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Luftiger Gttvesterbrauch.

Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Man soll sich nicht weiter darüber aufhalten, wenn gelegentlich Schauspieler, Artisten und Rennfahrer gern abergläubisch sind. Man steckt ja selbst in aller« lei Aberglauben drin, ohne daß man immer darum weiß. Bei besonderen Gelegenheiten kommt das oft auf merkwürdige Art heraus.

Keinem allen TVeiblein begegnen.

Die ältesten und klügsten Leute zum Beispiel gie- ßen am Silvesterabend Blei. Die sich bildenden Blei- figürchen sollen auf Glück oder Unglück im kommen­den Jahr Hinweisen. Biele glauben, daß es gut sei, wenn ihnen am Neujahrsmorgen zuerst ein froh« licher Bub oder ein schönes Mädchen begegnet. Das bedeutet Glück. Aber wenn einem zuerst ein altes Weiblein entgegenkommt, dann passiere ein Unglück im kommenden Jahr. Und wenn wir am ersten Tag im Jahr tüchtig unseren Punsch trinken, kräftig böllern und schießen und uns laut über die Straße Glück wünschen, so steckt auch darin ein Stück alten Aberglaubens. Nach altem Volksglauben nämlich kämpfen um den ersten Tag im Jahr gute und böse Geister. So soll man lärmen und schießen und böllern, um die bösen Geister zu vertreiben und sich tüchtig dazu Mut antrinken.

Den Finger erheben!

Es ist schon oft ausgerechnet worden, welche wirt­schaftlichen Werte sich aus einem derartigen liebens­würdigenAberglauben" ergeben. Die Gasthäuser, eine große Anzahl von Geschäften, die Weinhand­lungen, die Post, vor allem auch die Drogerien, in denen man all jenes nette pyrotechnische Material kaust, können darüber berichten. Unsere Freude und unser bißchen Aberglauben verwandeln sich in volks­wirtschaftliche Werte. Daß man gelegentlich den Finger heben und mahnen muß, braucht wohl im

allgemeinen unsere Freude nicht zu trüben. Alle Jahre wieder kommt es vor, daß ein Tölpel einen Christbaum umwirft und eine Gardine obbrennt. Unvorsichtige Leute gibt es eben auch zu Weihnach­ten. Und an jedem Silvester verbrennt sich mal einer den Finger, wenn er mit vernehmlichem Zischen eine Rakete losläßt, oder ei passiert wohl auch sonst ein Unheil, wenn einer so fahrlässig ist, einen Feuerwerkskörper in einem Saal oder in einer Stube loszulassen. Auch am Silvester sind die Fahr­lässigen nicht ausgestorben. Darum müssen die Vor­sichtigen auspassen, Vorbeugen und Schaden verhüten.

Drogerien treiben Schadenverhütung.

Kurz vor Neujahr 1938 kam ein Knabe in die Drogerie und verlangte allerlei Chemikalien. Die gewissenhaften Fragen des Drogisten nach dem Verwendungszweck und dem Alter seines Kunden wurden falsch beantwortet. So bekam der Junge seine Chemikalien; das führte zu einer Explosion, zum Verlust von zwei Fingern und zu einem ge­richtlichen Nachspiel. Der 6. Zivilsenat des Reichs­gerichtes mußte feststellen, daß sich der Drogist bei Abgabe von Gift und Chemikalien, die zur Her­stellung von Feuerwerkskörpern verwendet werden können, nicht ohne weiteres auf die Angaben des Kunden verlassen darf. Er muß unter Umständen nachprüfen. Man soll sich deshalb nicht wundern, wenn die freundlichen Leute in der Drogerie ge­legentlich neugierig sind und fragen, wie alt wir sind und für welchen Zweck wir die verlangten Che­mikalien verwenden wollen. Denn der Drogist ist fachlich erzogen, gewisienhaft ausgebildet und ver­pflichtet, Schadenverhütung zu treiben, damit wir, ohne Schaden zu stiften, auch Silvester feiern können. H; S.

Leichtsinn bringt Gefahr!

Vorsicht ist nicht Feigheit!

