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Minister erschienen U-Gruppenführer Prinz van Hessen, Chefadjutant Leitgen und ---Ober- führer Stengel, ferner der Gauleiter Tirols Franz H o f e r mit Mitgliedern des Gaustabes, der Stand­ortälteste Innsbrucks, Generalleutnant D ö h l a, so­wie die örtlichen Führer der ff und des Reichs­arbeitsdienstes und der Oberbürgermeister von Inns­bruck, Dr. Denz. Um 7.15 Uhr setzte der Sonder- zug. an den der Wagen des Stellvertreters des Füh­rers angehängt wurde, die Fahrt ins Reich unter den Klängen der italienischen Hymnen fort.

Oer Führer begrüßt den Duce in Kufstein.

Kufstein, 29. Sept. (DRB. Funkspruch.) Mussolini traf auf der Fahrt nach München Donnerstag um 9.24 Uhr in Kufstein ein, wo er vom Führer und Reichskanzler auf das herzlichste begrüßt wurde. Der Führer, dessen Sonderzug wenige Minuten vor der An­kunft des italienischen Zuges in Kufstein einge- troffen war, erwartete den Duce auf dem Bahn­steig in Kufstein und hieß ihn unter dem ohren- beträubenden Jubel der Kufsteiner Bevölkerung in Deutschland willkommen.

Rach dem Duce verließen der italienische Außen­minister Graf C i a n o und der Stellvertreter des Führers Reicysminister Rudolf Heß, der den Duce im Namen des Führers bereits an der Reichsgrenze am Brenner erwartet hatte, den italienischen Zug. Der Führer und der Duce setzten um 9.40 Uhr im Sonderzug des Führers die Fahrt nach München fort. Der Bahnhof in Kufstein war für die kurze Begegnung festlich geschmückt. Ganz Kufstein schien sich auf dem kleinen Bahnhof versammelt zu haben, um den Duce und den Führer zu grüßen. Eine Ehrenkompanie der Wehrmacht erwies dem Führer und dem Duce bei ihrem Eintreffen die Ehren­bezeigung. Das Musikkorps intonierte beim Eintref­fen des Duce die Hymen des faschistischen Italien. Die Kompanie präsentierte und unter dem brausen­den Jubel und ununterbrochenenDuce"- und ,.Siegheil"-Rufen schritten der Duce und der Füh­rer die Front der Ehrenkompanie ab und die dich­ten Reihen der begeisterten Bevölkerung entlang, die auf das Gerücht vom Eintreffen der beiden gro­ßen Staatsmänner aus dem ganzen Gau herbei­geeilt waren. Der Führer geleitete sodann den Duce zu feinem Sonderzug, gefolgt von dem italienischen Außenminister Grafen Ciano, bem Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, dem Chef des Oberkomman­dos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel.

Ein letzter Versuch.

Von unserer Berliner Schriffleftung.

Es zeugt von dem guten Willen des englischen Ministerpräsidenten Neville Chamberlain und des französischen Ministerpräsidenten Edouard D a lädier, daß sie zusammen mit Benito Musso­lini der Einladung des Führers ge­folgt sind, nach München zu kommen und dort gemeinsam in letzter Stunde über eine friedliche Lo­sung der tschecho-slowakischen Krise zu beraten. Don dem Wunsche Deutschlands nach einer unblutigen Bereinigung des tschechischen Problems sprechen, hieße Eulen nach Athen tragen. Die Langmut und Geduld, welche die Reichsregierung in der Behand­lung dieser Frage immer wieder bewiesen hat, ist über allem Zweifel erhaben. Ebenso hat der Duce noch in seinen letzten oberitalienischen Reden der Hoffnung wiederholt Ausdruck gegeben, daß man in Prag, aber auch in London und Paris endlich Vernunft annehmen und der schnellen Verwirk- lichung der sudetenüeutschen Selbstbestimmung keine Hindernisse mehr in den Weg legen möge.

