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vorigen Jahr bei uns. Der Junge unseres Nach­bars machte am Silvesterabend immer ein Mords- getöse. Er ließ es böllern, daß die ganze Gegend zitterte. So auch im vorigen Jahr. Sehr schön war das alles anzusehen, grüne, rote und gelbe Ra- feien ließ er steigen, eine immer schöner wie die andere. Er war sehr stolz auf die Anerkennung, die ihm von allen Seiten zuteil wurde. Ein wenig zu stolz, denn als eine Rakete, es war sogar die letzte, nicht losgehen wollte, nahm er sie von der Erde auf, um mal nachzusehen, woran das läge. Kaum hatte er sie ausgenommen, ging sie wirklich los, sie stieg aber nicht zum Himmel auf, sondern fuhr dem Jungen geradenwegs ins Gesicht. Der brüllte, als ob er am Spieß stäke. Der Vater alarmierte den Arzt, es ging noch mal gut ab. Aber Feuerwerkskörper, die nicht losgehen wollen, nimmt der Iunae nicht mehr vom Erdboden auf, das hat er versprochen. fg- (RAS.)

Die (Gefahren vereister Straßen.

Merkregeln für die Kraftfahrer!

Lpd. Durch den plötzlichen Witterungsumschlag ereigneten sich in Stadt und Üanö in den letzten Ta­gen zahlreiche Verkehrsunfälle mit vielfach verhäng­nisvollen Folgen. Kraftfahrer, beachtet beim Fahren im Winter folgende Regeln:

1. Fahrt im Winter besonders vorsichtig, Denkt an die geringe Haftung der Räder bei Schnee und Eis.

2. Vermeidet bei Glatteis starke und ruckarttge Bewegungen am Lenkrad. Denkt an die Schleudergefahr.

3. Seid vorsichtig beim Bremsen. Bremst auf fei­nen Fall scharf, der Wagen gerät sonst ins Schleudern und Schwimmen.

4. Haltet ftets genügend Abstand beim Nachfah­ren hinter anderen Kraftfahrzeugen.

5. Setzt vor Kurven die Fahrgeschwindigkeit recht­zeitig herab: verlaßt euch nicht auf die Bremsen.

6. Verwendet im Winter nur Reisen mit griffi­gem Profil.

7. Beachtet die vielfach vereisten Stellen in Wald­stücken, an Berghängen usw.

8. Sorgt für gute Sicht; verwendet neben dem Scheibenwischer noch Frostschutzscheiben oder sonsttge Hilfsmittel.

9. Ergänzt eure Winterausrüstung durch Mit­nahme vorschriftsmäßiger Schneeketten!

Parkplatz auf dem Hoherodskopf.

Im Hinblick auf den stark angewachsenen Fahr­zeugverkehr auf dem Hoherodskopf hat der Haupt­vorstand des Vogelsberger Höhen-Clubs (VHC.) einen Parkplatz auf dem Hoherodskopf vorgesehen. Von der Forstverwaltung wurde ein Gelände im Umfang von 7500 qm gepachtet, auf dem in den Sommermonaten die Fahrzeuge parken können. Für eine Bewachung dieses Parkplatzes wird Sorge ge­tragen werden.

* Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Donnerstag, 29. Dezember, vollendet der Möbel­spediteur Heinrich Keßler, Kreuzplah 6, in voller Frische sein 70. Lebensjahr. Dem Jubilar, einem langjährigen treuen Bezieher des Gießener Anzei­gers, bringen auch wir unfern herzlichen Glück­wunsch zum Geburtstag dar.

** Lehrschein mit goldener Nadel. Fräulein Ingeborg Strohe, stuck, med., Gießen, Aulweg 82, konnte nach erfogreich abgelegter Prü­fung von der Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Lebensrettungs-Gemeinschaft, Berlin, der Lehr- schein mit goldener Nadel überreicht werden.

* Wohnungseinbrecher an der Ar- beit. In den vergangenen Tagen trieben Woh­nungseinbrecher in unserer Stadt ihr Unwesen. Bis­her sind zwei Einbrüche der Polizei zur Kenntnis gelangt. Der oder die Einbrecher suchten eine Woh­nung in der Schulstraße und eine weitere Woh­nung im Seltersweg heim. Nach den bisherigen Er­mittlungen haben es die ungebetenen Gäste auf Gell» abgesehen.

r-i/tr-x Niemand in der Dell wird uns ////M\\\\\ helfen, außer wir Helsen uns selbst.

