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Zauberbrille. Ein Mann erschien auf der Bühne und warf uns alles Mögliche ins Gesicht, und jeder meinte, gerade ihm! Das gab nun ein Lachen, Schreien und Quieken! Zuerst flog mir ein Ball in die Augen, das ging ja noch, aber als ein zappeln­der Frosch kam, wurde es mir ungemütlich. Erft recht, als eine Sense mir den Kopf abschnitt und ein Eimer Wasser über mich geschüttet wurde. Das Kleine neben mir fing bitterlich an zu weinen und bohrte die Händchen in die Augen. Wir aber lachten noch, als wir herausgingen.

Ich kaufte mir noch einen Zuckerstengel, dann war leider mein Geld alle, und wir gingen heim. Hof­fentlich ist bald wieder Messe! B. St.

' ornoüzen

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.30Das Land des Lä­chelns". Gloria-Palast (Seltersweg):Das Mäd­chen mit dem guten Ruf". Lichtspielhaus (Bahn­hofstraße):Schüsse in Kabine 7". Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Kunstausstettung im Turmhaus am Brand. Frühjahrsmesse auf Os- waldsgarten.

Stadltheater Gießen.

Heute, um 20 Uhr, findet eine Wiederholung des großen OpsrettenerfolgesDas Land des Lächelns" von Franz Lehär statt. Musikalische Leitung Joa­chim Popelka, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Tänze: Irmgard Zenner, Bühnenbild: Karl Lösf- ler. Die Vorstellung findet als 24. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß die OperetteDas Land des Lächelns" nicht durch die KdF.-Miete geht. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.

Clivia" verschoben.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mitgeteill: Die für Donnerstag, den 31. März, angesetzte Auf­führung vonClivia", Operette von Nico Dostal, ist wegen des Führer^Besuches in Frankfurt auf Montag, 11. April, verlegt worden.

KMWWMllWol

As.-GemeinschaftKraft durch Freude". Theaterring Gießen.

Die 4. Rate für dieKdF."-Mieten ist fällig. Die Karten können ab sofort in der Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60, abgeholt werden. Prompte Abholung ist erforderlich, da die nächste Vorstellung am 2.4. staltfindet. - 2046V

Samslag, 2. April, 20 Uhr: GroßeKdF."-Miele

Gruppe I und II:

Großer Bunter Abend" im Stadttheater für Gruppe I und II gemeinsam (kein Kartenverkauf).

Die 14. Vorstellung der Gruppe I findet aus­nahmsweise am IN o n l a g, 11. April, statt. Operette Clivia".

Ordnungsland Reiseland!

Gewaltige Steigerung des Fremdenverkehrs im Rhein-Main-Gebiet.

Lpd. Auch der Fremdenverkehr hat unter der nationalsozialistischen Staatsführung einen gewalti­gen Aufschwung genommen und stellt heute vor allem für die Fremdenverkehrsgegenden im Rhein- Main-Gebiet einen Wirtschaftsfaktor ersten Ranges dar.

So betrug beispielsweise im Jahre 1932 die Zahl der in Frankfurt am Main angekommenen Frem­den 308 000. Bis zum Jahre 1937 hat sich diese Zahl schon auf 557 000 gesteigert. In Wiesbaden betrug die Zahl der Gäste im Jahre 1932 - 100 000 und stieg im Jahre 1937 auf 155 000. Einen ähn­lichen Aufschwung hat der Fremdenverkehr auch in den übrigen Orten des Rhein-Main-Gebietes ge­nommen.

Diese Entwicklung ist ein stolzes Zeugnis für das neue Deutschland mit seiner beispielhaften öffent­lichen Ordnung, seinen stabilen Preisen, seiner le­bensfrohen Bevölkerung, und seinem prachtvollen Geist des Aufstiegs und der Volksgemeinschaft.

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Lesehallenverein Gießen aufgelöst

größeren bestehen.

