Nr.302 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag. 27. Dezember 1038
Leistungssteigerung.
Don Or.-Ing. Karl Arnhold, Leiter des Amtes für Äerufserziehung und Äetrieböfuhrung in der Deutschen Arbeitsfront.
NSG. Die industrielle Produktion hat um die Wende dieses Jahrhunderts eine entscheidende Wandlung erfahren. Bis dahin ging die Entwicklung in tastenden Versuchen, gewissermaßen in einem natürlichen Wachsen vor sich. Don da an aber wurden die Möglichkeiten des vorteilhaftesten Produzierens untersucht und die Ergebnisse dieses Untersuchens ebenso planmäßig in die Praxis umgesetzt. Die ungeheuren Möglichkeiten, die in einem solchen Vorgehen lagen, wurden wohl von Taylor zum erstenmal in ihrer vollen Bedeutung erkannt and von ihm zu der sogenannten „Wissenschaftlichen Betriebsführung" ausgebaut.
Auf dieser Grundlage hat sich im Laufe der Zeit eine Reihe weiterer betriebsorganisatorischer S y st e m e entwickelt und ist zu wesentlichen Teilen überhaupt die moderne Betriebswissenschaft aufgebaut worden. All diese Systeme und Maßnahmen gehen im Grunde darauf aus, den Menschen als „Leistungsfaktor", so wie er gerade zur Verfügung steht, für produktive Zwecke einzusetzen. Sicher ist man auch hier inzwischen schon weitergekommen und hat den Menschen für diese Zwecke durch bestimmte zusätzliche Maßnahmen geeigneter zu machen gesucht. Aber im Grunde behandelt man ihn eben doch immer nur als Faktor Vnter Faktoren und läßt damit die wichtigsten Quellen feiner Leistungskraft unausgeschöpft.
Heute wissen wir durch sorgfältige Studien, aber noch mehr durch Erfahrungen, daß deutsche Menschen zu sehr viel größeren Leistungen fähig sind, wenn es gelingt, sie zu einem innerlichen freien Mitgehen zu zwingen. Das hat uns zunächst einmal der Krieg gelehrt, wo die Menschen auch nicht um Lohn und Geldeswert ihr Letztes hergaben. Man sage nicht, daß das, was im Krieg möglich war, auf anderen Gebieten grundsätzlich nicht möglich ist. In der Politik ist der Beweis jedenfalls schon erbracht, daß man die Menschen auch im täglichen Leben über ein bloßes Mitlaufen hinweg zu einem bewußten Einsatz ihrer Kräfte bringen kann. In der Wirtschaft gibt es auch heute schon viele Betriebe, in denen die Menschen nicht mehr lediglich Statisten, sondern Akteure find. Es ist dieses insbesondere überall dort der Fall, wo der leitende Mann sich nicht auf das Organisieren und Leiten beschränkt, wo vielmehr von ihm Kräfte einer lebendigen Führung ausgehen.
Diese echte Führung ist Sache der Persönlichkeit. Sie ist daher auch weder erlernbar noch lehrbar. Führung kann aber schwer oder leicht sein •— je nach den Voraussetzungen, unter denen sie erfolgt. Zu den Voraussetzungen, die die Führung Im Betrieb leicht machen, gehört:
1. Daß die Menschen im Betrieb führbar sind, d. h., daß sie nicht auf irgendeine begrenzte Arbeitsverrichtung abgerichtet, sondern zur Arbeit erzogen sind. Rur so können sie auf leise Mittel, die gerade das Führen kennzeichnen und so wirksam machen, mit der notwendigen Leichtigkeit reagieren. Darum ist das Fundament aller Be- trie'bsführung die nationalsozialistische Berufs- d r ziehung, die ihre Ausgabe nicht auf die Vermittlung von Fertigkeiten beschränkt, sondern jeden Arbeiter zum berufsstolzen, auf breiter Bgsis geschulten Könner zu machen versucht.
