Ausgabe 
28.9.1938
 
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Zwischenbilanz in Spanien. Don Dr. Kurt Söhne, Oberstleutnant a. O.

tion einer über tausendjährigen Vergangenheit ist in dem nationalen Bewußtsein wieder lebendig ge­worden und steht hinter Franco, dem' Erwecker des zu neuen Formen strebenden völkischen Lebens­willens. Erst dieser hat die großen inneren Refor­men ermöglicht, ein geordnetes Staatswesen und

eine bereits aufblühende Wirtschaft geschaffen, hat Hunderttausende der besten spanischen Männer in das Heer Francos geführt. Dieser volkliche Lebens­wille wird demCaudillo" und seinem Volke auch die Stärke geben, durchzuhalten bis zum Endsieg, der ihm früher oder später zufallen muß.

Die beiden roten Entlastungsoffensiven in Spa­nien sind zusammengebrochen. Weder am Ebro noch an der Estremadurafront ist es den sowjet­spanischen Truppen gelungen, die nationale Fronet zu durchbrechen, nirgends kamen sie über Anfangs­erfolge hinaus. Am Ebro betreibt Franco eine Zer­mürbungstaktik, die den Roten, wie sie zugeben, bisher schon gewaltige Menschenverluste gebracht hat. Das ist von um so größerer Bedeutung, als zur See von Valencia nach Barcelona oder umge­kehrt Truppen kaum noch transportiert werden kön­nen, es also für die sowjetspanischen Machthaber eine Verbindung zwischen den beiden Kriegsschau­plätzen im Norden und im Süden Spaniens seit dem Vormarsch Francos zur Küste im Frühjahr dieses Jahres nicht mehr gibt. Als die Roten jetzt ihren Widerstand an der südspanischen Front vor Sagunt versteiften, unternahm Franco einen Vor­stoß im Westen, in Richtung auf die Quecksilberstadt Almaden. Der hier einsetzende rote Gegenangriff ist nach einem Einbruch in die nationalen Stellun­gen von etwa fünf Kilometer Tiefe zum Stehen gekommen und kann nach großen Verlusten des Angreifers als gescheitert angesehen werden.

In französischer Beleuchtung über die Kriegs­anlage und die Strategie Francos im spanischen Bürgerkrieg hat kürzlich der französische General Duval eine interessante Untersuchung , angestellt, in einem Buche, zu dem der frühere Chef des fran­zösischen Generalstabes Weygand, die Einlei­tung schrieb. Beide Generale würdigen eingehend die Schwierigkeiten, denen sich der Organisator der nationalspanischen Erhebung gegenübersah, und er­kennen an, daß alle die Hilfsquellen, die notwendig sind, um ein System zu stürzen oder zu verteidigen, sich von Anfang an in den Händen der spanischen Volksfrontregierung befunden haben. Ihnen habe General Franco im wesentlichen nur seine Männer entgegenzusetzen gehabt, die aber für den Sieg ihrer Idee zu jedem Opfer bereit waren, und diese Hingabe habe es erreicht, daß den natio­nalen Streitkräften heute zwei Drittel des Landes gehören. Erst dem Organisationstalent des Gene­rals Franco sei es im Laufe. der Zeit gelungen, auch die materiellen Kräfte: ein festge­fügtes Heer, eine tüchtige Luftwaffe, eine einfatz- fähige Flotte, Kriegsmaterial, Ausrüstung und Nah­rung für seine Soldaten sicherzustellen. Wenn trotz­dem dem Bürgerkrieg ein Ende noch nicht bereitet werde konnte, so liegt das nach Ansicht des franzö­sischen Generals sowohl an politischen wie an mi­litärischen Gründen. Einmal müsse Franco bei all seinen Operationen daran denken, daß das Land, in welches er die Kriegsfackel tragen muß, einst­mals ihm gehören soll. Er wisse, daß er die Leiden des Krieges kenne, daß es leicht ist, Wunden zu schlagen, daß es, aber schwer und zeitraubend ist, diese Wunden zu heilen. Dazu komme, daß auch die roten Truppen heute nicht mehr undisziplinierte Haufen seien, die sie noch vor Jahresfrist waren. Sie werden heute durch planmäßige Ausbildung und schärfste Anwendung der Kriegsartikel gezwun­gen, zu kämpfen, auch wenn sie nicht wollen.