14.07

14.17

14.23

15.24

Großen-Linden

Lang-Göns

Kirch-Göns

an Frankfurt-West

an 2.17 Uhr

2.07

,, 159

153 ab 055

gesprochen.

Die um den Tierschutz verdienten Mitglieder Oberreallehrer i. R. Straub, Prof. K o o b und Kutscher Haus sauer wurden zu Ehrenmit­gliedern ernannt. Dem als Pferdepfleger bekannten Mitglied Haussauer, dem bereits die Goldene Medaille des Deutschen Kartells für das Hunde­wesen verliehen wurde, überreichte der Tierschutz­verein anläßlich seines 25jährigen Arbeitsjubiläums eine weitere verdiente Ehrung.

Das Andenken der verstorbenen Mitglieder Spitz, Heil und Koch^wurde in üblicher Weise geehrt. Der Tierschutzverein hat die Mitgliedschaft des Vogel­schutz-Vereins erworben und Mitglied Geisel als Verbindungsmann bestellt. Aus den Berichten ging

halle eingeräumt. Weitere Förderung erfuhr der Verein durch Prof. Dr. Sommer und in stiller und aufopfernder Arbeit durch Prof. Dr. V e l k e. Frl. D i n g e l d e i n machte sich wahrend langer Zeit um die Ausleihearbeit verdieirt. Der Bücher­bestand vergrößerte sich zusehends. Während des Krieges wurden Soldaten mit guten Büchern ver­sorgt. Im Jahre 1923 fiel die Lesehalle zwar der Geldentwertung zum Opfer, sie wurde aber 1927 im Torhaus am Seltersweg wieder eröffnet. 1933 wurde eine engere Verbindung zwischen den Ein­richtungen des Vereins und der Stadt geschaffen. Auch wurde Verbindung mit der staatlichen Landes­beratungsstelle für Büchereiwesen ausgenommen. Der nationalsozialistische Umbruch verursachte eine Neuordnung der Bücherei, die allerdings, dank des hohen Niveaus, das in der Bücherei gehalten wurde, nur die Ausscheidung von 75 Büchern not­wendig machte. Durch Neuanschaffungen konnte die Bücherei auf einen Umfang von 9000 Bänden ge­bracht werden.

Zum Abschluß der Versammlung wurde erneut betont, daß Bücherei und Lesehalle auch weiterhin zirm Segen der Volksgenossen in unserer Stadt zur Verfügung stehen werden.

Zuhörer.

In reger Aussprache kam die vielfältige Arbeit im Gießener Tierschutzverein zum Ausdruck. 11. a. wurde wiederholt auf gesetzwidrige Behandlung von Tieren in den Schrebergärten hingewiesen. Auch gegen Schäfer wurde Klage geführt, die ihren Hun­den nicht die erforderliche Ruhe gönnen. Weiter wurde auf das Verbot des Kupierens ohne Betäu­bung aufmerksam gemacht. Lebhafte Klagen wurden über herrenlose Katzen geführt, die den Singvögeln schaden. Ausgiebig wurde die noch vielfach gesetz- widrige Behandlung und Pflege der Pferde gerügt. Ferner wurden Anregungen an die Behörden ge­geben, der zunehmenden Glätte des Kleinpflasters in den Straßen durch den Autoverkehr zu steuern.

Abschlußprüfung

der Oeffentlichen Handelslehranffalt.

In der vorigen Woche fanden an der Öffent­lichen Handelslehranstalt Gießen die Abschlußprü­fungen der Höheren Handelsschule und der Handels­schule statt. In der Höheren Handelsschule bestanden 21 Schülerinnen die Prüfung. Das Zeugnis der mittleren Reife erhielten 70 Schüler und 44 Schüle­rinnen. Die Entlassung fand am Samstag in der geschmückten Turnhalle der Schule statt. Nach einer Ansprache des stellvertretenden Präsidenten der In­dustrie- und Handelskammer und des Direktors Dr. Kruse wurden die Schüler und Schülerinnen durch ihre Klassenführer einzeln mit den besten Wünschen entlassen.