Wir wollen es ruhig eingestehen: Wenn wir von einem vorsichtigen Menschen hören, hat diese Vor­sicht nicht etwa den Reiz des Nachahmenswerten für uns. Wir haben im Gegenteil ein unangeneh­mes Gefühl dabei und verbinden bewußt oder unbewußt den Begriff der Vorsicht mit dem der Feigheit.Wer vorsichtig ist", sagen wir,der wagt nichts, und wer nichts wagt, hat keinen Mut! Und wer keinen Mut hat, ist eben ein Feigling!" So hört sich das ganz einleuchtend an. Daß wir dabei den Begriff der Vorsicht verbiegen und vielleicht in manchen Fällen ins Gegenteil umkehren, ist auf dem ersten Blick nicht so ganz einleuchtend.

Vorsicht ist das Gegenteil von Leichtsinn und nicht etwa von Mut. Vorsicht und Leichtsinn haben mit Feigheit oder Tapferkeit nicht das geringste zu tun. Tapfer können beide sein, der vorsichtige und auch der leichtsinnige Mensch. Wo aber der vorsich­tige Mann klug abwägt und seine Kräfte sammelt, ehe er den Angriff auf ein Ziel unternimmt, wird der leichtsinnige drauflosstürzen und oft schon am Ende seiner Kräfte sein, ehe der letzte Einsatz über­haupt von ihm gefordert wird. Der Vorsichtige wird alles daransetzen, im Vollbesitz seiner Kraft zu blei­ben, weil seine Gesundheit ihm wertvoll nicht nur ür sich selber, sondern auch für die Gesamtheit er= cheint. Der Leichtfertige denkt nicht soweit. Mit einem Denkvermögen ist es überhaupt nicht weit her, sonst würde er nicht fortwährend seine gesun­den Knochen einsetzen, um etwas zu erreichen, das diesen Einsatz gar nicht wert ist! Der Vorsichtige wird sich auch einsetzen, er wird auch alles daran­geben, ein großes Ziel zu erreichen; aber dieses Ziel muß auch den großen Einsatz wert sein! Es sieht also doch wohl so aus, daß wir nicht Vorsicht und Feigheit, sondern Vorsicht und Klugheit und Leicht­sinn und Dummheit auf eine Stuf« zu setzen haben.

Ein paar Beispiele zeigen das ganz deutlich. Wenn du Mut hast, spring auf!" könnte jemand auf der Straße sagen und selber mit einem gewal­tigen Satz auf die fahrende Straßenbahn springen.

O nein", wird sich der Vorsichtige bedanken,war­um sollte ich das tun, so dumm bin ich nicht! Wenn der Sprung daneben gelingt, breche ich mir die Knochen, und so billig kommen sie mir doch nicht vor. Ich riskiere meine Gesundheit, und was be­komme ich dafür? Bestenfalls spare ich die paar Minuten Zeit, bis die nächste Bahn kommt. Ist das aber wirklich soviel wert?"

Oder ein anderes Beispiel: Da schlendert einer wie er meint, sorglos, in Wirklichkeit aber leicht­sinnig durch das Gewühl einer starkbelebten Derkehrsstraße. Er sieht weder links noch rechts, achtet auf kein Verkehrszeichen und springt noch schnell vor dem Auto auf den Bürgersteig.Dar­auf kommt es an!" wird er sagen.3mmer die Ruhe bewahren und sich dann im richtigen Augen­blick ohne Furcht durch Autos und Fahrräder hin­durchwinden." Er wird sich selber sehr tapfer vor­kommen und den Vorsichtigen nicht verstehen, der sich so bewegt, wie es einem vernünftigen Menschen zukommt. Der Leichtsinnige vergißt nämlich ein sehr wesentliches Moment: Bei seinenMutübun­gen" undTapferkeitsbeweisen" spielt er nicht nur mit seinen eigenen Knochen, sondern auch mit dem Leben und der Gesundheit anderer, die sich auf der Straße bewegen. Er tut das gewiß nicht in der Absicht, anderen zu schaden, aber gerade, weil er nicht einmal merkt, daß er andere gefährdet, offen­bart er feine Dummheit.

