Ausgabe 
28.2.1938
 
Einzelbild herunterladen

Frieden oder d i e zwischen st aatllchen Beziehungen Oesterreichs zu einem an­deren Staat ernstlich gefährdet, wird unbeschadet einer strafgerichtlichen Ahndung von der Bezirksoerwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe bis zu 2000 Schilling oder ArreftbiszudreiMo- » a t e n bestraft. Bei wiederholten Verstößen gegen diese Bestimmungen kann die Bewilligung zur Her­ausgabe der Zeitung für eine bestimmte Zeit oder für dauernd entzogen werden.

personalveränderungen

in der Vaterländischen Front.

Wien, 27. Februar. (DNB.) Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat Personaloeränderungen in der Vaterländischen Front angeordnet, die mit der not­wendigen Konzentration aller Patrioten begründet wird. Der Landesleiter der Vaterländischen Front in Steiermark, Dr. G o r b a ch , ist in das Amt des Frontführers berufen worden. Seine Stelle hat der Generalsekretär der Vaterländischen Front, Z e r - natto, selbst übernommen und mit ihrer Leitung den Generalsekretärstellvertreter der Vaterländischen Front, Jng. D w o r s ch a k, betraut, der bereits nach Graz abgereist ist. Die Landeshauptleiter von Nieder­österreich Dr. Reicher, von Salzburg Dr. R e h r l und von Tirol Dr. Schumacher sind zu den Lan­desführungen der betreffenden Gebietsorganisationen der Vaterländischen Front berufen worden. Dr. I u r y ist zum Stellvertreter des hauptpolitischen Referenten bei der Frontführung ernannt worden. VolkspoNti- scher Referent beim Amt der Frontführung ist In­nenminister Dr. Seyß-Jnquart. Dr. Jury ent­stammt dem nationalen Lager und gehörte dem Sie­benter Ausschuß für nationale Befriedung an.

Hochschulen und höhere Schulen in Graz geschloffen.

Dien. 27. Febr. (D71B.) Nachdem am Freitag die Grazer Hochschulen gesperrt worden sind, wurde jetzt die gleiche Maßnahme auch für alle höhe­ren Schulen getroffen, wie lange die Sperre dauern wird, ist nicht bekannt.

Ausländische Hetzer entlarvt.

Gefälschte Dokumente alsGrundlage" für dreiste Anschuldigungen der AO.

Luxemburg, 26. Febr. (DNB.) Vor dem Polizeigericht in Luxemburg wird ein Prozeß verhandelt, der einen aufschlußreichen Einblick in Praktiken der internationalen Brunnenvergifter ge­stattet, die durch ihre schamlose Hetze gegen das neue Deutschland immer wieder eine wirkliche Be­friedung der Welt verhindern. Angeklagt sind ein gewisser, mehrfach vorbestrafter Rasselet und ein Journalist Mailing, die mit Hilfe gefälsch­ter Dokumente die unglaublichsten Ver­leumdungen gegen die AO. der NSDAP, verbreitet haben.

Die luxemburgische MonatsschriftDie neue Zeit" hatte im Sommer vorigen Jahres auf Grund angeblich echter Urkunden behauptet, die AO. in Luxemburg sei eine Spionage - und Be­st e ch u n g s z e n t r a l e, dieungeheure Sum­men" an dieFaschisten" Luxemburgs, Belgiens, Frankreichs und Englands zahle (!). Vor allem habe auch der Führer der Rexiften, De grelle, großen Summen erhalten. Die deutsche 'Gesandt­schaft hatte sich sofort gegen diese unverantwortliche Hetze verwahrt, und die in den Sudeleien mit vol­ler Namensnennung angegriffenen Personen hatten Verleumdungsklage eingereicht, der sich der Staatsanwalt auf Veranlassung der luxembur­gischen Regierung angeschlossen hatte.

Die Ermittlungen des Staatsanwaltes ergaben, daß die angeblichenUrkunden" sämtlich ge­fälscht waren, und zwar durch Rasselet, der sein Verbrechen auch bereits eingestanden hat. Dabei konnte festgestellt werden, daß Rasselet den alten Stempel eines Sportvereins in einen Stempel der AO. umgefälscht hatte. Der Journalist Molling mußte zugeben, daß er von der Fälschung der Dokumente gewußt hat. Der Staatsanwalt, der betonte, daß die Angeklagten offensichtlich böswillig gehandelt haben, hat gegen beide Fälscher Gefängnis beantragt. Das Urteil steht noch aus.