Das Urteil des französischen Generals wird den tatsächlichen Verhältnissen durchaus gerecht. Als Franco die wenigen Zehntausende des ihm treu er­gebenenTercio" und der eingeborenen Truppen, derReguläres", von Ceuta über das von der in das bolschewistische Lager abgeschwenkten Flotte be­herrschte Mittelmeer mit Hilfe seiner Luftwaffe nach dem Festlande brachte und in beispiellos kühnem Zuge bis vor die Tore von Madrid führte, begann in der Tat der Krieg derimprovisierten Armeen". Die glänzenden Waffenerfolge Francos in den ver­gangenen Jahren, die seiner hervorragenden Orga­nisationsgabe und seiner zielbewußten Führung, nicht weniger aber der opferfreudigen Tapferkeit seiner Offiziere und Mannschaften zu verdanken sind, müssen um so höher bewertet werden, als sie mit zunächst halbausgebildeten und unzureichend bewaffneten Verbänden errungen wurden. Wenn nicht Sowjetrußland und mit ihm dieDemokra­tischen" Staaten den roten Machthabern in Madrid, Barcelona und Valencia mit eingestandenermaßen

Die Slowaken fordern ihr Recht.

Ein Manifest des Slowakischen Kate in Genf.

Genf, 25. Sept. (DNB.) Der slowakische Rat hat ein Manifest an die Weltöffentlichkeit erlassen, in dem er erklärt, daß das tschecho-slowakische Problem aufrichtig gelöst würde, wenn es im Zeichen und auf der Grundlage der Gerechtigkeit geschehe. Der Wahlspruch der Gerechtigkeit aber laute:Suum cuique,jedem das Sein e". Den Tschechen also die Tschechei, nicht aber die Tschecho- Slowakei. Man solle daher den Tschechen nur das verbürgen, was auf ethnographischer Grundlage das Ihrige ist. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Würde man ihnen unter Mißachtung der Gerechtig­keit auch die Slowakei überlassen und garantieren, so wäre das ein Todesurteil für die slowakische Na­tion. Wir Slowaken erheben unsere warnende Stimme und ersuchen die zuständigen Mächte, in­mitten der großen Arbeit der Wiedergutmachung gerade die größten Fehler und Ungerechtigkeiten nicht unberücksichtigt zu lassen, die in Paris durch die Angliederung der Slowakei an dieser verübt wurden'. Das war der größte Irrtum, die aller­tragischste Tat, so heißt es in dem Manifest weiter wörtlich:

1. Eine Verfügung gegen die Geographie, da die gebirgige Slowakei der natürlichen Ordnung gemäß zur großen ungarischen Tiefeben gehört, mit Un­garn eine geographisch eEinheit bildet, keinesfalls aber mit der Tschechei.

2. War diese eine Verfügung gegen die wirtschaft­lichen Interessen des slowakischen Volkes, weil-picht nur sein Wohlstand, sondern auch seine bloße Exi­stenz von der ungarischen Tiefebene ab­hängt.

3. War es eine totale Mißachtung der Ge­schichte, weil wir Slowaken tausend Jahre hin­durch mit den Ungarn in einem Staate lebten unter denselben Königen, denselben Ge­setzen und nie von Ungarn abfallen wollten.

4. Wurde diese Verfügung gegen unsere Interessen getroffen, weil uns durch die Vereini­gung mit den Tschechen dieselben Gefahren bedrohen wie die m ä h r i s ch e n S l o w a k e n , die von den Tschechen vollständig assimiliert wurden.

5. Wurde in Paris bei völliger Außer acht- lassungdesSelbstbestimmungsrechtes über unser Schicksal entschieden, da man die Befra­gung unseres Volkes einfach unterließ.

Wir find nicht Tschechen, wir sind nicht Tschecho- Slowaken, sondern Slowaken und wollen es auch bleiben in alle Ewigkeit.

