Ausgabe 
28.9.1938
 
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Nr.227 Zweites Blatt

Mittwoch, 28. September 1938

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Aus dem Reiche der Krau.

Sei den angehenden Meisterinnen berHauswirtschast.

Das Deutsche Frauenwerk, Abt. Volks­wirtschaft-Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen-Nassau, Frankfurt a. M., schreibt:

Ganz unangemeldet platzen wir mitten hinein in ihre Arbeit. Gerade ist die Stunde der Nadelqrbeit zu Ende und wir erfahren noch, wie die an sich so nüchterne Arbeit des Flickens auch das will gelernt sein ansprechender gemacht wird, weil die Flicken recht geschmackvoll in eine eigens dazu ge­arbeitete Tasche eingesetzt werden. Dann sitzen wir unter denSchülerinnen" in der großen, hellen Küche und hören mit ihnen auf die Worte der Hauswirtschaftslehrerin. Was man alles aus To­maten oder in Verbindung mit ihnen herstellen kann, soll heure ausprobiert und natürlich auch ge­kostet werden. Schon beim bloßen Zuhören läuft uns das Wasser im Munde zusammen. In kurzer Zeit sind etwa 20 Zubereitungsvorschriften bespro­chen. Während sie niede'rgeschrieben werden, schauen wir uns die angehenden Meisterinnen an. Die mei­sten von ihnen, 16 oder 17 sind es wohl, sind Haus­frauen. Alle Alters- und Bildungsstufen sind ver­treten. Manche Frau mit Silberfäden im Haar und mit sicherlich reichen hauswirtschaftlichen Erfahrun­gen sitzt neben der jungen Anfängerin. Alle aber sind noch einmal gern Schülerin geworden, und wie es scheint recht aufmerksame,' lernbegierige. Jede Kursteilnehmerin bekommt nun eine Aufgabe ge­stellt. Sie hat eines der vorher besprochenen Toma­tengerichte allein herzustellen. Es kommt Bewegung in die kleine Schar. Mit Eifer und mit mehr oder weniger Herzklopfen geht es an die Lösung. So ganz'einfach ist das gar nicht. Da wird von einer Mitschülerin" gerade der Topfuntersatz oder jene Auflaufform gebraucht, die man auch nötig hätte. Aber Kameradschaftsgeist ist hier eine Selbstverständlichkeit und darum geht alles.

Während es nun auf allen Flammen Jod)!, in allen Backöfen brät und schmort, an allen Tischen gewiegt, geschnitten und gerührt wird und es nach allen Gerüchen einer feiner Küche duftet, haben wir Gelegenheit, in ein anderes Gebiet des Ausbildungs­lehrgangs einen Blick zu tun. Kursteilnehmerinnen legen Kreuzstichstickvorlagen, ein Motiv zu einem Kissen, Borden zur Begutachtung vor. Es sind eigene Entwürfe. Sie sind die Ergebnisse einer mehrstündigen theoretischen Aufbauarbeit, deren praktische Auswirkung mit Scherenschnitten begann. Die Grundform, von den alten Heilszeichen und Runen eine, diesmal das Sonnenzeichen, war ge­geben. Mit wieviel Eifer und Siebe diese Aufgabe^ öusgeführt worden war, zeigt die saubere und ge­naue Ausarbeitung, meist in zwei verschiedenen Farben. Mkm bedenke, daß wohl die meisten dieser Frauen seit Jahren ja seit Jahrzehnten keinen Mal­pinsel oder den Stift zu zeichnerischem Tun mehr in den Händen hatten. Mit Spannung erwartet die Künstlerin" das Urteil über ihre Arbeit. Beratende Hinweise der Lehrerin und eigenes Ueberlegen hel­fen, kleine Formfehler zu beseitigen. Der Eigenent­wurf wird nun natürlich auch ate Stickerei ausge­führt werden. Ob diesen Meisterinnen-Schülerinnen dann noch ihre Kissen, Decken und Deckchen gefallen, die sie einst kauften und deren Zeichnung sie nur ganz gedankenlos nachzufahren hatten? Mit Feuer­eifer werden sie die immer schwereren Ausgaben, die ihnen im Meisterinnen-Lehrkursus gestellt werden, ausführen. Sie werden ihre Wünsche und Kleidung, j ihr Heim immer kritischer betrachten und werden mit immer mehr Geschick diese nach ihrem ganz persönlichen Geschmack umgestalten und neu gestal-

Dieser kleine Ausschnitt soll aus dem vielseitigen und umfangreichen Aufgabengebiet des 21 »bib dungsku'rfus der Hauswirtschafts- Meisterinnen, vor allem der Lerneifer und die Aufnahmebereitschaft der Meisterinnen-Schulerm- nen lassen uns erkennen, wie wichtig diese Einrich­tung des Deutschen Frauenwerkes ist, lassen uns ahnen, wie segensreich für unsere Familie und da­mit für unser Volk sie sein wird und geben uns die Gewißheit, daß noch viele deutsche Frauen Meiste­rinnen der Hauswirtschaft werden wollen. Aus­kunft über Kurse für Meisterinnen der Hauswirt­schaft erteilen die Dienststellen des Deutschen Frauenwerkes.

