Ausgabe 
27.9.1938
 
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Nr. 22b (Irftes Blatt

188. Zahrgang

Dienstag, 27. September 1938

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Deutschlands Geduld ist zu Ende.

Wir sind entschlossen, Herr Benesch mag seht wählen!"

imarschall Gorina, Reichsaußenminister ck, Reichsführer jf Himmler, Reichs-

Adolf Hitler während seiner Rede. In der ersten Reihe von links: Reichsminister Dr. G o e b- bels, Reichsminister Rudolf Heß, Generalfeldmarschall Görin - «>«*A**-6-*-**t.v..f*»* von Ribbentrop, Reichsminister Dr. Fric", ..... '

Minister R u st. (Scherl-Bilderdienst, Berlin.)

haben. Hinter den Fahnen marschierten Angehörige des fudetendeutschen Freikorps durch den Mittel- gang in die Halle ein.

Dr. Goebbels als Dolmetsch des deutschen Volkes.

Des Führers Fahrt zum Sportpalast.

Berlin, 26. Sept. (DNB.) Schon Stunden vor Beginn der Kundgebung im Sportpalast bildete der Wilhelmsplatz den Anziehungspunkt für viele tau­sende Männer und Frauen, die auf den Augenblick der Abfahrt des Führers warteten. In dichten Ket­ten umsäumte die Bevölkerung, kleine Hakenkrettz- fähnchen in der Hand, die Straßenfronten, an denen ff» und SA.-Formationen den Absperrdienst versahen. Als Erster verließ Reichsminister Dr. Goebbels, begleitet von den Heilrufen der Menge, das Propagandaministerium Kurz vor 20 Uhr starteten dann die Motorradfahrer mit der gelben Flagge. Die Spannung der Menge erreichte ihren Höhepunkt. Alle Blicke richteten sich auf das Portal der Reichskanzlei, aus dem der Wagen des Führers nunmehr jeden Augenblick in die Wilhelm- straße einbiegen mußte. Orkanartige Begeisterung brach los, als dann der Führer, im Wagen ftehend, und der heilrufenden und fähnchen­schwingenden Menge dankend, zur Leipziger Straße fuhr, um sich zum Sportpalast zu begeben.

Die Halle

Stunden vorher überfüllt.

Wer etwa eine oder zwei Stunden vor dem Be­ginn der Kundgebung den Raum betrat, blieb zu­nächst einmal einen Augenblick atemlos und gebannt stehen, um das Bild und die Stimmung/ die sich ihm darboten, auf sich wirken zu lassen. Tausende und aber Tausende füllten die weit Fläche der Halle, die riesigen Tribünen, die Treppen und Galerien. Ununterbrochen klangen die alten Kampf­lieder der Bewegung. Eindrucksvoll war auch der äußere Rahmen. Mächtige Pylonen, auf denen der Hoheitsadler feine Schwingen breitete, bildeten ne­ben einem gewaltigen goldumrahmten Hakenkreuz­banner den Hintergrund der Ehrentribüne, auf der die Mitglieder der Reichsregierung, die Reichsleiter und andere führende Persönlichkeiten der Partei sowie die Generalität Platz genommen hatten. Links vom Führerpult eine Reihe Männer in schlichtem Grau der Zioilkleidung: d i e Führer der Su- detendeutschen Partei. Ueber der Ehren­tribüne ruft ein mächtiges Spruchband das Gelöbnis in die weite Halle herab:Die Deutschen in der Tschecho-Slowakei sind weder wehrlos, noch find sie verlassen. Das möge man zur Kenntnis nehmen!"

Als die Reichsminifter und die Reichsleiter in der

Halle erschienen, wurden ihnen stürmische Ovationen dargebracht, die beim Eintreffen des Generalfeld- marschalls Göring besonders herzliche Formen annahmen. Der Badenweiler Marsch ertönte und schon brauste ein einziger Iubelschrei: Der Füh­rer hat die Halle betreten! Gefolgt von seinem Stellvertreter, Reichsminifter Rudolf Heß, Reichs­minifter Dr. Goebbels und Reichsführer ff Himm­ler schritt er durch dieses gewaltige Brausen zur Ehrentribüne.

