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Lr. 254 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

2"./50. Oktober 1938

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Chemie erschließt die

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Von den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.

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lobe Verurteilten die Tage bis zu seiner Begna­

digung ertragen half." In dieser Schilderung wird ttroas lebendig von dem Schicksal unseres Volkes,

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schast der Chemie.'

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Mineraldüngers zu studieren. Er destillierte die Steinkohle,auf daß ich beweise, daß die Stein­kohlen liebliches Del und köstliche heilsame Balsame enthalten". Ob er wohl damit den ersten aroma­tischen Kohlenwasserstoff Benzol entdeckt hat? Glauber war Mitbegründer des Berufs des an­gewandten Chemikers, Mitformer einer deutschen chemischen Schriftsprache, und in seinem £)pus minerale", das er 1651 in Amsterdam schrieb, stellt er der Chemie ein wirtschaftliches Programm auf.Deutschland ist von Gott sonderlich hoch be­gäbet mit allerhand Bergwerken ... mangelt nur an erfahrnen Leuten, welche dieselbe zu recht wissen zu bringen.. Warum sind wir so schlecht, daß wir unser Kupffer nach Frankreich oder Hispanien, ünd das Bley in Holland und Venedig schicken. Spanischgrün und Bleyweiß daraus zu machen, denen wir es hernach so theuer abkauffen müssen? Ist unser Holtz, Sand und Aschen in Deutschland nicht so gut, Chrystallinisch Glas daraus zu machen.

1h,/5o!" sagte Engelke. Sie war ein bißchen ent- Icuscht.Ich hab gedacht, die haben da oben ganz

vor Schmerz, wurde wieder lebendig und schlug wie unsinnig um sich. Die Köksch lachte, die Mägde kreisch­ten, die Tüv ging auf.

Engelke hatte schon wieder die Erbsen vor, als er sich umdrehte. Die Köksch. tat die Hühner in die Pfanne, und die eine Magd brachte ihm einen irdenen Topf mit Abendmilch. Er trank hastig und bückte sich ein bißchen, dann flüsterte er: ,Zch weiß, wo du wohnst."

Sie war ganz still. Sie atmete bloß hastiger. Heut' abend komm ich", sagte er ganz leise.

Sie sah auf. Ihre Augen waren blau wie blaues Glas.Nee, nee", sagte sie ängstlich.Meine Stief­mutter ..." Die Erbsen kollerten auf den roten Zie­gelboden. Sie knieten beide hin und lasen sie auf. Er flüsterte dicht an ihrem Ohr.Denn komm in den Garten, wo der Kohl steht, an die Laube."Nee, nee", stammelte sie, aber ganz zaghaft. Tränen stan­den in ihren Augen. Als sie aufstand, ging er schon wieder aus der Tür. Er pfiff lustig. Sie seufzte schwer, schüttelte mit dem Kopf und sagte halblaut: Nee, nee!" Aber als es schummerte, ging sie doch.

finger daran zu tippen, während Püttsch das neue Ding ausgiebig von allen Seiten besah, beroch und befnabberte.

Selbstverständlich lernte Pelle zuerst laufen, damit er Ehrensache der Schwester bei den ersten Gehversuchen behilflich sein konnte, wobei sie dann meistens staunend, manchmal auch brüllend, gemein­sam auf dem Boden landeten. Auch sonst bemühte er sich rührend darum, Püttsch in jeder Weise zu bemuttern. In unverständlichen Worten machte er dem harmlosen Wurm sanfte Vorwürfe, wenn es wieder einmal naß gemacht hatte dabei war der gute Junge selbst noch nicht ganz stubenrein! Eines Tages erschien er ganz geknickt in der Küche und suchte nach einem Lappen, wobei er fortwäh­rend murmelte:Pelle dumm, Pelle dumm?" Dis erstaunte Familie folgte ihm im Gänsemarsch, als er mit seinem Lappen abzog, und sah ihn dann im Wohnzimmer damit beschäftigt, unter dauerndem anklagenden Gemurmel die Bescherung wieder fort« zuwischeu. Püttsch saß ganz still in ihrer Ecke un­beobachtete mit ausgesprochen spöttischem Lächeln die kleine Entgleisung ihres Kavaliers ...