Fahrzeit: 1355 Uhr ab Gießen

Schützt unsere Tiere!

Jahresversammlung des Tierschutzvereins Gießen.

Die Jahreshauptversammlung des Tierschutzver­eins Gießen und Umgebung am gestrigen Montag­abend imFrankfurter Hof" wurde von dem Vor­sitzenden, Stadtveterinärrat Schlachthofdirektor Dr. Keller mit dem Hinweis auf die Werbung zur Linderung der Not des Kettenhundes eröffnet. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden war u. a. zu entnehmen, daß der Tierschutzverein Gießen und Umgebung dem Reichstierschutzbund angehört. Im letzten Jahre konnte erhebliche Werbearbeit für den Gedanken des Tierschutzes geleistet, viele Anregun­gen gegeben und Mißstände beseitigt werden. Der Vorstand, der sich neben dem Vorsitzenden noch aus dem stellv. Vorsitzenden Professor Dr. Küst, Ge­schäftsführer Oberinspektor Müller, den Herren Haas und S ch ö m b s , die zu Tierzuchtinspektoren ernannt wurden, Pfandmeister Leitner als Rech­ner, Polizeiobermeister Petermann als Ver­

bindungsmann zur Polizei und einem Beirat zusammensetzt, bleibt weiterhin Allen Mitarbeitern wurde besonderer Dank aus-

Anschluhst recken : Für Anschluhsirecken hallen die Teilnehmer 75 v. h. Fahrpreisermäßi­gung gegen Vorzeigen der Sonderzugkarte.

Gonderzüge zum Führerbesuch

in Frankfurt a. M. am Donnerstag, ZI. März.

Der Gießener Lesehallenverein faßte in einer am vergangenen Samstagabend abgehaltenen Sitzung den endgültigen Beschluß, den Verein aufzulösen. Das Vermögen wird der Stadt übergeben. Die Ausleihegeschafte werden in der bisherigen Weise fortgeführt. Die Lesehalle bleibt ebenfalls unver- änöert bestehen.

Im Laufe der Versammlung gab der Leiter des Lesehallenoereins Prof. Dr. Eger einen kurzen geschichtlichen Rückblick. Der Lesehallen- oerein wurde am 10. Januar 1898 im Cafä Ebel gegründet und bemühte sich bald und mit Erfolg um die Ueberlassung eines Torhäuschens. Bücherei und Lesehalle befanden sich damals unter einem Dach. Bald zählte die Bücherei durch Schenkungen etwa 1700 Bände und 50 ständig aufliegende Zei­tungen. Prof. Dr. Haupt und Prof. Dr. Fritz - s ch e ließen dem Verein und der Bibliothek alle Förderung angedeihen. 32 Jahre lang stand Pros. Dr. Fritzsche im Dienste der guten Sache. Die Zahl der Mitglieder betrug im Jahre 1901 bereits 320. Durch private Stiftungen, Mitgliedsbeiträge und Zuwendungen der Stadt stieg der Bücherstand auf 5500 im Jahre 1904. Bücherraum und Lesehalle wurden bald zu klein. Dem Lesehallenverein wurde ein weiteres Torhäuschen für die Zwecke der Lefe-

5um Führer-Besuch in Frankfurt fährt die kreis- leilung in Verbindung mit der RSG.kraft durch Freude" mehrere Sonderzuge.

Die Teilnehmer der Sonderzüge erhalten solche platze, die es jedem ermöglichen, den Führer aus nächster Rahe zu sehen und die Rede des Führers durch Lautsprecher zu hören. Karlen für die Fesi- halle stehen bisher nicht zur Verfüguüg.