Die Slowaken getrauen sich unter dem derzeittgen tschechischen Terror nicht frei und offen zu sprechen. Sie wagen es» nicht, weil sie sehen, wie grausam die Tschechen die Sudetendeutschen behandeln, die an sich viel stärker sind als die Slowaken und hin­ter denen die mächtige deutsche Nation steht. Die Tschechen würden unsere slowakischen Bruder ein­fach zermalmen, wenn sie sich zu rühren wagten. Wir Slowaken, die genötigt waren, vor dem tschechi­schen Terrors ins Ausland zu flüchten und im Jahre 1933 in Genf den slowakischen Rat bildeten wir wenden uns an die zivilisierten Völker der Wett und ersuchen sie, uns nicht zu vergessen und auch unsere Frage gleichzeitig mit den übrigen Pro­blemen zu lösen.

Die slowakischen Soldaten machen nicht mit.

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Das Blutregiment der tschechischen Soldateska hat unter den anderen Nationalitäten der Tschecho-Slowakei größte Empörung hervorgerufen. Zahlreiche slowakische Soldaten haben in den letzten Tagen die deutsche Reichsgrenze überschrltten,. weil sie den Tschechenterror nicht mitmachen wollten. Unser Bild zeigt slowakische Soldaten m der Uniform des tschechischen Heeres nach ihrem Grenzübertritt in Freiberg in Sachsen. (Scherl-M.)

Stacheldraht von Aarva bis zum peipussee.

Don unserem B. G.-Korrespondenien.

ungeheurem Kriegsmaterial aller Art und immer neuem Nachschub anFreiwilligen" z u H i l f e g e - kommen wären, würde ganz Spanien längst im unbestrittenen Besitz Francos sein. Aber weder dieinternationalen Brigaden", noch die Massen sowjetrussischer Tanks und Kampfgeschwader ver­mochten den Willen des geborenen Führers und den Glauben feiner Gefolgschaft an den endgültigen Sieg- ihrer Idee zu erschüttern. Klaren Blicks er­faßte der Feldherr die Unvermeidbarkeit eines viel­leicht lange Zeit währenden Ringens und stellte sich und seine Mannschaft darauf ein. Aus dem ge- schlosienen kämpferischen Block, der die ersten Frei­willigenverbände sofort mit den aus Attika ge­kommenen Truppen bildeten und der moralisch or­ganisatorisch Vorbild sein konnte, wurde ein Heer, für das im Gegensatz zu den roten Milizen das Offizierskorps und der militärische Rahmen vor­handen waren und zu dem die aufgerufenen Reser­visten mit Begeisterung und Einsatzwillen strömten.

Auch im spanischen Volk hat sich eine geistige Wandlung vollzogen, hervorgerufen durch die ein­heitliche politische Führung desC a u d i H o", des Führers, unterstützt durch die wirtschaftliche Orga­nisierung des Hinterlandes, dessen Stimmung durch die Reihe gewonnener Kämpfe und Provinzen zu fester Siegeszuversicht wurde. Aus dieser Wandlung, die der vom genialen Improvisator zum Feldherrn und gestaltenden Staatsmann gereifte junge Ge­neral- heraufzuführen verstanden hat, wächst auch der neue spanische Soldat heran, der wie­der das Blut seiner Vorfahren in seinen Adern fühlt, der nicht nur zäh auf seinem Posten aushält, sondern auch tapfer stürmt und für sein Vaterland fällt.

Mit dieser buchstäblich aus dem Boden ge­stampften Armee, mit der überlegenen strategischen Erfindungsgabe und der unbeirrbaren Methodik Francos wurden von den 50 Provinzen Spaniens bereits 37 befreit und befinden sich in den Händen Francos. Dieser Gewinn ist ihm nicht mehr zu nehmen Er ist der Erfolg unbeugsamen Kampfes und Siegeswillens von Führer und Gefolgsman­nen, der entsprossen ist aus der Kraftquelle einer großen politischen Idee.

