Ausgabe 
28.3.1938
 
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insbesondere für den Arbeiter in Oesterreich gehen. Aus diesem Grunde ist es notwendig, ein So­fortprogramm in die Tat umzu setzen. Als erstes habe ich die Wiedereinführung der Arbeitslosenversicherung für hie bereits Ausgesteuerten durch die Mittel der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung ohne Geaenwert verfügt. (Brausende und nicht enden­wollende Heilrufe.) Damit werden alle die armen Menschen wieder in die Unterstützung hinein­genommen, die bereits aus dieser ausgeschieden waren und den Gemeinden und öffentlichen Ver­bänden zur Last fielen. Sie bekommen wieder die volle Arbeitslosenunterstützung wie die anderen. (Erneute stürmische Kundgebungen.) Zweitens habe ich folgende Verordnung über soziale Maßnahmen erlassen:

I. Kündigungsschutz.

Wird einem Angestellten oder Arbeiter nach ein­jähriger Beschäftigung in dem gleichen Betrieb (Verwaltung) oder dem gleichen Unternehmen nach Inkrafttreten dieser Verordnung gekündigt, so kann er, wenn es sich um einen Betrieb (Verwaltung) mit in der Regel mindestens 10 Beschäftigten han­delt, binnen zwei Wochen nach Zugang der Kün­digung mit dem Antrag auf Widerruf der Kün­digung klagen, wenn diese unbillig hart und nicht durch die Verhältnisse des Betriebes bedingt ist. Der Reichsstatthalter (österreichische Landesregierung) trifft die näheren Bestimmungen über das Ver­fahren. Die Vorschriften der Paragraphen 5762 des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 (Reichsgesetzblatt I, Seite 45) mit der Aenderung durch das Gesetz vom 30. Rov. 1934 (Reichsgesetzblatt I, Seite 1193) sowie des § 6 der 14. Verordnung zur Durchführung des Ge­setzes zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 5. Oktober 1935 (Reichsgesetzblatt I, Seite 1240) finden sinngemäß Anwendung.

II. Schuh bei Entlassungen einer größeren Zahl von Beschäftigten.

Die Vorschriften des § 20 des Gesetzes zur Ord­nung der nationalen Arbeit finden Anwendung.

III. Lohnzahlung an Feiertagen.

Die Anordnung zur Durchführung des Vier­jahresplanes über die Lohnzahlung an Feiertagen vom 3. Dezember 1937 (Deutscher Reichsanzeiger Rr. 280, vom 4.12.1937) und das Gesetz über die Lohnzahlung am Rationalen Feiertag des deutschen Volkes vom 26. April 1934 (Reichsgesetzblatt I, Seite 337) finden sinngemäß Anwendung.

IV. Aufrechterhaltung der Arbeitsbedingungen.

Die zur Zeit des Inkrafttretens dieser Verord­nung in den Betrieben und Verwaltungen geltenden Lohn- und Gehaltssätze und bestehenden sonstigen Arbeitsbedingungen können zu Ungunsten der Ar­beiter nicht abgeändert werden. Der Reichstreu­händer der Arbeit kann Ausnahme^ zulassen. Ent­sprechendes gilt für die Entgelte und sonstigen Arbeitsbedingungen in der Heimarbeit. Der Reichs­arbeitsminister bestimmt den Zeitpunkt des Außer­krafttretens dieser Vorschriften.

V. Reichslreuhänder der Arbeit.

Die reichsrechtlichen Vorschriften für Reichstreu­händer der Arbeit gelten sinngemäß, soweit es sich um die Wahrnehmung.der in den Artikeln II und JV dieser Verordnung bestimmten Aufgaben handelt. Für das Land Oesterreich wird, ein Reichstreu­händer mit dem Sitz in Wien bestellt.

VI. Die reichsrechllichen Vorschriften über die Rentenversicherung der Arbeiter (Invalidenver­sicherung) sind anzuwenden.

Der Reichsarbeitsminister bestimmt den Zeitpunkt des Inkrafttretens. Er bestimmt Näheres über die Uederleitung und die Durchführung. Dabei kann er von den reichsrechllichen Vorschriften abweichen.

