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Van Seelands Bericht.

Pakt internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

Berlin, 27.Jan. (DNB.) Derehemalige bel­gische Ministerpräsident van Zeel and schildert in seinem Bericht die Entstehungsgeschichte seines Auftrages, weist auf die vielen Besprechungen hin, die er gehabt hat und kommt zu dem Schluß, daß das Problem einer Wiederbelebung des Welthandels nur auf dem Wege einer all­gemeinen internationalen Zusammen­arbeit zu lösen ist. Als hauptsächlichste Hemm­nisse, die den internationalen Wirtschaftsverkehr be­hindern, erwähnt er die Zölle, den indirekten Pro­tektionismus, die Kontingente sowie die Unsicher­heit der Währungen, die Beschränkung des inter­nationalen Kreditverkehrs, den Verrechnungsverkehr und die Devisenbewirtschaftungen.

Es müsse eine Regelung für die internationalen Kapital- und Warenschulden gefunden werden und ferner die Möglichkeit der internationalen Kredit- aewährung. Die Hauptsache sei, Methoden vorzu- schlagen, die mit einiger Aussicht auf Erfolg zur Wiederherstellung des Welthandels führen könnten.

Dabei müsse man berücksichtigen, daß die Lösung des Problems nicht nur mit wirtschaftlichen Mitteln erreicht werden könne, da die allgemeinen p o l i.t i s ch e n Verhältnisse in der Welt die Wirtschaftslage in stärkstem Maße beeinflussen. Wenn einige Staaten zu besonderen Maßnahmen zum Schutze ihrer nationalen Wirtschaft gegriffen hätten, so hätten sie das nicht leichten Herzens getan, sondern aus sehr ernst zu nehmenden Grün­den. Es gehe auch nicht an, je nach dem Grundsatz der Wirtschaftspolitik die Staaten in zwei Gruppen zu teilen. Man müsse aber baldmöglichst das i n« ternationale Vertrauen wiederherstellen. Dazu sei die Regelung einer ganzen Reihe von Fragen notwendig. Unter diesen Fragen zählt der Bericht folgende auf: Die Rohstoffrage, die Frage des Kolonialbesitzes, der Kapitalverteilung, der in­ternationalen politischen Schulden und der Auf­rüstung.

Van Zeeland denkt an einen Pakt der inter- nationalen wirtschaftlichen Zusam­menarbeit. Dieser Pakt soll allen Staaten offen stehen. Die teilnehmenden Staaten müssen sich ver- pflichten, im Interesse aller Beteiligten gewisse wirtschaftliche Maßnahmen nicht zu treffen und die auftretenden Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet im Geiste gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Hilfsbereitschaft gemeinsam zu prüfen. Zunächst einmal soll so schnell wie möglich eine Fühlungnahme hergestellt werden zwischen Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staa­ten, Deutschland und Italien, um eine Generaldis- kusfion über den Bericht einzuleiten. Wenn der Be­richt die Zustimmung der Beteiligten gefunden hat, soll ein Büro wirtschaftliche Wünsche und An- regungen der übrigen Länder zu einem praktischen Wiederaufbauplan für die Weltwirtschaft verarbei­ten. Dieses Programm soll dann auf diplomatischem Wege weiter behandelt werden, um eine grundsätz­liche Zustimmung der beteiligten Länder herbei- zuführen. Das Büro hat dann die zu treffenden Abmachungen festzulegen und schließlich würde dann eine Konferenz aller beteiligten Staaten den endgültigen Plan einer Wiederherstellung der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen an­nehmen.

ftredje Lügen.

