Ausruf!
Letzte Gelegenheit zur Ablegung der II. Dieder- holungS'Aebung für das SA.-Sportabzeichen am Sonntag, 30. Oktober, vormittags 9 Uhr, auf dem Schlehstand an der Haardt, (Bleiberger weg.
An dieser letzten Diederholungs-Uebung müssen alle bisher verhinderten SA.-Sportabzeichenträger teilnehmen.
SA.-Standarte 116.
von Reservisten unserer Artillerie durch die Stvdt marschieren, bei der es ebenfalls mit Liedern, Scherzworten und frohen Zurufen lustig zuging, wenn auch hier die Pferde und die Fahrzeuge nicht dabei waren.
Nun hat Reserve Ruh', und ein neuer Lebensabschnitt beginnt für sie, nachdem sie als gute Soldaten treu gedient haben für unseren Führer, Volk und Vaterland.
ZwriteStandort-Heitiagd bei Annerod
Die zweite diesjährige Standort-Reitjagd unserer Garnison wird am morgigen Freitag stattfinden. Die Reitjagd wird von der 13. (9. G.) Kompanie des Inf.-Regts. 116 angeleat. Stelldichein ist um 14.50 Uhr bei der Militärschwimmanstatt an der Grünberger Straße, das Halali" wird am Südostausgang von Annerod geblasen. Die Länge der Iagdstrecke ist 3L Kilometer. Verlauf der Strecke: Militärschwimmanstalt — 500 Meter über Wiesengelände mit zwei Stangensprüngen — Schritt aus Anneröder Weg — kurz vor Wiesenmühle Kletter- stelle mit Grabensprung — Ueberquerung der Straße Annerod—Gießen — Wiesenstrecke mit zwei Grabensprüngen — Kletterstelle im Wald — quer durch Wald — bewachsener Weg mit einem Baumsprung und einer Mauer — Wiesenstrecke mit einem Stangensprung — Auslauf mit Hürdensprung am Ostausgang Annerod. Für Zuschauer ist Gelegenheit gegeben, die Jagd von der 300 Meter nördlich von Annerod gelegenen höhe aus gut zu beobachten.
Zunge Mädels, junge Frauen,
kommt in die Jugendgruppe
des Deutschen Frauenwerks.
Ueberall sieht man jetzt das Werbeplakat für die Iugendgruppen des Deutschen Frauenwerks. 9st es nicht einladend, dieses freudestrahlende, gesunde Zungmädelsgesicht? Jedes Mädchen, jede junge Frau zwischen 21 und 31 Jahren kann in die Jugendgruppe des Deutschen Frauenwerkes eintreten, hier findet sie alles, was zur Erziehung der nationalsozialistischen deutschen Mutter oder der berufstätigen Frau nötig ist. Es gibt hier Mütterschulungskurse, Kurzausbildungskurse beim Roten Kreuz, Säuglingspflege wird gelehrt, in allen Zweigen des Haushaltes ist völlige Ausbildung durch Kurse zu erreichen, Besprechungen über Erziehungsfragen finden statt, nicht zuletzt dienen Heimatabende mit Bast-ln, Handarbeiten, Musizieren, Vorträgen fröhlicher Gemeinschaft. Der" Körper wird gestähtt bei Sport und Wanderungen.
So ist der Eintritt in die Iugendgruppen unendlich wichtig für die Reife der Persönlichkeit der deutschen Frau und zugleich die Tat zur Gemeinschasts- erziehung im deutschen Volk. gfs.
©ichener wochenmorktpreife.
* Gießen, 27. Okt. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, ausländische Kühlhauseier, 11%, Wirsing, S kg 8 bis 9 Pf., 50 kg 5 bis 8 Mark, Weißkraut, % kg 3 bis 5 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mk., Rotkraut, % kg 7 bis 8 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mk., gelbe Rüben u. Karotten, % kg 7 bis 9 Pf., rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, 1li0 8 bis 10, Tomaten, % kg 20 bis 28, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 35 bis 40, Kürbis 8 bis 9, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel,
HZ -Heime und Sporistättenbau.
