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kreis Friedberg.

-Münzenberg, 27. Aug. Am morgigen Sonn- taq kann Frau Margarethe S a m e s , geb. Walter (Junkermühle), ihren 8 2. Geburtstag feiern. (Unseren Glückwunsch!)

Kreis Alsfeld.

Deckenbach , 27. Aug. Der alte st e Ein - w o h n e r unserer Gemeinde, Ludwig Scholl l!., kann am kommenden Dienstag, 30. August, im Kreise von .zwei Kindern, zwei Enkeln und vier Urenkeln seinen 9 3. Geburtstag feiern. Die.Lebens­gefährtin des hochbetagten Mannes weilt nicht mehr unter den Lebenden. Ludwig Scholl II. Durfte wohl einer der ältesten Einwohner des Kreises sein.

Feuer in einer

Wormser Ho'zwarenfabrik.

Lvd Worms, 26. Aug. Eisenbahnbeamte der Station Worms-Brücke bemerkten in der Spezial- sabrik für Schuleinrichtungen und Raumsparmöbel von Hermann Rauch jr. einen Feuerschein. Die von ihnen herbeigerufene Feuerwehr fand zwei Holzwände im Fabrikgebäude teilweise bren­nend vor. Auch fertige Möbelstücke waren dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Brand scheint von der Spritzanlage ausgegangen zu sein, in der Zellu­loselacke aufbewahrt werden. Der Betrieb der Fa­brik ist nicht gestört und wird im bisherigen Um­fang weitergeführt.

Sieben Lahre Zuchthaus wegen versuchten Kind-smordes.

LPD. Mainz, 26. Aug. Das Schwurgericht hatte sich in dieser Woche mit der scheußlichen Tat einer Mutter zu befassen. Die 25jährige Ehefrau

'Zinna Katharina H. aus Worms war angeklagt, am 19. April d. I. mit Dorsatz und Ueberlegung versucht zu haben, ihr dreijähriges Töchterchen Marianne ums Leben zu bringen, indem sie dem Kinde einen Schal um den Hals legte und diesen verknotete. Als sich die Kleine instinktiv wehrte, hielt die entmenschte Mutter dem Kind so lange den Mund zu, bis es sich nicht mehr regte. Durch den Hausverchalter wurde die Tat vorzeitig ent­deckt und das unglückliche Kind vor dem sicheren Tode gerettet.

In dreitägiger Verhandlung kam das Gericht zu der Erkenntnis, daß die Angeklagte schuldig s e i. Sie wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Zuchthaus und fünf Jah­ren Ehrverlust verurteilt. Da sie geständig war, wurden ihr vier Monate Untersuchungshaft 'in An­rechnung gebracht. Wegen der Gemeingefährlichkeit der Verurteilten ist nach ihrer Enthaftung aus Gründen der öffentlichen Sicherheit ihre Unter­bringung in einer Heil- und Pflegeanstalt erforder­lich. Rach dem Urteil des medizinischen Sachver­ständigen ist die Angeklagte infolge angeborenen Schwachsinns vermindert zurechnungs­fähig, so daß der § 51, Absatz 2, in Anwendung kam.

Rach dem Urteil kommen die Gründe, die die Angeklagte für ihre Tat anführte, nämlich schlechte Behandlung durch ihren Ehemann, nicht in Be­tracht. Der Ehemann hat sie weder bedroht noch mißhandelt und nur dann mit ihr gescholten, als ihre eheliche Untreue feststand und weil die Frau ihr Töchterchen Marianne schlecht behandelte. Der Ehemann sagte auch noch während der Verhandluna zu Gunsten der Frau aus. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß die Angeklagte die Tat lediglich aus Egoismus heraus habe vollbringen

25 Lahre Gießener Hütte.

Jubiläumsfeier in 2200 Meter Höhe.

Dick wie Watte lag am Morgen des 21. August der Rebel um die festlich geschmückte Gießener Hütte. Kaum 5 Meter drang der Blick in die feste weiße Masse. Seit 25 Jähren wurde das schmucke Häuschen jährlich Hunderten von Bergsteigern zum Stützpunkt für ihre Touren, und oftmals bot es ihnen Schutz vor Regen, Schnee und Sturm. Viele bekannte und berühmte Namen findet man, wenn man die Seiten des Hüttenbuches zurückblättert, und manchen Eintrag des Labes über gasttiche Aus­nahme und Bewirtung.

