Anwendung zu bringen ist. Das Amt „Haus und Heim" im Gau Hessen-Nassau ist immer in der Lage, geeignete Hausverwalter in Vorschlag zu bringen.
Mit KdZ. zum Bückeberg.
NSG. Am Erntedankfest versammeln sich in diesem Jahre wieder Millionen deutscher Menschen. Schaf» sende aller Stände, Bauern, Arbeiter und Soldaten auf dem Bückeberg, um aus dem Munde des Führers Au hören, was ein einiges und fleißiges Volk aus feiner Scholle gewonnen hat. Die ganze Nation wird in dieser Feierstunde einmütig der Vorsehung danken, die mit einer reichen Ernte die Nahrungsfreiheit Deutschlands für lange Zeit wieder sicherstellte.
Um allen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, die historischen Stunden auf dem Bückeberg mitzuerleben, führt die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zusammen mit der Gaupropagandaleitung und dem Reichsnährstand einen Sonderzug für den Gau Hessen-Nassau durch.
Hinfahrt Rückfahrt
1.10.38: 3.10.38:
21.50 Uhr ab
22.13 „ „
22 37 ,, „
22.46 „ „
23.04 ,, „
23.54 „ „
Frankfurt a. M. (Hbf.) Dilbel-Nord Friedberg Bad-Nauheim Butzbach Gießen
an 9.41 Uhr
--
9.20
8.58
8.50
8.16
8.10
--
2.10.38:
,0.14 Uhr ab
Lollar
7.59
0.28 „ ,,
Nieder-Walgern
7.45
0.48 „ „
Marburg
■■
7.16
« M
0.52 ,, „
Cölbe
7.08
6.23 „ an
Hameln
ab
1.37
,,
Teilnehmerpreis beträgt für die Hin-
und Rück-
fahrt 7,16 RM. Anmeldungen für diesen Sonderzug nehmen die Vorverkaufsstellen und Kreisdienststellen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" entgegen.
** Silberne Hochzeit. Das Fest der Silbernen Hochzeit begehen heute die Eheleute Lehrer Hans I m m e l und Frau Berta, geb. Appel, Beethovenstroße 8. Wir gratulieren.
** D i e Wochenmärkte werden vom kommenden Samstag ab um 8 Uhr beginnen und um 14 Uhr beendet sein.
Große Strafkammer Gießen.
Der R. Sch. aus Inheiden war früher als Kraftfahrer bei der Diehverwertungsgenossenschaft in Hungen angestellt. Er erledigte seine Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit. Da wurde plötzlich in der Genossenschaft die Stelle eines stellvertretenden Geschäftsführers frei. Da Sch. sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten erworben hatte, übertrug man dem Angeklagten diesen Posten. Als Sch. im Frühjahr ü. I. erkrankte, mußte man feststellen, daß er in mehreren Fällen Gelder, die er aus Verkäufen von Schlacht- und Zuchtvieh erhalten hatte, nicht ordnungsgemäß verbucht, sondern für seine eigenen Zwecke verwendet hatte. Er wurde daraufhin fristlos entlassen.
In der gestrigen Hauptverhandlung wurde dem Angeklagten nachgewiesen, daß er sich in fünf Fällen der Untreue schuldig gemacht hotte. In drei weiteren Fällen konnte ihm eine strafbare Handlung nicht nachgewiesen werden. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Der Verteidiger plädierte in längeren Ausführungen in erster Linie auf Frei- spruch und bat, im Verurteilungsfalle auf eine Freiheitsstrafe unter drei Monaten zu erkennen und diese Strafe dann gemäß § 27 b StGB, in eine Geldstrafe umzuwandeln.
Die Kammer verurteilte den Angeklagten wegen Untreue in fünf Fällen zu einer Gefängnis- st rase von drei Monaten und einer Woche und zu einer Geldstrafe von 100 Mark.
Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten, der sich gleichfalls in diesem Zusammenhänge zu verantworten hat, mußte obgetrennt werden, da dieser einen Unfall erlitten hat und nicht r >r Gericht erscheinen konnte.