Paris, 27. Jan. (DNB.) Die sattsam als Schwätzerin bekannte Außenpolitikerin des O e u v r e" macht sich wieder einmal zum Sprach­rohr angeblicher, aber wahrscheinlich in ihrer eige­nen Sudelküche gebrauter Gerüchte, wonach man in etwa zwei Monaten mit einem großen italie­nischen Angriff in Spanien rechne. Aus amerikanischer Quelle verlaute, meint die geschäftige Märchentante vomOeuvre" dazu, daß D e u t f ch - land sich an diesem Angriff diesmalnicht nur" durch die Entsendung von Kriegsmaterial beteiligen werde, sondern sich bereit erklärt habe, 15 0 0 0 Mann zur Verfügung zu stellen, die in dem Falle eingesetzt werden sollen, daß Sie ita­lienischen Truppen sich alszu schwach" erweisen würden. Uebrigens rechne man ferner damit, daß die österreichische Frage durch einen Staatsstreich, wahrscheinlich noch vor der Romreise des Führers, geregelt werde.

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Wie zu einer Jahresfeier jener niederträchtigen Hetze gewisser westeuropäischer Preß-Agenturen, die um die Jahreswende 36/37 Deutschland offener Er­oberungspläne hinsichtlich Spanisch-Marokkos be­schuldigten, haben jetzt ausländische Blätter wieder einmal eben so verlogen wie frech behauptet, Deutschland und Italien würden Truppen nach Spanien senden. Es ist nicht mehr zu erfassen, die wievielte deutschfeindliche Hetze von Mos­kau ausgehaltener Schreiberlinge des Auslandes feit Beginn des Sowjetkrieges in Spanien zugun­sten des Bolschewismus jetzt gestartet wurde. Tat­sache bleibt, daß die Hunderte von ßügenmelbunqen über angebliche deutsche Aktionen militärischer Art noch jedesmal spielend leicht als Hetze ent­larvt werden konnten. Wir erinnern nur daran, daß nach jener Marokko-Hetze zwar nicht die ver­brecherischen Verbreiter jener Lügen, wohl aber an­ständige ausländische Journalisten auf Grund der vom Führer und Reichskanzler selbst gegebenen Richtigstellung nach Marokko fuhren und wahr­heitsgemäß ihren Blättern berichteten, daß sie völ­lig ungehindert und ganz nach Belieben alle Orte und Gegenden in Spanien-Marokko hätten unter­suchen und doch nicht einen einzigen deutschen Uniformknopf hätten finden können. Wir erinnern weiter daran, daß die schul­digen Nachrichtenagenturen des Auslandes niemals daran gedacht haben, ihre ungeheuerlichen.Behaup­tungen wieder rückgängig zu machen, wie es ihnen ohne weiteres möglich gewesen wäre. Erst jahre­lang nach dem Weltkrieg kamen die vollständigen Enthüllungen darüber heraus, in welchem unge­heuerlichen Ausmaß beispielsweise ein großer Teil der französischen Blätter aus Rußland mit Be­stechungssummen ausgestattet worden war; die Zahlen sind längst in aller Welt bekannt. Vermut­lich werden erst spätere Geschlechter uneingeschränkt Aufschluß darüber erhalten können, auf welchen Wegen auch das bolschewistische Rußland Beste- chungsgold in die stets offenen Hände solcher pu­blizistischen Strauchritter geleitet hat, deren Federn jederzeit für jede Summe zu kaufen sind.

Tumult im belgischen Parlament.

Brüssel, 27. Jan. (DNB.) In der belgischen Kammer kam es zu heftigen Tumultszenen. In der Kammer beschuldigte der rexistische Abgeordnete L e r u 11 e den Gesundheitsminister ilouters und

den früheren Derkehrsminister Ja spar, den spa­nischen Bolschewisten Flugzeuge geliefert zu haben. Jaspar erklärte, daß er sich mit den Rexisten in keine Auseinandersetzung einlafse. Als der Abgeordnete seine Beschuldigungen fortsetzte, nannte ihn Jaspar einenSchweinehund" und stürzte sich wutentbrannt auf ihn, indem er über mehrere Bänke hinwegsprang. Das war das Zei­chen zu einer allgemeinen Schlägerei, in der sich Abgeordnete aller Parteien mit Faustschlä­gen und Fußtritten bearbeiteten. Parlamentsdiener mußten die Kämpfenden trennen.

Die britische Aufrüstung

Chamberlain gegen einen Untersuchungs­ausschutz für die Luftrüstung.