Am Scheidewege."

England mutz die wahre Lage erkennen.

London, 28. Febr. (DNB.) Im Observer schreibt Garvin:Welcher Weg führt zum Frieden?" Die mit dem Rücktritt Edens auf­geworfenen Fragen umfaßten den ganzen Komplex der Weltpolitik und alle Realitäten einer Wahl zwischen Frieden und Krieg. Man könne nur hoffen, daß Besprechungen mit Deutschland den englisch-italienischen Bespre­chungen parallel liefen. Die Tat Chamberlains be­ruhe nicht auf Schwäche, sondern auf Mut und zeichne sich durch Entschlußkraft aus. Man stehe aber wieder einmal an einem Scheidewege. Niemals sei der Weg, der zum Frieden und der, der zum Kriege führe, klarer vorgezeichnet gewesen. Ein Erfolg der Opposition in dieser Frage würde sicher und schnell zum Kriege führen. Eden habe zugegeben, daß der Frieden nur auf der Grundlage eines Kompromisses zwischen demo­kratischen und autoritären Staaten Zustandekommen könne. Mussolini habe den ernsten Wunsch ge­äußert, mit der britischen Regierung in eine Be­sprechung aller Streitfragen einzutreten. Er habe nicht versucht, der britischen Regierung die Hände zu binden, und das Kabinett sei ebenso wenig wie vorher gezwungen gewesen, irgend­welche Vorschläge anzunehmen. Wenn Mussolini dabei darauf verwiesen habe, daß es die letzte Möglichkeit zu Besprechungen sein könnte, habe er die wahre Sachlage in Europa be­leuchtet. Nur eine tiefwurzelnde Feindschaft könne daraus eine Drohung an die britische Regierung oder ein Eingeständnis eigener Schwäche heraus­lesen. Das in einer derartigen Unterstellung liegende doppelte Uebel zeige, wie aufgewühlte Leidenschaften weiter vergiften und wie Kriege gemacht würden. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge bedeute ein Verharren beim Prinzip die Zer- störung der diplomatischen Beziehun­gen zwischen Demokratien und autoritären Staa­ten.

Die englische Links Opposition hat ihre Ankündigung wahr gemacht und entfacht gegen die Regierung Chamberlains eine große Demon- strationskampagne. Während des Wochen­endes find etwa 100P r o t e ft v e r s a m m - l u n g e n" organisiert worden. Ueberall griffen

Frankreichs Außenpolitik bleibt im alten Gleis.

Berftändigunesversuche mit den autoritären Staaten, aber Festhalten an Moskau und Genf.

Paris, 26 Febr. (DNB.) Außenminister D e l - b o s erklärte vor der Kammer, in der gegenwärti­gen Lage Europas fei es die erste Pflicht Frank­reichs,seine materiellen und moralischen Kräfte auf ein Höchstmaß zu entwickeln". In diesem Sinne habe die Regierung eine neue Anstrengung für die Landesverteidigung beschlossen. Die letzten Ereignisse seien schwerwiegend, aber Frankreich sei nicht isoliert,noch sei die Genfer Liga unwiderruflich zur Schwäche verurteilt". Der Krieg sei keineswegs unvermeidlich. Einige schlügen eine Politik der Zurückhaltung und der Beschränkung auf den Westen vor. Das hieße vergessen, daß Frankreich, außer seinem materiellen Vermögen auch ein moralisches zu verteidigen habe. Frankreich wolle nicht der Gendarm der Welt sein. Warum sollte man Unterstützungen ankündigen, die Frankreich nicht gewähren könne? Die Frage der Beziehungen zu Italien sei mit den englischen Ministern aus­führlich behandelt worden. Es fei wünschenswert, daß den Streitigkeiten in Spanien ein Ende gesetzt werde. Wenn die Entsendung von Men­schen und Waffen eingestellt würde, würde eine allgemeine Liquidation möglich werden, in die die abessinische Angelegenheit eingeschlossen werden könnte und die von Genf gebilligt werden würde. Nachdem Delbos so­dann sein Vertrauen in die Solidarität zwi­schen England und Frankreich bekundet hatte, erinnerte er an die Freundschaft Frankreichs zu Polen und der Klei­nen Entente. Weiter erklärte Delbos, er ver­traue ayf dieFriedfertigkeit" des fran­zösisch - sowj etrussifchen Paktes. Die Regierung sei entschloßen, ihn loyal anzuwenden. Die Regierung werde nach wie vor die Genfer Liga verteidigen, deren Schwäche man, Rechnung tragen müsse. Einige Großmächte seien gegen Genf. Die französische Regierung schließe daraus nicht, daß eine Verständigung mit diesen Staaten unmöglich sei, aber eine Verständigung setze einen gemeinsamen Willen voraus, Europa vor dem Zu­sammenbruch zu retten, von dem es bedroht sei. Wenn Europa nicht untergehen wolle, müsse es auf­hören, sich zu zerreißen. Delbos ging dann auf die Donaufrage ein und bekräftigte aufs Neue die Freundschaft Frankreichs zur Tschechoslowakei. Er erklärte, daß die Verpflichtung Frankreichs gegen­über der Tschechoslowakei gegebenenfalls treu ein- gehalten werden würde. Die Bestrebungen der Ne­gierung würden darauf gerichtet sein, loyal Mög­lichkeiten der Entspannung zu suchen. Sie habe jedoch den Willen, um dieser Entspannung willen nichts preiszugeben.

