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Nr. 200 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Samstag, 27./5onntag,28. August 1938

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Horthys Besuch.

Die Deutschlandreise . des ungarischen Reichsver- wesers, Admiral von Horthy, nähert sich chrem Ende. Sie war die dritte Reise innerhalb weniger Monate. Das ungarische Staatsoberhaupt hatte dem italienischen König und dem Regierungschef Musso­lini Besuche in Rom und in Neapel abgestattet, hat dann die führenden Männer Polens in Krakau und Warschau gesehen und darackf dem Oberhaupt des nationalsozialistischen Deutschland den Besuch obgestattet, der jetzt seit einer Woche das wichtigste Thema nicht nur der deutschen und der ungarischen, sondern nahezu der gesamten europäischen Presse ist. 2m Ausland pflegt man die hochpolitische Be­deutung irgend eines Aktes an der Reaktion der Börse zu messen. Man wird an den Tagen, an denen Admiral von Horthy, seine Gemahlin und eine Reihe seiner Mitarbeiter in Deutschland weil­ten, keine charakteristische Kursbewegung feststellen können. Trotz allem Gerede wird es doch von nüch­tern denkenden Menschen als natürlich angesehen, daß sich die Oberhäupter zweier befreundeter Böl­ter besuchen und einander die Einrichtungen ihrer Länder zeigen, die als wichtig urtt) charakteristisch anzusehen sind. Selbst wenn man die Texte der , Reden, die zwischen'dem Führer und Reichskanzler und seinem Gast gewechselt worden sind, aufs ge­naueste prüft, wird man keinen Gedanken finden können, der mit Frieden und ruhiger Entwicklung unvereinbar wäre. Es ist selbstverständlich, daß Admiral von Horthy und Adolf Hitler jener Jahre gedacht haben, in öeneif ihre Völker für ihre ge­meinsame Sache gegen eine Uebermacyt im Felde standen, und daß sie die Gefahren behandelten, die ihnen in der Nachkriegszeit durch die' Unvernunft der früheren Gegner und durch Umsturz im Innern heraufbeschworen worden sind.

Ein Teil der ausländischen Presse hat versucht, aus den Orten, die Admiral von Horthy besuchte, und an denen sein Gastgeber ihm Proben der deut­schen Kraft und des deutschen Aufbauwillens gezeigt hat, Schlüsse auf geheime politische Absichten zu ziehen. Daß der in Budapest residierende Reichsver­weser die andere Hauptstadt an der Donau, Wien, als erstes Besuchsziel wählte, ist geschichtlich und geographisch so einleuchtend, daß es als selbstver­ständlich angesehen werden muß. Von Wien ist Admiral von Horthy unmittelbar nach Kiel gesah- l| ren, wo seine Gemahlin den neu^n' deutschen Pan­zerkreuzerPrinz Eugen" taufte. Reichsverweser von Horthy ist zwar Admiral; aber sein Land hat keine Küste mehr. Man ehrte den letzten Befehls­haber der alten habsburgischen Kriegsflotte, wenn man ihm Gelegenheit gab, dem Stapellauf eines großen neuen deutschen Kriegsschiffes beizuwohnen und bei der Namensgebung mitzuwirken, die Er­innerungen an die gemeinsame Geschichte Deutsch­lands, Oesterreichs und Ungarns wachruft. Alle Auslegungskunst unfreundlicher ausländischer Be­richterstatter hat nicht vermocht, hier irgendwelche geheimen Hintergedanken hineinzudeuten. In der publizistischen Behandlung ist die deutsche Kriegs­flotte während der letzten Jahre etwas im Hinter­grund geblieben. Die gewaltige Flottenparade in der Kieler Bucht hat dem deutschen Volk und auch dem Ausland gezeigt, daß sich der nationalsoziali­stische Staat nicht auf den Ausbau des Heeres und der Luftwaffe allein beschränkt hat, sondern auch bereit und imstande ist, das Reich zur See aus- -reichend zu schützen.