London, 27. San. (DNB.)Daily Expreß" schreibt, Chamberlain werde bei Wiederzusammen­tritt des Parlaments am Dienstag versichern, daß Englands Derteidigungsplan in zu­friedenstellendem Maße in die Tat umgesetzt werde. Dabei werde er insbesondere die Aufrüstung zur Luft verteidigen und barlegen, daß die Massenherstelluna großer Kriegs- flugzeuge noch im Laufe dieses Jahres voll in Schwung kommen werde. Verteidigungsminister I n s k i p werde nachweisen, daß, was die Auf­rüstung der britischen Marine und Armee betreffe, eine ernste Kritik nicht in Frage kommen könne. Chamberlain werde dann weiter klarstellen, daß die Forderung, einen Untersuchungsausschuß für die Luftaufrüstung einzusetzen, als ein Miß­trauensvotum angesehen würde, die, wenn man sie vorbringe, die nationale Regierung zu Fall brächte.

Jrn nächsten Monat würden Voranschläge für die drei Wehrmachtsteile veröffentlicht, die ge­waltige Zahlen aufwiesen. Für die Flotte bestände ein großes Bauprogramm, und die Luft­waffe werde, insbesondere für' den Ankauf von Land zum Bau neuer Flughäfen, Millionen brauchen. Beträchtliche Summen würden auch für die Modernisierung und Ausrüstung von Flotten-, Heeres- und Flugstützpunkten in Heber- s e e ausgeworfen werden.

Sowjetrußland sperrt den japanischen Postverkehr über Sibirien.

Moskau, 27. Jan. (DNB.) Die Sowjetregie­rung hat die zeitweilige Einstellung des Postpaketverkehrs zwischen der Sowjet- union und Japan verfügt, als Repressalie gegen die Zurückhaltung eines fowjetischen Flugzeuges, das vor eifern Monat auf mandschurischem Terri­toriumnotgelandet" war. Nach einer Verlautba­rung aus Hsingkiang ist das am 19. Dezember 1937 nordwestlich von Wladiwostok auf mandschu­rischem Boden gelandete Flugzeug nicht ein Postflugzeug, sondern ein militärisches mit Maschinengewehr versehenes Flug­zeug gewesen. Die mandschurifchen Behörden be­streiten, daß es sich um eine Notlandung gehandelt habe, und weisen nach, daß das Flugzeug Spio­nagezwecken in diesem wichtigen Grenzgebiet dienen sollte. Aus diesem Grunde sei das Verhör der Piloten und die Beschlagnahme des Flug­zeuges durchaus berechtigt gewesen.

Große sowjetrussische Waffen- Lieferungen an China.

London, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Reuter berichtet über erhebliche sowjetrussische Kriegsmateriallieferungen an China. Die Lieferungen beständen fast ausschließlich aus Panzerwagen und Flugzeugen. Auf­merksame Beobachter hätten in den letzten Tagen 600 Panzerwagen und 200 schnelle Kampfflugzeuge gezählt, die Sinkiang in Richtung Kanfu passierten. Unter den Flugmaschinen seien auch einige mehr- motorige. Zuverlässig werde auch aus Sinkiang be­richtet, daß die Straße von Sinkiang a u s ge­be ff e r t und verbreitert werde, um den Verkehr zwischen China untr Sowjetrußland zu er­leichtern.

Bolschewistische Tankangriffe bei Teruel abgeschlagen.

Salamanca, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Wie der nationalspanische Heeresbericht vom Don­nerstag meldet, griffen die Bolschewisten an der Teruel-Front zweimal die nationalen Stellungen südöstlich von Celades an, wobei sie von 20 Tanks unterstützt wurden. Die Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Der Kampfplatz ist übersät mit gefallenen Feinden. Der Gegner wurde auf feiner Flucht vom nationalen Geschützfeuer ver­folgt. Zwei sowjetrussische Tanks wurden außer Kampf gefetzt. Auch im Abschnitt von Singra wurde ein bolschewistischer Angriff, der auch hier mit Tankunterstützung erfolgte, abgewiesen, wobei die nationale Artillerie dem Feind starke Verluste beibrachte. Zwei Tanks der Bolschewisten wurden kampfunfähig geschossen. Ein bolschewisti­sches Flugzeug wurde abgeschossen.

