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Manko beseitigt werden. Da sämtliche Nährstoffe den Pflanzen im Optimum zur Verfügung stehen müs­sen. wenn sie Höchsternten liefern sollen, sind sie auch untereinander nicht vertretbar. Ebenso wenig wie sich die übrigen Wachstumsfaktoren Luft. Licht. Wasser. Wärme, um einige zu nennen, gegenseitig ersetzen können, was ohne weiteres einleuchten durfte, kann dies auch nicht bei den Bodennährstoffen ge­schehen, Dank Liebigs genialer Forschung wissen wir, daß es meist an den Kernnährstoffen Stickstoff, Phosphor, Kali, Kalk im Boden fehlt, und daß wir durch Ergänzung der fehlenden Mengen in leicht aufnahmefähigen Verbindungen unsere Aecker in unvermindeter Tragfähigkeit erhalten können. Und diese aufnahmefähigen Verbindungen sind eben die mit Unrecht so verschrieenen, fälschlich Kunstdün- ger genannten Salze.

Es sind dies in Wirklichkeit gar keine Kunstprodukte, zu deren Aufnahme wir die Pflanzen etwa heim­tückisch veranlassen. Es sind dieselben einfachsten Verbindungen, zu welchen sich die Elemente, die Grundstoffe, aus denen die ganze Materie aufge­baut ist, vereinigen, und in die alle aus Gesteinen oder organischen Resten in oder auf dem Boden stammende Zerfallsprodukte schließlich münden. Wir tun also nichts anderes beim Streuen der Handels­dünger, als daß wir uns in der Natur frei vorkommender N ä h r st o f f v e r b i nd u n- gen bedienen oder solche rem Herstellen und verwenden. So z. B. das Kali aus den Abraum- solzen der Steinsalzlager, den Phosphor aus den natürlichen Phosphatlagerstätten oder dem Eisen bei der Stahlfabrikation, dem Stickstoff aus dem Wasch­wasser bei der Leuchtgasherstellung oder ihn aus der Luft, die zu Vs Teilen damit angeMt ist, ein­fangen und an andere Elemente, zu Salzen binden.

Die Forschung hat uns gelehrt, daß zur Beurtei­lung einer zweckmäßigen Ernährung von Mensch und Tier nicht nur die Bewertung der Nährstoffe, also Kohlenhydrate, Fette und Eiweißarten und ihr Kalorienwert, in Betracht kommen, sondern auch ge­wisse meist in kaum nachweisbaren Mengen vor­

kommende Stoffe, sogenannte Ergänzungsstoffe, un- bedingt mit in Rechnung zu setzen sind. Es sind dies z. D. einige Minerale, ferner Vitamine und Fer­mente, die in der Nahrung vorhanden sein müssen, wenn der Stoffwechselablauf keine Störung erfah­ren soll. Da wir solche Schäden, die durch Mangel an diesen nur in Spuren vorkommenden Stoffen hervorgerufen werden, heute schon weitgehend deu­ten und zu beseitigen gelernt haben, Schäden als Folgen unsachgemäßer Ernährung, vornehmlich ver­anlaßt durch die außerordentlich zunehmende Ver­städterung, liegt die berechtigte Frage vor, ob durch Kunstdüngung nicht ebenfalls eine Disharmonie in der Ganzheit des Stoffwechsels der Pflanzen ein­getreten, oder zu befürchten ist. So verlockend ein solcher Vergleich zwischen den Vorgängen der Er­nährung in der animalischen und der Pflanzenwelt auch dem Laien erscheinen mag, er trifft bei der großen Verschiedenheit im Aufbau zwischen Fauna und Flora nicht zu. Gerade dieser Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der Düngung und der bio- logischen Qualität unserer Nahrungsmittel besteht, ist seitens der landwirtschaftlichen Forschung die größte Aufmerksamkeit gewidmet worden und da­mit der Frage, welchen Einfluß die Verwendung der Kunstdünger auf die Bildung jener so wichtigen Stoffwechselkatalysatoren in der Pflanze besitzt.