Lpd. 9n einer Bekanntmachung des Reichsstatt- hatters in Hessen — Landesregierung — werden die unterstellten Behörden, Gemeinen, Gemeindeoerbände und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts darauf hingewiesen, daß der Reichssportführer in allen dem Reichssportführer obliegenden Aufgaben das Referat Turnen und Sport bei der Abteilung I (Allgemeine Verwaltung) der hessischen Landesregierung als Außenstelle hes Reichssportamtes be- steltt hat. Durch diese Maßnahme ist die Organi- sation des Sportstättenbaues im Land Hessen als einzige im Reich und die bisherige Tätigkeit des Referats Turnen und Sport der Landesregierung von der zuständigen höchsten Reichsbehörde als vor- bildlich für das ganze Reich anerkannt worden.
Die Kreisdirektoren werden angewiesen, in Fragen des Sportstättenbaues die für die Leibeserziehung in den Schulen eingefetzten Kreissportlehrer heranzuziehen. Es wird eriyut darauf hingewiefen, daß keine Sportttätte errichtet oder verändert werden darf, bevor die Genehmigung des Referats Tur
nen und Sport der Landesregierung eingeholl ist. Träger des Sportstättenbaues ist grundsätzlich die polittsche Gemeinde. Falls ausnahmsweise ein Verein oder irgendeine Organisation eine Sportstätte errichten will, ist der Genehmignngsantrag durch den Bürgermeister der betreffenden Gemeinde der Landesregierung (Referat Turnen und Sport) vorzulegen. Es ist anzustreben, durch Zusammenfassung von H9.-Heim, Schwimmbad mit Liegewiese, Turnhalle, Sportfeld (Kampfbahn, Uebungsfelder für alle örtlich in Frage kommenden Sportarten einschließlich Schieß- und Wassersport, Spielwiesen), sowie Aufmarschgelände für die politischen Kundgebungen und Festplatz zugleich einen einheiüichen städtebaulichen und kulturellen Mittelpunkt der Gemeinde schaffen.
Das Referat Turnen und Sport der Landesregierung führt künftig die Bezeichnung „Referat Leibesübungen". Der Sitz dieses Referats ist von Darm- stadt, Ohlystraße 75, nach Adolf-Hitler-Platz 2 (Ministerialgebäude) verlegt.
Gparerbund und Gpartag.
Oie neue TestamentSgesehgebung.
9n der Versammlung des Sparerbundes am gestrigen Mittwochabend im „Bayrischen Hof" begrüßte der Versammlungsleiter h. Lorenz die zahlreich erschienenen Besucher, insbesondere auch den Vorsitzenden M. Witt von der benachbarten Wetzlarer Sparerbundsortsgruppe.
