Ausgabe 
28.4.1938
 
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Oie Vielseitigkeit der modernen Schallplatte.

Hamburger Kinder in Gießen angekommen

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Hamburger Kinder vcr dem Gießener Bahnhof,

Eine Tasse Kaffee muntert die Lebensgeister wieder auf.

Großstädten, der Lebensstandard doch höher liegt, als es bisher in Oesterreich war. Die Hamburger Kinder waren fast

erheblich der Fall durchweg

'gut gekleidet, trugen ihre Sachen in festen und sauberen Koffern bei sich und machten im ganzen einen lebensfreudigeren Eindruck, als jene Kinder aus den österreichischen Bezirken. Letzteren war ihr bisheriges schwereres Lebensschicksal deutlich anzu­

Heute morgen um Uhr kamen von Ham­

burg her etwa 150 Kin­der in unserer Stadt an. Durch die Kinderlandver­schickung der NSV. wird ihnen ein mehrwöchiger Ferienaufenthalt in un­serer engeren Heimat möglich gemacht. 43 der Kinder verließen in Gie­ßen den Bahnhof und wurden von den Pflege­eltern, die sich pünktlich und vollzählig eingefun­den hatten, in Empfang genommen und gleich nach Hause geführt. Die Kinder waren seit gestern abend um.9 Uhr unter­wegs, machten aber doch keinen sonderlich müden Eindruck, denn die frohe Gemeinschaft der gleich­altrigen ließ ihnen die lange Bahnfahrt leichter ertragen. Die Kinder, durchweg Mädchen, mach­ten übrigens, wenn auch manches der Kleinen et­was blaß und allzu- fchlank war, einen guten Eindruck. Rasch wurden sie mit ihren Pflegemüt­tern und Pflegevätern vertraut und traten froh­gemut den Weg in die Stadt an.

Ein weiterer Teil der Kinder, 21 an der Zahl, stiegen ebenfalls im Bahn­hof Gießen aus und wur­den zur Straßenbahn­haltestelle geleitet, um nach Wieseck zu fahren. Um den Kindern eine kleine Aufmunterung zu­teil werden zu lassen, wurde ihnen gleich in schmucken reinen Tassen aus festem Papier Kaffee gereicht. Dann kam auch schon die Straßenbahn an und man nahm Platz.

und wem eine gründliche Sporterziehung aus Büchern schwer fällt, nimmt die Sporterziehungs- Schallplatte zu Hilfe. Ungemein wichtig sind diese Lehrplatten gerade auch für Gemeinschaftserziehung geworden.

Wen wundert, daß ein so talentiertes Kind der Technik, wie die Schallplatte, sich das Feld der Werbuna in unvorhergesehener Weise erobert hat? Vom Lautsprecherwagen angefangen, der seine werbende Stimme der Schallplatte verdankt und vor dessen launigen Ueberredungsversuchen wir schon mehr als einmal belustigt Halt gemacht haben.

Die übrigen mit dem Zuge angekommenen Ham­burger Kinder wurden mit anderen Zügen in die nähere Umgebung unserer Stadt gebracht, und sie werden dort ebensogut aufgehoben sein, wie in den Familien unserer Stadt.

Bei einem Vergleich mit den vor einigen Tagen angekommenen Kindern aus Oesterreich tritt augen­fällig zutage, daß in Deutschland, also selbst in den

gibt es heute kaum ein Feld der Werbung, von dem der Ton in Gestalt der Schallplatte nicht Be­sitz ergriffen hat. Sehr schöne und überzeugende Platten hat die Fremdenverkehrswer- b u n g Herstellen lassen, lustig und schlagkräftig sind die Platten für Gaststättenwerbung. Auch die Ver­sicherungen wissen-den Vorteil der Schallplatten­werbung zu schätzen und haben es verstanden, durch eindrucksvolle Hörspiele der Eigenart der tönenden Werbung die besten Seiten abzugewinnen.

Sehr vielseitig ist die Verwendung der Schall- platten zu rein technisch-akustischen Zwecken. Ein Beispiel von vielen: Die akustischen Eigen­schaften eines Raumes werden heute viel­fach mit der Schallplatte ausgeprobt. Auch die Be­schaffenheit von Tönen ist mit Hilfe der Schallplatte genau und unbestechlich zu studieren. Tonwert und Lautwert von Schallwellen zeichnet eine Schall­platte mit unerhörter Genauigkeit auf. Der wissen­schaftlichen Akustik sind durch sie neue Ziele gesetzt.

Dr. B u r e s c h.