Es soll auch nicht geleugnet werden, daß bei un­richtiger Auswahl der Form, nämlich der chemischen Verbindung, in der ein Düngemittel angewandt wird, z. B. ob langsam oder rasch wirkend, sowie auch bei zeitlich falscher Anwendung Einflüsse auf Haltbarkeit und Geschmack von Obst und Gemüse beobachtet werden konnten. Wir kennen diese Ein­wirkungen aber und können sie durchaus vermei­den. Es liegt also nicht am Dünger, sondern an dem, der ihn verwendet, wenn unerwünschte Folgen eintreten. Besten Geschmack, höchsten Nährwert und höchste Erträge hat stets eine harmonisch abge- stimmte Dolldüngung aus Mineralsalzen und Stall­dünger, wobei dieser die geschilderte sehr wichtige Rolle zu spielen hat, ergeben. (Schluß folgt.)

jenigen Mädel, die davon im Orchester sind, mit ihren Instrumenten. Erscheinen Pflicht.

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Der Dienst der FA.-Schaft des BDM. findet am heutigen Mittwoch. 28. September, um 17 Uhr, im Möserheim statt.

A p p e l l e d e r Untergauführeri n: 29. 9.: 2/116 Gießen-Nord, Schillerschule, 20.15; 30. 9.: Ruppertsburg, 20 Uhr, Laubach 21 Uhr.

Anmeldungsformulare für den H I.- Theaterring können bei der Intendanz des Stadttheaters abgeholt werden.

Betr.: Benutzung der Schillerschule. Die Räume der Schillerschule stehen den Einheiten ab sofort wieder zur Verfügung.

Ludwig Haas 70 Jahre alt.

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten unserer Stadt, Lohnkutscher Ludwig Haas, der Senior der Firma Ludwig Haas & Sohn, Autvbetrieb und Lohnkutscherei, Walltorstraße 24, begeht am heuti­gen Mittwoch, 28. September, seinen 70. Geburts­tag. Ludwig Haas stammt aus Sichenhausen (Kreis Schotten) und diente bei der 3. Kompanie der 116er.

Im Jahre 1907 erwarb Ludwig H a.a s in Gießen die von Konrad Junker betriebene Lohnkutscherei in der Walltorstraße. Bei keiner Festlichkeit der Uni­versität fehlle Haas mit seinen Gespannen. Damals wurde vielfach noch vierspännig gefahren. Mit vie- len Familien der früheren Professoren verband Ludwig Haas persönliche Bekanntschaft, die vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Auch bei der Studentenschaft.war Haas beliebt und geschätzt, und mit seinen großen Sommerwagen hat er für sie manche Gesellschaftsfahrt Lurchgeführt. Stets war er mit seinen Gespannen prompt und zuver­lässig. Die neuere Zeit brachte dann auch den Auto­betrieb in das Fuhrgeschäft und damit eine erheb­liche Erweiterung des Dienstes. Durch seine uner­müdliche Pflichterfüllung und seine große Arbeits­freudigkeit gelang es dem Jubilar, sein Geschäft zu Ansehen und Blüte zu bringen. Zeitlebens blieb er aber der einfache, biedere und bescheidene Mensch, der immer ein freundliches Wort für andere fand.

Der Kutscherverein Gießen, dem Ludwig Haas lange Jahre angehörte, ernannte ihn zu seinem Ehrenvorsitzenden. Der Kameradschaft ehemaliger 116er gehörte er fast seit ihrer Gründung, also etwa feit 30* Jahren an. In besonderer Weise betätigte er sich aber im Tierschutzverein, dem er 1910 bei­trat und dem er fast von dieser Zeit ab als Vor­standsmitglied angehört. Stets hat er sich mit außer­ordentlicher Liebe und Hingabe für den Tierschutz­gedanken eingesetzt und dadurch in aller Stille eine segensreiche Tätigkeit im Dienste der stummen Kreatur entfaltet, so daß ihn der Tierschutzverein zu seinem Tierschutzinspektor ernannte. Kein Weg war für ihn zu weit und keine Angelegenheit zu schwer oder auch zu geringfügig, wenn es galt, seine Tierliebe zu bekunden und sich für gequälte oder mißhandelte Tiere einzusetzen. In Anerkennung die­ser außerordentlichen Verdienste um den Tierschutz­gedanken hat ihn der Tierschutzverein Gießen und Umgebung anläßlich seines heutigen 70. Geburts­tages zum Ehrenmitglied ernannt und ihm diese Auszeichnung durch den Dereinsführer. Schlachthvf- direktor Dr. Keller, übermitteln lassen, der ihm zugleich die besten Wünsche für sein ferneres Wohl­ergehen ausgesprochen hat.

Die Herbmeffe kommt!