W x,*- Adolf Hitler.

Bei der Eröffnungsfeier des WHD. 1938/39-

Die Himmelserscheinung aufgeklärt.

Das Frankfurter planeten-Institut

Lpd. Frankfurt a.M., 27. Dez. Der unae- wöhnliche, in ganz Deutschland beobachtete rätsel­hafte Meteorfall vom 2O. No oe mb er ist jetzt vom Frankfurter Planeten-Jnstitut berechnet worden, lieber 300 Beobachtungen aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Auslande liefen in Frankfurt zusammen. Die in Zusammenarbeit mit anderen Sternwarten durchgefthrten Untersuchun- gen ergeben ein einigermaßen stcheres Bild. Man Bat es zweifellos mit einer Himmelserschemung von außerordentlicher Helligkeit zu tun. Sie beeinflußte manche Menschen so sehr, daß sie nicht mehr wei­tergehen konnten, von einer Art Lähmung befallen waren und am ganzen Körper zitterten.

Die Bahnbestimmung hat ergeben, daß die Feuer­kugel sich in der Richtung D o r t mu ndV i e r- roalbftätter See bewegt hat. Zum erstenmal muß sie bei Montabaur im Westerwald ausge- leuchtet sein. Ihr Hemmungspunkt lag in der Nähe der Rheinquellen. Von dort an verlor das Meteor an Leuchtkraft und Geschwindigkeit. Die größte Ent-

berechneke die Bahn des Meteors.

fernung im Verlauf der beobachteten Bahn mag 150, die geringste beim Hemmungspunkt 70 Kilo­meter gewesen sein. Die Geschwindigkeit konnte mit Sicherheit berechnet werden. Die Strecke von Mon­tabaur bis zu den Rheinqueilen legte es in fünf Sekunden zurück. Die Geschwindigkeit betrug etwa 80 Kilometer in der Sekunde. .

Es ist sehr zweifelhaft, ob das Meteor überhaupt den Erdboden berührt hat. Sicher dürfte fein, daß es sich über Deutschland teilte. Auffallend war, daß drei Tage später wieder ein Meteor von der gleichen Helligkeit auf fast derselben Dahn auf­trat, das aber nur von wenigen beobachtet wurde. Als Ausgangspunkt für die beiden Meteoren ist die Gegend der Leoniden im Sternbild des Löwen fest- gestellt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß beide zum Schwarm der Leoniden gehörten, durch andere Pla­neten aber abgelenkt wurden.

Don den während der letzten Jahrzehnte in Deutschland beobachteten Meteoren dürfte es das größte gewesen sein.

Aus Der engeren Heimat.

Seefisch kommt in die Dörfer.

In den Städten gibt es heute schon zahlreiche Haushaltungen, in denen es selbstverständlich ist, daß mindestens einmal in der Woche, oft sogar zwei­mal und noch öfter Seefische auf den Tisch kommen, und in denen es als große Lücke empfunden wich, wenn die Fänge ausbleiben, weil zu große Stürme unsere wackeren Kameraden von der Hochsee- und Küstenfischerei an der Arbeit hindern.

Mit den besseren Bezugsmöglichkeiten für frische Seefische haben die Städter in der Tat einen gro­ßen Vorteil vor unserem Landvolk. Da aber im nationalsozialistischen Staat alle Volksgenossen gleichmäßig behandelt werden sollen, wird diese unterschiedliche Belieferung bald aufhören. Schon vom nächsten Jahre an werden ambulante Fisch­verkaufsstände durchs Land rollen, auf Fahrzeugen, die mit allen neuzeitlichen Einrichtungen der Frisch- und Kühlhaltung versehen sind. Außerdem wird nunmehr an die konservenmäßige Herstellung von Fisch im eigenen Saft" gegangen, so daß es in absehbarer Zeit möglich sein wird, Fisch in halt­barem Zustande unter Erhaltung aller Vitamine und sonstiger Nährwerte bis ins letzte Dorf zu sen­den. Dort können die Konserven in jedem Haushalt auf unbeschränkte Zeit aufbewahrt und ebenso zu­bereitet werden wie blutfrischer Seefisch, also durch Kochen, Braten, Dünsten. Bis zur restlosen Er­fassung des gesamten platten Landes in Groß­deutschland hinsichtlich der Fisckwersorgung wird es natürlich noch eine geraume Weile dauern. Bis dahin sind aber Zwischenlösungen möglich, die es dem Landvolk ermöglichen, in der Ausnutzung der Vorzüge der Fifchversorgung nicht wesentlich hinter den städtischen Volksgenossen zurückzustehen.

