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gibt jetzt in den deutschen Landen nur noch eine Sozialpolitik des deutschen Handelns und des deut­schen Empfindens.

So hat uns das Jahr 1938 die großdeutsche Sozialpolitik gebracht, die uns mit Stolz erfüllt, uns aber zugleich zum Bewußtsein bringen muß, wie groß damit die uns gegebene Verantwortung ist. Wenn früher in der Kleinstaaterei, wie sie vor der Gründung des Zweiten Reiches herrschte, irgendein Kleinstaat eine falsche soziale Maßnahme durchführte, dann wurden vielleicht noch nicht ein­mal hunderttausend Menschen davon betroffen. Wenn heute eine sozialpolitische Verordnung, ein sozialpolitisches Gesetz erlassen wird, dann sind es 80 Millionen Menschen, die in den Wirkungsbe­reich der neuen Bestimmungen einbezogen sind. Ist es die Aufgabe der Sozialpolitik, der Volks­wohlfahrt in ganz besonderem Sinne zu dienen, so ist der großdeutschen Sozialpolitik keine ge­ringere Aufgabe gestellt als die des sozialen Dien­stes an der gesamten deutschen Nation im Groß- deutschen Reich.

Wenn die Siloesterglocken das neue Jahr ein­läuten, dann ist der Sozialpolitik in dem neuen Jahr 1939 ein guter Auftakt gegeben. Mit dem Ge­setz über den Ausbau der Rentenversiche­rung hatte die Sozialpolitik des Jahres 1937 ihre Einleitung erfahren. Durch das Gesetz war die Sanierung der sozialen Rentenversicherung, also des Fundaments der Altersversorgung unserer deutschen Arbeiter und Angestellten, zum Abschluß gebracht. Wesentliche Ausbaumahnahmen, das heißt Verbesse­rungen in den einzelnen Zweigen der sozialen Ren­tenversicherung waren gleichzeitig durchgeführt. Der Fürsorge für das Alter der schaffenden deutschen Menschen dient auch die am 22. Dezember verkün­dete Schaffung einer Altersversorgung für das Handwerk.

Am 1. Mai 1937 war das Jugendschutzgesetz ver­kündet worden, das im vollen Umfange am 1. Ja­nuar 1939 in Kraft tritt.Es darf gesagt werden", schrieb nach Erlaß des Gesetzes derReichs-Jugend- Pressedienst",daß mit diesem Gesetz zugunsten der schaffenden Jugend tatsächlich die Grenze dessen er­reicht wird, was unter den gegenwärtigen Umstän­den des Arbeitseinsatzes der Wirtschaft ohne Ein­schränkung ihrer Produktionsleistung zugemutet werden kann." Erst am 12. Dezember hat der Reichsarbeitsminister eine wichtige Ausführungs­verordnung zum Jugendschutzgesetz erlassen, die be­sonders an die Zulassung jedweder Kinderarbeit strenge Voraussetzungen knüpft. Wir aber dürfen sagen, daß durch das Jugendschutzgesetz die groß­deutsche Sozialpolitik auch auf dem Gebiete des Schutzes der Jugendlichen sich an die Svitze der Sozialpolitik aller Kulturnationen gestellt yat.

Gleichzeitig mit dem Jugendschutzgesetz wird am 1. Januar die neue Arbeitszeitordnung in Kraft treten. Gilt das Jugendschutzgesetz für die Kinder und Jugendlichen, so regelt die Ar­beitszeitordnung den Arbeitszeitschutz der Gefolg­schaftsmitglieder über 18 Jahren in allen Betrie­ben und Verwaltungen. Die bisherige unterschied­liche Behandlung von Arbeitern und Angestellten sowie von größeren und kleineren Betrieben ist da­mit beseitigt. Ausgenommen vom Geltungsbereich der Arbeitszeitordnung sind nur die Land- uno Forstwirtschaft, die Jagd, die Tierzucht und die land- und forstwirtschaftlichen Nebenbetriebe ge­werblicher Art, sofern sie nur für den eigenen Be- darf arbeiten, ferner die Fischerei, die Seeschiff­fahrt und die Luftfahrt, aber ausschließlich der zu­gehörigen Land- und Bodenbetriebe .

