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Systematische Ausplünderung des Sudetenlands.

Oie Tschechen setzen ihren brutalen

Aussig, 28. Sept. (DNB.) In Aussig haben die Behörden begonnen, das gesamte Behür» deneigentum, insbesondere auch sämtliche Akten ins Innere des Landes abzu- transvortieren. Auch die Unterlagen über die etwaiae Volksabstimmung, insbesondere die Unterlagen über die Einwohner, die ihren Wohnsitz 1918 im sudetendeutschen Gebiet hat­ten, wurden sorgfältig gebündelt und auf Lastwagen entfuhrt. Ferner sind tschechische Militärkommandos vor den Gemeindehäusern der Dörfer vorgefahren, um auch dort die Einwohnerkarteien und alle Gemeindeakten a u beschlagnah­men, die über den Besitz und Einwohnerstand von 1918 Auskunft geben.

Die Ausplünderung des suüetendeutschen Gebietes ist systematisch fortgeführt worden. Sämtliche Vorräte an Fertigwaren, Wolle. Zell- wolle und Ab fall st offen mußten sofort transportfertig gemacht werden. Mittwoch wurden über 100 Waggons zum Abtransport bereit- gestellt. Die Hammerwerke m Türmitz wurden ange­wiesen, ihre gesamten Maschinen abzu- brechen und ins Innere des Landes au überfüh- ren. In mehreren anderen Aufsiger Fabriken wur­den größereSprengladungen bereitgestellt, um die Maschinen und Fabrikationsanlagen auf An- Weisung von Prag in die Luft zu sprengen. Die Bahndirektion von Mährisch-Ostrau traf die An­weisung, das gesamte rollende Material auf einem Streifen von 30 Kilometer längs der Grenze sofort zurückzuziehen und es in das Innere des Landes zu überführen. Der Personen­verkehr ist einzustellen. Truppentransportzüge sollen schnellstens entladen und sofort in das Innere des Landes zurückgeführt werden. In Graslitz, Ober- leutensdörf, Aussig, Teplitz, Teschen, Chodau und anderen Orten wurden die Vorsteher der B a n k - und Sparkassenfilialen gezwungen, die Tresorschlüssel herauszugeben. In Oberleu- tensdorf wurde der Tresor gesprengt, weil der Leiter der Sparkasse den Schlüssel beseitigt hatte. Von dem tschechischen Militär würben dann die Banktresore von dem Privateigentum zahlreicher Sudetendeut­scher völlig aus geraubt. Quittungen über das geraubte Eigentum wurden nicht ausgestellt. Sämtliche Wertsachen wurden auf Lastkraftwagen in Kisten abtransportiert.

Raubzug in den Grenzgebieten fort.

Schreckenstage

aus einem deutschen Gut.

TschechischeSoldaten" hausten wie Räuber

Asch 29. Sevt. (DNB.) Die Sicherungslinie, die den befreiten Ascher Bezirk gegen Rückkehroersuche des tschechischen Militärs zu schützen hotte, wurde Mittwoch am rechten Flügel etwas nach vorn ge- schoben. Dabei gelang es, dos große Gut Sorg­hof bei Liebenstein, das nun bereits seit zwei Ta­gen und Nächten im Feuerbereich beider Fronten gelegen hat, zu besetzen. In dem Hof waren bis vorgestern die tschechischen Panzerwagen, die immer wieder in der Richtung gegen die.Ascher Sicherungslinie gefeuert hatten, wie überhaupt in der ganzen Sicherungslinie während der vergange­nen beiden Nächte die Gefechtstätigkeit recht lebhaf war. Es sind auf beiden Seiten Verletzte zu ver­zeichnen. Der befreite Sorghof ist entsetzlich zu- gerichtet. Er hatte zwei Nächte die schweren Beschießungen über sich ergehen lassen müssen. Zahl- reiche Rinder und Schweine sind getötet worden. Die Einrichtung ist gänzlich demoliert. Das Mauerwerk weist zahllose Einschläge durch Geschosse der leichten Infanteriegeschütze auf. Der Bruder des Pächters, Dr» Pascher,'und einige landwirtschaftliche Arbeiter wurden von der tschechischen Soldateska, die den Hof besetzt hatte, in der unmenschlich st en Weise behandelt. Dr. Pascher mußte sich, als die Tschechen anrückten, an die Wand stellen und die Hände in den Nacken legen. Man drückte ihm eine Pistole an die Stirn, und von zwei Seiten legte man ihm die Bajonettspitzen an die Brust. So wurde er durchsucht, die Sonaten nahmen ihm die Fingerringe, die "Uhr, das Geld und alle son­stigen Wertgegenstände weg. Dann führte man ihn und das Gesinde zum nahen Wald, zweifellos in der Absicht, die Leute zu erschießen. Dort befand sich der Kommandant von Eger, Major Blaha, ein Bekannter Pr. Paschers, der das Aergste abwendete. Die Soldateska mußte auf Befehl des Majors dem Beraubten die Wertgegenstände zurückgeben. Da­gegen ist natürlich die gesamte Habe des Gutsbe­sitzers aus der Wohnung weggeschleppt. In der Nacht zogen bann die Tschechen ab, und Mittwoch­mittag wurde das Gehöft durch das sudetendeutsche Freikorps besetzt.