Das Deutsche Rote Kreuz rüst!
Ein ernster Appell an die Bevölkerung der Stadt und des Kreises Gießen.
Dos Deutsche Rote Kreuz veranstaltet zur Zeit lm ganzen Deutschen Reich eine Werbewoche und ruft zur aktiven Mitarbeit in seinen Bereitschaften, sowie zur Mitgliedschaft in seinen Kreis- und Orts- gemeinschasten auf. Zur Bewältigung all der Aufgaben, die dem Roten Kreuz sowohl in Friedenszeiten, als auch im Falle eines Krieges zufallen, ist ein vermehrter Nachwuchs an freiwilligen Helfern, Helferinnen und Schwestern, sowie an unterstützenden und fordernden Mitgliedern unbedingt notwendig.
Durch das Gesetz vom 9. Dezember 1937 ist das Deutsche Rote Kreuz in den nationalsozialistischen Staat eingebaut und verpflichtet worden, seine Aufgabe im Geiste des Nationalsozialismus zu erfüllen.
Das Deutsche Rote Kreuz wirkt mit im amtlichen Sanitätsdienst der Wehrmacht und im Sanitätsdienst des Luftschutzes. Es hat weiter unterstützend mitzuwirken
1. bei der Hilfeleistung bei öffentlichen Notständen und bei Unglücksfällen zu Lande und zu Wasser,
2. im Dienst an der Gesundheitspflege des deutschen Volkes,
3. bei der Fürsorge für Kriegsgefangene und Kriegsbeschädigte.
Darüber hinaus ist aber das Rote Kreuz, getreu seiner alten Ueberlieferung, auch der uneigennützige Helfer bei größeren Veranstaltungen, Aufmärschen usm.
Auch unser Führer hat die Arbeit des Roten Kreuzes als notwendig anerkannt und das Wort geprägt: „Rot-Kreuz-Arbeit ist selbstloser Dienst an Volk und Vaterland in ständiger Hilfsbereitschaft. Ich rufe alle Deutschen auf, diese Arbeit zu fördern."
Und diesem Ruf des Führers wollen auch wir uns nicht verschließen. Ich fordere deshalb die Bevölkerung der Stadt und des Kreises Gießen auf, dem Führer auch hier wieder treue Gefolgschaft zu leisten und in das helfende Heer des Deutschen Roten Kreuzes einzutreten, entweder als aktive Mitarbeiter, als DRK.-Helfer, DRK.-Helferin, DRK.- Schwester, oder als förderndes Mitglied einer DRK.-Kreis- oder Ortsgemeinschaft.
Anmeldungen sind zu richten an die DRK.-Kreis- stelle Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3 (Fernsprecher 2951) täglich von 7 bis 13 Uhr.
DRI.-Kreisstelle Gießen:
Dr. Lotz, DRK.-Oberfeldführer.
Mitarbeit in der Gemeinschaft der 7!SV.
Große Aufgaben. - Bisher schon bedeutende Leistungen. - Kein Volksgenosse darf hier abseits stehen'
NSG. Die Gesundheit ist das wertvollste, was der Mensch besitzt. Das ganze Leben hindurch ist er darauf bedacht, sich diese Gesundheit zu erhalten. Da er aber nicht allein durchs Leben geht, sondern in einer durch das gleiche Blut bestimmten Gemeinschaft mit marschiert, und da durch diese Gemeinschaft der Marsch durch das Leben erst seinen Sinn erhält, ist die Gesunderhaltung seines Körpers und seiner Seele nicht seine private Angelegenheit, sondern eine Pflicht dieser Gemeinschaft gegenüber.