Leichtsinn ist eine durchaus unmännliche Eigen­schaft. Dieser Leichtsinn fordert täglich und stünd­lich vom deutschen Volk unnötige Opfer. Dabei ist der bewußte als Mut getarnte Leichtsinn noch harmlos 'gegenüber dem Leichtsinn, den der einzelne gar nicht mehr als Leichtsinn empfindet, weil es schon zur Gewohnheit geworden ist. Gerade das Gefühl: Es ist ja bisher gutgegangen, es wird auch heute nichts passieren! ist eine Stütze des zur Gewohnheit gewordenen Leichtsinns. Aus diesem Gefühl heraus fährt der Radfahrer immer wieder in der Dunkelheit ohne Licht. Es fei ja nur eine

unmöglicher Hausverwalter.^

Hm Anschluß an eine Veröffentlichung in der Oberhessischen Tageszeitung", Nr. 347 vom 21. De- zember, die sich mit der Tätigkeit des Hausverwal­ters August Becker und den Wohnverhältnissen in dem Hinterhause Walltorstraße 48 beschäftigte, be­richteten wir in unserer Nr. 300 vom 23. Dezem­ber über eine dieser Angelegenheit gewidmete Un­terredung mit dem Kreisleiter Backhaus und dem Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, Ober- .meoizinalrctt Dr. E n g a u.

In einer neuerlichen Rücksprache mit den zustän­digen Stellen wurde uns folgendes erklärt: Die Nachprüfung dieser Angelegenheit habe ergeben, daß die Hauptschuld an den Zuständen in dem Hinter­hause Walltorstraße 48 bei den Mietern selbst liege. Es habe sich herausgestellt, daß große Mietrück­stände vorhanden seien, in einem Falle sogar bis zu 1500 Mark. Weiter habe sich ergeben, daß Becker trotz dieser Mietrückstände bis in das Jahr 1938 hinein Reparaturen in den Wohnungen dieses Hauses habe vornehmen lasten und daß er dem Mieter, der die hohen Mietrückstände schuldet, auf- gegeben habe, die Reparaturen selbst vorzunehmen und den Betraa von dem Mietrückstand abzuziehen. Es habe sich also herausgestellt, daß Becker korrekt gehandelt habe. Danach könne der Vorwurf, daß Becker nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht sei, nicht aufrechterhalten werden.

Oer Weihnachtsbaum verdient ein ehrenvolles Ende.

Es gibt wohl kaum einen Baum in unseren Wäl­dern, dem wir so viel Freude zu danken hätten, wie der Fichte. Solange sie im Walde wurzelt, er­freut sie uns durch ihren edlen Wuchs, das Immer- grün ihrer Nadeln, durch die Lieder der in ihrem Gezweig nistenden Vögel ynd ihren herben und harzigen Duft. Darf sie ihr natürliches Sehen leben, so erlebt sie ihre fünfzig oder achtzig Sommer. Häufig aber erreicht sie auch nicht annähernd dieses Alter, sondern sie stirbt, von der Axt getroffen, mit acht oder zehn oder einigen Jahren mehr dahin. Aber es ist kein häßliches Ende; denn noch Tage» ost auch Wochen lang steht der Baum, mit silbernen und goldenen Kugeln und blitzendem Tand ge­schmückt, von brennenden Kerzen und leuchtenden Sternen bestrahlt, in festlichen Räumen; frohe Lie­der umklingen ihn, selige Kinderaugen staunen ihn an wie ein Wunder, und auch große Menschen fühlen sich in seinem beglückenden Bereich wieder jijng und gläubig. All das bringt der holdeTan­nenbaum" zuwege, der, als er noch im Walde lebte, meist eine Fichte war.

Aber so verzeihlich die landläufige Verwechslung von Tanne und Fichte ist, so traurig ist oft das Ende des guten Baumes, der die Menschen so froh machte. Gewiß ist das nicht die Regel, aber wie häufig sind wir Zeugen, wie häßlich man mit dem ausgedienten" Weihnachtsbaum verfährt. Oder wer hätte das noch nicht beobachtet: wie einer von ihnen um Neujahr herum oder etwas später, noch mit Spuren von Lametta im Nadelhaar und wachs- betropften Zweigen, in der Gosse ober im Hofwinkel lag wie irgend ein abgelegter Plunder? Manchmal sieht man die festlichen Bäume wochenlang auf 21b» sallstätten herumliegen, längst schon aller Nadeln bar und mit zertretenem Astwerk und abgebroche­nen Kronen ein jammervoller Anblick.