2. Daß aus der Ordnung der Sachwelt keine Störungen erwachsen. Ist nämlich die Sachwelt mir nach rechnerischen Gesichtspunkten geordnet, dann entstehen leicht Hemmungen, die von vorzeitigem Müdewerden, über Arbeitsunlustgefühle bis zu stiller Auflehnung, ja oft genug zu erbittertem Haß führen können. Daher darf oer Mensch nicht in die Sachwelt eingeordnet, sondern die Sachwelt muß nach dem Menschen geordnet werden. Hierher gehören alle Fragen der Arbeitsplatzgestaltung, der Arbeitsführung, der Lohngerech
Gießener Gtadttheater.
Giuseppe Verdi: „Aida."
Verdis „Aida", die großartige Zusammenfassung der in der Tradition der italienischen Oper wirkenden Kräfte, ist zugleich eines der repräsentativsten Bühnenwerke geworden. Der auf der Höhe der Fünfziger steheirde Meister fand hier alle Bedingungen gegeben, die ihn zur Erfüllung seines Ideals der italienischen großen Oper führten: eine Handlung, die abseits von den Üblichen Bühnenintrigen, mit ihrem Kampfe zwischen Pflicht und Liebe, zwischen dem Gebot strenger Gesetzlichkeit und der Neigung des Individuums ins Allgemein-Menschliche hoher Leidenschaftlichkeit und sittlicher Forderung wies, und die der Entfaltung prunkhaften Aufgebots an Chören, Aufzügen und Tänzen organisch aus dem Verlauf des Geschehens als dramatische Bedingtheit rechtfertigte und nicht nur gewohnheitsmäßiger Schaulust diente. Gewiß war die Entwicklung des deutschen Musikdramas Verdi nicht unbekannt geblieben; aber er ist nie von dem in seinem Lebenswerk vorgezeichneten Wege abgewichen, und so wurde auch „Aida" wiederum zum Beweis für die Lebensfähigkeit der Nummernoper. Allerdings stößt Verdi hier zur geschlossensten Einheit zwischen Situation, Wort und Musik vor, und das innere Fortschreiten der Handlung wird zum organischen übergangslosen Heranwachsen der Szenen aus den dramatischen Triebkräften.
Als Bedingung für den Auftrag des Khediven Ismael Pascha für seine anläßlich der Eröffnung des Suezkanals in Kairo erbaute italienische Oper hatte Verdi unter anderem gefordert, daß er auf seine Kosten jemanden zum Einstudieren und zur Leitung der „Aida"-Uraufführung (24.12. 1871) entsenden wollte, um eine werkgetreue Wiedergabe zu gewährleisten. Die Aufführungen an den italienischen Bühnen überwachte er persönlich in stetem Kampfe gegen die Mechanisierung des Theaterbetriebes.
„Aida" ist angesichts der Größe der aufzubietenden Mittel und der außergewöhnlichen Anforderungen an die gesanglichen und darstellenden Kräfte nur an unseren großen Bühnen heimisch geworden. Da verdient es vollste Anerkennung, ja Bewunderung wagenden Werkwillens, daß die Aufführung des ersten Weihnachtstages in jeder Hinsicht die Bedingungen des Werkes erfüllte und so zum bedeutsamen Markstein der Theatergeschichte Gießens wurde.
Dos stark im ägyptischen Kolorit verwurzelte K stellt d^n Bühnenbildner vor eine verantwor- npM ata and) üußeclL wtLreMÄL
tigkeit, der Arbeitsverteilung, der Arbeitsanleitung, der Befehlsordnung — wie überhaupt des organisatorischen Aufbaues des ganzen Betriebes.
Der organisatorische Ausbau muß ein Führungsaufbau sein, d. h. der Betrieb muß organisatorisch so geordnet sein, daß der Führungswille unverfälscht Überallhin durchdringen kann, aber auch, daß die Betriebsführung jede Regung verspürt, die den Führungserfolg gefährden könnte. Das Taylor- sche „Funktionalsystem" wird diesen Ansprüchen nicht gerecht. Es setzt an die Stelle des persönlichen, von der Betriebsführung zur Unterführung uns von dort zu den Arbeitern gehenden Kontaktes die rechnerische Steuerung von Funktionen. Daher kann unter dem Funktionalsystem nie die erst zur höchsten Leistung befeuernde persönliche Verpflichtetheit, ja überhaupt keine echte Führung entstehen. Die einzige Ordnung, unter der das alles allein möglich ist, ist — wenigstens für den deutschen Menschen — d i e soldatische Ordnung, die wir, auf industrielle Verhältnisse übertragen, Stablinienordnung nennen.