Wir wissen auch, daß Herr Chamberlain aner­kennenswerte Versuche gemacht hat, einen Beitrag zur Erhaltung des europäischen Friedens zu lie­fern. Wir erinnern an seine Reisen nach Berchtes­gaden und Godesberg, wir erinnern auch an sein jüngstes Angebot, noch ein drittes Mal zu einer persönlichen Aussprache nach Deutschland zu reisen. Freilich besteht ja auch für die britische Nation,

die durch ihre Mitbegründung des tschechv-siowakl« chen Mosaikstaates sowie durch die vielfache Uitter- tützuna des Prager Regimes gewisse J8erpflid)tun» gen übernommen hat, eine m o r a li sch e D er - antw örtlich ke it gegenüber dem Wohlergehen des sudetendeutschen Bevölkerungsteiles, eine Ver­antwortlichkeit, um die man sich in London aller­dings stets herumzudrücken versuchte.

Eine direkte Fühlungnahme des franzofi­sch en Regierungschefs mit der Reichsfuh- rung hat in der tschecho-slowakischen Frage bisher nicht stattgefunden. Wir wissen aber, daß Herr Daladier früher, als er noch nicht das Amt des Ministerpräsidenten innehatte, häufig seine Mei­nung kundgetan hat, es müsse doch zwischen Deutschland und Frankreich eine Verständigung zu- stände kommen können. Herr Daladier ist Front- kämpfer und hat als solcher wiederholt gezeigt, daß er, wenn nicht ein Freund, so doch auf jeden Fall ein ritterlicher Gegner sein würde. Es muß auch von deutscher Seite zugegeben werden, daß der französische Ministerpräswent in der spannungge- ladenen Krise der letzten Tage ost sein/ Landsleute zur Kaltblütigkeit ermahnt und seinen Willen kund- aetan hat, für die Erhaltung eines ehrenvollen Frizens Sorge zu tragen.

Daß aber, was die deutschen Forderun- gen angeht, weder die französische noch die eng­lische Nationalehre angetastet oder aufs Spiel ge- setzt wird, darüber dürften sich bei ruhiger Ueber- legung alle Engländer und Franzosen klar sein.

Die Ehre dieser Länder ist nur aufs Spiel ge­setzt worden durch die provokatorische Politik des Herrn B e n e s ch , der zuerst die Vorschläge der Westmächte zum Schein annachm, um diese Zusiche­rung nachher zu verleugnen. Wie oft hat nicht in den letzten Tagen Herr Benesch Lügen über angeb- liche englisch-französische ' Schritte und Ratschläge verbreiten lassen, die nachher von den amtlichen Stellen in London und Paris dementiert werden mußten!

Angesichts dieser trüben Erfahrungen, die der eng- lische und französische Regierungschef mit ihrem Prager Schützling gemacht haben, angesichts auch der offenkundigen Sabotage, die Herr Benesch auf Befehl Moskaus gegen die Friedenspolitik des Deut­schen Reiches wie auch gegen die Bemühungen Chamberlains und Daladiers getrieben hat, ange­sichts schließlich des ungeheuren Elends, das die roten Schergen der Prager Regierung über das gequälte sudetendeutsche Land gebracht haben, sollte es den westlichen Staatsmännern nicht schwer fallen, den Urheber dieses ganzen Unglücks und die- ser europäischen Krise zur sofortigen Umkehr zu be­wegen. Wir sind überzeugt, daß ein energisches Wort, gemeinsam ausgesprochen von England, Frankreich, Italien und Deutschland, genügen würde, um die Räumung der sudetendeutschen Gebiete durch das tschechische Militär herbeizuführen. Aber es ist keine Zeit mehr zu v e rlie r e n. Denn die Forderung des deutschen Volkes und feines Führers ist unwiderruflich und unabänderlich, Deutschlands

Rechtsanspruch auf Erfüllung des Selbstbestim- mungsrechts der Sudetendeutschen bleibt unabding­bar, kein Volk von Ehre kann den blutigen Terror, dem die Sudetendeutschen ausgesetzt sind, noch länger tatenlos hinnehmen. Wir sind überzeugt, daß das englische oder französische Volk in der gleichen Lage nicht anders handeln würde. Wie ein stäh­lerner Block steht das deutsche Volk auch an dem heutigen entscheidungsschweren Tage wie ein Mann hinter dem Führer, von dem es weiß, daß er der beste Vorkämpfer für einen Frieden des Rechts und der nationalen Ehre ist.

