Ausgabe 
28.6.1938
 
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Achtet sorgfältig auf dieVorfahrt"!

Auch die Äorfstraße birgt Gefahren!

der Reichssportschule 2 der Hitler-Jugend in See- moos nm Bodense die OPrüsung mit der Note Sehr gut" ab. Er gehört in Deutschland somit zu den wenigen, die diese Prüfung mit dieser Note bestanden haben. Auf Grund der erlassenen Dor. schriften werden ihm, da er bei der Marine seine Dienstzeit als Freiwilliger ableisten will, nun zwei Jahre seiner Dienstzeit erlassen.

** Kohlrabi gesund und reichlich vor­handen. Bei der Zusammensetzung unserer Kost kommt es nicht nur darauf an, daß die Nahrung möglichst viele hochwertige Nährstoffe in konzentrier­ter Form enchält, sondern sie mutz auch genügend Zellulose-, vitamin- und mineralsalzreiche Nahrungs­mittel enthalten. Die Mineralsalze sind für die Blut- bildung und den Knochenbau wichtig, und der Di- tamingehalt wirkt fördernd auf die Tätigkeit aller

der Verkehr am stärksten ist, viel eher auf eine ver- nünftige Verkehrsregelung einstellt als an Verkehrs- armen Stellen, darf man sogar annehmen, daß die Dorfstratzen nicht die verkehrsungefährlichsten sind.

Gerade jetzt im Sommer, wenn die Heu- und Erntewagen zwischen Feld und Hof hin und her rollen, ist es an der Zeit, sich grundsätzlich so ein­zustellen, daß sich auch im Herbst, wenn die Stra­ßen allzu eng erscheinen, der Verkehr reibungslos vollziehen kann. Mag man tausendmal ohne vor-, herige Umschau selbst über den Fahrdamm gegen- gen, mag man hundertmal mit seinem Fuhrwerks auf der linken Straßenseite glücklich um die Ecke gekommen sein, einmal kann solchesVer-, halten doch schlecht ausgehen. Und dasr Schlimme ist dabei, daß man hierdurch nicht nur sich, sondern auch andere gefährdet. Der Ackerwagen muß von der Straßenkurve weggenommen werden.^ Die Dorfkinder sind immer wieder zu besonnenem'

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nicht erzwungen werden. Auch bei fahrlässigem Handeln des Wartepflichtiaen, d. h. wenn der Lor. fahrtberechtigte die Fahrlässigkeit rechtzeitig erkennt, darf der Vorfahrtberechtigte nicht rücksichtslos weiter- fahren, sondern hat alles zu tun, um einen Zu- sarnmensioß zu vermeiden. .

Ein besonderes Augenmerk, gerade in Gießen, ver- dient die Anpassung der Geschwindigkeit an die Einsicht in d i e N e b e n st r a ß e. Wir haben hier fast durchweg schmale Straßen, so­mit erst eine Einsicht in die Nebenstraße, wenn die Kreuzung erreicht ist. Diese Tatsache verpflichtet jeden Verkehrsteilnehmer zur besonderen Vorsicht. Vor einer Kreuzung nwn Straßen gleichen Ranges hat der Fahrer zwar die Vorfahrt gegenüber dem von links Kommenden, ist jedoch wartepflichtig gegen­über dem von rechts Kommenden. Er darf infolge­dessen von seiner Vorfahrtberechtigung gegenüber dem von links Kommenden nur Gebrauch machen, wenn er noch vor dem von rechts Kommenden die Kreuzung überqueren kann.

An der Kreuzung einer Hauptstraße mit einer Nebenstraße kann in die Hauptstraße nur mit einer mäßigen Geschwindigkeit eingebogen werden, da der Fahrer bei den auf der Hauptstraße sich bewegenden Fahrzeugen eine höhere Geschwindigkeit voraus­setzen mutz. .