Don beiden wurde zärtlich die Großmutter ge­liebt, zu der sie während der Sommertage in den kleinen Badeort an der ostpreußischen Küste fahren dursten, so bald sie die immerhin nicht kur.se Reise mit den weißen Schiffen des Dstpreußendienstes ver­trugen. Von ihr lernten sie auch trotz aller Ermah­nungen und Verbesserungen des Vaters den oftoreu- ßischen Dialekt. Ich weiß noch das entsetzte Gesicht des Vaters, als er einmal in den Garten kam und von ferne zusah, wie die Großmutter Blumen für die Vasen abschnitt. Püttsch und Pelle standen Hand in Hand schweigend dabei, bis Püttsch ihre Ver­wunderung nicht mehr zurückhalten konnte und mit innerlichem Kopfschütteln fragte:Dhmchen zu was schneidst ab? Iefallt dir nid)?"

Kaum, daß > sie auf ihren krummen und dicken Beinchen mühsam umherstolpern konnten, erhielten beide Kinder die gleichen, braunen Trainigsanmge, an denen sie mit fanatischer Liebe hängen. Pütttch ist selbst'später noch immer äußerst ungnädig, wenn man sie weil Besuch kommt so anüeht. wie es sich für ein kleines Mädchen gehört. Einmal, in der höchsten Eile, will das Mädchen der Kleinen *ie speckige Hose über das Helle Sonntaaskleibcb-n ziehen, damit sie sich bis zum Eintreffen der Gäste nicht wieder schmutzig macht. Pelle steht aufgeregt daneben und bohrt nachdenklich den Finger in die Nale.Minqa", iragt er endlich neumeriq,zu was ziehste ihr den Jungen über das Mädchen?"

Christine Grossmann.

püttsch und pelle.

Aus dem Kinderland eines Zwillings-Pärchens.

Sie hatten gar nicht erst gefragt, ob es auch an­genehm sei, wenn sie gleich zu zweit erschienen. Mit vollendeter Selbstverständlichkeit waren sie eines Tages als die Erstgeborenen meiner in Finnland mit einem deutschen Photographen verheirateten Schwester da und stellten die staunende Verwandt­schaft vor die fertige Tatsache.

Eigentlich hießen sie natürlich anders. Aber ich kann mich nicht entsinnen, daß sie jemals anders genannt wurden: das Mädchen Püttsch und der Junge Pelle! Schrecklich brav lagen sie nebenein­ander in ihrem breiten Bettchen und knabberten stillvergnügt an den winzigen Zehen Und nur manchmal schielte Pelle nach dem anderen kleinen Wurm neben sich, als ob er sich für dessen gute Laune verantwortlich fühlte. Kam dann die Mutter mit den Milchflaschen, dann wartete er geduldig, bis Püttsch das kleine, rosa Mäulchen aufsperrte und zu trinfen geruhte, und dann erst dachte er an den eigenen Durst. Brachte eine gute Tante nur ein Spielzeug mit denn nicht alle dachten daran, gleich doppelt zu schenken, wie sie ja auch nicht bie Zwillinge" sagten, sondernher Zwilling" dann wagte Pelle nur ganz wenig mit dem Zeige-

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3. Morgen- Veranstaltung- Ruf« u. L* luieteiilMiB®1- Hans Christopi1

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uitb wir dürfen aus ihr entnehmen, daß gerade das deutsche Buch es gewesen ist, aus dem zahl­losen deutschen Menschen in der Ostmark jene Kraft jiiftrömte, ohne die es ihnen unmöglich gewesen Höre, das Leid zu ertragen, das ihnen auferlegt ward. f ,

Wohin immer wir in der Geschichte unseres - k«s, auch in der jüngsten Vergangenheit, oder beim betrachten der Schicksale großer deutscher Menschen liiere Blicke richten, immer wieder werden wir scheu, daß das deutsche Buch es gewesen ist, das

Volk. Gerade die Geschichte ist überreich an Beispie, len, die zeigen, wie es immer wieder ein Buch ge­wesen ist, das in Zeiten der nationalen Not dem deutschen Volke zu Hilfe kam, für fein Leben eine Duelle jener Kräfte wurde, durch die es sich aus Not und Niedergeschlagenheit erhob zu neuem Le­benswillen und zu neuer Größe. Das augenfälligste Beispiel eines solchen Buches, das in unserer Not selbst geschehen ist, ist das Buch des Führers, dessen ungeheure geschichtsbildende Kraft längst auch drau­ßen in der Welt erkannt und anerkannt worden ist.

