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Berlin in Neujahrsstimmung.

Unzerreißbare Glückwunschkarten. - Oie verlegte Wochenstube.

OperDie M a ch t d e s Schicksals" ebenfalls aus bühnentechnischen Gründen abgesetzt worden sei und statt ihrerLa Traoiata" gespielt würde. Was könnte zur Neujahrsstimmung der Berliner mehr beitragen als solche Siloesterscherze des Zufalls?

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Erfreuliche Silvesterbörse.

Don unserer Berliner Schristleitung.

Nach einem so friedvollen und freudvollen Weih- nachtssest, wie es die Reichshauptstadt soeben be­gangen hat, ist es kein Wunder, daß sich Berlin in allerbester Neujahrsstimmung befindet. Sie koinmt zunächst darin zum Ausdruck, daß sich ganz B e r- I i n mit Glückwunschkarten ei 'ndeckt, um sie zum Jahreswechsel zu verschicken. Viele halten dieses Verschicken von Neujahrskarten für eine Formsache. Auch vor 100 und mehr Jahren hielten viele Berliner das Verschicken von Neujahrsglück­wünschen für eine Formsache. Allein d i e y u ß- eisernen Formen der damaligen Neujahr.- plaketten waren so entzückend,- daß sie noch heute unsere Bewunderung erregen. Wer vor kurzem die Ausstellung in der Akademie der Künste besuchte, konnte sich an diesen eisernen Neujahrsglückwün­schen der Berliner Eisengießerei, die auf dem Wed­ding gelegen war, kaum satt sehen. Die ersten Künstler jener Zeit bemühten sich um die Form­gebung dieserunzerreißbaren" Neujahrskarten. Mit Recht hat daher die Preußische Bergwerks- und Hiitten-AG., die das Erbe der alten Berliner Gie­ßerei angetreten hat, die Sitte der eisernen Neu­jahrsplaketten wieder aufleben lassen, indem sie abermals entzückende Eisengußkunstwerke schuf, die heute wie vor 100 Jahren ihren Weg bis nach Amerika nehmen. Zwar für den Allgemeinverkehr

Theater, die über alle Maßen begehrt sind. Mußten die Berliner Theater, Varietes und Kabaretts schon zu Weihnachten den Nachmittag desdritten" Feier­tags in Anspruch nehmen, um allen Wünschen nach Karten gerecht zu werden, so war das Gedränge an den Kassen für die Silvesteraufführungen fast un­vorstellbar. Viele Ur- und Erstaufführungen finden an diesem Silvesterabend statt, an dem auf der Bühne manch improvisierter Scherz getrieben wird. Aber der Zufall kann es doch noch besser! So war für den zweiten Weihnachtsfeiertag im Berliner Schillertheater als Premiere die KomödieD i e W o ch e n ft u b e" angesetzt. Sie mußte aus bühnen­technischen Gründen auf den Silvesterabend verlegt werden. Welche Großmutter wird bei dieser Nachricht nicht stillvergnügt in sich hinein­lächeln? Muß doch auch im Alltagsleben oftmals so manche Wochenstube um ein paar Tage verlegt wer­den! Wer hier von der Macht des Schicksals spre­chen will, der würde die theaterkundigen Berliner nur abermals zum Lächeln bringen. Denn, so groß auch immer die Macht des Schicksals sein mag, auch sie muß es sich gefallen lassen, verlegt zu werden! Beweis: Die Berliner Zeitungen, in denen jüngst bekanntgegeben wurde, daß die in der Berliner Staatsoper für den 22. Dezember angesetzte Verdi-

Selbst an der Berliner Börse scheint Neu­jahrsstimmung zu herrschen. Denn wenn die Ber­liner Aschinger-Betriebe gemäß der Beschlüsse der letzten Obligationäroersammlung für ihre Teilschuld­verschreibungen jetzt A s ch i n g e r - G e n u ß scheine ausgeben, so kann es sich doch wohl nur um Genuß­scheine für Siloesterpsannkuchen han­deln? Wie es denn auch erfreulich ist, daß nach den letzten Börsenberichten die Berliner Bierbrauereien über flüssige Mittel verfügen, eine Groh- firma der Schuhbranche sehr hohen Absatz hat, die Kurse der Magirus-Leitern weiter a n st e i g e n, das Musikinstrumentengewerbe im Weihnachtsver­kauf einen günstigen Auftakt für das neue Ge­schäftsjahr erblickt und selbst die Kohlentransport- aesellschaften eineEinheit s" - Dividende beschlos­sen haben, was sicherlich mit der Ein heiz-Ak­tion dieses winterlichen Dezembers zusammenhängt. So ist denn Berlin für den Jahresabschluß aufs beste gerüstet. Es wird wieder ein buntes, tolles Treiben in der Silvesternacht geben, das dem süd­deutschen und westdeutschen Karnevalstreiben nicht viel nachstehen wird. Was aber das neue Jahr 1939 selbst anbelangt, das ja in der Wochenstube des Ber­liner Schillertheaters das Licht der Welt erblicken wird, so hat sich ein durchaus prominenter Berliner bereits darüber geäußert:Wir werden det Kind jd)on schaukeln!"