Eine Zeit, die diese Grundsätze nicht kannte, hat sich gerade auf dem Gebiet des Schutzes und der Förderung der Volksgesundheit große Fehler und Vernachlässigung zuschuldenkommen lassen, deren Nachwirkungen noch heute spürbar sind. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege hat hier ihr großes Aufgabenfeld gesehen. Daher setzte die führende Organisation der freien Wohlfahrtspflege, die NS.- Volkswohifahrt, -mit ihren Maßnahmen des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung schon bei dem keimenden Leben an und verwirklicht diese Maßnahmen auch weiter beim Kleinkind, sowie bei der Heranwachsenden Jugend. Sie steht dem deutschen Menschen zur Seite bis an sein Lebensende, durch ihre Betreuung den gesamten Lebenskreis des deutschen Menschen umfassend.
Immer wieder ist es die Jugend, aus die das besondere Augenmerk der NSV. gerichtet ist, denn sie ist für uns der Garant eines ewigen Deutsch
land, und sie wird in diesem Sinne erzogen. Ihr muß darum unsere ganze Liebe und Sorge gelten. Daher auch die Betreuung der werdenden Mutter, daher die Säuglings- und Gemeinschaftspflege durch die NS.-Schwestern in den Gemeindepflegestationen der NSV., die Krippen und Horte der NSV., die Erntekindergärten, die Dauerfinbergär« ten, die jährlich wiederkehrende Kinderlandverschickung, Kinderheimoerschickung usw. Durch das Großdeutsche Reich fahren außerdem die Ferienzüge mit den von der NSV. zur Erholung verschickten Kindern. Nicht weniger als 2 141 654 Kinder verlebten von 1933 bis 1938 durch die NSV. glückliche Ferien. Natürlich sind diese Betreuungsmaß. nahmen nur durch den vorbildlichen Opfergeist der Volksgemeinschaft möglich gewesen und durch die Beitragssummen aus der großen NSD.-Mitglied- schaft.
Wenn in diesen Tagen in den Dörfern und Städten des Gaues Hessen-Nassau Plakate gezeigt werden, die den Sinn der NSV.-Mitgliedschaft veranschaulichen, dann wollen wir alle uns fragen, was wir zu diesen Erfolgen beigetragen haben. In den letzten bis jetzt noch Äbfeitsstehenden wird dann wohl auch endlich der Entschluß reifen, nicht mehr länger zu den Außenseitern gehören zu wollen und sich nun ebenfalls in die Gemeinschaft der NS.- Volkswohlfahrt einzureihen?
Staatsminister a. D. Esser hatte zum Schluß des Kongresses noch ein Telegramm gesandt und dem Kongreßleiter Erzherzog Dr. I o s e p h F r a n z und allen Veranstaltern und Teilnehmern für die gute Zusammenarbeit den Dank des Deutschen Reichsfremdenverkehrsverbandes ausgesprochen. Mit herzlichen Worten dankte Erzherzog Dr. Joseph Franz für die Zusammenarbeit des Kongresses in Berlin und vor allem in Bad-Nauheim und versprach, daß das auch im nächsten Jahr wieder so sein werde.
Mit einem Bunten Abend im Kurhaus und froher Geselligkeit klang der Internationale Bäderkongreß 1938 aus.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 28. Sept. Heute feiern die Eheleuts Heinrich Lotz und Frau Elisa, geb. Schnabel, Eichgasse 13 wohnhaft, das Fest der Silbernen Hochzeit. Unseren herzlichen Glückwunsch.
* Wiefeck, 28. Sept. Am Freitag, 30. Sept., können Herr Wilhelm Schaar und Frau Anna, geb. Hansult, das Fest der Goldenen Hochzeit begehen. Der Jubilar steht im 83., die Jubilarin im 86. Lebensjahr. Herr Schaar stammt aus Rödgen und wohnt seit einem Jahr in Wieseck bei seinem Sohn. Beide Ehegatten sind noch ziemlich rüstig; seit etwa 50 Jahren sind sie treue Bezieher des Gießener Anzeigers. Dem Jubelpaar unsere herzlichen Glückwünsche.
