Wehr und Waffen
QUALITÄTS-ERZEUGNIS DER SIDOL.WERKE
mi m^n0^ en' heißes Lederzeug und
Friedensliebe betört, den günstige säumt hatte, sich Oesterreich und
rm Feldzug 1806/07 mußte jeder Mann ireten D l l l o n I sich seine Munition selbst unfertigen. Es kam soweit, fang, sich
, - . ■ - • - — —— Rußland an zu-
'mllenen und dem durch Süddeutschland vorrücken- den Napoleon in die linke Flanke zu sollen Jetzt, n™) seinem großen Siege bei Austerlitz ließ dieser alle Ruckücht fallen, und zwang durch seine Maß- nahmen Preußen förmlich zur Kriegserklärung im ungünstigsten Moment.
den französischen Truppen besetzt war. Als aber in der sog. „Drei-Kaiser°Schlacht" bei Austerlitz am 2 Dezember 1805 die österreichischen und russischen Armeen eine schwere, nachhaltige Niederlage erlitten hatten und jeder Widerstand unmöglich war, blieb auch ihm kein Ausweg mehr. 3m 3uli 1806 trat Hessen dem Rheinbund bei unter der Verpflicht tung, die hessischen Truppen dem Kaiser Napoleon zur Verfügung zu stellen, wenn es dieser verlangte. Hessen wurde, da alle anderen Länder des Rhein- Bundes „Rangerhöhungen" erfuhren, Großherzog, tum, und der Landgraf nahm den Titel „Groß. Herzog von Hessen und bei Rhein" als Ludewig I an. Dem von Vaterlandsliebe und echtem deutschen Sinn erfüllten Fürsten mag es hart genug onge- kommen sein, sich somit an die Seite Frankreichs das. er jahrelang eifrig mit bekämpft hatte zu stellen, aber es blieb ihm keine andere Wahl. Hessen hätte sonst durch den berüchtigten „Federstrich" Na- poleons aufgehört, als selbständiges Land zu existie- ren und wäre höchstens eine französische Provinz geworden. 0
Der Wehrpflichtige aber soll aus dieser Erkennt- ms die Gewißheit schöpfen, daß die Dienstzeit durchaus keine nutzlose Unterbrechung tzmes. bürgerlichen Berufslebens ist. Im Gegenteil. Er wird sich selbst sehr bald davon überzeugen, daß er bei gutem Willen gerade in den aktiven Wehr- pfllchtiahren die Möglichkeit hat, über das rein militärische hinaus auch das eigene Fachwissen zu bereichern und zu vertiefen. Wehrmacht und Volk sind eins. Der Soldat von heute, dieser neue Typus des geistig und körperlich wendigen, intelligenten und zugleich Willensstärken Einzelkämpfers und Spezia- listen seiner Waffe ist nichts anders als die Er- ganzung des deutschen Menschen der Gegenwart nach einer ganz bestimmten Richtung hin — des deutschen Menschen soldatischer Haltung, der mit wachem Augen inmitten seiner Zeit steht, ihre Wirklichkeiten kennt, bejaht und meistert —' ohne dabei den Glauben zu verlieren an die übergeordneten Werte einer Idee; der großen deutschen
Nach Erlebigung dieser Formalitäten erfolgt die wehrärztliche Untersuchung: Werden bei der Untersuchung leichtere Erkrankungen oder Der- stellt, die voraussichtlich innerhalb geheilt sein werden, so hat die Ein-
Zwei wertvolle Dienstjahre.
Don Hauptmann (<$J v. Borstel«, Deichskriegsministerium.
.— ./viuuS, das von Oberstleut-
l p st e i n versaßt war, und den neuen An- ien und Lehren aus den letzten Kriegen et- — ronr die ($^roe'hr;
e,w . Sekonb-Leutyant: Meyer, Eberhardt, Kloos (Adj.). Ä^kk^e.Bataillone trugen grüne, frackähnliche, Er h ^cke mut umgeschlagenen rot gefütterten
in Ehren getragenen Waffenrock mit dem Rock des
Bürgers vertauschen" zu können, kommt nun für u , d i e jungen Rekruten der Tag, an dem sie der Untersuchung zum erstenmal sich als Waffenträger der Nation letzungen feftgeft fühlen dürfen. Um die Entlassung der Reservisten eines Monats ge_, .... |W Wlt_ und die Einstellung der Rekruten ordnungsgemäß stellung zu erfolgen. Erforderlichenfalls ist die Aufdurchfuhren zu können, ist zwischen Entlassung unol nähme in das Krankenreoier ober Lazarett anzu- Einstellung beim Heer und bei der Luftwaffe mög- ordnen.