Ortsoerbandsleiter Lorenz erinnerte in seinem Thema „Deutscher Spartag, Vergangenheit und Zukunft" zunächst an die verbrecherische Inflation des Jahres 1923 mit der nachfolgenden Aufwertungsgesetzgebung des Jahres 1925 und legte an Hand zahlreicher Beispiele die Einstellung des deutschen Sparers zum Staate im Deutschland der Sy- stemzett und dann zu dem heutigen Großdeutschland Adolf Hillers dar. Er gedachte hierbei der Führer der deutschen ^parerbewegung, wie Däuser, Dr. Best, Posadowsky und Pohl, deren energischem Eintreten für die inflationsgeschädigten Sparer im Deutschland der Systernzett gegen die Marxisten hilferding, Seoering und Konsorten es gelungen ist, den oolkszerstörenden Maßnahmen bei der ersten Durchführungsverordnung zur Aufwertung der alten Spargutgaben mit Erfolg entgegenzutreten und eine höhere Aufwertung zu erreichen. Es find dies Taten, welche die allen Sparerbunds- mttglieder stets dankbar in Erinnerung behalteu werden. Seither war der Sparer als Nichtorganisierter der schwächste Volksgenosse, und er mußte deshalb die Kriegslasten allein traaen. Das mangelnde Vertrauen zum damaligen Staat führte im Jahre 1923 zur Gründung des Deutschen Sparerbundes, und zwei Jahre später entstanden die ersten deutschen Sparerschutzkassen, die heute bereits einen Spareinlagenbestand von 60 Millionen Mark aufweisen. Während im Deutschland der Systemzeit das Vertrauen zum Staate bis zum Jahre 1933 stark erschüttert blieb, ist in den letzten fünf Jahren das Vertrauen der Sparer zum Staate wieder voll
kommen zurückgekehrt, was der starke Anftteg der Spargelder bei den öffentlichen Sparkassen ams deullichste beweist, heute weiß man, daß gesunde Wirtschaft nur möglich ist aus der Grundlage des Wiederaufbaues des inländischen Sparkapitals. Das Geldkapital ist das Ergebnis von Arbeit und Sparen, und das Sparkapttal ist das Ergebnis der Arbeit. Der Sparerbund, dje heute einzig anerkannte große Organisation der deutschen Sparer, hat neben der Betreuung der allen Sparer die große und dankbare Aufgabe, für den Spargedanken zu wer- den und ihn tief in das Volk hineinzutragen, denn ohne gesundes Sparertum, dem auch die Fugend immer mehr angehören müsse, könne kein Staat bestehen, und jeder ersparte Groschen vermehrt die Substanz des Volksoermögens.
Anschließend sprach Vorstandsmitglied Rechtsanwalt Zi m m e r über das Thema: „Die neue Testamentsgesetzgebung vom 31.9uli 1938" in einem eingehenden dreiviertelstündigen Vortrag. Die Errichtung von Testamenten ist nunmehr wesenllich erleichtert. So war es bei dem eigenhändigen Testament bisher erforderlich, daß der Erblasier die Angaben über Ort und Zeit der Errichtung des Testaments eigenhändig niederschreiben mußte. Infolgedessen war z. B. ein eigenhändiges Testament schon dann ungültig, wenn der Ort der Errichtung vorgedruckt und nicht hanüschrifllich angegeben war. Nach den neuen Bestimmungen steht der Gülttg- keit des Testaments nichts entgegen, auch wenn die Orts- oder Zeitangabe nicht handschriftlich erfolgt ist. Der Redner unterschied zwischen öffentlichen Testamenten, eigenhändigen Testamenten (sog. Privattestamente), Not-Testamenten und gemeinschaftlichen Testamenten. Auch diese Ausführungen wur- den von der Versammlung mit großem Interesse und Beifall ausgenommen, worauf sich noch eine rege Aussprache anschloß.
% kg 30 bis 45 Pf., Birnen 20 bis 45 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 45, Salat 5 bis 8, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 20, Raoieschen, das Bündel 8 bis 12, Salatgurken 45 bis 50 Pf.
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*♦ Goldene Hochzeit. Der Pensionär Philipp Balser und Frau Susanne, geb. Pfeiffer, Neustadt 47, können an? morgigen Freitag, 28. Oktober, in aller geisttgen und körperlichen Frische das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar gehört seit über 40 Jahren zum treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers. Wir beglückwünschen herzlich zum Ehejubiläum.
** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 14. bis 20. Oktober ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 4 Anzeigen und 8 gebühren
pflichtige Verwarnungen; gegen Radfahrer mit einer Anzeige und 7 gebührenpflichtige Verwarnungen; gegen Fußgänger mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung.