Unfälle im Kinderzimmer.

Vorsicht mit Tintenstift nnd Arzneischrank!

.Mutti, Mutti", rüst angstvoll der fünfjährige Junge,Baby hat eben einen großen Knops ver­schluckt!" Kleine Kinder stecken bekanntlich alles, was sie erreichen können, in den Mund. Babys, die schon krabbeln oder laufen, sind blitzschnell an offenstehen- den Schränken ober Kästen und zerren das ihnen Gefährliche und Schädliche heraus. Darum müssen Kinderzimmer sorgfältig aufgeräumt, dann befind­liche Schränke und Schubladen gut verschlossen wer­den. Nadeln, Scheren, Messer und Gabeln und son­stige scharfe oder spitze Gegenstände dürfen nicht Herumliegen oder für kleine Kinder erreichbar sein. Das gleiche gilt für Flaschen und Gesäße aus Glas oder Porzellan, sie fallen dem Kind leicht aus der Hand. Ihr Inhalt und die Scherben können größ­ten Schaden bringen.

Der Arznei schrank muß besonders sorgfältig verschlossen gehalten werden, denn was einer Leckerer entfernt ähnlich sieht, stecken naschhafte Kinder (nicht nur die kleinsten) in den Mund Schwere Vergif­tungen von Kindern sind vorgekommen durch das Naschen von medizinischen Tabletten, die man leichtsinnigerweise im Zimmer herumliegen uetz.

Ebenso oft sind tödliche Vergiftungen bei Kindern durch Lecken an starken Desinfektionsmitteln vorge- kommen, und zwar durch die zum Zwecke- des Schutzes rosagefärbten Pastillen von Quecksilber sublitmat oder durch die blaugefarbten Pustillen von Quecksilberoxycyanat. .

Ein Gefahrenmoment in der Kinderstube sind die Zelluloid-Spielsachen. Wenn das Kind seinen Zei- luloidball ableckt, ist es nicht schlimm, doch wenn Zelluloid in Brand gerät, ist es äußerst gefahnicy. Durch Unachtsamkeit können sich schreckliche UnfaUe ereignen. So z. B. wenn ein Kind einen Zelluloid- ball auf eine Herdplatte, einen Ofen ober auch aus einen Heizkörper einer Dampfheizung wirft unb liegen läßt. Zelluloib gerät nämlich bei einem ge­

wissen Wärmegrab in ben Zustanb der flammen- losen Zersetzung und zerfällt unter starker Erhitzung ZU einer schwammigen Masse. Dabei genügt ein leichter Luftzug (Deffnen einer Tür), um helle Ent­flammung, einen gefährlichen Branbausbruch her- vorzurufen. Bei der flammenlosen Zersetzung ent­wickeln sich aber auch giftige Gase, die teils hoch­explosiv sind, teils Augen, Nase unb Kehlkopf reizen unb badurch Flucht unb Rettung erschweren.

Tintenstifte müssen für Kinder auch unerreichbar sein. Der in den Tintenstiften enthaltene Farbstoff Methylviolett hat die unangenehme Eigenschaft, das Körpergewebe, mit dem er in unmittelbare Berüh­

rung kommt, zu zerstören (bei Stichoerletzungen in die Haut, ins Unterhautgewebe oder ins Auge.)

Die meisten Mütter machen sich auch nicht klar, daß man sie sogar vor Gericht verantwortlich machen kann, wenn ihren Kindern durch verschuldete Un­achtsamkeit etwas passiert. Neben dem namenlosen Leid, das ein Mutterherz erleiden muß wenn dem Kind ein Unglück zustößt, kann die unachtsame Mut­ter eine empfindliche gerichtliche Strafe treffen. Es ist nicht mötig, daß man überängstlich ist und über­all Gefahren lauern sieht aber achtsam muß man sein, verantwortungsbewußt, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft! P. T. D.

Mas füllen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

5jUNGHADaiENKLGIDEK

Drei Jungmädchenkleider für den Herbst 1938 zeigen wir heute.