Dom Samstag, 1., bis einschließlich Sonntag, 9. Oktober, findet in Gießen auf Oswaldsgarten wieder der Herbstmarkt (Schaumesse) statt.

An neuartigen Geschäften wird es auch diesmal nicht fehlen. Es sind zu erwarten: Benzin-Auto- Rennbahn, Komet, Raketenbahn, Schiffsschaukel, Kinder-Motorrad-Karussell, Lachen in Kalkutta, Globusfahrer, Raubtierschau, Zauberflöte, Mär- cheninsel Hawai und andere, außerdem Derkaufs- stände aller Art mit neuen Spezialitäten. Jung und alt wird wie immer mit Spannung und Interesse der kommenden Messe entgegensehen können.

Für auswärtige Besucher besteht verbilligte Fahrgelegenheit (Sonntagsrückfahrkarten) im Um­kreis von 75 Kilometer um Gießen, und zwar: an den beiden Messesonntagen mit tarifmäßiger Gel­tungsdauer, am Mittwoch, 5. Oktober, mit Gel­tungsdauer vom Mittwoch 0 Uhr bis Donnerstag 3 w)r (Ende der Rückfahrt).

Zeder hilft den Sudetendeutschen!

NSG. Das Schicksal der sudetendeutschen Flucht« linge hat alle deutschen Volksgenossen tief ergriffen. Tschechischer Blutterror bringt jeden Tag mehrer» Tausende von sudetendeutschen Brüdern um Haus und Hof. Sie verdienen in ihrem verzweifelten Kampf um ihr Deutschtum die Unterstützung und Hilfe ihrer Volksgenossen im Reich. Wieder ist es die NS.-Dolkswohlfahrt. die durch ihre weitver- zweigte Organisation sofort tatkräftige Hilfe zur Linderung der ersten Not bringen konnte. Durch sie ist jeder Deutsche in der Lage, praktisch an dem großen Hilfswerk mitzuarbeiten. Jede Spende wird durch sie auf dem kürzesten Wege dorthin geleitet, wo die Not gerade am größten ist. Wer sein Scherf» lein für die Linderung der Not unserer fubetenbeut« schen Flüchtlinge beitragen will und welcher Deutsche wollte dies wohl nicht? der gebe sein Opfer der NS.-Dolkswohlfahrt, deren Dienststellen zur Entgegennahme von Spenden bereit sind. Außerdem können Spenden entrichtet werden auf die Konten der Gauamtsleitung des Amtes für Dolkswohlfahrt: Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 23000, Girokonto 6800 Bank der Deutschen Ar- beit, Frankfurt am Main, Girokonto 7300 Städtische Sparkasse, Darmstadt.

Annahme von Geldspenden auch an den Postschaltern.

Lpd. Zur Förderung des Sudetendeutschen Hilfs­werkes nehmen auf Anordnung des Reichspost- nrinifters sämtliche Postämter und Amtsstellen der Deutschen Reichspost einschließlich der Postagenturen, Poststellen und Posthilfsstellen Geldspenden entge­gen; an den Schaltern werden in üblicher Weise Spendenlisten bereitgehalten. Postscheckteilnehmer überweisen zweckmäßig Zahlungen unmittelbar mit Postüberweisung auf das Postscheckkonto Berlin Nr. 30768 der NS.-Dolkswohlfahrt, Reichswaltung Berlin SO 36. Auf dem Abschnitt der Ueberroeifung ist zu vermerkenFür Sudetendeutsches Hilfswerk".

Keine Tarnung

des Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung vom 6. Juli 1938.

Der NS.-Gaudienst der Gauleitung Hessen-Nassau schreibt in seiner neuesten Folge:

Es wird beobachtet, daß versucht wird, die Durch­führung des Gesetzes zur Aenderung der Gewerbe­ordnung vom 6. Juli 1938, das den Juden die Der« mittlertätigfett für Jmmobilienverträge und Dar­lehen, sowie das Gewerbe der Haus- und Grund­stücksverwalter untersagt, in der Art zu umgehen, daß in vielen Fällen arische Personen von den jüdischen Verwaltern und Hauseigentümern mit der Weiterführung der Verwaltungen beauftragt wer­den, die in irgendeiner Weise schon lange mit den Juden in Verbindung stehen.

