankheit, bie Bangsche Krank­heit unb auch bie Tularämie.

Die Frage der Seuchenoerbreitung nach

Raum unb Zeit setzt vor allem eine richtige Diagnose ber Erkrankungen voraus, um bas ätiologisch Ein­heitliche zusammenzufassen unb bas Differente tren­nen zu können. Allein bie ätiologische Forschung vermag bie Entscheibung zu treffen, wenn bas kli­nische Krankheitsbild nur uncharakteristische Züge trägt ober einen Wanbel zeigt, ber zur Vermutungs- biagnose einer neuen Seuche brängt. Die D i ° phtherie, bie man jahrzehntelang nicht beachtet hatte, würbe bei ihrem verheerenben Auftreten im 19. Jahrhunbert auch für eine neue Krankheit ge­halten, bis man erkannte, daß ber genuine Krupp zur Diphtherie gehört. Die Aenberung bes Charak­ters ber Diphtherie läßt sich bis in Sie Gegenwart verfolgen. Das Krankheitsbilb ber Tularämie ist bis 1911, bas ber menschlichen Bangkrankheit bis 1925 unbekannt geblieben. Je besser bie Krank­heitserfassung in einem Lande burchgebilbet, befto eher stellen gehäufte Beobachtungen auch neue epi- bemiologische Fragen. Ein Beispiel bildet bie Pa­pageienkrankheit, Seren panbemisches Auftreten im Jahre 1929 gerabe in Deutschlanb zuerst in seinen ursächlichen Zusammenhängen geklärt werben konnte. Auch gelang es, bas niederbayrische Erntefieber

Donnerstag, 5i>.Zuni 19.38

in eine Gruppe von enbemischen Krankheiten einzu- reihen.

Die Seuchenoerbreitung ist letzten Enbes eine Frage ber stattgehabten Infektionen, nicht beren Auswirkung in Form unter- ober oberschwel­liger Erkrankung. Die Zahl ber Keim- ober Virus- trager übersteigt die der Erkrankten vielfach ganz bebeutenb. An Kinberlähmung svll von 500 Menschen, bie nie manifest erkrankt waren, nur einer

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in typischer Weise erkranken unb auf einen typischen treffen etwa 20 abortive Fälle. Der Erregernachweis bei klinisch Gesunben bebarf noch ber Anamnese und ber weiteren Beobachtung bes Untersuchten, um Bazillenträger von Dauerausscheidern unb Inku- bationsbazillenträgern zu trennen. Der positive Be- funb erlaubt einen gewissen Rückschluß auf ben Zeit­punkt ber Keimaufnahme. Unter Berücksichtigung ber Altersklassenbefunbe einer größeren Po-

Von Friedrich Gchnack.

Die Sage sieht in ben blühenben Scharen der Kamille, bie oft bie Felber überziehen ober im Ge- I treibe schimmern, auch an ben Säumen ber Wege aufmarschieren, verwunschene Svlbaten. Sie werben Hermännchen" genannt wohl von Heer-Mannen abgeleitet. Dieses Heer, zurückflutenb von einer un­bekannten Schlacht, überschwemmte bie Brachäcker unb würbe verzaubert. Die zu Blumen verwan­delten Svlbaten tragen gelbe Kriegshute mit weißem, herabgezogenen Rand. Sie sollen aus einem Land heimgekehrt sein, ein gewürzhaster Duft haftet ihnen an. Ist es ein morgenländischer? Schon in alter Zeit ist dieses Aroma den Pflanzen­kundigen und Forschern aufgefallen. Das Wort Kamille, aus chamomilla herausgewachsen, stammt von dem griechischen Chamaemelon. Melon heißt Ap el daher Melone und chamai bedeutet niedrig, klein. Kleines Aepfelchen darf man über­setzen das Kraut erinnert mit seinem frucht- artigen Geruch an Apfelduft.

Gemeint ist die echte Kamille, das Mutter- kraut Matricaria chamomilla. Ihm zur Seite steht seine edle, kräftige, wirksame, südliche, bei uns häufig in ben Gärten angebaute römische Kamille, Anthemis nobile. Die echte Kamille wirb zuweilen mit ber unangenehm riechenden Hundskamille ver­wechselt, ebenso mit ber Ackerkamille ober ber Färberkamille. Don biesen bxeien hat nur bie Acker- kamille einen gewissen Heilwert, wahrenb bie stm- tenbe Hundskamille zu Insektenpulver verwertet wird auch vom Imker als Jnsektenschutz, der sich damit einreibt, bie Bienen abzuschrecken, benutzt wirb unb die Färberkamille als gelbes Färbemittel bient Die Ackerkamille hat nur schwach buftenbe Blüten unb einen etwas harzigen Stengel. Die echte Kamille, bie berühmte Heilkamille, (außer ber römischen), erkennt man an ihrem kräftigen aroma­tischen Duft unb bem kegelförmig emporgeroolbten Fruchtboben, ber hohl ist. Die falsche Kamille, Matricaria inodora, besitzt einen nur halbkugelig ' aufqemölbten Fruchtboben, ber nicht hohl, Umbern mit Mark angefüllt ist. Ihr Duft ist schwach. Sie wirb halbmeterhoch, bie echte Kamille bleibt klein ""Sie" bewohnt gerne nicht zu feuchte Aecker, Brache selber sanbige, trockene Plätze unb Wegränder. Das einjährige Kraut blüht in den Monaten Mai bis August und zu dieser Zeit werden auch die Bluten- köpschen gesammelt. Der gefurchte, unbehaarte