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. Willig und Disziplin.

Don Generalmajor a.O Oidle.

Schlagworte sind bisweilen Mittel, um den­jenigen, die im allgemeinen nicht allzuviel nachzu- denken pflegen und sich nicht mit eigener lieber« legung Klarheit über eine Sache verschaffen, etwas angeblich positiv Feststehendes als anzunehmende Wahrheit hinzustellen und es ihnen einzuhämmern. Der Bau von Schlagworten steht aber manchmal auch auf tönernen Füßen; sie erweisen sich dann bei näherer Prüfung entweder als falsch oder mindestens als undeutlich. Selbst diejenigen, welche sie prägen, sind sich zuweilen darüber nicht im klaren, was sie ausdrücken wollen, wenn sie nicht gar absichtlich den Ausdruck so wählen, daß er zu den verschiedenartigsten Deutungen und Auslegun- I;en führen kann. Ein klarer Verstand wird sicherlich ür eine bestimmte Sache einen eindeutigen Aus­ruck finden; er wird aber vermeiden, mißverständ­liche Schlagworte in die Welt zu setzen.

Vor, während und unmittelbar nach der Revolu­tion des Jahres 1918 ist besonders mit zwei Schlag- warten grober Unfug getrieben worden. Das eine heißtDrill", das andere .Kadavergehor­sam". Das zweite ist, schon an sich betrachtet, voll­kommener Unsinn. Ein Kadaver ist ein toter Körper, also zu keiner Willensäußerung mehr fähig; deshalb kann er weder gehorsam noch ungehorsam sein. Man wollte mit diesem häßlichen Worte den unbedingten Gehorsam in Mißkredit bringen, und das gelang Urteilslosen gegenüber besonders gut durch das Hinzufügen des Hinweises auf Tod und Leichen.

Aehnlich steht es mit demDrill". Gemeint war die straffe militärische Ausbildung, welche die Truppe von dem bewaffneten Haufen unterscheidet. Eine aut ausgebildete truppe, die noch dazu ihren Vorgesetzten gehorchte, war aber den Drahtzieher« der Revolution unsympathisch, weil ihren Plänen gefährlich. Man erklärte also den Drill für un­nötig, kam damit der menschlichen Faulheit ent­gegen und fand bei Urteilslosen und Böswilligen den gewünschten Anklang. Nur wenige sind sich wohl rechtzeitig darüber klar geworden, was eigent­lich hierbei gefpieü wurde. Es lohnt sich aber viel­leicht doch, darüber nachzudenken, was wirklich Drill und Gehorsam für den Soldaten bedeuten.

Bei dem WorteD r i l V* denken wohl die meisten Leute an langsamen Schritt, Parademarsch und ähnliche schöne Sache«, die Mühe machen, an sich zwar gut aussehen, dem Laien aber doch viel- leicht als unnötiger Ballast bei der Ausbildung des Soldaten erscheinen könnten. Dem ist aber nicht so. Der soaenannte Drill ist in Wirklichkeit die syste- matische Ausbildung von Körper und Geist derart, daß auch in Den schwierigsten Lagen die Herrschaft über beide nicht verloren geht. Man muß einmal zurückdenken, wie das sogenannte Exerzieren entstanden ist. Als das wilde Durcheinanderkämpfen des einzelnen gegen den einzelnen durch den Einsatz geschlossener Truppen­körper im Gefecht abgelöst wurde, mußte diese Truppe auch wissen, was sie in jedem Augenblicke des Kampfes auf den gegebenen Befehl zu tun und auszuführen hatte. Sie mußte also geübt, exer­ziert werden; exerzieren heißt üben. Das war schon nötig, als noch mit Schwert, Lanze und Bogen ge­fochten wurde, und es war genau so nötig, als die Feuerwaffe an deren Stelle trat. Man überlege einmal, wieviel einzelne Handgriffe erforderlich waren, um ein Borderladergewehr schußfertig zu machen. Es ging natürlich nicht an, daß jeder ein­zelne Mann beliebig lange Zeit benötigte, um end­lich mit dem umständlichen Laden fertig zu wer­den; dann wäre die geschloffene Truppe nicht, oder wenigstens nicht rechtzeitig, zum Feuern gekommskn. Deshalb mußte durch unablässiges lieben erreicht werden, daß jeder Mann die Ladegriffe in jeder Lage mit größter Beschleunigung und in der gleichen Zeit wie seine Kameraden ausführen konnte, sie iym sicher und schnell von der Hand gingen.

