Vrüder Gerhardt-Gießen Gaumeister.
Wieder einmal mehr haben die beiden Brüder Ludwig und Waller Gerhardt in harten Kämpfen um die Gaumeisterschaft im Florett- und Säbelfechten den Namen unserer Stadt auf das Beste vertreten und beide Meisterschaften mit nach Hause gebracht. Die Kämpfe wurden am vergangenen Samstag und Sonntag in Kassel, rn der festlich geschmückten Turnhalle des Wilhelm- Gymnasiums ausgetragen. Die Siege, die die beiden Gießener mit nach Hause nehmen tonnten, waren das Ergebnis eines ständigen eifrigen Trainings und sie sind um so höher einzuschätzen, wenn man berücksichtigt, daß beide Fechter in ihren Trainingsmöglichkelten insofern beschränkt sind, als sie meist immer nur gegen sich selbst kämpfen müssen und sich naturgemäß längst genau in ihrer Kampftechnik kennen.
Die Kämpfe um die Gaumeisterschaft nahmen den ganzen Samstagabend und den Sonntag in Anspruch. Am gestrigen Montagabend konnte man beide Fechter schon wieder beim Training in der Turnhalle des Turnvereins 1846 sehen. Die Beteiligung an den Meisterschaftskämpfen war sehr stark. Es galt also in vielen Gefechten viel Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Den Kämpfen wohnte ein zahlreiches sachverständiges Publikum bei. Vertreter der Partei und der Wehrmacht bekundeten ihr lebhaftes Interesse an diesem edlen Sport. Beteiligt waren Fechter der SA., der jj, der Wehrmacht und insbesondere die Fechter aus dem Kreise des Reichsbundes für Leibesübungen aus Kassel, Gießen, Wetzlar, Fulda, Bad-Nauheim und Hanau. Kampfrichter waren H i r s ch i n g und W o l l e r - mann (beide aus Hannover), die den Kämpfen den glatten Verlauf sicherten. Als Kampfrichter wirkte außerdem Karl M o o tz (Tv. 1846 Gießen)
Florett: Sieger Walter Gerhardt.
Für den Kampf um die Meisterschaft in der Waffe Florett traten nicht weniger denn 30 Teilnehmer an, die in der Vorrunde in fünf Gruppen (je 6 Fechter) im Kampf eines Jeden gegen Jeden um die Qualifikation für die Zwischenrunde stritten.
Unsere beiden Gießener Vertreter qualifizierten sich fast ohne Kampfverlust für die Zwischenrunde. Da die Hälfte der Teilnehmer mit der Vorrunde ausschied, gab es in der Zwischenrunde drei Gruppen zu je 5 Teilnehmern, aus denen sich nun die Teilnehmer der Endrunde herausarbeiten mußten. Klar erwiesen sich der Altmeister Lengemann (Kassel), die beiden Gerhardt als die Besten. Für die Endrunde sicherten sich folgende Fechter die Teilnahme: Lengemann (Kassel), Ehmer (Idstein), Mulch (Wetzlar), W Gerhardt, L. Gerhardt (Gießen), Thomas (Kassel), Dienstbach (Fulda), Schütz und Paul (Kassel) — also 9 Mann. Die Fechter, die schon zahlreiche Begegnungen hinter sich hatten, fochten mit äußerster Konzentration und gesteigerter Wachsamkeit. Wer sich Blößen gab, war rasch zur Strecke gebracht. Jeder kannte den anderen in seiner Kampftechnik mehr oder weniger gut und die Taktik der Kampfführung entschied in mancher Begegnung über Sieg oder Niederlage. Die Situation spitzte sich Kampf um Kampf zu. Von 8 Gefechten, die jeder zu bestreiten hatte, konnten unsere beiden Gießener Vertreter je 7 gewinnen. Neben ihnen stand gleichwertig Lengemann, der ebenfalls 7 seiner Gefechte gewinnen konnte. Die je eine Niederlage brachten sich diese drei Fechter untereinander bei. Walter verlor gegen Lengemann, Ludwig gegen seinen Bruder, Lengemann wiederum wurde von Ludwig Gerhardt geschlagen. So standen alle drei Kämpfer punktgleich da. Es gab also einen Stichkampf. Walter hatte zunächst gegen seinen Bruder anzutreten und siegte mit 5:4 Treffern. Lengemann — durch eine Muskelzerrung und Ermüdung aus den vorhergegangenen Kämpfen gehandicapt — gab auf. So fiel der Sieg an Walter Gerhardt.