Die Deutsche Arbeitsfront,Amt Haus und Heim", weist darauf hin, daß der Gesetzgeber die Aende­rung der Gewerbeordnung durchgeführt hat, um den' Grundstücksmarkt von allen jüdischen Einflüssen zu befreien. Wenn nun versucht wird, entgegen dem Willen des Gesetzgebers solche Personen zu beauf­tragen, die nicht den Voraussetzungen entsprechen, so macht es darauf aufmerksam, daß die Verord­nung gegen die Unterstützung der Tarnung vom 22. April 1938 die Möglichkeit bietet, gegen Auftrag­geber, wie Auftragnehmer vorzugehen. Es steht nach dieser Verordnung Zuchthausstrafe für den. fertigen, der sich in irgendeiner Form als Werkzeug für Vorteile des Juden verwenden läßt.

DasAmt Haus und Heim" der DAF. beobachtet aufmerksam diese Entwicklung und wird in kurzer Zeit jeden einzelnen Fall auch auf feine Zu­sammenhänge hin genauestens untersuchen lassen. Es warnt ausdrücklich, Auftrags geb er wie Auj- tragsnehmer, in leichtfertiger Weise entsprechende Abmachungen zu treffen und Verträge zu schließen, andernfalls rücksichtslos Anwendung des Gesetzes herbeigefuhrt wird.

Es ist nicht zulässig, daß arische Angestellte in jüdischen Geschäften mit der Verwaltung des Grund« besitzes des betreffenben Juden betraut werden. In jedem einzelnen Falle, in dem nicht ein arischer Hausverwalter, der den Berufsausweis der Deut- scheu Arbeitsfront besitzt, mit der Verwaltung be­traut worden ist, wird dasAmt Haus und Heim" genauestens nachprüfen, ob die Tamungsverord- nung vom 22. April 1938 in irgendeiner Form in

Aus der Giadt Gießen.

3m herbstlichen Feld.

Ein wundervoller Herbsttag neigt sich seinem Ende zu. Wie gern lassen wir uns von der späten Sonne täuschen. All' die schönen Tage, die uns der Monat August oorenthielt, bringt nun noch der September. Tag für Tag leuchtet die Sonne am tiefblauen Himmel. Selbst die Nächte sind verhält­nismäßig warm. Nur der Nebel am Morgen er­innert uns daran, daß der Sommer von uns ging. Es sind Abschiedstage. Das empfinden wir mit leich­ter Wehmut. Die roten Hagebutten am Wegrand leuchten gar zu sehr. Die sommerliche Pracht ist dahin. Die Tage sind aber noch voll von Sonnen­schein und herbstlicher Milde, und mit dankbarem Gemüt genießen wir diese Tage wie ein kostbares Geschenk.

Im Felde stehen die Bauern mitten in der Kar­toffelernte. Lange Reihen gefüllter Säcke legen Zeugnis ab von ihrem Fleiß. Hier und da steigt der Rauch von einem Kartoffelfeuerchen steil in die Luft. Arn Feldweg, am Ackerrain, blühen noch Wegwarte, Rainfarn und Schafgarbe. Die letzten Blüten. Sie sammeln wie Hohlspiegel die Sonnen­strahlen ein und geben sie verstärkt zurück. Im Garten leuchten die letzten Rosen; Dahlien und Astern, die eigentlichen Herbstblumen, zeigen ihre Farbenpracht.

Schön ist ein Blick von der Bergeshöhe auf die Wälder und Wiesentäler. Meilenweit schweift das Auge bis auf die blau dämmernden Hügel. Alles scheint nahe zusammengerückt. Solche Rast auf Ber­geshöhe zur Herdstzeit gibt innere Kraft. Wir setzen uns wie in den Sommertagen auf den grünen Rasen und schauen nach dem tiefblauen Himmel. Wjr hören das leise Zirpen der paar Singvögel, die noch im Walde wohnen. Wir b-etrachten die Mücken, die lautlos, nur im Sonnenschein sichtbar, vielleicht ihren letzten Tag vertanzen. Die wunderbare Stille auf den Bergen und in den Tiefen überträgt sich auch auf den Menschen. Wir fühlen das Einschlum- mern der Natur. Die Pflanzen verblassen, die Blät-

ter werden bunt, und bald werden Stürme kommen, die sie der Erde wieder zurückgeben.

Auf den Wiesen blühen Herbstzeitlosen. Ihre vio­lette Farbe fügt sich harmonisch in das satte Grün des kurzen Grases. Der Wind hat sich gelegt. Die meisten Aecker sind leer. Der Erntesegen wurde geborgen. Aber bald wird der Pflug durch das Feld gehen, und die neue Saat wird der Erde über­geben. H.