Jetzt, während der kühleren Jahreszeit, hält sich Fisch, der aus der Stadt und Geschäften mit guter Frischhaltevorrichtung bezogen ist, im ländlichen Haushalt auf längere Zeit frisch, und dann gibt es ja immer noch die guten hochwertigen Marinaden und sonstigen Konserven, die hauptsächlich aus He­ringen hergestellt sind. Auf sie jetzt zurückzugreifen, liegt nicht nur im Interesse der ländlichen Haus­frau, weil mit ihrer Hilfe eine gesunde, nahrhafte, abwechslungsreiche und preiswerte Kost geschaffen werden kann, sondern auch in der Auswirkung kameradschaftlicher Verbundenheit mit der Fischfang betreibenden Bevölkerung. Auch in der Fischwirt­schaft kennt man Marktschwemmen, und wenn ihre Auswirkungen in der Marktversorgung durch Kon­servierung etwas gemildert werden. können, so stehen doch Läger und Aufbewahrungseinrichtungen nicht unbeschränkt zur Verfügung. Die aufgespei­cherten Bestände müssen also bald geräumt werden, damit Raum für die neuen Fänge und der aus ihr hergestellten Ware zur Verfügung steht.

Dabei ist noch eines zu bedenken: Die Blechdosen

stellen auch einen materiellen Wert dar, insbeson­dere soweit verzinntes Blech in Frage kommt. Also leere Fischdosen werden nicht etwa in Müllgruben geworfen, sondern sorgfältig gesammelt und den zu­ständigen Sammelstellen, in erster Linie der HI. übergeben! Damit ist der weitere Nutzen verbunden, daß die Verschandelung der Landschaft durch solche Gegenstände vermieden wird.

Das Blücherhaus in Ulrichstein.

LPD. Ulrichstein im hohen Vogelsberg kann sich rühmen, eine Erinnerung an den Marschall Vorwärts zu besitzen. Dort hat sich, als im Jahre 1813 nach der Schlacht bei Leipzig Napoleon aus Deutschland vertrieben wurde, der Feldmarschall Blücher kurze Zeit aufgehalten. Das Haus, in dem er wohnte, zeigen die Ulrichsteiner gern allen Fremden, die diesen Luftkurort besuchen.

Napoleon war nach der Leipziger Schlacht auf der großen LeipzigFrankfurter Straße über Weißenfels, Erfurt, Gotha, Eisenach, Hünfeld am 28. Oktober bis nach Schlüchtern gekommen. Ihm auf den Fersen folgte Blücher. Nur einen Tages­marsch war er von ihm entfernt. Da im preußischen Hauptguartier die Meinung aufgekommen war, Napoleon werde versuchen, über Hersfeld und Als­feld die Lahn zu erreichen, um einen Zusammen­stoß mit dem bei Hanau stehenden General Wrede zu vermeiden, wurde Blücher beauftragt, über den Sogeisberg nach Gießen zu mar- chieren. Auf diese Weise sollte der Kaiser auf einem vermuteten Zuge an die Lahn ab geschnitten werden. Blücher schwenkte am 31. Oktober von der LeipzigFrankfurter Straße ab und gelangte am 3. November nach Gießen. Am gleichen Tage, an dem der Marschall Vorwärts die Richtung über den Vogelsberg einschlug, schlug Napoleon die Bay­ern bei Hanau. Als sich Napoleon dann anschickte, bei Mainz über den Rhein zu gehen, traf Blücher mit seinem Heer, von Ulrichstein^ kommend, in Gießen ein. In Ulrichstein hat Blücher die Nacht vom 2. auf den 3. November verbracht. Ulrich­steiner Fuhrleute brachten ihn in seiner Equipage nach Gießen.