** Vortrag im Naturheilverein. Am Montagabend bot der Naturheilverein seinen Mitgliedern und Gästen wieder einen besonders lehrreichen und wertvollen Vortrag. Dr. Müller aus Sobernheim sprach über das Thema: „Kampf den chronischen Krankheiten". Es ist vor allen Dingen unsere Pflicht, unfern Körper so ausdauernd und leistungsfähig zu erhalten, wie nur möglich. Eingehend beschäftigte sich der Vortragende mit der Eiweißfrage. Die Zufuhr von zuviel Fleisch, Eiern, Käse usw. ist schädlich, läßt unfern Körper ver- (auern und verschlacken und bildet die Grundlage von vielen Krankheiten. Uebermäßig viel Eiweiß erzeugt zuviel Harnsäure im Körper. Die Harnsäure lagert sich ab in den Geweben, und unzählige
Krankhetten sind die Folae. Besonders Rheumcttis« mus, Gicht, Ischias, Fettsucht, Zuckerkrankheit usw. sind durch einseittge Ernährung bedingt. Völkerstämme, die als besonders aät) bekannt sind, leben einfach. Im zweiten Teile seines Vortrags brachte Dr. Müller praktische Vorschläge über die Behänd- lung vieler Leiden, besonders chronischer Erkrankungen. Er schöpfte hier aus langjährigen Erfahrungen als Anstallsarzt. Erstaunlich war die Ein- fachheit der angeführten Methoden; z. B. empfahl er dringlich, besonders in diesem Jahr der knappen Obsternte, das rohe Sauerkrdut als Nahrungs- und Heilmittel. „Die richtige Ernährung ist die Grund- läge deines Seins. Alles, was du tust, um gesünder zu werden, das tust du für dein Volk."
Aus der engeren Heimat.
Bürgermeister-Tagung in Loubach.
Am kommenden Dienstag, 1. November, findet in Laubach eine Tagung der Bürgermeister des Kreises Gießen und der ab 1. November vom aufgelösten Kreis Schotten zum Kreis Gießen kommenden Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld statt. Die Tagung, dis aus Anlaß der Auflösung des Kreises Schotten und des hinzukommens der vorgenannten Gemeinden zu
unserm Kreise in Saubach ab gehalten wird, soll in besonders feierlichem Raymen vor sich gehen. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Ansprachen des Kreisdirektors des Kreises Gießen Dr. Lotz, des Bürgermeisters h ö g y von Laubach und des Vorsitzenden der Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages Bürgermeister Euler (Wieseck). Anschließend werden die Referenten und Sachbearbeiter des Kreisamtes sich mit den Bürgermeistern der neuen Kreisgemeinden bekanntmachen. Schließlich sollen noch kurze Referate über die Arbeitsgebiete der Verwaltung folgen.
Landdienstlrcffen in Alsfeld.
△ Alsfeld, 26. Okt. Vom 2. bis 6. Novembek findet hier ein Tre ff en f ämtlicher Landdienstlager des Gaues Hessen-Nassau statt, zu dem etwa 320 Jungen und Mädels in der Stadt in Freiquartteren unteraebracht werden sollen. Die Tagung dient der Vorbereitung der Winterarbeit. Das Programm dieses Treffens sieht eine Eröffnungskundgebung am 2. November vor, bei der Gebietsführer Brandt und Kreisleite» Zürtz sprechen werden. Die drei folgenden Tage sind ausgesültt mtt sportlichem Spiel, fröhlichem Singen und einer Reihe lnteresianter Vorträge. Am Abend des 5. November veranstalten die Landdienstjungen und -mädel einen fröhlichen Volksgemeinschaftsabend im „Deutschen Haus". In einer Schlußkundgebung am 6. November auf dem Marktplatz werden die Obergauführerin Else Riese und der Leiter der Sozialabteilung des Gebietes, Bannführer Becker, sprechen.
Landkreis Gießen.
# 6 t a u f e n b e r g, 26. Okt. Die hiesigen Schul- klaffen führten, wie schon in der vergangenen Woche, unter Leitung der Lehrer E m m e l und Rabenau am Montag eine Bucheckern» fammlung durch, der ein guter Erfolg befchieden war.