Dornoiizen

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 Uhr Festliche Eröffnungs- VorstellungEin Sommernachtstraum". Gloria- Palast (Seltersweg):Der Fall Deruga". Licht­spielhaus (Bahnhofstraße):Fahrendes Volk".

Heute beginnt die neue Spielzeit im Stadttheater.

Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: Heute um 19.30 Uhr findet die festliche Eröffnungs­vorstellung der Winter spielzeit 1938/39 im Staat­theater statt. Es gelangt zur AufführungEin Som- memachtsttaüm" von Shakespeare, nach der lieber» setzung von Schlegel, textlich neu bearbeitet und inszeniert von Hermann Schultze-Griesheim. Gleich- ,zeitig wird dieSommernachtsttaum"-Musik von Wagner-Regeny uraufgeführt. Musikalische Leitung hat Paul Walter, die Bühnenbilder schuf Karl Löff­ler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 1. Vor­stellung der Mittwoch-Miete statt. Ende 22 Uhr. Gleichzeitig wird die erste diesjährige Ausstellung der oberhessischen Künstler im Foyer des Stadt­theaters eröffnet Es stellen aus: der Afrikamaler Wilhelm Stephan, Gießen, und der Bildhauer B o u r k a r d e, Gießen. Die Ferbersche Universi­tätsbuchhandlung zeigt die Neuerscheinungen des Büchermarktes.

BOM.-!lntergau 116 Gießen.

Werkgruppe 4/116, Musik.

Heute, Donnerstag, 20.15 Uhr, tritt die Arbetts- gemeinschaft für Musik am Uhl-Heim an, auch die-

Oer wunderbare Zufall.

Eine Geschichte von Peter Mattheus.

Fünfundzwanzig Minuten vor acht, pünktlich wie jeden Tag, trat Direktor Kummerow aus der Tür seiner Villa. Er schritt den Gartenweg entlang, stieg in das wartende Auw und ließ sich mit einem genau berechneten Schwung auf den Rücksitz sinken. Wäh­rend der Chauffeur den Motor in Gang brachte, entfaltete er bereits die Morgenzeitung und begann zu lesen. Fünf Minuten vor acht hielt dann der Wagen regelmäßig vor dem Bürogebäude der Mit­telländischen Bank, und mit dem Glockenschlag acht saß Herr Direktor Kummerow an seinem Schreib­tisch.

Ein Direktor ist auch nur ein Angestellter seiner Gesellschaft", pflegte er zu sagen,er hat genau so pünktlich anzufangen wie alle anderen."

Um dieselbe Zeit fünfundzwanzig Minuten vor acht sprang Paul Kleinschrot, Unterkassierer der Mittelländischen Bank, im Sturmschritt die Treppen des Hauses Holmsttaße 7 hinauf. Atemlos machte er vor einer Wohnungstür im vierten Stock halt und läutete. Nichts rührte sich. Er horchte angespannt, zerrte nervös an seinen Fingern und läutete ein zweites und drittes Mal.

Endlich ertönte irgendwo in der Wohnung ein Geräusch. Schritte schlurften heran, ein halblautes Brummen wurde hörbar. Dann schnappte ein Rie­gel, der Schlüssel drehte sich im Schloß die Tür öffnete sich ein wenig. Im Spalt erschien der Kopf eines Mannes mit zerwühltem Haar und verschla­fen zwinkernden Augen.

Ich bin's, Heinrich", sagte Paul.

Du Paul?" sagte der andre überrascht.Was treibt denn dich in aller Herrgottsfrühe zu mir? Mußt du denn nicht ins Geschäft? Komm rein, mein Junge!"

Und die Tür öffnete sich vollends.

Direktor Kummerow hatte um diese Zeit die po­litischen Nachrichten des Morgenblattes zu Ende studiert und ging nach einem kurzen Blick aus dem Fenster des fahrenden Autos zum Wirt­schaftsbericht über.

Heinrich Bell war Maler und verdiente sich sein Geld hauptsächlich mit Reklamezeichmmgen und Plakatentwürfen. Er arbeitete vorzugsweise nachts und war vor zehn Uhr morgens eigentlich nicht zu sprechen. Daher kam es, daß er noch nicht ganz bei­einander war. Er lehnte, in seinen Bademantel ge» hüllt, am Zeichentisch und sah seinen Freund Paul forschend an.