Das ist ein soziales Programm, durch das zunächst einmal sofort alle jene Siche­rungen eingeführt werden sollen, die für den Arbeiter notwendig sind, wenn jetzt der große Aufbau beginnt. Eine wesentliche Verbesserung der Löhne ist ja schon erreicht worden durch die Verbesserung des Schillingkurses. Auf der anderen

Gießener Stadttheaier.

Moderne Bläserkammermusik.

Mag auch die Kammermusik den Streichinstru­menten eine bevorzugte Stellung einräumen, so Haden die Schaffenden der verschiedenen Zeitalter doch auch das Blasinstrument in der Kammermusik zu schätzen vermocht und entsprechend der instru­mentenbautechnischen und der musikalisch-technischen Fortentwicklung diese Jnstrumentengruppen in ihre Ausdruckswelt einbezogen. Das 'finden wir bet den Wiener Klassikern ebenso bestätigt wie in dem Zeit­alter der Romantik mit der ganz besonderen Be­tonung des Eigenwertes des Instrumentes, bei Brahms und den Fortsetzern in der Jetztzeit.

Die diesmalige Morgenveranstaltung war mo­derner Bläserkammermusik gewidmet. Sie gab ein Bild davon, wie weit die einzelnen Schaffenden or­ganisch auf der Tradition aufzubauen vermögen oder mit mehr oder weniger persönlicher Ausge­prägtheit eigene Wege einzuschlagen versuchen.

Theodor Blümer war schon durch die häus­liche Umwelt (sein Vater war kgl. Kammermusiker am Hofcheater in Dresden) für die Musik bestimmt worden. Als Schüler des Altmeisters Felix Drae- seke wurde ihm das notwendige Rüstzeug übermit­telt, und eine ausgiebige praktische Tätigkeit hat seine musikalischen Erfahrungen bereichert. Jetzt wird sein Name und sein Können ollen denen ge­läufig sein, die die Rundfunkaufführungen des Leipziger Senders anhören; denn seit 1925 ist Theodor Blümer musikalischer Leiter im Rundfunk, zunächst in Dresden, später in Leipzig.

Der Bläserkammermusik hat er fich verschiedent­lich zugewandt mit Bläserquintetten und Flötensuiten, besonderer Erfolg aber war seinem Sextett o p. 4 5 für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier beschieden. Wie schon in seinem ersten Bläserquintett op. 34, so baut er auch dieses Werk als eine Folge von Variationen über ein eigenes Thema auf. Die Reihe der Veränderungen ent­wickelt er weniger aus dem rein Thematischen her­aus, als daß er jeder einzelnen Abwandlung des Themas mit einem bestimmten Motto einen indivi­duellen musikalischen Charakter gibt.

Das Thema dieses Werkes, das übrigens den Bläsern der Dresdener Staatsoper gewidmet ist, läßt er nur von den Bläsern vortragen. In schön­ster klanglicher Rundung und Ausgeglichenheit gaben unsere Instrumentalisten Willi Kretzer (Flöte), Willi Heer (Oboe), Heinrich Grau (Klarinette), Alfred Müller (Fagott), Heinrich Keller (Horn) diesem liedhaften Satz empfin­dungsvollen Ausdruck. Die erste Veränderung läßt auf dem Klavier (Joachim P o p e l k a) als'Im­provisation" den Nachklang des Themas empfind-