Es hat manchmal so geschienen, als ob Regie­rungsführer des Westens der Fronde der Kriegs­treiber in ihrem eigenen Land erliegen würden. Die Nachrichten, die wir über das leichtfertige und leicht­sinnige Spiel mit Krieg und Frieden aus Frankreich und England erhielten, gaben zu mancherlei Be- stirchtung Anlaß. Nun aber zeugt der Entschluß Chamberlains und Daladiers, sich in München mit dem Führer und dem Duce zu beraten, davon, daß sie nach wie vor bereit sind, einen Aus- weg aus der großen Krise zu finden, der sowohl ihrer nationalen Ehre als auch der deutschen Ehre und dem deutschen Lebensrecht entspricht. Sobald man nur bereit ist, den wahren Störenfried des europäischen Friedens und den allein Schuldigen der tschechischen Krise zu erkennen, wird eine Eini­gung nicht schwer fallen. H. Evers.

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Das britische Unterhaus begrüßt die Einladung nach München

London, 28. Sept. (Eüropapreß.) Die mit großer Spannung erwartete Rede, mit der Mini­sterpräsident Chamberlain am Mittwochnachmittag die Sondersitzung des Unterhauses eröffnete, hat alle Erwartungen übertroffen und einen Stimmungs- Umschwung hervorgerufen, wie er noch nie in Eng­lands Geschichte zu verzeichnen gewesen ist. Als der Ministerpräsident kurz vor 15 Uhr das Haus betrat, wurde er mit Beifall empfangen. Der Beifall legte sich jedoch schnell, und als der Ministerpräsident seine Rede mit einem Rückblick auf die Entwicklung in der Tschecho-Slowakei begann, verdichtete sich noch die auf dem vollbesetzten Hause und den überfüllten Tri­bünen lastende Unsicherheit und Ungewißheit. Es.war erwartet worden, daß Chamberlain im Sinne seiner am Dienstagabend gehaltenen Rundfunkrede alle weiteren Bemühungen um eine friedliche Lösung als nahezu ausgeschlossen bezeichnen würde. Dieser Ein­druck wurde auch während der ersten Stunde der insgesamt Inständigen Rede nicht verscheucht.

Als dann gegen 16 Uhr Sir horace TB 11 s o n dem Schahkanzler Sir John Simon einen Zettel hinschob, und der Schahkanzler den Zettel dem redenden Chamberlain reichte, ging plötzlich ein Rannen durch das haus. Der Ungewißheit folgte eine fieberhafte Span­nung. die noch stieg, als Außenminister Lord Halifax, der von der Tribüne der Lords der Rede Chamberlains zugehört halte, plötzlich aufstand und hinausstürzte. Inzwischen fuhr Chamberlain mit seiner Rede fort, bemühte sich aber sichtlich, sie abzukürzen, um zu der bedeut­samen Erklärung zn kommen:Adolf Hitler", sagte der Redner unter atemloser Stille,hat mich, Mussolini und Daladier für morgen vor­mittag nach München eingeladen. Ich brauche nicht zu sagen, was meine Antwort sein wird." Die letzten Worte gingen bereits in dem Begeisterungssturm unter, den diese Erklärung Chamberlains auslöste. Ron allen Seiten und auch von den Bänken der Opposition brauste immer wieder lauter Beifall auf. Chamberlain schloß mit den Worten:Ich hoffe, daß das Hans mich jetzt entläßt, damit ich gehen und zusehen kann, was ich aus dieser letzten Be­mühung machen kann. Vielleicht kann man an­gesichts der letzten Entwicklung die Aussprache

um einige Tage verschieben und vielleicht kön­nen wir uns unter glücklicheren Umständen wiedersehen."