KDF.-Freifahrten für Hausgehilfinnen in kinderreichen Familien.

Nach einer Mitteilung der Reichsfachgruppe Hausgehilfen der DAF. sind die Gaudienststellen der KdF. angewiesen worden, monatlich zwei Freifahrten für Hausgehilfinnen zur Verfügung zu stellen, die in kinderreichen Haushaltungen beschäftigt sind. Als kinderreiche Haushalte gelten Familien mit mehr als drei Kindern. Die Fahrten werden aus Spen­denmitteln zur Verfügung gestellt. Sie sollen eine Anerkennung für die besonders mühevolle Aufaabe der Hausgehilfin im kinderreiche» Haushalt bar- stellen.

Die Berufsausbildung im Gaststattengewerbe.

Berlin, 27. Jan. (DNB.) Die Reichsarbeits- gemeinschaft für Berufserziehung im deutschen Oaftftättengcroerbe hat Ausbildungsricht- linien für bie Lehrlinge und Lehrverträge fest- gelegt. An der Spitze steht die Forderung, daß die Lehre ein Verhältnis echter Erziehungs- gemeinschaft sein soll. Es wird unterschieden zwischen der Kellnerlehre, der Kochlehre und her kaufmännischen Lehre. Für jede der drei Grund- berufe soll die Lehre einheitlich im Reich durchgeführt werden. Die Lehre kann durch eine Dolontärzeit nicht ersetzt werden, auch nicht durch eine Tätigkeit als Kochstudent, Haustochter ufro., die als bezahlte Hilfskräfte zu werten sind. An den

Lehrling wird das Erfordernis des Volksschul- Zieles gestellt, außerdem sind die gefunb« heitlichen Anforderungen des Gewerbes du berücksichtigen. Sprachenkenntnis ist dringend erwünscht. Bei Ablauf der Lehre sollen dem Lehrling auch die wichtigsten Fragen des Fremdenverkehrs geläufig fein. Ein Hilfs­mittel für die ordnungsgemäße Berufsausbildung ist das Lehrheft. Die Lehre findet ihren Ab­schluß in der Gehilfenprüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer.

Kleine politische Nachrichten.

Wegen sofortigen Umzuges schließt die Kanz­lei des Führers (bisherige Anschrift: Her­mann-Göring-Straße 15) vom 28. Januar bis zum 10. Februar. In dieser Zeit können Besucher nicht empfangen werden, auch vom Schrift­

verkehr mit der Kanzlei des Führers ist nach MöH lichkeit Abstand zu nehmen. Die neue Anschrift wird zum gegebenen Zeitpunkt bekanntgegeben.

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Nach Abschluß des dreitägigen offiziellen Besuches in Budapest traf der Chef der Auslandsorganifation im Auswärtigen Amt, Staatssekretär Gauleiter Bohle, zu. einem zweitägigen privaten Besuch in Wien ein.

Bei einer Besichtigung verschiedener Milizabtei­lungen wurde dem Duce auch der neue Paradeschritt, derPasso Romano (römischer Schritt) var­geführt, der erstmals mit durchgedrückten Knien und hartem Tritt ähnlich dem deutschen Parademarsch ausgeführt wird. Mussolini zeigte sich über den in Neunerreihe durchgeführten neuen Paradeschritt sicht­lich befriedigt.

Verschleierungsmanöver in Genf.

