es zeigt sich daran, daß unsere Erde, obwohl sie nun schätzungsweise eine Milliarde Jahre lang besteht, noch keineswegs zur Ruhe gekommen ist, denn tief unter der harmlosen Erdkruste, die uns menschenfreundlicherweise Ruhe vortäuscht, vollziehen sich immer wieder große Verlagerungen. Auch der magnetische Nordpol steht nicht fest, er wandert — und zwar unregelmäßig. Ueberraschendes Ergebnis all dieser Unsicherheiten: die Magnetnadel ist nicht zuverlässig.
Wir wissen alle: sie zeigt nicht genau nach Norden, sondern ein wenig nach Westen.'Was wir fast alle nicht wissen, ist, daß die Magnetnadel augenblicklich das Bestreben hat, ihre Verirrung gutzumachen, immer nördlicher zu zeigen und sich brav unserer Windrose anzupassen! Im Jahre 1890 betrug die Abweichung in Berlin elf Grad, heute beträgt sie nur noch fünf Grad, und vielleicht wird die Nadel in dreißig Jahren in Berlin genau nach Norden zeigen und dann möglicherweise sogar in östlicher Richtung weiterwandern — in Ostpreußen hat sie heute schon den Nordpunkt überschritten! Wir werden dann auf unseren Kompassen den roten Strich, über dem die Magnetnadel liegt, auf die andere Seite des Nordpunktes malen müssen. Im Jahre 1580 lag die Abweichung für London elf Grad nach Osten, im Jahre 1800 vierundzwanzig Grad nach Westen. Wegen dieser außergewöhnlichen Verschiebung ist die deutsche Seewarte gezwungen, alle fünf Jahre neue Karten blätter herauszugeben..
Wie also hat F i l ch n e r gearbeitet? Er hat an jedem Ort — mit Hilfe astronomischer Methoden — festgestellt, wie weit seine Nadel von der Nordrichtung abwich; er hat, indem er einen eigenen kleinen Magneten als Gegenkraft benutzte, bestimmt, mit welcher Kraft seine Magnetnadel nach Norden gezogen wird, also sozusagen einen kleinen Kampf zwischen seinem künstlichen Kraftfeld und dem der Erde ausgefochten, und er hat schließlich sestgestellt, in welchem Winkel seine Magnetnadel zur Erde weist. Mit eiserstarrten Fingern hat er dann die
Gamma-Werte und noch viele andere Angaben in sein Notizbuch eingetragen: denn die Magnetnadel benimmt sich anders, wenn der Mond am Himmel steht, sie reagiert auf sechstausend Meter Höhe anders als auf dreitausend Meter und bei zwanzig Grad Kälte anders als bei null Grad. Filchner mußte die Temperaturen auf ein zehntel Grad genau eintragen und alle Störungen berücksichtigen. Er mußte zu Punkten zurückkehren, an denen er schon vor Jahren einmal gemessen hatte, um festzustellen, ob sich die Werte geändert haben, und muhte sehr oft seine Apparate — verstecken.
Die englische Admiralität läßt jetzt ein Schiff bauen, auf dem es kein Eisen gibt: nicht einen Nagel. Mit ihm sollen erdmagnetische Beobachtungen auf dem Meere gemacht werden. Diese Tatsache zeigt, wie wichtig die Beobachtungen sind, die Filchner durchführte. In stillen Rechenstuben in der Mark werden sie asisgewertet — und die erdmagnetische Karte, die sich aus ihnen ergibt, wird ein Ruhmesblatt deutscher Forschung sein.
Kunst und Wissenschaft.
Gastspiel des polnischen Balletts zugunsten des was.
