Reichs st raßen samml ungen.
RM. 1 210 999,83
Eintopfspenden:
Cttcovin-
£ö6in
Blüten.
ten
*
1933/34:
1934/35:
1935/36:
1936/37:
1933/34:
1934/35:
1935/36:
1936/37:
RM. 4 984 183,57 RM. 6 670 363,99 RM. 7 079 254,44 RM. 8 313 939,59
RM. 1 217 248,17
RM. 1 385 195,29
RM. 1 450 147,71
RM. 1 451 300,29
1933/34:
1934/35:
1935/36:
1936/37:
RM.
RM.
RM.
328 367,77
416 796,15
916 252,18
gestrigen Freitagnachmittag ist der 25 Jahre alte Zimmermann Karl Kornmann aus Rüddings- hausen, der hier bei Dach arbeiten beschäftigt war, vom Dache des Hauses abgestürzt. Der bedauernswerte junge Mann schlug dabei so heftig auf die Erde auf, daß der Tod auf der
Aus der engeren Heimat.
Vom Dache tödlich abgestürzt.
Geilshausen (Kreis Gießen), 27.Aug. Am
Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25, gelb 25, Tomaten 18 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 45 bfe 50, Pilze 30 bis 60, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 55 Pf., 50 kg 4 bis 4,25 Mark, Frühäpfel, % kg 40 bis 50, Falläpfel 12 bis 15, Pfirsiche 45 bis 55, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 35 bis 40, Birnen 25 bis 50, Pflaumen 40, Mirabellen 40, junge Hähne 1,10 bis 1,15, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmach- qurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf.
Abgabe der Iührermarke zum Heichsparteitag 4938.
Die von der Deutschen Reichspost zum Reichsparteitag 1938 herausgegebene Sondermarke mit dem B^lde des Führers und die Sonderpostkarte mit demselben Wertstempel, die außerdem auf der linken Hälfte der Anschriftseite am oberen Rande ein Bild der Nürnberger Burg trägt, werden vom 1. September an bei allen Postämtern und Amtsstellen der Deutschen Reichspost abgegeben.
Gießener Wochenmnrktpreife.
* G i e ß e n , 27. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische 12, Weißkraut,
werden.
** Tomate von 450 Gramm Gewicht geerntet. Der Besitzer eines Kleingartens an der Döringstraße konnte gestern eine Tomate ernten, die das außerordentliche Gewicht von 450 Gramm hatte.
** Blühende Magnolien am Stadttheater. Einer der beiden Magnolienbäume am Stadttheater erfreut gegenwärtig die Vorübergehenden mit einigen schönen und kräftig entwickel-
Jn der gestrigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" wurde in einem Artikel „Das unfaßbare Wunder" des f ü n f j ä h r i g e n B e st e h e n s d e s Deutschen Winterhilfswerkes am 28. August gedacht. Dabei wurde mit berechtigtem Stolz heroorgehoben, daß sich das Wort des Führers bewahrheitet hat: „Das Winterhilfswerk ist für uns Nationalsozialisten eine stolze Herzensangelegenheit! Ferner wurde betont, daß bei dem Aufkommen der Spenden kein Jahr einen Rückschlag gebracht hat.
Diese Etappe des Winterhilfswerks ist Anlatz genug, auch in unserer engeren Heimat einmal Ruckschau auf die Leistungen dieses großen, in der ganzen Welt einzigartigen Hilfswerkes einer Volksgemeinschaft zu halten. Neben den gewaltigen Ergebnissen an Geldspenden und Sachleistungen der verschiedensten Art ist es doch auch hier m hervorragendem Maße der Wandel in der Gesinnung, m der Einsatz- und Leistungsbereitschast aller Volksgenossen, der gegenüber der Zeit vor der nationalsozialistischen Revolution seit 1933 in steigendem Maße zutage tritt. Gewiß ist nicht zu übersehen, daß auch schon früher wahrhaft sozialgestnnte Menschen ein warmes Herz für die Not bedrängter Volksgenossen hatten und nach besten Kräften zu helfen bemüht waren. Aber der in umfassender Organisation immer wieder durchgeführte Massenein- satz aller Volksgenossen für dieses Hilfswerk und die unermüdliche Opferbereitschaft aller Schichten m Stadt und Land sind doch erst möglich und zur Tat geworden durch den Geist und die Kraft des Nationalsozialismus, durch die Erziehung zum Gemein s ch a f t s g e d a n k e n , die der Führer durch seine Bewegung dem ganzen deutschen Volke zum Segen der Gesamtheit angedeihen ließ. Diese Erziehung hat es denn auch schon in kurzer Zett zuwege gebracht, daß jedermann den Einsatz für die Arbeit der NSV. und des WHW. als eine Selbstverständlichkeit und als Ehrendienst für die Volksgemeinschaft ansieht. Was vor dem Umbruch von 1933 — sagen wir es offen — den meisten einfach unvorstellbar gewesen wäre, wurde schon bei dem ersten WHW. im Winter 1933/34 zur s e l b lt v e r - st ä n d l i ch e n Tat: Männer aller Schichten und Berufe, der Universitätsprofessor neben dem Stu- denten, der Behördenleiter neben seinen Beamten, der Industrielle Seite an Seite mit den Arbeitern, den Handwerksmeistern und den Angehörigen der
7 6. Geburtstag feiern. Ihr Sohn Karl Schäfer kann übrigens am gleichen Tage seinen 40. Geburtstag feiern.