Na?" sagte er.Was hast du auf dem Herzen? Schieß los!"

Du mußt mir helfen, Heinrich", sagte Paul ge­preßt.Du bist meine letzte Hoffnung. Kannst du mir bis übermorgen fünfzig Mark borgen?"

Fünfzig Mark?" Heinrich zog erftaunt die Brauen hoch.Nanu! Du hast doch nicht etwa Spiel­schulden?"

Unsinn, ich habe nicht gespielt", sagte Paul mit gezwungenem Lachen.Es ging um Lotte, du kennst sie ja, nicht wahr? Wir wollen heiraten, sobald ich etwas mehr Gehalt bekomme. Sie war jetzt drei Wochen krank und konnte nichts verdienen. Weißt du, was das heißt? Die Rate für die Nähmaschine wurde überfällig, der Hauswirt kam jeden Tag um die Miete, und das Gas sollte auch abgesperrt wer­den. Es war einfach nicht mehr auszuhalten. Ich selbst war leider auch sehr knapp, und da hab ich... da hab ich" er atmete tieffünfzig Mark aus der Kasse genommen. Versteh mich recht", fügte er hastig hinzu,selbstverständlich wollte ich das Geld zurückgeben! llebermorgen ist Gehaltstag da hätte ich die Sache sowieso in Ordnung gebracht."

Und warum kannst du nicht bis übermorgen warten?" fragte Heinrich.

Paul senkte bedrückt den Kopf.Gestern hat mir mein Direktor mitgeteilt, daß heute früh um acht eine Kassenprüfung stattfindet. Das wird öfter so gemacht bei uns. Eine Sicherheitsmaßnahme, ver­stehst du?" Er lächelte bitter.3d) habe mir gestern schon die Hacken abgelaufen, bei allen Bekannten bin ich gewesen. Wenn es mir nicht gelingt, die fünfzig Mark bis acht Uhr aufzutreiben, bin ick) er­ledigt. Dann bin ich meine Stellung los, und wo­möglich"

Er brach ab und zuckte die Achseln.

Heinrid) schwieg eine Weile.Hm fünfzig Mark..." murmelte er dann unsicher.Es ist wahr­haftig fein Mißtrauen, mein Junge, das mußt du einsehen. Aber diese fünfzig Mark sind mein letztes Geld sozusagen die letzte Reserve, die mich vom blanken Nichts trennt. Aufträge habe ich augen­blicklich nicht in Aussicht. Wenn dir am Ende etwas dazwischenkommt..."

Heinrich!" Das klang wie der Schrei eines Er- trinkenden.

Also ja!" sagte Heinrich rasch.Natürlich? Du kriegst bas Geld."

Er verbrachte zwei kostbare Minuten damit, den Schrankschlüssel zu suchen. Dann kramte er eine Weile zwischen Wäsche und fnifternben Papieren herum. Endlich hielt er eine abgeschabte Brieftasche in her Hand und streckte Paul den Schein hin.

Um diese Zeit war Herr. Direktor Kummerow auch

mitchem Wirtschaftsbericht seiner Zeitung fertig und wandte sich dem Unterhaltungsteil zu.

Als Paul unten aus dem Hause stürmte, war es neun Minuten vor acht. Er jagte zur nächsten Halte- stelle und sah seinen Bus gerade verschwinden. Aber weiter unten in der Straße tauchte bereits her nächste auf. Er wartete, wippte, fiebernd vor Un­ruhe, auf den Fußspitzen und lief ihm schließlich ent­gegen, um ihn ja nicht zu versäumen. Unausgesetzt hielt er die Uhr in der Hand. Jede Haltestelle, jeder Kreuzungspunkt war eine Tortur ein einziges Stoßgebet. Und dennoch rückte der Zeiger unbarm­herzig vor.

Es war zwei Minuten nadp acht, als Paul an einer Seitenstraße vom Bus absprang. Noch immer hatte er Hoffnung. Zwei Minuten zwei armselige Minuten! Vielleicht hatte der Himmel ein Einsehen, vielleicht hatte sich Direktor Kummerow gerade heute um zwei Minuten verspätet. Er rannte wie ein Be- sessener, ohne darauf zu achten, daß die meisten Leute ihm verwundert nachblickten.