Man kannte ja bei der Infanterie zunächst nur das Feuern in der geschlossenen Abtei­lung, die Salve; das Feuern des Einzelschüßen kam erst später auf. Die Truppe rückte geschlossen im Exerziermarsch vor, lud im Marsch, hielt, feuerte eine Salve auf Kommando und setzte dann ladend ihre Vorwärtsbewegung bis zur nächsten Salve fort. Auch im feindlichen Feuer geschah das in der gleichen Weife, wenn Gewehr- und Kanonenkugeln Lücken in die Truppe rissen. Ohne eine sorgfältige, bis ins einzelne gehende Einübung von Marsch und Feuertätigkeit wäre die Ausführung sicherlich nicht möglich gewesen. Dieses genaue Neben fand aber nicht nur bei der Infanterie, sondern ebenso auch bei den anderen Waffengattungen statt. Seydlitz und Ziethen hätten ihre Attacken ohne vorausge­gangene sorgfälttge Reit- und Exerzierausbildung nicht reiten können.

Das genaue Heben in allen Zweigen des Waffen­dienstes ist auch heute genau so notwendig wie früher. Ein Tell der seinerzeit für das Feuergefecht unbedingt nötigen Hebungen scheint vielleicht für dieses in gleicher Weise heutigen Tages nicht mehr erforderlich; er dient aber nach wie vor der Forde­rung der Körper- und Geistesausbildung, der Stär­kung der Geschlosienheit der Truppe, der Hebung des Selbstbewußtseins des Soldaten. Andererseits haben die neuen Waffen und die neuen Gefechts­formen auch neue Hebungen notwendig ge­wacht, die gerade bei der heutigen Zersetzung der Truppe in der Weite des Gefechtsfeldes und bei dem Aufsichangewiesensein des einzelnen Kämpfers so geübt, so in Fleisch und Blut übergegangen sein wüsten, daß die Ausführung auch unter den schwie­rigsten Verhältnissen, gewissermaßen automatisch vor sich gehen kann. Jedem einzelnen muß zu­dem eingeimpft sein, daß gerade seine Tätigkeit "für das Ganze nicht entbehrt werden kann, daß er unter feinen Umftänben versagen darf.

Man stelle sich z. B. die Tätigkeit der einzelnen Schüßen am Maschinengewehr vor. Wenn

hierbei nicht jeder Handgriff auf das genaueste und schnellste eingeübt ist, das Gewehr also nicht in Bruchteilen einer Minute in Tätigkeit treten fann, kommt es vielleicht überhaupt nicht zum veuern. Man denke an die Manipulation des Lauf- wechselns im feindlichen Feuer; mit der nötigen Schnelligkeit, Sicherheit und Kaltblütigkeit ist sie nur auszuführen, wenn sie eingehend geübt ist. ®enau so ist es mit der Bedienung des Geschützes. Eine nicht blitzschnell und dabei haargenau z u - s a rn m e n arbeitende Mannschaft würde einem bejjer eingeübten Feinde gegenüber schwer im Nach- !!! - cU-.. Ein ungenau und langsam arbeitendes Flakgeschütz, dessen Mannschaft nicht weiß, worauf es ankommt, würde überhaupt niemals zur Wirkung gelangen. Das sind nur einzelne herausgegriffene Beispiele; sie ließen sich noch in langer Reihe fort» fuhren. Alles das geht also nicht ohne eingehende Hebung, man kann auch sagenDrill". Er ist demnach nicht entbehrlich, sondern im Gegenteil um so mehr unentbehrlich, je mehr der einzelne Kämpfer auf eigenes Handeln angewiesen ist.

Ebenso steht es mit der Disziplin. Unter Disziplin versteht man die Aufstellung gewisser Vor- schriften, die zum Zusammenhalten einer Gemeinschaft dienen sollen und befolgt wer­den müssen, denen also Gehorsam geleistet wer­den muß. Gehorsam bedeutet demnach, einer Vor­schrift, einem Zwang sich fügen. Das ist manchem unbequem; er empfindet es unangenehm, wenn er aus feiner Bequemlichkeit herausgestört wird und wenn er etwas tun soll, was ihm nicht paßt. Er möchte entweder sich dem Zwange entziehen, also nicht gehorchen, oder selbst bestimmen, was er tun soll oder will. Natürlich ist mit einem solchen Ver­halten gleichzeitig auch ein Urteil über das Ange­ordnete und den Anordnenden verbunden. Für militärische Verhältnisse ist das völlig untragbar. Es kann nicht jedem einzelnen das Recht zugebilligt werden, darüber zu entscheiden, ob er einen ge­gebenen Befehl ausführen will ober nicht, oder daß er mitzureden hat, ob etwas getan werden ober geschehen soll ober nicht. Bei einem berartigen Ver­fahren mürbe* jede Führertätigkeit aufhören. Der militärische Führer trägt Die Verantwortung,