Hieraus beantragte der Ministerpräsident die so­fortige Vertagung des Parlaments auf Montag, die ohne Widerspruch angenommen wurde. Die mit erleichterten Gesichtern aus dem Parlament strömenden Abgeordneten stießen drau­ßen bereits auf die ersten Extra-Ausgaben, die den Verkäufern aus den Händen gerissen wur­

den. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht ver- breitet, daß eine neue Wendung eingetreten sei und diese Wendung auf eine Initiative des Führers zu- rückzuführen wäre. An einigen Stellen der Stadt wurden die Zeitungswagen förmlich gestürmt. An der Börse zogen im nachbörslichen Verkehr sämtliche Kurse an, nachdem bis zum Börsenschluß eine aus­gesprochene Baissestimmung geherrscht hatte. Unter den Zuhörern befand sich auch die Königin* * Mutter Mary, die der Rede des Ministerprä­sidenten aufmerksam folgte.

Chamberlains Ünierhans-Rede.

Nach einem Bericht des DNB. erklärte Premier- Minister Chamberlain in seiner Rede, die heu­tige Krise hätte vermieden werden können, wenn Artikel 19 der Genfer Satzungen, der eine Revi­sion der Verträge durch Uebereinkom- m e n vorsieht, seinerzeit in die Praxis u m g e s e tz t worden wäre, anstatt zu warten, bis die Leidenschaft so verbittert wurde, daß eine Re­vision mittels Vereinbarungen unmöglich wurde. Für diese Unterlassung müßten alle Mitglieder des Völkerbundes ihre Verantwortung tragen. Cham­berlain zählte dann drei Wege auf, die die britische Regierung hätte vorschlagen können. Entweder hätte man drohen können, daß England zum Kriege mit Deutschland schreiten würde, falls es die Tscheche! angriffe", oder England hätte beiseite stehen können, und schließlich hätte man eine friedliche Lösung auf dem Wege der Verhand­lung finden können. Der erste Weg wurde abge« lehnt. Wir hatten keinerlei vertragliche Verpflichtungen (Beifall) gegenüber der Tschechei und haben uns ständig geweigert, irgend­welche solche Verpflichtungen zu übernehmen. Die zweite Alternative widerstrebte uns ebenso, und wir wandten uns daher dem dritten Wege, der Aufgabe der Vermittlung, zu.

Chamberlain zollte hieraus Lord Runcimans Bemühungen Lob und erwähnte die britischen Vor­stellungen durch den britischen Gesandten in Prag am 3. September. Es sei lebenswichtig im Interesse der Tschecho-Slowakei, wenn sofort und ohne Vorbehalt jene Konzessionen gewährt würden, ohne die die sudetendeutsche Frage nicht als gere- gelt angesehen werden könne. Als er seinen ersten

Besuch beim Führer in Berchtesgaden er­wähnte, sei er sich bewußt gewesen, daß er sich da­mit der Krittk aussetzte, die Würde eines britischen Premierministers außer acht gelassen zu haben, aber er glaube, daß eine solche Krise Erwägungen dieser Art nicht gestatte. Er habe bei dieser ersten Unter­redung mit dem Führer sehr bald erkannt, daß die Lage sehr viel dringender sei, als er ange­nommen hätte. Aus seinen weiteren Ausführungen ging hervor, daß auch Lord Runciman in der englischen Kabinettssitzung nach der Rückkehr Chamberlains von Berchtesgaben die Meinung ver­trat, eine Abtretung des sudetendeutschen Ge­bietes durch die Tschecho-Slowakei sei unver­meidlich. Weiter erwähnte Chamberlain die Be­sprechungen mit Daladier und Bonnet, die auch den Grundsatz der Selbstbestimmung zum Gegenstand hatten, lieber feine beiden Besuche beim Führer sagte Chamberlain wörtlich:Ich zögere nicht zu erklären, daß ich aus den persönlichen Kontakten, die ich mit Hitler hatte, glaube, er meint, was er f a g t."

Londoner preffestimmen.