Das Kleid links aus blaugrauer Angora­wolle hat vorn und im Rücken je vier abgefteppte Faltenbahnen, die am Vorderteil oben vier kleine Taschen ergeben. Das Kleid wird im Rücken ge­knöpft. Der Gürtel ist aus schwarzem, rot eingefaß­tem Lackleder.

Das Kleid in der Mitte mit dem Falten- rock aus Schottenkaro hat ein Blufenteil'aus weißem Wollstoff, das vorn mit kleinen, roten

Kugelknöpfen geschloffen wird. Die Taschen sind schräg eingeschnitten und ebenso wie die Aermelauf- schläge rot^aspeliert. Rot ist auch der Gürtel.

Das Kleid rechts aus hellgelbem W o l l st p f f hat einen leichtglockigen Miedersattelrock und einen schmalen Rollkragen aus weißem Woll­stoff. Die Taschen sind eingeschnitten und mit Schräg­streifen eingefaßt. Fünf kleine, überzogene Knöpfe schließen das Kleid im Rücken, der Gürtel ist dunkel­blaues Wildleder. H.

3 K^/

Wenn Mutter nicht zu Hause ist...

Wem von uns wäre nicht aus der eigenen Kinder­zeit her die Freude in Erinnerung, die diese Tat­sache in Kindern auszulösen vermag? Mutter hat Einkäufe in der Stadt zu machen. Die Aelteste muß das Haus und die Kleinen betreuen, gut aufpassen, daß alles seinen georbrfeten Gang geht, genau, als ob^Mutter daheim wäre, die Butterbrote schmieren, die Kleinen ins Bett stecken und was dergleichen Verrichtungen mehr am Nachmittag und Frühabend sind. Das alles macht unserer Großen natürlich eine unbändige Freude: sie fühlt sich verantwort­lich, selbständig vor eine Aufgabe gestellt, die sie mag an allen anderen Tagen und in Mutters Anwesenheit auch als selbstverständliche Pflicht der Größeren ausgeführt werden doch dann einen besonderen Reiz hat. Und vor allem das, was man in Mutters Abwesenheitheimlich" machen kann, erfüllt mit besonderer Freude. Meist handelt es sich um Arbeiten, für die den Kindern stillschweigend oder auch laut von der Mutter die Selbständigkeit der Ausführung abgesprochen wird. Aber gerade diese in Mutters Abwesenheit zu versuchen, ist für jedes nach selbständiger Betätigung drängende junge Menschenkind fast eine Selbstverständlichkeit, wobei dasHeimliche" des Tuns, gepaart mit der leisen Angst, ob auch alles gut klappt und gelingt und ob man nicht schließlich von der Mutter er­wischt, unter Umständen gar gerügt wird, diesem kindlichen, nicht gerade erlaubten Tun sein ur­eigenstes Gepräge gibt.

Für uns Mütter ist es natürlich nicht ganz ein­fach, von Fall zu Fall die richtige Haltung dem­gegenüber zu finden, fei es nun, daß die abgebro­chene oder falsch wieder eingesetzte neue Nadel in der Nähmaschine uns verrät, daß unsere Große versuchte, in selbständiger Arbeit auszuprobieren, wie die Nähmaschine, deren Handhabung sie sich ge­legentlich von uns erklären ließ, funktioniert, oder daß der Geruch angebrannten Grießbreies oder von Gebackenem uns Auskunft über töchterliche Kochkünste gibt. Jedenfalls sagen mir uns bei dem erstmaligen Wahrnehmen solcher heimlichen Bestä­tigungen:Aha, nun ist die Große schon in diesem

Stadium ihrer Entwicklung angelangt", werden am gescheitesten tun, dem Kinde gegenüber zunächst davon zu schweigen und in der Folgezeit Anlei­tungen geben, die in der Richtung des wahr­genommenenheimlichen" Tuns liegen. Eine abge­brochene oder verkehrt eingesetzte neue Nähmaschi­nennadel bringt die Weltgeschichte nicht aus dem Gleis, aber eine mütterliche Strafpredigt ob dieses kleinen Unglücks, das uns übrigens auch bei unseren ersten Nähversuchen widerfuhr, könnte den forschen­den, auf Erlernen der Nähkunst gerichteten Wage­mut unseres Töchterleins doch endgültig erschüttern, so daß niemals wieder ein selbständiger Versuch gemacht und das jetzt Nichtgelernte später mühsam in einem Nähkursus nachgeholt werden müßte.

