Einzelbild herunterladen

Itr.305 Erstes Via«

188. Jahrgang

Mittwoch. 28. Dezember 1058

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monatr-Vezugspreir:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Fernsprechanschlüffe

unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrShlsche llniverfitStsdruckerei R. Lange in Siehe«. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulftrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8^/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70 m m Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/ mehr.

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts« u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Nordeuropa an der Jahreswende.

Die Ausländskorrespondenten des Gießener Anzeigers berichten.

DasLandderzwölffenOlympiade

BO. Helsinki, im Dezember 1938.

Zweifellos ist von den nordischen und baltischen Staaten die Jahresbilanz Finnlands für 1938 a m aktivsten. Außenpolitisch gesehen liegt der Schwerpunkt in der nordischen Zusammenarbeit und in der nordischen Neutralität, die an die Stelle der Genfer Parole von der kollektiven Sicherheit ge­treten ist. Das vordringlichste Bestreben der finni­schen Außenpolitik richtete sich auf ein gutes Einvernehmen mit allen Nachbarn. Mit Schweden und Deutschland verbinden Finnland Bande der Traditton und der Kultur, die fester sind als alle Verträge, und das Verhältnis zu dem großen Nachbar im Osten, S o w j e t r u ß - land, ist im Dorpater Frieden begründet. In einer kürzlich gehaltenen Reichstagsrede betonte der stellvertretende Außenminister, der bisherige Nach­folger des zurückgetretenen Außenministers Holsti, daß die 1935 verkündete skandinavische Orientierung Finnlands nicht nur eine Fernhaltung von allen eventuellen Großmachtkon­flikten bedeute, sondern den Einsatz des Landes im Aufbau einer internordischen Kulturarbeit und einer noch intensiveren und fruchtbareren nordischen Zu­sammenarbeit erfordere.

Die militärpolitische Lage hat sich in der Zwischenzeit wesentlich verändert, zumal sich das Genfer Sicherheitssystem mehr und mehr als unzu­länglich erwiesen hat. Genf hat die Loslösung der

nordischen Länder, darunter auch Finnlands, vom Sanktionsparagraphen nicht offiziell anerkannt. Da­durch ist das Gefahrenmoment der Mitgliedschaft nicht beseitigt. Im Interesse einer vollkommenen Neutralität bleibt es den nordischen Ländern über­lassen, zu überlegen, inwieweit es zweckmäßig ist, noch länger dem Genfer Institut als Mitglied an­zugehören.

In der Innenpolitik wurde das überraschend vom Innenministerium erlassene Verbot der JKL.- Partei (Jsänmaallisen - Kansanliikkeen / Vater­ländische Volksbewegung) sehr geteilt ausgenommen. Der Bewegung wurde vorgeworfen, die verbotene Tätigkeit der Lappobeweaung weitergeführt zu haben. Das Verbot betraf die Partei mit allen ihren Nebengliederungen und Zeitungen. Das Ver­bot wird angefochten. Bis auf weiteres find die erlassenen Maßnahmen aufgehoben. Das Rathaus­gericht in Helsinki wird sich noch weiter mit dem Erlaß des Innenministeriums zu beschäftigen hyben.

Die Bestimmung Finnlands als Durchführungs­land der Olympiade 1 940 hat das Taufend- feenland in den Mittelpunkt des Weltinteresses ge­rückt. In Anbetracht der kurzen Vorbereitungszeit die endgültige Entscheidung fiel erst im Juli 1938 wird Finnland alle verfügbaren Kräfte mobilisieren, um der Durchführung der Olympiade einen Erfolg zu sichern. So geht Finnland in das 21. Jahr seiner Selbständigkeit, innerlich gefestigt und nach einem Ziel ausgerichtet, so wie es die Bewältigung großer und schwerer Aufgaben ver­langt.

Dänemarks Linie unverändert.