8 Lang-Göns, 27. Aug. Am 30. August vollendet Frau Anna Elisabeth Euler Wwe., Hund- staatenstraße, ihr 8 4. Lebensjahr, und am 31. August feiert Frau Elisabeth Müer Wwe., Holzheimer Straße, ihren 8 6. Geburtstag. Beide Frauen sind noch recht rüstig, können im Haushalt noch allerlei helfen und nehmen an allen Geschehnissen regen Anteil. Unsere herzlichen Glückwünsche!
Landkreis Gießen.
* Großen-Linden, 27. Aug. Am kommen- den Montag, 29. August, kann unsere Einwohnerin, • die Witwe Elise Schäfer, geb. Kreiker, Obergasse Nr. 1, in geistiger und körperlicher Frische ihren
Die Abschlußzahlen für das Winterhilfswerk 1937/38 liegen bis jetzt noch nicht tor, sie werden aber sicherlich wiederum eine eindruck-^olle Sprache reden.
Aus dem Wirken des WHW.. ist nach eiyem Bildbericht, den die Gauamtsleitung der NSV. im September 1937 herausgegeben hat, noch folgendes hervorzuheben:
Das Sachspendenaufkommen im Gau Hessen-Nassau in den vier Winterhilfsjahren von 1933 bis 1937 belief sich auf RM. 24 636 555,86.
Als Sonderaktion des WHW. am alljährlichen Tag der nationalen Revolution wurden an Gutscheinen zum 30» Januar 1936/37 insgesamt 996 898 Stück zu 60 Pfennig mit einem Geldaufwand von RM. 598138,80 verausgabt.
Die von der HI. und dem DJ. durchgeführten Brotsammlungen brachten folgendes Ergebnis: 1935/36 = 280 658 Brote mit einem Gesamtgewicht von 912138,5 Pfund: 1936/37 — 312 766 Brote mit einem Gesamtgewicht von 1 037 861 Pfund.
Die Kartoffelausgabe in den Winterhilfswerken 1933/36 im Gau. Hessen-Nassau belief sich einschließlich Aufkommen und Käufen auf 572 465 Doppelzentner.
An Weihnachtspaketen wurden in den Winterhilfswerken 1935/36 und 1936/37 insgesamt 285 696 Stück im Werte von 3 247 104,58 Mark verteilt.
Diese Zahlen beweisen überzeugend, daß auch für unsere engere Heimat dus Wort volle Gülttgkeit hat: „Das Winterhilfswerk ist der Ausdruck tatgewordener Volksgemeinschaft." Diese Zahlen zeugen ebenso von dem guten Geist, der auch in unserer engeren Heimat überall lebendig ist und der die Gewißheit gibt, daß das Winterhilfswerk im Dienste unserer Volksgemeinschaft auch in Stadt und Lank des Kreises Wetterau stets opferfreudige Helfer und damit treue Mitarbeiter am Aufbauwerk unseres Führers haben wird. B.
Ueberblicf gestatten. Auch dos Kerckhoff-Jnstitut, das in Personal-Union zur Universität Gießen gehört, ebenso das Balneologische Institut, das überhaupt ein Institut der Landes-Universität darstellt, werden in Modellen und Bildern gezeigt. Bad Salz- Hausen, das als ein Bad der Zukunft angesehen werden darf, ist nicht weniger im Rahmen der Ausstellung und der Gruppe der Bäder berücksichttgt.