Dann bog er um die letzte Ecke. Er mußte stehen bleiben und sich an eine Mauer lehnen. Es war aus! Vor der Bank hielt wie immer Kummerows Wa­gen. Wahrscheinlich saß der Herr Direktor jetzt fd)on über seinen Büchern und Abrechnungert, vielleicht stellten er und her Hauptkassierer gerabe in diesem Augenblick fest, daß der Barbestand ein Defizit von fünfzig Mark aufmies..

Die letzten hundert Schritt ging Paul langsam. Er war sich kaum bewußt, daß er ging. Alles um ihn her mar wie durch Nebelwände von ihm ge­trennt und wirkte seltsam unwirklich. Er betrat die Bank und ging quer durch die Halle. Zunächst fiel ihm nichts auf. Erst allmählich kam ihm zum Be­wußtsein, daß an der Tür zum List einige Kollegen standen und aufgeregt flüsterten. Und dann sah er den Pförtner mit einem Mann herankommen, der einen Monteurkittel trug.

Was ist denn los?" fragte er müde im Vorüber­gehen.

Wissen Sie nicht?" antwortete einer der Kollegen, Direktor Kummerow sitzt fest. Der Türauslöser im ersten Stock streikt."

Er wunderte sich sehr, der Herr Kollege, daß Paul plötzlich totenblaß wurde und bann wie ein Wilder die Treppe binauffprang.

Ein paar Stunden spater stand Paul neben seinem Schreibtisch. Der Hauptkassierer war schon fort Di­rektor Kummerow öffnete eben die Tur, um auch zu gehen.

Was ich sagen wollte..." er drehte sich auf der Schwelle noch einmal um.Hm es war wieder alles in Ordnung, Klemschrok. Sitz jchemen mir fiis

zuverlässiger Mensch zu fein. Horen Sie ich will Ihnen nichts versprechen, aber auf der nächsten Direktionssitzung werde ich Ihre Beförderung zum Oberkassierer Vorschlägen."

Er nickte lächelnd und zog die Tür hinter sich zu.

Paul sank erschöpft auf seinen Stuhl und fuhr sich mit der Hand über die Stirn.

Nie wieder!" dachte er.Lieber Gott nie wieder!"

Der Kopf sank ihm immer tiefer, bis er auf den Armen ruhte. Es war gut, daß für die nächsten paar - Minuten niemand ins Zimmer kam.

Ein tausendjähriger Backofen im Teutoburger Walde.

In sieben Kilometer Entfernung von der Berg« ftabt Oerlinghausen, die durch vorgeschichtliche Funde und die Wiedererrichtung germanischer Häuser be­kannt ist, fand in der Billinghauser Heide ein Bauer bei Entwäfserungsarbetten in 60 Zentimeter Tiefe eine rötlich angehauchte Bodenoerfärbung, die zu Ausgrabungen an dieser Stelle Veranlassung gab'. Es erwies sich, wie in der Monatsschrift Germanien" berichtet wird, daß die rote Verfär­bung kreisförmig verlief und einen Durchmesser von 4,50 Meter zeigte. Etwas tiefer fand man einen festeren, völlig rotgebrannten Ring vonzehn Zentimeter Stärke, der eine Höhe von einem Meter hatte. Im Inneren des Ringes wurde eine rote Schicht gebrannten Lehms, darunter ein Boden­belag aus Feldsteinen festgestellt. Zwischen den Steinen lag Holzkohle in Mengen verstreut. Die Mittelachse des Ringes füllten sechs große Find­linge aus, und an der Nordwestseite wurde ein aus Findlingen ummauerte De ff nung von 46 Zenti­meter Länge und Breite sichtbar. Nach derselben Rickstung hm war eine stufenförmige Schräge von 1,40 Meter Breite und etwa 6 Meter Länge nach- zuweisen. Zwischen und auf dem Bodenbelag lagen einige gebrannte Menschenknochen. Ferner fanden sich hier Scherben aus der Zeit um 1000 n.

Nach eingehender Prüfung des Befundes kamen Sachverständige zu dem Schluß, daß es sich um einen Backofen handelt, dessen beträchtliche Aus­maße überraschend sind und aus eine große Sied^ lung in der Nahe schließen lassen. Es handelt sich um einen Gemeindebackofen, wie solche noch in der Lüneburger Heide in Gebrauch sind; er wurde bis zum 13. Jahrhundert benutzt. Bei der Wichtig* feit dieses eigenartigen Backofens wird eine Kon^ servierung der Anlage Dorgengntmcp, Upl W NachwA au erha-Mr. -------