8. Kopenhagen, tm Dezember 1938.

Dänemarks Außenpolitik gleicht sich im wesent­lichen der Außenpolitik der anderen skandinavischen Staaten an. Neutralität ist die Losung, auch für Dänemark, und der Aufrechterhaltung dieser Neutralität dienten in diesem Jahre ver­schiedene Konferenzen der nordischen Außenminister. Anfang April fand eine solche Konferenz in Oslo statt. Hierbei erklärte sich der dänische Außen­minister Munch bereit, an den von Schweden vor­geschlagenen Untersuchungen eines gemeinsamen Handelns der nordischen Staaten im Falle von kriegerischen Verwicklungen teilzunehmen. In Ver­folg dieser Erklärung nahm Dänemark eine An­leihe von 50 Millionen Kronen auf, um von Staats wegen Vorräte einlagern zu können, weiterhin zum Ankauf von Kriegsmate­rial und zur Errichtung einer zivilen Luft­abwehr. Das ist eine sehr bescheidene Summe für diese Zwecke, und man kann mit Fug und Recht annehmen, daß im Laufe dieses Jahres noch weitere Summen für die gleichen Zwecke bereit­gestellt wurden, ohne daß es der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde.

Am 10. Mai hielten die Oslo-Staaten, also die nordischen Länder, die Schweiz, Holland, Bel­gien und Luxemburg, ihre letzte Konferenz ab. Hierbei wurde der Gedanke, der zum Zu­sammenschluß der Oslo-Gruppe geführt hatte, end­gültig beerdigt und die entsprechenden Abmachun­gen zum 1. Juli gekündigt. Vom 22. bis 24. Juli kamen die nordischen Außenminister abermals zu­sammen. Auch die Außenminister von Holland, Belgien, Luxemburg und Finnland nahmen teil. Das Ergebnis war eine gemeinsame Erklärung dieser sieben Staaten, daß sie sich in Zukunft nicht mehr verpflichtet fühlten, an Sanktionen der Genfer Liga teilzunehmen.

Im Spätsommer und Frühherbst drückte die europäische Krise der dänischen Politik ihren be­sonderen Stempel auf. Die von der Presse der demokratischen Westmächte entfachte Hetze gegen Deutschland fand auch in der dänischen Presse ein Echo, das nicht dem von der Regierung behaup­

teten Prinzip der absoluten Neutralität entsprach. Die Regierung mahnte vielfach zur Ruhe und Be­sonnenheit, und an einem Termin, zu dem das Land schon von einer Sturmflut unsinnigster Ge­rüchte überschwemmt war, am 27. September, er­klärte der Verteidigungsminister, daß die Regierung keine Einberufung von Reserven vorgenommen habe, und daß lediglich ein Teil der Marinemann­schaften, die in diesen Tagen zur Entlassung kommen sollten, vorläufig bei der Fahne gehalten würden. Das wirkte. Doch erstMünchen" brachte wirkliche Beruhigung, und die Bürger gaben es auf, am Nachthimmel nach feindlichen Flugzeugen zu spähen.

Am 4. Oktober wurde der Reichstag einberufen. Auf der Tagesordnung stand vor allem eine Ver­fassungsänderung, die in der Hauptsache eine Herabsetzung des Wahlalters zum Ziele hat. Seltsamerweise haben sich die Regierungs­parteien, also Sozialisten und Demokraten, ver­hältnismäßig schnell mit ihren Gegnern, den Kon­servativen, einigen können, aber nicht mit der Venstre, der großen Bauernpartei der Mitte. Spä­ter trennte sich allerdings der rechte Flügel der Konservativen von der Partei. Die Ereignisse dieses Jahres find nicht spurlos an Dänemark vorübergegangen. Die Radikalisierung der Flügel­gruppen nimmt ständig zu. Die Sozialisten haben ihre pazifistische Grundhaltung aufgegeben, sie treten offen für eine Verstärkung der Landesver­teidigung ein, leider aber auch für eine nicht sehr deutschfreundliche Außenpolitik. Die Jungkonserva­tiven sind stark von nationalsozialistischen Ge- hankengängen beeindruckt und suchen nach sinnge­mäßer Anwendung für dänische Bedürfnisse. Man wehrt sich bereits gegen den Zustrom der Juden. Die Arbeitslosigkeit hat sich etwas verringert, ist aber immer noch verhältnismäßig groß, etwa 100 000 Arbeitslose bei einer Bevölkerung von 33/4 Millionen. Dänemarks Wirtschaft hat sich in diesem Jahre kaum verändert. Immer noch spielt die Ausfuhr von Speck und Butter nach England die größte Rolle, doch ist Deutschland der zweit­größte Kunde. N.

