Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

llr.YY (Erffes Blatt

188. Jahrgang

§rettag,29.AprllM8

Lrfchetm »ügltch. außer Sonntags und Feierlags betlagen: Die Illustrierte (Biegener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monalz-Vezugspretr:

Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne illustrierte e 1 80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ^ernsprechonschlüfse

vnter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Gießen poftschecltonto:

Sranlfurt am Main 11688

Annahme von Anzeige« füt die Mittagsnummer vis8'/,Uhrdes Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25"/^ mehr.

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins», gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Metzener Anzeiger

Generas-Anzeiger für Oberhessen

Prüft und Verlag: vrühlsche Unlverfilätsdruckerei B. fange in Siehe». Schriftle tnng und Geschäftsstelle: Schulftratze 7

Dom Lustgarten zum Quirinal

Große Ereignisse werfen nicht nur ihre Schatten sondern auch ihre Lichter voraus. -Das spürten wir alle in diesen Tagen. Denn wohl niemals war das deutsche Volk von einem so starken Gefühl der Vor­freude auf den 1. Mai erfüllt wie in diesem Jahre. Und das mit Recht. Der nationale Feiertag des deutschen Volkes, der ja aus dem Fest der Arbeit erwachsen ist, fällt zwar diesmal auf einen Sonn­tag und bedeutet deshalb keinen zusätzlichenUr­laub", aber dieser Umstand wird doch mehr als reichlich ausgewogen durch das erhebende Bewußt­sein, daß sich nun z u m e r st e n M a l d i e groß» deutsche Arbeits- und Volksgemein­schaft um den Maibaum schart, daß über sechs Millionen schaffensfrohe Ostmärker nun schon seit vielen Wochen aktiv an dem inneren Aufbau des Dritten Reiches teilnehmen können, daß mit den fortschreitenden Ergebnissen des Vierjahresplanes und mit der wachsenden Macht Großdeutschlands die ganze Nation sorgenfreier und unbeschwerter in die Zukunft blicken kann. Das Lied der Lebens­freude schwingt heute über den gesamten deutschen Siedlungsraum von der Nordsee bis zu den Kara­wanken, von der Saar bis an die Memel, und so­gar in den böhmischer» Randgebieten findet es seinen Widerhall, wo das jahrzehntelang unter­drückte Sudetendeutschtum jetzt einmütig seine Stimme zum nationalsozialistischen Glaubensbe­kenntnis erhebt.

Hier wird eine weitere Ursache sichtbar, die uns mit Freude erfüllt: Dieser 1. Mai 1938 fällt in eine Zeit europäischer Neuwerdung und internationaler Politik, die ganz eindeutig im Zeichen der von Adolf Hitler verkündeten Jd"en über das Zusam­menleben der Völker steht. Wenn also der Füh­rer vom Lustgarten, aus der Mitte seines schäften­den Volkes heraus, fast unmittelbar zur Reise nach dem ewigen Rom aufbricht, so dürfen wir auch darin ein Sympton unserer gestärkten Le­benskraft erblicken. Denn Adolf Hitler nimmt seinen Wohnsitz im Quirinal, im römischen Köniaspalast, nicht als interessierter Unterhändler oder als Chef irgendeiner Zufallsregieruna. sondern als Re­präsentant von 75 Millionen schaffen­den Menschen, als Vollstrecker einer geschicht­lichen Sendung, von der in gleicher Weise das be­freundete Volk des faschistischen Italiens, das neu- geichaftene Imperium des Marschalls Mussolini er­griffen ist. Vom Lustgarten zum Quirinal führt seit dem Anschluß Oesterreichs eine gerade, ununter­brochene Straße, die nach beiden Seiten gesichert ist von zwei iugendlichen Völk°rn, in deren Händen neben dem selbstgeschmiedeten Schw-rt die Waffe der Arbeit ruht und in deren Herzen die Kraft eines gemeinsamen Ideals wohnt. Ev.

