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25 Zahre Landkrankenkassen.

Durch die Reichsversicherungsordnung vom 19. Juli 1911 sind die Landkrankenkassen mit dem 1. Januar 1914 ins Leben getreten. Ihre Wirksam­keit erstreckt sich auf die Krankenhilfe für die in der Landwirtschaft Beschäftigten, die Hausgehilfen und die im Wandergewerbe Tätigen. Während der 125 Jahre haben die Landkrankenkassen diese Auf­gaben erfüllt, obwohl sie in diesem Abschnitt als ganz junge Verwaltungseinrichtung den Weltkrieg, danach die Geldentwertung und starke Anfeindun­gen in der Systemzeit zu ertragen hatten. Alles dies konnte aber den Lebenswillen und die Tat­kraft der Landkrankenkassen, die in einem Reichs- verband zusammengeschlossen sind, nicht lähmen. Unendlich viel konnte von den Landkrankenkassen für die Wiederherstellung Erkrankter in diesen 25

Jahren geleistet und damit die Gesundheltsführung auf dem Lande gebessert werden.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Der Blaufuchs". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Tanz auf dem Vul­kan".

*

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 16. bis 22. Dezember ein: gegen Kraft­fahrzeugführer mit 14 Anzeigen und 8 gebühren­pflichtigen Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeug­führer mit einer Anzeige und einer gebührenpflich­tigen Verwarnung; gegen Radfahrer mit 7 gebühren­pflichtigen Verwarnungen; gegen Fußgänger mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis (Sieben.

Staufenberg, 29.Dez. Der hiesige Ge­sangverein veranstaltete im Saal derBurg" I einen Theaterabend. Vereinsführer Fuchs hieß die Teilnehmer willkommen. Der Chor des Vereins wartete mit mehreren Liedern auf. Ferner wurden zwei unterhaltsame Theaterstücke aufgeführt. Die hiesige Musikkapelle verschönte den Abend mit gu­ten Vorträgen. Die Darbietungen wurden dankbar . ausgenommen.

# Daubringen, 29. Dez. Der Gesang­verein Daubrinaen vereinigte Mitglieder und Gäste am ersten Weihnachtsfeiertag im Saale von Erb zu einem Unterhaltungsabend, der sehr aut besucht war. Gesang und Theaterstücke füllten die Stunden des Abends aus und brachten den Mit­wirkenden lebhaften Beifall.

wg. Großen-Bufeck, 28. Dez. Die hiesige i Freiwillige Feuerwehr hielt im Gasthaus Zum Schwanen" eine Versammlung ab. Der ' 1. Kommandant Wilhelm H a r b a ch sprach zunächst über das neue Feuerlöschgesetz und über die gesetz­liche Forderung, nach der alle über 60 Jahre alten

Zager, gedenke deines Wildes!

Kameraden aus dem aktiven Feuerwehrdienst aus­scheiden müssen. Dadurch wurde auch die Wahl eines neuen ersten Kommandanten notwendig. Hier wurde allerdings noch kein entscheidender Beschluß gefaßt. An Stelle des Steigerführers, der die Altersgrenze erreicht hat, wurde Wilhelm Pfeif­fer bestimmt. Für den ausscheidenden Führer der Hydrantenmannschaft Ludwig S ch e l d wurde Ka­merad Heinrich Harbach bestellt. Heinrich Rühl und Wilhelm Scheid wurden noch der Kraftfahr­mannschaft zugeteilt. Am LehrLang der Feuerweh­ren in Laubach nehmen mehrere Kameraden teil. Der GesangvereinHeiterkeit-Sän­ge rkran z" hielt im Saal derGermania" seine diesjährige Abendunterhaltung ab. Rach musikali­schen Darbietungen der Kapelle Schleuse (Stein­

bach) und nach Liedvorträgen des Vereinschores (Stabführung: Dirigent Nicolai) hielt Vereins­führer Ludwig W a g n e r X. eine kurze Ansprache, in der er auf die hohe kulturelle Bedeutung des deut­schen Liedes hinwies; er dankte ferner den passiven und aktiven Mitgliedern für ihren Einsatz, insbe­sondere aber auch dem Dirigenten für seine Arbeit. Gesangliche und musikalische Darbietungen, wie auch die Aufführung eines Theaterstückes füllten die weiteren Stunden des Abends aus.