Die baltischen Staaten nach zwanzig Mrev.

K. Riga, im Dezember.

Es ist vielerorts zur Gewohnheit geworden, mit dem SammelbegriffBaltische Staaten" zu arbei­ten. Dem Fernstehenden mag die Differenzierung in Lettland, E st land und Litauen nicht unerläßlich erscheinen, da er in den Nachfolgestaaten der ehemaligen russischen Ostseeprovinzen und Litauen in einem derartigen Maße gleichgeartete Erben sieht, daß die tatsächliche Unterschiedlichkeit des Grundbestandes und vor allem der Entwicklung der genannten Staaten vor dieser Betrachtungs­weise zurücktritt. Wie dem auch sei es ist heute in keiner Weise mehr möglich, allein vonBalti­schen Staaten" zu sprechen, ohne neben der vielfäl­tigen Gemeinsamkeit auch die typische Unter­schiedlichkeit zu kennzeichnen. Diese Unter­schiedlichkeit überträgt sich in hervorragender Weise auf das Gebiet der Politik, deren Nuancierung be­sonders im Hinblick auf die Baltischen Staaten nur dem Eingeweihten zugänglich ist.

Der Stempel, den das Jahr 1938 der Politik und der geistigen Verfassung Gesamteuropas aufgedrückt hat, ist selbstverständlich auch nicht an den Balti­schen Staaten vorübergegangen. Als Schöpfungen des Weltkrieges und von Versailles mit dem Rechtstitel der Selbstbestimmung der Völker sind es gerade diese Staaten, deren tausendfältige Bin­dung an die Träger und Hüter Versailler Gedanken­

gänge sie zu Trabanten der deutschfeindlichen Groß­mächte gemacht hatte. Nur ganz langsam, vielleicht erst seit dem Jahre 1933, haben andere Gedanken­gänge Platz greifen können, so wie überhaupt in Europa erst seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus sich verschiedene Begriffe auf­zuhellen begannen.

Aus diesem Grunde eben ist das Schicksalsjahr 1938 auch das Jahr neuer, selbständigerer Ueber- legungen für die Baltischen Staaten geworden. Der Grundsatz unbedingter Neutralität ist Grundlage der Politik aller drei Baltischen Staa­ten geworden. Die Gesamtbxdingungen sind zwar für die drei Staaten nicht dieselben sie sind viel­leicht für Estland und Lettland am ähnlichsten sie sind jedoch für jeden in seiner Weise in derselben Richtung zwingend. Für Litauen liegen die Dinge durch das Vorhandensein des Memel­problems anders. Die direkte Nachbarschaft Deutschlands hat ihre besondere Bedeutung. Schon allein wegen des Memellandes kann keine geltende Parallele zu den anderen Baltischen Staaten ge­zogen werden.

Aber auch die Lage Estlands ist verschieden von der seiner südlichen Nachbarn, Lettland und Litauen. Estland steht fraglos am allerwenig­sten gebunden da es ist auch bisher am leidenschaftslosesten seinen Weg gegangen. Seine

territorial am wenigsten exponierte Stellung und der Charakter des estnischen Volkes haben dem est- ländischen Staat hervorragende Dienste erwiesen. Eine traditionelle Freundschaft zum finnischen Bru­dervolke und eine solche zu Polen haben, bei sehr korrekten Beziehungen zu Deutschland und auch zum sowjetrussischen Nachbarn, Estland ein Ansehen, ähnlich dem der Schweiz, verliehen.