Diese Idee aber erhob den Kampf Francos von Anfang an über die in der Geschichte Spaniens so zahlreichenPronunziamentos", die Revolutionen ehrgeiziger Generale und Politiker. Sie war d i e Selbsthilfe im Augenblick des Ver­sinkens im Bolschewismus, ihr Ziel ist die volk­liche und staatliche Erneuerung Spaniens, die Siche- rung seiner Existenz für alle Zukunft. Die Tradi-

Helsinki, September 1938.

Mit stahlblauer Schneide trennt die Narva Ost und West. Wie eine Vision taucht aus dem morgend­lichen Nebel Narva, die gleichnamige Stadt, mit Turm und Mauer, dicht an der sowjettussischen Grenze auf. Der kleine Dampfer schiebt sich die Narva hinauf und wie die Gralsburg, erhebt sich rechts im kühnen Schwung die alte Hermannsfeste, die östlichste Ordensburg. Hier hört der Westen auf. Jenseits der Narva, gegenüber der Ordensburg, lauert der Osten. Weithin gestreckt, geduckt, das un­geheuer Vieleck Iwangorod, das Schloß Iwans des Schrecklichen. Auf einen Steinwurf, eines Flusses Breite, liegen sich die beiden Festungen gegenüber. Ein kleiner Strom trennt zwei Wetten!

Oer Wall, brennt.

Hungerburg. In der Nähe steht ein Denkmal. Hier hat der junge Schwedenkönig Karl XII. die Riesenheere Rußlands geschlagen. Wo das Denkmal steht, drängte er die fliehenden Russen über die Narva zurück. Hunderte und Tausende sind in den Fluten umgekommen. Voller Geschichte und Schick­sale ist dieses Land, das sich jedem mitteilt, der seine Zeichen zu lesen versteht. Von Hungerburg fahr ich hinaus nach Narva. Von der finnischen Bucht bläst ein kalter Wind, und glutrot steht die Sonne hinter einer schwarzen, dräuenden Wolkenwand. Einer zeigt hinüber nach Rußland:Der Wald brennt , sagt er, sonst nichts. Der Wald brennt. Ein unge­heuerer Wald. Heide, Moor und Bäume, alles brennt, feit Tagen, feit Wochen. Der Horizont im Osten wird vom schwelenden Dunst verschluckt, der Wald brennt. Der Ostwind trägt die Schwaden nach Westen, über Eslland und Finnland, über die Ostsee hinüber nach Schweden. Der Rauch verdunkelt den Himmel. In Stockholm, in Reval oder Helsinki spürt man den Brandgeruch. Ueberall ein Flüstern, die Lust wird durch die Nase gezogen, der Wind geprüft:Ja, ja, der Wald brennt, drüben" und eine Hand weist hinüber nach Sowjetrußland. Aber es riecht nicht nur nach Brand, es riecht auch nach Oelschiefer. Leicht möglich! Die O e l s ch i e f e r - seid er, die besonders zahlreich in Estland vor­kommen, reichen über die Grenze hinüber nach Sowjetrußland. Mit den Mooren haben auch die Oelschieferfelder zu schwelen begonnen. Der Gestank ist unerträglich. Don Narva bis zum Peipussee, wo die Bauern mit dem Einbringen der Ernte beschäf­tigt sind, Rauch und Stank. Unter der Landbevölke­rung in den Grenzgebieten sind verschiedentlich Ver- giftungs- und Erkrankungserscheinungen aufgetreten.

Die Gründe dieser Katastrophe? Je nun Sabo­tage oder Ausbrennen eines Grenzstreifens. Was hinter den Stacheldrähten vorgeht, weiß kein Mensch. Wie eine Sphinx, voller tausend Rätsel, dräut das Sowjetreich an der Grenze des Westens.

Mit Hunden hinter Flüchtlingen her.