# Mainzlar, 26. Okt. Die Schulklassen unseres Ortes unternahmen unter Führung der Lehrer Weisel und Nikolai eine Bucheckern« fammlung, die ein erfreulich gutes Ergebnis zeitigte. — lieber unserem Orte wurden in diesen Tagen große Schwärme von Wildgänsen gesichtet, die in geschlossenen Ketten nach Süden zogen.
Sitioe Stirn mit «em Ml
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa
17. Fortsetzung (Nachdruck verboten'/
„Unbesorgt. Lasten wir fein Werk erst fertig fein! Sobald der Nachweis erbracht ist, daß seine Erfindung das hält, was wir davon erhoffen... ich meine den Nachweis für die Industrie — denn für uns erübrigt sich das... im gleichen Augenblick erfährt er die Wahrheit. Die volle Wahrhell! Dann kann er noch immer tun, was er will, heute wird er kaum jemand finden, der ihm Mittel zur Verfügung stellt. Man erinnert sich noch überall sehr gut daran, daß fein Name mit dem Mißerfolg des Herrn Doktor Meßdorfs verknüpft ist. hat man aber gesehen, daß feine Erfindung werkreif ist, steht chm die ganze Industrie offen. Ich will chm nur den Anfang seines Weges bahnen. Nachher... wird sich alles finden."
„Fräulein Westner..." Grote weiß nicht, wie er seiner Hochachtung vor dieser Selbstlosigkeit Karolas Ausdruck geben soll.
„Wollen Sie dabei mitmachen? Wir brauchen einen Mann mit technischem Wissen und künstle- rischem Geist. Es könnte für Sie ein guter Anfang sein!"
„Und ob ich will!"
„Begreifen Sie nun, daß Sie schweigen müssen? Wenn es Zell zum Reden ist, werde ich Ihnen Bescheid sagen."
Grote ergriff Karolas Hand und quetschte sie nach Leibeskräften. „Sie können sich auf mich verlassen wie auf sich selber, Fräulein Westner. Herr- gatt, ist dieser Karajan zu beneiden! So ein Kopf und bann ... und bann ..."
„Na, was?" lächelt Karola.
. und bann das Glück, eine Frau wie Sie zu finden!"
*
Das Verwaltungsgebäude der „Union AG." ist ein Palast. Es ist ein herrliches säulengetragenes Gebäude, ganz im sachlichen, klaren Stil der letzten Jahre gebaut, das Meisterstück eines bekannten Berliner Architekten.
Ein Torhüter, der aussieht wie ein König aus dem Märchenbuch, führt Karola und högebarth zum Fahrstuhl. Sie hat chn mitgenommen, um einen zuverlässigen Zeugen zu haben. Vielleicht auch
Damals besaß er nicht viel mehr als das, was
ist die einzige, die chn kennt. Wirklich kennt'
lebens lebendig vor Augen. In Monte Carlo
„Gut sichst du aus, Karola! Wir haben uns eine kleine Ewigkeit nicht gesehen. Bitte, nimm doch Platz, es ist alles vorbereitet. Wie siehfs im guten Sauerländle aus? Steht Radevormwald noch?"
„Es ist wohl das zweckmäßigste, wir führen un- fere Unterredung so, als wären wir zwei Partner, die sich zum erstenmal im Leben treffen", entgeg-' net Karola eisig. „Ich nehme an, daß es gi/nen —-u— .U' n>enn bas Vergangene un-
Sie gleiten geräuschlos, wie von Geisterhand gehoben, ins erste Stockwerk, ins zweite, dann klickt es, der Fahrstuhl steht.
Die Tür geht auf, eine äußerst zuvorkommende junge Dame nimmt die zwei in Empfang und führt sie über einen endlosen Korridor, der in eine ganz schmale Tür mündet. Kein Schild verrät, was dahinter sein mag. An allen andern Türen lesen sie sonst sehr deutliche Beschriftungen.
hier vermuten wohl die meisten Besucher einen kleinen Abstellraum für die Putzfrauen.