nur sein Befehl kann dafür maßgebend sein, ob eine Handlung zu geschehen hat und wie sie zu ge- schehen hat, und dem Befehl muß unbedingt ge­folgt werden. Es ist das Recht des Führers, dies zu fordern, und es ist Pflicht jedes Untergebenen, dem nachzukommen.

Natürlich ist der Fall denkbar, daß während bep Ausführung eines Befehls Verhältnisse eintreten, bie ber Führer zur Zeit ber Befehlserteilung nicht voraussehen konnte. Das entbindet ben Unter­gebenen keineswegs von ber Ausführung bes Be­fehls, fonbern er muß in solchem Falle nach eigenem pflichtmäßigen Ermessen sich barüber schlüssig werben, ob und auf welchem anberen Wege, als bem ursprünglich vorgesehenen, trotz ber oeränberten Lage unb ber etwa eingetretenen Hinbernisse ber Befehl sinngemäß ausgeführt werben kann. Geforbert wirb also nicht stumpfe Ausführung eines Befehls, fonbern bie planvoll überlegte. Kein Führer ober Vorgesetzter, ber ben Namen eines solchen oerbient, wird einen sinnlosen Befehl geben; er wirb sich vielmehr genau über­legen, was er erreichen will, wie er es erreichen kann unb was er banach von feinen Untergebenen forbern muß. Kennen bie Untergebenen aber ihren Führer, haben sie Vertrauen zu ihm unb wissen sie, baß seine Befehle reiflicher Heberlegung ent­springen, so werben sie auch bedingungslos Folge leisten. Das Ganze zusammen ergibt bann bie disziplinierte Truppe, bie unbedingten Gehorsam leistet. Es ist oben schon gesagt worden, baß unb weshalb bas häßliche Wort Kadavergehorsam völlig töricht ist. Aber es lag ben Hintermännern ber Revolution baran, bie Disziplin zu untergraben unb ben Gehorsam zu beseitigen; denn sie wollten sich nicht ber Gefahr aussetzen, einer bisziplinierten Truppe gegenübertreten zu müssen. Deshalb wurde versucht, bie Disziplin verächtlich zu machen. Eine Truppe ohne Disziplin unb ohne Hebung im Waf- fenbienft ist wertlos; je schwieriger bie Verhältnisse sinb, um so mehr ist beibes nötig. Unser junges Reichsheer wanbeit auf ben alten Pfoben; Disziplin unb Hebung sinb auch bei ihm v ie Grunb- Pfeiler ber Ausbilbung.

Ein verhüllter Segen.

Don Dr. Max Krull.

Deutschlands diplomatischer Vertreter in London hat die jüngstvergangene Krise' einen verhüllten Segen genannt, er tat bas vor einer Gesellschaft, in ber sich führende englische Persönlichkeiten befanden. Dieses Wort findet seine Berechtigung nicht nur in ber Tatsache, baß die Krise ber Ausgangspunkt für eine Verstcinbigung zwischen den beiben Völkern werben kann, sondern auch in den unmittelbaren Auswirkungen auf bie gesamteuropäische Lage, bie schon heute sichtbar werben. Die Münchener Zu- fammenkunft ist ber Markstein einer entscheibenben Gesunbung in ber Entwicklung Europas überhaupt geworden. München war eben boch kein zwei- tes Versailles, wie viele seiner Wibersacher es einer durch das Unwetter einer abziehenden Kriegsgefahr noch erschütterten und deshalb in ihrem Urteil noch unsicheren Welt einreden wollten. Mün­chen ist nicht das Produkt einer deutschen Gewalt­drohung unb der brutalen Ausnutzung eines macht- mäßigen Uebergewichts, sondern die Wiederaufrich- tung einer ins Schwanken geratenen und gebeugten Gerechtigkeit, und die Herstellung eines Ausgleichs ber natürlichen Interessen zweier benachbarter Vol­ker. Es ist selbstverstänblich, baß mit diesem Reini­gungsprozeß alle zwischenstaatlichen Kombinationen zusammenbrechen mußten, bie im ber Aufrecht­erhaltung des alten Zustandes ihren Endzweck hat­ten und diesem ihre Existenz verdankten. Auch bas ist ein Segen für Europa, besten Große immer er­kennbarer wird.