Schnurgerade, Kilometer um Kilometer, zieht sich ein staubiger Weg von West nach Ost nach Ruß­land hinein. Ein paar Russenpferdchen mit hängendem Kopf unter dem Rundjoch und ein be­trunkener Bauer auf niederem Wagen, das ist. alles. Langsam fährt der Wagen durch Komarovka, ein kleines Russendorf, in dem es ebensoviel Mücken gibt, wie es Läuse und Wanzen geben mag. Vor einem Zollhaus stellt der Chauffeur seinen Motor ab und geht mit mir den Bahndamm entlang, zur Grenze. Auf der anderen Seite ist niemand zu sehen. Hüben und drüben tritt der Wald zurück und gibt einen breiten, übersichtlichen Streifest links und rechts vom Stacheldraht frei. Zwei Wachtürme tau­chen auf. Hoch ragen sie aus dem Wald. Sie stehen dicht beieinander, der eine diesseits, der andere jen­seits der Grenze Die Eisenbahnlinie führt wie durch eine Schlucht durch den mächtigen Wald auf der anderen Seite weiter, wo sie sich im brandigen Dunst verliert. In Finnland bin ich nicht so dicht an die Grenze gekommen. Hier laufe ich ein Stück der Grenze entlang, beobachte den Stacheldrahtverhau und schaue nach drüben. Ich bin überzeugt, beob­achtet zu werden. Aber niemand wehrt mich in- meinem Tun. Da schlägt plötzlich ein Hund an, noch einer und nochmals einer, und jetzt eine ganze Meute. Es klingt schaurig durch den Wald. Da stößt mich der Chauffeur an und erzählt, daß jeden Morgen die Hunde die Grenze entlang geführt werden. Der Tau macht jede Spur sichtbar. Die Hunde jagen bem Flüchtling nach, -und kaum einem wird es glücken, der Folterkammer Sowjet­rußlands zu entkommen. Nur zweimal am Tag öffnen sich die Schranken über dem Geleise. Mor­gens fährt ein Zug von Narva nach Leningrad und abends zurück. Die Wagen sind ler. Im Zeitraum eines Jahres, so erzählt der estnische Grenzsoldat, ist ein Kraftwagen auf der Landstraße nebenan über die Grenze gekommen. Es war der sowjettus- sische Militärattache in Estland. Wenn wir die Straße weiterfahren würden, wären wir in höch­stens drei Stunden in Leningrad. Aber wir kehren nach Narva zurück. Vor einem estnischen Postenhaus blühen Blumen, unschuldige, ahnungslose Blumen.

Kurz vor Narva, bevor sich die Straße plötzlich

senkt und an Iwangorod vorbei zum Narvafluß abfällt, hält der Wagen noch einmal Nanu, was ist denn hier los? Stacheldrahtverhau, Unterstände, Maschinengewehrnester und ein wirres Grabenfeld. Hier haben 1918 bie Deutschen gelegen. Es ist eine kleine Anhöhe, bie eine umfassende Uebersicht bot. Man sieht nach Komarovka und nach Kaboljaki, man sieht bis hinein nach Rußland. Als die Deut­eten gingen, Drängten bie Russen nach. Die Esten mußten sich ihrer Haut allein wehren. Sie bezogen bie deutschen Stellungen und hielten die Revolu­tionshaufen der Russen auf. Eine Gedenktafel be­richtet von den estnischen Freiheitskämpfen. Unter­wegs nach Narva weiß der Chauffeur noch eine Menge zu erzählen. Er hat das alles selbst miterlebt. Am Wegrand stehen schmucke einfache Hauser. Er weist hinüber und erklärt, daß sie der estnische Staat seinen Freiheitskämpfern zusammen mit aus­kömmlichem Landbesitz geschenkt hat. Damit , schlug der estnische Staat zwei Fliegen auf einmal. Er belohnte bie Freiheitskämpfer und besiedelte das Grenzgebiet.

Grenzen im Osten.