Vor mehr als einem Menschenalter, im Jahr 1890, lebte noch ein alter Ulrichsteiner, der Hirt Hofmann, dem von seinem Großvater die Er­innerung an den Aufenthalt des Feldmarschalls durch Erzählungen überliefert war. Russen fyabe er bei sich gehabt, die großen Respekt vor Blücher hatten und ihnBlucker" nannten. Auch habe Blü­cher zwei marodierende Kosaken auf dem Markt von Ulrichstein mit der Knute auspeitschen lassen. Jetzt erinnert nur noch die Tafel am Blücherhaus in Ulrichstein an den dortigen Aufenthalt des Mar­schall Vorwärts.

Landkreis Gießen.

$ Alte n-Bus eck, 27. Dez. Dr. Schmidt (Wieseck) hielt in seiner Eigenschaft als Betriebsarzt in der hiesigen Zigarrenfabrik von Rinn & Eloos einen Vortrag überKrankheiten- und Schadenverhütung im Betrieb". Er gab der Beleg­schaft entsprechende Anweisungen und Ratschläge, wie jeder selbst erfolgreich rnitwirken könne, sich der Familie und dem Dolksganzen gesund zu er­halten. Gleichzeittg ersuchte er die Belegschaft, durch Wünsche und Vorschläge ihn in feinem Bestreben zu unterstützen und an der vorn Staat gestellten Aufgabe vertrauensvoll mitzuarbeiten. Verschiedene zustimmende Äußerungen aus der Belegschaft be­wiesen, daß der Vortrag mit größtem Interesse aufgenommen worden war.

-U- Mainzlar, 27.Dez. Mit einem Konzert­abend im Saale von Müller trat der hiesige Ge­sangverein am zweiten Feiertag an die Oeffent- lichkeit. Dereinsführer Fuchs hieß die Teilnehmer willkommen. Liedvorträge des Vereinschores, Musik­stücke der Kapelle Schreiner und Gesangsein- iagen der Sänger W. Vogel, Dern und Fuchs trugen zur Unterhaltung bei. Kreissängerführer Müller (Gießen) hielt eine kurze Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Arbeit der Gesang­vereine hinwies. Nachdem die Lumda völlig zugefroren und tief von Schnee bedeckt ist, leidet das wilde Wassergeflügel große Not. Die sonst so scheuen Vögel kommen bis an die Hauser des Ortes heran und lassen sich füttern.

00 Beuern, 27.Dez. Der hiesige Gefang­ne r e i n veranstaltete im Saale von Dietrich einen Unterhaltungsabend. Vereinsführer Dort hieß Mit­glieder und Gäste willkommen und sprach kurz über die hohe kulturelle Bedeutung des deutschen Liedes. Im Verlaufe des Abends brachte der Chor des Ver­eins unter Leitung seines Dirigenten S ch o m b c r einige Chordarbietungen, insbesondere auch Volks­lieder zum Vortrag, die erkennen ließen, daß fleißig geübt und ein guter Leistungsstand erreicht wurde. Die Kapelle Sommer! ab trug durch musikalische Darbietungen zur weiteren Verschönerung des Abends bei. Von Mitgliedern wurden einige Theater­stücke aufgeführt, die großen Beifall fanden. Außer­dem bereicherten lustige Gedichtvorträge von Herrn Erb die Vortragsfolge. Nunmehr soll in den hiesigen Wäldern die Holzhauerarbeit be­ginnen. Es wurden vier Rotten zusammengestellt. Meist sind es Landwirte, die sich an der Arbeit be­teiligen und sich damit über die Wintermonate einigen Verdienst sichern.

) Lich, 27.Dez. Die Sängervereinigung C ä c i 1 i a" vereinigte am zweiten Weihnachtsfeier­tag ihre Mitglieder und Gäste zu einer Abendunter­haltung in der bis auf den letzten Platz besetzten Turnhalle. Im Mittelpunkt des Abens stand die Auf­führung eines luftigen Theaterstückes durch junge Mitglieder, die viel herzliches Lachen auslösten. Mu­sikalische Darbietungen von Kameraden des Musik- korps II./I.-R. 36 trugen zur weiteren Verschönerung des Abends bei. Selbstverständlich wartete der Chor des Vereins mit einigen Liedern auf, die starken Bei­fall fanden.

ch Nonnenroth, 27. Dez. Die Schule ver­anstaltete dieser Tage einen rooblgelungenen El­ternabend. Lehrer P I o ch wies in feiner Be­grüßungsansprache darauf hin, daß zur Heranbil­dung eines tüchtigen Nachwuchses zwischen Schule und Elternhaus ein gesundes Verhältnis herrschen müsse. Der Verlauf des Abends brachte einige aut eingeübte Aufführungen weihnachtlicher Art, wäh­rend Lehrer P 1 o ch mit mehreren Gedichtvorträgen erfreute. Lehrer und Schüler fanden für ihre Dar­bietungen reichen Beifall. Im Namen der Gemeinde dankte Bürgermeister Koch für den unterhaltsamen Abend und gab seiner besonderen Freude über die Arbeit des Lehrers Ausdruck. Mit dem Gedenken an den Führer fand der Abend seinen Abschluß.