Die fteundliche junge Dame bittet einen Augenblick um Entschuldigung, verschwindet im Nebenzimmer, und bann öffnet sich plötzlich bie schmale, unscheinbare Tür unb Meßdorf steht auf ber Schwelle.
„Ah — Karola! herrlich, daß' du da bist. Nein, welche Freude! Und wenn ich nicht irre, ist das der Herr högebarth, stimmt's? Wie gut ich mich noch erinnere! Sie verkörpern noch immer die gute alte Zett für mich!" Er weist einladend hinter sich in ein mäßig großes unb sehr einfach möbliertes Zimmer.
aus Abscheu bavor, Meßdorf noch einmal allein gegenüberzutreten.
er auf bem Leibe trug, aber es genügte boch, dem jungen Mäbchen ben Kopf zu verdrehen. Sie gab chm Geld, er spielte, gewann, und dann kam alles so, wie er es sich ausgedacht hatte. Sie konnte nicht wieder loskommen von chm, und als chr ©tiefeater, Professor Paarmann, erkrankte, zog er in die „Vereinigten" als ungekrönter König ein. Nie hatte er allerdings einen Augenblick ernsthaft daran gedacht, das Mädchen zu heiraten, das ihm zu dieser Stellung verhalfen hat. Er wollte höher hinaus. Die „Vereinigten" unb Karajan waren hervorragend geeignet, Schrittmacher feines Aufstiegs zu fein.
Ach Gott, Karajan! Nie im Leben ist chm ein Mann begegnet, der naiver unb törichter war als dieser Wolkenstürmer. Das mit ber Erfindung war ja noch verständlich — da hatte man ja als gelernter Jurist von vornherein einen Vorsprung. Aber baß ihm Karajan in Hannover ausgerechnet Irene Dibriksen ins Nebenabteil setzte — Teufel, Teufel! — er muß noch jetzt oft lachen, wenn er mit feiner Frau bie Erinnerung an ihre erste Bekanntschaft auffrischt. Damals, als sie in Han- nover Karajan getroffen hatte und auf der Heimfahrt nach Berlin bem Dr. Mehdorff erlag, ber seitdem oft „geschäftlich" in die Hauptstadt fuhr.
Aha, denkt Meßdorff, sie weiß Bescheid. Desto besser. Dann können wir alle Faxen beiseitelasien.
. . ---7-- ..............— — i Unb deine Drohung verstehe ich, auch wenn sie
hat sich 5 lange überlegt, wie er ihr entgegentreten weniger deutlich wäre. Das Vergangene —! Na, soll. Sie ist der einzige Mensch, desien Gegenwart warte, wir werden dafür sorgen, daß es gründ- refften Grunde seines Herzens fürchtet. Sie lich vergeßen wird! — Laut sagt er nur sehr ift ine «nw. bie chn kennt. Wirklich kennt. höflich: „Bitte! Ich nahm an, baß unsere alte . ®lc ,9« ihrer Bekanntschaft stehen chm zeit- Freundschaft die Verhandlungen erleichtern könnte" r' " "7' 2". --■■■- Wer Karala läßt sich aus nichts ein. „fiter ist
mar s auf der Terrasse des Kasinos, wo man! nicht von irgendeiner Freundschaft zu sprechen." über das unwahrschein ich blaue Meer sieht unb | Also Feindschaft! denkt er. Gut. Kannst du ha- femen Äaffee unter Palmen trinkt, da hatte er sic i ben, kleines hochnäsiges Fräulein. Ich bin noch mieden. Ae fuhr damals mit | nicht am Ende. — „Wie Sie wünschen, Fräulein ihrer Mutter m ber Weltgeschichte umher, wohnte Westner!" gibt er geschmeidig zurück
’ mhX b°uf.9 derüber nach Mo-1 Im gleichen Augenblick steht bie lächelnde freund- naco, well ihre Mutter gern spielte. ! liche junge Dame wieder im Zimmer, hat eine
Dr. Meßdorff ist das, was man einen „schönen Mann" nennt. Er ist schlank, groß, sehr gepflegt, feine Anzüge sind von tadellosem Schnitt. Oh, man kann es schon begreifen, daß er es versteht, ein Mädchenherz ganz für sich einzufangen. Nur, wer chn länger beobachtet, wird entdecken, daß in feinen Augen, hinter der großen Hornbrille, zu gewissen Augenblicken ein Glanz aufkommt, der ben wahren Charakter bieses Mannes verrät.
