und 420 besonders ausgezeichnete Frontkämpfer zählen, die die legitimen Erben der To * ten des Krieges sind, glauben die Durchführung des Testaments, das ihnen übertragen wurde, nicht länger hinausschieben zu können. Dor fast 20 Jahren habe das namenloseste Blutbad ein Ende genommen. Die traurige Bilanz dieses Ringens mahne alle eindringlich. Die „Feuerkameraden", die sich auf ihre Rechte und Pflichten ebenso wie auf die einhellige Zustimmung aller wahren Franzosen stützen, seien fest entschlossen, durch alle Mittel ein neues, vom Judentum befohlenes Massenschlachten zu verhindern. Ihrer Verantwortung bewußt, wenden sie sich deshalb erneut, an den Ministerpräsidenten mit der Aufforderung, unter Beibehaltung der augenblicklichen Sicherheitsmaßnahmen die militärischen Operatio- nen,diezumKriege führen könnten, nicht w e i t e r f o r t z u s e tz e n. Der Ministerpräsident möge ferner der P.resse, die sich ausschließlich, ob nun von rechts oder von links, in jüdischen Händen befinde, Anweisung erteilen, ihre Hetzkampagne aufzugeben. Sie fordern außerdem unverzüglich Konzentrationslager für d i e lästigen Ausländer und Juden, die im Herzen des Landes den Platz der zur Front einberufenen Brüder einnahmen.
Chamberlain
nach München abgeflogen.
London, 29. Sept. (DNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Chamberlain hat Donnerstag um 8.40 Uhr den Flugplatz Heston verlassen, um sich zum Führer und Reichskanzler nach München zu' begeben. In seiner Begleitung befinden sich Sir Horace Wilson, Str William Malkin, Ashton G w a t k i n und William Strang, sowie seine Prioatsekretllre Lord Dun« glaß und Syer.
Schon in den frühen Morgenstunden sammelte sich eine große Menschenmenge vor dem Hause des Premierministers, Downing-Sireet Nr. 10, an. Die große Erleichterung, die sich seit dem Bekannt- merüen der Nachricht vom Besuche Chamberlains beim Führer so fühlbar bemerkbar gemacht hatte, sprach auch heute morgen aus den begeisterten Ovationen, die man dem Ministerpräsidenten entgegenbrachte, als er die Vorbereitungen für seinen Abflug traf. Immer wieder rief die Menge: „Gute r , a l t e r Chamberlain", und winkte mit Taschentüchern.
Auf dem Flugplatz Heston hatten sich lange vor der Ankunft des Premierministers viele Menschen angesammelt, um Chamberlain bei seinem dritten Flug nach Deutschland Glück zu wünschen.
Eine Reihe von Kabinettsmitgliedern und hohen Kommissaren war ebenfalls in Heston zur Verabschiedung eingetroffen: unter ihnen befanden sich Außenminister Lord Halifax, Schatzkanzler Sir John Simon, Landwirtschaftsminister Morrison, Kolonialminister M a c d o n a l d und der Kriegsminister. Große Beachtung fand auch die Anwesenheit des italienischen Botschafters Grafen Gran di. Von deutscher Seite verabschiedeten sich der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Dr. Kordt und andere Beamte der deutschen Botschaft von dem Ministerpräsidenten.
Als Chamberlain das Flugzeug bestieg, sagte er: ,Als ich ein kleiner Junge war, pflegte ich zu sagen: Wenn du beim erstenmal keinen Er
folg hast, versuche es immer wieder. Das tue ich auch jetzt."
Als das Flugzeug sich erhob, brach die Menschenmenge in große Ovationen für den Ministerpräsidenten aus, ließ ihn mehrfach hochleben und rief immer wieder: „Guter, alter Chamberlain! Rufe wie „Gott sei mir dir", „Gute Reise" usw. konnten immer wieder gehört werden.
Daladier
auf dem Flug nach München.