Es liegt somit ein tiefer Sinn darin, daß die erste Großdeutsche Buchwoche, die wir in diesem Jahre festlich begehen, unter dem Leitwort steht: Das Buch, ein Kraftquell der Nation. Wir leben heute in einer Zeit, die an jeden einzelnen von uns im Hinblick auf die von ihm zu leistende Arbeit die höchsten Anforderungen stellt. Wir können auf keine Hilfe verzichten, die sich uns bietet als Unterstützung bei dem Bestreben, jenen gesteigerten Anforderungen im Hinblick auf die Sicherung un­seres völkischen Lebens restlos zu genügen. Eine der stärksten, zuverlässigsten, den wechselnden Zufällig­keiten des Tages weitgehend enthobenen Hilfen be­sitzen wir im deutschen Buch^ Es hat daher seinen guten Sinn, wenn der ersten großdeutschen Buch­woche die Aufgabe gestellt ist, dem deutschen Volk sowohl durch eine Reche großer festlicher Veran­staltungen als auch durch die in den Buchausstel­lungen sichtbar werdende sorgfältige 21usle-fe arbeit des Jahres bewußt zu machen, daß das deutsche Buch in der Tat ein Kraftquell der Nation ist.

Dr. Hellmuth Langenbucher.

dunster g.^^een fa, 8e,Unde Luft billig beJ

andere Namen. Diel fremdländischer." Die Erbsen knallten und sprangen.3ft er ein Türk?"

Nun lachte die Alte laut los, während sie den Knoten am letzten Huhn zuband. Die beiden Jungen lachten mit

Der ist just so chrisllich wie wir, Maike. Er geht auch in die Kirche. Aber was der Herr Graf ist, der ist ein Reformierter. Darum will er nach Holland. Was weiß ich, Maike, Krieg ist überall."

Herrje, ja", sagte Engelke. Sie war es gewohnt, und die andern auch. Seit sie lebten, kannten sie es nicht anders, als daß die Welt brannte.

Muß der Jädtke mit?" t

Nun kicherten die albernen Gänse wieder. Aber die 2IIte, die Liebesgeschichten gern beäugte, meinte: Das soll er wohl müssen. Schad' um den Kerl, wenn sie den totschießen."

Engelke sagte nichts. Sie hob sich auf den Zehen und guckte nach der Tür. Der Fremde kam herein. .Löksch, habt Ihr ein bißchen Milch für mich zu trinken?"

Sein Platt klang anders, als man hier sprach. Engelke stellte die Erbsenschüsiel neben sich, warf die blaue Schürze über den Kopf und lachte laut auf.

Was lacht die?" fragte Jädtke. Aber er kam doch näher und versuchte Engelke die Schürze vom Gesicht zu ziehen. Sie kreischte und hielt fest. Aber er zog, und so sah er in ihr lachendes, rotes Gesicht. Ihre Haube stand schief, und die Haare wehten überall ^Jtief, hat die helles Haar!" rief er. Die beiden Mädchen lachten.

Sie is ein Schimmel", schrie die eine.Ja, arab so wie ich ein Polack", meinte der Jäger. Er rang im Spaß mit Engelke.Wie heißt, Maike?" fragte er. Er hatte schon so ein paar westdeutsche Ausdrücke weg.