Die Durchführung der Sonderzüge erfolgt durch die kreisdiensisiellen KdF. in Gießen und Fried­berg. Alle Ortsgruppen des ehemaligen Kreises Gießen geben ihre Bestellungen an KdF. Gießen (Fernsprecher 2141), die des ehemaligen Kreises Friedberg an KdF. Friedberg (Fernsprecher 4593).

Für die Sonderzüge ab Gießen ergehen folgende Anordnungen:

Fahrpreis 1,50 Mark für hin- und Rückfahrt.

Zu steige st ationen: Großen-Linden, Lang- Göns, Kirch-Göns.

Zubringerzüge: Rach Rückkehr des Son­derzuges sollen Zubringerzüge nach Grünberg und Lich eingelegt werden. Verhandlungen sind im Gange, jedoch kann einstweilen noch nicht fest da­mit gerechnet werden.

Kartenbestellung: Die Ortsgruppen und Betriebe melden sofort ihren Sartenbedarf telepho- nicht an KdF. (2141). Fest bestellte Karten müssen unbedingt abgenommen werden, Rücknahme kann nicht erfolgen.

Kartenausgabe: Die Ausgabe der Karten erfolgt Dienstag und Mittwoch in der kdF.-karten- oerkaufsstelle, Seltersweg 60. Karten werden nur gegen bar verausgabt. Den auswärtigen Ortsgrup­pen werden die Karten durch Eilbrief zugestellt. Bereits aufgegebene Bestellungen sind nochmals zu bestätigen.

Einzelpersonen: Karlen für Einzelpersonen sind am Mittwoch in der kdF.-Kartenverkaussstelle, Seltersweg 60, erhältlich.

Kreisleitung Wetterau der RSDAP.

töciter hervor, daß die Tierhaltung in den Schreber­gärten wiederholt Anlaß zum Einschreiten gab. Der Verein beschaffte Nistgelegenheiten

Der neue Leiter des Relchsüerschutzbundes, Staatsrat Oberbürgermeister Dr. Krebs (Frank­furt a. M.), wandte sich in einem Rundschreiben an die Gemeinden mit dem Ersuchen, die örtlichen Tier- schutzvereine zu unterstützen.

Aus dem von Pfandmeister Leitner erstatteten Kassenbericht waren geordnete Finanzverhältnisse zu entnehmen, die eine sorgsame Geschäftsführung be­kunden. Der Mitgliederbestand betrug 144 Männer und Frauen.

Der Geschäftsführer, Oberinspektor Muller, berichtete über die großzügige Werbung '.Helft dem Kettenhund, er verdient es!", um den Gedan­ken des Tierschutzes in das Volk zu tragen.

Der Direktor der Veterinärklinik Prof. Dr. Ku st gab zu dieser Werbeaktion wertvolle und lehrreiche

- haben den Erdalpreis gesenkt. Dadurch ist jetzt noch bessere Erdal-Schuhpflege mög­lich. - Bessere Schuhpflege bedeutet Schuhe sparen, denn die Schuhe halten länger und bleiben länger schön.

09 Erdal

Anregungen für die Haltung des Kettenhundes. In seinem Vortrag kennzeichnete er den Hund nicht nur als Tier, sondern auch als den treuesten Kameraden feines Herren, dem er Hausgenosse ist, und als Be­gleiter, Beschützer und Wächter dienen kann. Er erinnerte an die Hunderassen, die eine Lebensauf­gabe haben, wie Polizei-, Blinden-, Sanitäts-, Melde- und Jagdhund, die unentbehrlich für den Menschen geworden sind. In eingehenden Darle­gungen zeigte der Vortragende, daß je nach dieser besonderen Lebensweise die Haltung des Hundes beschaffen sein muß, der nur dann leistungsfähig bleiben wird, wenn er seiner Eigenart entsprechend viel Bewegung, gesunde und trockene Wohnstätten, ausreichende und gesunde Nahrung, nicht etwa ver­faultes Fleisch und reichlich und frisches Wasser be»' kommt. Vor allem kommt es auf die Sauberkeit an, die der Hund genau so liebt wie der Mensch, und auf die liebevolle Behandlung, die er sich merkt und für die er sich dankbar erweist. Die zahlreichen prak­tischen Hinweise fanden aufmerksame und dankbare

Abenteuer in Paris.