Mit der großdeutschen Sozialpolitik ist uns die Aufgabe gestellt, die sozialen Bestimmungen t n Oe st erreich und in den Sudetengebie- t e n überzuleiten auf die Sozialpolitik des alten Reiches. Der Anfang wurde hier gemacht durch die Verordnung über die Einführung sozialrechtlicher Vorschriften im Lande Österreich, vom 20. März 1938, der am 9. Juli eine zweite Derordnu.ig folgte. Durch die beiden Verordnungen wurde das Arbeitsordnungsgesetz und damit die Grundlage un­serer deutschen Sozialverfassung praktisch in Oester­reich eingeführt. Auch für die Sudetengebiete ist die Rechtsangleichung auf dem Gebiete der Sozialpoli­tik schon in einem starken Maße zur Durchführung gekommen. Damit aber steht fest, daß das neue Jahr 1939 die Einheitlichkeit der großdeutschen So­zialpolitik in allen deutschen Landen bringen wird.

Durch die Rechtsangleichung und durch die Ein­führung der bisher für das Altreich geltenden ge­setzlichen Bestimmungen in Oesterreich und in den Sudetengebieten ist der einheitliche gesetzliche Rah­men für die großdeutsche Sozialpolitik gegeben. Ihn überall mit dem gleichen lebendigen Inhalt auszufüllen, das muß sozialpolitisch unsere vor­nehmste Aufgabe im neuen Jahre sein. Wenn nfir sie erkennen, dann aber müssen wir betonen, daß vor allem der Grundsatz der Betriebsgemein­schaft und der Betriebsverbundenheit seine Vertiefung erfahren muß.

Es wird notwendig sein, auch im neuen Jahre unerbittlich gegen alle einzufchreiten, die gegen die Betriebsgemeinschaft verstoßen und damit die soziale Ehre verletzen. Prüfen wir die Urteile unserer sozia­len Ehrengerichte im vergangenen Jahr, dann ist zu erkennen, daß die Grundgedanken unserer neuen Sozialpolitik für uns keine leeren Worte, sondern lebendiger Inhalt sind. Da hat beispielsweise zu Beginn des Jahres ein soziales Ehrengericht einen Gefolgsmann mit 66,50 RM. Wochenlohn zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er durch allerdings völlig unglaubliches Dechalten feine' Entlassung zu erzwingen versuchte, um als Feinmechaniker in einem anderen Betriebe eine höher bezahlte Stel­lung annehmen zu können. Da sind auch Betriebs- fuhrer mit der härtesten Strafe, nämlich mit der Aberkennung der Befähigung, Führer eines Be­triebes zu fein, bestraft wotden, weil sie in gröb- lichster Weise Gefolgschaftsmitglieder ausgenutzt und ausgebeutet haben. Je höher die Anforderungen sind, die von der politischen Führung an die Lei- stungsfähigkeit der Wirtschaft gestellt werden, desto mehr ist es notwendig, daß den Grundsätzen unserer großdeutschen Sozialpolitik überall, in allen Be­trieben, ob Großbetriebe von Weltruf oder ob Handwerksbetriebe, uneingeschränkte Geltung ge­sichert ist.

In den letzten Dezembertagen hat der Reichs- arbeitsmmrster anläßlich eines Presseempfanges ein Buch der Öffentlichkeit übergeben, das den Titel trägtSozialpolitik im Dritten Reich 19331938". Es gibt uns einen Ueberblick über die gesamte deutsche Sozialpolitik seit dem gewaltigen politischen Umbruch des Jahres 1933. Es zeigt uns damit, daß es für einen großen modernen Industriestaat mög­lich ist, die Sozialpolitik auf eine neue und bessere Grundlage zu stellen. Wenn aber heute von aus­ländischen Stellen bei uns angefragt wird, tib das Buch des Reichsarbeitsministers in fremde Spra­chen übersetzt werden dürfe, dann ist damit gezeigt, daß die Welt sich für das soziale Beispiel zu inter- essieren beginnt, das ihr von uns gegeben wurde.

Frankreich und Chamberlains Rom-Reise.