Was Lettland anlangt, so hat die Geschichte des Baltenlandes und eine sehr starke politische Bin­dung an Frankreich und England es ihm bisher nicht erlaubt, die Dinge kühler und klarer zu sehen. Trotz dieser Verschiedenheiten jedoch ist diese poli­tische Bindung der Baltischen Staaten untereinander so stark (lettländisch-estländisches Schutzbündnis seit 1923 und seit 1934 der sogenannteBaltenpakt", durch den dieses Bündnis unter Einbeziehung Li­tauens erweitert wurde), daß daraus allein schon alles Geschehen schicksalsgemeinsam empfunden wird. Die Baltischen Staaten haben aber im Jahre 1938 erkannt, daß sie die Integrität ihrer Staaten nur durch absolute Neutralität zu gewährleisten imstande sind. Schon allein die Memelfrage wäre im Stande, bei völliger uneingeschränkter Bindung untereinander, Estland und Lettland in Verwick­lungen zu ziehen, die nichts mit den Lebensinter­essen dieser Staaten zu tun haben. Als im März dieses Jahres Litauen unter den Druck des polni­schen Ultimatums stand, da war es gerade Lett­land, welches zum Nachgeben riet. Dar­aus mag ersehen werden, daß auch die Bindungen untereinander eine gewisse Berichtigung erfahren haben. Die gemeinsame Neutralitätserklärung der Baltischen Staaten ist noch in Vorbereitung. Estland war es, das als erstes durch den Mund seines Außenministers diese unbedingte Neuttalität er­klärte.

Neben den Auswirkungen des ereignisreichen Jahres 1938 für Gesamteuropa war es für die Bal­tischen Staaten besonders die Tatsache der zwanzig­jährigen Staatsgründungsfeiern, die die­sem Jahre noch seine besondere Bedeutung verliehen. Kurz hintereinander konnten Estland, Lettland und Litauen ihre Jubelfeiern begehen. Die führenden Männer aller drei Staaten gedachten naturgemäß der Zeit vor zwanzig Jahren und wiederholten da­bei, daß für das innerstaatliche Leben jene Grund­sätze der bürgerlichen Freiheiten und Gleichheiten lebendig sein müßten, die sich auf die nationa­len Minderheiten beziehen und seinerzeit feierlich proklamiert wurden. Diese Betonung ist aufmerksam vernommen worden: besonders die Deutschen Lettlands diejenigen Estlands haben bereits seit Jahren ihre Kulturautonomie sind sich der Bedeutung der Verwirklichung eines solchen Versprechens bewußt. Vielleicht gehört Lett­land zu den Staaten, welche sich seelisch am aller- spätesten aus der Umklammerung überlebter Ge­dankengänge zu lösen vermögen.

Abschließend kann festgestellt werden: die gewal­tigen Auswirkungen deutscher Großmachtpolitik haben auch den Baltischen "Staaten für das Jahr 1938 neue Wege gewiesen. Das Prestige Sowjet- rußlands ist auch hier in ständigem Sinken begrif­fen. Nur eine neuerliche Annäherung Polens an die Sowjetunion könnte so etwas wie neuen Austrieb für eine antideutsche Politik schaffen. Viele andere Merkmale jedoch besonders die wirtschaftlichen weisen trotz allem nach Großdeutschland.

MWe Zuversicht in Schweden.

Dr. L. Stockholm, im Dezember 1938.

Dos Jahr 1938 hat in Schweden auch denen die Augen geöffnet, die bisher glaubten, durch die Mit­gliedschaft in der Genfer Liga sei alles wohlbestellt, und man brauche sich nicht um die Außenwelt zu kümmern. Man hat endlich die Notwendigkeit, sich ein für allemal von den Sanktionsver­pflichtungen loszusagen, eingesehen, und deshalb hat Schweden auch im Einverständnis mit den anderen nordischen Staaten in Genf die be­kannte Erklärung abgegeben, daß man hier die Verpflichtungen des Genfer Paktes, evtl, an Sanktionen militärischen oder anderen teilzu­nehmen, glatt ablehnt.