Der langsam bewegliche Verkehrsteilnehmer hat nur dann in die Kreuzung einzufahren, wenn er sich vorher genügend davon überzeugt hat, daß kein ma- schinell angetriebenes Fahrzeug am Schnittpunkt der Fahrbahnen zur gleichen Zeit mit ihm eintrifft. Be­findet sich allerdings der langsam bewegliche Ver­kehrsteilnehmer in der Kreuzung und ein maschinell betriebenes Fahrzeug trifft dort zu gleicher Zeit ein, so ist dem langsam beweglichen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt zu lassen. Ein Halten in der Kreuzung würde zu einer unerwünschten Störung des fließen- den Verkehrs führen.

H e i n a ck e r , Hauptmann der Schutzpolizei.

Organe und die Ausnutzung der Nahrung. Im Ver­brauch des Frischgemüses, das diese gesundheitssor- dernden Stoffe enthält, muß sich die Hausfrau fe- doch auch auf die Erntezeiten einstellen und das verlangen, was der Markt ihr gerade reichlich bie­tet. Zu dieser Zeit stehen Preis und Nährwert im richtigen Verhältnis zueinander. Mancher von uns hat längst vergessen, daß er als Junge mit Vorliebe rohe Kohlrabi atz. Dabei handelte er instinktiv rich- tiq, denn er spürte die erfrischende Wirkung. Augen­blicklich ist er wieder in reichlichen Mengen vorhan­den. Kohlrabi kann man dünsten, mit Milch kochen oder mit Petersilie anrichten. Zur Ernährung schwacher oder kranker Menschen ist er besonders geeignet und zudem gehört er in jede schöne Ge­müsebrühe.

verdiene diese Arbeit auch die Anerkennung aller Stande und Berufe.

^m Verlauf der Tagung ergriff ferner «tabs- leitcr Dr. Hartmann (Landesbauernschaft) das Wort und legte die Gedanken der nationalsozialisti- schen Marktordnung dar. Die Vorsitzenden des Milchwirtschaftsoerbandes und des Gartenbauwirt- schaftsverbandes trugen in größeren Referaten eben- falls wichtige Grundsätze und Erfahrungen vor.

Sie Bekämpfung des Kornkäfers.

Lpd. Der Reichsstatthalter in Hessen Landes­regierung erläßt zur-Bekämpfung des Kornkäfers folgende Verordnung vom 22. Juni 1938:

Auf Grund der §§ 2 und 16 des Gesetzes zum Schutze der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen wird mit Ermächtigung des Reichsministers für Ernäh- rung und Landwirtschaft vom 14. April 1938 für die Kreise Darmstadt, Offenbach, Bensheim, Heppen­heim, Dieburg, Erbach, Mainz, Worms, Oppenheim und Alzey folgendes verordnet:

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GrtU Pflicht bet Kutscher: Schack rechn cd Bxnto der Fabrdatzo -------------------------------- tafrenl

ZdR.In Zukunft sollen diejeniaen, die sich in der Frage der Verkehrsunfälle leichtfertig oder bös­willig den Pflichten eines wahren deutschen Staats­bürgers entziehen, unnachsichtig zur Rechenschaft gezogen werden und die Strenge des Gesetzes zu spüren bekommen." Diese Worte stellte Reichs­minister Dr. Goebbels in einer Rundfunkan- spräche besonders heraus, die eine neue Verkehrs- Unfall-Aktisn eingeleitet hat. Im allgemeinen neigt man leicht zu der Annahme, daß die lieber« Windung der Derkehrsunfälle ausschließlich eine An­gelegenheit der großen Städte ist. Schon in dieser Vorstellung liegt gegenüber dem Verkehrsprodlem eine Unbedachtheit, denn die Dorfstraße birgt heute bei der immer fortschreitenden Motorisierung dieselben Gefahrenmomente wie die Hauptstraße einer großen Stadt. Hier können nicht die gleichen polizeilichen Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt wer­den wie in den wichtigsten Brennpunkten des Groß­stadtverkehrs. Da sich der Mensch überall dort, wo

Es ist statistisch erwiesen, daß ejn hoher Prozent- satz aller Derkehrsunfälle auf die Nichtbeachtung der Porfahrtbestimmungen zurückzufuhren ist. Be­sondere Pflicht eines jeden Derkehrsteilnehmers ist es, sich im Interesse der Verkehrsdisziplin mit den bestehenden Bestimmungen über die Vorfahrt ver­traut zu machen, und sein Verhallen im Verkehr entsprechend einzustellen.