Muß das sein? fragt man sich in solchen Fällen. Und findet es verwunderlich, daß ein Bäumchen, das soviel Freude spendete, nun so elend verkom­men mutz. Es sollte doch fast eine Selbstverständ­lichkeit sein, daß der Weihnachtsbaum, wenn er seinen Zweck erfüllt hat, wenigstens verbrannt wird. Indem man ihn etwa zum Feueranmachen ge­braucht. Gerade den Zeitgenossen möchte man diese nützliche Verwendung des Baumes empfehlen, an deren Gemüt man ohne Erfolg appelliert, die aber zu sparen und zu rechnen wissen. Sie brauchen wahrscheinlich, um sich zu bessern, nur auszurech­nen, was ein ausgedienter Weihnachtsbaum ihnen wert fein kann, wenn sein Holz reicht, um eine Woche lang das Herdfeuer in Gang zu bringen. Man soll auch diese 20 oder 30 Pfennige, die das Anmachholz etwa wert ist, nicht verkommen lassen. Um so weniger, wenn man damit gleichzeitig man­chem Mitmenschen, dem ein mißhandelter Weih­nachtsbaum leid tut, einigen Aerger erspart. Schl.

VW WUWW?

Roman von Hubert Rausse.

Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.

17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Gewiß! Aber dasselbe Schicksal sorgt auch für Hilfe. Paß auf! Es ist doch eigentlich mehr als eine komische Sache, daß du, Karl Hellfahr auf Trebbin, eine Schwester hast, die Schauspielerin ist. Du warst natürlich immer ein wenig stolz auf mich, aber du hast auch viele Augenblicke gehabt fei mal ehrlich, Karl!, viele Augenblicke, wenn die andern dich so ein wenig boshaft gefragt haben: Was macht sie denn eigentlich, die Schauspielerin? Weißt du, so mit diesem leichten Unterton, was wild sie schon sein, diese sagenhafte Elisabeth da unten in München wo du dich auch gefragt hast, warum werde ich armer solider Kartoffelzüchter und Rübenbauer eigentlich mit einer Schwester ge» schlagen, die statt in die Nachbarschaft zu heiraten und Kinder zu kriegen, ausgerechnet am Theater ist?"

Sie sprach dasTheater" in einem unsagbaren Ton.

Karl sträubte sich lachend.

Wo denkst du hin, Elisabeth? Aber niemals!" Na, na!" Elisabeth entdeckte plötzlich, daß auch eine Naive in ihr steckte. Sie tropfte dasNa, na" aus einem hochgehobenen Glas in fein Sträuben hinein.

Sie lachten beide ganz froh.

Dann sagte Elisabeth:Wie gut das tut! Man sollte viel mehr lachen! Aber nun im Ernst. Das gleiche unfaßbare Schicksal, das dir den dummen Vertrag gleich einem Strick um den Hals gelegt hat, das hat dir auch eine Schwester gegeben, die Schauspielerin ist beide Sachen sind mit dem, was du und Vater so die menschliche Vernunft nennen, gar nicht zu fassen. Aber diese beiden Dinge stehen in irgendeinem Zusammenhang. Man soll Schicksal nicht durch Zufall erklären. Hier ist eine Wechselwirkung da.Ich bin vom Schicksal ausersehen, dich aus deiner Schuld zu befreien."

Sie hatte ganz rote Wangen. Sie machte Gesten große, beherrschende Gesten, die ihr selbst ganz neu waren. Es war ihr bitter Ernst.

Unsinn, Elisabeth! Ich bin dir dankbar, daß du mir einmal geholfen hast, und werde dir dankbar sein, wenn du bas weiter könntest. Aber die Dinge entziehen sich unserer Macht. Was kann ich gegen den Dollar?" H H

Nicht du! Ich habe mich auch falsch ausgedrückt. Meine Ausgabe ist nicht, dich zu befreien. Es han­delt sich überhaupt nicht um dich und mich! Es han­delt sich um Trebbin. Das Schicksal, das jetzt Treb­bin bedroht und damit Vater und Mutter, oich und mich und unsere Heimat, das gleiche Schicksal hat mich zur Schauspielerin bestimmt, um die Gegen­kraft zu wecken."