Holzheim, 28. Dez. Während der Weih- nachtsfeiertage mußte die hiesige Freiwillige Feuerwehr mehrmals eingesetzt werden, um S dyt eeverwehungen an den Straßen zu beseitigen. Auch mehrere Kraftwagen mußten aus- gefchaufelt werden, bevor sie ihre Fahtt fortsetzen konnten. Durch den starken Schneefall und in­folge des Frostes mußten die Arbeiten an der Wasserleitung, im Steinbruch und die Holz­hauerarbeit im Walde vorübergehend eingestellt werden. Der GesangvereinHarmo - n i e" hielt am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Unterhaltungsabend ab, in dessen Mittelpunkt die Aufführung eines Theaterstückes stand. Der Chor des Vereins unter Leitung des Ehrenchormeisters Sam es brachte mehrere Lieder zu Gehör und erntete dafür reichen Beifall.

§ Lich, 28. Dez. Die Schneeverhältnisse in den Hauptverkehrs st raßen hatten durch den starken Schneefall am gestrigen Tage und in der letzten Nacht solche Formen angenommen, daß sich die Stadtverwaltung genötigt sah, durch Fuhrwerke und Anhänger den Schnee wegschaffen zu lassen. Da die Anlieger beim Aufladen der Schneemassen bereitwilligst halfen, waren die Brau­gasse und die Unter- und Oberstadt innerhalb kurzer Zeit von den Schneemassen befreit, so daß nun in der Innenstadt wieder normale Verkehrs- verhältnisse vorhanden sind.

Kreis Aisfeld.

* Groß-Eichen, 29. Dez. Der ä l t e st e Ein­wohner unseres Ortes, Heinrich Peter II., kann am morgigen Freitag, 30. Dezember, in geistiger und körperlicher Frische seinen 9 4. Geburtstag feiern. Unseren Glückwunsch.

OJL-fpont

Deutschlands Schlittensport verstärkt.

Das Jahr 1938 war für den deutschen Schlitten­sport von großer Bedeutung: die österreichischen und judetendeutschen Rodler sind zur gesamtdeutschen Streitmacht hinzugekommen. Schon immer haben die Schlittensportler aus Oesterreich und dem Su­detenland über ihre Landesgrenzen hinweg in eng­ster sportlicher Beziehung mit dem Altreich gestan­den. Schon die ersten Deutschen Winterkampfspiele 1922 sahen österreichische Rodler am Start. Auf breitester Grundlage wurde der Schlittenspc-1 von jeher im Sudetenland gepflegt. Allein der HDW., der frühere Verband der deutschen Wintersportler in der Tschecho-Slowakei, verzeichnete die Zahl sei­nerKufenritter" auf über 14000 Mann. Das Schwergewicht des deutschen Schlittensports ver­lagert sich damit noch mehr als bisher ins Sudeten- und Alpenland. Es trifft sich glücklich, daß schon vor der Heimkehr der Ostmark und des Sudetenlands die Europa-Rodelmeisterschaften auf den Jeschken bei Reichenberg und die Großdeutschen Rodel-Mei­sterschaften hart an der alten Reichsgrenze, in Berchtesgaden, vorgesehen waren. Der deutsche Schlittensport wird nach der Verstärkung durch die tüchtigen Kräfte aus der Ostmark und dem Su­detenland in Europa und der Welt eine noch stär­kere Rolle spielen als bisher. Das wird sich schon bei den nächsten internationalen Wettbewerben wahrscheinlich in aller Deutlichkeit zeigen.

Auch Skeleton wird gefördert.

Bisher wurde in Deutschland der Skeletonsport nur wenig gefördert. Da aber bei den Winter­

spielen in St. Moritz 1940 olympische Skeleton- Wettbewerbe vorgesehen sind, wird in Deutschland dieser Sportart in Zukunft größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. In erster Linie sollen Gaurennen die Kräfte sichten und schulen. Gauwettbewerbe sind geplant in Thüringen (Ilmenau 22. Januar), im Harz (Schierke 11. Februar), in Sachsen (Geising 19. Februar) sowie in Schlesien und der Ostmark. Die Deutsche Skeleton-Meisterschaft wird am 12. Fe­bruar in Schierke ausgetragen.

Kurze Sportnotizen.

Vier Nationalmannschaften Frank­reich, Belgien, Polen und Deutschland nehmen am großen Berliner Reitturnier vom 27. Januar bis 5. Februar in der Deutschlandhalle teil. Außer­dem erscheinen Vertreter aus Rumänien und der Tschecho-Slowakei.