Dos Beispiel des 1 Mai

Zum sechsten Male begeht am 1. Mai das ge­samte deutsche Volk seinenNationalenFeier- t a g. Heute ist es selbst für die Mitlebenden schon fast Legende aeworden, daß in den Systemzeiten oie deutsche Arbeit sich in unzählige, wütend gegen­einander kämvfende Jnteresientenhaufen zersvlitterte und die jüdische Welt des Marrismus den Klassen- kampf als den Sinn der Geschichte bezeichnete. Ein Blick auf das Ausland zeigt uns, daß dort die alten Gezeitenbewegungen des Liberalismus und Individualismus, der marxistisch-bolschewistischen Zerstörungslust und des Konventionalismus noch miteinander ringen, daß in den USA. zwölf Millio­nen Arbeitslose, in England eine kaum gesenkte Ziffer von Unbeschäftigten und im kleinen Ho^and sogar nach dem letzten Ausweis 420 700 Menschen vergeblich auf Tätigkeit hoffen, während sich dort die Wirtschaft um Profite balat und die Regierun­gen untätig oder mit unzureichenden Proarammen dieser Drohung des Elends geaenüberstehen. G r o ß d e u t s ch l a nd hat als einziges Land neben Italien das Arbeitslosenproblem gelöst, als einziges Land keine Streiks, keine Jn- teresfentengruvpen. keine volkswirtschaftlichen Ver­luste infolge der Reibunasftächen der Klaffen mehr. Deutschland hat der Welt ein Beispiel gege­ben, wie ein Werk angefaßt und durchaeführt wer- den muß, damit der Schaffende wirklich nach Recht und Pflicht sich dem großen Volke verbunden fühlt. 2)er 1. Mai ist in diesem Jahr nicht nur Ver­heißung, sondern Ausdruck der erfüllten Sehnsucht.

Der 1. Mi in Oesterreich

Wien, 28. April. (DNB.) Der 1. Mai kann in Oesterreich aus organisatorischen Gründen in diesem Jahre noch nicht in dem Ausmaß gefeiert werden, wie im übrigen Reich. Alle Männer und Frauen nehmen jedoch an der großen Feier, die von Berlin aus übertragen wird, teil. Der Reichskommissar für die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Reich, Gauleiter Bürck'el/hat in einem Aufruf an die Betriebsführer die Bitte gerichtet, dort, wo es die wirtschaftliche Lage ermöglicht, an ihre Gefolgschafts­mitglieder am' 1. Mai zumindest einen Tageslohn ausmbe.zahlen. Am Nachmittag oder Abend des 1. Mai sollen überall Kameradschaftsveranstaltungen stattfinden. In der Stadt Wien erhalten 12 000 Ar­beitslosenfamilien eine Sondergabe von 10, Reichsmark. In Wi°ner-Neustadt werden 3000 Fa­milien in gleicher Weise bedacht, in Steyr 2000 Fa­milien. Bei anderer G"legenheit werden die restlichen Jndustriebezirke berücksichtigt.

Am-1. Mai Flaggen beraus!

Ver 1 in. 28. April. (DNB.) Aus Anlaß des Na­tionalen Feiertages des Deutschen Volkes fordert der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, ihre Wohnungen und Häuser «tnif den Fahnen des Reiches zu beflaggen.

Oer Staatsbesuch des Führers in Italien.

Abreise am 2. Mai in Begleitung einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten des neuen Deutschland. - Großartige Veranstaltungen des befreundeten Italien zu Ehren des Führers.

Berlin, 28. April. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler begibt sich am 2. Rlai nach Italien, um einer Einladung Seiner Majestät des Königs von Italien und Kaisers von Aethiopien zu folgen und dem italienischen Regierungschef und Duce Benito Mussolini seinen vorjährigen Besuch in Deutschland zu erwidern.

In Begleitung des Führers werden sich be­finden: der Reichsminister des Auswärtigen, von Ribbentrop; der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß; der Reichsmlnister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goeb­bels; Reichsminister Dr. Frank; der Ehef der Reichskanzlei, Reichsminister Dr. Lammers; der Ehef des Oberkommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel; der Chef der deutschen Po­lizei, Reichsführer ff Himmler; der Chef der Kanzlei des Führers, Reichsleiter B o u h l e r ; Reichsleiter Amann; der Reichspresiechef, Reichs- leiter Dr. Dietrich; der Chef der Präsidial­kanzlei des Führers und Reichskanzlers, Staats­minister Dr. M e i h n e r; der Ehefadjutant des Führers, SA.-Obergruppenführer Brückner; der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherr von Weizsäcker; der Ehef der Auslandsorgani­sation der NSDAP. im Auswärtigen Amt, Staats­sekretär Gauleiter Bohle; der Oberquartiermeister des Generalstabes des Heeres, Generalleutnant von