Men zeigt
Sau- und viele Kunstdenlmäler.
Die Ausstellung in Frankfurt a. M. gibt durch ihre Gestaltung und Aufgliederung die Möglichkeit zu einer universellen Ueberschau über die Bau- und Kunstdenkmäler aus Vergangenheit und Gegenwart. Es ist selbstverständlich, daß das Land Hessen hier vieles beizusteuern hat und wesentlich mit dazu beiträgt, das Gesicht der Gesamtschau zu beftimmen. Von den einzigartigen Modellen antiker Tempel aus Rom und Achen, die, aus Kork ge° fertigt, nur in zwei Exemplaren vorhanden sind (im Landesmuseum Kassel und im Landesmuseum Darmstadt) bis zum Modell des Neubaues des Forschungsinstituts für Zellulose-Chemie an der Technischen Hochschule zu Darmstadt ist in der Ausstellung ungefähr alles zu sehen, was auf allgemeines Interesse rechnen darf.
Da wird man Pläne, Zeichnungen und Bilder von Klöstern, Schlössern, Kaiserpfalzen, von Kirchen und Domen finden und sich hineinvertiefen können in die künstlerischen Formen, die uns .aus der Vergangenheit überliefert und erhalten geblieben sind. Da begegnen dem Besucher die charakteristischen Dome von Mainz und Worms, die feinen Rathäuser von Lorsch, Heppenheim, Alsfeld und Michelstadt, die Kaiserburgen von Seligenstadt, Ingelheim und Wimpfen, ein herrliches Modell der Katharinenkirche von Oppenheim, und aus der Frühzeit deutscher Geschichte wird man eine germanische Siedlung in ihrem Aufbau studieren können. Darmstadt zeigt ein Modell eines Schloßbaues, der nicht ausgeführt wurde, das aber eine Monumentalität offenbart, die jedem Besucher gesteigerte Aufmerksamkeit abnötigen wird. Auch das Schuhknechtsche Exerzierhaus, das ebenfalls im Modell vorhanden ist, wird viel Interesse finden.
Neben den Baukunstwerken aus früheren Jahrhunderten sind die Neubauten für die Technische Hochschule Darmstadt wiedergegeben, die den schlichten und doch so repräsentativen Baustil der Gegenwart, des neuen Deutschland eindrucksvoll veranschaulichen. Selbstverständlich wird auch das große Darmstädter Sportfeld in Modell und Bildern erscheinen.
Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit wird ein einzigartiges Dokument des deutschen Aufbauwillens im Dritten Reich sein, wie er unter dem Willen des ersten Architekten und Baumeisters Adolf Hitler entfaltet wurde. Sie wird erkennen lassen, welche große Bauaufgaben für die nächste.Zukunft gegeben sein werden, sie wird aber auch Tn großer Rückschau zeigen, auf welch kräftigen Säulen die deutsche Baukunst von der Vergangenheit her ruhen kann.
freien Berufe, kurzum alle nähmen die Sammelbüchse des WHW. in die Hand und gingen damit hinaus auf die Straßen und die Plätze, von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung, um überall die Spendeabzeicken der helfenden Kameradschaft des ganzen deutschen Volkes zu verkaufen und dadurch Geldmittel für die großen Aufgaben des Winterhilfswerks herbeizuschaffen. Bei Wind und Wetter, vom Samstagabend bis tief in die Nacht hinein, vom Sonntagmorgen bis zum Sonntagabend, waren sie unverdrossen mit den Sammelbüchsen unterwegs. Und vielfach erlebte man dabei einen Wettbewerb der Sammler, deren Ehrgeiz darauf gerichtet war, den Betrag in der Sammelbüchse nach bester Möglichkeit bis zur äußersten Grenze zu steigern. Fürwahr: eine vorbildliche Gemeinschaft des Sozialismus d e r T a t, in gleicher Weise ehrenvoll für die Spender, wie auch für die Sammler.
So ging es in jedem Winter, entweder als Sammler von Haus zu Haus, oder auf Straßenplätzen, beim Kassieren vom Eintopfessen oder bei den Sonderaktionen, Kleidersammlung usw., stets stellte sich auch in unserer engeren Heimat die Volksgemeinschaft mit allen Kräften in den Dienst des großen Hilfswerkes und bekundete damit durch die Tat, daß sie sich als O p f e r g e m e i n s ch a f t i m Dienste d e r Volksgesamtheit betrachtete. Die Ergebnisse dieses Gemeinschaftswerkes verdienen denn auch immer wieder vollste Anerkennung.