R. G. Rom, 27. Dezember.

Die Ueberreichung der französischen Ant­wortnote an das italienische Außenministerium ist der italienischen Oeffentlichkeit am Dienstag erst durch die Pariser Veröffentlichungen bekannt gewor­den; von italienischer Seite war keine Mitteilung gemacht worden. Für den geringen Wärmegrad der gegenwärtigen Beziehungen zwischen Rom und Paris ist es kennzeichnend, daß diese wichtige fran­zösische Note nicht etwa, wie dies dem diplomati­schen Brauch entsprochen hätte, von dem römischen Botschafter Fran?ois-Poncet persönlich dem italieni­schen Außenminister überreicht wurde. Vielmehr wurde die Note dem italienischen Außenministerium in Abwesenheit des Grafen Ciano zu­gestellt. In französischen Kreisen Roms wird betont, daß Francois-Poncet damit lediglich dem Beispiel des Grafen Ciano gefolgt sei, der seinerzeit nicht den französischen Botschafter zur Entgegennahme der italienischen Mitteilung über die Ungültigkeits­erklärung des Abkommens vom 7. Januar 1935 zu sich gerufen habe, sondern das Schriftstück der französischen Botschaft übermitteln ließ.

Ueber den Inhalt der französischen Antwortnote wird natürlich in den maßgebenden italienischen Kreisen vorläufig Stillschweigen bewahrt. Die ita­lienische Presse ist daher auf Mutmaßungen ange­wiesen, die sich auf Auslassungen von Pariser Blättern stützen. Danach glaubt man annehmen zu können, daß die französische Regierung in der Note von dem Willen der italienischen Regierung, das Abkommen von 1935 nicht mehr als Grundlage für die Regelung der Beziehungen beider Länder zu betrachten, Kenntnis nehme. Nach franzö­sischer Ansicht bleibe aber das Laval-Abkommen vom Jahre 1935 trotz der noch nicht erfolgten Rati­fizierung rechtsgültig. Die französische Note entwickele, wie weiter von den italienischen Blättern angenommen wird, eingehend den französischen Standpunkt, wonach das Abkommen vom Jahre 1935 für beide Teile befriedigend gewesen sei. Sie gebe ferner zu verstehen, daß die französische Regierung entschlossen sei, bei etwaigen künftigen Verhandlungen, zu denen die Initiative jedoch von Rom ausgehpn müßte, vielleicht über die Aus­legung einzelner Bestimmungen der Abmachun­gen mit sich reden zu lassen. Dabei dürfe aber nicht über die Italien im Jahre 1935 gemach­ten Zugeständnisse hinausgegangen werden.

Die italienische Presse spricht daher am Dienstag von einerabsoluten Unnachgiebigkeit" undWiderstandsabsicht" Frankreichs.Messaggero" stellt fest, daß im Gegensatz zu England, mit dem durch das Osterabkommen alle aus dem Londoner Pakt von 1915 sich ergebenden Ansprüche geregelt worden seien, die Positionen zwischen Frankreich und Italien von Grund auf definiert werden müßten. Abgesehen von den im Artikel 13 des Lon­

doner Paktes vom Jahre 1915 übernommenen Ver­pflichtungen auf Kolonialkompensationen beruft sich das Blatt auf Artikel 9 des Paktes, in dem Italiens Interesse an einem Gleichgewicht im Mittelrneer anerkannt worden sei, und be­tont, daß dieses Gleichgewicht seinerzeit durch die Besetzung Syriens zu Ungunsten Italiens verschoben worden sei. Die Besetzung Syriens durch Frankreich stelle also einen weiteren Kredit­posten Italiens gegenüber Frankreich dar. Heute, nach der Schaffung des italienischen Imperiums, habe das Gleichgewicht im Mittelmeer für Italien noch eine viel größere Bedeutung als früher für feine Sicherheit und die nationale Inte­grität der unter französischer Herrschaft in Tunis

lebenden Italiener, die nicht drangsaliert oder in Franzosen umgewandelt werden dürften.

Man nimmt ferner in Rom mit leicht ironischer Ruhe von dem französischen Versuch Kenntnis, den englischen Mini st er Präsidenten vor seiner Rom reise in einem der französischen Auffassung günstigen Sinne zu beeinflussen. Die französische Regierung soll Chamberlain eingekiben haben, auf der Hinfahrt nach Rom einige Stunden in Paris Aufenthalt zu nehmen. Bei dieser Ge­legenheit solle er sich bann mit Daladier und Bon­net über die französischen Probleme unterhalten, die sicherlich einen nicht geringen Teil der englisch- italienische" M'nisterbesprechungen ausfüllen wür­den.

Will London vermitteln?

ab. London, 27. Dezember.