*

Deutschland entsendet folgende Schi­läufer und -läuferinnen zu den Kämpfen um den Großen Preis des Schi-Klubs von Paris am 6./7. Januar nach Mögeve: Christel, Rudi und Harro Cranz, Helmuth Lantschner, Rudi Matt, Friedl Pfeiffer, Willy Walch.

Ohne Karl Schröder nimmt Schweden vom 6. bis 8. Januar in Stockholm den Tennis-Län- derkampf um denMr. G."-Pokal gegen Deutschland auf. Es spielen für die Skandinavier Rohlsson, Ny- ström, Karlborg und Wallen.

Fortschreilen aus erprobten Wegen!

Der Reichssportführer zum neuen Jahr.

Der Reichssportführer, Staatssekretär von Tschammer und Osten, gibt für die Arbeit des Deutschen Reichsbundes für Lei­besübungen im neuen Jahr Richtlinien, die in erster Sicht zum Ausdruck bringen, daß die Er­folge der letzten Jahre ein Fortschreiten auf den einmal erprobten und bewährten Wegen verlangen. Der Reichssportführer schreibt:

Das kommende Jahr wird' für uns nichts grund­legendes Neues, sondern das Fortschreiten auf den schon bisher erprobten Wegen bringen. Das große, kampflportliche Ziel, dem schon der Hauptteil der athletischen Arbeit von 1939 zu dienen hat, sind die Olympischen Spiele, die 1940 in Helsinki und St. Moritz stattfinden werden. Deutschland hat nun nicht mehr auf eigenem, sondern auf fremden Bo­den bei den großen Weltspielen diesmal einen schwereren Stand als jemals. Es muß den ersten Platz im Weltklassement der Länder verteidigen! Es muß schon im Februar, also in wenig über einem Jahr, in St. Moritz beweisen, daß es nach der Heim­kehr der Ostmark und des Sudetenlandes das erste Wintersportland der Welt ist, und es muß sich einige Monate später den Amerikanern auf neutralem Bo­den gewachsen zeigen.

Es ist selbstverständlich, daß die Männer und Frauen, die solches zuwege bringen sollen, über­

aus sorgfältig ausaewählt und ebenso vorbereitet werden müssen, und daß die Voraussetzungen für das Gelingen der ganzen Arbeit einerseits zwar die gewaltige Kraftfülle unseres 80-Millionen-Volkes, auf der anderen Seite aber in jener klaren, einheit­lichen Führung und Ausrichtung der deutschen Lei­besübungen bestehen muß, für die ja der gesetz­geberische Rahmen überall geschaffen und zu der allerortens, daran zweifle ich nicht, auch der gute Wille vorhanden ist.

Was zu tun bleibt, ist im wesentlichen eine orga­nisatorische Frage. Es ist für jeden Nationalsoziali­sten klar, daß in der Menschenerziehung im Drit­ten Reich nur die Partei einetotale Aufgabe" haben kann.

Ihre Gliederungen und überhaupt alle Organi­sationen, Bünde und Verbände haben be­stimmte Sonderausgaben, zu denen fast immer auch jene der körperlichen Grundschulung ge­hören. Sie sind alle zur Mitarbeit an jenem Ziel berufen, mit möglichst geringen Ausnah­men das ganze deutsche Volk zu einer vernünf­tigen und regelmäßigen Leibesübung zu ver­anlassen.

Es ist aber ebenso klar, daß ein allgemeiner Ehr­geiz, auch an der Intensivierung der sportlichen Lei-

Tripolis zwischen Morgen und Abend.

Wüstensöhne im Tonfilmkino. Araberjungen wollen Rennfahrer werden.

Ehrlich gesagt, ich hatte mir den Empfang in Afrika etwas romantischer vorgestellt. Aber der kleine italienische Frachtdampfer, oer uns über das Mittelmeer schaukelte, dampfte auch nicht gleich nach Tripolis, sondern machte erst den Umweg über Tunis. Und Tunis ist eine französische Stadt. Ein kleines Marseille am Wüstenrand, mit grell ge­schminkten Mischlingsdamen verschiedenster Farb­tönungen und einer langweiligen Hafeneinfahrt.