Folgende Grundsätze sind unter Berücksichti­gung Der örtlichen Verhältnisse im Hinblick auf die Vorfahrt nach der Straßenverkehrsordnung ge­geben:

1. Vorangestellt ist die Vorfahrtberechtigung auf den Hauptstraßen. Hauptstraßen sind die Reichs- straßen, gekennzeichnet durch Reichsstraßen- Nummernschilder und durch das SchildRing- oder Sammelstraßen für Fernverkehr" und die Hauptverkehrs st ratzen, gekennzeichnet durch ein auf Der Spitze stehendes Viereck. Außer­dem wird in den Nebenstraßen an sichtbarer Stelle auf die Hauptstraße durch das ZeichenVorfahrt auf der Hauptstraße achten" hingewiesen.

Durch Gießen führt die Reichsstraße 3 Strecke KasselGießenFrankfurt a. M. und um- gekehrt und die R e i ch s st r a ß e 4 9 Strecke FuldaGießenKoblenz und umgekehrt. Als Hauptverkehrsstraßen sind in Gießen die Ludwig- wigstraße und Licher Straße herausgestellt. Die Hauptverkehrsstraßen sind nicht mit dem Zeichen Hauptverkehrsstraßen" (auf der Spitze stehendes Viereck) versehen, jedoch befinden sich in den Neben­straßen, die auf die Hauptverkehrsstraßen führen, KennzeichnungsschilderVorfahrt auf der Haupt­straße achten." Die Hauptstraßen sind aus dem Grunde als vorfahrtberechtigt herausgestellt, um den Durchgangsverkehr flüssig und reibungslos zu gestalten. Sämtliche Fahrzeuge, auch die maschinell angetriebenen, die sich auf den Haupt­straßen bewegen, haben an den Kreuzungen und Einmündungen gegenüber den aus den nicht vor­fahrtberechtigten Straßen kommenden Verkehrsteil­nehmer die Vorfahrt. Der aus einer nichtvorfahrt­berechtigten Straße kommende Verkehrsteilnehmer hat sich, wenn er in die Hauptstraße ein- biegen will, in den dort vorherrschenden Verkehr einzufügen und zwar so, daß durch das Einbiegen der flüssige Verkehr nicht unterbrochen wird.

2. An Kreuzungen von Straßen gleichen Ranges, also an Schnittpunkten von zwei Hauptstraßen oder zwei nicht vorfahrtberechtigten Straßen haben die maschinell angetriebenen Fahrzeuge, Kraftfahrzeuge und Schienenfahrzeuge, die Vorfahrt vor allen anderen Verkehrsteilnehmern. Kraftfahr­zeuge und Schienenfahrzeuge sind untereinander gleichberechtigt. Bei Den maschinell angetriebenen Fahrzeugen unter sich oder anderen Fahrzeugen unter sich hat das von rechts kommende Fahrzeug : die Vorfahrt.

Findet eine Verkehrsregelung durch Polizeibeamte statt, so gelten die oben angeführten Vorfahrtregeln : nicht. Es ist dann diesen Weisungen Folge zu leisten.