Und so waren auch jetzt aus nah und fern viele Freunde dieses schönen Fleckchens Erde herbeigeeilt, um den Tag des 25jährigen Bestehens der Gießener Hütte festlich zu begehen. Vor allem waren es namentlich viele Gießener, die teilweise schon einige Tage vorher eingetroffen waren und die umliegenden Gipfel, wie Hochalm- spitze, Säuleck, .Schneewinkelspitze, bei herrlichem Wetter bestiegen hatten. Viele Alpenoereinszweige aus den Nachbargebieten hatten Vertreter gesandt. Auch die einheimische Bevölkerung aus Gmünd und Malta war mit ihrem Zweigführer, Pg. M e i ß n i tz e r, erschienen. Da dicke '.Regentropfen den Nebel des Morgens abgelöst hatten, versam­melten sich die Festteilnehmer im gemütlichen Gast­raum der Hütte.

Der Führer des Zweiges Gießen-Oberhessen, Pg. Wrede, begrüßte die Erschienenen. Er wies in feiner Ansprache auf die großen politischen Ereig­nisse hin, die seit der Einweihung der Hütte ein­getreten waren, und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß durch den Anschluß Oesterreichs an Deutschland jetzt die Hütte auf deutschem Boden steht. Seine Ansprache klang mit einem Sieg-Heil!" auf den Führer aus.

Notar Dr. Spohr gab dann einen U berblick über die Entstehung und Entwicklung dcr Hütte, wobei er besonders die Verdienste, die sich der Ehrenvorsitzende des Zweigvereins Gießen-Ober­hessen, Professor Hedderich, sowie die Herren Sauer, Meyer, Kohlrnayr imd Frido

Kordon erworben hatten, würdigte. Er betonte die harmonische Zusammenarbeit mit der Sektion Gmünd, die unter Führung von Frido Kordon vor 25 Jahren den Weg zur Gießener Hütte gebaut hatte. Auch der Li e fei, die seit 16 Jahren Hütten­pächterin ist, spendete er Lob und Anerkennung für ihre Tätigkeit, die besonders in der Zeit der In­flation und Grenzsperre keine leichte war.

Pg. Meißnitzer überbrachte die Glüawünsche des Zweiges Gmünd und der anderen vertretenen Zweige, während Oberlehrer Schmid im Namen der Bevölkerung des Maltatales gratulierte.

Der bekannte Bergsteiger und Erschließer der Ost­alpen Frido Kordon in Graz wurde zum Ehren­mitglied des Zweiges ernannt. Er war es, der zuerst auf die Schönheiten des Gebietes um die Hochalm­spitze hinwies und den Bau einer Hütte im Gößbichl vorschlug. Mit Rat und Tat stand er stets den Gie­ßenern beim Bau der Hütte zur Seite und warb durch Wort und Schrift für ihren Besuch.

Pg. Wrede schloß die kleine Feier mit folgenden Worten:Wir wollen weiter bauen an dem Werke, das vor 25 Jahren mit Idealismus, Begeisterung und Opfersinn geschaffen und später weitergeführt wurde. Wir wollen fernerhin die Liebe zu unseren herrlichen Bergen pflegen und in aller Zukunft treue Hüter des alpinen Gedankens sein. Möge die Gießener Hütte zur Erreichung dieses Zieles auch weiterhin beitragen."

Anschließend war ein gemeinsames Mittagessen im Gastraum der Hütte. Inzwischen hatte sich das Wetter aufgeklärt und die schneebedeckten Gipfel grüßten die absteigenden Festgäste.

Unten im Tal trafen sich am Abend die Gmündner und Gießener zu einem kameradschaftlichen Beisam­mensein im Gasthof Hofinger. Der Vorsitzende des Zweigvereins Gmünd, Pa. Meißnitzer, be­grüßte die Erschienenen. Ortsgruppenleiter Pg. genfer und Bürgermeister Kotziann über­brachten Glückwünsche von Partei und Stadtge­meinde Gmünd. Sie schilderten die Leiden der Bevölkerung in den langen Jahren des Kampfes

und der Verfolgung. Besonders die Bewohner des Liesertales waren es, die sich am eifrigsten an den Kämpfen des Jahres 1934 beteiligt hatten und da­her ganz besonders die Unterdrückungsmaßnahmen des Schuschniggsystems zu spüren bekamen.