Rom, 28. April. (Europapreß.) Am Donners­tagabend, an dem die Blätter die amtliche Verlaut­barung über den bevorstehenden Besuch des Füh­rers bringen, stehen gleichzeitig Buchläden und Zei­tungsstände voll im Zeichen des kommenden Er­eignisses. Zahlreiche römische Verleger haben Bücher mit Schilderungen des Lebens Hitlers herausge­bracht; der Wiederaufbau Deutschlands und Ge­schichte und Entwickluna der nationalsozialistischen Bewegung werden ausführlich behandelt.

Die Abendpresse bringt bereits Kommentare zu der amtlichen Verlautbarung, in deren Mittelpunkt die Festellung steht, daß die Begegnung dieser, bei­den großen politischen Führer tiefere Bedeu­tung habe als die sonstigen Begegnungen zwischen den Chefs der Regierungen anderer Länder. Dies wird, so schreibtG.iornale d 'Italia", eine neue Begegnung zweier Persönlichkeiten sein, die der Geschichte der Jahrhunderte wie der der Be­wegungen, die sie geschaffen haben, ihren Stempel aufdrücken wird. Und dieTribuna" meint, die Be­völkerung Italiens begrüße in Adolf Hitler nicht nur den ersten Mann einer großen und befreunde­ten Nation, sondern einen Schöpfer einer

Slülpnagel; der Chef des Marinewehramles, Konteradmiral S ch n i e w i n d ; der Kommandeur der LeibstandraleAdolf Hiller", -^-Obergruppen­führer Sepp Dietrich; die Adjutanten des Füh­rers, Gruppenführer Schaub und Brigadeführer Wiedemann; der Chef des RUnisteramles im Reichsluftsahrtminisierium, Generalmajor Boden- s ch a h ; der Winisierialdirektor im Auswärtigen Amt, Dr. Gaus; der Ehef des Protokolls, Ge­sandter von Bülow-Schwante; Gesandter A s ch m a n n vom Auswärtigen Amt.

Der Führer und Reichskanzler wird sich z u n ä ch st nach Rom begeben, wo er sich als Gast des Königs und Kaisers einige Tage aufhalten wjrd. Außer einer Reihe von Veranstaltungen von Partei und Heer in Rom sind zu Ehren des Führers eine große Flottenparade in Neapel sowie kriegsmäßige Manöver vonheerund Luftflotte vorgesehen. Zu den Kundgebungen der Bevölkerung in Rom und Neapel tritt abschließend noch ein Auf m arsch der ge­samten Bevölkerung von Florenz, Kundgebungen, die alle in eindrucksvoller Weife die Bedeutung zum Ausdruck bringen werden, die das befreundete faschistische Italien der durch den Besuch Adolf Hitlers erneut zum Ausdruck gelangenden So­lidarität der beiden großen Nachbarvölker beimiht.

neuen Weltordnung. In allen Blättern kommt darüber hinaus zum Ausdruck, daß das ita­lienische Volk den glänzenden Empfang, den Deutsch­land dem Duce als Vertreter des italienischen Vol­kes dargebracht habe, nicht vergessen habe und an­läßlich dieses Besuches erwidern wolle.

Die Achse Berlin R o m", so betont das halbamtlicheGiornale d'Jtalia",bleibt unver­ändert und überragend im politischen Bewußtsein der Italiener, die nicht jeden Tag Versicherungen der Treue wiederholen müssen, um die leichtfertigen Ausführungen zu dementieren, die man da und dort bei dieser und jener Gelegenheit zu sehen ver­sucht. Die Achse RomBerlin entspricht in ihren idealen Grundsätzen und in ihren Funktionen voll und ganz den nationalen und impe­rialen Interessen Italiens und nicht weniger der Verantwortung, die Italien als einer europäischen Großmacht zukommt. Bei seiner Reise und seinem Aufenthalt in Rom, Neapel und Flo­renz wird der Führer gewiß den Gei st, die Kraft und die Disziplin der italieni­schen Nation erkennen, die mit seiner Nation solidarisch ist. Ueberdies wird jenes Uebereinkom-

men zwischen den Führern und Völkern gewiß be­tätigt und vertieft werden, das nunmehr seit zwei Jahren zum beiderseitigen Vorteil und zum Nutzen von ganz Europa geschaffen wurde."