Von Petseri aus, im süböstlichen Estland, fuhr ich noch einmal über bas furchtbare, hügelige Land hinaus zur Grenze. Aus buschigen Baumkronen tauchen plötzlich bie runben Türme ber alten öst­lich vorgeschobensten Orbensfeste Jrboska auf. Geschichte auf Schritt unb Tritt. Das ßanb ist früher russisch gewesen und kam erst durch den Dorpater Friedensvertrag an Estland. Die Bevölkerung ist heute noch rein russisch. In einer Großzügigkeit son­dergleichen ist diese Feste angelegt. Beherrschend liegt sie auf einer Höhe, von der der Blick weit hinüber nach Rußland geht. Man müßte von hier aus die Türme der sowjetrussischen Stadt Pihkva sehen; aber es ist alles dunstig, ber Walb brennt! Im Schutze ber starken Mauern stehen heute bie armen Holzhütten Jrboskas, eng an bie grauen Türme hin- geduckt. Sogar eine zwiebelkuppelige Russenkirche begab sich in den Schutz ber starken Orbensmauern. Wie ändert sich die Zeit! Ewig wandern die Gren­zen und besttmmen Gesicht und Gestalt des Grenz­landes.

Hungerburg.

Einige Tage später bin ich wieder in Hunger­burg. Es ist inzwischen Herbst geworden. Die Badegäste folgen den Zugvögeln, und imCapric­cio" hat die Kapelle ihre Instrumente zusammen­gepackt. Der Sommer ist aus. Das Wasser ist falt, und ich.bin allein am weiten Strand. Die Schwal­ben, die hier wohnen, steigen zu Hunderten in der diesigen Luft auf und nieder. Da hängt auch eine Möwe im Wind und schreit ihr heiseres Kriii, Kriii. Fischerboote fahren den Narvafluß hinunter in bie finnische Bucht. Wenige Kilometer nach Osten liegt Rußland. Dort fließt ein kleinerer Bruder ber Narva, ber Luügafluß, an dessen Münbung einer ber neuen sowjetrussischen Kriegshäfen liegt. Dort tagen auch die beiden finnischen Fahrzeuge, die im Juli von einem sowjettussischen Kriegsschiff be­schlagnahmt worden sind, 25 Tage unter strenger Aussicht gefangen.«Lnzwifchen hat sich herausgestellt, daß sich die finnischen Fahrzeuge keine -Grenzver­letzung zuschulde kommen ließen, denn sie befanden sich auf neutralen Gewässern. Die Besatzung ber beiden Schiffe durfte während dieser Zeit nur mit verbundenen Augen ihre Kajüten verlassen. Das alles begab sich knapp 30 Kilometer von hier. Man könnte Hinsehen; aber zwischen bem Narvafluß und ber Grenze schiebt sich eine Landzunge schützend vor die Luuga-Bucht.

So hörte das befreite Asch den Führer.

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Zum erstenmal durften die Sudetendeutschen in Asch, unbehelligt von dem tschechischen Terror, die Rede des Führers Horen, die durch die öffentlichen Laut­sprecher übertragen wurde. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Kunst und Wissenschaft.

Neuerscheinungen im W. G. Korn Verlag.

Der Verlag Wilh. Gottl. Korn in Breslau kündigt folgende Neuerscheinungen an: Marja Dom- browska:Nächte unb Tage", bie Geschichte einer seltsamen Liebe unb Ehe. Arnolb Ulitz: Der Gaukler von Lonbon", bas Leben bes Daniel Defoe, ein Charakter- und Zeitbild aus bem Eng­land um bie Wende des 18. Jahrhunderts. Wil­helm Methner:Unter drei Gouverneuren", 16 Jahre Dienst in deutschen Tropen, Erinnerungen eines Kolonialbeamten aus Deutsch-Ostafrika. Wilhelm Czermak:In Deinem Lager war Österreich!" Die österreichisch-ungarische Armee, ®ie man sie nicht kennt, ein Tatsachenbericht über die Leistungen unseres Bundesgenossen aus dem Welt' krieg. Heinrich Franke:Die ostgermansiche Gerichtslaube", ein Rassemerkmal im Lebensstrom Europas.Ein Sudetendeutscher er­gibt sich nicht!" Ein Buch um den national­sozialistischen Kämpfer Hans Krebs, herausgegeben von Hans Christoph Kaergel, Hans Christoph K a e r g e l:Schlesische Dichtung der Gegenwart." Walter Nickel:Die öffentlichen Denkmäler und Brunnen Breslaus", mit Abbildungen.