Pg. Wrede dankte den Gmündern für den herz­lichen Empfang. Indem er'auf die freundschaftlichen Beziehungen hinwies, die seit Erreichung der Hütte zwischen den Gmündern und den Gießenern bestehen, bat er sie, diese langjährige Freundschaft dadurch zu befestigen, daß auch einmal die Gmündner Gießen und seine Umgebung besuchen.

Um der borfierm Bevölkerung einmal ein Bill» unserer Gegend zu machen, wurden Lichtbilder van der engeren und weiteren Umgebung von Gießen gezeigt.

Die fröhlichen Klänge der Musik leiteten zum hei- feren Teil des Abends übet. Schöne alte Kärntner Lieder, vorgetragen unter Leitung von Oberlehrer Schmid aus Malta, wechselten mit den heiteren Liedern vom Rhein. Und bald drehte sich alles, Kärntner und Hessen, im frohen Rund des Tanzes. Früh am Morgen war es, als das kleine Berg- ttädtchen wieder zur Ruhe kam.

Wirtschaft.

Fwd. Andienungspflicht für Futter- getreide in Hessen-Nassau aufgeho­ben. Der Vorsitzende des Getreidewirtschaftsoer­bandes Hessen-Nassau ordnet mit Zustimmung des Vorsitzenden der HV. der deutschen Getreide- und Futtermittelwirtschaft an, daß Lieferungen von Futtergetreide vorn Erzeuger an einen Verteiler innerhalb des Getreidewirtschaftsverbandes Hessen- Nassau von der Andienungspfticht ausgenommen sind. Weiter entfällt die Andienungspflicht für Ver­käufe und Lieferungen von Futtergetreide von einem Verteiler an einen Verbraucher, sofern die gelieferte Menge 500 Kilogramm nicht übersteigt. Dagegen bleibt die Andienungspfticht gemäß Ziffer 8 Abs. 1 der Anordnung der HVDGuF. vom 1. Juli 1938 bestehen.

Mein-Mainische Börse.

rNittagsbörse abbröckelnd.

Frankfurt a. M., 26. Aug. Die Börse ver­harrte in fast völliger Geschäftsstille. Die Umsätze am Aktienmarkt kamen meist über Mindestbe­träge nicht hinaus. Bei der Enge der Märkte war die Kursentwicklung wieder stark vom Zufall ab­hängig. Es zeigte sich indessen heute eher Abgabe­neigung, während Käufe nur ganz vereinzelt er­folgten. Infolgedessen bröckelten die Kurse vorwie­gend um Bruchteile eines Prozentes ab, insbeson­dere im Verlaufe, wo die Schrumpfung des Ge­schäfts noch Fortschritte machte. Soweit anfangs etwas höhere Kurse Vorlagen, gingen sie später meist auf den Vortagsstand, teilweise auch darunter, zurück. Etwas stärkere Rückgänge hatten Feldmühle Papier mit 121,50 (124,25), AEG. mit 105,25 (106,75) und Bemberg mit 120,25 bis 119,50 (121). IG.-Farben ließen auf 144,50 (145,13), Vereinigte Stahl auf 98 (98,50), Rheinstahl auf 127 (127,50), Gesfürel auf 124,50 (125,50), dement Heidelberg auf 147,25 (148), BMW. auf 141,50 (142,25) und Deutsche Erdöl auf 117,50 (118) nach. Etwas fester lagen Daimler mit 124,75 (124), Mannesmann mit 101,25 (100,75) und Conti Gummi mit 188,50.

Am Rentenmarkt waren Reichsaltbesitz bei kleiner Nachfrage auf 129,75 (129,55) und Reichs­bahn-VA. auf 122,40 (122,25) erhöht, hingegen er­mäßigten sich Kammunal-Umschuldung um 10 Pf. auf 94,30. Industrie-Obligationen waren leicht an­geboten und vorwiegend 0,25 bis 0,50 v. H. schwä­cher. Der Pfandbriefmarkt lag ruhig und unver­ändert, ebenso die meisten Stadtanleihen. Von Reichstiteln stellten sich 4 o. H. 1934er auf 99,50 (99,40). Im übrigen war das Geschäft in festver­zinslichen Werten ebenfalls äußerst gering.