£ Albach, 28. Sept. Am heutigen Mittwoch, 28. September, feiert Frau Anna Maria Klein, geb. Hahn, Ehefrau des Karl Klein ihren 7 4. Geburtstag in guter Gesundheit. Die Eheleute Hahn sind im 50. Jahr verheiratet und können hoffentlich dieses Jahr noch ihre Goldene Hochzeit feiern.
IHausen , 27. Sept. Heute wurde der ä 11 e ft e Mann unserer Gemeinde zu Grabe getragen. Es war Johann Georg Müller, Wagner- meister und Landwirt, geboren am 15. Dezember 1850 zu Hausen. So stand der Verstorbene also im 88. Lebensjahr. Seine zweite Gattin war ihm bereits vor 25 Jahren im Tode vorangegangen. Neun Kinder umstanden das Grab des Verstorbenen. 17 Enkel und 6 Urenkel durfte er noch erleben. Welche Liebe und Verehrung der Heimgegangene genoß, zeigte noch einmal die große Beteiligung bei feiner Beerdigung, bei der von der Kriegerkamerodfchaft und dem Turnverein Kränze niedergelegt wurden.
)( Großen-Linden, 27. Sept. Georg Dem Witwe, Christina, geb. Leun, wird heute 8 0 Jahre alt. Unseren herzlichen Glückwunsch.
Wie stark ist eine Kett-*?
Es ist eine alte Weisheit, daß jede Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Jeder Radfahrer wird es einmal erlebt haben, daß die Fahrradkette gerissen ist. Man kann sie noch so gut flicken, an dieser schwachen Stelle wird sie immer wieder reißen.
Auch der moderne Verkehr ist einer Kette ver- gleichbar. Jeder Verkehrsteilnehmer ist ein Glied in dieser Kette, und Bindeglieder sind Achtsamkeit und Derkehrszucht des einzelnen. Auch diese Kette ist nur so stark wie das schwächste Glieds Die Radfahrer werden die Feststellung, daß sie dies schwächste Glied darstellen, nicht als Herabsetzung oder Werturteil empfinden, sondern als rein sachlichen Der- gleich. Schon die Tatsache, daß das Fahrrad über keine Pferdestärken verfügt, sondern mit eigener Kraft vorwärts bewegt wird, daß auf ihm das Gleichgewicht gehalten werden muß, das fetzt die Radfahrer stark in Nachteil. Das Heer der Radfab- rer wird in Deutschland (ohne Oesterreich) auf 18 Millionen geschätzt: Das können also 18 Millionen schwache Stellen werden, die die Derkehrskette zum Zerreißen bringen können.
Wenn dagegen die Radfahrer Derkehrszucht üben, wenn sie die Derkehrsordnung befolgen, vor allem, wenn sie selbst in einer Kette hintereinander und nicht, wie es verboten ist, nebeneinander fahren, bann können sie zur Stärkung der Verkehrsgemeinschaft beitragen. 8000 Tote und 160 000 Verletzte fallen jährlich dem Moloch Verkehr zum Opfer? Das muß anders werden! Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich als Glieder einer großen Kette fühlen. Und mit dieser Kette muß es gelingen — um bei dem Begriff und Beispiel zu bleiben — den Verkehrsunfall in Ketten zu legen und unschädlich zu macken!
G.E.D. (RAS)
Aus der engeren Heimat.
Abschluß des 3nternationalcn Säderkongresies.
Lpd. Bad-Nauheim, 27. Sept. Am letzten Tag des Internationalen Bäderkongresses 1938 fand eine Arbeitstagung aller Abteilungen statt. Professor Vogt (B/eslau) sprach über den Sinn und die Gestaltung der B ä d e r w e r b u n g. Es komme nicht darauf an, möglichst vielgestaltig zu werben, sondern klar und eindeutig zu sagen, was der Kurgast in dem Bad finde. Was in der Werbung versprochen werde, müsse unter allen Umständen gehalten werden können. Hier sei es in erster Linie notwendig, mehr als bisher mit dem Arzt
zusammenzuarbeiten. Auch, die Werbeprospekte konnten bei einer noch so schönen Aufmachung nicht ganz befriedigen und müßten mehr und mehr zu einem ärztlichen Ratgeber werden.