Natürlich machte unsere Große auch den mehr oder weniger geglückten Versuch, die angebrannten verräterischen Spuren im Kochtopf zu entfernen. Und wenn es nicht restlos gelang, haben wir gleich zwei Möglichkeiten, unsere zukünftigetüchtige Hausfrau" weiter anzuleiten, einmal, indem wir sie heranholen, wenn der nächste Brei gekocht oder der Pfannkuchen gebacken wird, und zum zweiten­mal, indem wir vor ihren Augen den Topf selbst richtig sauber machen. Wir können, wenn wir den Topf aus dem Schrank nehmen, so ganz nebenher bemerken:Ei, wie konnte ich denn nur einen so ungescheuerten Topf wegsetzen" das Kind wird sich, sowieso bei der Gelegenheit gerade in unserer Nähe aufhalten; dennden Verbrecher zieht es immer wieder an den Ort feiner Schandtaten zu­rück". Und es wird auch von selbst dabeistehen und zusehen und besonders scharf aufpaffen, wie man Töpfe richtig reinigt, denn beim nächstenrnal will unsere Große doch alles richtig machen.

Danach aber findet sich für uns sehr bald ein­mal Gelegenheit, die allein probieten Kochkünste unserer Großen zu unserer. Entlastung im Haushalt heranzuholen. Wir paffen auf, wie sie in unserer Anwesenheit das alles so gut und rich­tig macht, wundern uns ein wenig, welch tüchtige Köchin sie so ,^anz von selbst" ist und unsere Aelteste ist stolz, daß sie es nun kann und darf, von Mutter anerkannt, und im übrigen froh, daß Mutter es nun weiß". L. Fr.

Herbstliche Rezepte.

^>i?n Frida Atsch

Vor uns auf der Straße geht ein Jäger. An der Jagdtasche hängt eine Schnur Rebhühner. Einige haben graue Beinchen, andere sind noch gelb. Am zartesten sind die jungen, gelbbeinigen, auch am fleischigsten und saftigsten; aber auch die älteren, graubeinigen geben ein schönes Sonntagsessen. Wir müssen, sie nur danach behandeln. Wenn wir ein­kaufen,' müssen wir wissen, was wir wollen. Alte Hühner sind billiger, müssen aber länger auf dem Feuer bleiben. Wir nehmen sie aus und legen sie 24 Stunden in eine Beize von leichtem Essigwasser, dem wir einen Teelöffel Bienenhonig zum Mürben beigegeben haben. Dann verwenden wir sie zu Dämpfgerichten. Die Brust wird gespickt, das Hühn­chen ganz leicht gesalzen und unter Beigabe von gewürfeltem Gemüse, wie Sellerie, Petersilienwurzel, etwas Tomate, in wenig Fleischbrühe weichgeschmort. Dann löschen wir die Brühe mit etwas Traubenmost und Zitronensaft und richten sie, scharf abgeschmeckt, durchs Sieb geschlagen, über dem Hühnchen an.

Aufösterreichische 21 r t wird die Tunke mit Weißwein und Sahne fertiggemacht und mit Mehl verdickt. Oft findet man als Gewürz noch Piment und Lorbeerblatt. Aber wir wollen sie nicht nehmen, denn sie drücken nur den feinen eigenen Wild­geschmack tot. Aus diesem Grunde salzen wir auch nicht mehr so scharf wie früher. Das einzige, wirklich hierher passende Gewürz ist die Krammetsbeere.

RebhühnerinMo st kraut. In die Schmor­pfanne geben wir einige Scheiben Speck. Darauf kommt eine dicke Schicht grobgeschnittenes Weißkraut. Darauf legen wir die vorgebeizten Hühner, einige Zwiebelringe und geben einen Schuß Apfeltrübmost hinein. Ab und zu durch wenig Wasserbeigabe vor dem Anbrennen behüten. Ist das Fleuch weich, bindet man mit etwas Kartoffelmehl in Apfelmost, schmeckt mit Salz und Zitronensaft, ab .und reicht das Essen mit Salzkartoffeln.

Junge Rebhühner gebraten. Diese sind zum Spicken zu schade. Wir umwickeln sie mit Speckscheiben, nachdem sie wenig gesalzen sind und hüllen sie in Weinblätter. In steigendem Fett werden sie gebraten. Auf jedes Hühnchen drei Wacholder­beeren. Auf drei Hühner nimmt man eine halbe Orange, brüht sie ab zum Entbittern, schneidet sie in feine Streifchen und gart sie in der fertigen Tunke. Mit saurer Sahne die Tunke fertigmachen, die Weinblätter, die eine ganz besondere Leckerei sind, um die Hühnchen anrichten, die aüf den Speck­scheiben liegen.