Der Abgeordnete M o n t i g n y (Linksdemokrat und Unabhängiger Radikaler) erklärte, er habe eine undankbare Rolle zu erfüllen mit der Feststellung, daß Frankreich nicht mehr die Politik seiner Vor­liebe spielen könne, sondern die der Not­wendigkeit und seiner Möglichkeiten führen müsse. Große Worte seien das schlimmste. Wirtschaftliche Sühnemaßnahmen? Das abessinische Abenteuer habe ihre Nutzlosigkeit erwiesen. Eine

Mobilisierung? Die Zeit des Rheinlands und des Brenners sei vorüber. Es sei für Frankreich heute unmöglich, über Belgien zu marschieren. Weiter sei die deutsche Industrie stärker als die französische, und der Erzeugungsrhythmus in Deutschland sei schneller als in Frankreich, das sich gegenwärtig in voller Krise befinde. Unter diesen Umständen müsse man bj e Außenpolitik den militäri­schen Möglichkeiten analeichen. Der Ab- aeordnete machte dann den Vorschlag einer Ab­stimmung, in Oesterreich, die von Neutralen kontrol­liert werden könne und stellte die Frage, ob die Regierung überhaupt die Möglichkeit habe, eine Politik derWürde" zu führen. Was bedeute die Forderung der Kommunisten, daß die Regierung das Recht in Spanien wiederher st ei­len müßte? Entsendung von Kriegsmaterial würde ein Vorwand für andere Länder sein, das gleiche zu tun. Seien die Vorräte Frankreichs an Kriegs­material so groß, daß eine Abgabe an Spanien durchgeführt 'werden könnte?

Der ehemalige TNinisterpräsident Flandin übte scharfe Kritik an der Außenpolitik der Volksfront, die sich auf wertlose Garantien der Genfer Liga stütze. Das System derkollek­tiven Sicherheit" platze überall. Der Genfer Verein habe so oft versagt, daß man sich nicht auf ihn stützen könne. Flandin trat für Ver­handlungen mit Italien und Deutschland ein. Diejenigen, die von Unter- Handlungen mit Deutschland abrieten, hätten die Jugend beider Länder nicht be­fragt. Der weitaus überwiegende Teil der Jugend sei für eine Verständigung. Auf neue Ereignisse könne man eben nicht mit alten Formeln antworten, wenn die Regie­rung eine Entscheidung noch länger hinaus- schiebe, könnte es zu spät sein.