Die Hessen unter Aapoleon
Das II. Bataillon:
Ducck icdixplleqe länget kalten, die neuen Sckuke und die alten!
Jns.Rgts. 116. Das bisherige leichte (Füsilier)Ba- taillon, das spätere 1/116, trat als Garde-Füsilier- Bataillon zur Leib-Brigade und blieb in Darmstadt. Somit bestehen, seit 1803 die beiden Füsilier-Bataillone nebeneinander, bis sie 1813 zu einem Regiment vereinigt wurden. Das I. Bataillon mit dem Alter von 1790, das II. Bataillon von 1803.
Die Namen des Offizier-Korps beider Bataillone sind besonders interessant, weil sie sich in der Geschichte der hessischen Truppenteile fortgesetzt wiederholen und zum Teil auch in der jetzigen Armee fortbestehen.
1803.
Füsilier-Bataillon der Leib-Brigade (1/116):
Batls.-Kommandeur: Oberst Fhr. v. Stosch, Stabs, kapitän: Stutzer (Leib-Komp.), I. Klipstein (3. Kompanie), v. Bouchenröder (2. Komp.). Premier-Leut- "°nt: Kullmann (4. Komp.), Merk, v. Koppel, v. Karlsen, v. Stosch. Sekond-Leutnant: Eigenbrodt, o. Fürth, Becker (Adj.), v. Steoesand.
daß Major v. Ga ll, der 1806 das Füs.-Batl Land- graf (11/116) führte, auf dem Durchmarsch durch Erfurt preußische Gewehre aus den übergebenen Festungsbeständen (Erfurt hatte nach der Schlacht bei Jena sofort kapituliert) für die hessischen ein» tauschen mußte, da letztere völlig unbrauchbar waren. 1
. Dienstzeit in der Lime und Reserve be- trug 10 Jahre, doch blieb stets nur ein Teil der Mannschaften bei der Fahne, der Rest war zur Er- sparung beurlaubt und wurde erst zurückgerufen wenn er-gebraucht wurde. Das war mehreremal bei inneren Unruhen der Fäll. Besonders die neue Provinz Westfalen machte in der Aushebungs- und Rekrutierungsfrage Schwierigkeiten, die sogar dazu führten, daß im Juli 1805 ein gemischtes Detache- ment von 4 Kapitäns, 8 Leutnants, 432 Mann Jn- tir£CrtfiffUtÜ> 12£ Chevaulegers auf „Exekution" !^.-^nau, Kr. Seligenstadt, geschickt werden durch (Eingreifen des Reichskammer-
Wetzlar, das diesmal, sehr ausnahmsweise, schnell emgriff, wurde Blutvergießen Der-
Unll’ieaSt.treltfra9e beigelegt. Auch mit der damals noch bestehenden Landgrafschaft Nassau- U s i n g e n wäre es 1803 fast zum Krieg gekommen. Nassau wollte em Gebiet am Main, das dem Land- grafen von Hessen zugesprochen war, nicht räumen, und so ruckte dann Oberst v. Stosch mit dem der Leibbrigade (1/116) aus um M't Waffengewalt die hessischen Rechte zu wahren. rler bser wurde der Streitfall durch die güt-
Übereinkunft beider Landgrafen ge^lichtet. Diese Vorfälle sind so reckt der Beweis für die chy^rballen Zustande, die damals in dem nur norf) dem Namen nach bestehenden D-utscken R°icke bestanden. Und nun wurde dieses auch noch erneut von außen bedroht.