Das erste, was wir von Afrika sehen, ist ein gro­ßer Kohlenplatz. Davor liegt ein rostbeklebter Damp­fer, und rabenschwarze Gestalten winken uns üoer die Reeling zu. Aber es sind keine Neger, sondern nur berußte Kohlentrimmer. Dann gleiten wir durch einen schmalen Kanal, und allmählich schälen sich die Umrisse recht moderner Hochhäuser aus dem Kohlendunst heraus. Dahinter kann man den Orient nur ahnen. Nirgends ist eine Palme zu sehen, dafür werden die Ufer von Telegraphenstangen umsäumt. Alle paar Minuten poltern elektrische Züge vorbei. Nein, es sieht gar nicht afrikanisch aus.

Tripolis ein Märchen.

Dann kommen wir nach Tripolis und blicken erst mißtrauisch in die Runde. Aber es gibt nichts zu be­mängeln. Afrika ohne Palmen das ist undenk­bar, und Tripolis enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. Es liegt inmitten einer herrlichen Oasenlandschaft. Endlich ein Stück Morgenland ohne Fabrikschorn­steine und Telegraphenstanaen! In einer luftigen Pferdedroschke, auf deren Kutschbock ein weißoer-- mummter Wüstensohn die Peitsche schwingt, rollt man ins Märchenland hinein.

Wie soll man Tripolis durchwandern? Erste Be­dingung: Zeit, möglichst viel Zeit ... Im Morgen­land wird jede Taschenuhr zum Störenfried. Man läßt sich einfach treiben. Ich hänge mir die Kamera um und verschwinde im Gassenlabyrinth der Altstadt.

Kinopalast mit 2000 Plätzen.

Der Suk et-Turk, die Leipziger Straße von Tri­polis, ist immer Ziel der Touristenschwärme. Hinter den Glasscheiben hängen kleine Schilder:English spoken,Man spricht deutsch" ... Und weil es so bequem ist, läuft man in diese europäischen Läden hinein und kauft wahllos einige Handarbeiten, echt Afrika. Doch bisweilen zeigt sich ein verdächtiger Firmenstempel. Die alte Weisheit: selbst die schön­sten orientalischen Teppiche sollen mitunter aus Chemnitz stammen.

Abends sind die Gassen aus^estorben, alle Fen­sterläden verrammelt. Dann lockt das neue Tripo­lis. Ein großer Tonfilmpalast mit 2000 Plätzen, ein Revuetheater und andere Vergnügungsstätten könn­ten sich in jeder europäischen Großstadt behaupten. Die Araber sagen nicht nein und gehen gern und oft dorthin. Dagegen trifft man in den großen Cafes, wo allabendlich alte arabische Tänze gezeigt werden, in der Mehrzahl Europäer an.

Das ist das Reizvolle an Tripolis: Uralte Tra­dition und Wüstenromantik leben zwischen moder­nen Geschäftsvierteln fort. Unter den Zierpalmen desLungomare" sehe ich mehrmals den roman­

tischen Zug der berittenenWüstenpalizei". Araber* Hengste schnauben, die wallenden Burnusse leuchten fremdartig im Sonnenlicht. Dann folgen Neger­soldaten auf knatternden Motorrädern.

Im Sportwagen eines italienischen Kaufmanns jage ich in die Oasenlandschaft hinaus. Der Ge­schäftsmann nennt ein paar nüchterne Zahlen. Wer hätte das gedacht... Die Erzeugnisse Libyens sind auch in Mitteleuropa bekannt. Malta-Kartoffeln kommen beispielsweise aus Tripolis.

Sportbegeisterte Araberjugend.

120 Stundenkilometer! Die Kaktushecken am Stra­ßenrand fliegen als grüne Bänder vorbei. Wir jagen über bte breite Rennbahn. Aber die Frauen, die auf den Feldern arbeiten, sehen kaum vom Bo­den auf, so gewohnt ist ihnen dieses Bild. Doch als ich wenig später meine Kamera hervorhole, laufen sie eilends auseinander. Ich komme mir wie ein Störenfried vor. Ueberall, wo ich mich mit meinem Teufelskasten blicken lasse, ruht die Arbeit.

Die Kinder sind schon weit mutiger als ihre Müt­ter, und die kleinen Mädchen nehmen es oftmals mit dem Schleier nicht mehr so genau. Allmählich wendet sich auch hier das Blatt. Eine junge Araber­dame läßt sich willig konterfeien und will sogar ein Bild haben. Ich soll einen Abzug aus dem fernen Germania schicken. Aber das Kind kann beim besten Willen keine Adresse angeben. Briefträger gibt es in der Oase noch nicht ...