Genf, 28. Jan. (DNB.) Die öffentliche Sit­zung des Genfer Rates bot das gewohnte klägliche Bild: Man erschöpfte sich in langatmigen Reden, wobei kein ernsthaftes Bemühen zu be­merken war, an die vielen ungelösten Probleme heranzugehen. Stattdessen wurde von den Haupt- verantwortlichen nur der Versuch gemacht, die große Schuld, die die Genfer Liga durch ihre f rieb en s» feindliche Haltung auf sich geladen hat, zu ver­schleiern. Die Vertreter der Westmächte, Eden und D e l b o s , waren sichtlich bemüht, das ungeheure Risiko, das für die kleineren Mächte eine Mitglied­schaft in der Genfer Entente birgt, in angenehmerem Licht erscheinen zu lassen. Die Tatsache, daß die genannten Großmächte bie wahren Nutz­nießer des Genfer Ententesystems sind, läßt sich keineswegs, wie dies beispielsweise Eden tat, da­durch aus der Welt schaffen, daß man unbekümmert dieidealen Grundsätze" aus der Grün­dungszeit der Institution erneut auftischt. Eden und Delbos klagten zwar lebhaft über dieMängel" undEnttäuschungen" der Genfer Liga, aber sie nahmen sich bei ihren, von Zweckoptimismus diktier­ten Ausführungen nicht die Mühe, irgendeiner der tieferen Urfachen dieserEnttäuschungen" nachzu­gehen. Eden konnte nur versichern, daß seine Re­gierung ander Genferßiga fe st halte und sie als dasbeste Instrument" ansehe, um den Grundsätzen der internationalen Zusammenarbeit Wirksamkeit zu geben". Auf der gleichen Linie hielten sich auch die Ausführungen des französischen Außenministers Delbos. Angesichts der Rolle, die Moskau in seinem Bolschewisierungspro- gramm der Genfer Entente zugedacht hat, war es nicht weiter verwunderlich, daß sich der Sowjetjude Litwinow restlos für die Genfer Liga einsetzte und die Sowjetunion als denzuverlässigsten Vor­kämpfer der Genfer Liga" bezeichnete.

Der polnische Außenminister Beck sprach von der gegenwärtigen Lage", die lerber so sehr von den Zielen und Bestrebungen a b w e i ch t, die der Liga bei ihrer Gründung mitgegeben worden sind. Der chinesische Vertreter kritisierte die Tatsache, daß die Liga einpassiver Zuschauer" geworden fei. Ver­treter Lettlands, Rumäniens, Boliviens, Schwedens, Belgiens, Perus, Neuseelands und Ecuadors brach­ten zumeist die Befürchtung zum Ausdruck, ob die Genfer Maschinerie nicht ihre Mitglieder in Kom­plikationen hineinziehen könnte, die mit

deren Interessen nichts zu tun haben. Es fehlte hier nicht an vielfach sehr kritischen Bemerkungen.

Katzenjammer in Paris.

Paris, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) DieJu­biläumssitzung" in Genf hat bei fast allen franzö­sischen Sonderberichterstattern einen Katzenjammer hervorgerufen. Die Presse sieht sich zu der Fest­stellung gezwungen, daß die Bilanz der Ratsmit­glieder recht pessimistisch ausgefallen sei. Sogar der englische Außenminister Eden, auf den man nach seiner Pariser Unterredung mit Chautemps und Delbos besonders große Hoffnungen gefetzt hatte, hat enttäuscht.Echo de Paris" meint mit Erleich­terung, Paris und London hätten das Schlimmste befürchten müssen und könnten fid)' dazu beglück­wünschen, daß die Meinungsverschiedenheiten a e - dämpft worden seien. DieEpogue" stellt fest, daß sich die Genfer Sitzung in einer pein­lichen Atmosphäre abgespielt habe. Selbst Frankreich und England hätten sich nicht völlig einigen können. Die unerwarteten Auffas­sungen, denen der englische Vertreter Ausdruck ge­geben habe, schienen nicht geeignet, den Frieden zu stärken. DasJournal" erklärt:W orte, nichts als Wort e."

Die Londoner presse enttäuscht.

London, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Zu der Donnerstag-Tagung in Genf schreibt dieTimes", 18 Jahre seien seit der Gründung des Instituts ver­gangen. In biefer kurzen Zeit bereits seien viele Hoffnungen zusammengebrochen und hohe Ideale enttäuscht worden. Edens Einladung an die Jlidjtmitglieber zur Zusammenarbeit wurde ebenso wie sein Hinweis, daß die britische Regierung ihre Genfer Mitgliedschaft nicht als Hindernis der freundschaft­lichen Beziehungen zu Nichtmitgliedern ansehe, von der überwältigenden Mehrheit der englischen öf­fentlichen Meinung begrüßt. DerDaily He­rold" spricht von einerKrise auf Leben und T o d". Die Meinungsverschiedenheiten seien tief. Daily Expreß" prophezeit, daß voraussichtlich sieben Länder am Montag vor dem Genfer Reformausschuß ihre Befreiung vom Sank­tionsartikel erklären würden.

Was bedeuten die Arbeiten Filchners?

Die unzuverlässige Magnetnadel. - Gespräch mit Professor Bartels, Potsdam.

Äon Dr. JRolf Reißmann, Äerfin.

Arn 30. Januar wird Dr. Filchner aus den Händen des Führers den Natio­nalpreis für Wissenschaft in Empfang nehmen, der ihm für seine Forschungsarbei­ten verliehen wurde. Worin bestehen diese Arbeiten? Dr. Filchnet hat keine Trophäen mitgebracht, bie man ins Museum stellen kann. Was er mit geb rächt hat, sind Zahlen, die der erdmagnetischen Forschung Dienen. Was sollen sie beweisen? Warum sind sie so wichtig, daß ein Forscher Leben und Ge­sundheit aufs Spiel setzte und in einsamen, bitterkalten Nächten in sechstausend Meter Höhe, fern jeder Kultur, seine Beobachtungen machte? Prof. Bartels vom Erdmagne­tischen Observatorium in Potsdam hatte die Freundlichkeit, mit unserem Mitarbeiter Dr. Rolf Reißmann über bie Bedeutung der Forschungen Filchners zu sprechen.

Ganz Potsdam hat es damals gewußt: in der Stadtverordnetenversammlung hatte man sich über b a s Gamma" gestritten. Manche wußten wohl, daß das Gamma ein griechischer Buchstabe ist; was aber das Gamma mit der Potsdamer Straßenbahn zu tun hatte, wollte den meisten nicht in den Kopf. Fast niemandem war es bekannt, daß das Gamma bie grunblegenbe Einheit für bie Messung Des Erd- magnetismus ist, daß dieses Gamma auf dem Erdmagnetischen Observatorium in Potsdam ge­messen wurde, und daß bie Straßenbahn immerfort falsche Gammas entlaufen ließ. Denn bei der Straßenbahn flieht der Rückstrom bekanntlich durch die Schienen, aber er läuft auch durch bas benach­barte Erdreich und stört so bie Messungen. Die Stadtverordneten und bie Wissenschaft einigten sich darauf, daß die Straßenbahn so angelegt werben müßte, daß sie das Observatorium höchstens um ein Gamma beschwindelt.

Trotzdem flohen die Forscher später nach Seddin. Leider rückte der Berliner Verkehr nach: bie Vor­ortbahn wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt, und jetzt stand auf den Tabellen und Kurven, welche bie Apparate aufzeichneten, nicht mehr der Rhyth­mus der Sonnenflecke und der erdmagnetischen Ge­witter, fonbern der Fahrplan der Reichsbahn. Alle zehn ober zwanzig Minuten, wenn ein Zug vor- üderfuhr, schlugen die Apparate brav aus, ein Sinn­bild der Pünktlichkeit. Das war nun nicht Der Zweck her Apparate, und so flohen die Forscher weiter nach Niemegk bei Treuenbrietzen, wo im Jahre 1931 basAbolf-Schmidt-Observato- r i u m" eröffnet wurde. Dort wirb jetzt bas Gamma gehütet, und dorthin wandern auch Filchners Apparate und Aufzeichnungen, um geprüft, ver- glichen und von Prof. D e n z k a ausgewertet zu werden.