In der zweiten Börsenstunde stockte am A k - ti en mar ft das Geschäft, der bevorstehende Ul­timo machte sich dabei ebenso wie der anhaltende Ordermangel bemerkbar. Im gryßen und ganzen wiesen die Kurse keine nennenswerten Abweichun­gen auf, wenngleich mäßige Rückgänge, insbeson­dere gegenüber dem Vortag, überwogen. IG.-Far­ben 144,25 nach 144,50, Daimler 124 nach 124,75, Mannesmann 100,90 nach 101,25, Reichsbank 179 bis 178,75 (180), ferner waren von später notierten Werten Metallgesellschaft auf 119,75 (121), Aschaf­fenburger Zellstoff auf 112,50 (114), Scheideanstalt auf 203 (204,25) und u. a. Demag auf 136,50 bis 135,50 (138) rückgängig, hingegen notierten Rhein. Braunkohlen nach Pause höher mit 199 bis 200,50 (198,25). Am Einheitsmarkt lagen Bankaktien teil­weise niedriger und von Jndustriewerten wurden

Pfälz. Mühlenwerke nach Minus-Ankündigung mit 135 bis 140 (zuletzt 145 notiert) geschätzt.

Abendbörse ruhig.

An der Abendbörse blieb es auf allen Marktge­bieten äußerst ruhig, da die Kundschaft in der Auftragserteilung zurückhaltend blieb. Die wenigen, meist ohne Umsatz zur Notiz gekommenen Papiere zeigten nur geringe Veränderungen, wobei aber in Angleichung an den niedrigeren Berliner Schluß-

Wie steht es mit Ihren Augen ?--Sehschärfe

und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern, sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber.

xjF der Optiker am Bahnhof

63?i> j.eferant auch Ihrer Krankenkasse!

stand noch leichte Abbröcklungen überwogen. U. a. notierten IG.-Farben mit 144 (144,13), Scheide­anstalt mit 202,50 (203), Metallgesellschaft mit 119,50 (119,75), von Montanwerten Buderus mit 104 (104,50), Deutsche Erdöl mit 117 (117,50), aber Verein. Stahl uno. 98, Rheinstahl uno. 127, Hoesch unv. 103,75 und Mannesmann mit 100,75 (100,90), ferner Gesfürel mit 124 (124,50), RWE. mit 114 (114,13), Bekula uno. 143,50. Von Maschinenaktien stellten sich Adlerwerke auf 100,25 (100,50), Demag auf 135,25 (135,50), Moenus auf unv. 120,50, MAN. auf unv. 121 und Rheinmetall auf 120,50 (121). Am Rentenmarkt ermäßigten sich 5 o. H. Gelsenkirchen Berg auf 100,35 (100,65) und im Freiverkehr Kommunal-Umschuldung auf 94,25 (94,30), während Farden-Bonds zum Mittagskurs von 121 gefragt wurden.

Aus aller Welt.

Musikinstrumenke aus neuem Werkstoff auf der Leipziger Wesse.

Die Schaffung neuer deutscher Werk­st o f f e hat auch auf dem Gebiet des Musikin­strumentenbaues unvorhergesehene Entwick­lungsmöglichkeiten mit sich gebracht. Die diesjährige Leipziger Herbstmesse bietet Gelegenheit, dies an eindrucksvollen Beispielen zu verfolgen. Um einige Scr bereits erreichten Ergebnisse auch praktisch un­ter Beweis zu stellen, findet am 29. August in der Alten Handelsbörse in Leipzig ein Musikabend un­ter dem Motto Hausmusik mit allerlei Instrumen­ten" statt. In diesem Konzert gelangen durch Leip- ziger Künstler verschiedene Instrumente aus neuem Werkstoff (Plexiglas) zur Vorführung. .

Feuertod

dreier Kinder in jugoslawischem Bauernhaus.