Die Lahnflotte eingefroren.

Lpd. Limburg, 27. Dez. Der Frost, der auch die Lahn zu Eis erstarrte, hat den Schiffsverkehr unterbunden. Ebenso sind alle anderen Wasserarbei­ten und die Kiesbaggerei eingestellt. Im Limburger Lahnhafen sind zwei Transportschiffe vom Eis über­rascht worden und eingefroren. Seit über acht Tagen liegen die Schiffe nun schon im Hafen fest.

Auf der Lahn unterhalb Limburg bis zum Rhein

Schönheit der Wmterlandschast.

Don Peter Bauer.

Jede Jahreszeit wandelt die Landschaft, schickt ihre Vorläufer voraus und läßt sich ankünden, da­mit wir ihr mit frohen Erwartungen entgegensehen können und uns bann, nach ihrem Einzug, mit offenen Augen und Herzen an der Schönheit der veränderten Welt wie an überraschungsreichen Festen entzücken: am Feste des Iunglaubs und der Baumblüte, am Feste der Rosen und Garben, am Feste der Früchte und des Weines, am Feste des Rauhreifs und Neuschnees.

Rauhreifzauber.

Eine Rauhreiflandschaft ist wie eine verzauberte Landschaft: Gleich vor der Haustür beginnt die Ueberraschung. Der Vorgarten, die Zaunlatten, die Fahnenstange, die Türpfosten, jede Kante und Ecke der Häuserfassaden alles ist von zartem schim­merndem Weiß überrieselt, das in der Nähe eine Fülle und phantastische Vielfalt wahrer Formwun­der darstellt. Kunstvoll hingestrichelte Ornamente aus lauter Eissternchen, wechseln mit zierlichen Sllberfransen, mit winzigen Eisnadeln und zarten Schuppen wie von Schmetterlingsflügeln. Jedem Gitterstab ist ein weißes Flitterhäubchen gewebt, jeder fahlen Grasspitze eine glitzernde Perle auf- gesteckt. Der kleinste Kamm einer Erdkrume trägt ein Sternendiadem, das bür re Laub am Boden ist an den Rändern angefilbert, die schwarze und braune Rinde der Bäume ist weiß betupft und ge­adert. Glatte Stämme und Aeste leuchten stellen- weise wie Birken. Das Nabelgrün einer Tanne hat sich in Nadelweiß verwandelt. Ein wahrer Märchen­wald ist der Fichtenforst geworden. Wo eine Elster ober ein Häher, bie einsam herumlungernd auf» bäumt, riefelt silberner Sternenregen vom Geäst. Und wenn es irgendwo raschelt ober knackt vielleicht stürzte sich eine flüchtige Maus kopfüber in ihre Erdbehausung glaubt man, nun müsse ein weißhaariger Wichtel mit langem Rübenzahl- bart aus Wurzelgehölz und Nadelschutt auftauchen und mit hoher Fistelstimme zum Besuch unterirdi­scher Schatz- und Wundergrotten einladen ...

Weißes Märchenland.

Noch tiefer verzaubert ist eine verschneite Land­schaft, bie ben Tag mit ihrem weißen Schimmer leuchtender macht und all seine Geräusche wie mit dicken Polstern aus Federn ober Watte bämpft. Alle Straßen tragen üppige Läufer und Teppiche. Man