London, 29. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Besprechung der Staatsmänner der vier Großmächte nimmt den gesamten Raum der Londoner Morgen- genpresse für sich in Anspruch. Die Presse verzeich­net .jetzt eine gewisse Entspannung der Lage und schöpft neue Hoffnung auf eine baldige endgültige Lösung der Krise. Allerdings ist man sich der Schwierigkeiten der Lösung des sudetendeut­schen Problems bewußt. Deshalb kann ftian die

Gießener Giadiiheaier.

Shakespeare:Ern SommernachtStranm."

Nun hat sich der Vorhang wieder gehoben zu neuem Spiel mit vielfach neugewonnenen Kräften, zu neuer Verzauberung durch ein altes Stück, das vor beinahe dreieinhalb Iahrhurrderten entstand. Es ist bei uns schon fast zur Tradition geworden, den Theaterwinter mit Shakespeare zu eröffnen; wir Haden früher des öfteren davon gesprochen, welch eine breite und stufenreiche Skala der Emp­findungen, Werte und Mrkungen sich aus der langen Reihe seiner comedies ablesen lasse: dies­mal nun beginnen wir mit der leichtesten und hei­tersten unter ihnen, mit der romantischsten, natur- seligsten, unwirklichsten, ganz aus Phantasie gebo­ren, gleicherweise dem reinen Gedicht wie der komischen Oper verwandt und bereit, sich jederzeit in Zauber und holde Feerie aufzulösen, in Musik und Tanz zu verflüchtigen ..man merkt diesem Lust­spiel noch heute an, daß es 1594 geschrieben, 1600 zuerst gedruckt einem freudigen Anlaß ent­sprang und einem lieblichen Zweck zu dienen be­stimmt war. Es wurde als Festspiel zu einer Hoch­zeit am Hose der großen Elisabeth von England verfaßt.

Was sich hier in fünf Akten ereignet, ist in der Skala der comedies gleich weit entfernt von der gefährlichen Tragödien-Grenze (Maß für Maß"; Kaufmann von Venedig") wie vom bloßen schwankhasten Derwechslungsspiel der Figuren (Komödie der Irrungen"). Die Handlung, lyrisch­idyllisch, romantisch und voll reiner Poesie, schwebt so locker im Märchenhaft-Unwirklichen, daß sie die­sen Namen kaum zu verdienen scheint, obgleich man, bei genauem Zusehen, auch hier die souveräne Kunst der Szenenführung, der Schürzung, Der- wirrung und beglückenden Lösung wird bewundern müssen.

Drei Sphären durchdringen sich, auf drei Ebenen geschieht das Spiel, die sich immer wieder zu einer selbstverständlich und zwanglos vollkommenen Ein­heit zusammenfinden. Da ist die höfisch-aristokratische Welt, der zu Shakespeares Zeit noch ausschließlich das ernsthafte Personal dramatischer Gestaltung ent­stammen durfte; über dieser erscheint die luftig- geisterhafte Welt der Feen und Elfen, welche ihrer­seits das ganze Naturreich des Schauspiels durch­lebt und beseelt; unterhalb gewahrt man, gleichwohl in beide hinein reichend, die irdischen Bezirke der Kleinbürger und Handwerker.

Diese nun, Zettel und Squenz, Schnock und Schnauz, Flaut und Schlucker, tun sich zusammen.

um zur Hochzeit des Herzogs Theseus von Athen mit oer Amazonenkönigin Hippolyta ein festliches Laienspiel aufzuführen, die klägliche Komödie und spaßhafte Tragödie" nämlich vom höchst grau- samen Tode des Pyramus und der Thisbe: in diesem Theater auf dem Theater, mit der die drei- fache Vermählung Theseus und Hippolyta, Lysander und Hermia, Demetrius und Helena mit Lust gefeiert und das Spiel beschlossen wird, findet man das groteske Gegenstück zu jenem tieffinnigen Schauspiel im Schauspiel, das die Kernszene der Hamlet-Tragödie bildet.