3. Will jemand beim Abbiegen Die Richtung des ! auf derselben Straße sich bewegenden Verkehrs : kreuzen, so hat er die ihm entgegenkommenden Fahrzeuge aller Art vorfahren zu lassen. Diese Be- ft immun g dient ebenfalls der Aufrechterhaltung des i flüssigen Verkehrs. Es sind demnach nur Die enb r gegenkommenden Fahrzeuge vorfahrtberechtigt, nicht

§ 1. Abs. 1: Wer Getreide lagert oder de- oder verarbeitet, ist verpflichtet, Die Bekämpfung Des | Kornkäfers nach den Weisungen des Pflanzenschutz- i amtes durchzuführen-, er hat insbesondere die La- s gerräume zu reinigen und diese sowie Getreidevor- rate nach Den Verfahren oder mit Den Mitteln zu l behandeln, die das Pflanzenschutzamt bezeichnet. i Abs. 2: Die in Absatz 1 genannten Personen sind verpflichtet, Das Betreten der Räume, in Denen Ge- treibe lagert, die zur Lagerung von Getreide be- stimmt sind oder in denen Getreide be- ober ner- i arbeitet wird, durch die Beauftragten des Pflanzen- schutzamtes zu gestatten. Die gleiche Verpflichtung obliegt den Mühlenbesitzern für alle Räume Des : Mühlenbetriebs. Absatz 3: Die in Absatz 1 ge­nannten Personen sind verpflichtet, nach den Wei­sungen des Pflanzenschutzamtes Hilfsdienste zu lei­sten und jede erforderliche Auskunft zu geben.

8 2 Wer den Vorschriften dieser Verordnung zu­widerhandelt, wird nach § 13 des Gesetzes zum Schutze der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen be- ltr§f3. Die Verordnung tritt mit dem 1. Juni 1939 außer Kraft.

Gießener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 28. Juni. Auf dem heutiaen Wochen­markt kosteten: feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mk., Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Enteneier 11% bis 12%, Wirsing, % kg 10 bis 12, Weißkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, das Bündel 10 bis 18, rote Rüben, das Bündel 12, Spinat, % kg 10 bis 15, Römisch- kohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel 1. Sorte 55, 2. Sorte 50, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 15 bis 20, das Bündel 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 k» 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, % kg 13 bis 15 Pf., Pfirsiche, % kg 50 bis 60 Pf., Aepfel, ausländische 60 bis 65, Kirschen 50 bis 60, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 40 bis 50 Pf, Hähne 1,10 bis 1,15 Mk., Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mk., Blumenkohl, das Stück 10 bis 70 Pf., Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 40, Ein- machgurken 15 bis 20, Oberkohlrabi 9 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 18, das Bündel 20 Pf.

** Zum Ober st abs zahlmeister er­nannt. Der Leiter der hiesigen Heeresstandort- verwaltung, Stabszahlmeister Bomhard, wurde dieser Tage durch Urkunde des Führers und Reichs- Tangers zum Oberstabszahlmeister ernannt. Im Okto­ber des vorigen Jahres konnte Oberstabszahlmeister Bomhard auf eine 40jährige Militärdienstzeit zurückblicken.

♦♦ Nachrichtenschar b e r H I. legt Fernsprechleitung. Unserem gestrigen Be­richt über die Kanuregatta auf der Lahn ist berich­tigend nachzutragen, daß die Fernsprechleitung von der Nachrichtenschar der Hitler-Jugend gelegt wurde (nicht vom Nachrichtensturm der SA.). Die Anlage funktionierte gut und die HI. darf mit Recht auf ihre Arbeit stolz sein.

** -Erfolgreicher Hitler junge. Der Scharführer der Gießener Marine-Hitler-Jugend Leonhard Gärtner, Wernerwall 33, legte auf

die hinter ihm folgenden. Bei den letzteren Fahr­zeugen hgt der Abbiegende die Pflicht, die Rich­tungsänderung rechtzeitig und deutlich anzuzeigen. Das Anzeigen befreit nicht von der gebotenen Sorgfalt.