In O st preußen legt man zu den bratenden Rebhühnern frische, in Scheiben geschnittene'Stein­pilze. Dann werden die Hühner bloß leicht ange­rieben mit Salz und einem Hauch Wacholderbeere. Die Tunke wird mit Sahne und Mehl bindig ge­macht, dennein Töppchen Schmand verdirbt nuscht".

Ungarische Art. Die Hühner werden voll Petersilie gestopft und mit Paradiesäpfeln in But­ter geschmort. Ebenso bereitet man dort auch den Fasan.

Wixsing-Eintopf. Grob geschnittener Wir- sing wird mit etwas Fett und wenig Wasser weich­gekocht. Das Wasser muß verkochen. In einen Schmortopf gibt man 2 Eßlöffel Fett, eine Handvoll gewürfelter Zwiebeln und schmort sie glasig. Dann füllt man die Hälfte des Kohls darauf, dann eine Schicht klein gewürfelter Kartoffeln, dann wieder Kohl und Kartoffeln und übergießt alles mit faurer Milch. Obenauf ein paar Butterflöckchen oder Speck- würfel. Leicht mit Basilikum und Salz bestreuen. Dies Gericht muß offen im Bratofen schmoren.

Kürbis-Eintopf. 100 Gramm Reis werden gewaschen und mit wenig Wasser steif au5gequollen. % kg sauberer, kleingewürfelter Kürbis wird eben­falls mit wenig Wasser weichgekocht, durchs Sied gestrichen und zum Reis gegeben. Mit wenig Salz abschmecken, einige Tropfen Bittermandelöl und Vi Liter Apfeltrübmost auffüllen. Das Gericht muß ein mäßig dicker Brei fein. In jeden Teller kommt ein Stich frische Butter und, wenn man will, etwas Zimt.

Gelee von Holunderbeeren. Es sieht so aus, als ob uns dies Jahr die Wildfrüchte für die knappe Obsternte entschädigen wollten. So werden unsere Einkochgläser doch noch voll. Besonders 'reich sind die Holunderbeeren geraten, nur werden die ein­zelnen Dolden ungleich reif. Darum kochen wir dies­mal reichlich Gelee davon. Die gewaschenen, ab- geftreiften Beeren werden fast ohne Wasser gekocht bis zum Zerplatzen. Dann läuft über Nacht der Saft durch ein Tuch. Mit Kilo auf Kilo Zucker kochen wir Gelee, dem wir die nötige Säure durch Zitronensaft geben. Ist nach viertelstündigem Kochen der Gelee noch nicht steif genug, lassen wir ihn vollständig abkühlen und geben dem kalten Fruchtsaft die nötige Steife durch Aspikpulver Pik-. Die im Sieb zurückgebliebenen Früchte mischen wir mit gekochten Falläpfeln ober geben ihnen einen herzhaften Ge­schmack durch Zusatz von herbem Süßmost. So ist es ein schöner Beisatz.

Wer Weißdornbeeren sammelt, kann aus den gewaschenen, getrockneten und gerösteten Kernen einen guten Kaffee-Ersatz haben, wenn sie auf der Kaffeemühle mitgemahlen werden. Das Fleisch geben wir den Hühnern, die es gern fressen.

Nehmt die Gelegenheit wahr und sammelt Buch­eckern ! Wir schälen sie ab, rösten sie ein wenig, damit sie sich besser reiben lassen und nehmen sie in opeifen und Kuchen. Sie geben auch ein wunder­schönes Del.

Wir wollen auch diesmal nicht die bescheidene Schlehe vergessen. Erst muß sie der Frost gestreift haben, sonst sind die herben Früchte nicht zu ge­nießen. Wir dürfen die kleinen Pfläumchen nicht kochen, sondern überbrühen sie nur mit heißem Wasser. Dies muß man mehrere Tage hintereinander wiederholen. Das abgegossene Wasser mit dem hin­eingezogenen Saft wird mit Zucker au flockst und die Früchte dann darin aufgehoben. Wenn der Saft durch das Abbrühen zum großen- Teil feine Gerb­säure verloren hat, ist er gut zum Trinken, zu Suppen und Tunken. Früher wurde auch viel Wein aus Schlehen gemacht.

Dann ist es auch Zeit, auf Spaziergängen auf die Wacholderbeeren achtzugeben. Sie sind eine gute Würze für alle Wildbraten, Ragouts und Bei­zen. Außerdem kann man magenstärkenden Wachol­derschnaps davon brauen.