Vornan von Hans Hirthammer.

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Und dann stand er in einem winzig kleinen Stüb­chen, das mit den bescheidensten Mitteln eingerichtet und von einer Petroleumlampe mäßig erhellt war. Die eine Längswand war abgeschrägt und von der Ausbuchtung eines Fensters unterbrochen. In dieser Art Alkoven sand er Pawla Werzewna, sitzend in einem mächtigen alten Großvaters!uhl, hinter dessen Armlehnen ihre schmale Gestalt beinahe verschwand.

Sie hatte die Beine hochgezogen, die Arme um ihre Knie gespannt und starrte den ungewöhnlichen Besucher überrascht an. Heinz war bis zur Mitte des Zimmers vorgedrungen und schwenkte seinen Hut gleich einer Friedensfahne.

Es ist nicht schön von Ihnen, daß Sie uns ver­lassen haben. Vor allem konnten Sie sich denken, daß ich mich nicht so ohne weiteres mit Ihrem plötzlichen Verschwinden abfinben würde. Warum sind Sie uns so heimtückisch durchgebrannt?"

Albernes Geschwätz, dachte er, als er sich so sprechen hörte. Ich wollte, ihr ja etwas ganz an­deres jagen...

Sie erwarteten doch Besuch! In solchen Fällen pflegt mich Armand wie die Schaunummer eines Panoptikums vorzuführen. Er fühlt nicht, wie demütigend das für mich ist."

2lch so, deswegen!" In gewissem Sinne erschien ihm ihre Empfindlichkeit übertrieben, gleichwohl war etwas in ihm angerührt, das ihn für ihre Not hellhörig machte. Er sah sie, ein kleines deut­sches Mädchen, behaftet mit der Melancholie und Verwundbarkeit der russischen Seele, ausgeliefert diesem fremden Lande.

Heinz Stadler trat näher auf sie zu und sah über die Lehne des Sessels zu ihr nieder. Sie trüg noch die Kostümierung, in brr er sie zum erstenmal gesehen hatte.

Ich war sehr enttäuscht, daß Sie weggegangen, waren. So sagte ich denn -.u Armand, daß ich 'für ein Unternehmen in dieser Nacht Ihre Michilfe brauche, und daß ich Sie deswegen unbedingt noch sprechen müsse. Auf diese Weise gelang es mir schließlich, ihm Ihre Adresse zu entlocken."

Sie brauchen mich? Wie soll ich das ver­stehen?" Sie blickte ihn nicht an, während sie

sprach, sondern verharrte unbewegt in ihrer kauern­den Stellung.

Es war nur so ein plötzlicher Einfall, um einen Vorwanh zu haben, der mir erlaubte, Sie zu be­suchen Pawla Werzewna!"

Für eine Weile herrschte ein tiefes Schweigen in dem kleinen Raum: doch keineswegs lastend, son- bem es war vielmehr, als lauschten sie beide auf eine leise, klingende Stimme, die ihnen etwas Schönes verkündete.

Plötzlich wandte sich das Mädchen um, so daß sie, auf dem Sitz des Sessels kniend, eine hockende Stellung einnahm, während sie sich mit den Händen an der oberen Kante der Lehne feschielt.

Und ihre großen, schönen Augen waren nun ganz nahe vor ihm und blickten ihn an, unbefangen und ohne Absicht auf Wirkung, so etwa, wie ein Kind ein sonderbares Ding anschaut, das seine Verwun­derung in einem hohen Grade wachgerufen hat.