Karl versuchte noch einen Einwand.

Aber Elisabeth ergriff seine Hand, hielt sie fest und sagte mit einer bittenden Stimme:

Laß mir diesen Glauben, Karl! Aus diesem Glauben wächst mir Mut und Kraft. Es ist ja wohl immer so, je wilder und schreckhafter die Zeiten sind, um so mehr braucht der Mensch den Glauben!"

Das war eine ganz neue Elisabeth!

K Oder war sie doch nur eine Schauspielerin, dachte Ja", sagte sie, und es war, als ob sie hellsichtig feine Gedanken läse,ich bin eine Schauspielerin und eine gute dazu! Ich habe nach Berlin und München geschrieben, aber vielleicht war das alles nicht das Richtige. Jetzt, wo ich die Aufgabe sehe, die das Schicksal mir stellt, sehe ich noch klarer den Weg: Vielleicht kann ich in Zürich Franken ver­dienen oder ich gehe auf Gastspielreisen oh, es gibt so viele Wege, Trebbin zu retten. Einen werde ich schon finden!"

*

Am Nachmittag ruderte Elisabeth auf den See hlnaus. Es galt ein Abschiednehmen. Seit ihre Auf­gabe klar geworden war, zweifelte sie nicht daran, daß sie in kurzer Frist Trebbin verlassen werde.

Die Heimat verlassen, um sie draußen in der Welt neu zu erobern!

Ein Glücksgefühl schwellte ihre Brust, jagte ihr das Blut belebend durch alle 2ldern. Sie sah ihr Ziel, sie liebkoste mit ihren fröhlichen Augen das alte liebe Gutshaus von Trebbin.

Ihr war so erwartungsvoll überschwenglich zu- mut, als ob heute noch eine Entscheidung fallen müsse.

Der See war wie blaue Seide.

Elisabeth ruderte sich müde, und ehe sie es ver- »ab, war sie in der Nähe des andern Ufers an« gelangt Gelbes Schilf, rotbraune Heide und dunkle Wacholderbüsche sahen ihr entgegen.

Sie ließ das Boot treiben und hing ihren Ge­danken nach.

Wie mar diese überwundene Krankheit nur mög« Iid) gewesen? Wie konnte nur aus Heimweh und Jugendliebe eine neue dumme Verliebtheit erwach­sen? Sie erlebte noch einmal alles.

Als sie an jenem Abend auf der Terrasse in Los­

nitz sich gefaßt und in den Annen der Herzogin wieder Ruhe und Sicherheit gewonnen hatte, war sie einer Auseinandersetzung mit Fritz nicht aus dem Wege gegangen. Im Gegenkeil!

Was war ich dir beim, Fritz? Nur ein Spiel­zeug? Ein hübsches Kind für eine nette Stunde?"

Fritz hatte natürlich abgewehrt. Er war bis in die Lippen erbleicht, als er hörte, daß die Herzogin und Elisabeth die ganze Szene mit angehört hatten. Er gab seinen Vater ohne weiteres preis.

Und warum sagtest du nichts? Warum fandest du nicht ein Wort für mich?"

Oh, sie hatte ihn nicht geschont.

Dein Vater, ist ein Junker der alte Schule. Ein Siebziger darf meinetwegen unmodern fein, darf schließlich Anschauungen vertreten, wie sie zur Zeit der Prügelstrafe gang und gäbe waren. Aber du? Aber du? Die Meinungen deines Vaters sind mir gleichgültig, aber daß dein Vater es wagen darf, zu dir so zu sprechen? So zu dir über mich zu sprechen und daß du es anhörtest, ohne ihm ins Wort zu fahren?

Seine Worte sind so deine Worte geworden. Törichter Hochmut und eine lächerliche Anmaßung treffen zusammen. Was verstehst du schon von Kunst? Dir wird immer der Großherzog wichtiger sein als der Goethe!

Ich glaube gar nicht, daß du verstehst, was ich meine. Aber diese junkerhafte Anmaßung kann um so weniger an mich hin, als die Herzogin doch ganz auf meiner Seite stand. Adel verpflichtet, nur der wirklich Adelige wird das erkennen. Die andern blähen sich auf und verwechseln Dünkel mit Ueber- legenheit. Der Bürger kann uns Künstler vielfach nicht verstehen. Aber der Adel muß es können, oder er ist keiner."