All die Maßnahmen, die die hier kurz gekennzeichneten Voraussetzungen für eine wirkliche Führung im Betrieb schaffen, fassen wir unter dem Begriff der organischen Betriebsgestal- t u n g zusammen. Dieser Begriff verdankt sein Entstehen der Vorstellung, daß der Betrieb kein „Mechanismus", wie ihn die Tayloristen sehen, sondern eine lebendige Einheit von Menschen, ein Organismus, ist, der nur dann zur vollen Wirkung und Leistung kommt, wenn sein innerer Aufbau oen Gesetzlichkeiten des Lebens entspricht.
Eine brennende Frage ist heute: Wie sind die Voraussetzungen, von denen wir bisher sprachen, in der Praxis der Tausende von deutschen Betrieben zu verwirklichen? Wir sagten bereits, daß es sich für uns nicht um ein neues System handele, das an die Stelle des alten treten solle, baß also die organische Betriebsgestaltung nicht ein System ist, das man wie einen Konfektionsanzug irgendeinem Betrieb „verpaffen" könnte. Einen Betrieb organisch gestalten kann man immer nur unter jeweiliger Berücksichtigung sämtlicher Umstände, angefangen von dem Schlag der Bevölkerung, die dem Betrieb seine Mannschaft stellt, bis zu der Persönlichkeit des Mannes, der mit der Betriebsführung beauftragt ist. Das ist aber nur an Ort und Stelle möglich und geschieht heute in vielen deutschen Betrieben durch besondere Ingenieurtrupps, die das Amt für Berufserziehung und Betriebsführung in der DAF. der Wirtschaft für diese Zwecke zur Verfügung stellt.
Diese Ingenieurtrupps kommen in die Betriebe, in die man sie ruft. Sie kommen aber nicht mit einem fertigen Rezept, sondern sie klopfen erst einmal vorsichtig den Betriebskörper ab, den es zu heilen oder zu stärken gilt. Da geht es vor allem einmal darum, den schwächsten Punkt zu finden, denn von diesem Punkt, oder dem engsten Querschnitt, wie man betriebsorganisatorisch wohl sagt, hängt oft die Leistung des ganzen Betriebes ab. Von diesem Punkt aus werden nun all die Fragen der Menschenauswahl, Menscheneingruppieruna, der Behebungen von Arbeitsschwierigkeiten, oer Entwicklung von Arbeitsbestoerfahren, der Gruppen- und Werkstatteinteilung, der Arbeitsplanung, der Postenbesetzung aufgerollt und so der Aufbau des ganzen Betriebes vom Menschen aus in Angriff genommen Durch ein solches Vorgehen gelang es, mit Hilfe der organischen Betriebsgestaltung immer wieder u n - geahnte Kraft - undLeistungsreserven freizusetzen, die selbst die besten Fachleute in Erstaunen setzen.
Die ersten Versuche dieser Art von Betriebsberatung und Betriebsverbesserung reichen zurück bis lns Jahr 1924. Ausgangspunkt war eine F o r - schungsstelle für industrielle Arbeit in einem Betrieb des Westens. Mitarbeiter kam später zu Mitarbeiter, so daß in langsamer Aufbauarbeit bis zum Jahre 1935 alle methodischen Fragen geklärt werden konnten. In diesem Jahre wurden 23 Betriebe in verschiedenen Wirtschaftszweigen erfolgreich bearbeitet. Nun ging es in die Betriebe:
Karl Löffler hat im Laufe der Jahre stets sein Mitgehen mit den Forderungen des Werkes unter Beweis gestellt. Was er aber diesmal schuf an Stil- getreuheit und Stimmungsgebundenheit der ständig wechselnden Bilder, kann mit gutem Recht den Leistungen großer Bühnen zur Seite gestellt werden. Die gesetzliche Strenge des zweiten Bildes (Tempel des Vulkan) und der Schlußszenen (Phta-Tempel), ganz besonders aber das vierte Bild mit seiner naturnahen, perspektivischen Weite der Nillandschaft fanden durch eine sinngemäße Führung der Beleuchtung (Remigius Konen) stärkste Auswirkung.