Dann strahlt aus ihnen biefe eisige Härte und Erbarmungslosigkett, bie ihm zu einem gewissen ^uf verhalfen hat. Man weiß, baß er keine Rück- nicht unangenehm ist, sicht kennt, daß er skrupellos fein Ziel verfolgt, erwähnt bleibt." Aber biefe Eigenschaft verbirgt er meisterhaft un» ~~ '
ter ber Maske bes liebenswürdigen Gesellschafters.
Mit strahlendem Lächeln begrüßt er Karola. Er
Mappe unterm Arm unb legt sie vor Karola nieder.
„Ich habe mir erlaubt, die Vorschläge unserer Gesellschaft gleich in Form eines Vertrages formulieren zu lassen. Vielleicht sehen Sie die Sache in Ruhe durch, ehe Sie unterschreiben."
In Karola kocht es. Das ist nicht mehr kaufmännisches Verhandeln, das ist gemeiner Mord, bei bem fick ber Mörder nicht einmal mehr Mühe gibt, feine Absicht zu verbergen. Soll man sich das gefallen lassen? — Eine scharfe Antwort will ihr schon über bie Zunge, aber da fühlt sie hägebarths haick. Die sagt ohne Worte: „Sei ftifl!"
hägebarth hat recht. Die Sache ändert fein Auf- bäumen. Es wird alles nur noch schlimmer. Vielleicht ist diese sachliche Art die richtigste, die Meßdorfs hier anwendet.
Sie vertieft sich in das Schriffftück.
Die Bedingungen sind nicht allzu hart. Meßdorff bietet ihr siebenhundertfünfzigtausenb Mark bar unb zweihundertfünfzigtausenb als Aktienpaket ber „Union AG ". Das ist natürlich lächerlich wenig, wenn man an den wahren Wert ber Fabrikanlagen denkt.
Soll die Form des Vertrages, in die Sie Ihre Vorschläge zu kleiden belieben, andeuten, daß jede Verhandlung über bie höhe der Summe aussichts- los ift?"
„Wenn Sie es so hart ausdrücken wollen?" zuckt er die Achseln. „Sie sind sich doch über Ihre Situation im klaren, Fräulein Westner?"
„Das kann Sie nicht interessieren. Ich kann jederzett aufstehen und sagen: Ich will nicht."
„Und wir werden das sogar tun, Herr Meßdorff", fügt hägebarth hinzu, „denn wir sind noch nicht so weit am Ende, wie Sie es denken. Gott fei Dank, unsere technische Abteilung hat noch einige Schlager, die Sie uns nicht nachmachen können."
Mitleidig sieht Meßdorff den Alten an. Er schiebt die große Hornbrille beiseite.
Seine langen schmalen Finger wühlen einen Augenblick zwischen Akten, dann ein scharfer Blick zu der freundlichen jungen Dame — und mit einem Griff hat sie das Gesuchte schon vor ihn hingelegt.
Er beginnt vorzulesen.
„Bericht über bie heutige Konferenz der Leitung ber 'Vereinigten Chemischen Werke'. Die allgemein aussichtslose Lage ber Fabrik konnte burch diese Besprechung, bie von Anfang bis zu Enbe ohne greifbares Ergebnis war, nur noch bestätigt werben. Es hat ben Anschein ..." Meßdorff unterbricht sich unb blickt Karola lächelnd an.
„Muß ich weiter! esen? Sie sehen, ich bin genau unterrichtet (Fortsetzung folgt)