Engel-Marie", sagte das Mädchen. Sie stand vor ihm eine Handbreit größer als er. Die Haube hing im Nacken, ihr Mund stand auf, ihr Brusttuch war verschoben. Mit der Rechten'stemmte sie sich gegen feine Brust, er reckte sich und versuchte, halb im Spaß, sie zu küssen.Das versteht man ja gar nicht in der Polackei, Junge!" meinte sie und versuchte davonzukommen. Aber er umschlang sie plötzlich mit seinen festen Armen. Ihr Gesicht scheuerte sich an dem groben graugrünen Tuch feiner Jacke, dann fehlte sie seine kräftige, ein bißchen rauhe, braune Haut daran. Ihre Arme sanken schlaff herab, und sie^dachite nicht daran, sich zu wehren, als er sie rasch abkußte, auf den Mund, die Augen, die Stirn, wieder den Mund. Dazu griff er in ihr helles Haar. Sie schrie

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Ä innewohnende, aus dem Borne des ? E/nende Kraft half, Schweres und J «ragen. Tausende, Hunderttausende 9rßUfkVr Malischen, von denen die Geschichte kein ?nU «*en5t Semacht hat haben das in gleicher Weise rt? f n* lm Schützengraben, das

Auch m Gesangenschaft, das Buch auf dem Nacht- &f* l"es Do" bitteren Lebenssorgen zerquälten. Menschen. das Buch m der Hand des Greises, .u-m die Erkenntnis der letzten Lebensfragen ringt, das Buch in der Hand des jungen 2Ren» Idjen, der daran ist, ins Leben zu stürmen, das Buch n..öcrtW des Mannes, der befeffen ist von der Leidenschaft, mit der Tat feines Lebens feinem öolfe zu dienen, das Buch in der Hand der Frau die als deutsche Mutter die Herdflarnrne hütet, das Duch in der Hand des Verzweifelten, des niederge- brochenen Menschen, der darin einen Trost sucht und sindet, das Buch in der Hand des vorn Glück Be­günstigten, den die Kraft des Erfolges stürmisch roeitertreibt zu neuen Aufgaben und zu neuen Zielen, das Buch als Berater des Menschen, den die Ferne lockt, und das Buch des Deutschen draußen in der Welt, der darin die Heimat sucht: es wäre an kein Ende zu kommen, wenn wir versuchten, im einzelnen alle die Wirkungen aufzuzählen, mit denen bas Buch in bem weitverzweigten Leben des Volkes immer roieber so entfcheidenb eingreift in bie Ge­staltung dieses Lebens. Wie aber der einzelne Mensch, wenn er sich selbst nicht aufgeben will, in feinem persönlichen Leben und Schicksal unlöslich verbunden ist mit dem Leben und Schicksal des Vol­kes, so gilt, was hier für den einzelnen Menschen gesagt wurde, in gesteigertem Maße für das ganze

Oie Engel-Marie.

Don Agnes Miegel.

Die Dichterin Agnes Miegel wird in den nächsten Tagen hier in (Biefjen aus eigenen Werken lesen. Wir bringen mit Genehmigung des Eugen Diederichs Verlages einen Abschnitt aus ihrenGeschichten aus Alt-Preußen .

Zwischen den Bauerngehöften des kleinen Weser- borfs stand bie graue Wasserburg. Holunder blühte am Wallgraben, Buchen und Eschen wuchsen im Sorten, große alte Nußbäume rauschten im Hof über lüngerftätte und Brunnen. ,

Ein Mädchen kam durch den Torweg auf den Hof, einen Korb mit Gemüse am Arm. Sie war grotz und schlank, steif wie eine Puppe in .^rem pracht- ovllen Sonntagsstaat. Unter der spitzen föro£r-3' siidenen Tütenhaube wehten ein paar lange hell­blonde Haare heller und glänzender als Flachs über ihr Gesicht. Ihre Haut war rosig und klar wie eine

Eine Brille mit Zweistärkengläsern empfehle ich jedem, dem beim Blick wechsel (Ferne/Nähe) das Auf- und Absetzen der Brille lästig ist. Die fachgemäße Anpassung ist meine Spezialität!' 633a

GELLER

der Optiker am Bahnhof*

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50 Autpr-

III.

Zur Ehrenrettung derSchwarzen Kunst".