Zwei Fahnen, in Berlin noch unbekannt, wurden dann in den Saal getragen: die Fahnen der Sudetendeutschen Partei, für die gerade in diesen Wochen so viele der Besten unserer sude­tendeutschen Volksgenossen ihr Leben geopfert

Der Reichspropagandaleiter Reichsminifter Dr. Goebbels eröffnete dann die Kundgebung:

Mein Führer! so sagt er: In einer geschichtlichen Stunde, die Europa in atemloser Spannung hält, sprechen Sie zur deutschen Ration und zur ganzen Welt. In dieser schicksalsschweren Stunde ist Ihr Volk einmütig und geschlossen um s i e versammelt. Die jubelnde Begeisterung und die harte Entschlossenheit, mit der Sie hier im Sport­palast empfangen worden sind, erfüllt in dieser Stunde die ganze deutsche Ration. AufIhrVolk können S i e s i ch verlassen, genau so, wie dieses Volk sich auf Sie verläßt. W i e ein Mann steht es geschlossen hinter Ihnen. Keine Bedrohung und kein Druck, sie mögen kommen wo­her auch immer, können Sie, das wissen wir, von Ihrem und unserem unabdingbaren Rechtsanspruch abbringen. In dieser Gesinnung und felsenfesten Überzeugungskraft ist mit Ihnen das ganze deutsche Volk einig. Ost haben wir es in den großen Stunden der Ration gesagt und gelobt Jetzt in der Stunde ernstester Entscheidung wiederholen mir es vor Ihnen aus vollem und starkem Herzen: Führer befiehl, mir folgen! Beifalls­stürme folgen jedem Satz der Ansprache, sie steigern sich zu einem einzigen Iubelschrei, als dann der Führer das Rednerpult betritt.

Der Führer spricht

Deutsche! Volksgenossen und -genossinnen!

Am 20. Februar habe ich vor den deutschen Reichstagsabgeordneten zum erstenmal eine grund­sätzliche Forderung unabdingbarer Art ausgespro­chen. Damals hörte mich die ganze Ration, und sie hat mich verstanden! Ein Staatsmann hat dieses Verständnis nicht aufgebracht. Er ist beseitigt und mein Versprechen von damals ist eingelöst! Zum zweiten Male sprach ich dann vor dem Reichspartei­tag über diese selbe Forderung. Und wieder horte diese Forderung die Ration. Heute trete ich nun vor Sie hin und spreche zum ersten Male vor dem Volk selbst, so wie in unserer großen Kampfzeit, und Sie wissen, was das bedeutet! (Stürmische Sieg-Heil-Rufe.) Es darf nunmehr für die Welt fein Zweifel mehr übrig bleiben: Jetzt, spricht nicht mehr ein Führer ober ein Mann, jetzt spricht das deutsche Volk! (Tosender Beifall der Massen.) Wenn ich jetzt Sprecher dieses deutschen Volkes bin, dann weiß ich: In dieser Sekunde stimmt Wort für Wort das ganze Mil­li o n e n v o l k in meine Worte ein! Bekräftigt sie und macht sie z u seinem eigenen Schwur! (Die Zehntausende jubeln dem Führer stürmisch zu.) Mögen die anderen Staatsmänner sich über­prüfen, ob das auch bei ihnen der Fall ist!

Die Frage, die uns in diesen letzten Monaten und Wochen auf das tiefste bewegt, ist altbekannt: Sie heißt nicht so sehr: Tschecho-Slowakei, sie heißt: Herr Benesch? (Pfui-Rufe.) In diesem Namen vereinigt sich all das, was Millionen Menschen heute bewegt, was sie verzweifeln läßt, ober mit einem fanatischen Entschluß erfüllt. Warum aber konnte diese Frage zu solcher Bedeutung emporsteigen? (Fortsetzung der Führerrede im Jnnern des Blattes.)

Llnfer letztes Wort

In entscheibungsvoller Stunde der Ration tritt der Führer vor sein Volk. Die Berliner, die die alte Kampfstätte der Nationalsozialisten füllen und an den Straßen der Reichshauptstadt dem Führer auf einem Weg zum Sportpalast begeisterte Huldigun­gen barbringen, sind in biejer Stunde bie Reprä- entanten ber ganzen beutschen Nation, die am Rundfunk Zeuge ist bes feierlichen Gelöbnisses zwi­schen Führer und Volk, zusammenzustehen in un- wanbelbarer Treue mag kommen, was kommen mag. Aber auch die ganze Welt hat noch niemals so wie gestern einer Rebe bes Führers gespannt entgegengesehen. Sie weiß nun heute erneut, baß das deutsche Volk hier gesprochen hat. Sie hat es, gern oder widerwillig, zur Kenntnis nehmen müs­sen, daß des Führers Wille seines Volkes Wille ist und seine Forderung die unabdingbare und ein­mütige Forderung einer ganzen Nation von 75 Millionen, die im tiefen Bewußtsein ihrer Verant­wortung wie im selbstbewußten Gefühl ihrer Kraft aus vollem Herzen den Frieden aufrichtig bejaht, weil sie nur im Frieden die gigantischen Aufgaben zu lösen vermag, bie ihr auf allen Lebensgebieten gestellt sind, bie aber im gleichen Bewußtsein ihres moralischen Rechts entschlossen ist, mit allen Mitteln einem Zustand ein Ende zu machen, der für 3V, Millionen Menschen deutschen Bluts vor die Wahl zwischen elender Sklaverei oder sicherer Ausrottung stellt und den ein großes stolzes Volk wie das deut­sche als seiner unwürdige, unerträgliche Schmach empfindet.