Mit der Ueberreichung der französischen Antwort auf die italienische Note zum Mussolini-Laoal-Ab- fomm:n von 1935 wird nach Ansicht unterrichteter Kreise in London d i e englische Diplomatie in stärkerem Maße als bisher in das italienisch- französische Verhältnis eingeschaltet werden. Die Unterredungen, die der französische Außen­minister Bonnet in den letzten Tagen mit dem englischen Botschafter in Paris, Sir Eric P h i p p s, und dem zur Zeit in Paris weilenden französischen Botschafter in London, Sorbin, gehabt hat, gel­ten als Beweis dafür. Beide Unterredungen fallen sich ausschließlich auf die Tunis-Frage bezogen haben. Wie es heißt, wird Botschafter Corbin nach Neujahr in London zurückerwartet, um Außen­minister Lord Halifax noch vor der Abreise der englischen Staatsmänner nach Rom über die fran­zösische Haltung in der Tunis-Frage zu unterrichten.

Aus unbedingt zuverlässiger Quelle erfährt man weiter, Paris Ijabe in London zu verstehen ge­geben, daß die bevorstehenden englisch-italienischen Besprechungen in Rom mit Rücksicht auf die Tunis- Frage in Frankreich dem größten Interesse begeg­neten; Frankreich würde einefriedliche I n - t e r d e nt i o n" Englands in dieser Frage b e - grüße n. Es liegen Anzeichen vor, die darauf hindeuten, daß England eine derartige Vermitt­lungstätigkeit nicht ungern übernehmen würde, da England an einem italienisch-französi­schen Ausgleich stark interessiert ist. Man will so- gar wissen, Außenminister Lord Halifax werde bereits während der am 16. Januar beginnenden Genfer Ratstagung dem ftanzösischen Außenminister Bonnet das Ergebnis eines englischen Ausgleichsversuchs bekanntgeben. Die | Genfer Besprechung zwischen Lord Halifax und I Bonnet solle an Stelle eines ursprünglich vorge­

sehenen Besuches von Chamberlain und Lord Hali­fax in Paris treten.

Französische Wünsche.

Wird Chamberlain in Paris Aufenthalt nehmen?

Paris, 27. Dez. (Europapreß.) Die Pariser Presse erhebt mit großem Nachdruck die Forderung, Chamberlain und Lord Halifax sollten auf ihrer Reise nach Rom in Paris Halt machen, da­mit die englische und die französische Haltung ge­genüber Italien genau aufeinander abge­stimmt werden könne.Es ist unbedingt notwen­dig", schreibt derJntranfigeant",daß am Vor­abend der englisch-italienischen Verhandlungen die französisch-britische Solidarität nochmals bestätigt wird, und daß die französische Haltung gegenüber Italien den englischen Staatsmännern genau präzi­siert wird, damit es ihnen möglich ist, Mussolini zu unterrichten."

Die Blätter weisen weiter darauf hin, daß Da­ladier von feiner geplanten Reise nach Korsika und Tunis nicht vordem 11. Januar zurückkehren werde; Chamberlain und Halifax würden aber schon am 9. Januar in Paris durchreisen. Man hält es des­halb nicht für unwahrscheinlich, daß Daladiers Be­suchsprogramm noch Abänderungen erfahren werde. Im Gegensatz zu den Forderungen der Presse er­klärt man am Quai d'Orsay, eine Aussprache mit den englischen Ministern in Paris stelle keine Notwendigkeit dar, da die englische und die französische Politik vollkommen miteinander über­einstimmten. Die Vermutung, Daladier werde Chamberlain um eine Zusammenkunft in Paris bitten, sei unbegründet.

Oie französische presse wehrt sich gegen englische Sensationshascherei. Kein akuter Anlaß zur Verschärfung der italienisch-französischen Spannungen.

Londoner Gerüchte.

London, 28. Dez. (DNB. Funkspruch.) In den englischen Blättern werden Gerüchte über eine akute Spannung an der Grenze zwi­schen Französisch, und Italienisch- Somaliland, über die Zusammenziehung ita­lienischer Truppen und die Entsendung französischer Entsetzungsabteilungen sehr beachtet.Daily Tele­graph" will wissen, daß die britische Regierung auf- merksam die Vorgänge in Französisch- So Mali land verfolge und von ihren zustän­digen diplomattschen Vertretern Berichte ange­fordert habe. Das Blatt behauptet, Lord Hali- f a x werde im Notfall die italienische Regierung darüber nicht im Zweifel lassen, daß England Frankreich den Rücken decken werde, es