Der Gesetzgeber spricht nicht von einem Vorfahrt- Recht", sondern nur von DerVorfahrt". Der Gesetzgeber will damit sagen, daß das Dorfahrt­recht kein unbedingtes Recht ist. Beide Der Vor­fahrtberechtigte und der Wartepflichtige haben unter gegenseitiger Rücksichtnahme dazu beizutragen, daß sich Der gesamte Verkehr flüssig, schnell unD ge­fahrlos abwickelt. Wenn einerseits Der Dorfahrt­berechtigte nicht rücksichtslos von seinem Recht Ge­brauch machen soll, so Darf andererseits Der Warte- pflichtige es mit seinen Pflichten nicht leicht nehmen. Des weiteren darf durch übermäßige Geschwindig­keit seitens des Dorfahrtberechtigten die Vorfahrt

Roman von Hans von Hülsen.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.

13. Fortsetzung . (Nachdruck verboten!)

Und dann geschah mit einem Rdale ein wilder Aufstand aller Stimmen, apokalyptisches Heulen, Pfeifen, Krachen, Splittern, Bersten, Wimmern, vom Baß wie mit höllischem Unwetter überheult und dann dann war die plötzliche Stille da, jählings, und so tief wie in der tiefsten Nacht, durch Die kein Sternenschein mehr bricht.

Ottenrieth schob den Deckel über Die Tasten. Leise stand er auf.

Es ist erst halb fertig", hörte Renata ihn sagen er war schon durch die Dämmerung des Zim­mers zu seinem Schreibtisch gegangen und spreizte Die HänDe auf Der Platte und sah von ihr weg, irgend wohin, zum Fenster hinaus, wo der Herbst­tag verglühte.

Sie fühlte, wie es ihn mitgenommen hatte. Still verharrte sie in ihrem Sessel, auf die Fußspitzen niederblickend, selber ergriffen, sie wußte nicht, wie sehr.

Woher haben Sie bas?" fragte sie enblich, um den Bann zu brechen. Der zwischen ihnen staub: Ist Das alles in Ihnen? Dann muß ich Sie ganz anDers sehen", setzte sie leise hinzu.

Tun Sie das, Renata! Tun Sie Das!" Er be­gann aufgeregt im Zimmer umherwlaufcn:Ja, ich bitte Sie, tun Sie Das! Vergessen Sie alles andere, denken Sie, es war nur Maske, die ich mir umbinbe für die Welt. Sie bebeutet nichts. Und ich reiße sie mir vom Gesicht, wenn Sie nur ein einziges Wort sagen. Ader Sie ällein können dies Wort sagen, denn von Ihnen allein habe ich ge­sprochen, und zu Ihnen allein habe ich gesprochen, Da war kein Ton, der sich nicht an Sie richtete. Haben Sie das gespürt?" sagte er und blieb schwer­atmend vor ihr stehen.

Sie gab keine Antwort. Sie sah ihn nicht an. In ihrem Ohr lebte noch immer bas eine Motiv, Das alles anbere wie ein kühn gewölbter Bogcn getragen hatte, immer noch hörte sie sein zages Aufklingen, seinen Jubel, sein verzweifeltes An­stürmen. Was ist bas für ein Mensch? dachte sie bei sich. Wie können so zwei Seelen in einem Men­schen leben? Und wie bin ich, wie bin ich an ihn geraten?

Sie müssen Das unbedingt zu Ende machen", sagte sie endlich unb erhob sich:Das wird Ihnen einen ganz anderen Ruhm bringen als alles an­dere."

Er stand vor ihr, eine kleine Enttäuschung um die Augen.

Ruhm", stieß er hervor,was soll ich damit. Ich will mehr."

Sie fühlte, wie sein Blick sich in ihr sestkrallte, sie hielt ihn aus, sie fragte:

Was wollen Sie?"

Ein Echo", sagte er leise.Antwort auf alle Fragen. Einen Menschen, der Antwort gibt."

Und er nahm ihre beiden Hände und hob sie an den Mund unb küßte sie.

Sie ließ es geschehen, verwirrt und boch n:d)t verwirrt, ängstlich und doch freudig, im Ohr Das eine Motiv: Liebst du mich?