Arft«i4iAH ö —;T-- k — er__ - am 16. 3.1804 zum
erb idjen Soiler der Franzosen erklärt hatte, erklärte Oesterreich, das mit Rußland und England verbün- °^t war, den Krieg und ruckte, alles vor sich nieder- werfend, durch Suddeutschland vor. Bayern. Würt- temberg und Baden wurden gezwungen, sich ihm anzuschließen und m den von ibm gebildeten 'Nhembund unter französischer Führung einzu- Dem Landgrafen von Hessen gelang es an» - - neutral zu hatten^ trotzdem sein Laich von
Neben vielen inneren Veränderungen im neuen Großherzogtum, bekamen auch die Truppen fast alle „Umbenennungen". Unsere beiden Bataillone er- hielten die Namen: Garde-Füsilier-Rn. taillon (1/116) und I. L e i b - F ü s i l i e r - B a - taillon (H/116). (Es war, als sollten die hessischen Regimenter nicht unter ihren früheren Bezeichnun- gen d>e Waffen -,n Seite Frankreichs gegen di- bis- herigen Verbündeten tragen, was ja nach der Lage der Dmge unvermeidbar schien und war Dmn der neue Waffengang der Krieg gegen Preu. tz en, stand vor der Tür und brach 1806 aus. Er traf ein geschwächtes, zwar mit Rußland verbündetes, aber doch zunächst den kriegsgeübten Heeren Napoleons allein gegenüberstehendes Preußen das 1805 durch schöne Worte Napoleons und allzu große Friedensliebe betört, den günstigen Moment Der-
Reservisten und Rekruten.
Von Walter Steding.
In diesen Tagen werden diejenigen Wehrpflichtigen von ihren Truppenteilen ermassen, die ihren aktiven Wehrdienst beendet haben. Sie scheiden aus in dem stolzen Bewußtsein, an zwei großen historischen Ereignissen teilgenommen zu haben, die in der Geschichte ewig ihre Bedeutung behalten werden. Sie scheiden aus in dem Bewußtsein, daß der Einmarsch in die Ostmark und die Befreiung des Sudetengaues nur möglich gewesen sind durch die Tat des Führers und die absolute militärische Bereitschaft des nationalsozialistischen Reiches. Diese Soldaten, die ihre aktive Dienstzeit in Ehren erfüllt haben, wußten, daß sie, wenn nötig, mit der Waffe in der Hand für die Lebensrechte des deutschen Volkes eintreten mußten. Daß die Befreiung von zehn Millionen Deutschen auf friedlichem Wege möglich war, ist nur der Wehrbereitschaft des Reiches zu danken, und jeder der jetzt zur Entlassung kommenden Soldaten hat daran zu feinem Teile mitgearbeitet.
Die Soldaten, die nun aus dem aktiven Wehrdienst entlassen werden, treten mit Beginn des auf den Entlassungstag folgenden Tages zum Beurlaubtenstande über, und zwar zur Reserve I. Aus den Aktiven sind die Reservisten geworden, die die alten Soldatenbräuche, die schon im Heer der Vorkriegszeit freudig begrüßt wurden, sind auch jetzt wieder aufgelebt. Nach dem Abschied von den Vorgesetzten und den Kameraden darf auch der Soldatenhumor sein Recht beanspruchen.
Die Entlassung der Reservisten geschieht so, daß jeder nach Möglichkeit sofort wieder den Arbeitsplatz findet, an dem er das Beste leisten kann. Heute braucht ja niem nd mehr Sorge zu haben, nach der Entlassung aus dem Wehrdienst ohne Arbeit zu bleiben. Die Unternehmer, die Meister und Betriebsführer stellen heute schon wieder mit besonderer Vorliebe die entlassenen Soldaten ein, weil sie wissen, daß der Soldatendienst auch eine ausgezeichnete Schule für das Leben war.