Die Chemie der Alten, ihre Lehre vom Urstoff und den vier Elementen war eine kosmische Chemie. Man ist versucht zu sagen, eine All- Chemie. Sie hat hineingewirkt in die kommen­den Geschlechter, die über den stofflichen Aufbau der Welt nachdachten, bis in die Zeit derSchwar­zen Kunst", der Alchimie. Diese entwickelte sich in der Hauptsache in einem Zeitraum von 1500 Jahren, etwa vom 3. bis zum 17. Jahrhundert. In ihr verschmolzen die alten Spekulationen über die stoffliche Einheit der Welt mit ihren vier Elementen, über den Wandel der Stoffe und ihre Mischungen mit einer phantasievollen, kühnen und klugen Experimentierkunst. Es mar die Chemie jener Zeit. Sie führte zu einer Weiterentwicklung der Stoffkunoe, der Methoden, Stoffe zu trennen, zu erkennen und zu gewinnen, und der technischen Chemie.

Es ist ein sehr oberflächlicher Irrtum, der aber sehr gern und häufig gemacht wird, in der Alchimie eine Reihe von kuriosen Veranstaltungen mystisch und schwindelhaft veranlagter Geister zu sehen. Die alchimistische Spekulation, durch den Stein der Weisen Einfluß zu gewinnen .auf den Wandel der Stoffe, Gold zu machen. Himmlisches und Irdisches miteinander zu verschmelzen, das Ganze im einzelnen zu sehen, entsprach durchaus der mystischen und metaphysischen Geisteshaltung jener Zeiten. Manchen von diesen phantastischen alchimi­stischen Experimentierkünsttern aber ging es so wie Kolumbus. Er zog aus, um Gold und Reichtum in Indien zu finden und entdeckte von ungefähr einen neuen Erdteil.

Da wäre zunächst auf den Freiburger Mönch Berthold Schwarz hinzuweisen. In seiner Klosterküche suchte er Gold zu machen. Und als ihm die Mischung von Salpeter, Schwefel und Blei, Duetffilber und Del krachend um die Ohren

Krafique« -er Nation.

Zur Woche des deutschen Buches.

Mancher Zweifler mag sich Gedanken darüber zachen, ob es nötig sei, in jedem Jahr eine ganze Doche ^g die Werbetrommel zu rühren für das kann, oberflächlich gesehen, viel- lkcht mit Recht darauf Hinweisen, daß wir ja ohne- tes als basVolk ber Dichter unb Denker" an= Bhen würben, unb baß 4m beutschen Volk bereits flwug Bacher verlegt, verkauft unb gelesen würden. Der io denkt, der läßt dabei völlig die Tatsache der tinebnenben Wirkung des Alltags außer acht, bie c immer wieder einmal nötig macht, auch jene .Kräfte unseres Lebens, ohne bie wir uns biefes L-'ben nicht mehr vorzustellen vermögen, herauszu- h'ben aus dem gewohnten Gleichmaß der Dinge im sie. in ihrer Bedeutung und Wirkungsmächtiq- ftit dem ganzen Volke von neuem bewußt zu wachen. Wer so denkt, der vergißt aber außerdem wch em zweites: er vergißt, daß ein Volk unab- liffig an der Steigerung und Stärkung seines Le­bens arbeiten muß; daß es sich nicht mit erreichten -Seien zufriedengeben, sondern von einer Stufe zur nteren auf feinem Schicksalsgang weiterschreiten i»uk; und daß dieses Gesetz es gerade den Führern unb Anregern des kulturellen Lebens zur Pflicht dacht, die bisher vielfach als Vorrecht bestimmter greife angesehene Teilhaberschaft einzelner Schich- im des Volkes am kulturellen Leben der Nation zur Teilnahme und Besitzergreifung des ganzen Volkes zu machen. Es ist aber undenkbar, dieses Ziel ohne bas deutsche Buch zu erreichen, unb es ist baher Mhl gerechtfertigt, einmal in jebem Jahre dem deutschen Volke vor Augen zu stellen, was alles es bem deutschen Buche verdankt, und in welcher Weise fein Leben durch das Buch innerlich geordnet, ge­steigert. geläutert und erhoben wird.