Haltung der heutigen Morgenpresse auf den Gene­ralnenner eines Optimismus mit Vorbe­halten bringen. Einige Blätter glauben bereits zu wissen, wie der neue Plan, über den die Viermächtekonferenz" zu beschließen hat, aussehen wird, und daß die englische Regierung diesen Plan ausgearbeitet habe.

DieTime s" sagt, daß heute der schärfste aller Streitfälle, ein völkischer Streitfall, dem Rat der vier Nationen übergebe werde, in deren Macht bzw. Willen es liege, nicht nur eine gerechte und fried­liche Regelung zur Beilegung der tschechischen Be- fürchtunaen und der deutschen Beschwerden zu fin­den, sondern Europa endlich auf den Weg eines vereinten und ordentlichen Wiederaufbaues zu führen DerDaily Telegraph" meint, bei dem Willen zum Frie­den fei es möglich, eine Verständigung zu^erzielen. Die Atempause, die jetzt sichergestellt sei, T)abe die Erwartung gesteigert, daß die tschechische Frage end- gültig geregelt werden würde, und daß die Münche­

ner Besprechung das bestätigen und konsolidieren werde, was so glückhaft begonnen habe. Alle Hoff­nung und Zuversicht, die sich an die Münchener Besprechung knüpfe, werde pergeblich sein, wenn eineRegelung" erreicht werde, die in wenigen Monaten zu einem Wiederaufleben der gegenwär­tigen Unruhen führen würde.News Chro - nicke" meint, daß es niemanden in der ganzen Welt gäbe, der sich nicht freue, daß der Schatten des Krieges wenigstens für den Augenblick ge­schwunden fei. Aber gerade wegen der Größe der Gelegenheit müsse man sorgfältig alle Folgerungen abroägen.Daily M a i r meint, daß es fast un­möglich fei, anzunehmen, daß diese entscheidende Besprechung in München nichts Positives erbringen könnte und derD a i l y E x p r e ß" vertritt die Ansicht, daß jetzt nicht nur die Aussicht bestünde, den Konflikt zwischen den Deutschen und Tschechen beizulegen, sondern daß man hoffen dürfe, daß man in konstruktiver Art auch an eine weitere Versöhnung Herangehen dürfe.

Das Echo in Paris.

Noch nicht zu spät für einen Weg der Vernunft.

Paris, 29. Sept. (DNB. Funkspruch.) Alle Blätter sind sich der überragenden Bedeutung der Münchener Zusammenkunft bewußt, man kann wohl sagen, daß auch gerade die Pariser Presse trotz ihres bisherigen gegenteiligen Verhaltens die Nach­richt m i t Z u st i'm'm ung und Begeisterung aufnimmt.Der Beschluß dieser Zusammenkunft, der am Abend eines an angstvollen, an Irrungen reichen Tages bekannt geworden ist, hat sofort zu einer gewaltigen Beruhigung b e i g e - trage n", schreibt das Journal.Nein, die Brücken sind nicht abgebrochen", liest man im Oeuvre und imHomme libre",Europa atmet wieder a u s". Wenn die Blätter auch noch davor warnen, man möge vor Bekanntwerden des Ergebnisses die­ser Zusammenkunft keinen übertriebenen Optimismus an den Tag legen, fo muß man doch feststellen, daß die Hoffnung, daß aus dieser Zusammenkunft in München der Friede hervorgehen möge, diese Hoffnung, unter deren Eindruck die Pa­riser Bevölkerung bereits seit den Nachmittagsstuw den des Mittwoch gestanden hat, sich in der Tat auch voll und ganz in der Morgenpresse widerspiegelt.