Als Renata und Armbruster sich Das nächstemal trafen auf sein Drängen, Denn sie selber hatte keine große Lust, sie war ganz erfüllt von Dem Neuen, bas sie erlebte, erzählte sie ihm von ihrem Besuch bei Ottenrieth unb von seinem Werk, bas er ihr vorgespielt.

Er lachte.

Fall Drauf rein! Der Junge kann nichts! Der Junge ist ein Stümper unb Macher, ber besten­falls etwas nachempfinden, aber nichts aus sich selbst schaffen kann. Das ist die spezifische Begabung für Operetten- unb Tanzmusik, und damit hat er Denn ja auch seine Erfolge, die ich ihm gönne. Aber für ernsthafte Sachen ist er völlig unbrauchbar, unb wenn er so was macht, dann ist cs aus zweiter Hand oder, rund herausgesagt, geflaut."

Nun lachte Renata, sie lachte ihn einfach aus. Sie hatte doch Ohren, zu hören. Und sie war doch bestimmt Musikalisch genug, um den Wert oder Un­wert einer Sache beurteilen zu können.

Wenn bus selber hören würdest, Fritz, dann würdest du nicht so töricht reden!"

Er schüttelte sich mit einem humoristischen Ausdruck:Selber hören? Ich verzichte."

Und dann begann er zu klagen, daß Renata es ihm antue, diesen Ottenrieth zu besuchen, der ein ganz gewöhnlicher Schürzenjäger sei, und sich da- durch dem Gerede aussetze.

Nun wurde sie ernstlich böse. Was ihm denn einfalle? Ob sie ein Kind sei, das von ihm aus­gerechnet von ihm! am Gängelband geführt werden müsse? Sie wisse sehr genau, was sie tun Dürfe unb was nicht. Unb es sei ihr sehr zweifel­haft, ob sie sich nicht eher dem Gercd" aussetze, wenn sie sich so häufig in Konzerten unb Theatern

mit einem gewissen Fritz Armbruster zeige, der un- oerblümt davon rede, daß er sie heiraten wolle.

Das Zusammensein verlief unharmonisch, wie so oft schon in letzter Zeit, Renata nahm sich vor, ihn aufzugeben. Aber am nächsten Tage tat er ihr doch leid. Sie kannten sich zu lange, hatten zuviel mit­einander erlebt, lauter luftige Dinge, Die nicht in die Tiefe gingen, aber sich auf Der Tafel Des Ge­dächtnisses doch nicht verwischen.

Hätte er in der Pension Lanner angerufen, ihr ein Zusammensein vorgeschlagen, sie hätte ihren Groll vergessen und wäre gekommen. Allein er meldete sich nicht, und ihn selber anzuläuten, dazu war sie zu stolz.

Sie stürzte sich in ihre Arbeit, die über allen Erlebnissen der letzten Wochen ein wenig vernach­lässigt worden war, und fuhr alle paar Tage ein­mal zu Ottenrieth. Er spielte ihr vor, was er in­zwischen gearbeitet hatte, ober begleitete sie am Flügel, wenn sie sang. Sie sang gern in seiner Gegenwart; es verdroß ihn niemals, mit ihr ein dutzenbmal bas gleiche Lieb durchzuüben, bis sie es meisterte. Nach solchen Arbeitsstunden fuhren sie dann in die Stadt, um irgendwo zu essen.

So verging der November. Der erste Schnee fiel, blieb aber natürlich nicht liegen. ImTheater an der Wien" wurde allabendlich vor ausverkauftem HausDiana von der Donau" gespielt. Ein paar­mal mußte Ottenrieth verreisen, um den Erstauf­führungen in anderen Städten beizuwohnen; das verlangten die Theater; aber er war meist am nächsten Tage schon wieder zu Hause.