fei möglich, daß die Rom-Reise Chamberlains und seines Außenministers abgesagt werde. Der Pariser Korrespondent derDail Mail" schreibt von Vorschlägen, nach denen England und Frankreich sich als Antwort auf die italienischen Ansprüche über eine Art Flottenzusammenarbeit im Golf von Aden einigen würden. Nachdem der Daily Telegraph" in jeder Beziehung unbestätigte Gerüchte über angebliche deutsche Maßnahmen seinen Lesern vorgesetzt hat, unterbreitet er ihnen die Meldung von italienischen militärischen Ope­rationen auf französischem Gebiet. Das Blatt schreibt, in London sei amtlich noch nichts davon be­kannt, daß italienische Truppen 30 Kilometer tief in französisches Gebiet in Somaliland eingedrungen seien, trotzdem aber glaubt das Blatt eine so sensa­tionelle Behauptung, von deren Wahrheit es selbst nicht überzeugt ist, publizieren zu müssen.

Entschiedene Znrülkweisnng der Scharfmacher.

pariser Dementis.

Paris, 28. Dez. (DNB. Funkspruch.) Alle von der englischen Presse in großer Aufmachung ge­gebenen Gerüchte werden von der gesamten sranzöslschen Presse energisch de­mentiert. Nachdem schon in den Abendstunden des Dienstags gutunterrichtete französische Kreise die verschiedenen Preffeinformationen von angeb­lichen italienischen Truppenzusammenziehungen in der Gegend von Djibuti und von einer persönlichen Fühlungnahme zwischen den englischen und den französischen Ministern vor der Rom-Reise Cham­berlains dementiert hatten, gab auch b i e Havas- g e n t u r ein entsprechendes Dementi heraus. Darin heißt es, daß die außenpolitischen Ereignisse erneut einen Vorwand zur Verbreitung mehr oder weniger sensationeller falscher oder tenden- Ziöser Meldungen gegeben haben. So habe eme englische Zeitung melden wollen, daß die Re lse Daladiers nach Tunesien den Charakter einer regelrechten F l o 11 e n d e m o n - ft r a 11 o n haben würde, die geeignet fein könnte, "uch eine Zusammenziehung der italienischen Flotte auszulosen. Diese Nachricht entbehre jeder Grundlage.

Desgleichen dementtert Havas die Gerüchte von einer massiven Zusammenziehung der italienischen Flotte m der Nahe von Dsbuti. Und schließlich be­tont die Havas-Agentur, daß man in französischen diplomatischen Kreisen nichts davon wisse, daß Chamberlain beabsichtige, in Paris Halt ^Q^?n'«1bt)ror, er ^ch nach Rom begäbe.

-Ote offiziellen Krerse bedauerten, daß bei den onwarttgen Umständen derarttge Nachrichten in ?4^?rV^Ianc!ert würden, ohne daß man zuvor die "«chilykeit nachprufe, um so mehr, als die Der- offentlichung derartiger Falschnachrichten pein- ? u n auf die internationalen Beziehungen haben konnte. Zu der Falschmeldung s'ck---.Übliche Besetzung französi? .^ ^ ?^.tes durch italienische Trup- P.J b<?on* t*16 Havas-Agentur, daß einige italie- msche Truppenabteilungen schon vor etwa 18 Monaten zwei oder drei Wasserstellen in

einer Zone besetzt hätten, wo die Grenze zwischen -somaliland und Abessinien noch nicht genau festgesetzt fei. Die auf einer Karte aus dem J?hre 1897 fixierte Grenze würde sowohl von fran-- zösischer wie von italienischer Seite seit einigen Jah­ren bestritten. Es handle sich dabei aber um ein Problem der Grenzziehung, das in keinem Z u - sammenhang mit b e n in Umlauf ge­setzten Meldungen stehe.