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Bevor aber der sommernächtliche Spuk mit Rüpel- und Narrenspiel, mit Musik und Elfentanz ver­klingt, erlebt man die aus romantischer Phantasie und einer schweifenden Laune geborene Vertauschung der liebenden Paare, welche den eigentlichen, dra­matisch kaum greifbaren Inhalt des Stückes aus- macht. Solche märchenhafte Verwirrung zu erzeu­gen, diente dem großen William ein wahrhaft poetischer Einfall: er ersann das Wunderblümchen Mädchen nennens: Lieb' im Müßiggang" dessen Saft, aufs Auge eines Schläfers geträufelt, diesen zauberhaft verwandelt und den Erwachenden toll verliebt machtin jede Kreatur", die er zuerst erblickt. Ein herrliches Mittel, drei Liebespaare aus­einanderzusprengen, zu vertauschen und wieder zu- sammenzuführen, sobald die Verwirrung zwischen der kleinbürgerlichen, der höfischen und der über» irdischen Welt keine Lösung im üblichen dramaturgi- scheu Sinne mehr zu gestatten scheint.

Der Zuschauer aber vor, nicht auf der Bühne wird dieses souverän gelenkte Spiel der Ver­wandlung, Verzauberung und träumerischen Unwirk­lichkeit als ein Symbol aller theatralischen Dichtung überhaupt begreifen und also einen tieferen Sinn darin sind en, daß gerabe mit diesem Stück unter hundert anderen eine neue Spielzeit beginnt.

Die lyrischen und opernhaften Züge, die das Lust­spiel kennzeichnen, haben es nahegelegt, die Auf­führung mit Musik introduzieren und begleiten zu lassen. Intendant Schultze-Griesheim, der das Werk nach der Schlegelschen Uebertragung text­lich bearbeitet und in Szene gefetzt hat, fprach im gestrigen Feuilleton unter anderm von den Be­mühungen, die früher zumSommernachtstraum" gespielte Musik von Mendelssohn anderweitig zu ersetzen: er wählte die von Rudolf Wagner- R 6 geny , die bisher nur im Konzertsaal gehört wurde und gestern bei uns ihre Uraufführung er­lebte. Er nannte sie unbequem, streng, hart und sparsam bewußt im Gegensatz zu Mendelssohn konzipiert.

Wir haben Wagner^Regeny vor nicht langer Zeit in seiner OperDer Günstling" als einen Musiker von ausgeprägtem Stilwillen und persönlicher Eigenart fennengelernt. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Anhören der Bühnenmusik, welche in ihren scharf rhythmisierten Eingangstakten, stellen­weise fast wuchtig klingend, an denGünstling" er­innert. Die stilisierende Strenge der Linienführung lockert sich später (mit Holzbläsern und Streichern) und nähert sich im Zwischenspiel in weitgespann­ten Melodiebögen der romantischen Welt Shake­speares, vor allem in der Szene mit den schlafen-

den Liebespaaren. Doch wirkt sie im ganzen (wohl bewußt) immer verhältnismäßig herb und verhalten, eher der Ballade als lyrischer Verklärung zugeneigt und kaum eigentlich als das, was man eine Be­gleitmusik nennen konnte; Musik und Text ver- schmelzen nicht zur absoluten Einheit: Wagner- Rögenys Suite, zweifellos begabt und in ihrer Don» spräche durchaus anziehend, bleibt eigenwillig in ihrer Sphäre, selbständig neben dem Vers und dem Bühnenoorgang. Kapellmeister Paul Walter bot mit dem Orchester eine ausgewogene, offenbar peinlich werkgetreue Interpretation.

Die vom Intendanten geleitete Aufführung schien uns vom Charakter der Musik wesentlich mitbe« stimmt. Zwar glauben wir, daß Shakespeare auch heute nur aus feiner Zeit heraus zu begreifen und darzustellen ist, aber gewiß find für dieses und jenes Werk verschiedene Auffassungen möglich. Hier lag, wie uns scheint, die Absicht vor, den allzu ge­fälligen und leicht süßlich wirkenden Feenzauber mancher früheren Wiedergabe zu vermeiden: biefer Sommernachtstraum" war, alles in allem, weni­ger lyrisch als im Sinne einer Naturballade emp­funden, ohne daß die romantischen Elemente reiner Poesie, die ja schlechterdings das Wesen dieses Lustspiels ausmachen, verfälscht oder überspielt wurden.