Das Leitwort, das über der diesjährigen Buch- Mche steht, und durch das dem ganzen Volke Be­deutung des Buches als eines Spend-ers fteis neuer, unablässig strömender Lebenskräfte bewußt gemacht Wirb; erhält seine tiefste und schönste Bestätigung bctfn, wenn wir, uns daran erinnernd, daß wir in diesem Jahre bie erste Buchwoche im geeinten Groß- dmtschen Reich feiern, den Blick nach unserer Ost­mark richten, um von all denen, die dort im Kampf gistanben haben, die Antwort in uns aufzunehmen, die wir hören auf die Frage, ob auch bas Buch men Anteil gehabt habe an bem verzweifelten unb «schlitternden Ringen der deutschen Ostmark um ihr chbensrecht.Wer irgenbwie mit bem Reiche in Verbindung stand, wurde als Hochverräter" behan- Mt", schreibt uns da ein Oesterreicher, der mehrfach il den Gefängnissen gesessen hat.Unb trotzdem", fährt er fort,die deuüchen Dichter Oesterreichs ver­legten ihre Bücher im Reich, die österreichischen Buchhändler verkauften zu 90 v. H. Bücher aus bem Reich, unb alle Maßnahmen dagegen waren Schnitte ins eigene Fleisch. Allen Verboten und Schikanen zum Trotz konnte das Schrifttum die Verbindung zum Mutterland erhalten, und heute fönnen wir es ja sagen: viele, sehr viele österreichi­sche Nationalsozialisten wären zusammengebrochen, leiten sie das deutsche Buch nicht gehabt. In meiner B bliothek bewahre ich eine Anzahl heiliger Bücher: sÄche, die mich selbst ins Gefängnis begleiteten, solche, die ich Kameraden in anderen Kerkern ge­liehen habe, unb eines ist barunter, das einem zum

Am Brunnen standen zwei junge Sager. Ser eine kleine und untersetzte mit krausem dunklem Haar blickte auf. Seine braunen Augen blitzten, und er leckste mit weißen Zähnen nach bem Mädchen. Sie H elt den Kopf steif unb sah nicht nach ihm hin. Mer als sie in ber Küche war, wo bie alte Herrschasts kvchin zwischen ben großen Kupferkesseln hantierte unb bie Küchenmägbe noch das Mittagsgeschirr spul ten, fragte sie boch:Was 'ist das ur einer? unb zügte burchs Fenster.Schimmelte, hast den noch Nicht gesehn?" meinte bie Köchin gutmütig. "Das ist ber Jäger von unserem Besuch, .van dem Herrn trafen aus Preußen." - .Sem M.lchbruber, meinte bas Hilfsmädchen unb kicherte.

$rnQQ hat ber Graf hier zu tun?" fragte bie Slonbe Sie zog ben Staat aus unb banb eine ajte Schürze vor, um ber Köksch zu helfen. Dabei schielte si» burchs Fenster unb sah ben Dunklen nach bem i Stall gehem Er sah sie auch unb lachte lieber.So

I ein breifter Hunb!" sagte sie ärgerlich. , H

Das ift er nicht." Die 2Itte

riefelte die Hähnchen .,um Abendesten^Blotz e ne aibere Art hat er. Hat sich nach Mit kemer h

i abgegeben. Kannst dir was einbdben, Engelke.

Wie heißt er benn?" fragte Engelke unb machte sich ans Erbsenpahlen.

Jäbtke. Der Graf ruft ihn mit bem Daters-

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als jenes zu Venebig ober Frankreich...?" Unb diesen Mann hat man lange verkannt so wie viele andere, so wie Johann Joachim Becher, ber zu« erst ben Koks, bie Herstellung von Teer aus Stein­kohle, das Gas entdeckte, und so wie ben großen Philosophen, Chemiker unb Arzt Paracelsus.