Aus aller Wett.

würden sich diese Neujahrsplaketten kaum eignen! Die um die Weihnachts- und Neujahrszeit schon so wie fo arg geplagten Briefträger würden unter einer solchen gußeisernen Last schier zusammen- vrechen. Da müssen wir uns schon mit derPapier­form" begnügen. Doch auch sie bietet ja genug Möglichkeiten, um die Beziehungen zwischen dem Absender und dem Empfänger unzerreißbar zu ge­stalten. Allerdings darf die Neujahrskarte dann nicht jenen Pfefferkuchenoers tragen, der jüngst auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ob feiner Vieldeu­tigkeit großes Schmunzeln hervorrief:

Im neuen Jahre wünsch' ich dir Von Herzen Glück so wie du mir!

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Bevor des weiteren auf die Berliner Neujahrs­stimmung eingegangen sei, mag es dem Chronisten erlaubt sein, darzulegen, wie eng der Name des Berliner Stadtteils Wedding, der ja auch im Reich nicht unbekannt ist. mit der alten Berliner Eisengießerei zusammenhängt: war doch der Er­bauer dieser Eisengießerei der Berliner B a u r a t Wedding! Das Schicksal dieser Wed- dingschen Eisengießerei wurde im Unruhejahr 1848 besiegelt. Ein tobender Menschenhaufen war vor das im Norden Berlins (in der jetzigen Jnvaliden- straße) gelegene Jnvalidenhaus gezogen, um an den tapferen VeteranenRache" zu nehmen. Einem beherzten Invaliden gelang es jedoch, die Anführer des revoltierenden Haufens zu überreden, von einer Plünderung des an allem Geschehen unschuldigen Jnvalidenhauses abzusehen. Statt dessen wälzten sich die Massen dann zur Eisengießerei auf dem Wedding, um sie obwohl ebenfalls völlig un­schuldig in Brand zu setzen.

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Doch zurück zur Berliner Neujahrsstimmung! Außer den Neujahrskarten sind es dis Karten für die Silvesteraufführungen der Berliner

Stabt des kdF.-Wagens."

Stadt des KdF.-Wagens" ist der vorläufige Name der jüngsten Stadt des Deutschen Reiches. Es ist die neue Gemeinde, die bereits mit dem 1. Juli 1938 ins Leben getreten ist und in deren Gebiet das Volkswagenwerk im Kreise Gifhorn im Gau Ost-Hannover entsteht. Von hier aus werden schon im nächsten Jahre die ersten KdF.-Wagen ihren Weg ins Reich nehmen. Mit den Bauarbeiten für die notwendigen Wohnungen, Straßen und sonstigen Einrichtungen, die zu einem Gemeinwesen gehören, das nach dem Willen des Führers einmal eine Musterstadt werden soll, ist bereits begonnen worden. Die junge Stadt ist schon jetzt ein völlig selbständiges kommunales Gebilde mit Bürgermeister, Polizeibehörde, Einwohnermelde­amt, Stadtkasse und allen übrigen Verwaltungs­zweigen, die vorläufig in einem schmucken Holzbau untergebracht sind. Die Zahl der Einwohner ein­schließlich der mit dem Bau von Werk und Stadt beschäftigten Volksgenossen, die in einem muster­gültigen Gemeinschaftslager der DAF. unterge­bracht sind, beträgt zur Zeit über 5000.

Dom Zuge erfaßt und'getötet.

Als der stellvertretende Bahnhofsvorsteher in Haiger, Reichsbahnsekretär Richard S ch o l, der kurz vor Vollendung seines 62. Lebensjahres stand, den von Frankfurt kommenden D-Zug, der etwa 20 Mi­nuten Verspätung hatte, abgefertktzt hatte und auf dem Weg zu seinem Dienstzimmer die Gleise über­schritt, wurde er von dem in diesem Augenblick den Bahnhof passierenden, aus Richtung Gießen kom­menden Eilzug, der in Haiger nicht hält, erfaßt und sofort getötet. Vermutlich hatte der Beamte in­

folge des von dem ausfahrenden D-Zug verursachten Geräusches das Herannahen des Eilzuges überhört.

Gewaltige Schneestürme und minus 51 Grad in Kanada.