Auf diesem Hintergründe entfalteten sich die Massenszenen in bewußt gegliederter Anordnung der Fülle; zumal das vierte Bild (Heimkehr der siegreichen Krieger) war äußerst durchgestaltet und reich ausgestattet mit Feldzeichen und Siegestrophäen. Von eigenem Reiz war die Szene im Gemach der Amneris, durchlebt in der Bewegung der dienstbaren Frauen. (Spielleitung: Gert B u ch h e i m , gleichzeitig auch als Bote mit dramatisch bewegtem Bericht.) So erwiesen denn auch die Tänze (Thea Maaß) die Stellung, die ihnen Verdi mit dramatischer Bindung zugedacht hat; im zweiten Bild der Tempeltanz als kultisches Erleben, der Mohrentanz aus dem Milieu erwachsend, und im vierten Bild der Tanz integrierender Bestandteil der Siegesfeier. Ebenso waren die Chöre (Heinz M a r k w a r d t) der Szene engstens verknüpft. In der Zahl der Mit- wirkenden gehörig verstärkt, wurden sie besonders im Finale des zweiten Aktes zum aktiven dramatischen Element durch die Intensität des Klanges mit stellenweise überwältigenden Akzenten. Ganz besonders stimmungserfüllt aber waren die Tempelgesänge des zweiten Bildes, die geführt von der ersten Priesterin (Friedel F o r n a l l a z), in ihrer feinen Austönung und klanglicher Ausgeglichenheit die Weihe der Szenen trugen.
Paul Walter ließ das Werk zu voller Größe sich erschließen mit energischer Herausstellung der dramatischen Höhepunkte im zweiten Finale und vornehmlich der von höchster Leidenschaft und starkem Wechsel der Gefühlserregtheit bewegten Nilszene. Stets wahrte er wohlabgewogenes Gleichmaß zwischen Bühne und Orchester in wechselseitigem Eingehen aufeinander; verheißungsvoll im Vorspiel mit plastischer Klarheit der sich überschneidenden Thematik; visionsgleich, bildhaft im Vorspiel zur Nilszene; menschlich durchfühlt im letzten Bilde, dabei die Feinheiten des solistischen Anteils der einzelnen Instrumente zu höchster Geltung führend.
Die hohen Aufgaben, die Verdi den Solisten stellt, ließen die Kräfte bis zum Letzten wach werden. Anni A s s i o n verlieh der Aida die Züge weiblichen Erlebens im Hin- und Hergeworfensein als SllgLM uüj) lißtante MMür iw inumi
in den letzten beiden Jahren waren es schon über 100 Betriebe in 18 verschiedenen Wirtschaftszweigen, denen wir helfen konnten und die wir zum Teil vor dem Zusammenbruch retten bzw. für die wir überhaupt erst einmal wieder eine wirtschaftliche Grundlage schufen.
In der Beratungs« und Untersuchungsarbeit stehen uns heute erfahrene Mitarbeiter zur Verfügung, und zwar grundsätzlich für jede Dienstart der deutschen Wirtschaft. Doch kann bei der immerhin begrenzten
Zahl von Mitarbeitern jetzt nicht auf einmal jedem Wunsch und jeder Aufforderung aus den Betrieben Rechnung getragen werden. Zunächst einmal heißt es heute für uns, Muster- und R i ch t b e triebe in jedem Wirtschaftszweig her- ausmstellen. Die weitere Entwicklung wird dabei weit darüber hinausgehen. Wir stehen hier zweifellos vor noch uneröffneten Schatzkammern unseres Volkes. Ehrfurchtsvoll haben wir die ersten Schritts in ihre Vorhöfe zu tun gewagt.
Wettlauf mit dem weißen Tode.
Aus dem Fahrtenbuch von Knud Hasmuffen. — Begegnung mit dem „Vater der Eskimos".