Für das Winterhilfswerk wurden Im Gau Hessen-Nassau folgende Spenden (uns liegen gegenwärtig die Ergebnisse von 1933 bis 1937 vor) aufgebracht:
Geldspendenaufkommen:
Fünf Jahre WHW. im Gau Hessen-Nassau
Eindrucksvoller Gesinnungswandel. — Bedeutsame Zahlen.
verwenden 5ie auch^umtinmachen
** Probealarm ber Feuersirene. Von der Feuerwache wird am heutigen Samstag zu verschiedenen Zeiten eine neuaufgebaute Feuersirene probeweise in Betrieb gesetzt werden. Es besteht also beim Erjpnen dieser Sirene kein Grund zur Be
unruhigung. r
** Handgeschriebene Absenderan- schristen zu Drucksachenantworten. Nach einem Erlaß des Reichspostministeriums dürfen von jetzt an auch den Drucksachen im Inland Briefumschläge, Streifbänder und Karten für etwaige »(Stelle eintrat.
% kg 8 bis 10 Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben und I Antwortsendungen auch mit handgeschriebener An- X- Kg ö vis iu, junuuu schrift des Absenders der Drucksache beigegeben
TTUztLex
Citrovin Fabrik Frankfurt M.
Zwei hinter Gisela.
ZRomtm von Hans Hirthammer.
Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.
Schluß. Nachdruck verboten.
Mit einer halben Bewegung, fast unbewußt, gab sie sich feiner Umarmung hin. Sein Mund, der sich kaum mehr von dem ihren zu lösen vermochte, wurde ihr zur Offenbarung alles dessen, wonach sie sich gesehnt hatte.
Später standen sie vor dem kleinen Fenster, und während sie über die weite, von Gottes Sonne beschienene Landschaft hinschauten, wußten sie beide, daß sie sich für immer gehörten.
Gisela netzte mit der Zunge ihre Lippen. „Ich hab dich lieb, Peterle!"
Er schloß seine Hand um ihre Finger. „Gisela, du wirst meine Frau werden. Bevor ich dich aber darum bitte, muß ich dir ein Geständnis ablegen. Ich heiße nicht Bürger, sondern mein Name ist Stoll. Wegen irgendeiner dummen, verfahrenen Geschichte ist Vater Kindlmann auf diesen Peter Stoll nicht gut zu sprechen, und Lore Jasper hatte darum den Vorschlag gemacht, mich unter einem anderen Namen bei ihm einzuführen. Nun ist es etwas anderes. Er kennt mich jetzt und wird mir gern glauben, daß jene Vorwürfe nichts weiter find, als die haltlosen Verdächtigungen eines Schurken."
Gisela war sehr blaß geworden. Ihre Augen irrten hilflos in die flimmernde Weite der Landschaft. Um die Mundwinkel grub sich ein bitterer Zug.
Gab es denn kein Glück auf dieser Welt? Warum mußte dieses Erlebnis, kaum daß es begonnen hatte, schon wieder vernichtet und zertreten werden? — Peter Stoll! Jener Mann also, der es auf ihre Erbschaft abgesehen hatte? Jener Mensch, der mit dem jungen Kindlmann befreundet war und von ihm gewisse Andeutungen erhalten haben mochte! Ah, nun erst durchschaute sie das ganze schurkische Spiel. Natürlich wußte er ganz genau, daß sie Gisela Mertens war! Lore Jasper wird es ihm längst erzählt haben, vermutlich war auch sie am Komplott beteiligt. Sie war ja die einzige Vertraute Grützmachers gewesen, und es war anzunehmen, daß sie von dem Testament Kenntnis hatte.
Und nun, da der ursprüngliche Plan nicht geglückt war, hatte mans auf diese Weise versucht! Nicht übel!
Er hatte die Rolle des Liebhabers ttefflich gespielt, dieser Herr Stoll, und sie war brav auf den Schwindel hereingefallen.
Peter betrachtete erschreckt die sähe Verwandlung. „Gisela!" flüsterte er. „Ist es so schlimm? Was hast
du nur?" Er versuchte seine Arme auf ihre Schultern zu legen, aber sie entzog sich ihm mit einer heftigen Bewegung und eilte auf die Leiter zu.