geht zur Stabt hinaus und läßt die letzten Häuser mit ihren weißen Dachkapuzen, ihren verbrämten Baikonen und Nischen hinter sich zurück, ohne zu merken, wie unter dem Schnee, dem die Schritte sich wie Siegel aufprägen, Pflaster und Asphalt von Landstraßenschotter und hart gefrorener Feldweg­erde abgelöst werden. Alle Grenzen sind verwischt. Flur und Pfad heben sich nicht mehr voneinander ab. Leben und Leere sind in gleicher Weise zugedeckt und eine einzige Stille geworden. Junge Saaten und winzige Keimlinge, verwitterte Wiesen, Klee­äcker und pflugzerwühlte Erdschollen sind über alle Wege hinaus zu einer weiten weißen Fläche zusam­mengewachsen. Je tiefer man sich in ihre Einsam­keit verliert, um so grenzenloser empfindet man sie. Bald weht es einen wie Hauch landschaftlicher Un­berührtheit an, als durchschreite man als Erster un­erforschtes Gebiet, denn nirgends zeigt sich die Spur eines menschlichen Fußes, wohin auch der Blick fällt. Ein Traum von nordischen Schneefeldern ist Wirk­lichkeit geworden. Es kommt einem vor, als habe man sich verlaufen und diese schweigende, endlos scheinende Weite nie gesehen. Schnee und Himmel sind von gleicher Farve, von gleicher alles beherr­schender Userlosigkeit. Bäume und Sträucher, bie ihr düsteres Geäst wie locker geschichtete Reisighaufen tragen, sind auf die wunderlichste Weise verwan­delt. Der Schnee hat sie phantastisch aufgeputzt wie zu einem Fest grotesker Masken. Manche stecken in einem straffen Trikot, andere in einem flauschigen Wams. Zierliche Spangen und Agraffen, Rüschen und dicke Bukette schmücken viele in schaumigem Spitzengeriese! wie anmutige Tänzerinnen, die in ihrer schönsten Geste, Statuen gleich, erstarrt sind. Es gibt zottelige Schrate unter ihnen, bie sich im Schnee gewälzt zu haben scheinen, stämmig wuch- tenbe Riesen, bie in dichtem Gezweig weiße Lasten tragen, als hätten sie allein alle Flocken des Him­mels auffangen wollen und leichtfüßige wie Elfen schwebende Gestalten, die kaum verschleiert sind. Man ahnt ein geheimnisvolles Leben zwischen all dem Zauber und Sput und ist um so gespannter auf eine plötzliche Ueberraschung, je stiller'die weiße Wüste wird.

Hieroglyphen im Schnee.

Ein paar Krähen, bie als schwarze Klumpen in einer Pappel kauern, lenken den Blick auf den Weg, auf ben weichen, flaumigen Schnee vor mir. Da haben sich ihre Dogelfüße mit charakteristischen Zeichen eingeschrieben. Nie sonst im Jahr weiß die Erde so viel von ihrer Tierwelt zu erzählen wie im schneereichen Winter. Ein Buch voll seltsamer Hieroglyphen sind die weißen Flächen, und es ist

nicht schwer, die verschiedenen Sprachen, die so fremd und rätselhaft scheinen, zu entziffern, wenn man mit ein wenig Ueberlegung die sonderbaren Schrittbilder betrachtet. In schrägen Zeilen laufen die Krähenspuren über den Weg. Drei 1)016finger­lange auseinanderstrahlende Striche nach vorn und einer nach hinten, das ist ihrer Größe und eigen­artigen Aufeinanderfolge nach die Schrift des Krcchenfußes. Das Zeichen wiederholt sich in spanne- langen Abständen und in merkwürdig verschränkter Weise, wenn man die fortlaufende Linie im Auge behält. Es ist der typische Gang der Krähen. Man kann sie geradezu sehen, wie sie gravitätisch, lang­sam, Schritt für Schritt, ein wenig schaukelnd und wackelnd, wie einer, der über die große Fußzehe geht, dahingelaufen ist. Mit einem Male aber stehen die Trittsiegel, ein wenig kleiner geworden, neben­einander, und die Entfernung von Spur zu Spur hat sich vergrößert. Die Krähe gab also chr gemüt­liches Gehen auf und ist, mit gleichen Füßen sich ab­stoßend, schneller und hüpfend weitergeeilt. Witterte der kluge Vogel eine Gefahr? Es scheint so, denn plötzlich bricht auch die Hüpfspur ab. Die Krähe ist fortgeflogen, wie ein paar fächerartige Striche neben den letzten Trittsiegeln bezeugen, die durch den Aufschlag der gespreizten, nach unten rudernden Schwingen entstanden sind. Man müßte in einem größeren Umkreis den Bezirk der Krähenspuren es laufen noch andere in der Nähe kreuz und quer umschreiten, um feststellen zu können, was die Vögel ängstigte. Vielleicht fände sich bald die Fährte eines feindlichen Viersüßlers, eines herum- ftreunenden Hundes etwa.