Der Führer hat noch einmal bargelegt, baß die deutsche Außenpolitik weltanschaulich festgelegt und bedingt ist durch den einzigen Zweck der Erhaltung und Daseinssicherung des deutschen Volkes und er hat allen denen, die der nationalsozialistischen Außen­politik immer wieder imperialistische Eroberungs­pläne unterstellen, um mit solchen Ammenmärchen in Schrecken und Angst zu setzen, mit Mißtrauen und Argwohn.gegen unser friedliebendes, seiner Arbeit nachgehendes Volk zu erfüllen, mit allem Nachdruck erklärt, daß aus diesem selbstgesteckten außenpolitischen Ziel eine natürliche Begrenzung und Beschränkung folgert, bie wir in den fünf Jah­ren nationalsozialistischen Regimes mehr als ein­mal unter Beweis gestellt haben, obwohl die Welt in ihrer Einstellung zu Deutschland während ber letzten zwanzig Jahre uns wahrhaft Anlaß genug gegeben hat, auf Vergeltung und Rache zu sinnen, statt unfern Versöhnungswillen unb unsere Frie- densbereitschaft zu befunben. Der Führer erinnerte an unsere immer wieberholten Vorschläge zur Be­grenzung ber Rüstungen, zur Abschaffung ber An­griffswaffen, zur Humanisierung ber Kriegführung. Sie alle sind von ben anbern überhaupt nicht dis- futiert ober abgelehnt worden, weil man ber irri­gen Meinung war, Deutschlanb bie Gleichberechti­gung versagen und am Boden halten zu fernen. Erst als alle biese Bemühungen auf starre Ableh­nung gestoßen waren, würbe bie heutige deutsche Wehrmacht geschaffen, bie heute in einer Stärke, wie sie bie Welt noch nie gesehen hat, bas beutsche Land in ihre Obhut genommen hat.

Trotzbem hat ber Führer aus bem tiefen Verant­wortungsgefühl bes Frontfolbaten heraus, ber ben Krieg kennt unb beshalb ben Frieden will, mit zäher Energie alle die Probleme angepackt, die den Keim künftiger Konflikte mit Deutschlands Nach­barn in sich trugen. Das deutsch-polnische Verhältnis wurde auf eine Basis gestellt, die ein friedliches Zusammenleben zweier Völker er­möglicht, zwischen denen schon so etwas wie eine Psychose unabänderlicher Erbfeindschast im Entstehen war. England wurde mit dem Flottenabkommen die Hand gereicht, freilich unter der Voraussetzung, daß beide Völker entschlossen sind, niemals wieder gegeneinander das Schwert zu ziehen, Frank- reich erhielt die feierliche Versicherung, daß nach der Rückkehr des Saarlands kein territoriales Pro­blem mehr uns entzweien könne, und mit dem faschistischen Italien verbindet uns eine unlösbare Freundschaft, ein starker Herzensbund, ber auch in beiben Völkern seine festen Wurzeln geschlagen hat. Der immer roieber aufbraufenbe Beifall ber lau» senbe, bie ben Sportpalast füllten, mögen dem Duce beweisen, wie beglückt das beutsche Volk ist, in ern­ster Stunbe in dem italienischen Imperium einen Freunb zu wissen, her debingunqslos zu ihm steht.

Wenn so bas Deutsche Reich rings um seins Grenzen nirgenbs Anlaß sieht, mit seinen Nach­barn nicht in Frieden unb Freundscha't zu leben, so bleibt als einziges Problem, bas gelöst werben muß unb, wie ber Führer mit allem Ernst erklärte, auch gelöst werben wirb, nach ber Rückgliederung Oesterreichs, bas Schicksal bes Sudeten- l a n b e s. Seine Vereinigung mit bem Reich ist bie letzte territoriale Färber ung, bis Deutschlanb in Europa zu stellen hat. Das ist eine feierliche Versicherung, hinter ber bie g"ize Aitt- richtigkeit bes Nationalsozialisten steht. Die Welt möge sie richtig werten unb aus ihr die ganze Frie- bensbereitschaft bes beutschen Volkes ersehen. Aber bie Welt möge auch überzeugt sein, baß das beutsche Volk entschlossen ist, ber Qual ber Sudetendeutschen ein Ende zu machen. Doller Empörung branb» markte ber Führer Beneschs Terrorregime, bas dis Sudetendeutschen mit brutalem Zynismus vor bie Wahl stelle, entweder zu 93olfsnerräfern ober zu Lan­desverrätern zu werden, und mit nachdrücklichem

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Ein Blick in den bis auf den letzten Platz gefüllten Sportpalas^ Im Mittelgang die Sudeten- deutschen, die zu ber Kunbgebung erschienen unb von den Berlin)

tigenben Jubel begrüßt worden waren, .(Scherl-Bilderdienst, Berlin.)