Kräfte ihnen doch erst diesen Raum erworben hatten. Prinz Eugen suchte eine solche Entwicklung aufzuhalten. Die Donau bedeutete dem Prinzen Eugen natürlich sehr viel, weil er im Kamps um ihren Mittellauf seinen Ruhm begründet hatte. Allein die Richtung flußabwärts schien ihm lange genug befolgt zu sein. Deshalb glaubte er, im deutschen Interesse seinen Kaiser wieder zurück, d o - nauaufwärts, lenken zu müssen. Er vertrat einen Plan, der die Thronfolgefrage wie die deutschen Belange in gleicher Weise gefördert hätte: Maria Theresia. Oesterreichs Erbtochter, sollte sich mit Karl Albert, dem Kurprinzen von Bayern, vermählen. Damit wäre nicht nur der aussichtsreichste männliche Anwärter auf das Habsburger Erbe gewonnen, es wären auch Oesterreich und Bayern vereinigt worden, wodurch Frankreich die Möglichkeit verlor, fortan im Herzen des Reiches einen Verbündeten zu finden, der durch die Lage seines Landes naturnotwendig ein Gegner des stets länderhungrigen Hauses Habsburg sein muhte.
Weder Karl noch Maria Theresia konnten sich zur Befolgung dieses Vorschlages verstehen. Vielmehr hielten sie fest an der Wahl des Herzogs Franz-Stephan von Lothringen, aus einem Geschlecht, dem Kaiser und Reich sich für treue Dienste, besonders in den Türkenkriegen, stark verpflichtet fühlten. Auch in Lothringen hätte ein bedeutsames Stück deutscher Zukunft liegen können, wenn es nur vom Hous Habsburg genutzt worden wäre. Das Herzogtum bildete ja die Fortsetzung der sogenannten Oesterreichischen Niederlande nach Süden und ließ hier bis zur Schweiz einen nur verhältnismäßig schmalen Zugang von Frankreich zum Rheine frei. Welche Aussichten hätten sich hier eröffnet, wenn, gestützt aus die niederländisch-lothringische Bastion, die vom Reiche aus gut gesichert war, die Rückgewinnung des erst wenige Jahrzehnte vorher von Ludwig XIV. geraubten Elsaß mit Straßburg ins Auge gefaßt worden wäre?! Kerndeutsches Land wie Volk hätten dann zu ihrer Heimat zurückgefunden.
Jedoch für so kühne Gedanken war Karl schon gar nicht zu haben. Um den Preis der Anerkennung der Pragmatischen Sanktion durch Frankreich verstand er sich im Frieden von Wien dazu, seinen Schwiegersohn zu bestimmen, auf das angestammte Herzogtum Lothringen zu verzichten und sich mit dem Großherzogtum Toskana in Oberitalien zufriedenzugeben. Dadurch fand der Drang Habsburgs nach Italien, der sich schon in dem Erwerb Mailands kundgetan, eine beachtliche Stütze. Frank
reich erzielte durch diese Abmachung ober den ungeheuren Erfolg, daß ihm einmal eine Verstärkung der habsburgischen Macht am Rhein erspart blieb, zum andern aber gelangte es durch den Anfall Lothringens in breiter Front an den Rhein. Die Niederlande mußten für Habsburg immer mehr den Charakter eines schwer zu verteidigenden Außenbefitzes annehmen, an dem es kein großes Interesse mehr haben konnte. Hingegen reizte der neue italienische Besitz in Verbindung mit Mailand zum Erwerb- der zwischen ihnen und dem Stamrn- land liegenden Gebietsteile, was dann auch in der Folgezeit geschah. Die Wege wiesen hier die Alpenflüsse von der Etsch bis zum Isonzo. Sie bildeten trotz der volklichen Unterschiede wertvolle Klammern zwischen dem alten und neuen Besitz.
Die letzte Bedeutung des Friedens von Wien liegt jedoch nicht in den einzelnen Abmachungen, sondern in der grundsätzlichen Umstellung der habsburgischen Politik: das Interesse am Deutschtum und am Reich tritt zurück zugunsten der Idee eines Vielvölker st aates. Später ist zwar von einzelnen Staatsmännern neben diesem Gedanken ge- legentlich auch wieder die Verbindung mit dem Reich gefördert worden. Aber die von Karl durchgeführte Wendung vom Rhein weg und zur Donau wie zur Etsch hin wurde nie wieder aufgegeben, vielmehr durch Habsburgs größten Staatsmann, den Fürsten Metternich, in vielen Jahren immer mehr vertieft.
Dazu trug mit bei, daß Preußen und Italien im Norden und Süden des Habsburger Reiches im 19. Jahrhundert zu kraftvollen Nationalstaaten heranwuchsen und dessen Einfluß- raum einengten. Bis sie schließlich selbst in den Bann von Donau und Etsch gerieten. Ja, das Bündnis zwischen dem Bismarckreich und Oesterreich- Ungarn führte zu einer Kraftentfaltung in Mitteleuropa, daß der staatlich umgrenzte Raum nicht ausreichte: sie drängte, nunmehr ausschließlich auf die Donau konzentriert, zum Aegäischen und Schwarzen Meer und über beide hinweg nach Vor- derasien. Die ersten Jahre des Weltkrieges zeigten den Donaugedanken mit dem Schlagwort Berlin- Wien-Bagdad in zukunftreichem Glanze. Sie enthüllten aber auch seine Gefahren: Die Donau ist ein ausgesprochen binnenländischer Fluß! Das deutet die Möglichkeit der Umstellung ihres Stromgebiets an. Prinz Eugen hatte diese Schwäch- erkannt. Deshalb forderte er die Begrenzung des Raumes und feine innere Verfestigung vom Reiche her. Die Zeitentwicklung gab ihm recht.