In dem Dorfe Bogomol auf der Adriainsel Hvar brannte ein Bauernhaus nieder, während die kleinen drei Kinder der darin wohnenden Familie P l a w s ch i t s ch schliefen und die Eltern auf dem Felde arbeiteten. Deutsche Reisende, die sich zur Zeit dort aufhalten, holten aus dem brennenden Hause das älteste Kind heraus, das aber nach vier Stunden an Rauchvergiftung ft a r b. Die beiden kleinen Kin­der konnten nicht gerettet werden. Man vermutet, daß durch Funkenflug aus dem Herdfeuer, das nicht gelöscht worden war, das Unglück entstand.

lich sie anaeparft wurden, führten über kurz oder lang zu offensichtlichen Mißerfolgen.

Mutter Schmidt zeigte ihr den Garten, dessen Pflege feit langem vernachlässigt worden war. Gisela begann sogleich mit großem Eifer das Un­kraut zu jäten, die Blumenbeete zu harken aber es konnte geschehen, daß ihr mittendrin der Kopf niedersank in einem schreckhaften Bewußtwerden ihrer Verlassenheit.

Und nun war der Brief an Radegast nach Lauter­brunn zurückgekommen mit dem Vermerk:Adressat verstorben."

Gisela war fassungslos, bestürzt, aber so sehr sie aus ihr Inneres horchte nichts regte sich, was einem Schmerz oder einem Mitleid gleichgekommen wäre.

Statt dessen geschah es, daß diese Nachricht sie gegen Peter Stoll auf eine merkwürdige Weise ver­söhnlich ftimmte; gleichsam als sei mit dem Tod des Anklägers die Schuld des Angeklagten gesühnt worden.

Warum eigentlich hatte sie sich über diese Dinge nicht mit Notar Kindlmann ausgesprochen? Er war ihr ein väterlicher Freund, sicher würde er ihr auch hierin zu raten vermögen. Er hatte doch Radegast gut gekannt, und er wußte von dem Vorwurf, der gegen Peter Stoll und seine Schwester erhoben war.

Ja, Kindlmann, ihm durfte sie vertrauen, ihm durfte sie ihre Not gestehen! Und so groß war die Sehnsucht nach Hilfe und Zuspruch, daß sie noch in der gleichen Stunde nach Breslau fuhr.

Mit einem frohen, gläubigen Lächeln betrat sie Kindlmanns 'Büro und prallte im nächsten Augenblick entsetzt zurück. Diese junge Dame war das nicht Heli Stoll? Seine Schwester? Alles andere hätte sie eher erwartet als dieses Zusammen­treffen.

Bleiben Sie ruhig hier!" rief der Notar, als Gisela sich mit einer verlegenen Entschuldigung zurückziehen wollte.Sie kennen doch Fräulein Stoll, nicht wahr?"

Gisela blickte mit dem Ausdruck höchsten Staunens auf den Sprechenden. Wußte er denn nicht, welche Rolle Fräulein Stoll gespielt hatte?

Die junge Dame ist meine zukünftige Schwieger­tochter!" fuhr der Notar lächelnd fort.Und das ist mein Sohn Toni, ein ausgesprochener Taugenichts; ich habe aber die Ueberzeugung gewonnen, daß ihm seine Braut die Flausen austreiben und doch noch was halbwegs Brauchbares aus ihm machen wird."

In Giselas Kopf jagten die Gedanken. Wenn Kindlmann keine Bedenken hatte, Heli als feine Schwiegertochter anzuerkennen, dann dann konn­ten doch jene Beschuldigungen gar nicht auf Wahr­heit beruhen? Dann war ja auch Peter---?

Der Notar mochte ihre Gedanken erraten haben. Er lud sie mit einer Handbewegung zum Sitzen

ein.Es trifft sich gut, daß sie gekommen sind und mir so die Fahrt nach Lauterbrunn erspart haben. Ich bin Ihnen nämlich einige Aufklärungen schuldig. Hört mal, ihr beiden, ich glaube, die Mutter hat euch eben gerufen. Wahrscheinlich veracht sie vor Sehnsucht, euch beide an ihr Herz zu drücken. Wollt ihr der Guten nicht eine Weile Gesellschaft leisten?"

Die beiden verstanden den Wink und verließen das Zimmer.