Deutschland, bem man bie Absicht nachgesagt hatte, es wolle mit dem Schwert bie Welt erobern, hat sich in seinen Zielen auf feinen Volks- raum beschränkt. Das kann heute nicht mehr bestritten werben, wenn auch einige Weltvergifter bie von ihnen erzeugte Angstpsychose immer noch zu neuen Hetzereien gegen Deutschland auszunutzen trachten, wie der amerikanisch-jüdische Finanzier Baruch, der die Leichtgläubigkeit gewisser Leute da­durch auf die Probe stellt, daß er frech behauptet, das Reich trage sich mit Eroberungsplänen in Süd­amerika. In Wirklichkeit hat Deutschlands Haltung gegenüber der neuen Tschecho-Slowakei bewiesen, daß es den nationalen Jyteressen seiner Nachbarn volle Achtung entgegenbringt, in einem Maße, daß heute schon die Prager Regierung mit allen Kräften und abgesehen von der ungarischen Frage, die geregelt werden muß und wird ohne von feinen Nachbarn behindert zu werden, sich cm den Neu­aufbau des Staates heranmachen und feine natür­lichen Wirtschaftsbeziehungen wieder in Ordnung bringen kann. Die Loyalitätserklärung des tschecho­slowakischen Außenministers ist deshalb wohl auch nicht ber Ausbruck einer gewissen Opportunitäts­politik, die aus bem Gefühl mangelnber Sicherheit und eines weiter bestehenben beutschen Druckes hätte geboten erscheinen können, fonbern paßt vollkommen in die gesunde Entwicklung, die Deutschlanbs-Po­litik im Herzen Europas angebahnt hat. Sie ver- bient beshalb auch ernst genommen zu werden. Ge- rabe in biefer Erklärung liegt ein Moment einge» schlossen, das das Wort vom verhüllten Segen noch in anberem Sinne rechtfertigt. Inbem Frankreich unb England sich in München bem beutschen Stanb- punft anschlossen, brach das von Frankreich in Mit­tel- und Osteuropa aufgebauteSicherheitssystem" zusammen, die Tschecho-Slowokei bekam freie Hand, ihre zwischenstaatlichen Beziehungen nach ihren Bedürfnissen neu zu ordnen, und bie Sowjetunion verließ Europa. Es ist gleichgültig, ob bem Sow­jetvertreter in Prag eine offizielle Erklärung bar­über abgegeben wurde, daß man an dem Pakt mit

I Moskau nicht festzuhalten wünsche ober nicht, aus­schlaggebend bleibt die Tatsache, daß Deutschland heute auf Grund seiner geographischen Lage und der damit zusammenhängenden natürlichen Gegebenhei­ten die entscheidende Kontinentalmacht im Herzen Europas geworden ist.

Das wird auch von Frankreich anerkannt werden müssen. Die schwere Niederlage, die die ver­einten Anstrengungen Deutschlands und Italiens Moskau in Europa beigebracht haben, hat auch ihre Rückwirkungen auf Frankreich, das nicht auf bie Dauer von Illusionen leben kann. Frankreich befin­det sich im Zustande der inneren Sammlung, es denkt darüber nach, wo seine eigentlichen Interessen liegen, und es wird zu dem Ergebnis kommen müs­sen, daß es Interessen auch nur auf seinen na­tionalen Raum und in seinem großen Kolonialreich besitzt, mit einem Worte, daß Frankreichs Grenze am Rhein und an der Maas, nicht aber an der Donau, an der Weichsel ober gar am Kaukasus zu suchen ist. Der Gedanke, baß bie auf ihren nationalen Raum beschränkte Moldau­republik nunmehr eine zwar kleinere, aber deshalb um so festere Bastion Frankreichs geworden sei, hat sich schnell verflüchtigt und einer nüchternen Den- kungsweise Platz gemacht.