Die Auseinandersetzung war draußen im Park gewesen, in Anschluß an die festliche Polonaise, die der Jubilar eröffnet und bei der Fritz die Hanne von Derp geführt hatte.

Glaube ja nicht, daß aus mir ein Funken von Eifersucht spricht. Ich hatte Heimweh, und in diesem Heimweh hast du auch eine gewisse Rolle gespielt, eine kleine nur, aber eine Rolle. Die Rolle des alten Tanzstundenkavaliers. Du weißt ja so genau wie ich, daß die Lorbeerbäume auf der Lo-mitzer Terrasse in unferm Leben schon einmal als Kulisse gedient haben. Sie haben ausgedient, und auch deine Rolle ist vorbei."

Fritz hatte zu beschwichtigen versucht, hatte ge­beten und hatte sogar gebettelt, schließlich war er mit rotem Kopf gegangen.

EinVorbei" hatte sie ihm noch nachgerufen.

Em paar Tage später hatte Magnus, der am

kurze Strecke und die Straße außerdem teer, meini er, bis dann eines Tages gerade wenn er am wenigstens daran denkt das Unglück geschehen ist, er s?lber und mit ihm vielleicht andere, unschul* dige Menschen ins Krankenyaus eingeliefert werden.

Leichtsinn bleibt Leichtsinn. Hinterher zu jammern und zu klagen: Das habe ich nicht gewollt!, ist wirklich zu nichts nutze. Der Vorsichtige überlegt erst, ehe er etwas anfängt, der Leichtfertige fängt an zu überlegen, wenn es zu spät ist!

Mache darum auch du es dir zur Pflicht, da vor­sichtig zu sein, wo es am Platze ist, und auf der Straße, im Verkehr ist Vorsicht immer geboten. Und präge dir den Satz ein, der das ganze Pro­blem um die Vorsicht am besten umreißt:

Leichtsinn ist nicht Mut und Vor* sicht keine Feigheit!" fg.

Oie Rakete.

Das sollte ein Herdenspaß werden. Es wurde aber ein_ gewaltiger Aerger daraus. Wilhelm hatte ein schönes Stück Geld daran gewagt, um auch mal was von Silvester zu haben, wie er meinte, oder anders gejagt, um ein rundes Dutzend gewaltiger Raketen zur Begrüßung des neuen Jahres in Die Luft zu jagen.

Silvester war gekommen, in die Lust gegangen waren die Raketen auch, aber eins hatte der Wil­helm nicht berechnet: daß nämlich in der Nacht vom alten aufs neue Jahr manche Leute die Gewohn­heit haben, so um zwölf Uhr nachts herum die Bal°

Grippe, Erkältung verschwinden durch Klosterfrau-Melissengeist meist rasch, wenn man gleich die ersten Anzeichen wie Frösteln,Husten oder Kopfschmerzen entschlossen so bekämpft:

Kurz vor dem Zubettgehen möglichst heiß zwei­mal je einen Eßlöffel Klosterfrau-Melisfengeist und Zucker mit der doppelten Menge kochenden Wassers gut verrührt trinken,- Kinder die Hälfte. Zur Nach- kur nehme man noch einige Tage die halbe Menge. Klosterfrau-Melissengeist in der blauen Original- Packung mit den drei Nonnen erhalten Sie in Apotheken und Drogerien in Flaschen zu RM. 2.80, 1.65 und -.90. 7781V

fontür aufzumachen, um beim Glockenschlag auf den Balkon zu stürzen und mit großem Stimmaufwand das neue Jahr zu begrüßen. Es kam, wie es kom­men mußte.

Die Uhr schlug Mitternacht. Wilhelm schoß feine Raketen. Herr Lustig von drüben stürzte auf den Balkon. Die Rakete ging nicht in die Luft, sondern durch die offene Balkoittür ins Schlafzimmer Lu­stigs, selbstverständlich ins Bett. Das fing zu bren­nen an, und da das im Neujahrstrubel zunächst keiner gewahr wurde, präsentierte der empörte Herr Lustig dem Wilhelm am Tage nach Neujahr eine gepfefferte Rechnung. Wilhelm wird m diesem Jahre sicher vorsichtiger fein» fg. (RAS)

Strahlen, die gesund erhalten.