Säbel:
SA.-Scharführer Ludwig Gerhardt.
Nicht viel anders gestalteten sich die Kämpfe im leichten Säbel. In vier Gruppen der Vorrunde traten 24 Mann an, aus denen sich 12 Fechter für die Zwischenrunde qualifizierten. Aus zwei Grup-
Die beiden Gießener Fechter SA.-Scharführer Ludwig Gerhardt (links) und Walter Gerhardt (rechts), die in Kassel die Gau-Meister- schasten in Florett und Säbel errangen.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
pen der Zwischenrunde sicherten sich 8 Mann die Teilnahme am Endkampf: Andre (Kassel), Wagner (Kassel), Mulch (Wetzlar), beide Gerhardt, Dienstbach, Stäblein (beide Fulda) und Hartung (Hanau).
Auch hier sicherten sich die beiden Gießener mit 6 Siegen und nur je einer Niederlage die Anwartschaft auf den Meistertitel. Da beide punktgleich standen, mußten sie nun wiederum selbst die Entscheidung ausfechten. Diesmal zog aber im Gegensatz zum Florett-Entscheidungskampf Walter Gerhardt den kürzeren. Er wurde von seinem Bruder mit 5:2 Treffern abgefertigt.
Degenfechten: kein Titel vergeben!
Auch im Kampf im Degenfechten beteiligte sich Ludwig Gerhardt und schlug sich in die Zwischenrunde 'durch. Da indessen bei diesen Kämpfen, die mit elektrischer Trefferanzeige durchgeführt wurden, und dabei mehrere der empfindlichen Waffen zu Bruch gingen, weitere Waffen aber nicht vorhanden waren, wurde die Entscheidung ausgesetzt. Sechs Mann sicherten sich die Teilnahme- Berechtigung an der Endrunde. Die sechs Fechter wurden zur Gausonderklasse erklärt. Um den Titel wird später gekämpft.
Um die Deutsche Meisterschaft.
Mit der Erringung der Gaumeistertitel konnten sich beide Brüder Gerhardt für die Teilnahme an den Kämpfen um die Deutsche Meisterschaften, die voraussichtlich am 24. April in Hannover ausgetragen werden qualifizieren. Der Gau Hessen wird mit je drei Mann in jeder Waffe dabei vertreten, sein. Im übrigen sei daran erinnert, daß auch Fräulein Wirth (Tv. 1846 Gießen) durch ihren 2. Sieg im Florett bei den Gaumeisterschaftskämpfen der Frauen bei den Deutschen Meisterschaften startberechtigt ist.
Oie Einzelleistungen beim Geräte- MannschastSkanipf Wieseck- Kastel.
Bei dem am Samstagabend in Wieseck ausgetragenen Gerätemannschaftswettkampf zwischen den Turnern des Turnvereins Wieseck und der Kasseler Turngemeinde wurden von den einzelnen Turnern an den verschiedenen Geräten folgende Punktwertun-
gen erzielt:
Kassel.
Name
Barren
Pferd
Freiübung
Reck
Merz
14
14
16
13
Beletz
15
13,5
■—
12,5
Röper
14,5
13
——
16
Schmidt
16
14,5
17,5
15
Rohrbach
17
15,5
14,5
14
Schiebeler
18
18
18
20
94,5
88,5
66
90,5
Zusammen 339,5 Punkte.
—
Wieseck.
Name
Barren
Pferd
Freiübung
Reck
Lepper
13
12
17
12,5
Mank
14
12,5
—
15
Otto Kreiling
15
16
•—
14
Bettin
18
19,5
16
19
Adolf Kreiling
19
17,5
15,5
19,5
Schöffmann
19
17,5
17,5
20
98
95
66
100
Zusammen 359 Punkte.
Erst Volksabstimmung dann Eingliederung.
Der Reichssportführer in Wien.
Schlagartig setzte am Sonntag in Hanz Oesterreich die Werbung des deutschen Sports ein, die sich über die ganze Woche fortsetzen wird. Nach einem Empfang des Reichssportführers durch Gauleiter Bürckel wohnte der deutsche Sportführer der Kranzniederlegung durch den Generalfeldmarschall Göring am Ehrenmal bei.