„Gisela!" Wie aus allen Wolken gefallen starrte er ihr nach. Du lieber Gott, was war denn geschehen? War es möglich, daß sein ehrliches Geständnis sie so heftig gekränkt hatte?
Gisela langte ohne Unfall am Fuß der Leiter an, und eine Zeit später sah Peter, wie sie drunten den Hof überquerte.
Nicht ein einziges Mal blickte sie zu ihm empor.
39.
Als der Notar in dem Eintretenden seinen Sohn erkannte, verzog er mißmutig das Gesicht und beugte sich wieder über seine Arbeit.
Toni verkniff ein Lächeln. Er warf sich in den Sessel, der dem Schreibtisch des Vaters gegenüber» stand und prüfte sorgfältig feine Fingernägel.
Es dauerte eine geraume Zeit, bis er endlich den Kopf hob. ,L>u scheinst dich gar nicht zu wundern, daß ich schon wieder in Breslau bin!" .
„Man gewöhnt sich allmählich daran!" sagte der Notar nebenhin, ohne von dem dicken Aktenbündel aufzusehen, mit dessen Studium er gerade beschäftigt war.
„Ein erfreuliches Zugeständnis! Ich war schon darauf gefaßt, daß du mich wieder Hinauswersen würdest ft'
„Da solche Maßnahmen zwecklos sind, wie deine Anwesenheit beweist, so erspare ich mir's, sie zu wiederholen. Immerhin kannst du mir bei Gelegenheit sagen, was du mir wieder für Ueberraschungen zugedacht hast!"
„Ich wollte nur hören, wie du über diesen Mord denkst. Oder solltest du gar nichts davon gelesen haben?"
„Was für ein Mord?"
„Frau Kretschmar ist ermordet worden, die Wirtin von Gisela Mertens."
Nun hatte er den Vater doch so weit, daß er seine Akten beiseiteschob. „Die Wirtin von Gisela Mertens? Ein merkwürdiger Zufall, aber doch wohl nicht mehr, ein Raubmord?"
„Nein, der Täter wollte sich einer Mitwisserin entledigen, die gefährlich zu werden drohte. Leider bin ich es, der an dem Tod der armen Frau gewissermaßen die Schuld trägt. Oder auch du!"
„Ich? Was soll das heißen?"
^awohl, du, lieber Vater! Wenn du meinen V.ldacht ernst genommen hättest, dann hätte diese Katastrophe vermieden werden können, und Radegast hätte nicht als Mörder zu enden brauchen."
Der Notar sprang vom Sessel hoch. Sein Gesicht zeigte eine fahle Blässe. „Radegast —?"
„Ja, es ist zu Ende mit ihm. In dem Augenblick, als er wegen des Mordes an Frau Kretschmar ver
haftet werden sollte, jagte er sich ein, Kugel durch den Kopf."
„Also — also doch Radegast!" Er ließ sich mit einem unterdrückten Stöhnen in den Stuhl zurück- sallen. „Da hab' ich dir demnach — bitter unrecht getan!"
„Laß nur gut sein, Vater, es geschah ja schließlich im guten Glauben!"
Und dann berichtete Toni, wie sich alles zugetragen hatte, angefangen von Radegasts (Eintreffen in Berlin bis zu seinem Ende. „Man hat bei der Durchsuchung seiner Koffer eine von ihm angefertigte Abschrift jenes Testaments gefunden. Außerdem entdeckte man verschiedene Aufzeichnungen, die ebenfalls aus deinen Akten stammen und sich auf eine gewisse Dorothea Malick beziehen."
„Ach!" rief der Notar verblüfft. „Das ist dieser Prozeß wegen der schwindelhaften Grundstückskäufe. Nun begreife ich, wie es möglich war, daß die Frau unser Beweismaterial so geschickt zu entkräften wußte. Sie war also über die Schritte meiner Mandanten unterrichtet worden!"
„Von Radegast, der dafür als Gegenleistung die Mittel erhielt, um seine Rolle als vermögender Heiratskandidat überzeugend spielen zu können. Frau Malick ist inzwischen verhaftet worden, samt ihrem Freund, einem gewissen Kagereit. Das Pärchen scheint allerlei auf dem Kerbholz zu haben."
Vater Kindlmann atmete auf. „Gott sei Dank, dann besteht ja begründete Aussicht, daß meine Mandanten endlich zu ihrem Recht kommen!"