Ein weiterer Tag des Horthyfchen Besuchs galt der Insel Helgoland und dem größten deutschen Handelshafen, Hamburg. Dieser große Welthafen mit seiner Verbindung nach dem Rhein wird nach Fertigstellung des RheinMainDonaukanals in noch viel.größerem Maße Eingangs- und Ausgangs- dor für den ungarischen Handel werden, als bisher. Viele Jahre lang hatte man vom Niedergang des Hamburger Hafens gesprochen. Das Oberhaupt des amgarifchen Staates hat sich durch den Augenschein d«von überzeugen können, daß Hamburg zu neuem Leben erwacht ist und Gewähr dafür bietet, eine große Aufgabe zu erfüllen. Am eindrucksvolsten für Admiral von Horthy und seine Begleitung sind zweifellos jene beiden Tage in Berlin gewesen, an frenen die von den beiden befreundeten Staatsmän- mern durchfahrenen Straßen von einem nach Hun- «derttausenden zählenden Menschenspalier angefüllt Waren. Die Ankunft auf dem Lehrter Bahnhof, der ^Einzug ins Reichspräsidentenpalais, tags darauf die große Wehrmachtparade und die Festvorstellung in lder Staatsoper, schließlich auch der Besuch in Char- llottenburg und'die Abfahrt vom Lehrter Bahnho iin das Wildgehege Hermann Görings in der Schorf- lheide werden nach der Bekundung der den Reichs- werweser begleitenden Männer bleibende Eindrücke lein. Nicht anders wird es an den letzten Tagen der Vefuchsfahrt sein, an denen der ungarische Gast Wesen und Einrichtungen der Partei in Augenschein inehmen wird.

Wo das ungarische Staatsoberhaupt, seine Ge­mahlin und die ihn begleitenden Politiker und Mili­tärs sich zeigten, wurden sie überall mit herzlichen Heil- und Elien-Rufen begrüßt. Das deutsche Volk erlebte den Besuch mit und brachte in der Person Horthys dem ungarischen Volk Sympathiekundgebun- I «en dar. Beide Völker sind entschlossen, sich den I -zersetzenden Kräften entgegenzustellen, die ihren

Nährboden in politischer Ünehre und wirtschaftlicher Schwäche finden. Selbstoerleugnende Aufbauarbeit äst das wirksamste Mittel gegen jene rote Zersetzung, die in Räterußland ihre Triumphe gefeiert hat und die mit unverkennbarem Erfolg auch auf gewisse □nöerß Länder verpflanzt worden ist.

i Vor fahren ist Admiral von Horthy an die Spitze jener Männer getreten, die den roten Ter­ror des Juden Bela Khun brachen und die Voraus- etzungen dafür schufen, daß sich Unaarn aus der würgenden Schlinge unerträglicher Friedensbedin-

Herzlicher Abschied Horthys vom Führer.

Besuch bei Generalseldmarschall Göring. - Heute vormittag in Nürnberg eingetroffen.

Horthy am Grabe Friedrichs des Großen.

Potsdam, 26. Aug. (DNB.) Am letzten Tage des denkwürdigen Berliner Aufenthaltes führte der Weg des ungarischen Staatsoberhauptes zu einer der größten Weihestätten preußisch-deutscher Ge- chichte, nach Potsdam. Die Stadt des großen Preußenkönigs, die den Reichsverweser des König­reiches Ungarn mit Freude und Herzlichkeit begrüßte, hatte die Mauern ihrer ehrwürdigen Gebäude mit

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Zu Beginn feiner Besichtigungen in der Soldaten­stadt Potsdam legte das ungarische Staatsoberhaupt am Grabe Friedrichs des Großen in der Garnifon- kirche einen Kranz nieder. Unser Bild zeigt, wie Admiral v o n H o r t h y sich in Begleitung des Kom­mandanten von Potsdam, Oberst Hartmann, in die Gruft des Großen Königs begibt. (Scherl-M.)

einer Fülle leuchtender Fahnen geschmückt. Aus seinem Wege durch das historische Potsdam ver­weilte Reichsoerweser von Horthy einige Zeit auf Schloß Sanssouci und in der Garnison- k i r ch e, wo er am Grabe Friedrichs des Großen einen prachtvollen Kranz niederlegte. Während ver­haltene Orgelklänge des ersten Satzes aus dem Flö­tenkonzert Friedrichs des Großen durch den Kirchen- raum schweben, besichtigt der Reichsoerweser, gelei­tet vom Stadtkommandanten, Obersten Hart­mann und den Potsdamer Heerespfarrern das historische Gotteshaus. Ihnen voran trugen zwei Unteroffiziere des JR. 9 den riesigen Lorbeerkranz, den das ungarische Staatsoberhaupt am Grabe des großen Preußenkönigs niederlegte. Auf der Kranz­schleife in den ungarischen Farben liest man die Widmung:Dem unvergänglichen Vorbild militä­rischer Tugenden. Nikolaus von Horthy."