Dor fünf Jahren haben die Eskimos ihren besten Freund und Jagdgefährten verloren. Knud Rasmussen, im ganzen Norden als „Vater der Eskimos" bekannt, starb nach der Rückkehr aus dem Grönlandeis. — Unser Mitarbeiter begegnete dem dänischen Forscher in einem isländischen Hafen und schildert hier seine letzte Ausreise.
Es gibt nicht viele Menschen, die zum Vergnügen nach Island fahren. Vielleicht sind die Wetterberichte daran schuld. Denn Island ist die Heimat der Stürme und berüchtigten „Tiefs", man muß bei dem Namen gleich an Seekrankheit denken. Selbst mutige Nordlandfahrer suchen sich für die Ueberfahrt einen möglichst großen Dampfer aus.
Um so verständlicher war meine Ueberraschung, als ich eines Tages im Hafen von Reykjavik ein kleines, blitzsauberes Schiffchen entdeckte, das sich neben den tranbefleckten und verrosteten Fischdamp-- fern sonderbar ausnahm. Bald saß ich mit dem Mann zusammen, der in dieser Nußschale über den Ozean geschaukelt war. Er erzählte jedoch wenig von der aufregenden Fahrt und nahm nicht mal die Pfeife aus dem Mund, als er so nebenbei bemerkte, daß er noch weiter ins ewige Eis nach Grönland wollte.
Freund aller Eskimos.
Ich wagte nicht, an feinen Worten zu zweifeln. Denn dieser Mann in dem abgetragenen, schäbigen Oelmantel war Knud Rasmussen, der bekannte Grönlandforscher und Freund aller Eskimos. Nein, ich brauchte nicht zu fragen, weshalb er so gern nach dem stürmischen Nowen fuhr. Auf ihn machte diese rauhe Gegend sicherlich einen prächtigen Eindruck. Die kalten Polarländer waren ihm längst zur Heimat geworden. Knud Rasmussen hatte ja selbst etwas Eskimoblut in den Adern, seine Mutter war Grönländerin. Zwischen den Eisbergen der Arktis, in Schneesturm und Polarkälte verlebte er seine Jugendzeit. Er kannte die Sitten und Bräuche der fernsten Polarstämme und konnte sich mit jedem Eskimo mühelos unterhalten. Der angeborene Wandertrieb seiner Ahnen ließ auch ihn nicht zur Ruhe kommen.
Aber Knud Rasmussen brauchte nicht die kostspielige Ausrüstung der anderen Polarforscher. Mit dem Jagdgewehr verschaffte er sich auf seinen Schlittenfahrten die nötige Wegzehrung. Er verstand es, „v o m Lande zu lebe n", und reifte so einfach wie seine Eskimofreunde, die sich glücklich schätzten, wenn er sie in ihren bescheidenen Iglus, den Schneehäusern, besuchte. So erhielt er den Beinamen „Vater der Eskimos" und ist für immer mit der Geschichte des kleinen Jägervölkchens verbunden.
Von Knud Rasmussen erfuhr ich zum erstenmal, daß es in Grönland, genau genommen, keine richtigen Eskimos gibt. Die dortigen Eingeborenen haben sich stark mit den ansässigen Dänen vermischt. Sie nennen sich Grönländer und finden das besonders vornehm. Bei ihnen hat die Zivilisation mit allerlei wertlosem Tand längst Einzug gehalten.
Strapazen und Gefahren.
Rasmussen hielt sich meistens bei einem kleinen Stamm von Polareskimos im äußersten Norden von Grönland auf. Mit einem Hundeschlitten und zwei Eskimos als Begleitern zog er im Jahrs 1923 längs der Nordküste Kanadas nach Alaska. Seit Menschengedenken war keine ähnliche Schlittenreise unternommen worden. Sie dauerte über ein Jahr. Mehr als 10000 Kilometer wurden zurückgelegt, das entspricht der Luftlinie Berlin—Tokio.