Heinz Stadler lächelte, ein gutes, kameradschaft­liches Lächeln.

Was meinten Sie damit: daß Sie meine Mit­hilfe brauchen?"

Es war nur ein Vorwand, Pawla Werzewna!"

Aber ich möchte es tun. Ich möchte gern etwas für Sie tun!"

Nun erst formte sich in seinem Innern ernsthaft der Plan, an den er vorhin halb unbewußt und in der Ueberzeugung feiner Undurchführbarkeit gedacht hatte. Und er erzählte ihr, warum er nach Paris gekommen war, was er vor hatte und welche Rolle sie bei der geplanten Unternehmung spielen sollte. _($s wird für Sie nicht leicht sein; aber wenn oie es tun wollen, bann sollen Sie es nicht tun in Erlebigung eines geschäftlichen Auftrages, sondern .. als Kamerad, teilnehmend an meiner Arbeit. Ver­stehen Sie, was ich sagen will, Pawla Werzewna?"

Sie nickte abwesend, indessen ihre Augen immer noch auf ihn gerichtet waren.

Dann ballte sie ihre Hände zu Fäusten und preßte sie an den Mund. Und senkte sie langsam wieder auf die Lehne:Werde ich mich sehr ungeschickt anstellen, furchtbares Herzklopfen haben?"

Ich weiß es nicht!" scherzte Heinz, und es war ihm doch gar nicht nach Scherzen zumute.

Pawla stand auf und schritt auf den Kleider- schrank zu.Sie müssen mir sagen, was ich für meine Ausgabe anziehen soll!"

Er kam hinter ihr drein und ließ sich ihre be­scheidenen Kleiderschätze zeigen.Es muß etwas Freches sein, wissen Sie, ein leichter ftaudj von Lasterhaftigkeit muß von Ihnen ausgehen. Hier, wie wäre es mit dieser Orgie in Rot? Wenn Sie den Halseinsatz und die Aermel abtrennen, könnte

das Richtige herauskommen." Er nahm das Kleid vom Bügel und hielt es ihr prüfend an den Körper. Sehr gut! Nehmen Sie gleich mal die Verände­rung vor!"

Sie zögerte.Soll ich das wirklich anziehen? Ich habe das Kleid von einer früheren Wohnungs­nachbarin bekommen, aber ich habe es noch nie getragen, es wirkt so ... unanständig."

Das soll es ja gerade! Wenn Sie mir wirklich helfen wollen, müssen Sie für ein paar Stunden ein ganz leichtfertiges Mädchen sein."

Mit einem tiefen Seufzer nahm sie das Stleib, holte das Nähzeug aus der Tischlade und begann die Arbeit.

Unterdessen lehnte Heinz Stadler am Fenster, rauchte eine Zigarette und wellte mit seinen Ge­danken wer weiß wo jedenfalls nicht bei der Aufgabe, die ihn erwartete.

Als Pawla Werzewna mit der Arbeit fertig war, hielt sie das Kleid vor sich hin. In ihren Augen stand helle Verlegenheit.

Sie müssen es schon anziehen, es hilft alles nichts!" sagte Heinz und drückte am Fensterbrett seine Zigarette aus.Wenn Sie es wünschen, schlüpfe ich inzwischen in den Kleiderschrank."

Es dürste einfacher und für Sie bequemer sein, wenn Sie solange hinausgehen!" sagte sie ruhig.

Er folgte ihrer Aufforderung ohne Zögern. Als er aber auf dem stockdunklen Treppenflur stand, kam er sich mit einem Male höchst albern vor.

Was soll das alles? Das ist das Allerneueste, daß du dich von einem kleinen Mädchen aus dem Zimmer schicken läßt! Seit wann bist du unter die Schwerenöter gegangen? Perdammt, mein Junge, mir scheint, da stimmt etwas nicht!"