Unsere braune Jugend denkt zeitgemäß", lacht mein italienischer Freund.Die arabischen Jüng­linge interessieren sich heute mehr für die inter® nationalen Autorennen als für ihre alten Retter- spiele. Am liebsten würden sie Rennfahrer werd.'m Sie sitzen in den Dattelpalmen und verfolgen mit Spannung die rasenden Wagen. Nicht selten ist bei den Meisterfahrern ein Abgesandter der Oasen­jugend erschienen und hat sich höflich nach Start­folge und Teilnehmerzahl erkundigt."

Kamele überlebt!

Auf der Heimfahrt nach Tripolis begegnet uns ein Lastkamel. Wie eine Vision aus grauer Vorzeit wogt das Schiff der Wüste vorbei. Es wendet keinen Blick nach dem heulenden Gefährt. Der Italiener zuckt die Achseln.Es macht vielleicht feinen letzten Gang nach dem Schlachthaus von Suk el-Giuma. Ka­mele werden hier langsam unmodern!"

Eben stoppt der Wagen vor einem arabischen Kaffeehaus, da hallt ein dumpfer Kanonenschuß über die Stadt. Das ist das Zeichen, daß auf dem alter­tümlichen Kastell, dem Sitz des Gouverneurs von Libyen, die italienische Flagge eingeholt wird. Jeden Tag, wenn die Sonne im Meer versinkt. Für Sekunden stehen alle Menschen still. Auch die Ein­geborenen in der Altstadt. Weißumhüllte Moham­medaner heben ehrfürchtig die Hand zum Gruß. Sie tun es sichtlich aus eigenem Antrieb. Und das ist wohl der schönste Erfolg, den die italienischen Kolo­nisatoren für sich buchen können. Sie haben nicht nur das Land erobert, sondern auch die Herzen seiner braunen Bewohner. Rudolf Jacobs.

stung teilzuhaben, zu einer Zersplitterung der athletischen Schlagkraft Deutschlands führen muß! Weil dann ja der Augenblick kommen muß, an dem wir praktisch an Stelle der alten Verbände, die wir feit Jahren überwunden haben, neuartige Gruppenbildungen hätten, die nun alle ihrerseits ihre eigene Wettkampf- und Höchstleistungsausbil­dung betreiben würden.

Dieser ausgesprochene Leistungswettkampf, diese Höherentwicklung zur Bestleistung, zur internationa­len Kl-asse, ja genau genommen überhaupt die Aus­tragung offizieller deutscher Meisterschaften, muß Ausgabe des Deutschen Reichsbundes für Leibes­übungen bleiben, und ich bin entschlossen, dieser Tat­sache durch die nötigen Maßnahmen Rechnung zu tragen.

Es ist ebenso klar, daß jede Organisation ihre Sonderinteressen haben muß, die aus den ihr eigen­tümlichen durchaus nationalsozialistischen Ge­meinschaftsgedanken erwachsen, noch klarer ist es aber, daß die echte Sportgemeinschaft eben aus dem Sport, aus dem sportlichen Gemeinschaftsgedanken herauswachsen muß, nicht aus irgendeinem anderen, und mag er an sich noch so bedeutsam sein.

Die Höchstleistung, die die deutschen Leibes­übungen nicht nur auf dem Gebiet der körperlichen und charakterlichen Erziehung des gesamten Volkes, sondern auch auf dem der Auslese und Höherent­

wicklung bis zur Repräsentationsfähigkeit der Welk gegenüber zu zeigen haben muß, muß in diesem Bereich der Sonderauftrag des Reichsbundes fein, der bei ihrer Erfüllung niemals die großen Er­kenntnisse der nationalsozialistischen Leibesübungen aus Acht lassen wird: daß noch wichtiger als die schönste Großveranstaltung die Alltagsarbeit der kleinen und kleinsten Gemeinschaft und schließlich des einzelnen ist!

3ene wahre Erziehungsarbeit am deutschen Menschen, die ja auch im DRL. von Zehn- tausenden, zum Teil in ihren sportlichen Auf­gaben hochqualifizierten, freiwilligen Helfern ehrenamtlich durchgeführt wird, diese Arbeit an sich selbst, am Kameraden, an der Riege, am kleinen und kleinsten Verein wird immer das Fundament bleiben, das es uns einmal ermög­lichen wird, dem Wunsch des Führers nach einem vom ersten bis zum letzten Bürger durchgebildetenSportvolk" zu erfüllen.