Die tauglich befundenen Rekruten werden bann in bie Truppen-Stammrolle eingetragen. Die Truppen-Stammrolle wirb im Heer von jeber Kompanie geführt, unb zwar getrennt nach Einstellungsjahrgängen. Die neuen Rekruten werben nun barüber belehrt, daß sie mit bem Ge- stellungstage Solbaten geworben sinb. Es werben ihnen „Die Pflichten bes beutschen Solbaten" erstmalig bekannt gegeben, unb babei wird ihnen der Begriff bes „Vorgesetzten" besonders erläutert. Die Einteilung der Rekruten in Korporalschasten und ihre Einkleidung schließen das eigentlich Einstellungsverfahren ab. Sämtliche Rekruten erhalten einen Truppenausweis mit Lichtbild, der bie eigenhändige Unterschrift bes Solbaten trägt unb der vom Kompanie-Chef unterschrieben wirb. Es folgen geistige unb körperliche Leistungsprüfungen, unb bann beginnt die erste Ausbilbung, die zum Ziele hat, bem Solbaten bie solbatische Haltung beizubringen unb ihn geistig vorzubereiten auf bie Verewigung, bie möglichst zehn Tage nach ber Einstel- fang burchzuführen ist. Der bei ber Einstellung geleistete Fahneneid gilt für die gesamte Dauer des Wehrpflichtverhältnisses. Er ist bie feierlichste Stunbe für ben jungen Rekruten, benn biefer Fahnen- eib enthält bie Verpflichtung bes beutschen Mannes bei seinem Eintritt in ben Wehrdienst, sich jeberzeit mit Leib unb Leben für ben Führer, für Reich unb Volk bis zum Letzten einzusetzen.
„Wehrdienst ist Ehrenpflicht am deutschen Volke." An bem Sinn dieses einleitenben Satzes bes Wehr- Gesetzes vom 21.5.35 ist nicht zu rütteln. Jeber junge Deutsche, ber wehrfähig unb wehrwürbig ist, wird bie Jahre seiner aktiven Dienstzeit als eine Ehrenpflicht auffassen. Er wäre nicht wert, die Gegenwart der deutschen Wiedergeburt mitzuerleben und an dem Aufstieg des Reiches aus Not und Schmach teilzuhaben, wenn er nicht auch die kleinen persönlichen Einschränkungen und Unbequemlich- keiten einer zweijährigen Unterbrechung bes privaten Berufslebens freudig in Kauf nähme.
Immerhin wird so mancher ber bevorstehenden Dienstzeit mit Besorgnis entgegensetzen — nicht etwa aus mangelnder Opferbereltschaft ober gutem Willen, sondern aus der Erwägung, baß triefe „zwei- Jahre-Solbat-spielen" ihn herausreißen aus ber Berufsausbildung, ihn bie mühsam erlernten Kenntnisse vergessen lassen —, kurzum, baß biete Jahre vom praktischen Stanbpunkt betrachtet „verlorene" Jahre seien. Solche Erwägungen sind menschlich unb daher zu begreifen; aber es gibt viele Gesichtspunkte, die über solche Befürchtun- gen hinweghelfen.
Zuächst sollte man nicht vergessen, einen höchst wichtigen Punkt als Aktivposten in die Bilanz bes lieben „3d)" einzusetzen: Das ist die Gesunb- heit, bie körperliche und geistige Frische unb Ela- stizität; kein Meckerer wird leugnen können, baß diese Werte auch bem Berufsleben — wie immer es geartet fei — sehr förberlich sinb. Und kein Sol- bat, ber im Herbst als Reservemann ausscheibet, wird abstreiten, baß er in den vergangenen zwei Jahren ein anderer Kerl geworben ist und baß bie Unterbrechung bes Zivillebens sich „gelohnt" hat. —
Aber es gibt auch noch anderes zu bebenfen, — all denen zur Uebertegung empfohlen, bie im Solbaten- leben nichts anberes sehen wollen als „Kasernen- Stumpffinn" (und wie bie schönen Bezeichnungen dieser Art alle zu heißen pflegen). Gewiß ist ber Solbatenbienst aus taufenb Kleinigkeiten zusammen- gesetzt unb, um einen anftänbigen Griff mit bem Gewehr 98 machen zu können, braucht man nicht Kant gelesen zu haben. Mit anderen Worten: Aus unzähligen kleinen Hebungen, Ueberroirtbungen,
Diese Anbeutungen waren notwenbig, um bie Folgerungen zu ersehen, bie sich aus bem veränber- ten Gesicht bes Heerwesens für ben Waffenträger selbst, seine militärische (Eignung unb seine prak- tischen Aussichten während ber Dienstzeit ergeben. Gewiß werden -r- wie zu allen Zeiten — deutsche Bauernsöhne auch in der neuen Wehrmacht als besonders geeignete Soldaten bienen, unb viele von ihnen werben in Führerstellung^, aufrücken; auch heute stehen sich Bauern- und Solbatentum, beide enger mit ber Natur verbunden als die zivilisierten Massen ber großen Städte, blut- unb wesensmäßig nahe. Aber es ist zu bebenfen: Von rund 32 Millionenhauptberuflich erwerbstätigen Deutschen georvnen entfallen heute 41,4 v. H. auf Bergbau, 3nbuftrie I Zukunft
Ans her Geschichte des alten Regiments Ar.116
Don Generalmajor a. D. Rudolf Mohr, Gießen.
