Ausgabe 
28.3.1938
 
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Der Führer gibt die Parole.

Ganz Deutschland soll sich zum befreiten Oesterreich bekennen.

oes Führers erste Wahlrede.

Königsberg, 26. März. (DNB.) In seiner Rede auf der ersten Kundgebung der Deutschland- fahrt des Führers in der Schlageterhalle zu Königs­berg führte der Führer u. a. folgendes aus:

Noch vor wenigen Tagen weilte ich in der süd­lichen Großstadt des nunmehr geeinten deutschen Volkes und Reiches und verkündete dort, daß h i n - ter diesem Zusammenschluß das ganze deutsche Volk stünde. Ich erwähnte dabei auch die nordöstlichste Provinz unseres Reiches, feilte bin ich hierher gekommen, um Sie zu mahnen, meinen Worten Geltung zu verschaffen und es am 10. April einzulösenl

In einem Zeitalter, in dem es als selbstverständ­lich gilt, daß allen Völkern der Erde das Selbst­bestimmungsrecht zugebilligt wird, hat man den Angehörigen eines großen Kulturvolkes dieses Selbstbestimmungsrecht bestritten und ge­raubt. Wir kennen heute ein Gemeinschaftsgefühl, das weit stärker ist als dies politische oder wirt­schaftliche Interessen je begründen können. Es ist das Gefühl einer Gemeinschaft, die blutsmäßig bedingt ist. Der Mensch kann und will sich heute nicht mehr entfernen von seinem Volkstum, er hängt mit zähhr Liebe an ihm. Selbst schwerste Not nimmt er lieber in Kauf, er erträgt Elend, aber er will bei seinem Volk sein! (Stürmische Kundgebungen der Zustimmung und Ergriffenheit.)

Sie leiden lieber jede Not und jedes Elend ge­meinsam mit ihrem Volkstum. (Erneute gewaltige Kundgebungen.) Es gibt nichts, was sie so sehr über Nutzen und Gewinn erheben könnte, als diese edelste Empfindung und Gesinnung. Blut bindet fe­ster als Geschäfte! (Tosender langanhaltender Beifall.) Wenn aber ein Volk außerdem noch von wirtschaftlicher Not gequält wird und nebenan die Blüte des eigenen Volkstums in einem großen Reich

sieht und miterlebt, dann soll sich niemand wundern, wenn die sehnsüchtigen Blicke über die Grenze im­mer stärker werden und der Wunsch immer größer wird, eines Tages sich mit dem großen arteigenen Volke zu vereinen! (Brausende Heilrufe donnern durch die riesige -alle.)

Der stärkste Ausdruck dieses Wunsches wurde in der nationalsozialistischen Be­wegung, in der nationalsozialistischen Idee gefunden. Diese nationalsozialistische Idee geht weit über die Grenz en eines klei­nen Deutschland hinaus. Gewiß, wir wollen keine Proselyten in fremden Völkern machen, aber niemand kann verhindern, daß die nationalsozialistische Lehre politisches Glaubensbekenntnis aller Deut­schen wird! (Minutenlanger jubelnder Beifall der Massen.) Wir alle sind glücklich in dem gemeinsamen Erleben dieser ge­meinsamen Idee, dieses gemeinsamen Glaubens an eine politische Auferstehung unse­res Volkes, und waren vor allem glücklich in der Empfindung, daß wir nun auch rein äußer­lich und symbolisch ohne Ansehen der Grenzen ein Zeichen besitzen, das uns alle eint. Es ist kein Zufall, daß dieses Hakenkreuz sich mit einer wunderbaren Schnelligkeit über alle deutschen Lande und über alle Grenzen hinaus verbreiten konnte, überall dort, wo Deutsche leben. Es war das Zeichen, das nicht von der Vergangenheit belastet erscheint, das daher jeder Deutsche annehmen konnte, und in dem jeder die Gewißheit hatte: wir überwinden damit die Vergangenheit und öffnen uns den Weg zu einer großen gemeinsamen deutschen Zukunft.

Einer tyrannischen Diktatur wurde ein Ende gemacht.

Je stärker aber der Glaube wurde, um so gemei­ner wurden die Methoden der Unter­drückung, und um so fanatischer wurde erst recht der Widerstand dagegen! So erhärtete sich der Glaube immer mehr. So trieb ein Keil den an­deren, und es war klar, daß eines Tages der Augenblick kommen mußte, in dem dieses gequälte Volk zur Selbsthilfe schreiten würde gegen seine Peiniger, und dies um so mehr, als die Pei­niger nur eine verschwindende lächerliche Min­derheit im österreichischen Lande verkörperten. Wie gering sie ist, das werden die nächsten Tage zeigen! Es blieb nur eine Frage übrig: Wann werden mir endlich befreit!? Wann schlägt auch für uns die Stunde der Freiheit!