So heißt es imM atin", der Mittwoch sei ein schlechter Tag für die Kriegshetzer gewesen Wieder einmal habe sich der Frieden gestärkt. Man mußte an der menschlichen Vernunft verzweifeln, wenn Daladier, Chamberlain, Hitler und Mussolini, wel­ches auch immer die üblen Erinnerungen aus der Vergangenheit und die schlechten Leidenschaften der Gegenwart seien, nicht zu einer Einigung gelangen würden. Für einen Weg der Vernunft sei es durchaus nicht zu spät. Kein Volk habe mit einem Krieg etwas zu gewinnen, alle Soi­

fer aber hätten durch den Krieg etwas zu verlieren. Ein einziger Mann, eine einzige Doktrin nur wür­den die Nutznießer eines solchen Krieges fein, und dieser Mann sei derjenige, der bereits mit Blut be­sudelt in den Tiefen des Kremls versteckt bleiben würde und die Doktrin fei jene, die die" Zivilisation vernichtet haben würde. Schließlich wendet sich der Matin" erneut gegen tendenziöse Meldungen und fragt, warum der französische Rundfunk die Cham- berlainrede verstümmelt habe. Wenn bas Le­ben von Millionen von Menschen auf dem Spiele stehe, fei solches Spiel nicht zulässig.

Journal" spricht von einer großen Hoffnung und schreibt, die amtliche britische Feststellung zeige, daß das Godesberger deutsche Memorandum den eng­lisch-französischen Plänen sehr viel mehr gleiche, als man gedacht habe.Jour" meint, feit Mittwoch fei der Krieg nicht mehr unvermeidlich. Die Münchener Besprechungen würden ein oder zwei Tage dauern und bann werde die Befreiung da sein.Petit Parisien" schreibt, die internationale Spannung habe in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch ihren Höhepunkt erreicht. Als Außenminister Bonnet am Mittwochabend die britischen Pressevertreter emp­fing, habe er auf seine große Genugtuung darüber hingewiesen. baß biefer große internationale Streit sich jetzt auf eine Verständigung hin orientiere. In gut unterrichteten Kreisen sei man der Ansicht, daß die vier Regierungschefs, wenn sie erst einmal am gleichen Tisch versammelt seien, dienötigen For­meln" finden werden, um das sudetendeutsche Pro­blem in seiner Gesamtheit zu lösen und die Uebergobe dieses Gebietes ans Reich zu erleichtern.

Frankreichs Frontkämpfer für den Frieden

P a r i s, 28. September. (DNB.) Abgeordnete der rechtsgerichteten Opposition begaben sich zum Ministerpräsidente nD a l a d i e r. Die Abgeor^ neten haben darauf bestanden, Daladier möge sich dazu verpflichten, ohne vorherige Befra­gung des Parlaments weder die allgemeine Mobilmachung noch eine dieser gleichkommen­den Maßnahme noch irgendwelche Handlung durch- zuführen, welche die Zukunft des Landes schwer­wiegend binden könnte. Der Ministerpräsident antwortete, der Beschluß einer allgemeinen Mobil­machung stelle ein Vorrecht der Regierung dar. Darauf begab sich die Abordnung zum Präsi­denten Lebrun. In einer Verlautbarung warnen die Abgeordneten die Bevölkerung vor dem syste­matischen Feldzug von Falschmeldungen von Leitungen und unkontrollierten Rundfunksendern,

die versuchten, die Allgemeinheit von einer angeb­lichen Unvermeidlichkeit eines Krieges für Frankreich zu überzeugen. Mit diesen Falschmel­dungen sei die öffentliche Meinung in Frankreich i n d i e Irre geführt worben, was gewisse Tat- beftänbe betreffen, von benen bas Schicksal bes Lan­des unb bas Leben der Kinder Frankreichs abhänge.

Die Vereinigung derF e u e r f a m e r a b e n" hat bem französischen Ministerpräsidenten D a l a - di er als ehemaligem Frontkämpfer von Verdun eine Entschließung übermittelt, in der es heißt: Die Feuerkameraden", ehemalige Frontkämpfer, die für außerordentlichen Heldenmut ausgezeichnet wurden, und die in ihren Rei­hen zwei Großoffiziere der Ehrenlegion, 14 Kom­mandeure der Ehrenlegion, 97 Offiziere, 322 Ritter der Ehrenlegion, 471 Inhaber der Militärmedaille

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