Der Polarforscher sprach ungern von den Strapazen und Gefahren seiner weiten Reisen. Doch seine Tagebücher erzählen genug. Eins der bekanntesten Werke des Forschers, „In der Heimat des Polarmenschen" schildert seine schwerste Zeit an der Nordküste Grönlands. Auf dieser Reise wurde Ras-- müssen zum erstenmal vom Jagdglück verlassen. Als er nach langer Schlittenfahrt mit seinen tapferen Begleitern an der Küste des Nördlichen Eismeeres stand, war der Proviant fast aufgezehrt. Die Männer hatten den Angaben einer amerikanischen Karte vertraut und glaubten hier gute Jagdmöglichkeit zu finden. Jetzt zeigte sich, daß das ganze Land mit Eis bedeckt war. Ein verhängnisvoller Irrtum! Nirgends war eine Spur von Wild! Nur in den offenen Eismeerfjorden zeigten sich bisweilen Köpfe von Seehunden. Aber man konnte nicht zu ihnen gelangen. So bald sie den tödlichen Schuß erhielten, sanken sie wie Steine in die Tiefe.
Alles für die Wissenschaft'
Schleunigste Umkehr hätte das Schlimmste oer* hüten können. Ader die Männer dachten nur an ihre Forschertätigkeit. Für die Wissenschaft schien ihnen kein Einsatz zu hoch. Als sie die Arbeit beendet hatten, waren ihre Körper vom Hunger geschwächt und den kommenden Strapazen kaum noch gewachsen. Der Rückmarsch über das Inlandeis war ein erbitterter Wettlauf mit dem weißen Tod. Nebel und Schneestürme erschwerten das. Vorwärtskommen. Noch weit vom Ziel mußte der letzte Schlittenhund geschlachtet werden. Als wieder festes Land erreicht war, ging ein Grönländer auf die Jagd und kehrte nicht mehr zurück. Mit zerfallenen Gesichtern und frostzerstörten Gliedern erreichten die übrigen Männer eine menschliche Ansiedlung. Noch einmal griff der Tod in ihre Reihen. Kurz vor dem Ziel erlag ein Forscher den unmenschlichen Strapazen der Fahrt.
Knud Rasmussen ließ sich jedoch niemals entmutigen. Stets fuhr er von neuem nach Norden. Im Sommer 1933 drehte er einen Eskimofilm an der Ostküste Grönlands, der später auch in Deutschland viel Beifall fand. Aber Rasmussen sollte die Uraufführung nicht mehr erleben. Schwer- krank wurde er an Bord des heimkehrenden Polarschiffes gebracht. Sein abenteuerliches, wild bewegtes Leben fand unverhofft einen traurigen Abschluß. Am 21. Dezember des gleichen Jahres starb er in einem Krankenhaus zu Kopenhagen an den Folgen einer Fleischvergiftung. In den Schneehütten des hohen Nordens warten die Eskimos vergebliche auf die Wiederkehr ihres Freundes ...
Rudolf Jacobs.
zwischen den Banden zur Heimat und der Leidenschaft zum Heerführer des Feindes. Der ständige Wechsel zwischen dem Bedrücktsein durch die Stellung und dem Bewußtwerden als liebende Frau trat menschlich nahe heraus. Ihre stimmlichen Mittel blühten mit führender Fülle besonders im Ensemble auf; voll hingebender Wärme in der Opfer» bereitschaft des Schlußdildes.
Gleich stark in ihrer Liebe zu Radames hat Verdi die Amneris gezeichnet. Ilse W inhold ließ das nicht nur gesanglich-musikalisch glaubhaft werden, sondern auch durch die Eindringlichkeit ihrer Darstellung; lauernd, berechnend in der Erforschung des Innern ihrer Nebenbuhlerin (drittes Bild), ergreifend im Kampf um den verlorenen Geliebten, mit besonderem lyrischen Erfülltsein in Klang und stimmlichem Ausdruck.
Heinrich Durst als Radames gewann mit der Entfaltung und Lösung sieghaften Stimmklangs zumal am Schluß der Nilszene starke dramatische Akzente. Seine Romanze im ersten Akt ließ ebenso die Ergiebigkeit seiner Stimmhöhe erkennen wie das Schlußbild (Abschied vom Leben) mit seinem lyrischen Nachgeben.