Ich habe in^ diesen Tagen in einer ausländischen Zeitung die Frage gelesen, warum ich denn zur Gewalt geschritten sei? Ich hätte das doch auch friedlich" machen können. (Gelächter.) Die Welt sei doch bereit gewesen, uns alles zuzubilli­gen? Das hätte man doch durch Besprechungen und Abmachungen auch ganz normal erreichen können. Wir kennen das und haben das oft m der Praxis fennengelernt: Das Weltgewissen, die Weltgerechtig- keit, die leuchtete aus den Friedensverträ- sien zum ersten Male zu uns herüber! Wann sind jemals Völker schamloser vergewaltigt wor­den, als feit der Zeit, da man von Weltgewissen und Weltgerechtigkeit spricht!? Wann hat man je­mals Wirtschaftsgebiete gewissenloser zer­rissen, als seit dieser Zeit, Da einVölkerbund" ge­gründet wurde, um angeblich den Interessen der Völker zu dienen?! Ohne Barmherzigkeit, aber auch ohne Vernunft hat man deut­sches Land und deutsches Volkstum zerreißen und vergewaltigen lassen. Und seit dem war man taub gege n alle Bitten und alle Vor­stellungen, gegen alle Einwände, Warnungen und Ermahnungen.

Und da kommt bann eines Tages die Stunde, in der man sich entscheiden muh vor seinem Gewissen, vor seinem eigenen Volk und vor einem ewigen Gott, der die Völker geschaffen hat. Und ich habe diefeEntscheidung vor 1 4 Tagen nun getroffen und sie konnte nicht anders lauten! (Minu- tentange Beifallsstürme.) Denn wenn die Men­schen taub sind gegen jedes Gebot der Gerech­tigkeit, dann muß der einzelne sich das Recht selber nehmen! (Brausende Zu­stimmung.) Dann muß er zu dem alten Glau­benssatz zurückkehren: Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott! Und Gott hat uns geholfen! (Bei jedem dieser Satze brandet der Jubel der Massen dem Führer ent­gegen.)

Wie war denn die Lage in Oesterreich? Seit sich die nationalsozialistische Bewegung dort anschickte, auf legalem Wege die Macht zu erobern, haben die Hüter der Demokratie die legalen Wege selbst ver­lassen und eine nackte tyrannische Dik­tatur aufgerichtet. Dort herrschte wirklich eine Diktatur, weil hinter ihr nicht die Mehrheit des Volkes stand. Wenn man es im Auslande immer so hinstellt, als ob Deutschland unter einer Diktatur leiden würde, während dort ein demokratisches Re­gime gewesen wäre, so kann ich nur sagen: I ch stehe mitten unter meinem Volk. (Mi­nutenlange jubelnde begeisterte Beifallskundgebun­gen.) Wo aber sind die Männer gestanden, die als die demokratischen Sach- und Jdeenwalter das Volk in 0 e ft e rr e i ch mißhandelten und unterdrückten? Seit vielen Jahren wagten sie nicht mehr, an das Volk zu appellieren Ich glaube nicht, daß es einen Staat gibt, dessen Regime so gefestigt ist wie das unsere, das aber trotzdem so oft den Weg zum Volke eingeschlagen und sich von ihm sein Man­dat hat b e ft ä t i g e n lassen. Jahrelang ist dies i n Oesterreich nicht gesck>ehen. Man konnte es auch nicht, denn jede Volksbefragung würde diese Männer sofort beseitigt haben.

Man hat erst eine tyrannische Gruppe, diem Besitz der Machtmittel war, zum Herrn des Staa­tes erhoben, durch diese Gruppe eine neue Verfas­sung niederlegen lassen und seitdem dem Volke jede Einspruchsmöglichkeit, jede Beurteilungs und Be gutachtungsmöglichkeit entzogen. Der Mann, der nun Sachwalter dieser kleinen herrschenden Gruppe war, hieß Schuschnigg. (Stürmische Pfuirufe.)

