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Nr.2Z Erstes Blatt

188. Jahrgang

Zreitag, 28. Januar 1938

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LandwirtschastlichesAusbauwett im Gau Hessen-Aassau.

Don Landesbauernführer Or. Wagner.

NSG. Wie einsame Gipfel ragen die Großtaten der Geschichte eines Volkes aus dem ewig flutenden Ge­schehen der Tage. Aus dem besinnlichen Aufschauen zu diesen Gipfeln kommt uns die Orientierung für unsere Arbeit in der Gegenwart und die Kraft für das Schaffen in der Zukunft. Der 30. Januar 1933 bezeichnet für alle Zeiten den historischen Wendepunkt in der deutschen Geschichte, gleichzeitig den Beginn eines Weges, der aus den Trümmern eines versinkenden Zeitalters heraus steil aufwärts führt in das Licht eines neuen Werdens. Als genau 14 Tage nach der Machtergreifung die Verordnung erlassen wurde, die für die Landwirtschaft den Voll­zug von Zwangsvollstreckungen verhinderte, da war der Auftakt gegeben zur Rettung und Neu­formung des deutschen Bauerntums. Diese eine erste Maßnahme erinnert uns an etwas, das wir heute nur zu leicht vergessen: wie es noch Anfang 1933 in der Landwirtschaft ausgesehen hat. 1019 000 Hektar Land standen vor der Zwangs­versteigerung. Dem drohenden wirtschaftlichen Unter­gang entsprach die Mißachtung, der das Bauern­tum im Streit der Meinungen und Gegensätze ver­fallen war, entsprach auch der völlige Mangel an Selbstachtung und Zukunftsglauben im Bauerntum selbst.

Eine Rettung konnte nur kommen aus der Er­kenntnis, daß die unentbehrliche Grundlage von Volk und Staat ein gesundes Bauerntum ist. Diese Erkenntnis war von Anfang an Wesens- beftandteil des nationalsozialistischen Gedankengutes. So erhielt der Begriff her Agrarpolitik dadurch ein neyes Schwergewicht, daß das Bauerntum nicht mehr nur als der Ernährer des Volkes, sondern als der lebenserneuernde Bluts quell der Nation und damit als tragende Säule der Volks­kraft in das große deutsche Aufbauwerk hinein­gebaut wurde. Unter diesem Gesichtspunkt sind das Reichsnährstandsgesetz vom 13. Septem­ber 1933 und das Reichserhofgesetz vom 1. Oktober 1933 als Marksteine in der Geschichte unserer neuen Volkswerdung anzusehen. Denn nur so waren die Voraussetzungen für die Erhaltung und das Wachstum eines gesunden und lebens­fähigen Bauernstandes geschaffen und die Keim­zellen der rassischen Wiedergeburt des deutschen Volkes gebildet.

Am 1. Oktober 1936 waren rund 700 000 Betriebe mit 45 v. H. der land- und forstwirtschaftlich ge­nutzten Fläche Deutschlands als Erbhöfe einge­tragen, so daß der Kern der deutschen Landwirt­schaft, das Bauerntum, für immer den Einflüssen der Bodenspekulation entzogen wurde. Die Siche­rung der Erbhöfe, als Lebensgrundlage der Bauernfamilien, gab dem deutschen Bauer die Mög­lichkeit, auch seine wirtschaftlichen Fähigkeiten un- aehindert zu entfalten und seine ernährungswirt- schaftlichen Aufgaben zu erfüllen wie nie zuvor. Die auf dem Reichsnährstandsgesetz aufbauende umfassende Marktordnung beseitigte den bis dahin vorhandenen scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz der Landwirtschaft zu der gesamten ge­werblichen Wirtschaft und ihrer Arbeiterschaft, setzte dem kapitalistischen Lebensmittelhandel ein Ende und schuf die Voraussetzung für den Beginn der Erzeugungsschlacht im Winter 1934, durch die wir die Beseitigung der Abhängigkeit Deutschlands von fremden Lebensmitteleinfuhren erstreben und den deutschen Warenaustausch mit dem Auslande in cfe- funde Bahnen lenken.

Im Rahmen dieser Gesamtschau rechtfertigt sich auch ein Blick auf das wirtschaftliche Aufbauwerk i m (Ka u Hessen-Nassau. Am 30. Januar 1938 darf" das aus der Zersplitterung und wirt­schaftlichen Ohnmacht der früheren Jahre glücklich herausgeführte und unter einem Willen geeinte hessen-nassauische Landvolk mit stolzer Genugtuung auf das Ergebnis seiner Arbeit zurückblicken. Es hat auf allen Gebieten der Erzeugungsschlacht tapfer und treu in der Front gestanden und achtungge­bietende Erfolge errungen. Nur einige wenige Er­folgsziffern seien im folgenden herausgegriffen.