' In Kanada wüten seit Tagen ungeheure Schnee st ürme, wie sie seit vielen Jahren hier nicht erlebt worden sind. Besonders betroffen wur­den die Provinzen Ontario, Saskatchewan und Al­berta, mit denen jede Verbindung unterbrochen ist. Während der Schnee im allgemeinen mehrere Meter hoch liegt, erreichten manche Schneever­wehungen eine Höhe bis zu 20 Metern. Im ganzen Lande herrscht eine außergewöhnliche Kälte. In Edmonton, »der Hauptstadt von Alberta, sank das Thermometer auf 51 Grad unter Null. Der Verkehr ist überall eingestellt. Auch in den Häfen an der Ostküste sind zahlreiche Schiffe am Aus­laufen verhindert.

Französisches Kaufhaus durch Feuer zerstört.

In Montargie ist ein Kaufhaus durch Feuer vollständig zerstört worden. Der Schaden ist sehr bedeutend, da sämtliche Waren des Kaufhauses ein Raub der Flammen geworden sind. Das Per­sonal konnte aus dem Gebäude rechtzeitig flüchten. Das Feuer soll durch einen schadhaften Heizapparat verursacht worden sein. Die Feuerwehr von Mon­targie, die von Soldaten unterstützt wurde, mußte sich darauf beschränken, die angrenzenden Gebäude zu schützen.

Am 8. Januar 1939: Tag der Briefmarke.

Fast in der ganzen Welt wird der Geburtstag unseres Generalpostmeisters von Stephan durch festliche Veranstaltungen der Briefmarkensammler

gefeiert. Die Briefmarken-Vereine im Reichsbund der Philatelisten sowie Betriebs-KdF.-Sammlergruppen und Sammlervereine, die dem Reichsbund nicht an- gejchlossen sind, haben für den kommenden Tag der Briefmarke, den 8. Januar, vorgesehen: Tauschvor­mittage und Vorführung von auf Briefmarken be­züglichen Filmen mit Vorträgen. Der als einziger für den Tag der Briefmarke im Reich zugelassene Sonderstempel desReichsbundes der Philatelisten" soll auf noch näher zu bezeichnenden Postämtern an diesem Tag in Gebrauch genommen werden. Post­sachen können bei dem Tauschvormittag eingeliefert werden. Im Dienst der Volksgemeinschaft und für das Winterhilfswerk werden im Tausch- und Vor­tragslokal die sämtlichen diesjährigen Winterhilfs- marken mit allen Kombinationen verkauft.

Wetterbericht

Das über Deutschland gelagerte Tiefdruckgebiet füllt sich unter ^stwärtsverlagerung auf. Es be­dingt durch das Zufammenführen verschieden tem­perierter Luftmassen besonders über Mittel- und Ostdeutschland noch vielerorts Niederschläge, wäh­rend in West- und Süddeutschland mit Auflockerung der Bewölkung die Fröste besonders in der Nacht zum Donnerstag allgemein wieder zugenommen haben. Da von Westen her in der Höhe immer wieder mildere Luft zuströmt, bleibt das Wetter auch für die Folge unbeständig.

Vorhersage für Freitag: Weiter zuneh­mende Unbeständigkeit und Niederschlagsneigung. Nach kalter Nacht stärker ansteigende Temperatu­ren. Lebhafte westliche Winde.

Vorhersage für Samstag: Unbeständig und zu Niederschlägen geneigt. Voraussichtlich mil­der als seither, Schnee.

Lufttemperaturen am 28. Dezember: mittags 0,6 Grad Celsius, abends 2,6 Grad; am 29. Dezember: morgens7,3 Grad. Maximum0,4 Grad, Mini­mum heute nacht8,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Dezember: abends0,4 Grad; am 29. Dezember: morgens0,4 Grad. Nieder­schläge 0,7 cm Schnee.

Wintersport-Wetterbericht.

Vogelsberg, Herchenhainer Höhe: Bedeckt, 7 Grad, Gesamtschneehöhe 36 cm, Neuschnee 3 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut.

Rhön, Wasserkuppe: Nebel,9 Grad, Gesamt­schneehöhe 30 cm, Neuschnee 6 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel sehr gut.

Spessart und Odenwald Neuschnee, gute Sport­möglichkeiten.

Taunus, Kleiner Feldberg: Nebel,9 Grad, Gesamtschneehöhe 24 cm, Neuschnee 4 cm, Pulver­schnee, Schi und Rodel gut. Großer Feldberg: Bedeckt,8 Grad, Gesamtschneehöhe 24 cm, Neu­schnee 4 cm, Pulverschnee. Schi und Rodel gut.

Schwarzwald, FeMerq: Nebel, 9 Grad, Gesamtschneehöhe 45 cm, Neuschnee 20 cm, Pulver­schnee, Schi und Rodel gut.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 38: 10718. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

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