Allen zur (Entladung kommenden Soldaten ist bekannt gegeben worben, wie ihr weiteres Wehr bien st Verhältnis geregelt ist ober geregelt wirb. Die getroffene Regelung wirb von ben Wehrerfatzbienststellen im Web-rstammbuch und im Wehrpaß vermerkt. Jeder Soldat ist vor ber Entlassung vom Truppenarzt ober von einem von ber Wehrmacht beauftragten Arzt auf seinen Gesunbheitszustand untersucht, unb dieses (Ergebnis wird ebenfalls in die Wehrurkunben, u. a. auch in bas Gefunbheitsbuch, eingetragen. Den aus bem aktiven Wehrdienst zu entlassenden Solbaten ist von ihrem Truppenteil bei ber Entlassung ber veroollstänbigte Wehrpaß auszuhändi- gen. Solbaten, die ins Ausland entlassen werden, erhallen an Stelle der Wehrpaßnotiz eine Dienstzeitbescheinigung. Neben dem Wehrpaß ist jedem zu entlaufenden Soldaten ein Führungszeug- nis auszustellen. In diesem Führungszeugnis ist bie gesamte in- unb autzerbienslliche Führung zu beurteilen unb in einer gemeinsamen Führungsnote auszubrücken. Eigene Papiere, bie beim Eintritt in bie Wehrmacht abgegeben morden find, Z. B. Schul- ober ßehrzeugnisse, sind zurückzugeben.
Die Reservisten, oder wie sie amtlich heißen, die Wehrpflichtigen des Beurlaubtenstanbes unterliegen nunmehr den Pflichten und Rechten, bie für ben Beurlaubtenstand festgesetzt sinb. Besonbere Pflicht der Wehrpflichtigen des Beurlaubtenstandes ist es, die während ihrer aktiven Dienstzeit erworbenen Kenntnisse im Beurlaubtenstand durch Selbststudium zu vervollkommnen und ihre körperliryen Fähigkeiten zu erhalten. Die Wehrpflichtigen bes Wur- laubtenftanbes sind auch zur strengsten Verschwieg e^nheit über dienstliche Angelegenheiten, beren Geheimhaltung erforberlich ober angeorbnet ist, verpflichtet. Diese Pflicht bleibt auch nach bem Ausscheiden aus dem Wehrpflichtverhältnis bestehen. Sie ist eine der wichtigsten Pflichten, denn ber Dienstpflichtige, ob er nun Solbat ober im Beurlaubtenstande ist, erfährt vieles, was als geheim behanbelt werben muß. Ein unachtsames Wort, eine unbebachte Aeußerung können schwersten Schaben, nicht nur für ben einzelnen, sondern für bie Volksgemeinschaft herbeifuhren.
Während sich die Reservisten barairf freuen, ben
Wiederholungen — zugegeben: oft bis zum lieber« druß Wiederholtem! — besteht die eine Seite sol- datischer Erziehungsarbeit. Unb gerade darin liegt ü)re Größe, weil die Summe von so vielem Einfachen und scheinbar Nebensächlichen die Grundlage bildet für bie Manneszucht, ohne bie eine Armee nicht bestehen kann. Aber das alles erkennt erst, wer Solbat gewesen ist; vielleicht versteht er es auch erst im Alter richtig.