„Schön! Aber nun zum eigentlichen Zweck meines Besuches. Fräulein Jasper hat mich und — meine Braut in einem Eilbrief gebeten, daß wir sofort kommen und ihr helfen sollten, die Sache zwischen Fräulein Mertens und Peter Stoll in Ordnung zu bringen. Es scheinen sich da allerhand Mißverständnisse eingeschlichen zu haben."
„Peter Stoll?" wunderte sich der Notar. „Ah, nun geht mir ein Licht auf. Das ist also der junge Mann, der sich bei Lore Jasper einquartiert hat? Hm, ich muß gestehen, daß ich einen ganz angenehmen Eindruck von ihm gewonnen yabe. Zum anderen sehe ich ein, daß unsere Gisela Mertens einen Mann braucht. — Liebt sie ihn denn?"
„Alle Anzeichen scheinen darauf hinzuweisen. Aber nun hat er ihr seinen Namen verraten, denn er wußte doch nicht, daß sie jene Gisela Mertens ist, in deren Herzen Peter Stoll immer noch al^ Bösewicht herumspukt, dank der von Radegast ein- gefädelten Intrigen."
Der Notar kniff ein Auge zu. „Und er weiß wirklich nicht, daß sein Mädel die Erbin von Lauterbrunn ist?"
„Mein Wort, Vater! Stoll hat nicht die geringste Ahnung davon. Er liebt Gisela Werner und hält sie für irgendeine kleine Büroangestellte."
„Da hat sich ja ein schönes Durcheinander zu
sammengebraut! — Und ich soll nun, wenn ich dich recht verstehe, die Finger in diesen heißen Brei stecken?"
„Heli wird dir dabei helfen! Darf ich sie dir vor- stellen? Ich habe sie mitgebracht. Sie sitzt draußen bei der Mutter. Die zwei haben sich bereits ange- freunbet."
Der Notar fluchte ingrimmig. „Herein mit ihr! Wenn sie schon hier ist, dann kann ich sie mir ja einmal ansehen."
„Na eben!" stimmte Toni zu und sprang zur Tür, um Heli zu rufen.
Als ein wenig später das Mädchen ihrem zukünftigen Schwiegervater die Hand entgegenstreckte, war keine Spur von Befangenheit an ihr festzustellen. „So also sehen Sie aus?" lächelte sie. „Ich habe Sie mir viel schlimmer vorgestellt!"
Der Notar mußte sich vor solchem Freimut endgültig geschlagen geben. „Wirklich?" polterte er. „Der Bengel muß ja ein nettes Konterfei von mir entworfen haben. — Ich kann Ihnen jedenfalls meine Bewunderung nicht versagen, daß Sie es mit meinem Jungen aufnehmen wollen. Für mich ist er längst ein hoffnungsloser Fall!"
„Ich glaube, Sie waren zu wenig streng mit ihm. Die Jugend von heute braucht eine straffe Führung!"
„Ha, ha!" lachte Kindlmann. „Aus dieser Richtung weht der Wind. Na, da will ich denn mal im Keller Umschau halten, ob wir für hellte abend einen ay- ständigen Tropfen haben, um das Ereignis nach guter, alter Sitte zu begießen."
Heli wollte eine Antwort geben, aber in diesem Augenblick wurde Gisela gemeldet.
40.
Volle zwei Tage hatte es Gisela ausgehalten und hatte mit allen Kräften versucht, den geliebten Mann zu vergessen. Aber je mehr sie sich bemühte, mit ihren Sinnen zu Walter Radegast zurückzu- finden, desto deutlicher fühlte sie, daß es nach dem Geschehnis im Turmzimmer keinen Weg mehr zu ihm gab. Peters Küsse, seine Umarmungen hatten sie sehend gemacht. Sollte Radegast von ihr denken, was er wollte: niemals würde sie feine Frau werden können.
Sie hatte es ihm geschrieben, hatte ihm den Der- lobungsring zurückgesandt, und als sie den Brief zur Post gegeben hatte, war ihr etwas leichter ums Herz geworden.
Und sie hatte sich in die Arbeit gestürzt, hatte angepackt, wo es etwas anzupacken gab. Sie kam zu Frau Schmidt und wollte sich in der Milchwirtschaft unterweisen lassen. Sie tauchte in der Küche auf und stürzte die Köchin, die sich in ihrem Machtbereich bedroht sah, in die heftigsten Erschütterungen. Sie wagte sich sogar in die Ställe, um den Viehmägden ihre Arbeit abzugucken.
Aber alle diese Unternehmungen, so leidenschaft-