Ich habe im Laufe dieses Winters aus vielen An­zeichen gesehen, daß auf die Dauer dieser Zustand nun nicht mehr zu halten war, und daß es nur Zwei Möglichkeiten gab: Entweder eine geregelte Lösung oder einen ungeregelten revolutionären Aus­bruch Ich wollte das letztere vermeiden, und ich habe diesen Mann, der mir gegenüber über­haupt kein Mandat besaß, dieses Gebiet zu ver­treten, trotzdem zu mir eingeladen und ich habe ihm mit vollem Ernst auseinandergesetzt, was die Folge einer weiteren Aufrechterhaltung dieser Tyrannei sein müsse.

Ich habe ihm gesagt:Herr Schuschnigg, Sie unterdrücken ein Land! Sie haben kein Recht dazu! Dieses Land ist auch meine Hei­mat, genau so wie die ihre! (Tosende Beifalls­stürme.) Wie kommen Sie dazu, dieses Land fortgesetzt zu vergewaltigen! Ich bin bereit, mich mit Ihnen dem Volke zur Abstimmung zu stellen. Wir treten beide als Kandidaten auf. Das Volk soll entscheiden!^ (Die Massen erheben sich bei diesen Worten zu minutenlangen un­vorstellbaren Begeisterungsstürmen.)

Er meinte, das ginge nicht aus verfassungsrecht­lichen Gründen. (Stürmische Heiterkeit' geht durch die Versammlung.) Allein, ich ermahnte ihn, einen Weg der friedlichen Entspan­nung zu suchen, da im anderen Falle niemand Ge­währ übernehmen könnte, daß nicht die gequälte Volksseele aufschreien würde. Und darüber konnte ich keinen Zweifel lassen: An den deutschen Gren­zen wird nicht mehr gegen deutsche V o Iksgenossen geschossen! Ich habe ihm wirklich in allem Ernst klar zu machen versucht, daß es der letzte Weg ist, der vielleicht friedlich zu einer Lösung dieser Krise führen kann. Ich habe ihm keinen Zweifel gelassen, daß, wenn dieser Weg fehlschlägt, so oder so die Entwicklung weitergehen wird. Und ich bat ihn, nicht an meinem Ernst, d i e Hilfe des Reiches den unterdrückten Volks­genossen zur Verfügung zu stellen, zu zweifeln und nicht zu zweifeln an meiner Entschlossenheit, wenn aus einem Verlassen dieses Weges eine Krise ent­stehen sollte. Er hat nicht an den Ernst meiner Versicherungen geglaubt, und er hat deshalb wohl auch das Abkommen gebrochen. (Stür­mische Pfui-Rufe.)

Wir haben heute die Unterlagen dafür, wir haben die Briese gefunden, in denen er am 19. Februar, noch einen Tag vor meiner Rede im Reichstag, schreibt, daß das ganze von ihm nur ein rein taktischer Schachzug sein würde, dazu bestimmt, Zeit zu gewin­nen, um abzuwarten, bis die außenpolitische Situation günstiger wäre. Er rechnete also da­mit, in einer glückhafteren Stunde das Aus­land gegen Deutschland auf ruf en ZU können. (Empörte Pfuirufe.) Um diesem sei­nem Vorhaben eine moralischere Grundlage zu geben, hat dieser Mann nun jene lächerliche Abstimmungskomödie erfunden, die ihre schärfste Beleuchtung durch die Tatsache erfährt, daß wir seht Flugblätter und Plakate beschlagnahmen konnten, in denen bereits acht Tage vorher die Ziffern der Abstimmung bekanntgegeben wur­den! Es war ein unerhörter Betrug in einem Lande, das seit vielen Jahren feine Wahl mehr batte und nicht mehr abstimmen konnte. Es war klar, daß, wenn bieler Betrug gelingen würde, die Welt eiskalt erklärt hätte: jetzt ist dieses Regime legfllifierf!

Dagegen aber begann nun das deutsche Volk in Oesterreich sich endlich selbst aufzubäumen da wendete es sich gegen feine Peiniger Es rtanb auf! Und nun mußte i ch für dieses Volk eintreten Da gab ich den Be­fehl. dem Wunsche dieses Volkes zu entsprechen. Ich ließ marschieren! (Wie ein Mann er­heben sich jubelnd die Zehntausende und bereiteten dem Führer unbeschreibliche Ovationen.) Ich tat es erstens, um derWelt zu zeigen, daß es nun bit­te r ernft ist und mich nichts uirütfhalten kann, diesen Schritt zu tun (Stürmische Beifallskund­gebungen ) Sie hatte jahrelang Gelegenheit genug gehabt, sich um diese Probleme zu kümmern. Sie

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