Im Zusammenhang mit der Einsicht, daß die Genfer Liga keine Sicherheit, wohl aber Gefahren für gewisse Mitglieder bedeute oder bedeuten könne, ist die Frage der nationalen Verteidigung in Schweden ins Zentrum des allgemeinen Inter­esses gerückt. Gestützt auf eine fast einmütige Volks­abstimmung haben Regierung und Reichstag in Schweden in diesem Jahre große Opfer gebracht, um das Heer, die Marine und besonders die Luftwaffe erheblich auszubauen, und das Militär-Budget ist dementsprechend gewaltig angeschwollen.

Die geographische Lage und die intimen kulturel­len, sprachlichen und Handelsbeziehungen der skan­dinavischen Länder untereinander haben es auch mit sich gebracht, daß man einander politisch nähergekommen ist. Seit Jahren tagen mehr­mals jährlich nicht nur skandinavischen Konferenzen über wissenschaftliche, kulturelle und Handelsfragen, in den verschiedenen Hauptstädten des Nordens, son­dern auch die Außenminister Schwedens, Nor­wegens, Dänemarks und Finnlands treffen sich regelmäßig, um gemeinsame Fragen zu erörtern. Ein Militärbündnis ist aber ausdrücklich und wie­derholt von den verantwortlichen Staatsmännern des Nordens dementiert worden. Es handelt sich vielmehr teils um eine gemeinsame oder wenigstens gleichförmige Stellungnahme h-r nordischen Länder zu den weltpolitischen Ereignissen, teils um Vorbe-

Großdeutschlands Sozialpolitik.

Von Or. Erich Schmidt.

Unsere Sozialpolitik hat seit 1933 einen völligen Wandel erfahren. Der Umbruch vollzog sich 1933/34 und wurde insbesondere durch zwei Tatsachen ge­kennzeichnet: einmal durch die Bildung der Deut­schen Arbeitsfront unter revolutionärer Auflösung der früheren Gewerkschaften und Ar­beitgeberverbände und zum zweiten durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit, das, am 20. Januar 1934 verkündet, uns eine neue Sozialverfassung gab. In den Grenzen des vom Nationalsozialismus übernommenen Reichsgebietes war damit die neue Sozialordnung in ihren Grundzügen abgesteckt, die Wandlung der sozialen Gestaltung vollzogen. An die Stelle des Klassenkampfes war der Grundsatz der Be­triebs- und Volksgemeinschaft getreten. War früher die Sozialpolitik für viele ein Begriff mit internationaler Ausrichtung, so war jetzt gerade auch ihr der völkische Inhalt ge­geben. Sie wurde bewußt in den Dienst der natio­nalen Aufgaben gestellt zur Ergänzung der Wirt­schaftspolitik gemäß dem Wollen und den Richt­linien, die ihr und der Wirtschaftspolittk von der politischen Führung gegeben werden.

War bis zum letzten Jahreswechsel 1937/38 dieser soziale Umbruch schon längst vollzogen, fo hat das Jahr 1938 der Sozialpolitik ein Aufgaben­feld erschlossen, an dds zuvor nicht gedacht werden konnte. War doch 1938 auch das Geburtsjahr der großdeutschen Sozialpolitik, einer sozialen Volksführung, von der die ganze deutsche Nation im Großdeutschen Reich umschlossen ist. Bis zu diesen gewaltigen geschichtlichen Leistungen der Heimkehr Oesterreichs und der Eingliederung der sudetendeutschen Gebiete in das Deutsche Reich stand das deutsche Volk im weiten Sinne des Wortes unter einer recht verschiedenen Sozial­politik. Im alten Reichsgebiet herrschte der deutsche Grundsatz der Betriebsgemeinschaft, der Arbeitskameradschaft. In Oesterreich hatte man versucht, gemäß den sozialpolitischen Lehren des politischen Katholizismus ein sogenanntes Stände­system aufzubauen, das den Stempel des künst­lichen Gebildes und damit der inneren Leere deut­lich trug. In den Sudetengebieten vollends herrschte eineSozialpolitik", die mit einer echten Sozialpolitik nur den Namen gemein hatte, wäh­rend in Wirklichkeit die von ihr ergriffenen Maß­nahmen nur zu oft reine Kampfhandlungen gegen das Deutschtum waren. Es braucht ja nur an die angeblichesoziale Agrarreform" der früheren Tschecho-Slowaker und ihre Politik des Aus­hungerns der Deutschen erinnert zu werden. Das alles liegt wie ein böser Traum hinter uns. Es