Während die hohen ungarischen Gäste das von der ruhmreichen Tradition der deutschen Armee kündende Gotteshaus besichtigen, erklärte Heeres- pfarrer D a m r o t h die Geschichte der Garnison­kirche, die seit dem 21. März 1933, dem Tage von Potsdam, auch mit der Geschichte des Dritten Rei­ches eng verbunden ist.

Die Fahrt führte dann durch den herrlichen Park von Sanssouci und ging vorbei am Neuen Palais zum Schloß Sanssouci, das der Reichsoerweser und seine Gemahlin sowie die übrigen Gäste unter Füh­rung von Ministerialdirektor Dr. Gall besichtigten. Durch die fahnengeschmückten Straßen Potsdams ging die Fahrt zurück zur Reichshauptstadt.

Empfang im Charlottenburger Schloß.

Berlin, 26. Aug. (DNB.) Zu Ehren S. D. des Reichsverwesers des Königreiches Ungarn und I. D. Frau von Horthy gaben in Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers der Reichs­minister des Auswärtigen und Frau von Rib­bentrop heute ein Frühstück im Charlottenburger Schloß.

Gegen 13.15 Uhr war die Anfahrt der Ehrengäste beendet. Brausende Heilrufe und militärische Kom­mandos kündeten die Ankunft des Reichsverwesers von Horthy und des Führers. Als beide im Wagen vor dem Parkeingang vorfuhren, präsentierten die Ehrenformationen der Wehrmacht.

Am Schloßportal wurden der Führer und Reichs­verweser von Horthy und I. D. Frau von Horthy, die von Staatsminister Meißner begleitet war, von dem Reichsminister des Auswärtigen und Frau von Ribbentrop empfangen und zur Goldenen Galerie geleitet.

An dem anschließenden Frühstück nahmen von ungarischer Seite teil: Ministerpräsident von Jm- redy, der Minister des Aeußern von Kanya, der Chef der Kvbinettskanzlei Dr. von Uray, Honved- ftnimster General der Infanterie von Ratz, der Chef

der Militärkanzlei Feldmarfchalleutnant Janyi, der königlich-ungarische Gesandte in Berlin Feldmar- schalleutnant Sztojai, Minister Graf Csaky, sowie Pressechef Ministerialrat von Szentjstvany; ferner der Erste Flügeladjutant des Reichsverwesers, Oberst von Koos, Reifemarschall Oberst von Brunswik und die übrigen Herren der Begleitung des Reichsver­wesers.

Von deutscher Seite waren erschienen: die Reichs­minister Dr. Gürtner, Graf Schwerin von Krosigk, Dr. Frick, Dr. Goebbels, Darre, Rust, Dr. Frank, Dr. Dorpmüller, Funk, der Chef der Reichskanzlei Reichsminister Dr. Lammers, der Chef der Präsi­dialkanzlei Staatsminister Meißner, der Ober­befehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Dr. h. c. Raeder, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht General der Artillerie Keitel, Reichs­führer ff Himmler, Stabschef der SA. Lutze, die Reichsleiter Dr. Ley, Dr. Dietrich, Buch, Bouhler, von Schirach und die Staatssekretäre General dec Flieger Milch, Reinhardt, Bohle, Hanke, Keppler, von Weizsäcker und Tschammer und Osten. Außer­dem waren anwesend die Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink, der Oberbürgermeister und Stadt- Präsident Dr. Lippert und andere führende Persön­lichkeiten aus Staat, Wehrmacht und Partei mit ihren Damen.

An das Frühstück schloß sich ein Rundgang durch die historischen Räume des Charlottenburger Schlosses.

Gegen 15 Uhr traten der Reichsverweser und der Führer und Reichskanzler und I. D. Frau von Horthy, begleitet vom Reichsminister des Auswär­tigen, unter dem begeisterten Jubel der die Weg­strecke säumenden Menge die Fahrt zum Lehrter Bahnhof an.

Der Abschied in Berlin.