Ministerpräsident Chautemps

erklärte, es sei ungerecht, Frankreich für Schwierig­keiten verantwortlich machen zu wollen, die es nicht verschuldet habe. Es sei notwendig, unter den Fran­zosen eine Einigung über klare Auffassungen herbeizuführen, die man sich dann aber auch zu verteidigen entschließe. Die Regierung lehne schon jetzt gewisse Forderungen ab, wie beispielsweise den Verzicht auf die kollektive Sicherheit, der zur Folge haben würbe, daß die kleinen Staaten den Groß­mächten ausgeliefert würden. Was die Verstän­digung mit den totalitären Staaten angehe, so erlaube es weder die Sorge um die französische Sicherheit, noch diejenige um die Würde Frankreichs, eine Derzichtspolitik zu betreiben. Mit deutlicher Anspielung auf die kommunistischen Forderungen erklärte Chautemps dann, daß die Regierung andererseits aber auch eine sogenannte Aktivierungspolitik ablehne, da sie für den Frieden gefährlich sei. Der französisch-fowjetrus- fische Pakt fei für Frankreich kein ideolo­gisches Abkommen. Er stehe allen offen und

bedrohe niemanden. Er sei ein Friedens- und fein Kriegsinstrument. Man müsse sich daher davor hüten, den Zweck dieses Paktes zu ändern, um nicht bei den Nachbarn Frankreichs gewisse Besorgnisse auszulösen. Das Ziel Frankreichs fei nicht zwel sich gegenüb er stehende Blocks, sondern Sammlung aller friedliebenden Nationen, um den Krieg zu'verhindern. Er glaube, tzaß Frankreich, ohne die Freundschaft zu England, die die Grund­lage der französischen Politik darstelle, irgendwie zu trüben, seiye überlieferungsmäßige Politik fort­setzen könne. Die Genfer Liga sei die beste Ga­rantie des Friedens und der Zivilisation. Frank­reich hege gegenüber dem italienischen Volke Ge­fühle freundschaftlicher Sympathie. Es wäre glück­lich gewesen, mit der italienischen Regierung neue Abkommen zu treffen. Aber es seien Konflikte aus- gebrochen, die die französische Regierung aufrichtig beendet sehen möchte. Wenn Frankreich genügende Garantien für die Nichteinmischung in die spani­schen Angelegenheiten und die Aufrechterhaltung der Lage im Mittelmeer erhalte, würde es sich außer­ordentlich glücklich schätzen, die Beziehungen zu Italien enger zu gestalten.

Der TNinisterpräsident ging sodann auf die deutsch-französischen Beziehungen ein. So friedliebend Frankreich auch sei, und so sehr man eine Annäherung wünsche, so müsse man doch zugeben, daß die letzten Ereignisse und Erklärungen nicht geeignet seien, diese An­näherung zu erleichtern. (?)Ich bestätige nach Poon Delbos", so betonte Chautemps,daß Frankreich sich nicht seiner Pflicht ent­ziehen kann, die mitteleuropäischen Staaten und die Tschechoslowakei zu beschützen." Frank­reich könne auch nicht die Einmischung aus­ländischer TNächle in Spanien dulden. Es werde nicht unter dem Druck von Drohungen auf eine Politik verzichten, die ihm zur Ehre gereiche. Chautemps gab fodann der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen werde, deutsch-französische Annäherungsoerhandlungen zu einem glücklichen Abschluß zu führen. Aufgewisse Drohungen" habe die französische Regierung durch die Ver­stärkung der Landesverteidigung und die Beschleunigung der Herstel­lung des Rüstnngsmaterials geant­wortet. Das französische Volk müsse sich dar­über klar werden, daß man in einePeri­ode der Energie" ein trete. Die fran­zösische Republik werde im Frieden und nicht im Kriege die Hindernisse überwinden, die sich ihr entgegenstellen.

Um Mitternacht fand die außenpolitische Aus­sprache mit der Bekanntgabe des Abstim­mungsergebnisses über die Vertrauensent­schließung für die Regierung ihren Abschluß. Für die Regierung haben 439, gegen die Regie­rung 2 Abgeordnete gestimmt, der Rest von etwa 160 Abgeordneten hat sich der Stimme enthalten.

Die Soivielregiemng als Weberin der Verschleppung des Generals Miller entlarvt.

General Skoblin war pariser Spitzel der GM.

Vertreter der Linksopposition mit ihren gewöhn­lichen Argumenten die Regierung an. Auch der Führer der Opposition, Attlee, befand sich unter den Rednern. Der englische Faschistenführer Sir Oswald Mosley sprach sich dagegen in einer Versammlung am Sonntag für die Politik Chamberlains aus. England habe sich i n einer ähnlichen Lage wie vor 1914 be­funden. Chamberlain habe schließlich diever­rückte englische Politik" erkannt und den rich­tigen Weg eingeschlagen. In bezug auf die deutsche Koloyialforderungen sagte Mos­ley, es sei immer gut, vernünftig eZuge- st ä n d n is s e zu machen.