Teilungen für eine wirtschaftspolitische Zusammen­arbeit und gegenseitige Hilfe im Falle eines Krieges, in welchen die nordischen Länder auf keinen Fall hineingezogen werden wollen.

In wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht steht Schweden immer noch als eins der best situ­ierten Länder Europas da. Zwar ist der Außenhandel in dem zweiten Halbjahr 1938 etwas zurückgegangen, er ist aber immer noch verhält­nismäßig groß, die einheimische Produktion hält sich auf einem hohen Niveau, die Arbeitslosigkeit ist sehr gering, und das Geld reichlich und billig. Die schwedische Geschäftswelt hat lange darüber geklagt, daß die Ausfuhr nach Franco-Spamen katastrophal zurückgegangen sei, da keine amtlichen diplomatischen oder wirtschaftlichen Beziehungen mit der Franco- Regierung bestanden. Zuletzt hat die Regierung diesem Drucke weichen müssen, und Anfang Dezem­ber wurde eine Art Modus vivendi vereinbart, wodurch die schwedische Regierung und Franco bei einander Agenten ernannten.

Gegenüber der Gefahr einer Verjudung die­ses rein germanischen Landes hat sich die Regierung, obgleich überwiegend sozialdemokratisch undkul­turdemokratisch", gezwungen gesehen, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, zumal mehrere schwedische Gewerkschaften gegen die Einwanderung rassen­fremder Elemente, die den schwedischen Arbeitern Konkurrenz machen, nachdrücklich proteftiert haben. (Eine gewisse antisemitische Stimmung macht sich mehr und mehr im Lande bemerkbar. Die Bezie­hungen zwischen Deutschland und Schweden haben sich erfreulich entwickelt. Ein reger Kultur­austausch findet statt, der Austausch von Schul­kindern nimmt einen immer größeren Umfang, und die Schweden verschiedener Kategorien gehen in großer Anzahl nach Deutschland zu Studienzwecken. Der deutsch-schwedische Handel zeigt auch gute Zif­fern auf, und durch das im Oktober getroffene neue Clearing-Abkommen ist auch der Zahlungsverkehr erheblich erleichtert worden.

Alles in allem kann Schweden dem neuen Jahre mit Zuversicht entgegensehen. Die internationale Lage ist nach Liquidierung der zenttaleuropäischen Probleme ruhiger geworden, das Wirtschaftsleben blüht, und Stadt und Volk können sich der Lösung der großen und wichtigen inneren Fragen widmen. Zuerst kommt dann die Frage der Stärkung der Wehrmacht. Eine systematische, wissenschaftliche Un­tersuchung des Bodens hat schon erfreuliche Ergeb­nisse gezeitigt. Im Norden wurden neue (Bold- und andere Erzbestände in mäßiger Tiefe, in Schonen Salz-, Del« und Kohlenvor­kommen festgestellt. Unter den großen sozialen Fragen, die im nächsten Jahre Regierung und Reichstag beschäftigen werden, ist die wichtigste die Wohnungsfrage der Landbevölke­rung, vor allem der Landarbeiter, aber auch der Bauern. Man will der Abwanderung vom platten Lande u. a. dadurch entgegenwirken, daß man über­all auf dem Lande gute, modern eingerichtete Häu­ser und Wohnungen baut.