Vielleicht steht gerade er von all ben Alchimisten uns am nächsten, weil er nicht die Metalle, sondern den Menschen und seine Gesundheit zum Mittel­punkt feines Forschens und Schaffens machte. Auch ihm ist die Chemie die Lehre von der Verwand­lung der Stoffe mit Hilfe des Steins der Weifen, der wohl fo etwas wie eine Art magischer Katalysator sein sollte. Ob man durch Mischung der Grundbestandteile der Welt, von Schwefel, Queck­silber und Salz Gold machen könne oder nicht, sei nicht das entscheideiüre Ziel ber Chemie, fonbern allein bie Bereitung zu tradieren, was Tugend und Kraft in der Arznei fei". Nicht Metalle ver­wandeln, sondern dem Menschen dienen und Heil­mittel fchaffen. Dazu solle der Chemikerdie Natur ergründen imd sie auch wiederholen". Das Denken unb Schaffen des Paracelsus ist repräsentativ für die Chemie des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie war drauf und dran, sich aus dem Autoritätsglauben und der Myfttk des Mittelalters zu befreien und sich zu einer selbständigen Wissenschaft zu ent­wickeln. So wurde sie unter Führung des Para­celsus und anderer zu einer soliden Hilfswis­senschaft ber Medizin. Und so erreichte sie zunächst eine Vorstufe, von der aus sie in der kom­menden Entwicklung den Rang einer selbstän­digen Wissenschaft einnehmen konnte.

Daß es in der Alchimie allerlei Schwindel gab, darüber soll man sich weiter nicht wundern. Be» trug, Schwindel und Illusion hat es zu allen Zeiten gegeben. Es ist doch gar nicht so lange her, daß der Goldmacher Tausend aus den Gerichtsakten ging es hervor, daß er tatsächlich so hieß sein Unwesen trieb. Wenn man aber dem Geist und ber praktischen Bebeutuna der alchimistischen For­schung unb Technik gerecht werben will, bann soll man bedenken, was einer der größten der neuzeit­lichen chemischen Revolutionäre, Justus von Liebig, von den Alchimisten gesagt hat.Der Stein der Weisen, den die Alten im dunkeln un­bestimmten Drange suchten, ist in seiner Voll­kommenheit nichts anderes gewesen, als bie Wissen­

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flpg, hatte er das Schießpulver erfunben. Damit hat man bann ben Bergbau geförbert unb der Erde Gold entriffen. Und man hat damit Kriege geführt, oft dabei goldene Schätze erobert. Im 17. Jahrhundert siedelte der Große Kurfürst auf ddr schönen Pfaueninsel bei Berlin den Goldmacher Johann Kunkel an. Ihm war es aber damals noch nicht gelungen, Gold zu machen. Es gelang ihm auch später nicht. Aber er erfand allerlei wich­tige chemische Stoffe, gute Arzneien unb x. B. das schöne R u b i n g I a s. Ein Jahrhundert später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, wäre es beinahe zwischen Sachsen unb Preußen zu einem Krieg wegen eines Alchimisten gekommen. Der Große Kurfürst wollte zur Auffüllung seiner Staatskassen ben Goldmacher Bö11ger aus Sachsen heraus­holen. Die Sachsen weigerten sich, Böttger blieb, und im Laufe feiner alchimistischen Experimente entdeckte er bie Kunst, Porzellan herzustellen. Und so beweisen diese und viele andere Alchimisten, was einer von ihnen im 16. Jahrhundert, ber Chemiker Biringucciv, in seinerPirotechnia", ben zehn Büchern der Feuerwerkskunst, in denen er bie technische Chemie jener Zeiten in eine Art System gebracht hatte, sagte:Die chemische For­schung zeigt jeben Tag wunberschöne neue Er­scheinungen und außerdem liefert bie Chemie Heil­mittel, -Farben, Wohlgerüche und unzählige Ver­bindungen. Viele Künste wären ohne sie nicht er­funden worden." So spricht er z. B. von der S al­pe t e r fabrikation, durch die sich die Deutschen im 14. Jahrhundert vom Ausland unabhängig machten. Und es ist gut, in diesem Zusammenhang an die neuzeitliche Gewinnung von Salpetersäure aus synthetischem Amoniak zu erinnern, die zur Be­gründung der riesigen deutschen Stickstoffdünger­fabrikation führte.

Auch den großen Glauber, den man weithin als den Entdecker des Glaubersalzes kennt, hat man einen Charlatan genannt. Die moderne Geschichtsschreibung hat das berichtigt. Neben feinem Laboratorium hatte er z. B. auf sandigem Boden ein Versuchsfeld errichtet, um die Wirkung des

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