Keine Illusionen.

Die Tschechoslowakei muß sich auf sich selbst verlassen.

Prag, 28. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der Vor­sitzende der tschechischen Agrarpartei, Abgeordneter Beran, erklärte, man dürfe sich nicht in Sorg­losigkeit über die Sicherheit des Staates einwiegen lassen. Breite Schichten des Volkes in der Tschecho­slowakei seien nicht genügend über die Entwicklung der letzten Jahre unterrichtet worden. Dadurch könnten sich leicht Enttäuschungen einstellen. Wenn sogar England durch den Mund seiner Politiker verkünde, daß es sich geirrt habe, so wäre es gewiß ein Fehler, wenn man in der Tschechoslowakei die Wahrheit verheimlichen wollte. Wenn die englischen Politiker die kleinen Völker warnten, so sei das richtiger, als wenn man ent­täuscht würde.Ich glaube nicht an einen Krieg", sagte Beran,ich glaube im Gegenteil, daß wir diese schweren Zeiten überwinden werden. Wir dürfen nur unsere Nachbarn nicht unnütz reizen. Wir müssen uns in erster Linie auf uns selb st verlasse n."

Rumäniens neue Verfassung in Kraft.

Bukarest, 27. Febr. (DNB.) Rumäniens neue Verfassung wurde Sonntag mittag im Rahmen eines Staatsaktes i n K ra f t g e s e tz t. Im Thronsaal des Schlosses nahm Ministerpräsident Patriarch Miron Cristea in Anwesenheit des Kabinetts, der Gene­ralität, der hohen Geistlichkeit und der Vertreter der in- und ausländischen Presse das amtliche Ergeb­nis des Volksentscheides vom 20. Februar von den höchsten Richtern des Landes entgegen und brachte es König Carol zur Kenntnis. Der Patriarch und die Minister (außer dem kranken Marschall Averescu) schworen nacheinander den EidaufKönigund Verfassung und unter* .zeichneten das neue Grundgesetz des rumänischen Staates, darauf gelobte der König, die Ver­fassung zu bewahren und stets zu verteidigen. Er dankte allen, die am Zustandekommen der Verfas­sung beteiligt waren und sicherte dem schaffenden Volke die gerechte Vertretung seiner Belange zu. Dann nahm der König, neben dem der Kronprinz stand, die Glückwünsche des Diplornati- s ch e n Korps entgegen. Dor dem Schloß waren die Führer und Führerinnen der rumänischen Staats- lugcnöW a ch t des Landes" aufmarschiert, für deren Huldigung der König vom Balkon des Schlaf- ses aus dankte.

Paris, 28. Febr. (DNB-Funkspruch.) Der Unter­suchungsrichter in der Verschleppungsangelegenheit des weißrussischen Generals Miller, der am 22. September vergangenen Jahres spurlos ver­schwunden ist, wird nun die Zeugenvernehmung fortsetzen, nachdem die Untersuchung in den letzten Wochen zu der einwandfreien Feststellung geführt hat, daß die Sowjetregierung bzw. die GPU. die Urheber dieser Verschlep­pung waren. DerMatin" weist darauf hin, daß General S k o b l i n , der bei der Verschleppung des Generals Miller ebenfalls verschwunden ist, das ausführ en de Organ der GPU. ge­wesen ist. Als Chef einer weißrussischen Organisa­tion in Paris, dessen Aufgabe darin bestand,'Beob­achter nach Rußland zu schicken, um sich über die politische und wirtschaftliche Lage zu unterrichten und den Widerstand gegen das Sowjetregime zu or­ganisieren, arbeitete Skoblin Handin Hand mit Moskau. Er teilte der GPU. jeweils die Entsen­dung eines Beobachters mit, so daß die Leute beim Betreten sowjetrussischen Bodens sofort verhaf-