Dor Jahresfrist wurde dem Führer und Reichs­kanzler vom Reichsbund der Deutschen Beamten ein einzigartiges und bedeutsames Geschenk gemacht Acht Monate lang war der große Aufnahmewagen einer bekannten Schallplattenfirma kreuz und quer durch alle Städte und Landschaften in Deutschland gefahren, um Männer und Frauen aller Volks- und Berufsschichten in der Mundart ihrer Umwelt und aus ihrem eigenen Schicksal sprechen ZU lassen. Eine Plattensammlung von 300 Aufnahmen roa'r das Ergebnis, deren wissen­schaftliche Bearbeitung durch den Deutschen Sprachatlas, Marburg, für die Echtheit und historische Wahrhaftigkeit ihres Gehaltes bürgte. Niemand ahnte damals, daß schon nach einem Jahr, noch ehe der Führer wiederum seinen Geburtstag begehen würde, die Sammlung und ebenso die in kunstvoll eingelegter Holzarbeit auf der Innenseite der Türflügel des Plattenschrankes angebrachte Landkarte Deutschlands von der Geschichte buchstäb­lich überholt sein würden. Heute ist also entweder dieses Geschenk bereits historische Erinnerung oder es erwachsen seinen Schöpfern neue ungeahnte Auf­gaben durch die Heimführung Oesterreichs ins Reich.

Man sagt nicht zuviel damit, wenn man heute die Schallplatte zu den modernsten unserer neu­zeitlichen Geschichtsschreiber rechnet. Gerade dieses Lautdenkmal hat es mit aller Eindringlichkeit be­wiesen. Und wie dort im Großen, so verzeichnet die Schallplatte heute auch im Kleinen Geschichte mit einer Lebendigkeit, um die wir die, die nach uns kommen, beneiden könnten. Was würde uns heute beispielsweise die Stimme Bismarcks, des Schöp­fers des zweiten Reiches, bedeuten! Es wird uns klar, wenn wir die Stimme des verstorbenen Reichs­präsidenten heute seine historische Neujahrsansprache von 1932 sprechen hören, als weilte er moch mitten ' unter uns wiedergegeben von einer Schallplatte. Ein wenig geisterhaft mutet es schon an.

Oder stellen wir uns vor, wir könnten uns den , technischen Luxus erlauben, uns den Faust von Goethe leibst vorsprechen zu lassenl Wie viele wissen­schaftliche Wälzer über Auslegungsfraaen würden bann nicht geschrieben worden sein! Vielleicht er­blüht der Dichtung eine neue Entwicklung, seit man dazu Übergebungen ist, bedeutende Dichterpersön- Uchkeiten ihre eigenen Werke auf Schallvlatten sprechen zu lassen. Welche Bereicherung nicht nur für den Schulunterricht, sondern für alle Bibliotheken, Theater, Sprachinstitute und Literatur- freunde, wenn jetzt nicht nur das gedruckte Wort -aus den Seiten eines Gedichtbandes, sondern das vom Dichter selbst gesprochene Wort von einer Schallplatte auf uns wirkt! Die Schallplattenreihe Der Dichter s p r i ch t" ist noch nicht lang, und doch birgt sie bereits eine Platte von historischer Bedeutung: Heinrich L e r s ch , der Kesselschmied und Dichter hat sich selbst das schönste Denkmal gesetzt, Indem er sein berühmt gewordenes Kriegsgedicht Soldatenabschied" auf eine Schallplatte sprach. Biele von uns haben ihn selbst das Lied noch sprechen hören und zählen das zu ihren schönsten Erinnerungen. Viele nach uns werden, obwohl er nun von uns gegangen ist, seine Stimme von dieser Schallplatte das Gedicht sagen hören, als spräche er selbst zu ihnen:Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen!"

Neben der Schallplatte als Geschichtsschreiber steht nicht minder bedeutend die Schallplatte -als Lehrmeister. Eine große Reihe von Lehr,- platten aus den verschiedensten Gebieten zeugt von ihren pädagogischen Talenten. Da gibt es Sprach­platten in allen Kultursprachen, es gibt Dialekt­platten, beliebtes Studiermittel für Schauspieler oder solche, die'es werden wollen, gibt Platten für Musikerziehung pnd Tanzlehrplatten. Wer keinen Rundfunk besitzt, der ihn zur-Morgengymnastik aus Ibcm Bette holt, kauft sich eine Gymnastikschallplatte,

Geschichtsschreiber, Lehrmeister,WerberundMssenschastler

sehen, aber es ist zu hoffen, daß sie bei der guten Pflege, die sie in unseren Gießener Familien fin­den, bald manches Schwere der Vergangenheit ver­gessen werden und bald freudiger in die Welt blicken^ als sie es bisher vermochten.