Aufbau unb Zusammensetzung einer modernen Armee sind heute — entsprechend bem zeitbedingten Stand ber Kriegstechnik — unenblich viel komplizierter als es beispielsweise noch 1914 ber Fall gewesen ist. Allein ein kurzer Blick auf bie Waffengattungen von heute, zeigt, daß ihre Aufgabengebiete erheblich erweitert worben sind, ja, baß eine ganze Anzahl völlig neuer Spezialwaf- fen erftanben ist. Eine Nachrichtenabteilung von heute zum Beispiel, bie mit mobemftem Funk- und Blinkgerät ausgestattet ist, läßt sich kaum noch vergleichen mit den entsprechenden Formationen der Vorkriegszeit, ben damaligen Telegraphenbataillo- nen. Sie gesteigerte Vielseitigkeit ber militärischen Ausbildung bedingt natürgemäß ein entsprechendes Maß geistiger Regsamke.it und elementa- ren Grundwissens. Dies gilt durchaus nicht nur für ben Soldaten der modernen Spezialwaffen, sondern ganz besonders auch für die Infanterie, deren überragende Bedeutung als kampfentscheidende Waffe heute im Zeitalter der Technik oft verkannt wird.
und Handwerk, sind also vorwiegend ber ftäbti- scheu Bevölkerung zuzurechnen, während ber entsprechend Anteil ber in Land- und Forstwirt- schäft Tätigen auf 30,5 v. H. zurückgegangen ist (b h feit 1870 fast um bie Halste). Daraus folgt baß bie Mehrzahl ber Wehrpflichtigen heute nicht vom Bauernstände, sondern von Industriearbeitern und Handwerkern gestellt wirb.
Nach lanbläufiger Auffassung würbe biefe Mehrzahl also bas unoerbiente Schicksal haben, sich mühsamer und schwerer im soldatischen Leben zurecht- zufinden als bie in die Minderheit gedrängte ländliche Bevölkerungsschicht. Aber die Entwicklung der Zeit hat hier einen Ausgleich geschaffen. Die bereits
Füsilier-Bataillon ber Brigabe ßanbgraf (11/116):
Batls.-Kommanbeur: Major Kötz, Kapitän: L. Gall (7 ), Stabskapitän: Zu Hall (5.), Duncker (8.), Kloos (6). Premier-Leutnant- Gödeck" v. Hafter.
Bereits 1799 war es zu einem neuen Krieg zwischen Frankreich und Oesterreick gekommen, der durch Napoleon Bonapartes Feldherrngenie siegreich für bie Franzosen ausging, ßanbgraf ßube- roi g_X. Halle getreu seiner Pflicht als Reichsfürst anfangs feine Truppen roieber Oesterreich zur Verfügung gestellt. Als aber ber Krieg einen unglücklichen Anfang nahm und eine verberbliche lieber- fchwemmung Hessens burch bie Franzosen drohte, schloß der ßanbgraf eine Neutralitäts-Konvention mit ihnen ab unb rief feine Truppen von ber österreichischen Armee ab. (Er rettete baburch zwar ßanb unb Beroobner, mußte aber bafür an Frankreich bie Grafschaft Hanau-ßichtenberg mit seiner ßieb- lingsschopfung Pirmasens abtreten. Als Entschäbi- 0UÜVS,eIt er das frühere Herzogtum Westfalen unb Besitzungen in ber Wetterau.