Berlin, 26. Febr. (DNB.) In Gegenwart zahl­reicher Vertreter der Partei, der Staates und des kulturellen Lebens sowie der ausländischen Presse wurde die von München nach Berlin gebrachte AusstellungEntartete Kunst" eröff- n e t. Die Schau dieser Machwerke hat gegenüber der Ausstellung in München noch eine Erweiterung durch früher in Berliner Galerien gezeigte Scheuß­lichkeiten erfahren. Die Eröffnung fand im alten Reichstagsgebäude statt. Reichskulturwalter SA.- Brigadeführer Mo r aller zeigte in feiner An­sprache, wie notwendig es sei, das Gedächtnis der Menschen und Völker wachzuhalten und immer wieder zu wecken. Während der Systemzeit hatten breite Schichten des Volkes überhaupt keinen Ein­blick in den vollen Umfang des kulturellen Zu­sammenbruches in Deutschland. Deswegen konnten auch die Vertreter und Verteidiger der Zerfalls­kunst, soweit sie es nicht vorgezogen hatten, unter Zurücklassung ihrerWerke" aus Deutschland zu verschwinden, bald nach der Machtübernahme wieder auf den Plan treten, um den Versuch zu machen, ihreKunst" weiter an den Mann zu bringen, bis der Führer am Tag der deutschen Kunst in München ein für allemal reinen Tisch machte.

Mit überzeugenden Worten zeigte M o r a l l e r, wie weit diese nur durch ihre Frechheit noch übertrof­fene Instinktlosigkeit jener kulturellen Halbwelt ge­gangen ist, wie eindeutig die Tendenz der Zersetzung und Zerstörung aller Werte war, wie verheerend die Ergebnisse dieser Derfallsperiode für unser kultu­relles Leben waren. Nur in der restlosen Ent­larvung liege die Gewähr, daß niemals wieder auf

t e t werden konnten. Mehr als 10 solcher Beobachter sind spurlos verschwunden, es unterliegt keinem Zweifel, daß sie nicht mehr Unter den Lebenden weilen.

Die Tätigkeit Skoblins hat in weißrussischen Krei­sen nach und nach Mißtrauen erregt. Das veranlaßte General Miller, feine weiteren Agenten mehr nach Sowjetrußland zu senden. Skoblin lief dadurch Gefahr, bei der GPU. in Ungnade zu fallen. Hierauf ist sein Plan zurückzuführen, G e - neral Miller z u entführen, um fid) selbst an die Spitze der Weißrussen in Paris zu stellen, und seine Spiönagetätigkeit fortsetzen zu können. Die Untersuchung hat ferner ergeben, daß der sow- jetrussische DampferMarja Uljanowa", an dessen Bord General Miller wahrscheinlich entführt wurde, den Hafen Le Havre sofort verlassen hat, nachdem der Pariser Kraftwagen auf dem Hasen- gelänöe eingetroffen war, der Stunden vorher an dem Orte gesehen worden war, an den Skoblin den General Miller hinbestellt hatte.

deutschem Boden der Versuch einer Wiederholung mit Aussicht auf Erfolg unternommen werden könne. Wer einen Blick in diese Ausstellung ge­worfen habe, wisse, daß sie keiner Erläuterung be­dürfe. Das Volk selbst solle sich in dieser Aus­stellung, die nach dem Willen des Führers in allen größeren Städten des Reiches gezeigt werde, sein Urteil bilden über die vielgestaltigen Formen des bolschewistischen Chaos, die von Bürgerkriegs- fabrikation, sexueller Perversität, Zynismus in religiösem Gewände, pazifistischer Harmlosigkeit und barbarischer Primitivität bis zum kalten Wahnsinn, hinüberwechseln.

Auch aus den schier unerschöpflichen gedruckten jüdischen Bekenntnissen gab Moraller zahlreiche Bei­spiele harmloser und unverhüllter Dernichtungswut, des Wahnsinns und der Verbrechen, die von Fremd- rassigen an der Seele der deutschen Nation be­gangen worden sind. Das nationalsozialistische Deutschland wolle nicht die Kunst reglementieren, es rufe das Volk selbst zum Richter auf, in der Ge­wißheit, daß sein gesundes Fühlen und Empfinden der entarteten Kunst mit der gleichen Unfehlbarkeit das Urteil sprechen werde, mit der es die seinem deutschen Wesen gemäße Kunst heute schon erkannt habe als den wahren Ausdruck der ewigen deut­schen Seele.

Neichsminister, 2)r. Goebbels besuchte am Sonntagmittag die AusstellungEntartete Kunst", die gut besucht war. Der Minister besichtigte ein- gehend die Dokumente der Verfallzeit, die nun auch in Berlin der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. x

AusstellungEntartete Kunst" in Berlin.

Eröffnung durch Reichskulturwalter Moraller.