Seine charakteristischen Pfotenabdrücke wären rasch erkannt, denn die fünf rundlichen Ballen geben eine deutliche Prägung, und wenn vier von ihnen noch die kleinen Einritzer von Krallen zeigen, ist keine Verwechslung mit einer Katze möglich, die mit eingezogenen Krallen geht und zudem keine Spaziergänge im Schnee liebt. Zwei größere Tritt- spuren nebeneinander und zwei kleinere unmittel­bar davor und hintereinander verraten das Pfoten­bild des Hasen. Er ist langsam und unbekümmert gehoppelt. Immer schnellten sich die beiden auf ganzer Sohle ruhenden Hinterläufe gleichzeittg vom Boden ab und erzeugten die länglichen Eindrücke, die fast die Größe von kleinen Kinderschritten er­reichen, während die kürzeren Vorderläufe, nach­einander aufgesetzt, nur kleine Tupfen in ben Schnee stießen. Lange zieht bie Spur der gemäch­lichen Promenade fast parallel mit meinem Weg. Aber mann ist es einem Hasen vergönnt, ungestört, ohne Furcht und Schreck einen begonnenen Ausflug zu vollenden! Das jäh veränderte Spurenbilb er­

zählt von rasender Flucht mit weit ausholenden Sätzen. Die Abdrücke der Hinter- und Vorderpfoten find nun weit voneinander entfernt, und zwar er­scheint die Spur der ersteren vor der letzteren. In ähnlicher Weise setzt ein hüpfendes Eichhörnchen die fünfzehigen Hinterpfoten vor die vierzehigen Dor- dersuße. Gar nicht zu verkennen sind die Spuren unserer Zweihufer, die Trittfiegel, von Reh und Hirsch. Die beiden Hufe der Zehenspitzen, die sich bei ruhigem Wandern gleichmäßig abdrücken, klaf- fen beim flüchttgen Tier vorn auseinander, und die beiden Afterzehen berühren ebenfalls den Schnee wie ein Doppelpunkt hinter dem Trittsiegel.

Nock) vieles albt es zu bestaunen und zu ent­ziffern. Zauberhaft ist die Schönheit der Winter« landfchaft, aber wahrhaft magisch und märchenvoll schimmert sie erst, wenn der volle Mond über sie sein silbernes Licht ergießt.

Zeitschriften.

Hessen 1 and", Heimatzeitschrift für Kur­hessen, herausgegeben von Dr. C. Hitzeroth, Mar­burg-Lahn. Das Heft 11/12 bringt u. a. einen auf­schlußreichen, mit Sprachkarten illustrierten Beitrag über Mundartgrenzen um Marburg von Heinrich Bender. Karl E. Demandt berichtet über die Mar­burger Archivausstellung. Karl Rumpf beschäfttgt sich an Hand zahlreicher Abbildungen eingeherch nut den vielfältig wechselnden Formen hessischer Bauern­stühle. Regierungsbaurat Dr.-Jna. Dehnert steuert eineStammbaumfahrt ins Hessenland" bei, die viele Familienforscher interessieren wird. Berichte und Anfragen zur hessischen Volkskunde betreut Bernhard Martin. Aktuelle Berichte über das kul­turelle Schaffen der Zeit, die Bücherschau und die Personalien seien noch erwähnt.

In der Ianuarfolge vonWestermanns Monatsheften" berichtet von der Lettgallischen Landschaft und ihren Menschen die Malerin Alice Brasse-Forstmann in Bildern und Worten. Eine Erzählung von Hanns Maria LuxDie blonde Chinesin" fesselt durch ihren eigenartigen Reiz. Der Assistant Professor of German der Neuyorker Uni­versität, Dr. Rose, berichtet überDeutschamerikani­sche Dichtung von heute". Rembrandts Familienbild, im Besitz des Braunschweiger Museums, ist eines der am wenigsten bekannten Werke des großen Niederländers. Mit ihm beschäfttgt sich der einftige Leiter des Museums, Geheimrat Meier. Gestalt und Werk Rembrandts würdigt Cdz. Schumann. Dr. Otto E. Geyer äußert sich zu dem ThemaArabien m der Weltpolittk"^