Die Gastspielreise des polnischen Balletts durch eine Reihe deutscher Städte begann mit einer Festoorstellung im Deutschen Opernhaus in Berlin, deren Ertrag von 10 000 Mark das Ballett in großzügiger Weise dem Winterhilfswerk zur Verfügung stellte. Reichsminister Dr. Goebbels hat von diesen 10 000 Mark dem polnischen Botschafter Lipski 5000 Mark für die polnische Kolonie in Berlin überreicht. Die, kulturpolitische Bedeutung dieses Besuches spiegelt sich in dem festlichen Bild, das das Deutsche Opernhaus bot. In der Mittelloge hatten mit den Schirmherren der Veranstaltung, Botschafter Lipski und Reichs
minister Dr. Goebbels, u. a. Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, Reichswirtschaftsminister Funk, Reichspressechef Dr. Dietrich, die Reichsminister -Dr. Dorpmüller und Dr. Lammers und viele hohe Vertreter der Partei, der Wehrmacht und der Staatsbehörden Platz genommen. Das Ballett bot am ersten Abend als Beispiele tänzerischer Verwertung volkskundlicher und sagenhafter Motive die Ballette „Krakauer Legende", „Die Erde ruft" und „Apollo und das Mädchen".
Großer Erfolg der Berliner Philharmoniker unter Furtwängler in Brüssel.
Das Berliner Philharmonische Orchester unter Leitung von Wilhelm Furtwängler beschloß seine Auslandreise mit einem Konzert in Brüssel. Der Saal war von rund 2000 Menschen gefüllt, unter denen sich Mitglieder der belgischen Regierung und der deutsche Gesandte Freiherr v. Richthofen befanden. Das Programm umfaßte die Ouvertüre zu „Alceste" von Gluck, das V. Brandenburgische Konzert von Bach, bei dem Furtwängler selbst am Flügel saß, die IV. Sinfonie von Schumann sowie Vorspiel und Sterbelied aus „Tristan". Der Beifall gestaltete sich zu einer begeisterten Kundgebung für Furtwängler und die Philharmoniker. Nach dem Konzert fand in der deutschen Gesandtschaft ein Empfang statt.
Wetterbericht.
Mit dem Zusammensinken der auf das Festland vörgestoßenen kälteren Luft hat sich auch bei uns Aufheiterung eingestellt, die in der Nacht zum Freitag stellenweise zu leichten Strahlungsfröften Anlaß gab. Inzwischen ist ein neuer Atlantikwirbel rasch nach England vorgedrungen und wird'bereits im Laufe der Nacht zum Samstag bei uns starke Wetterverschlechterung mit verbreiteten Niederschlägen und mehrfach auffrischenden südwestlichen
Winden bringen. Die Temperaturen steigen erneut an, so daß auch für die Mittelgebirge Tauwetter zu erwarten ist.
Aussichten für Samstag: Sehr un- beständiges und regnerisches Wetter, westliche auffrischende Winde, bewölkt, Regenfälle.
Aussichten für Sonntag: Bei Luftzufuhr aus Südwest bewölktes und sehr unbeständiges Wetter mit Regenfällen.
Lufttemperaturen am 27. Januar: mittags 4,5 Grad Celsius, abends 2,3 Grad; am 28. Januar: morgens 1,2 Grad. Maximum 4,7 Grad, Minimum 0,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Januar: abends 2,3 Grad; am 28. Januar: morgens 1,7 Grad. — Sonnenscheindauer 2,5 Stunden.
Wintersport-Wetterbericht.
Rhön. Wasserkuppe: Nebel, —4 Grad, 12 cm Gesamtschneehöhe, 8 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski gut.
Taunus. Kleiner Feldberg: Nebel, —4 Grad, 2 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, keine Sportmöglichkeit.
Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, — 4 Grad, 80 cm Gesamtschneehöhe, 20 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski sehr gut.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thpriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der* Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 37: 11000. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckeret R. Lange, K-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der
Illustrierten 5. Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
509D
Todesanzeige.
Heute morgen 10.15 Uhr verschied sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld Ertragenem Leiden unsere innigstgeliebte, herzens-4 gute, treusorgende Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Margaretha Carle Wwe.
geb. Walbrecht
im 65. Lebensjahre.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Hans Carle, Bäckermeister.
Grünberg, den 27. Januar 1938.
Die Beerdigung findet statt: Samstag, den 29. Januar, nachmittags 2 Uhr.
50 Jahre... und doch jung! Öffentlicher Vortrag von Frau Lisa Mar, Baden-Baden am 31 .Januar,20.15 Uhr im Katholischen Vereinshaus
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Unkostenbeitrag 20 H Natnrheilverein
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Bekanntmachung.