In den Räumen der österreichischen Sportfront gab der Reichssportführer den Vertretern der Wiener Sportpresse die Richtlinien für die Umgestaltung im österreichischen Sport. Ausdrücklich betonte er, daß allen Gelegenheit gegeben werde, an dem großen Werk des Führers mitzuarbeiten. Erst muß aber das österreichische Volk vor der Welt durch die Volksabstimmung beweisen, daß es gewillt ist, sich zu Deutschland zu bekennen. Bei dem Aufgehen in dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen wird nicht Überstürzt vorgegangen, sondern stetig und unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Verbände die Arbeit ausgenommen. Nachdrücklich betonte der Reichssportführer, daß es keinen Unterschied mehr zwischen Turnern und Sportlern gibt.
Nach einigen werbenden Worten für das Deutsche Tum- und Sportfest in Breslau gab der Reichssportführer bekannt, daß er bei dem internationalen Verband die Rückverlegung des Feldhandball- Weltturniers nach Wien beantragt habe, das Oesterreich ursprünglich zur Ausrichtung übertragen war, aus finanziellen Gründen aber Deutschland überlassen wurde. 1
Oie Pflichtspiele der Kreisklaffen am Sonntag.
1. Kreisklasse.
Rüddingshausen — Heuchelheim 4:L Ueberraschend legte Rüddingshausen in der ersten Halbzeit drei Tore vor. Nach Halbzeit schoß Heuchelheim das Ehrentor.
Alten-Buseck — Großen-Buseck 2:3: Ein Spiel zwei gleichwertiger Mannschaften.
Rod heim I — Lollar II 2:3: Die Lollarer hatten ihre Mannschaft durch Spieler der Ersten verstärkt und Rodheim mußte mit zehn Mann spielen.
1900 Gießen II — Garbenteich I 0:1. Ein äußerst hartes Spiel, bei dem die Garbenteicher auf Grund ihres Einsatzes verdient gewinnen, konnten.
Staufenberg I — Treis a. d. Lda. I 3:3.
Die 1. Elf von Staufenberg trug am vergangenen Sonntag ein fälliges Verbandsspiel gegen Treis a. d. Lda. aus. Das Spiel endete mit einem gerechten Unentschieden von 3:3 Toren. Auch die Jugendmannschaften der beiden Vereine lieferten sich einen Kampf, der mit 2:4 Toren für die Irei=' ser endete.
1900 2. Jgd.—Tv. Großen-Linden 2. Jgd. 2:2 (2:1).
Die 2. Jugend der Blauweißen und die gleiche von Großen-Linden lieferten sich einen schönen Kampf, der ein gerechtes Unentschieden fand. Die Blauweißen setzten alles daran, um den Siegestreffer zu schießen, der ihnen jedoch trotz aller Anstrengung versagt blieb.
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Bekanntmachung.
Betr.: Ausgabe der Fettverbilligungsscheine und der Bezugsscheine für Konsum-Wargarine (ohne Verbilligung) für die Monate April bis Juni 1938. r 2034V
I. Fettoerbilligungsscheine für Volksgenossen, die nicht in laufender Fürsorge des Wohlfahrtsamts stehen:
A—G: Mittwoch, 30. TNärz, 8'A bis 12 und 15 bis 17 Uhr,
H—M: Donnerstag, 31. Ulärz, 8X> bis 12 und 15 bis 17 Uhr,
N—S: Freitag, 1. April, 8A bis 12 und 15 bis 17 Uhr,
T—Z: Samstag, 2.April, nut 8% bis 12 Uhr.
II. Bezugsscheine für Konsum-Wargarine (ohne
Verbilligung):
A—K: Wontag,4.April, nur VA bis 12)4 Uhr,
L—S: Dienstag, 5. April, n u r 1A bis 12^ Uhr, T—Z: Mittwoch, 6. April, n u r VA bis 12 >4 Uhr. Die Ausgabe erfolgt im Stadthaus, Gartenstraße Nr. 2, Zimmer 13.
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Die festgesetzten Zeiten sind unbedingt einzuhalten!
Gießen, 28. März 1938.
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Zusammenkunft: 11. Schneise — krummer Weg.
Gießen, den 28. März 1938.
Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus.
BORRMANN5:
Gießen - Neustadt 5 — Ruf 4165
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