Paris, 29. Sept. (DNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Daladier ist am Donnerstagvormittag um 8.45 Uhr vom Pa.riser Flughafen Le Bourget nach München abae flogen. In seiner Begleitung befinden sich sein Kabinettsdirektor Clapier, der Generalsekretär des Außenministeriums L 6 g e r und der Unkerdirektor für europäische Angelegenheiten im Quai d'Orsay, R o ch a t. Der Ministerpräsident war in Begleitung von Außenminister Bonnet, Kriegsmarineminister Cam- p i n ch i, des britischen Botschafters P h i p p s und des britischen Militärattaches auf dem Flugplatz erschienen. Unter den anwesenden Regierungsmitgliedern bemerkte man ferner den stellvertretenden Ministerpräsidenten C h a u t e m p s, Luftfahrtmmister Guy la Chambre, den Polizeipräfekten von Paris. •
. Der deutsche Geschäftsträger Botschaftsrat Dr. Bräuer, der sich ebenfalls eingefunden hatte, sprach dem französischen Ministerpräsidenten vor Besteigen des Flugzeuges sei ne besten Wünsche für" das Gelingen seine Reise aus. Daladier dankte ihm herzlich und schüttelte ihm mehrmals kräftig die Hand. Zahlreiche Anwesende, darunter vor allem Journalisten und Bildberichterstatter riefen beim Abschied: „Es lebe der Friede, es lebe D a l a d i e r!" Das Flugzeug, mit dem Daladier und seine Begleitung nach München abgeflogen sind, ist eine zweimotorige Bloch-220-Maschitte der „Air France", die von dem Piloten Durmond gesteuert wird. Bevor tas Flugzeug zum Start ansetzte, erwies eine Kompanie der Laftwaffe die Ehrenbezeigungen. Das Flugzeug erhob sich um 8.45 Uhr vom Boden.
Tschechische Soldateska besetzt
Karwiner Muflriewerke.
Polnische Arbeiter gewaltsam vertrieben.
K a t t o w i tz , 29. Sept. (DNB. Funkspruch.) Mittwoch wurden im Karwiner Revier die hauptsächlichsten Jndustriewerke von den Militärbehörden in Verwaltung genommen. Tschechische Soldateska und rote Wehr haben die Fabrikgebäude besetzt. Mehrere tausend polnische Arbeiter wurden gewaltsam von ihren Arbeitsplätzen entfernt. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen. Insgesamt wurden 18 Polen schwer verletzt und zwei Tschechen getötet. In vielen Fällen griff die vertriebene polnische Arbeiterschaft zur Notwehr und vernichtete dabei auch industrielle Anlagen. Bemerkenswert ist, daß die verbliebenen tschechischen Restbelegschaften die Bewachung durch die rote Wehr a bge lehnt haben und verschiedentlich in P r o t e st st r e i k eingetreten sind. Da sie am Verlassen der Betriebe ge
waltsam gehindert wurden, kam es zu blutigen Zusammenstößen mit dem Militär und der roten Wehr. Auf beiden Seiten gab es Verluste.
Oer Herr Staatspräsident.
Der Führer hat am Montagabend u. a. auf den Gegensatz zwischen der Drückebergerei des Herrn Benesch in der Kriegszeit und seinem eigenen Frontkämpfertum hingewiesen. Wie der Hilfslehrer an der Prager Handels-Akademie Dr. Benesch 1915 mannhaft ins Ausland flüchtete, während seine Landsleute unter den Waffen standen, ist bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, daß er den Tip zur rechtzeitigen Flucht dem damaligen Prager Polizei- chef, einem Tschechen, verdankte. Während nun seine eigenen Landsleute an der Front standen, trieb sich Herr Benesch in den politischen Salons Frankreichs und der Schweiz herum. Aber nicht etwa nur konspirierender Weise! Der Mann mit dem falschen Paß und dem völligen Mangel an persönlichem Ehrgefühl, schätzte es in dieser Zeit, in der seine Landsleute bluteten, außerordentlich wie auch heute noch, sehr gut zu essen, sich sehr gut zu kleiden und darüber hinaus sich keinerlei sonstiges Vergnügen jeder Art zu versagen.
Was dem Deserteur recht war, war dem tschechischen Außenminister billig und dem Heitn Staatspräsidenten nicht weniger genehm. Kein Wunder, daß beispielsweise 1929 das Prager Parlament einen ausgewachsenen Skandal erlebte, als nicht nur die drei verschiedenen Einkommen Beneschs, sondern vor allem auch die völlig ungeklärte Tatsache seines -großen Vermögens erörtert wurde. Und schon damals sahen sich viele Tschechen ihren aalglatten Außenminister mit sonderbaren Augen an,' als sie erfuhren,, daß dieser sein gesamtes Vermögen — nach dem Ausland, und zwar nach Frankreich verschoben hatte. Die enormen Teppicheinkäufe der Frau Benesch in Höhe von einer sechsstelligen Zahl taten ein Uebriges.