Natürlich können Ideen, die das französische Den­ken jahrzehntelang beherrschten, nicht von einem Tage auf den anderen ausgerottet werden, und des­halb findet man immer wieder noch in Frankreichs Presse Ansichten vertreten, es ließe sich an Deutsch­lands Ostgrenze vielleicht ein neuer Staatenblvck organisieren, der FrankreichsSicherheit" ver­stärkte. Aber die so umworbenen Oststaaten werden sich mit Recht fragen, ob sie ihrer eigenen Sicher­heit damit die gleichen Dienste leisten würden, und das Beispiel des früheren Benesch-Staates wird ihnen eine klare Antwort geben. Frankreichs alte Begriffe sind ins Schwanken geraten, das kann man schon aus der Tatsache schließen, wie Herriot und andere Heroen einer vergangenen Zeit das frühere System zu verteidigen sich genötigt sehen. Es sind die Ideologen, die lieber Frankreich zugrunde gehen lassen würben, wenn nur bie Demokratie unb die kollektive Sicherheit gerettet werden, und die nur ein Gegenstück in dem Husarenritt des Grafen von Paris in den Forst bei Paris finden, wo er, der bourbonifche Prätendent auf einen nicht vorhande­nen Thron, Pressevertretern Ratschläge für eine bessere Außenpolitik erteilte, um sich dann vor der Polizei rechtzeitig in sein schützendes Exil nach Bel­gien in Sicherheit zu bringen. Es war ein franzö­sisches Blatt, berMatin", bas ben Zeitpunkt für geeignet hielt, feine Landsleute baran zu erinnern, daß Frankreich eine we st europäische Macht sei, bereu Lebensinteressen, Kraft und Zukunft i m Westen, im Mittelmeer und in Afrika liegen. (Niemals wird Deutschland daran denken, in diesen i Räumen Frankreichs Wege zu kreuzen unb seine Kulturarbeit zu stören. Aber bie Tatsache, daß Frank­reich im Westen Europas liegt, ist so trivial, baß sie | offenbar von Zeit zu Zeit wieber neu ent­deckt werden muß, unb derselbeMatin" hat heute schon den Mut, zu erklären, daß jede andere poli­tische Denkungsweise Kombinationen von Größen­wahnsinnigen ober von Theoretikern seien.

Wer unter Gleichgewicht bie volle Auswir­kung ber bei den einzelnen Nationen vorhandenen wirtschaftlichen und völkisch-ethischen Kräfte in ihren natürlichen Räumen versteht, der wird zugeben müssen, baß es ben Ansatz zu einem wahren europäischen Gleichgewicht erst seit München gibt.

Das bezieht sich gerade auch auf die Ordnung der wirtschaftlichen Beziehungen, die durch die Sudost­reise des Reichswirtschaftsministers Funk eingeleitet wurde. Es wird nicht bestritten, daß Deutschland hier Boden gewonnen hat, aber der Vorteil ist auf beiden Seiten, und Deutschland hot hier Lücken ausgefüllt, die trotz aller englischen Kreditpropa­ganda und trotz aller politisch gefärbten französi­schen Handelsbemühungen offen geblieben waren, denn deren wirtschaftliches Schwergewicht lag nicht in diesen Gebieten, es lag von jeher für England in seinem Weltreich und für Frankreich in den Ko­lonien. Immer wieder, und zuletzt noch von der Internationalen Handelskammer in Paris ist betont worden, wie wichtig für die Gesundung der Welt die Erweiterung des Welthandelsvo­lumens ist, und in früheren Zeiten wurde bei dieser Gelegenheit gern auf den hinderlichen Einfluß autarker Wirtschaftsmethoden hingewiesen. Es wird also nicht angängig sein, daß nunmehr, nachdem Deutschland sein gut Teil zur Verbesserung zwischen­staatlicher Wirtschaftsbeziehungen beizutragen im Begriffe steht, jetzt wieder eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Furcht erzeugt wird, um diese Arbeit zu stören, zumal sie andere Wirtschafts­beziehungen ernstlich gar nicht stört.