. Die Umroanblungen, bie in ber politischen ßagc eingetreten waren, veranlaßte nun ben ßanbgrafen 3“ einer tiefgreifenden Umbilbung sämtlicher staatlichen unb vor allem ber militärischen Einrichtun- gen. 3n ben brei Hauptprooinzen Starkenburg, Oberhessen und Westfalen wurde je eine Felb- unb eine Reserve-lGarnison-)Brigade ausgestellt. I mitr2es"tai'no® n* 1 n*1® 9unb 1 ff"h‘e umq-Ichlng-n-n rot gefütterten
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angebeutete Differenzierung bes Heerwesens verlangt heute mannigfache Arten körperlicher, geistiger und damit auch beruflicher Vorbebingungen für ben mobernen Soldaten. So ist gerade bas in bie Dienstzeit mitgebvachte Fachwissen für beide Teile, bie Wehrmacht und ben Rekruten, von größtem Vorteil. Soweit es burchführbar ist, werden baher bie eingezogenen Wehrpflichtigen auch ihrem beruflichen Herkommen nach bei ber Waffe eingestellt, für bie sie sich a m b e ft e n eigne n; die Möglichkeiten hierfür sind unendlich mannigfach und greifen häufig ineinander über. Natürlich kann nicht jeder gelernte Zimmermann Pionier werden, nicht jeder Mechaniker kann bei den Kraftfahrern oder Funkern dienen. Die Vielseitigkeit aber, die heute auch der Dienstbetrieb bei ben brei Grundwaffen aufweist, wird da manchen Ausgleich schaffen tonnen. Denn auch der Infanterist von heut« muß erheblich mehr können als marschieren unb mit dem Gewehr 98 schießen. Jedes Infanterieregiment verfügt heute über schwere und leichte Maschinengewehre, über Infanteriegeschütze, moderne Panzerabwehr, und Nachrichtenmittel. Allein das Schießverfahren bei MG. und Infanteriegeschütz ist heute, zumal beim indirekten Feuern, ohne technische Hllssmittel undenkbar, und die Kenntnis und Bedienung etwa des Entfernungsmessers setzt immerhin klaren Kopf voraus. Die Kavallerie- Regimenter, soweit sie nicht völlig motorisiert sind, wurden zu einer berittenen Schützentruppe, die ebenfalls auch über maschinelle und panzerbrechende .Waffen verfügt. Die enorme technische Entwicklung ber Artille rie ist bekannt; ein Kanonier der gar ein Geschützführer ist ohne genaue Kenntnis feiner Waffe und deren Hilfsmittel, wie Rundblick- fernrohr, Richtkreis u. a. nicht denkbar. Angesichts dieser Andeutungen erübrigt es sich, die Möglich- kecken aufzuzeigen, die sich für das technische oder handwerkliche Fachwissen bei ben Spezialwaffen bes Heeres (ober bei der Kriegsmarine und ßuftroaffe) ergeben; sie find nahezu für alle Berufszweige un- enblich mannigfach. Die moderne Wehrmacht braucht sie alle.
lichst eine Zeitspanne von etwa vrerzehn Tagen zu legen. Zur sachgemäßen Durchführung bes Einstellungsverfahrens unb zur Entlastung Der öffenb licheu Beförberungsmittel wirb die Einstellung für bie einzelnen Truppenteile auf mehrere Tage ver- teilt. Einberufene Rekruten finb mit bem Gestel- lungstage 0.00 Uhr Soldaten. Der Tag des tatsächlichen Dienstantrittes ist in ben Personalakten einzutragen. Gebühmisse stehen ben Rekruten vom Gestellungstage ab zu. Die Dienstzeit ber Rekruten, die bem Gestellungsbefehl nicht Folge geleistet und sich verspätet gestellt haben, wird erst vom tatsächlichen Einstellungstage an gerechnet.
Rach (Eintreffen ber Rekruten im Standort bes Einstellungstruppenteiles wird nach ben Rekruten- Ueberweisungslisten festgestellt, ob bie Rekruten voll- zählig eingetroffen sinb. Der Wehrbezirkskomman- beur gibt die Namen ber Rekruten, die sich ptzne Entschuldigung nicht stellen, dex Kreispolizeibehörbe weiter, die erforderlichen Erhebungen vornimmt. Nach dem Verlesen werden die Rekruten auf bie einzelnen Truppenteile verteilt und von diesen übernommen. Die Rekruten geben nun ihre Wehrpässe ab, bie Freiwilligen ihren Annahmeschein unb Gestellungsbefehl. Ebenso werden bie Fahrkarten ober Fahrscheine zum Gestellungsort eingezogen. Die Erstattung ber von ben Rekruten verauslagten Fahrgelber unb etwaigen Zehrgelber erfolgt fo schnell wie möglich.