Es waren in diesen Tagen'nicht etwa nur Rufe aus kommunistischem Munde, die verlangten: „Weg mit Benesch!" Die Affäre mit der Vermögensschiebung war erneut bekannt geworden und auch in der Tschechei weiß man genau, daß Herr Benesch. alle Sicherungen für eine Flucht getroffen hat, und ftet? eine große dreimotorige Flugmaschine für sich bereithalten läßt. Mit Verrat und Feigheit fing Benesch an — und Benesch bleibt Benesch...
Aus aller Well.'
Lin Kind an einem Giftpilz gestorben.
In Battenberg (Eder) aß ein kleines Kind in einem unbewachten Augenblick von einem Giftpilz und ftarb nach wenigen Stunden.
Vier Menschen bei einem Voolsunglück in Schweden ertrunken.
Bei Skelleftea in Nordschweden ist ein Kahn mit sieben Insassen gesunken, wobei vier Personen, ein Mann und drei Frauen, u m s ß e b e n f a rn e n.
Neue Probefahrt des „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „G r a f Z e p p e l i n" ist am Mittwoch um 15.42 Uhr zu seiner sechsten Probefahrt aufgestiegen. Das Schiff steht unter der Führung der Kapitäne von Schiller und W i 11 e m a n n. Ueberraschend kreuzte es in den Abendstunden über dem Rheinland. Zehntausende, die auf den Plätzen der Städte zu Treuekundgebungen für den Führer
versammelt waren, grüßten begeistert den Lustriesen. Gegen 21.10 Uhr traf „Graf Zeppelin" über Köln ein und nahm dann Richtung auf das Ruhrgebiet, wo das Luftschiff um 22.20 Uhr über Iserlohn gesichtet wurde.
Witterungsvorhersage
für die Zeit vom 29. September bis 8. Oktober.
Herausgegeben vom Forschungsinstitut für lang, triftige Witterungsoorhersage des Reichswetter» dienstes in Bad Homburg v. d. H., am 28.9.1938 abends.
Die vorwiegend heitere und trockene, tagsüber warme Witterung wird im Westen und Norden des Reiche gegen das' Wochenende hin durch zunehmende Unbeständigkeit eine Unterbrechung erfahren. Diese wird sich in stärkerer Bewölkung und zeitweiligen Niederschlägen äußern, wobei auch die Temperaturen tagsüber nicht mehr so hoch ansteigen. Nach dieser Störung des Schönwetters wird sich im ßaufe der nächsten Woche wieder vorwiegend heitere und meist trockene, höchstens durch Nebel oder Hochnebel unterbrochene herbstliche Witterung einstellen. In Süddeutschland und in Schlesien, wahrscheinlich auch im ostpreußischen Binnenland, besonders aber in der Ostmark, wird dagegen die bestehende schöne und trockene Witterung in den nächsten zehn Tagen im wesentlichen erhalten bleiben. Die Gefahr von Nachtfrösten besteht in den nächsten zehn Tagen, von ganz hohen Gebirgslagen abgesehen, in Deutschland nirgends, auch nicht in Ostpreußen.
Wetterbericht
Die westeuropäische Störungstätigkeit hat ostwärts über den Rhein hinausgegriffen und strichweise zu leichten Regenfällen Anlaß gegeben. Eins durch- greifende Verschlechterung ist jedoch nicht zu erwarten, doch wird sich anderseits das Schönwetter nicht wieder Herstellen.
Vorhersage für Freitag': Morgens dunstig ober vielfach neblig, wolkig bis aufheiternd und vereinzelte Regenfälle. Mild, schwache veränderliche Winde. -
Vorhersage für Samstag: Vielfach diesig, sonst leicht unbeständig, aber* nicht unfreundliches Wetter.
Lufttemperaturen am 28. September: mittags 23,8 Grad Celsius, abends 14 Grad, am 29. September: morgens 10,4 Grad. Maximum 23,8 Grad, Minimum heute nacht 9,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. September: abends 16,8 Grad: am 29. September: morgens 14 Grad. — Sonnenscheindauer 4,7 Stunden.
Haupts-riftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftletters: Ernst B umschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyrwt; für den ührigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theoder Kümmel. D.A.VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Jllu- ftrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkausspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
Otto Volkmann V,
Heuchelheim, Vetzberg, München, den 29. September 1938.
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