Aber englische Vorstellungen von europäischem Gleichgewicht sind immer anderer Art gewesen. Englische Gleichgewichtspolitik hieß stets sich ge­gen bie Kontinentalmachtzu menben, die i m Aufstieg begriffen war. Solche Tenbenzen hören wir heute noch aus ben Reben ber Churchill unb Genossen heraus, aber es soll auch als ein Fort­schritt verbucht werben, wenn bas amtliche England heute jede Einkreisungspolitik gegen Deutschland ab­lehnt und offenbare Schritte unternimmt, um ben guten Anfang von München nicht in einer Flut neuer Verdächtigungen untergeben zu lassen. Auch gegenüber dem Aufrüstungslärm, der gerade jetzt in England vollführt wird, wird Deutschland weni­ger empfindlich sein können, wenn er das Sicher» yeitsgesühl der Engländer vermehrt, obwohl man nicht übersehen wird, daß die Art der Begründung und der Propagierung ber Rüstungen nicht gerabe zur Beseitigung ber Furcht in ber übrigen Welt bei­trägt unb an ben guten Willen unb bie Nerven Deutschlanbs starke Ansprüche stellt. Hierbei ist Vor« aussetzung, baß nicht eine militärische Stärke ange­strebt wirb, bie England in die Lage versetzen soll, ihm eine Schiedsrichterrolle über ganz Europa zu sichern. Das würde nach deutscher Auffassung dem Grundsatz des Gleichgewichts unb ber Gleichberech­tigung roieberum zuwiberlaufen.

England unb Frankreich machen heute Anstren­gungen, um auf innerpolitischem Gebiet ber neuen außenpolitischen Lage gerecht zu werben. .In beiden Ländern nähert man sich dabei Anschauungen, deren Realisierung in Deutschland man in der Vergangen­heit zu tadeln gern und leichtfertig bereit war. Wenn heute große Kreise in Frankreich eine Stär­kung der Autorität ber Regierung verlangen, wenn in England aroße Blätter erklären, bas Lanb sei bereit, beträchtliche Einschränkungen ber persönlichen Freiheit hinzunehmen ober sogar zu forbern, bann wird man das in Deutschland mit Zustimmung, wenn auch nicht ohne Verwunderung vernehmen. Vielleicht war München auch ein Anlaß für die Demokratien, über Vorteile und Nachteile der deut­schenDiktatur" seine Ansichten einmal zu über­prüfen. Das wäre bann in ber Tat ein enthüllter Segen.

Die Narrenkappe.

Die Sache mit dem Kutz.

Ich möchte wohl wissen", sagt er,was Sie tun würben, wenn ich Ihnen jetzt einen Kuß gäbe." Ach", erroibert sie,wenn Ihnen wirklich baran läge, bas zu wissen, wüßten Sie es jetzt schon."

Der Kamelritt.

Gustav Nachtigal, der große deutsche Afrika- reisende und Kolonialkämpfer, liebte es nicht, über feine afrikanischen Erlebnisse ausgefraqt zu werden. Einmal kam er mit einem jungen Kaufmann ins Gespräch, der von der Romantik einer Wüstenreise schwärmte.

Ein Kamelritt durch die Wüste muß boch un­geheuer poetisch sein!" rief er.Beschreiben Sie dies Erlebnis boch einmal, Herr Nachtigall"

Der ließ sich roiber Erwarten hierzu herbei.

Nehmen Sie einen Ihrer Drehschemel", sagte er, aus dem Kontor Ihres Vaters, drehen Sie den Sitz so hoch wie möglich, setzen Sie den Schemel auf einen Leiterwagen ohne Federn und sich selbst auf den Sitz. Auf diesem Gefährt fahren Sie im Juli oder August bei glühender Mittagshitze, nach­dem Sie 24 Stunden vorher gehungert und ge­durstet haben, über ein umgepflügtes Kartoffel­feld bann haben Sie einen ziemlich klaren Be­griff von einem Kamelritt!"

Der Jüngling war von seiner Sehnsucht geheilt.

Unerwartete Antworten.

Währenb des Weltkrieges kämpfte eine Division, bie aus österreichischen unb bayerischen Regimentern zusammengesetzt war, in den Karpathen.

Der Divisionskommandeur besprach mit feinen Stabsoffizieren die militärische Lage. Es war ein sehr ruhiger Taft, weher auf der eigenen, noch auf der feindlichen Seite fiel ein, Schuß.

Plötzlich wurden die Ausführungen des Divisio­närs durch heftigen Geschützdonner unterbrochen. Das ist ja unsere Artillerie!" rief der General­leutnant verwundert.Es liegt boch kein Feuer- befehl vor!"

Er eilte an bas Telephon, verlangte bas Artil- leriefommanbo unb rief, in ber Eile weder Rang noch Namen angebenb, zornig in bie Telephon­muschel:Zum Teufel, warum wirb benn ge­schossen?"

Weil Krieg ist, du Depp!" erwiberte am anderen Ende bes Drahtes eine ruhige Stimme ...

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