Vie Landesbauernschaft Hessen-Nassau hat mit wachsender Kraftanstrengung seine B r o t g e t r e i - deernte während der letzten drei Jahre von 229 253 auf 318 313 Tonnen, die G e s a m t b u/t - tererzeugung von 8340 auf 11 300 Tonnen und den Schweinebestand von 188 355 auf 217 253 Stück gesteigert. Eine der wichtigsten Maß­nahmen in der Landesbauernschaft Hessen-Nassau auf Pern Gebiet der Erzeugungsschlacht ift die Siche­rung der w i r t s ch a f t s e i g e n e n F u t t e r e r - zeugung. Sie spielt deshalb für unser Gebiet eine so große Rolle, weil bei unseren stark mit Vieh besetzten kleinbäuerlichen Verhältnissen etwa 70 v. H. der Futtermittel vom Ausland eingeführt werden mußten. Durch di» Ein­führung des Z w i f ch e n f r ch t b a u e s und die Errichtung von zweckentsprechenden E l n s a u e - rungsanlagen wurde die wirtschaftseigene Futtererzeugung erweitert. Die Grünfuttergarbehal­ter sind seit 1933 um das Fünffache gestiegen Fast in keinem Dorf der Landesbauernschaft Hessen- Nassau fehlt heute der Kartoffeleinsäuerungsbehalter. Im Jahre 1934 waren zwei Dämpfkolonnen vor­handen, während die Landesbauernschaft im ver­gangenen Jahr bereits 139 zählte, Hand m Hand damit geht die Verstärkungdes Hacksr u ch t- baue's ohne Verminderung der Getreideanbau­fläche und die Erhöhung der Kartoffelerträge durch Anbau leistungsfähiger Futterkartoffeln.

Auf Grund der Erkenntnis, daß-die Futtergrund­lage die Voraussetzung für die Viehhaltung ist, wurde bei dem Rasseverteilungsplan aus diese bereits geschaffene und noch zu erweiternde wirt-

Oer plan für die Neugestaltung der Reichshauptstadt Zwei Zentralbahnhöfe, durch eine neue repräsentative Straße in der Nord-Süd-Achse verbunden. Viergleisige I^-Schnellbahn. Neue Wohngebiete und Grünflächen. Großzügige Llfergeflaltung an der Spree.

Berlin, 28. Jan. (DNB.) Am 30. Januar 1937 hat der Führer in seiner großen Rede, die einen Rückblick auf die Arbeiten der ersten vier Jahre des Dritten Reiches gab, die Ausgestaltung Berlins zu einer wirklichen und wahren Hauptstadt des Deutschen Reiches an­

Generalbauinspektor Professor Albert Speer. (Scherl-Bilderdienst-Röhr-M.)

gekündigt. Zur Durchführung dieser Aufgabe wurde am gleichen Tage ein Erlaß über einen General­bauinspektor für die Reichshaupt­stadt veröffentlicht, dem im Laufe des vergan­genen Jahres das Gesetz über die Neu- gestaltung deutscher Städte und die Verordnung über die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin folgte. Diese ge­setzlichen Maßnahmen wurden in diesen Tagen durch einen Erlaß über die Erweiterung der Befugnisse des Generalbauinspektors vervoll­ständigt. Inzwischen wurde im Laufe des Jahres 1937 ein Teil der Bauarbeiten bereits praktisch in Angriff genommen, so vor allem der Aus­bau der Ost- West- Achse vom Branden­burger Tor bis zum Adolf-Hitler-Matz. Mit der Ausschreibung eines Wettbewerbes zstr Erlangung von Entwürfen für eine neue Hochschulstadt am westlichen Rande Berlins wurde ein weiteres Bauvorhaben eingeleitet. Der Grundstein für den ersten Bau dieses Gebietes, das Wehrte chni sch e Institut, wurde am 2^. November 1937 durch den Führer gelegt. Der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, Professor Albert Speer, gibt jetzt eine umfassende Darstellung des Pro­gramms der Neugestaltung bekannt, auf Grund dessen nach den Ideen des Führers eine

schönere und würdigere Hauptstadt des Dritten Reiches erstehen soll.

3uiammenfaffung

der geplanten Großbauten.