Seite muß dann auch ein gewisses Lohn­niveau stabilisiert werden. Es ist für uns selbstverständlich, daß dort, wo mehr Leistung ist, auch mehr bezahlt wird. Es liegt also nur am österreichischen Arbeiter, mehr zu leisten, dann be­kommt er auch mehr bezahlt. (Stürmischer Beifall.) Lohntarife, die hier von marxistischen Bonzen auf­gestellt wurden, um den Arbeiter unter Lohndruck zu halten und ihm nicht die Möglichkeit zu geben, seine Leistung und seine Lebenshaltung zu ver­bessern, hindern selbstverständlich jeden Aufbau. Es ist klar, daß wir hier das Leistungsprinzip, das wir immer vertreten haben und das vom deut­schen Arbeiter begehrt und gutgeheißen wurde, auch einführen werden. Der Treuhänder der Arbeit wird auch hier derjenige sein, der die Interessen der Ar­beiterschaft wahrzunehmen hat. Wenn all dies ent­stehen soll, wovon ich eben gesprochen habe, wenn neue Werte aus dem Boden gestampft werden, roentf Hunderttausende von Arbeitern wieder in Lohn und Brot kommen sollen und wenn im ganzen Umfang die Arbeit wieder reicher und besser ge­staltet werden soll, dann muß man auch daran denken, daß der Arbeiter anständig wohnen muß, damit jenes fürchterliche Wohnungselend, das gerade hier zuhause ist, beseitigt wird. (Brausender Beifall.) Aus diesem Grunde werde ich alles tun, damit in weitestem Umfange an den Siedlungs­bau für Arbeiterwohnungen sofort herangegangen wird. Anschließend erwähne ich hierbei als eine Selbstverständlichkeit, daß nun auch die Segnungen der OrganisationKraft durch Freude" in vollem Umfang dem österreichischen Arbeiter zuteil werden sollen. (Jubelnde Heilrufe.)

Ich glaube somit, daß wirklich alle jene Vor­aussetzungen geschaffen worden sind, die einen freudigen Blick in die Zukunft gestatten. Jetzt, mein österreichischer Arbeiter, verlange ich von dir

noch eines: Habe Vertrauen, greif frisch an und sage mir dann in einem Jahr, ob du zufrieden bist, ob ich gehalten habe, was ich heute versprach, oder ob du in die alten Zeiten eines Schuschnigg zurückgehen willst. (Beifall und Heiterkeit.)

Ich weiß, daß über den Arbeiter und Schaffen­den hinaus auch noch manch anderer österreichischer Volksgenosse mit Sorge erfüllt ist. Ich weiß, daß es eine Anzahl Menschen gibt, denen es im Leben hart gegangen ist und die auch Opfer ge­bracht haben. Ich weiß, daß manche die Sorge erfüllt, was geschehen wird, wenn eine Aende - rung im Tabakmonopol eintreten sollte, weil sie als Inhaber einer Trafik ihre Existenz zu verlieren fürchten. Wie immer dieses Problem auch geregelt wird, es wird so geregelt, daß es für diese Volksgenossen besser, aber niemals schlechter werden kann. Das verspreche ich Ihnen. (Stürmischer Beifall.)

Aber auch unter den Beamten ist schon die Frage aufgetaucht: Wie wird es mit uns wer­den, wenn in Oesterreich durch die Verschmelzung manche Behörde eingezogen werden muß? Ich er­innere hier nur an die Zollgrenze gegen das Reich. An Beamten, die aus ihrer Unzuverlässigkeit her­aus abgebaut werden müssen, haben wir kein Inter­esse. Allen anderen aber, die loyal dem neuen Staat zu dienen bereit sind, die nur aus dem Einziehen ihrer bisherigen Funktion brotlos werden sollten oder in Pension gehen müßten, kann ich nur sagen, daß wir in Deutschland auch noch Beamte brauchen. Das wird selbstver­ständlich nun auch in Oesterreich bei den erweiterten Aufgaben der Fall sein. Ich glaube also versprechen zu können, daß sich auch in dieser Hinsicht nichts verschlechtern wird, sondern daß sich nur etwas verbessern kann. (Beifall.)

Wien muß wieder eine deutsche Stadt werden.