Lavoro Fascista" betont, Hitler werde in Ita­lien ein befreundetes Volk vorfinden, das geschlos­sen und einträchtig wie noch nie in seiner 3000jäh- rigen Geschichte dastehe und das das größte Verständnis für die deutschen Pro­bleme und die nationalsozialistische Revolution habe. Der Führer verkörpere für Italien dieses neue Deutschland, das durch ein Wunder des Glaubens und des Willens aus namen­losem Elend auferstanden sei. Die Männer, die den Führer begleiten, seien in Italien gut bekannt. Die Begegnung in Rom erfolge in einem ruhige­ren Augenblick des europäischen Le­bens, in einer Atmosphäre, die von den täglichen Gefahren eines Krieges zwischen den großen Mäch­ten befreit sei. Vor wenigen Tagen sei ein dauer­haftes und vollkommenes Friedensinstrument zwi­schen Italien und England unterzeichnet worden. Das italienische Volk, das den Krieg nicht fürchte, aber die Segnungen eines arbeitsamen und tätigen Friedens zu schätzen wisse, empfange den Führer mit der vollen Befriedigung, ein wich­tiges Ziel der europäischen Befrie- d u n g erreicht zu haben. Auch Deutschland, das kürzlich Wochen größter Spannung und stärkster nationaler Begeisterung erlebte, sehe heute mit Stolz und Ruhe seiner Zukunft entgegen. Die Eintracht der beiden Revolutionen habe diese mit Gefahren verbundene, aber friedliche Revision des europäischen Gleichgewichtes ermöglicht. Die bevorstehende Begegnung werde eine Bestä­tigung jener Politik und eine wesentliche Ver­stärkung des friedlichen Gleichgewichtes darftellen, das auf der Anerkennung der großen Realitäten beruhe, die nunmehr der ganzen Welt offenbar feien.

Starker Eindruck in London.

Ein alles überbietender Empfang für den Führer."

London, 29. April. (DNB. Funkspruch.) Sämt­liche Londoner Blätter bringen ausführliche Mel­dungen über das Programm der Romreife des Füh­rers, über seine Begleitung und insbesondere über die in Italien getroffenen Vorbereitungen für den Empfang und für den Aufenthalt des Führers in Rom, Neapel und Florenz.Daily Telegraph" sagt in einem Bericht aus Rom, es sei keine lieber« treibung, wenn man erkläre, daß der Empfang und die Hitler zuteil werdenden Ehren alles über­bieten werden, was Rom feitdenTagender Cäsaren gekannt habe.News Chronicle" be­rietet aus Berlin, Hitlers Jtalienbefuch werde sich in noch nie gekannter Herrlichkeit voll­ziehen.

Ganz Italien im Vanne des Fiihrerbefnches.

Die französisch-englischen Besprechungen.

London meldet Meinungsverschiedenheiten in der tschechischen Frage.

London 28. April. (Europapreß.) Die fran­zösischen Gäste haben sich am Donnerstagnach­mittag auf Einladung des englischen Königspaares nachSchloß Windsor begeben, wo am Abend ein Festbankett stattfand, an dem auch Ministerprä­sident Chamberlain und Außenminister Lord Hali­fax teilnahmen. Die Teilnehmer waren in Hofklei­dung erschienen. Bei dem Bankett wurde zum zwei­ten Male seit der Thronbesteigung des Königs gol­denes Tafelgeschirr verwendet. Der König und Lord Halifax besprachen mit den französischen Ministern die Vorbereitungen für den Staatsbesuch des Königs und der Königin in Paris im Juni.

An das Frühstück, das Ministerpräsident Cham­berlain seinen französischen Gästen in seiner Amts­wohnung in der Downingstreet gegeben hat. schloß sich vor der Abreise nach Windsor noch eine kurze Aussprache an. Es heißt, dabei habe die tschechische Frage im Mittelpunkt der Er­örterungen gestanden. An dieser Zusammenkunft nahm neben Chamberlain und Lord Halifax der erste diplomatische Berater der Regierung, Sir Ro­bert Vansittart, teil. Der französische Ministerpräsi­dent D a l a d i e r betonte, ohne Uebertreibung könne gesagt werden, daß die Unterredungen überaus herz­lich geführt wurden und jeder den Eindruck hatte, daß ein volles Einverständnis über die Notwendigkeiten, denen wir entgegengehen, bestand. Bei allen wichtigen Punkten und bei allen Fragen wurde eine übereinstimmende Ansicht erreicht, selbst bei den Fragen, bei denen bis zum heutigen Tage keine Uebereinstimmung der Ansichten habe erreicht werden können.