Die Technische Abteilung, die anschließend gesondert tagte, beschäftigte sich mit den Moorbädern. Dabei wurden von verschiedenen Fachleuten die neuesten Mooraufbereitungsmethoden besprochen und die von Diplomingenieur Friedrich konstruierten neuen Mooraufbereitungsmaschinen im Lichtbild vorgeführt. Von allen Rednern wurde die For- derung aufgestellt, daß das Moor nur zu einem Bad benutzt werden dürfe. Nach dem Baden müßte das Moor vernichtet werden, damit es auch später nicht mehr verwandt werden könne.
Kannst du zurück, Dore?
Roman von Hedda Lindner.
Copyright by Earl Duncker Verlag, Berlin W 35.
26 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
„Die meisten sagen, er ist längst tot; denn einen Besitz wie Rehwalbau läßt man nicht so ohne weiteres fahren, nicht wahr?"
Das gab Dore zu. „Und der alte Baron, was sagt der?"
„Der glaubt nicht, daß er tot ist. Und der Oberinspektor auch nicht. Melchior sagt, wenn er nicht hoffen kann, daß der junge Herr mal wieder kommt, macht ihm das ganze Arbeiten auf Rehwaldau feinen Spaß mehr. Er soll ein feiner Kerl gewesen fein, der junge Baron", schloß er nachdenklich, und Dore fand, daß der Oberinspektor und auch Herr Suhl sehr nette Menschen seien.
Am fünften Tage ihres Aufenthaltes fuhr Jie unter einem Vorwand noch Küppingen. In der Konditorei des Städtchens traf sie einen alten roeiß» haarigen Herrn; „um Ihren Ruf nicht zu gefährden, falls man uns zusammen sieht", sagte Pedler lächelnd, nachdem er sich zu erkennen gegeben hotte. „Ich werde ohnehin meine äußere Erscheinung öfters wechseln müssen, es ist sicherer. Und was haben Sie inzwischen festgestellt?"
„Der sogenannte Herrschaftshaushalt besteht aus dem alten' Baron und seinem Neffen Petry. Ich habe Petry nur einmal flüchtig gesehen. Er fahrt häufig zu seinem eigenen Gut hinüber. Es heißt Weiga und liegt hier irgendwo in der Rahe. __
„Welchen Eindruck hot der alte Freiherr auf Sie gemacht?"
„Ich Hube ihn mir so vorgestellt. Groß, etwas ver- wittert, ober kerzengerade in feiner Haltung und ftyr höflich. Nicht nur zu mir, zu jedem Angestellten, dabei absolut Selbstherrscher aller Reußen^eicht zu nehmen ist er bestimmt nicht, aber ein Monn, zu dem man sofort Vertrauen hot."
„Gut charakterisiert, ich sehe ihn im Geiste vor mir. Und wer gehört noch zum Haushalt?"
„Zunächst sein Kammerdiener, der gleichzeitig so eine Art Haushofmeister vorstellt. Er soll sehr lange im Hause fein, heißt Evers und hot auch sonst schon weißes Haar."
„Im Bilde. Weiter bitte!"
„Dann kommt Paul, ungefähr sechsundzwonzig. Diener und gleichzeitig Chauffeur des Herrfchasts- wagen-» und der einzige, der mit den beiden Hunden
umgehen kann. Es sind persische Windhunde, prachtvolle Tiere, Scheitan und Aßlan heißen sie. Sie gehören Gerald, und als er weg war, sind sie fast verhungert vor Trauer. Aber ich glaube, mich mögen sie auch."
„Wenn die Hunde mit Paul so befreundet sind, ist es unwahrscheinlich, daß er gegen Gerald arbeitet. Ich gebe etwas auf den Instinkt der Tiere." Fiedler bewegte sich damit — ohne daß er es mußte — in ähnlichen Gedankengängen wie seinerzeit der Untersuchungsrichter. „Und wer gehört sonst zur Dienerschaft?"