Was soll da nicht stimmen?" erwiderte Heinz" der spöttischen Stimme in seinem Innern.Das ist ein anständiges Mädel, die nimmt man nicht ein­fach in den Arm, verstanden!"

Ach, sieh mal an! Was denn? Heiratet man sie vielleicht?"

Heiraten? Wer spricht von heiraten? Und überhaupt--!"

Heinz brach sein stummes Zwiegespräch ab und begann leise einen Gassenhauer vor sich hinzu- pferfen.

-Es dauerte ungewöhnlich lange, bis Pawla end­lich die /Tür öffnete.Kommen Sie, Herr Stadler, und sehen Sie sich diese Unmöglichkeit an!"

Heinz trat ein, schloß hinter sich die Tür und war zunächst nicht imstande, ein Wort zu sagen.

Pawla Werzewna war aufregend schön. Das Kleid, das sich ganz eng um ihren Körper spannte, rief zu seiner großen Ueberrafchung keineswegs die

Wirkung hervor, die er erwartet hatte. Sie hätte in diesem Kleide die beste Gesellschaft besuchen können, ohne daß jemand auf den Gedanken ge­kommen wäre, sie nicht als Dame anzuerkennen. Wohl war der Ausschnitt gewagt, wohl hielt nur ein schmaler Stoffstreifen das Kleid an den Schul­tern fest aber die edlen und vollendeten Linien dieses Körpers, die bezaubernde Schönheit dieses Gesichtes erstickten jeden zweideutigen Gedanken.

Unmöglichkeit? Keine Idee von Unmöglich- feit! Sie sind schön, s^hr schön, Pawla Werzewna!" Er blickte sich suchend im Zimmer um.Mein ©ott, nicht einmal einen Spiegel haben Sie. Es ist ein Verbrechen für eine schöne Frau."

Auf ihren Lippen formte sich ein dankbares Lächeln.Ich brauche keinen Spiegel. Sie sagen mir ja, wie ich aussehe."

Ich will es Ihnen ganz genau sagen: Pawla Werzewna ist die schönste Frau von Paris. Ihre Haare sind wie eine dunkle Krone, ihre Augen gleichen zwei leuchtenden Sternen, ihr Mund ist wie ein holder Brunnen, ihre Schultern sind bezaubernd in der Form ihrer Linien, ein Meisterwerk aus kostbarem Elfenbein ..."

Wie Sie das... so sagen können! Wie ein schönes Gedicht!" Sie sprach es ganz leise, während ihr Gesicht bis zu den kleinen Ohren mit einer jähen Röte übergossen ward.Ich sollte es gar nicht geduldet haben, daß Sie solche Worte äußern, aber... es ist so hübsch gewesen!"

Ich glaube, Pawla Werzewna, Sie wissen gar nicht, wie gefährlich Sie sind!" Er machte eine halbe Bewegung mit den Armen, als wollte er sie an sich reißen, aber er ließ die Hände wieder sinken.Wir wollen uns jetzt auf den Weg machen. Unten wartet ein Auto. Kommen Sie!"

Sie warf den Mantel über.Ich habe schreckliche Angst!" flüsterte sie.

Sie werden Ihre Rolle fabelhaft spielen. Trotz­dem: Hals- und Beinbruch, Kamerad! Und wenn alles klappt, bann--"

Er sprach nicht aus, was bann f»in würde.

22.

In dieser Nacht, zehn Minuten vor elf, erhielt der leitende Beamte des Raubdezernates im Pari­ser Polizeipräsidium einen telephonischen Anruf, der ihn veranlaßte, sofort seinen Assistenten zu sich zu bitten.

Er forderte den Eintretenden mit einer knappen Bewegung zum Platznehmen auf.Stadler hat eben angerufen. Es scheint, es gibt noch allerhand zu tun in dieser Nacht. Sie kennen den ,Chat bleu6, den ,Blauen Kater6? Ein übles Lokal am Boule* oarb Madeleine!" (Fortsetzung folgt.)