Wie dazu von gut unterrichteter Seite verlautet, ist auch die tschechische Frage eingehend besprochen worden. Der tschechische Gesandte in London, Masaryk, habe mit führenden Männern der Mitteleuropäischen Abteilung im eng­lischen Außenministerium eine längere Unterredung gehabt in Zusammenhang mit einigen Rück­

fragen, die die Downing-Street an die Prager Regierung gerichtet hatte. Man läßt durchblicken, daß in der teschechischen Angelegenheit Mei­nungsverschiedenheiten auftauchen, da England nach wie vor den von Chamberlain am 24. März im Unterhaus umriffenen Standpunkt einnehme, wonach London gegenüber Prag keine Vorfchußgarantien geben könnte. Paris sei dagegen durch seine vertraglichen Abmachungen der Tschecho­slowakei gegenüber stärker verpflichtet. Das ein­zige, was man daher nach englischer Ansicht tun könnte, sei, a I s Vermittler in Mitteleuropa

aufzutreten, um an der Beseitigung der hier be­stehenden Schwierigkeiten mitzuarbeiten.

Peben der Behandlung der tschechischen Frage spielt naturgemäß die Möglichkeit einer englisch- französischen militärischen Zusammenar­beit eine bedeutsame Rolle. Die Meldungen sozia­listischer Blätter, wonach sich bereits in acht oder zehn Tagen englische Militärsachver- ständige nach Paris begeben würden, um mit dem französischen Generalstab die Pläne für ein enges Zusammengehen auszuarbeiten, werden in politischen Kreisen als übertrieben bezeichnet.

Die nMärische 3ufammeiw6ei( im Vordergrund des pariser Mreffes.

Paris, 29. April. (DNB.) Havas berichtet, das englisch-italienische Abkommen sei eine wichtige Etappe auf dem Wege der allge­meinen Beruhigung in Europa. Die Anerken­nung Aethiopiens in Gens würde endgültig den Differenzen ein Ende machen, i)ie allzulange die Unterzeichnermächte von Stresa getrennt hätten. In der Frage der Zurückziehung der Frei­willigen aus Spanien stimme die französische Regierung der Wiederherstellung der internationalen Kontrolle an der Pyrenäengrenze zu. Trotz einer Beruhigung in der internationalen Lage bleibe bie Situation in ihrer Gesamtheit ernst. Deshalb habe die englische Regierung recht, daß sie mit den französischen Ministern die wir­kungsvollsten Mittel studiere, um gemeinsam die beiden Länder gegen jeglichen Angriff z u verteidigen. Die Zusammenarbeit der K r i e g s- schiffe beider Länder könne von vornherein nur in großen Linien festgesetzt werden. Hingegen sei es nötig, eine taktische Zusammenarbeit der

beiden Luftflotten auf französischem Boden vorzusehen, um die Luftabwehr Englands zu sichern. Zu diesem Zweck würde eine Gene- ralstabsfühlungnahme zu einem Austausch nützlicher Informationen über Personal, Material, Konstruktion usw. erfolgen. Auf militär mir t- schaftlichem Gebiet müsse man ebenfalls Zu­sammenarbeiten, um jede unnütze Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu vermeiden. Das wesentliche Er- gebnis des ersten Verhandlungstages fei unbestreit­bar der Entschluß, die zwischen Frankreich und England zustandegekommenen militärischen Ver­pflichtungen auf das praktische Gebiet zu übertragen. Generalstabsbesprechungen würden fort­an zwischen beiden Ländern die technische Ver­bindung sichern. Aber wenn diese Zusammenarbeit zwischen den beiden Nationen ein wichtiges Inter­esse darstelle, so bleibe die englische Regierung be­müht, das europäische Wiederherstellungswerk, das sie mit dem Abkommen von Rom eingeleitet