Der Notar faßte nach Giselas Hand.Sie wissen, liebes Kind, daß ich es bisher peinlich vermieden habe, mich in ihre privaten Angelegenheiten zu mischen. Ich hielt mich nicht für berechtigt, an Dinge zu rühren, die nur Sie selbst angehen, und habe auch Fräulein Jasper gebeten, dieses Thema nicht zu berühren, wenn Sie nicht selbst davon an­fangen würden."

Gisela senkte den Kopf.Sie meinen meine Verlobung mit Radegast?"

Ganz richtig! Da Sie mich nicht nach meiner Ansicht fragten, hatte ich kein Recht, mich darüber zu äußern. Nun aber sind Ereignisse eingetreten, die mich veranlassen, meine Haltung zu ändern."

Ja, ich weiß, Radegast ist gestorben."

Er hat Selbstmord verübt. Das wußten Sie noch nicht?"

Sie wußte vieles nicht, aber im Verlauf der nächsten halben Stunde erfuhr sie alles. Mit Ent­setzen hörte sie von der Ermordung der armen Frau Kretschmar, mit hellem Grauen sah sie in Walter Radegast das Bild eines kaltblütigen Schurken ge­zeichnet und vernahm endlich mit immer heftiger klopfendem Herzen die Ehrenrettung von Peter Stoll und seiner Schwester. Sie erfuhr die seltsame Geschichte seiner Liebe zu einer Unbekannten, deren Bild er gesehen, deren Brief er gelesen hatte.

Unser Verdacht war unbegründet!" schloß der Notar.Denn er weiß ja heute noch nicht, daß Sie Lauterbrunn geerbt haben!"

Gisela hatte seinen Worten mit einer fast gierigen Aufmerksamkeit gelauscht. Nun hob sie zögernd, müde die Hand.Und doch hat er die Gisela Mer­tens vergessen, als er die Gisela Werner kennen­lernte!"

Ach Sie Kind!" lächelte der Notar.Mußte er denn nicht jede Hoffnung aufgeben, das Mädchen noch zu gewinnen, das einen anderen erwählt hatte? Und als er dann Gisela Werner sah, jenes Mädel, das dem Bild der Geliebten so auffallend ähnelte du lieber Gott, da war es doch selbst­verständlich, daß er dieser anderen mit aller Leiden­schaft seines Herzens verfiel! Ich kann darin keine Untreue finden, höchstens eine Bestätigung seiner Gefühle für die Eine, Einzige, nach der er sich sehnte."

Als Kindlmann nach diesen Worten aufblickte, sah er, daß Gisela weinte. Da stand er auf, strich mit einer etwas ungelenken Zärtlichkeit über ihre Schultern und verließ das Zimmer.

Nach einer Weile kam Heli herein. Mit einer schwesterlichen Bewegung umschlang sie die Weinende.Gisela! Ich bin so glücklich, daß du ihn lieb hast! Sieh, Lore Jasper hat uns geritten, weil sie sich keinen Rat mehr mußte, wie der Ver­zweifelte zur Vernunft zu bringen wäre. Wir wollen jetzt nach Hengersdorf hinausfahren! Willst du nicht mitkommen, Gisela, und uns helfen?"

Ach Heli, ich ich schäme mich! Diese Geschichte mit Radegast---!"

Aber Kind, das ist doch jetzt alles vorbei! Du darfst nicht mehr an die Vergangenheit denken. Mein Bruder, der arme Junge komm, wir wollen ihn Überraschen!"

Eine Stunde später hielt das Auto vor dem Hause in Hengersdorf. Aber es stellte sich heraus, daß Peter Stoll nicht anwesend war.

Lore Jasper begrüßte die Besucher mit einer Be­geisterung, die deutlich genug verriet, wie sehn­süchtig sie einen Beistand erwartete. Sie berichtete, welche Not sie mit Peter hatte.Er spricht kaum mit mir. Er geht mir aus dem Wege, treibt sich tagelang draußen herum!"

Gisela warf mit einer heftigen Gebärde den Kopf zurück.Sie wissen nicht, wo er jetzt sein könnte? Ich möchte ihn suchen!"

Vielleicht droben im Lauterbrunner Wald! Ich sah ihn gestern abend aus dieser Richtung nach Hause kommen!"