Es war augenscheinlich, daß sich im Finale des zweiten Aktes mit dem Auftreten des Amonasro (Gustav Bley) die dramatischen Fäden merklich strafften, und durch das Fanatische, fast Dämonische, das Gustav Bley diesem Aethiopier-Fürsten gab, wurde die Katastrophe mit Unerbittlichkeit beschworen, mit dramatischer Wucht bei hohen stimmlichen Akzenten und leidenschaftlich durchglühter Gebärde. Als Walter der Gesetzlichkeit war Herbert H i r ch e als Oberpriester voll Haltung, Strenge und Gemessenheit mit farbkräftiger gesanglicher Linie und besonderer Eindringlichkeit in der Gerichtsszene. Dem König verlieh Erwin B u g g e Würde und stimmliches Ausmaß.
So wurde die Feiertagsaufführung zu einem Festtag für unser Theater, auf den es mit Recht stolz sein kann. Das bezeugte der ständig sich steigernde Beifall.
Dr. Hermann Hering.
Franz Lehär: „Die lustige Witwe."
Lehars „Lustige Witwe", in Gießen vor fünf Jahren zum letzten Male gegeben, machte am zweiten Weihnachtsfeiertag ein nahezu ausverkauftes Haus. Der Erfolg ist etliche Jahrzehnte alt. „Die lustige Witwe" ist unter den Vorkriegsoperetten die bei weitem populärste gewesen. Nur die ältere Generation wird sich erinnern, welcher Verbreitung sich die bekanntesten Melodien, wie das Vilja-Lied, das Lied vom dummen Reiter und der Schlager Corn MaM fcb WLL MÄs
die damals die klastische Operettentradition der^Wie- ner Schule aufzulösen oder doch zu durchbrechen: begann, bestimmte auch jetzt wieder den Erfolg. Das Libretto mag seinerzeit unmittelbarer, vielleicht sogar aktuell gewirkt haben. Arn Text empfindet man die zeitlichen Abstände am deutlichsten; aber Operettentexte sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, so beschaffen, daß man mit dem Versuch etwaiger Modernisierung wenig gewinnen würde. Auch hier ist das, was wir in diesem Sinne als historisch empfinden — wir denken-beispielsweise an die Jugendstildekoration des dritten Aktes — durchaus Bestandteil des Ganzen, und eine „Lustige Witwe" im Kostüm von 1938 würde vermutlich viel vom Reiz des ursprünglichen Eindrucks verlieren.
Die Spielleitung — Gert Buchheim — hatte also mit gutem Grunde auf eine aktualisierende Neufassung verzichtet und gab die Operette in dem ihr zukommenden Rahmen: mit Betonung der repräsentativen Ensemble-Auftritte wie der entscheidenden Dialog-Szenen, mit leichter Ironie und sanfter Pikanterie und einem vorn Musikalischen her angeregten Spieltempo. Herr Markwardt am Dirigentenpult brachte die Glanzstücke der Partitur mit sicherem Gefühl für Wirkung heraus. Das berühmte Herren-Septett vom schwierigen Studium der Weiber mußte gleich zweimal wiederholt werden. Der Ausstattungsstab (Bühnenbild: Löffler; Kostüme: Andreae-Endrich; Beleuchtung: Konen) trug nicht minder zum Erfolge bei als die Tanzgruppe, die besonders im Schlußakt Triumphe feierte; Ballettmeisterin Thea Maaß tanzte eine stilgerechte Einlage.
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Eva Eckert hatte mit der Titelpartie eine ausgesprochene Paraderolle; sie sang und spielte — jederzeit geschmackvoll und sicher — mit der Eleganz, der Koketterie und dem spritzigen Temperament, das die Hanna Glawari zu einer der populärsten Operettenfiguren gemacht hat. Herr Waltz als Danilo befand sich ebenfalls in angeregter Spielstimmung und fang seine Kavaliersrolle in bester Form. Friedel Fornallaz als Valencienne und Heinrich D u r st als Rosillon ergänzten sich gesanglich und darstellerisch als zweites Paar sehr geschickt. Herr Erl er als leicht vertrottelte Exzellenz und Herr Haars als Niegus brachten mit rauhem Kehllauten und den üblichen Akzentverschiebungen das balkanische Element zu drastisch-heiterer Wirkung. Auch alle andern standen wacker auf ihrem Posten.
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Der Beifqst nahm stellenweise stürmische Fors
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