Auch in Oesterreich wird es bald fein Problem der Arbeitslosigkeit mehr geben, sondern auch hier das Problem, daß wir zu wenig Arbeiter für all das haben, was wir schaffen wollen. Die Facharbei­ter werden auch hier dringend benötigt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß in wenigen Wochen noch Facharbeiter brot- und arbeitslos herumlaufen. Das würde nur zeigen, daß hier die Wirtschaft nicht zu disponieren versteht. Aber noch eins möchte ich zur Wirtschaft sagen. Denken Sie immer an die Wichtigkeit des Exportes! Hier hat Oesterreich und ganz besonders Wien ganz besondere Aufgaben. Dor Wien ausgebreitet liegt der Südoste n und der Balkan mit einer noch vielfach ungenutzten wirtschaftlichen Kraft. Es ist notwendig, den Han­del mit den uns befreundeten südosteuropäischen Staaten in vollem Umfange aufrechtzuerhalten. Des­halb darf keine Störung der Wirtschaft durch unsachgemäßes Eingreifen eintreten. Durch eine übermäßige, ungesunde Forcierung des Expor­tes, und zwar auf Kosten der Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung und der Entwicklungs­fähigkeit des inneren Marktes entstand für Oester­reich die Gefahr, internationalisiert zu werden. Es ist hier bereits eine unerwünschte internationale Verfilzung der gesamten Wirtschaft festzustellen. Die österreichische Wirtschaft ist so Spielball internationaler und besonders jüdischer Spekulationen ge­worden. (Lebhafte Zustimmung.) Ein Beispiel hier­für ist die Verfassung des österreichischen Bank- und Versicherungswesens. Ich muß auch auf die völlige Verjudung des Handels Hin­weisen, der sein Hauptaugenmerk nicht auf den inne­ren Bedarf der österreichischen Wirtschaft, sondern le­diglich auf gewinnbringende Geschäfte mit dem Aus­land gerichtet hat. Oesterreich ist ein wirklich armes Land geworden. Arm durch ein System, das Oesterreich verarmt hat, das Land an sich aber ist reich an wertvollen Menschen und reich an Schätzen, und wir werden beweisen, daß durch nationalsozialistische Methoden dieser Reichtum wieder gehoben wird. Auch Oester­reich wird ein reiches Land werden, und Deutsch­

land kann glücklich sein, dieses Land jetzt zu seinem zählen zu können. (Lebhafter Beifall.)

Wenn ich von jener internationalen und jüdi­schen Verfilzung gesprochen habe, so muß ich hier ein ernstes Wort an die Stadt Wien richten. Die Stadt Wien kann sich heute nicht mehr mit gutem Recht eine deutsche Stadt nennen. So viele Juden leben in dieser Stadt. Wo 300 000 Juden leben, kann man nicht mehr von einer deutschen Stad! sprechen. (Stürmischer Beifall.) Wien muß wie­dereine deutsche Stadl werden. (Tosen­der, sich immer wiederholender Beifall, Hände­klatschen und anhaltende Sieg-Heil-Ruse.) ... Weil diese Stadt in der Ostmark Deutschlands wichtige deutsche Aufgaben hat. Diese Aufgaben liegen sowohl aus dem Gebiete der Kultur, wie auch aus dem Gebiete der Wirtschaft. Weder aus der einen noch aus der anderen kön­nen wir aus die Dauer die Juden gebrauchen. (Zustimmung.) Aber das darf nicht durch fatsche Eingriffe oder dumme Maß- nahmen versucht werden, sondern muß ganz systematisch mit aller Heberlegung geschehen. Als Beauftragter des Vierjahrespla­nes beauftrage ich den Reichsstatthalter von Oesterreich zusammen mit dem Bevollmächtigten des Reiches, in aller Ruhe jene Maßnahmen zur sachgemäßen Umleitung der jüdischen Wirtschaft zu treffen, d. h. zur Arisierung des Ge­schäfts- und Wirtschaftslebens und diesen Prozeß nach unseren Gesehen rechtlich aber unerbittlich durchzuführen. (Lebhafte Bravorufe.) Ich muß nun noch die Behauptung zurückweisen, daß Oesterreich sozusagen das 5. Rad am Wagen ober eine Provinz wird, die wir auspowern wollen. Ich glaube bewiesen zu haben, daß das Gegenteil richtig ist.

Weiter wird behauptet: Jetzt wird die Religion

[am sich ausschwingen. Die folgenden Veränderun­gen wurden in ihrer Eigenart mit feinsinnigem Be­tonen des Grundcharakters zu anziehenden, reiz­vollen musikalischen Stimmungsbildern; besonders hervorgehoben sei hier das Pastorale mit seinem Schwelgen im Klang und die Romanze mit dem tonschön und gFfühlsstark geblasenen Hornsolo. Von thematischer Klarheit und wohlbedacht im Nach­schaffen des sich steigernden Aufbaues war das Finale.