Denselben Ton wie das Havas-Büro fchlageü die Mehrzahl der Pariser Morgenzeitungen an, "die sich ebenfalls gegen denneuen Feldzug falscher Nachrichten wenden". Bezeichnenderweise erinnert dasJournal" an bi e Jahreswende 1 93 6/3 7, als man eine Falschmeldungskampagne über die angebliche deutsche und italienische Aktion in Marokko im Keime habe ersticken können Jetzt beginne dieses Spiel von neuem. Das Blatt fragt nach dem Zweck dieser Falschmeldungen und antwortet:Um den Italienern den Eindruck zu geben, daß man ihnen einen Block entgegenstelle und um den Franzosen den Eindruck zu geben, daß sie unter britischer Vormundschaft stünden? das Manöver ist verächtlich". In die gleiche Kerbe schlagt derPetit Parisien", der die falschen und alarmierenden Gerüchte verurteilt, die die Lage in Französisch-Somaliland als gefährlich 'hinstellen möchten. Das Blatt beruft sich auf Erkundi- gungen beim Kriegs- und Kolonial­ministerium. Die Gerüchte seien also mit dem offensichtlichen Ziel verbreitet worden, die fran­zösisch-italienische Spannung noch zu verschärfen.

Die so oft beobachtete Tatsache, daß gewisse eng­lische Blätter in Zeiten besonderer Spannungen in Sensation und Gerüchten machen, denen die leicht erkennbare Absicht anzusehen ist, weitere Sensationen hervorzurufen und Gegensätze aufzureißen, beweist sich bet dieser Gegenüberstellung der französischen und englischen Blätter aufs neue. Interessant ist in diesem Falle der Umstand, daß es d i e franzö­sisch e Presse ist, die in eigener Sache die eng­lischen Sensationsmacher zurechtweifen und sich die Bevormundung durch britische Scharfmacher ver­bitten muß.

Keine Einigung aus dem Sozialistischen Parteikongreß.

Blum behält die Oberhand.

Paris, 27. Dez. (Europapreß.) Ans dem sozia­listischen Parteikongreß wurde in den frühen Mor­genstunden des Dienstags die Abstimmung über die beiden vorliegenden außenpolitischen Tages­ordnungen des Parteiführers Blum und des Generalsekretärs Paul F a u r e vorgenommen, da man sich trotz dreitägiger Bemühungen auf einen einheitlichen Wortlaut nicht hatte einigen können. Blum und seine Freunde sprachen sich gegen das Münchener Abkommen aus und forderten einenZusammenschluß der großen Weltdemokratien zur Verteidi­gung der Idee der kollektiven Sicherheit". Paul Saure dagegen brachte zum Ausdruck, er ziehe München dem Kriege vor und sprach sich für die Möglichkeit einer direkten Fühlungnahme Frankreichs mit Deutschland und Italien aus. In der Abstimmung trug, wie vorauszu sehen war, die Richtung Blum den Sieg davon. Blum erhielt 4322 Stimmen, die Tagesordnung Faures 2837 Stimmen, Stimment­haltungen waren 1014 zu verzeichnen. Die auf Saure entfallenen Stimmen werben in politischen Kreisen unter den gegenwärtigen Umständen als äußerst ansehnlich bezeichnet.

Nach kurzer Aussprache nahm der Kongreß noch eine innenpolitische Tagesordnung mit 7076 gegen 910 Stimmen an, in der er sich gegen d i e Regierung Daladier und die Not­verordnungen aussprach und die Bildung einer Regierung der nationalen Union unter den gegenwärtigen Verhältnissen für unmöglich erklärte. Daraufhin wurde der Parteitag in den frühen Morgenstunden des Dienstags geschloffen, ohne im Lande einen besonderen Widerhall gefunden zu haben.

Französische Anleihe bei holländischen und Schweizer Banken.

Paris, 27. Dez. (DNB.) Finanzminister Paul Reynaud kündigte in einer Rundfunkansprache an, daß die französische Regierung bei holländischen und Schweizer Banken eine 4prozentige Anleihe in Höhe von 17 5 Millionen Gulden (etwa 3V- Milliarden Franks), ausgenommen habe, die zum Kurse von 95 unter Dari aufgelegt in 30 Jahren rückzahlbar fei. Diese Anleihe, von der 100 Millio­nen in Holland und 75 Millionen in der Schweiz untergebracht seien, ist dazu bestimmt, die verschie­denen im Auslande untergebrachten Anleihen der französischen Eisenbahngefellschaften ab­zudecken. Der Minister unterstrich die erfreulichen Ergebnisse der bisherigen Bemühungen zur ftied- lichen Wiederaufrichtung des Landes. Diese Ergeb­nisse drückten sich in einer Hausse der Renten und vor allem in einer Rückkehr der ausge­wanderten und gehorteten Kapita­lien aus, was auf ein Wiederaufleben des Ver­trauens schließen lasse.