Weit verstreut in allen Teilen Berlins liegt heute eine große Anzahl monumentaler Bauten, die erst in den letztvergangenen Jahren entstanden sind. So entstand z. B. der Neubau des umfangreichen Reichsbankkomplexes unmittelbar beim Altbau in abgelegener Gegend Berlins, das Luft- f a h r t m i n i st e r i u rn an der Leipziger Straße, die Deutschlandhalle im Westen der Stadt beim Messegelände, das Hauptoerwaltungsgebäude für den Reichsarbeitsdienst im Grünewald, das Stabs geb äude der Deutschen Arbeits­front an der Potsdamer Straße, die Verwal­tungsgebäude großer Versicherungen am Fehrbelliner Platz usw. Weitere Großbauten waren an weit auseinanderliegenden belanglosen Punkten der Reichshauptstadt geplant. Es müssen in den nächsten Jahren zahllose Bauten, vor allem aus praktischen Gründen des Platzbedarfest dringend er­richtet werden. Denn es steht seit langem im Regie- rungsoiertel Berlins kein Büroraum mehr zur Verfügung, so daß Behörden und Privatgesell­schaften gezwungen waren, ihre Büros oft in zwan­zig und mehr einzelnen Häusern unterzubringen, die weit auseinandergerissen in der Reichshauptstadt- liegen.

Es gilt jetzt, für alle diese Bauten repräsen­tative und großräumige Bauplätze zu finden, und es liegt nahe, für diese Bauten, denen viele andere folgen werden, nach Möglichkeit etwas räumlich Zusammenfassendes zu planen, d. h. einen Straßenzug bereitzustellen, der die notwendige Aufnahmefähigkeit besitzt. Lage, Richtung und Breite der neuen Straße mußten so gewählt werden, daß sie der flüssigen Abwicklung eines großgesteigerten Verkehrs dienen können. Eine ost-westliche Straße ist bereits vorhanden. Sie wird heute so ausgebaut, daß sie auf lange Sicht den kommenden Verkehr bewälttgt. Die An­lage einer zweiten großen Ost-West-Achse ist nicht dringlich. Aus diesem Grunde lag es nahe, eine neue Straße in annähernd nord- südlicher Richtung anzulegen, da in dieser Richtung in Berlin ein durchgehender Straßenzug fehlt, der zudem die vorhandene Ost-West-Achse ver- kehrlich ergänzt.

Oie HauptgrundsätzederNeugestattung.

Aus den hier dargestellten Ueberlegungen ergeben sich also für die Neugestaltung des städtischen Weich­bildes folgende Hauptforderungen:

1. Um die zahlreichen neuen Großbauten in der Reichshauptstadt planvoll zusammenzufassen, ist ein Straßenzug bereitzustellen, der mit freiem Hinterland die Möglichkeit gibt, auf lange Sicht alle neuen Großbauten unterzubringen

2. Dieser neue Straßenzug muß im wesentlichen

Nordsüd- und Ostwestachse mit den vier Ringstraßen und dem um die Reichshauptstadt führen­den Autobahnring. (Zeichnung Generalbauinspektion für die Reichshauptstadt Scherl-M.)

schaftseigene Futtergrundlage in zweckmäßiger Form Rücksicht genommen. Der Weg ist klar und das Ziel eindeutig: wir erstreben eine bodenständige, leistungsfähige Tierhaltung und Tier­zucht auf wirts chaftseigener Grund­lage. Was in dieser Richtung bisher geschehen ist, berechtigt zu der Gewißheit, daß das hochgesteckte Ziel mit Anspannung aller Kraft erreicht werden wird. Die hessen-nassauische Tierzucht kann nach der Seite der Leistung in der Reihe der besten Hoch­zuchtgebiete Deutschlands genannt werden. Die durchschnittliche Leistung der ganzjährig kontrollier­ten Kühe wurde innerhalb der letzten drei Jahre bei Milch um 100 Kilogramm und bei Fett um 6,44 Kilogramm je Kuh und Jahr gesteigert.

Nicht allein in der Nahrungsbeschaffung, auch in der erforderlichen Rohstöffgewinnung ist das rhein-mainische Landvolk nach Kräften mttge- gangen. Der Gau Hessen-Nassau hat seit 1933 die Anbaufläche von Flachs von 16 auf 1200 Hektar erweitert, also 75fach gesteigert. Er besitzt heute in Stockheim die modernste Flachsröste Europas und ist dadurch in der Lage, die von rund 32 000. Anbauern anfallende Menge Stroh­flachs in drei Monaten abzunehmen. Mit dieser Ak­tivierung der Leistung auf den lebensnotwendigen Gebieten der Erzeugung geht im gleichen Schritt die erfolgreiche Durchführung der Marktordnung m Hessen-Nassau, die auf vielen Gebieten als vorbild­lich anzusehen ist und vielfach als Richtschnur für marktordnerische Maßnahmen im Reich gegolten hat und gilt. , , , . . . .