Dem Englischhorn ist sowohl durch feinen Klang als durch die eigenartige Gefühlsgebundenheit fei­nes Ausdruckscharakters eine besondere musikalische Sphäre festgelegt. Ja, der Ton dieses Instruments weckt unmittelbar die Stimmung für das Abseitig- Verlorene und Wehmutsvolle, wie es auch Richard Wagner in seinemTristan" festgehalten hat. Dar­um mußte in der Sonate von Joachim P o p e l k a, die er für den Solobläser am Leipziger Gewand­hausorchester geschrieben hat (er wies selber in sei­nen einführenden Worten darauf hin), der Mittel­satz (Adagio molto) der ausdrucksstärkste werden. Hier bewegt sich das Soloinstrument in melodischen Figuren, die fast wie freie' Improvisationen an­muten und damit etwas Ursprüngliches, Unmittel­bares von sich gaben. Willi Weber ließ hier das Englischhorn in seiner Weichheit, Modulationsfähig­keit des Tones und durch die Wärme des inneren Mitgehens sich zu besonderem Eigenwert erheben. Deshalb trat in diesem Satz das Klavier mit seinem Anteil zurück, während es in den beiden Ecksätzen mehr die führende Stelle innehatte. In diesen bei­den Teilen der Sonate lockert der Komponist die Form stark auf und bezieht moderne Harmonie­kombinationen mit starker ^Iterierung in seine Ge­staltungswelt hinein.

Dem Aufnahmevermögen der meisten Hörer lag wohl Lodovico Roccas Storiella für zwei Trompeten (Adam Schöffel und Jakob Groß), Fagott, Harfe (Luise Frank) und Klavier durch seine neuartigen Klangmittel und die moderne Satz­art am feinsten. Darum war es besonders zu be­grüßen, daß dieses Werk des jetzt in Verona tätigen Musikers (geb. 1895) zweimal zu Gehör gebracht wurde. Wie schon der Titel (Storiella: Geschicht- chen) besagt, entnimmt der Komponist hier den Antrieb für das musikalische Geschehen außer­musikalischen Momenten. Darum gliedert sich das ganze in eine Reihe von Episoden, die in ihrer Art motorisch erregt sind, zum andern durch Orgel­punkt und ein oftinates Baßthema innere Bin­dung erhalten. Jedes der einzelnen Instrumente ist mit ungemein charakteristischen musikalischen Entwicklungen bedacht; vornehmlich die beiden Trompeten, die teils mit, teils ohne Dämpfer ver­wandt werden, und das Fagott, das sich stellenweise mit unheimlich lastender grollender Gebärde gibt.

Im Zusammenspiel wie im einzelnen gewährleiste­ten die' Beteiligten eine hoch anzuerkennende, dem Gestaltungswillen voll entsprechende Wiedergabe des interessanten Werkes.

Das bestätigte das ^leider nur sehr schwach be­setzte Haus mit herzlichem Beifall.

Dr. Hermann Hering.

3d und nein.

Von Rudolf Schneider-Schelde.

Sie wollte um fünf Uhr kommen, und er hatte Blumen gekauft und Kuchen, und der Tisch war gedeckt, und jetzt kam sie nicht. Es war zehn nach fünf, es wurde viertel, es wurde allmählich halb; sie kam nicht.

Sie kann sich verspätet haben, dachte er. Aber so verspätet man sich nicht. Sie konnte den Tag ver­wechselt, die Stunde vergessen haben, sie konnte krank geworden, wirklich verhindert fein. Sie war bestimmt wirklich verhindert, wenn sie nicht noch kam. Vielleicht kam sie noch? Nein, sie kommt nicht mehr, dachte er.

Er stand am Fenster und sah hinaus und dachte: jetzt, jetzt kommt sie, aber sie kam nicht. Es war Unsinn, wenn er dachte, daß jemand den Tag ver­wechselte, er hatte nie derartiges verwechselt. Er war nie verhindert gewesen. Man oR:wechselte nur, woran einem nichts lag, man war nur verhindert, wenn es einem so paßte. Er fing an, sich zu ärgern. Da stand er und glotzte zum Fenster hin­aus, und sie kam nicht. Er hatte Kuchen gekauft und Blumen und sich ausgcmalt, wie er sie emp­fangen würde, und jetzt versetzte sie ihn. Der Teufel soll sie holen, dachte er.