Für sie sage ich allen, die an ihr im vergangenen Jahr teilhatten, meinen Dank, und sie wird uns im kommenden Jahre und schließlich auch bei den Olympischen Spielen wieder zu neuen Erfolgen führen."

Wirtschaft.

Llnkostenminderung auf den Liehgroßmärkten.

Im Neichsgesetzblatt ist die Fünfte Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über den Verkehr mit Tieren und tierischen Erzeugnissen erschienen. Diese Verordnung wirkt sich dahin aus, daß für das im Inland erzeugte und über die Viehgroßmärkte ge­handelte Schlachtvieh-Uebernahmefcheine nicht mehr auszufertigen find. Hiermit fällt auch der auf den Viehgroßmärkten bisher erhobene Unterschiedsbetrag für Schlachtvieh weg. Der Wegfall des Unterschieds­betrages bedeutet eine weitere Minderung der Ver­kaufsunkosten auf den Viehgroßmärkten. Die Ver­ordnung tritt am l.Januar 1939 in Kraft.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Zu dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoiehverteilungsmarkt) in der Viehversteige­rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 9 Ochsen, 7 Bullen, 23 Kühe, 27 Färsen, 90 Kälber und 62 Schweine aufgetrieben.

Preise: Ochsen 39 bis 45,5 Pf., Bullen 32 bis 43, Kühe 17 bis 43,5, Färsen 37 bis 44,5, Kälber 37 bis 65 Pf. je Vi kg Lebendgewicht. Für Schweine wur­den je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,16 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) 1,04, d bis f (unter 100 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,14, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM.

Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt; Kälber ausoerkauft.

Rhein-Mainische Börse.

Alitlagsbörse überwiegend nachgebend.

Frankfurt a. M., 28. Dez. Bei Fortdauer der starken Zurückhaltung der Kundschaft war die Börse am Aktienmarkt überwiegend etwas

schwächer. Im Hinblick auf den Jahresultimo er­folgten weiterhin mäßige Glattstellungen und Be­reinigungen von Positionen, die bei der Enge des Geschäfts einen leichten Druck auf die Kurse ver­ursachten, zumal ein Gegengewicht in Form von Käufen kaum vorhanden war. Weiter fest blieben in Erwartung des Jahresberichtes aber Scheide- anftalt, die bei 198 (196) wiederum zugeteilt wer­den mußten. Im übrigen gingen die meisten Kurse bis etwa 1 v. H. zurück. Am Montanmarkt notierten Hoesch mit 107 (107,75), Verein. Stahl mit 104,75 (105,50), Mannesmann mit 107 (107,25). IG. Far­ben bröckelten auf 150,75 (151,25) ab. Von Zell­stoffwerten verloren Waldhof 2 v. H. auf 124 und Aschaffenburger 0,75 v. H. auf 108,25. Maschinen­aktien setzten bis 1 v. H. schwächer ein, ferner Ges- fürel 131,13 (132), Westdeutsche Kaufhof 102,25 (103,50), AG. für Verkehr 118,50 bis 118 (118,75). Behauptet lagen u. a. Reichsbank mit 186,75, Conti Gummi mit 207,25 (207).

Am Rentenmarkt blieb es noch sehr ruhig, und Auswirkungen des bevorstehenden Zinstermins waren noch kaum zu bemerken. Reichsaltbesitz gut behauptet mit 127,65 (127,65), Kommunal-Umschul- düng im Freiverkehr 5 Pfennig leichter mit 92. Am Pfandbriefmarkt zeigten nur einzelne Liquidations­werte geringfügige Abweichungen, in Goldpfand­briefen kam allerdings etwas Material heraus. In­dustrie-Obligationen konnten sich meist gut behaup­ten, weiter rückläufig aber 6 v. H. IG. Farben auf 117,25 (117,75). Von Stadtanleihen^ 4,50 v. H. Hanau 1 v. H. fester mit 97,25, die übrigen lagen wenig verändert.

Auch in der zweiten Börsenstunde hielt die schwächere Tendenz an, so daß die Kurse über-? wiegend*weiter leicht nachgaben. Etwas erholt waren Aschaffenburger Zellstoff auf 109 nach 108,25. Dcv gegen Verein. Stahl 104.25 nach 1°4 Hoesch und Mannesmann je 106,77 na < n 107, Deutsche Erdöl insgesamt 2 v. H. niedriger mit 121,75 bi5