Und Gisela machte sich auf den Weg, mit festen, zielbewußten Schritten. Alle Bedenken, alle Zweifel waren versunken. Willig, mit der Demut des Stolzes, folgte sie dem Befehl ihres Herzens.

Nach einer Zeit bog ein schmaler Seitenpfad von der Landstraße ab. Den schlug sie ein. Er führte zu einem Bach und weiter an seinem Ufer hin bis hinauf zum Walde.

Ihr Gefühl sagte ihr, daß sie ihn dort finden würde, an der Stelle, an der sie mitsammen Erd­beeren gesucht hatten.

Sie wanderte dahin, ohne Unruhe, ohne Hast, sieghaft in der Kraft ihres jungen Lebens.

Plötzlich entdeckten ihre spähenden Augen Peters Gestalt weit droben am Waldrand. Er stand gegen einen Baum gelehnt und schien in tiefes Grübeln versunken.

Da tat Gisela einen tiefen Atemzug und setzte sich in Trab. Sie lief, was die jungen Beine her­gaben, sprang über Löcher und Gräben, jagte über eine langgestreckte Wiese hin, in einem einzigen Rausch des Glückes, in einem kindlichen Uebermut.

Als Peter Stott das laufende Mädchen entdeckte, glaubte er, das Herz müsse chm stillstehen vor

freudigem Schreck. Er sprang auf, wollte ihr ent« gegeneilen und blieb doch stehen, gebannt vom Anblick ihrer jungen, blühenden Schönheit, die sich in der Bewegung, im Spiel ihrer Muskeln be­glückend offenbarte.

Sie kam, schon von weitem winkte sie ihm fröh­lich zu und aller Schmerz, alle Bitterkeit, alle Verzweiflung waren vergessen.

Und dann hing sie an seinem Hals, und ihre Küsse drohten ihn zu ersticken.

Mädel, mein Mädel!" stammelte er, während er sie immer wieder an sich preßte.

Peterle!" Sie schmiegte ihr Gesicht mit zärt­licher Inbrunst an das seine.Warum hast du mir das nicht gleich gesagt, daß du damals meinen Brief gelesen hast? Und daß du mein Bild zurückbehalten hast. Und warum bist du damals nicht zu Hause geblieben, als ich deine Schwester besuchen kam? Es wäre uns beiden so viel erspart geblieben!"

Peter prallte zurück.Du bist Gisela Mertens?" fragte er bestürzt.

Sie umklammerte angstvoll seinen Hals.Peterle! Der Gedanke an Radegast braucht dich nicht zu be­unruhigen. Ich schwöre es dir: Kein Mensch war mir gleichgültiger als er. Ach, wärst du doch statt seiner zum Stelldichein gekommen!"

Peter starrte sie an, wollte Fragen stellen, aber dann riß er sie mit einem hellen, fröhlichen Lachen an sich und bedeckte den Mund, den Hals der Ge­liebten mit glühenden Küssen.

Später, als sie eng aneinandergeschmiegt zwi­schen den Bäumen dahinwanderten, erzählte sie ihm, wie Radegast geendet hatte, erzählte chm die ganze Geschichte von Anfang an.

Er hatte mit äußerster Spannung zugehört. Aber warum denn alle diese verzweifelten Be­mühungen? War denn der Kerl wirklich so in dich vernarrt?"

In mich wohl weniger als in mein Erbe!"

Ach!" staunte er.Du hast eine Erbschaft ge­macht? Davon weiß ich ja gar nichts!"

Mein Gott!" seufzte sie verzweifelt.Er begreift immer noch nicht! Er glaubt immer noch an den Erholungsurlaub! Er glaubt immer noch, daß man in Lauterbrunn Zimmer an Sommergäste ver­mietet!"

Gisela!"

Na endlich!" lachte Gisela.Ader nun mach kein böses Gesicht, auch wenn ich dir gestehe, daß ich selber die Erbin von Lauterbrunn bin!"

Es dauerte lange, bis er sich von seiner Ver­blüffung erhalten hatte. Dann strich er ihr übers Haar.Ich könnte die ein« Gisela nicht lieber haben als die andere!"

Das sollst du auch nicht!" lächelte sie.Denn sonst kratzt die eine der anderen die Augen aus!"

Ende.