Dann fiel ihm ein, daß er es vielleicht gewußt hatte. Er hatte vielleicht gewußt, daß sie nicht kom­men würde, aber er hatte es nicht wissen wollen. Es war ihr vielleicht nicht Ernst gewesen, als sie gesagt hatte: ja, ich komme. Sie hatte ja gesagt und nein gedacht. Er suchte nach Gründen dafür.

Wahrscheinlich kam sie nicht, weil sie ihn nicht mochte. Was war schon zu mögen an ihm? Er ver­stand es jederzeit, wenn sie ihn nicht mochte, ob­wohl es ihm keineswegs recht war, und vielleicht mochte sie ihn doch? Er mußte alle Gründe für ihr Wegbleiben auffinden, und nur, wenn keiner st and - hielt,/galt der, daß sie ihn nicht Mochte. Viel­leicht mochte sie ihn zu sehr?

Es konnte sein, daß sie ihn zu sehr mochte. Sie kam vielleicht deshalb nicht? Alle Mädchen hatten Angst, zu einem Mann zu kommen, besonders, wenn sie ihn sehr mochten. Es war das Natürliche.

Aber sie hatte keine Angst, dachte er. Allerdings ist sie nicht gekommen. Sie. sich nicht so aus wie

Oesterreicher müssen sich sofort melden!

Es wird nochmals darauf hingewiesen. daß alle über 20 Jahre alten Oesierreicher im Reichsgebiet sich umgehend bei den Gemeinde­behörden ihres Aufenthaltsortes zwecks Teilnahme an der österreichischen Volksabstimmung zu melden haben. Zur Teilnahme an der österreichischen Volks­abstimmung sind berechtigt alle späte st ens am 10. April 1918 geborenen Männer und Frauen, die die österreichische Bundesbürger­schaft besitzen, sowie diejenigen Oesterreicher, die aus politischen Gründen seit März 1933 aus Oesterreich ausgebürgert worden sind oder aus politischen Gründen Oe st erreich verlassen mußten; dabei ist unerheblich, ob die beiden letztgenannten Gruppen inzwischen die deut­sche Staatsangehörigkeit erworben haben.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiefen, daß das Stimmrecht im Reich auszuüben ist und daß Reisen nach Oe st erreich zum Zwecke der Abstimmung zu unterlassen sind. Die im alten Reichsgebiet wohnhaften Politischen Leiter der NSDAP. Oesterreich haben an ihrem derzeitigen Wohnort zu verbleiben und eine Einteilung zur Dahlarbeit abzuwarten. Nähere Weisungen ergehen noch von Gauleiter Franz Hofer (Berlin W 50, Geisbergstraße 21, Fernruf 24 00 12), der von Gauleiter Bürckel mit der Organisation der Dahl der im Reich lebenden Oesterreicher beauftragt wurde.

ausgeroitet, jetzt wird der Glaube beseitigt. Man zeige mir in Deutschland die Kirche, die wie 'etwa in Spanien zerstört oder verbrannt worden ist, man zeige mir die Priester, die gequält oder geschunden worden wären, man zeige mir eine Kirche, die ge­schlossen ist und in der die Gläubigen nicht beten dürfen, man zeige mir einen Priester, der verhindert wurde, seiner priesterlichen Aufgabe nachzugehen. Wenn ein Priester verhaftet wurde, so geschah dies nicht, weil er seinen priesterlichen Aufgaben nach­ging, sondern weil er allzu weltlich geworden war. (Langanhaltende Beifallskundgebungen.)

Wir wollen keine Kirchen vernichten und keinen Glauben und keine Religion zerstören. Wir wollen nur, daß eine klare Scheidung vorgenommen wird. Die Kirche hat ihre bestimmten, sehr wichtigen und sehr notwendigen Aufgaben, und der Staat und die Bewegung Mjaben andere ebenso wichtige und ebenso entscheidende Aufgaben. Wenn sich jeder peinlich st an seine Aufgaben hält, dann wird nichts passieren. Wir haben in Deutschland nicht etwa die katholische Kirche verboten, sondern wir haben die Zentrumspartei und die politi­sierenden Geistlichen beseitigt. Gegen die Kirche sind wir nie gewesen, aegen den Glauben erst recht nicht, wenn wir Nationalsozialisten vielleicht auch nicht direkt als kirchlich konfessionell gebunden bezeichnet werden können.