Einmal, während er in Zürich war man schrieb schon Dezember, erhielt Renata eine auf Elfenbeinkarte lithographierte Einladung von Frau Mizzi Armbruster zu einem großen Tee bei Sacher. Damit hatte Frau Armbruster, wie sie es vor sich selber ausdrückte,die Sache in die Hand genom­men". Unb zwar im Interesse bes Geschäfts Denn mit dem Jungen, dem Fritz, dem HerrnProku­risten", war nichts mehr anzufangen. Der war launisch wie der April, bald trübsinnig, bald leicht­sinnig, vernachlässigte feine Arbeit, trieb sich abends herum, so konnte es nicht weitergehen.

Frau Armbruster hatte ihn verhört; nach allen Regeln Der Psychologie; obwohl er meinte, nichts gesagt zu haben, wußte sie Doch Bescheid: zwischen ihm und dem schönen italienischen Mädchen war es nicht im Lot. Daher die Launen.

Ohne ihm nur eine Andeutung zu machen, lud sie Renata zu dem großen Tee-Empfang, Den sie alljährlich gab. Aus der in ber Registratur auf- bewahrten Liste sah sie, baß Fräulein Tudesco auch im vorigen Jahre dabei gewesen war. Da

mochten Die beiden sich wiedersehen, wenn das Band zwischen ihnen wirklich ganz abgerissen war, und sich aussprechen, und nötigenfalls könnte sie ein bißchen nachhelfen.

Alles, was irgendwie mit Dem Musikleben zu- sammenhing, traf sich auf Diesen Tees. Und diesmal war das Bild womöglich noch bunter und glän­zender, als vor einem Jahr.

Mizzi Armbruster empfing ihre Gäste. Sie strahlte nur so von Steinen. Sie war bald gnädig, bald vertraulich, bald kokett. Zu Renata war sie herzlich.

Man sieht Sie ja gar nicht mehr, Liebste? So viel zu arbeiten? Oder?" Ihre Hand tät­schelte freundlich die bräunliche Wange:Kommen Sie nachher an meinen Tisch! Dann wollen wir ein bißchen plaudern. Fritz? Ich habe ihn noch gar nicht gesehen. Gott, er muß heute so vielen Damen den Hof machen, obwohl er es gewiß ungern tut. Ader was tut er überhaupt gern?"

So sagte sie und Dabei stand Fritz Armbruster in seinem Smoking keine zehn Meter von ihr ent­fernt und schaute durch das Menschengewühl Renata aus Augen an, die sich bemühten, dunkel und grüb­lerisch auszusehen.

Sie ging unbefangen auf ihn zu und begrüßte ihn mit ihrem kameradschaftlichen Handschlag.

Schmollt man? Ist man nachtragend? Daß man sich so rar macht?7'

Seine Antwort wich aus, sie fühlte es wohl. Sie plauderten ein wenig, er stellte sie dieser unb jener vor, denn er war hier ja so Art maitre de plaisir; dann Hub im Saal nebenan Musik an.

Nachher kam Renata an Frau Armbrusters Tisch, zu lauter Berühmtheiten, sie wußte selbst nicht, wie sie zu der Ehre kam. Nach Dem Tee, als alles umherwandelte, nahm Frau Armbruster plötzlich Renatas Arm.

Sie sind jetzt mit Ottenrieth liiert?" fragte sie leichthin.Viel Sinn fürs Tatsächliche, wenn man es mit Den Erfolgreichen hält. Er wird ja überall gespielt. Ja, das ist Kost für die Masse. Wenn man das Instrument beherrscht, kann man bas Publikum tanzen lassen, wie der Schlangenbänbiger seine Vipern: Ist er menschlich angenehm? Ich kenne ihn nur flüchtig."

Renata fühlte sich herausgefordert, Ottenrieth zu verteidigen.

Aber gar nicht nötig, liebes Kind!" rief Frau Armbruster lebhaft.Durchaus nicht notig. Ich habe genau so viel Tatsachensinn. Und wenn ich eine Theateragentur betriebe, würde ich mir alle Finger nach ,$iana und dem ,Hellblauen Engel' ablecken."

(Fortsetzung folgt!)