So erfreulich diese Erfolge an sich sind, so wird doch die Krönung des Aufbauwerkes im Gau Hessen-Nassau gekennzeichnet durch das Werk der Landeskultur. Aus ödem, unfruchtbarem Sumpfland und Waldboden, aus versauerten Län­dereien ist bestes Kulturland entstanden, lieber die­ses Kulturland geht heute der Pflug des Bauern.

Hier entstehen Bauerndörfer und Bauernsiedlungen mit gefunden und lebensfrohen Menschen. 3 0 0 0 0 Hektar Wiesen und 21 e cf e r wurden im Rah­men dieses Programms zu Kulturzwecken umge- wondelt und verbessert. Im Herbst 1935 konnte das erste Erbhöfedorf Rredrode mit 28 Neu­bauernstellen und 400 Hektar Land seiner Bestim­mung übergeben werden Er folgte die Einweihung des Erbhöfeweilers Rosengarten mit zehn Neubauernstellen und 250 Hektar Landzulage und weiter die Grundsteinlegung des Erbhöfedorfes H e f f e n a u e mit 32 Neubauernstellen und 450 Hektar Land. Allmendfeld wurde mit 49 Neu­bauernstellen und 650 Hektar Land von den Sied­lern bezogen. Und das alles ift nur ein A n - fang. In Kürze werden bei Heppenheim a. d. B. zehn Neubauernstellen mit 220 Hektar Land und bei Bensheim a. d. B. sechs Neubauernstellen mit 120 Hektar Land erstellt. Es sei noch erwähnt, daß auch aus Staatsbesitz und dem Besitz von Standes- herrschaften 23 000 Morgen Land zur Errichtung von Neubauernstellen bereitgestellt und damit weit über 1 000 neue Erbhöfe geschaffen, über 2 0 0 0 kleinbäuerliche Betriebe auf lebensfähige Größe gebracht und über 1000 Landarbeiter durch Zuteilung von Siedlungs­land bodenständig gemacht wurden. Diese Zahlen lesen sich so leicht hin, aber sie umschreiben eine schöpferische Leistung ganz großen Ausmaßes.

Nach dem Vorbild Hessens wird auch im Re­gierungsbezirk Wiesbaden den Mißver­hältnissen der Besitzzersplitterung und der Boden- beschasfenheit kraftvoll zuleibe gerückt 72 Gemein­den mit rund 47 057 Hektar Land werden im Rah­men des Vierjahresplanes umgelegt und melioriert. Allein auf dem Westerland konnten in sieben Teilgebieten rund 61 000 Hektar Ackerland zur Er­richtung von Neubauernstellen und zu Betriebser­weiterungen vorhandener kleinster landwirtschast-1

licher Betriebe verwendet werden. Der jüngste Plan, der zur Zeit zur Erörterung steht, ist das sog. Rod- gauproblem, dessen Lösung sich unter die Ge­sichtspunkte zusammenfassen läßt: 1 Verbesserung der Lebensbedingungen der landwirtschaftlichen Be­völkerung in einem Notgebiet; 2. Strukturwandlung der landwirtschaftlichen Betriebe; 3. Bildung neuer Erbhöfe und damit Stärkung der Lebensgrundlage des deutschen Volkes.

Hand in Hand geht damit die intensive Be­arbeitung aller landwirtschaftlicher Betriebe im Gau Hessen-Nassau, insbesondere derjenigen, die noch rückständig sind, den hier liegen die größten Reserven für eine Leistungssteigerung. So wurden z. B. die S a a t b a u st e l l en von 140 im Jahre 1934 auf 550 im Jahre 1937 vermehrt, so daß heute alle Höfe leicht und beizeiten mit neuem, leistungs­fähigem Saatgut versorgt werden können. Auch die 30prozentige Steigerung des Düngerver­brauchs und die 50prozentige Steigerung des Maschinenbedarfs feit 1935 darf hier eben­sowenig unerwähnt bleiben wie die wachsend« Baufreudigkeit des rhein-mainifchen Land­volks. 1

Auch von Hessen-Nassau kann mit Stolz gesagt werden, daß es seit dem Umbruch wieder schöner geworden ist, weil überall neues, hoffnungs­freudiges Leben in Hof und Dorf feinen Einzug gehalten hat. Aber wie im Reiche Adolf Hitlers jede errungene Position nur der Ausgangs­punkt einer neuen Eroberung zu fein pflegt, fo wird auch das hesten-nafsauifche Landvolk sich mit den seitherigen Erfolgen nicht zufrieden geben, sondern auf dem eingeschlagenen Wege ziel- bewußt ooranschreiten in dem Bewußtsein, oaß es damit am besten seinen Dank abstattet dem Manne, der dem deutschen Volke wieder eine Zukunft ge­geben hat.