Wenn wir antireligiös oder antikirchlich oder antigläubig wären, wäre dann der Segen des Allmächtigen so bei unserer Be­wegung gewesen? wir haben die ganze Kraft unseres religiösen Gefühls gebraucht, um den furchtbaren Kampf durchhalten zu können? Glauben Sie, daß dies ohne unseren tiefsten Glauben an Goll den Allmächtigen möglich ge­wesen wäre? Dir zerstören weder Glaube noch Religion, wir haben über­haupt erst wieder den Glauben ins Volk getragen, wir haben das Volk wieder gläubig gemacht. Dir wollen ein reli­giöses Volk, ein gläubiges Volk. Vielleicht ist jetzt durch dieses gewaltige Ereig­nis in Oesterreich doch auch eine Dämmerung auf der anderen Seite gekommen, ob es nicht zweckmäßig wäre, wieder Friede zu machen.

jemand, der Angst hat, er sah sie deutlich vor sich, etwas schmerzte ihn. Ich liebe sie, dachte er, uni) sie läßt mich sitzen.

Es war dreioiertel sechs, es wurde sechs. Die Platte mit dem Kuchen stand lächerlich auf dem Tisch, der gedeckte Tisch sah lächerlich aus, die Blu- men wirkten lächerlich. Er war ein lächerlicher Mensch in einem lächerlichen Zimmer in einer lächerlichen Situation, er wurde wütend. Sie hatte recht, wenn sie nicht kam, man kommt nicht zu einem solchen Huhn.

Er hatte viel zu dringend darum gebeten, daß sie kommen möge, fiel ihm ein. Ein Mann bettelt nicht, was ein rechter Mann ist, der nimmt! Aber daran ließ sich nun nichts mehr ändern. So war es, und das Leben war nichts wert.

Es war sechs vorbei, er nahm ein Stück von dem Kuchen und steckte es in den Mund und kaute, der Kuchen mußte gegessen werden, es war ausgeschlos­sen, daß sie jetzt noch kam. Der Kuchen war gut. Trotz allem ist es guter Kuchen, stellte er fest und nahm ein zweites Stück. Es war der Kuchen, den er selbst am liebsten, er hatte also doch vielleicht gewußt,^daß sie nicht kommen würde. Er nahm ein drittes Stück und kaute und hatte den Mund ganz voll, als es läutete. Es war gleich halb sieben und ausgeschlossen, daß sie es noch war, aber man mußte nachsehen, und er rannte aufgeregt und kauend und schluckend zur Tür und versuchte zu denken: es ist mir lieber, wenn es ein Bettler ist.

Es war kein Bettler. Er dachte es auch nur, weil der Kuchen nicht hinunterwollte. Sie war es. Ich bin so gelaufen", sagte sie, atmend und mit den Augen um Verzeihung bittend, und über und über rot. Er sagte nichts. Er schluckte.

Ich bin so gelaufen", wiederholte sie,ich komme so furchtbar zu spät."

Es macht nichts", sagte &r und lächelte. Er hatte endlich den Kuchen drunten. Er führte sie ins Zim­mer und wußte nichts zu sagen und fühlte sich über- Mcklich. Sie wußte auch nichts zu sagen, sie fühlten sich beide überglücklich. Er dachte, ich habe ja ge­mußt, daß sie kommt. Dann fiel fein Blick auf den leeren Kuchenteller, und er sagte plötzlich:Ich habe den ganzen Kuchen aufgegeffen."

(Es macht nichts", sagte sie auch. Sie sahen sich beide an. Er dachte, daß es gut märe, erklären zu können, warum er den Kuchen aufgegeffen hatte, und daß der leere Teller die Geschichte seines War­tens enthielt, aber er wußte nicht, ob und wie er es sagten sollte. Es war auch nicht nötig. Sie liebte ihn, und also war auch der leere Kuchenteller für sie eine Bestätigung seiner Neigung, wie für ihn jetzt, nachdem sie da war, das Warten von vorher zur Lust wurde. Es war sehr einfach. Sie liebten sich- Aber sie wußten nicht, daß dadurch alles ein­fach wurde.