Herr Löffler hatte den athenischen Herzogs­palast großzügig-weiträumig aufgebaut, dennahe gelegenen Wald" als eine dämmrige, märchenhafte Wildnis, die doch dem nächtlichen Spuk und Ver- wandlungsspiel genügend Bewegungsfreiheit ge, stattete. Dieses war von der Regie szenisch sehr überzeugend als Kernstück der Fabel zu einer pau­senlos ablaufenden, in sich geschlossenen Einheit zu- j am menge fa 6t, so daß die Szenen im Paläste des Theseus umrahmend jeweils als Vorspiel und Nach­spiel wirkten. Auch waren die drei Sphären oder Erscheinungsformen der belebten Welt übersichtlich von einander abgehoben, dennoch zum Ganzen ver­bunden durch die Traum-Einkleidung, der sich die Phantasie desmitspielenden" Zuschauers willig überlasten soll.

Die Premiere gab einer Reihe neugewonnener Kräfte Gelegenheit, sich vorzustellen. Daß es sich in der Mehrzahl der Fälle nur um eine erste, verhält­nismäßig flüchtige Bekanntmachung handeln konnte, liegt in der Natur des Stückes begründet, dessen Figuren nicht so ausgeprägt charakterisiert find mit in andern Werken Shakespeares. Die persönlichste Entfaltung war dem neuen Komiker Kurt Haars gegeben, der als Zettel eine sparsam pointierte, von Witz und natürlicher Spielfreude belebte Figur schuf; sein Pyramus war ein improvisatorisch anmutendes Kabinettstück. Überhaupt gerieten die Handwerker- (jenen vorzüglich: frisch, naiv und luftig. So fei das kleine, kleinbürgerliche Ensemble gleich' in einem Atem genannt: Do 1 ck als beflissener Spielführer Squenz, Seitz, ein ergreifend brüllender Löwe, Walter Erler, die groteske Thisbe, Hans Schlick und Ottmar Mayr.

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Educkrd Cosfovel, der neue erste Held, gab den Oberon als einen Halbgott und zaubermächtigen Herrn des Waldes, doch im antiken Sinne auch menschlichen Regungen zugänglich. Giesela Vol­lert sprach mit überlegener Festigkeit die Verse der Titania und wußte noch im wirren Traum- zauber die Würde einer Elfenkönigin zu wahren. Margot Eickhofs war die zart und schwärme­risch liebende Helena, Hilde ,K n e i p eine äthiopisch dunkle Amazonenfürstin. Friedrich G r ö n d a h l gab mit jugendlichem Feuer und sprachlich schöner ©teige« rung den Lysander.

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Vom alten Stamm sah man Herrn Schorn als Puck; seine Auffassung entsprach dem Verzicht auf die früher des öftern vorgenommene weibliche Be­setzung der Rolle: dies war ein Kobold und zu bos­haften Späßen aufgelegter Waldschrat, der mit Sprung und Schwung beweglich durch die däm­merige Landschaft geisterte. Fräulein G a r b e er­schien als zierliche dunkle Hermia mit drollig hitzigen Tempergmentsausbrüchen. Herr Weiland spielte den Demetrius mit ritterlichem Anstand, Herr Geißler mit freundlicher Würde den Theseus- Herr Geiger als grimmig bewegter Vater Egeus und Hans Voß als Philostrat rundeten das grobe Ensemble. Der Beifall des wohlbesetzteu Hauses rief mit den Darstellern zuletzt auch den Intendanten an die Rampe.

Im Foyer ist eine kleine Kunstausstellung.aufge­baut. Carl Bourcarde zeigt neue Bildnis' Plastiken, darunter ein Porträt unseres fnu)«1* Komikers Linkmann, Wilhelm Stephan, Gietzen, eine Reihe afrikanischer Landschaften.

Hans Thyriot.