„Ein Hilfsdiener, der Willi heißt und vorn Gut stammt. Er fährt das Gutsauto und den Lieferwagen und ist mehr Chauffeur als Diener. Dann kommt die Weiblichkeit: einmal die Mamsell, Fräulein Gertrud, die hervorroaend kocht, fi^ hat zwei Küchenmädchen für die gröbere Arbeit. Dann 3mei Stubenmädchen, die meist von Evers kontrolliert werden. Wasch- und Reinmachefrauen werden vom Gut genommen und wohnen nicht im Schloß."
„Und haben Sie etwas über den Weg der Post erfahren?"
„Doch. Aber das ist ganz merkwürdig. Die Post wird auf dem Postamt in einer Mappe verschlossen und dem alten Baron übergeben, der sie verteilt. Er hat ganz allein den Schlüssel, und es hat sich schon manchmal recht unangenehm ausgewirkt, wenn er nicht da war, und niemand herankonnte."
„Das ist interessant. Stellen Sie doch bitte möglichst umgehend fest, ob das immer fo mar^ Ick kann mir kaum denken, daß beispielsweise die junge Frau von Heßling ihre Post durch die Kontrolle hat gehen lassen. Das ist sehr wichtig."
„Warum?" wollte Dore wissen.
„Wenn diese Einrichtung neu ist, zeigt sie zugleich, daß der alte Herr jemanden in seiner Umgebung mißtraut. Sonst haben die Güter meist ein Schließfach auf der Post, dem der Abholer die Briefe entnimmt. Daß hier ein Postbeamter sie selbst in die Mappe verschließt, ist ungewöhnlich und scheint besonders von ihm beantragt worden zu sein. Praktisch ist es belanglos, denn Nachschlüssel kann man von den besten Schlössern Herstellen. Daß niemals Post von Gerald von Heßling angekommen ist, haben Sie festgestellt?"
„Ja, und das verdenken ihm auch bicjenigen, die sonst sehr gut von ihm reden."
„Kann ich verstehen; denn auf den Gedanken einer Unterschlagung konnte natürlich niemand kommen. Mir ist die Gewißheit sehr wichtig, erstens bestätigt sie meine Theorie, und zweitens ist es für Heßling menschlich wertvoll zu wissen, daß fein Onkel ihn nicht hat fallen lassen, wie er in seiner DerbiUenung
annahm. Jedenfalls bin ich mit Ihrer bisherigen Tätigkeit als „Detektivin" sehr zufrieden. Nachrichten unter Chiffre, wie vereinbart." —
♦'
Dore liebte es, in der Mittagspause durch den Park zu schlendern. Die weiten Rasenflächen mit den großen Baumgruppen entzückten sie immer aufs neue, aber ebenso gern verlor sie sich in die entlegenen Winkel, die durch ihre Verwilderung besonders reizvoll waren. Da gab es einen kleinen Bach, der später prosaisch in den Ententeich mündete, aber hier war er märchenhaft und geheimnisvoll, an seinem Rande mit Trauerweiden, deren Zweige tief ins Wasser hinabhingen.
Auch heute — am Tag noch ihrer Zusammenkunft mit Fiedler — fetzte sich Dore auf eine her morschen Holzbänke, die halb versteckt im Gebüsch standen, aber bald stand sie wieder auf. Diese Umgebung verleitete zum Träumen — und träumen durfte sie jetzt nicht. Sie ging langsam weiter und unterhielt sich damit, die kleinen Schneebeeren von den Büschen zu pflücken und energisch daraufzutreten. Das gab jedesmal einen lauten Knall und erinnerte an ihre Kindheit und ihren Garten in Grünhagen. Im Hintergrund sah sie besonders dicke Beeren leuchten, sie drang durch das trennende Gebüsch und fand sich auf einer kleinen Lichtung, die sie bisher noch nicht gesehen hatte. Erstaunt betrachtete sie eine Anzahl Baumstümpfe, die hier aufragten, glatt gehauen und beschriftet. Sie versuchte, die Namen zu entziffern: Tanja — Fedja — Schampus — Treff — da ließ ein Geräusch sie erschreckt "zur Seite sehen. Ein Mann stand da, Dore sah, daß er die grüne Uniform des Gutsförsters trug. Er lächelte über ihr Zusammenfahren und grüßte.