Der Reichsverweser des Königreiches Ungarn, Admiral von Horthy, und Frau von Horchy haben nach zweitägigem Aufenthalt in der Reichs- Hauptstadt am Freitag um 15.30 Uhr nach herz­licher Verabschiedung vom Führer Berlin wie­

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Auf unserem Bilde aus dem Charlottenburger Schloß sieht man das Eintreffen des Führers und Reichskanzlers, der Ihre Durchlaucht Frau von Horthy führt. Im Hinter­grund links folgen der ungarische Reichsverweser mit Frau von Ribbentrop, daneben Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop. (Scherl-Bilderdienst-M.)

gungen allmählich lösen konnte. Die Aufbauarbeit in beiden Ländern weist viele ähnliche Züge auf. Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren von jenen Bindungen freigemacht, die eine stete poli­tische Gefährdung bedeuteten und die das deutsche Volk unter ein Äusnahmerecht stellten. Das deutsche Volk hat den Aufstieg des ungarischen Volkes mit herzlicher Sympathie begleitet, und es wünscht, daß die Freundschaft sich weiter vertiefen möge. Dr. Cr. Generalmajor a. D. von Hindenburg

von Horchy empfangen

Berlin, 26. August. (DNB.) Der ungarische Reichsverweser Admiral von Horthy und Ge­mahlin empfingen am Freitag imHaufe des Reichspräsidenten" Generalmajor a. 2). von Hin­denburg und Frau von Hindenburg.

KdF.-llrlauber

bei den deutschen Flottenmanövern.

An Bord desW i l h e l m Gustloff", 26. 2Iuq (DNB.) Die Teilnehmer an der 13. KdF.- Fahrt des MotorschiffesWilhelm Gustloff" waren heute zusammen mit den Urlaubern der übrigen

KdF.-Flotte, gebildet aus den SchiffenDer Deut­sche",Berlin",Sierra Cordoba" undOceana", Zeugen eines Teiles der Herb st Manöver der deutschen Kriegsmarine, die der Fahrt einen für alle Urlauber unvergeßlichen Höhepunkt gaben.

Am 26. August zogen seit den frühen Morgen­stunden in der Nordsee bis in die Nähe der deut­schen Küste packende Manöverbilder an den Augen der KdF.-Fahrer vorüber.

Um die KdF.-Fahrer richtig in die Uebungen der Kriegsmarine einschalten zu können, hatte man auf den SchiffenWilhelm Gustloff",Berlin" und Der Deutsche" zusammen mit den Kriegsschiffen der blauen Partei, die unter der Führung des Konteradmirals D e n f ch standen, einen Geleitzug gebildet, der von den Seestreitkrästen der roten Partei des Vizeadmirals Marschall angegriffen werden mußte, mit dem Manöverziel, die Fahr­zeuge zu vernichten. Für die KdF.-SchiffeSierra Cordoba" undOceana", die gesondert zu einem Geleitzug zusammengestellt worden waren, hatte man das gleiche Manöverziel vorgesehen.

Mehrere tausend Urlauber, die größtenteils zum erstenmal auf dieser Nordlandfahrt das Meer zu Gesicht bekommen hatten, erlebten U-Boot- und Kreuzerangriffe, sahen Seeflugzeuge, Zerstörer, Schnell-, Torpedo- und Minenräumboote in voller Aktton und bekamen so ein eindrucksvolles Bild von

der Schlagkraft und Einsatzbereitschaft der neuer« ftanbenen deutschen Kriegsmarine vermittelt.

Die KdF.-Flotte befand, sich, als sie das Manö- oergebiet durchquerte, vom schönsten Wetter begün« stigt, auf einer Norwegenreise.

Kabinettsumbildung in Belgrad.

Kein Richtungswechsel.

Belgrad, 26. Aug. (DNB.) Das Kabinett Dr. Milan Stojadinowitsch wurde Freitag um­gebildet. Es schieden aus und wurden zur Dis­position gestellt der Kriegsminister Armeegeneral Ma ritsch, der Industrie- und Handelsminister Dr. Urbanitsch sowie, der Minister für körper­liche Ertüchtigung Dr. Mile titsch. An ihrer Stelle wurden ernannt zum Kriegsminkster der seit­herige Chef des Generalftabes, Armeegeneral Ne- d i t f ch , zum Industrie- und Handelsminister der Abgeordnete Ingenieur Nicolaus Kabalin und zum Minister für körperliche Ertüchtigung der Spli» ter Oberbürgermeister Dr. Mirko Buitjch.

Die Umbildung, die sechste seit dem Bestehen der Regierung Stojadinowitsch, war schon seit längerer Zeit vorgesehen und bedeutet keinerlei Aende-"- ' der Linie der Regierungspolitik.