Die Schlachtzeiten im Städtischen Schlachthof Gießen sind ab sofort bis auf weiteres wie folgt festgesetzt: 511D
Montag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag von 8 bis 16 Uhr, Mittwoch von 7 bis 16 Uhr, Schweineschlachtungen nur von 9—12 Uhr, Donnerstag von 9 bis 12 Uhr.
Freitag und Samstag sind keine Schlachttage. Direktion
_________des Städt. Schlachthofes Gießen.
Arbeitsvergebung.
Für den Neubau von 206 Volkswohnungen für die Gemeinnützige Wohnungsbau G.m.b.H. Gießen sollen folgende Arbeiten vergeben werden:
1. Erd-, Maurer- u. Betonarbeiten,
2. Zimmerarbeiten,
3. Spenglerarbeiten,
4. Dachdeckerarbeiten.
Zeichnungen und Bedingungen liegen bei den Architekten Fischer, Seltersweg 85, und Baurat Schuhmacher, Roonstraße 31.
ab Montag, den 31. Januar 1938, offen. Angebotsvordrucke können dort in Empfang genommen werden.
Angebote mit entsprechender Aufschrift sind bis spätestens zum Eröffnungstermin am
Samstag, dem 12. Februar 1938, vormittags 10 Uhr, hei dem Städt. Hoch- und Tiefbauamt, Asterweg Nr. 9, einzureichen.
Gießen, den 28. Januar 1938. 506D
Städt. Hoch- und Tiefbauamt:
G r a 0 e r t.
BticfmflEEen
fn 20____________;____________ ___________■
e) '6
Samstag, den 29. Januar 1938, abends
Kappensitzung jaümnus
■ ■ ** Brandgasse 8
0352 Gustav Weinbrenner
Pferdemusterung.
Gemäß Anordnung des Oberkammandos des Heeres findet am
Mittwoch, dem 2. Februar 1938, 9 Uhr, eine Pferde-, Geschirre- und Fahrzeugmusterung statt. Die Musterung wird auf dem Pferdemarktplatz hinter dem städt. Schlachthof, Rodheimer Straße, abgehalten.
Alle im Stadtkreis Gießen vorhandenen Pferde sind vorzuführen mit Ausnahme
a) der noch nicht 4 Jahr^ alten Pferde,
b) der angekörten Hengste,
c) der Pferde, die auf beiden Augen blind sind (einseitig blinde Pferde sind vorzuführen),
d) die in den Bergwerken dauernd unter Tag arbeiten,
e) die wegen Erkrankung nicht marschfähig sind, oder an einer übertragbaren Seuche leiden (für diese Pferde muß eine amtstierärztliche Bescheinigung vorliegen).
Die Vorführung der Pferde erfolgt nackt auf Trense mit Zügel. Die Pferde müssen in sauberem Zustand und mit einem guten Husbefchlag vorgeführt werden.
Außer der Pferdemusterung findet anschließend eine Fahrzeug- und Geschirremusterung statt.
Die Pferdebesitzer erhalten noch besondere Aufforderung.
Auf die genaue Einhaltung des Termins wird hingewiesen. Im Falle des Nichterscheinens tritt Bestrafung ein. 512C
Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Hamm.
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Aufruf an die Gießener Bevölkerung!
Dom 8. —11. Juli d. 3- findet in Gießen das 3. Gausängerfest statt. Lber 10000 Sänger werden in diesen Tagen in Gießens Mauern weilen. Der Festausschuß hat seine vorbereitende Tätigkeit bereits ausgenommen und in den nächsten Tagen werden Mitglieder des Wohnungsausschusses bei den einzelnen Haushaltungen wegen Quartieren vorsprechen. Ich bitte die Einwohner unserer Stadt, die Bemühungen des* Festausschusses nach Kräften zu unterstützen und Quartiere zur Verfügung zu stellen. Die bekannte herzliche Gastfreundschaft der Gießener soll auch diesmal zum Gelingen des Festes beitragen.
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Oberbürgermeister der Stadt Gießen
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