„Es tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe", sagte er höflich. „Ich komme immer durch diese kleine Seitentür." Er wies halb nach rückwärts. „Und noch nie habe ich jemanden hier getroffen. Es ist ein zu entlegener Winkel."
„Ich bin auch nur durch Zufall hierhergeraten. Ist es ein Hundefriedhof?"
Er nickte. „Die Lieblingshunde der alten Baronin liegen hier, sie hatte immer ein halbes Dutzend um sich."
„Ich weiß, Aßlan und Scheitan stammen auch aus ihrer Zucht."
,Za, der junge Herr hat die Zucht weitergepflegt, teils im Andenken an feine Tante — teils, weil er selber Freude daran hatte. Hier liegt übrigens die Mutter der beiden, Tanja. Der junge Baron hat sie vor vier Jahren begraben lassen."
Er sprach völlig unbefangen und selbstverständlich von dem jungen Baron. War er nicht der Mann, dessen zufälliges Dazwischenkommen Geralds Feind das Spiel verdorben hatte? Dore beschloß, die Unterhaltung fortzusetzen.
„Ich bin in Vertretung Fräulein Schneiders hier", sagte sie und stellte sich vor.
„Das dachte ich mir schon."
„Ich bin zum ersten Male so richtig auf dem Lande", plauderte sie weiter. „Ich finde es wundervoll. Sie find doch sicher schon lange hier*
„Natürlich. Mein Vater war hier schon Forster, er kam damals gleich nach dem alten Evers."
Sie stutzte. „Evers — ist doch nicht...?"
„Der hochmächtige Herr Kammerdiener? Das ist der Sohn. Der Vater war Förster und wurde von Wilddieben umgelegt."
„Oh — gibt es das hier auch?"
„Hetzt nicht mehr, Fräulein Bertram, aber früher mar'oft Gesindel unterwegs, Zigeuner und so."
„Warum ist der Sohn nicht wieder Förster geworden?"
Schröder zuckte die Achseln.
„Er hatte wohl keine Lust dazu. Er wurde in eine bessere Schule geschickt, und war auch immer auf dem Schloß, wenn die jungen Herren in Ferien kamen. Weil sein Vater doch im Dienst der Herrschaft umgekommen war. Er konnte gut reiten und reifte auch mit der Familie, so halb als Sekretär."
„Dann muß er allerdings schon eine Ewigkeit im Schlöße fein."
„Er war nicht die ganze Zeit hier. Wie Baronesse Dera heiratete, ging er mit nach Weiga und kam erst wieder, als sie starb — vor ungefähr acht Jahren. Ich kannte ihn nicht vorher, ich weiß das alles nur von meinen Eltern."
„Na, wenn die Dinge so liegen, erklärt das auch feine Sonderstellung", meinte Dore lächelnd.
Ihr Lächeln fand keinen Widerhall. „Ja, die Sache ist ihm in den Kopf gestiegen", sagte der Förster verbissen. „Er hält sich für vornehmer als der Baron selber und mischt sich in jeden Dreck."
Dore horchte auf. Die Feindseligkeit seines Tones konnte ihr nicht entgehen.
„Sie mögen ihn nicht?" fragte sie geradezu.
Der Förster lachte grimmig auf. „Nee. Und er mich auch nicht, er hätte mich längst raus» gebissen, wenn der alte Herr nicht wäre. Wenn der Petry mal ans Ruder kommt, fliege ich so« fort, das weiß ich. Aber ich gehe schon vorher/
(Fortsetzung folgt!)