Dor hundert Jahren war bas Gamma populärer. Damals hatte der große Physiker Gauß feine heute noch grundlegenden Erkenntnisse über den Erdmagnetismus niedergelegt. Man hatte die Elek­trizität entdeckt, man fand, daß der Magnetismus in engstem Zusammenyang mit ihr stand. Heberall gründete man Observatorien, in Indien, in Kap­stadt, auf St. Helena. Seit fast hundert Jahren

wird die Stärke des Magnetismus laufend gemessen. Ein enges Netz von Beobachtungen ist über die ganze Erde gezogen. Als Amundfen zu seinen Polarfahrten aufbrach, ließ er seine Instrumente in Potsdam genau einstellen, und die ganze Welt ist heute an das kleine Oertchen Niemegk in der Markangeschlossen".

Im Grunde lebt der Mensch nämlich zwischen zwei elektrischen Feldern: das eine ist bie Erdkugel selbst, über deren Oberfläche Ströme kreisen; das zweite Feld ist die Ionosphäre, die hundert Kilo­meter über unseren Köpfen unsere Erde wie ein ungeheures engmaschiges, mit Elektrizität geladenes Drahtnetz gleich einem Mantel umgibt. Dieses Netz ist bitter nötig für alles Lebendige. Es fängt bie elektrischen und magnetischen Ströme, bie aus dem All auf die Erde herunterbrechen, wie ein Blitz­ableiter auf. Da ist die Sonne, die unerhörte elektro­magnetische Strahlungen ausfendet, wenn sie Son­nenflecken hat. Sie dreht sich um sich selber, und zwar in rund 27 Tagen; derselbe Sonnenfleck, der inzwischen einmal herumspaziert ist, sendet nach 27 Tagen wieder seine Strahlung auf die Erde: die Sonne bildet sozusagen einen Apparat, wie wir ihn zum Besprengen der Gärten haben, einen Apparat, der sich dreht und mit einem scharfen Strahl bas ganze Rund bestreicht. Das Blümlein Erde (um im Bilde zu bleiben) wird also alle 27 Tage getroffen, und die Forscher wissen, daß sie nach dieser Zeit dieselben Erscheinungen wieder zu erwarten Haven: Nordlichter, elektromagnetische Stürme und anderes mehr. Daß wir so wenig da­von merken, liegt eben daran, daß das Netz der Ionosphäre uns trefflich abschirmt.

Wäre es nicht so, dann müßte man dem Jahre 1938 mit Schreck und Grauen entgegensetzen. Denn es naht nach der üblichen Pause von elf Jahren ein Sonnenfleckenjahr, das den Kurven nach, die jetzt schon starke Ausschläge zeigen,ganz groß" zu wer­ben scheint. Magnetische Stürme werden über die Erde Hinwegrasen aber uns Menschen werden sie kaum berühren. Man hat oft versucht, zwischen den magnetischen Stürmen und den Lebenserscheinungen des Menschen einen Zusammenhang zu knüpfen; man hat die Kurven der Sterblichkeit ober die Selbstmordkurven mit den Kurven der elektro­magnetischen Spannungen verglichen, aber man hat entgegen manchen Anschauungen bisher keinen sicheren Zusammenhang gefun­den. Wir brauchen also vor 1938 keine Angst zu haben es wird uns so wenig Schaben zufügen, wie es die letzten Sonnenfleckeniahre getan haben.

Was hat nun Filchner unterwegs gemessen? Er hat bie Stärke der erdmagnetischen Kraft also das berühmte Gamma während seiner Expedition unermüdlich an vielen Stellen immer wieder bestimmt. Das Gamma schwankt nämlich. Es hangt von den Gesteinen ab, die unter unseren Füßen liegen. Man kann aus den Abweichungen der Werte auf Metalle schließen, bie tief unter der Erde ruhen. Ostpreußen steht beispielsweise auf einer Platte aus erzhaltigem Gestein aber sie liegt so tief, daß sie nicht abbauwürdig ist. Vor allem aber schwanken bie Werte im Laufe der Zeit sehr stark-