(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Großen-Linden nach 60 Jahren.

T Großen-Linden, 27. April. Vor 60 Jah­ren hatte Großen-Linden 1300 Einwohner, jetzt 2600. An Wohnhäusern zählte man damals 152, heute sind 484 vorhanden. Die Bevölkerung hat sich seit jener Zeit also verdoppelt, die Zahl der Wohnhäuser hat sich verdreifacht. Hieraus ist zu ersehen, Satz sich die Wohnungsverhältnisse wesentlich gebessert haben. Das Bild würde aber noch viel günstiger werden, rolnn man die Zimmer in den Wohnhäusern zählen würde, im Vergleich zu früher. In Großen-Linden gab es vor 60 Jah­ren nur 7 Straßen: Untergasse, Obergasse, Ne­bengasse, Junkergasse, Pfarrgasse, Falltorstraße und Steinweg. Inzwischen wurde aus der kurzen Pfarr­gasse die lange Bahnhofstraße. Weiter wurden neu angelegt: die Moltkestraße, Alte Heerstraße, Lud- wigstraße, Burgstraße, Gartenstraße, Bismarck­straße, Horst-Wessel-Straße und Frohnhofftraße. Bqi der Durchführung der Feldbereinigung wurden 6 neue Straßen ausgeschieden und die Ludwigstraße bis zum Bahnhof verlängert. An den letztgenannten Straßen wurden 250 Bauplatze bereitgelegt, so daß auf lange Sicht kein Mangel an Bauplätzen Eintritt. Die Plätze werden für ein Menschenalter ausreichen. Der Mühlgraben lief früher von der Universitätsmühle bis zur Formhalsschen Hofreits unmittelbar neben der Untergaffe. Im Jahre 1881 wurde ein neuer Mühlbach 40 Meter weiter westlich gegraben und der alte Bach eingeebnet; dadurch wurden 12 Bauplätze gewonnen und alsbald be­baut. Das frühere Löhrsche Haus, später erworben von PH. Pirr IV., Ecke Steinweg, Untergasse, stand so weit vor, daß der Steinweg nur wenige Meter breit an dieser Stelle war. Als Herr Pirr das jetzige GasthausZum Anker" errichtete, bezahlte ihm die Gemeinde mehrere hundert Mark unter der Be­dingung, daß das Haus einige Meter zurückgestellt und der Steinweg an dieser Stelle wesentlich er* weitert wurde. Wäre man damals nicht so weit­blickend gewesen, welche Mißstände würden dann heute bestehen. Ein Lastzug könnte heute diese Straße nicht passieren. Vor 100 Jahren stand das Schulhaus fast neben der Kirche, es war einstöckig und bestand nur aus einem Sälchen. Dagegen hat das heutige Schulhaus 9 Unterrichtssäle und meh­rere sonstige Räume.

Kreis Schotten.

)( Ruppertsburg, 27. April. In einem hiesigen Bauernhöfe trug sich dieser Tage eine Be­gebenheit zu, die Zeugnis von der großen Mut­terliebe einer Henne ablegt. Das alte Huhn freute sich im Kreise feiner frohen Kinderschar. Der Hausbesitzer schaute vergnügt zu. Ein solches Mut­terglück stören konnte nur ein blutgieriger Sper­ber. Er schoß wie ein Pfeil in die Hühnerschar hinein und hatte schon ein Küchlein in den Kral­len. Seine Frechheit kam ihn aber teuer zu stehen. Die Hühnermutter sprang ihm auf den Rücken und zerhackte ihm mit dem Schnabel die Flügel so sehr, daß er sich nicht mehr erheben konnte und sein Leben lassen mußte. In wenigen Augen­blicken war der Kampf beendet.

Kreis Wetzlar.

(D Krofdorf, 27. April. Auf dem hiesigen Friedhof befindet sich neuerdings eine Urnen- gräberanlage, die auf der nach dem Walde hin liegenden Seite unterhalb der Kapelle ihren Platz hat. Je zwölf quadratische Urnenfelder liegen zu beiden Seiten eines Pfades. Jedes ist von Buchsbaum umgeben, wie überhaupt die ganze Anlage von Buchsbaum eingefaßt wird. Kürzlich fand die erste Urnenbestattung statt. Die Ge­meindeverwaltung hat in dankenswerter Weise den Hauptweg über den Friedhof in Ordnung ge­bracht und ihm vor allem eine bei jedem Wetter gut gehbare Kiesschicht geben lassen. Ebenfalls wurden die beiden Tore erneuert.

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