Die Strahlen, die hier gemeint sind, haben nichts mit den geheimnisvollen Strahlen zu tun, zu deren Erforschung es in der Reichs Hauptstadt ein beson­deres wissenschaftliches Institut gibt. Es ist auch nicht von den sogenanntenErdstrahlen" dis Rede. Die Strahlen, von denen wir sprechen, sind wirklich erdnah; denn sie sind vom Erdboden nur etwa 15 bis 20 Zentimeter entfernt.

Lüsten wir das Geheimnis: Wir meinen die Tret­strahler, die ab 1. Oktober an allen neu in den Ver­kehr gekommenen Fahrrädern angebracht sein müs­sen. Das sind wirklich Sttahlen, die gesund erhal­ten, denn die Lichtstrahlen dieser aus gelblichem Glas angefertigten Einlagen lasten den Radfahrer in der Dunkelheit schon von sehr weit erkennen. Sie verhüten also die vielen Derkehrsunfälle, die abends und in der Nacht durch schlechte Sicht verursacht worden sind. Diese Strahlen schützen Gesundheit und Leben, und man kann nur jedem Radfahrer empfehlen, für die Verkehrssicherheit feines Rades zu sorgen und die Ausgabe nicht zu scheuen. Ein verbogenes Rad infolge eines Zusammenstoßes kann viel mehr kosten, ganz abgesehen, was ein Unfall für Opfer an Leib und Leben erfordern kann.

G. E. D. (RAS)

Tage nach dem Fest angekommen war, einen Ver­mittlungsversuch gemacht.

Ich brauche mich ja nicht für meinen Vater zu entschuldigen, denn auf mich schimpft er genau so wie auf dich. Er hat es nicht in sich. Da kann man nichts ändern, und da hat auch Übelnehmen keinen Sinn. Es ist ein Manko, das man hinnehmen muß wie Schwerhörigkeit oder Blindheit. Schlimm ist es nur, wenn diese Schwerhörigen und Blinden Macht und Einfluß haben. Vater hat leider Macht!"

Die Meinung deines Vaters kümmert mich nichts, aber Fritz!"

Das ist es! Fritz steht unter feinem Einfluß. Aber er bedauert sehr und hat mich gebeten..."

,Hch nehme nichts übel. Für mich ist die Sache erledigt!"

So war es gewesen.

Nach außen hin war nichts befanntgemorben. Die Herzogin hatte ihr freundschaftlich beigestan­den, und auf ihre völlige Verschwiegenheit war Verlaß.

Elisabeth richtete sich auf.

Wenn ich jetzt gehe, dachte sie, ist diese ganze Episode, die immerhin zehn Jahre dauern konnte, endlich vorbei und vorüber. Ein Jugendtraum ist verflattert und vergangen. Nicht mehr! Und weiter nichts!

Sie nahm die Ruder zur Hand. Nach Haus!

Sie wollte noch schreiben. An Jago! Dankbarkeit drängte sie und der Wunsch, ihn als Helfer und Freund in der kommenden Zeit zu behalten. Seine Treue hatte etwas Rührendes, sie konnte manchem andern als Vorbild dienen. Der gute Jago!

Sie holte aus zum ersten Ruderschlag.'

Da...

Hallo! Elisabeth?"

Es lief ihr kalt über den Rücken. Träumte sie immer noch?

Hallo!"

Das war doch? Es gab gar keinen Zweifel! Er war leiser und gedämpfter als gewöhnlich, dieser Trompetenstoß, aber er stammte aus Kastilien.

Ihr Herz brannte auf einmal vor Freude.

Ja, ja!" rief sie zurück, fiatb selig und halb fragend.

Ihre Augen suchten das Ufer ab. Und da sah sie ihn, neben den weißleuchtenden Stämmen zweier Birken stand er und schwenkte den Hut.

Jago?

Wie war das nur möglich? Wie war das nur denkbar? Und §ls zweifle sie an sich selbst und der Wahrheitsliebe ihrer Augen, rief sie zurück:

Jago? Bist bu's?"

(Fortsetzung folgt!)