Chemie erschließt die Welt.
Aon den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.
VII.
Chemie besiegt den Hunger.
Ende des 18. Jahrhunderts, als die besinnende Industrie sich entwickelte, die Städte anwuchsen und die Felder immer unfruchtbarer wurden, kam die große Angst der Ueberbeoölterung und des Hungers über Europa. Millionen wanderten aus. Diele verzagten und fanden keinen Ausweg. Zahllose glaubten an die Lehren des englischen Pfarrers Malthus, daß man das Kinderkriegen rationalisieren müsse. Und eben die Tatsache, daß auf diese Frage der Zeit die deutsche Chemie eine Antwort geben konnte, war entscheidend für ihre Entwicklung zur kommenden chemischen Großindustrie des 20. Jahrhunderts.
Justus von Liebig sah in dem Arm- werden des Ackers das Problem seiner Zeit. Er nahm die Tatsache nicht einfach als gegeben hin. Daß die Aecker müde und schließlich unfruchtbar werden, erschien ihm als die Folge eines künstlichen Eingriffs des Menschen in den Kreislauf der natur- lichen Kräfte. Man könne nicht ewig und ungestraft durch die Ernten den Aeckern Lebenskraft entziehen, wenn man ihnen nicht wieder das zurückgebe, was man ihnen genommen hat. Aber man müsse genau wissen und es — „mit der Waage in der Hand" — berechnen können, in welchem Maße und an welchen bestimmten Stoffen der Acker verarme. Liebig, der die Frage so präzise stellte, war Che
miker. Und so machte er hartnäckig und mit großer Geduld seine chemischen Untersuchungen. Die Ackerkrume legte er in die Retorte. Jahrelang, Tag und Nacht machte der junge Gießener Professor Boden- und Pflanzenanalysen. 1840 konnte er der Welt beweisen, warum der Acker verarme. Neben Luft und Wasser feien vor allem vier Stoffe für das Leben der Pflanze unentbehrlich: Stickstoff, Phosphorsäure, Kali und Kalk. Mit jeder Ernte verliere der Boden an diesen wichtigen Stoffen. Man müsse sie wieder in den Boden tun, damit er wieder fruchtbar werde. Der Chemiker sei der Lehrer der Bauern und somit der Förderer von Wohlfahrt und Kultur. „Als Grundlage des Ackerbaues", so sagte es Liebig, „muß angesehen werden, daß der Boden in vollem Maße wieder erhalten muß, was ihm genommen wird. Es wird die Zeit kommen, wo man den Acker, wo man jede Pflanze, die man darauf erzielen will, mit dem ihr zukommenden Dünger versieht, den man in chemischen Fabriken bereitet." Diese Zeit war gekommen. Liebigs Lehre begann zu wirken. 1843 errichtete der Engländer Lawes die erste chemische Düngemittelfabrik. 1855 — darauf machte Liebig seine Landsleute aufmerksam — produzierten die Engländer schon 1,2 Millionen Zentner Phosphatdünger. Auch bei uns gab es damals schon derartige Fabriken in Frankfurt, am Rhein und in Preußen. Die Einfuhr des chilenischen Guano nahm zu, die Industrie der chemischen Düngemittel im Geiste Liebigs, und von ihm gefördert, nahm ihren Anlauf. Sie war
MffeweisenMkemdeiiWeg
Äon Dr. Hermann L>eyhaus
Der sudetendeutsche Dichter Friedrich Boden- reut 1) versinnbildlicht in feinem Roman „Alle Wasser fließen nach Deutschland" die Sehnsucht seiner Volksgenossen durch den Lauf der Flüsse, die aus Böhmen ins Deutsche Reich fließen. Er bekennt sich damit zu einem Gesetz, das in der Geschichte der Völker oftmals seine Bestätigung gefunden hat. Der vor 200 Jahren am 18. November 1738 abgeschlossene Frieden z u Wien gibt Veranlassung, sich eines der folgenreichsten Ereignisse in der Geschichte des deutschen Volkes zu erinnern, in dem ebenfalls Flüsse in ungewöhnlichem Maße zukunftsbahnend gewirkt haben.
Der Friede von Wien beendete nach einem dreijährigen Waffenstillstand und vorhergehenden zweijährigem Feldzug einen der kläglichsten Kriege der Weltgeschichte, obwohl auf der einen Seite fein Geringerer als der große Prinz Eugen von Savoyen befehligte. Dieser „polnische Thronfolge- fr i e g" entstand zwischen den Hausern Bourbon und Habsburg, weil nach dem Tode August des Starfen 1733 die Mehrheit des polnischen Adels unter französischem Einfluß versuchte, Stanislaus Leszczynsfi, Schwiegervater Ludwigs XV. von Frankreich, zum König von Polen zu machen, während die europäischen Ostmächte den van einer Minderheit gewählten 21 u g u ft III., Sohn Augusts des Starken, unterstützten. Diese gelangten in Polen zum Ziel, hingegen kämpften ihre Truppen in Oberitalien und am Rhein recht unglücklich.
Es rächte sich hier ein furchtbares Versäumnis, das Prinz Eugen längst klar erkannte, das aber auch sein großes Ansehen als Feldherr und Staatsmann nicht zu beheben vermochte. Durch Eugens Siege in Ungarn gegen die Türken wie in den Niederlanden gegen die Franzosen war der damalige Habsburger Kaiser Karl VI. zum mächtigsten Fürsten in Europa emporgehoben worden. Allerdings wiesen ihm die Friedensschlüsse eine Gesamtstellung zu, in der er sich eines dauernden Druckes von Osten und Westen her zu erwehren hatte. Solchen Anforderungen fühlte er sich aber nicht gewachsen, wenn ihm auch die Mittel dafür zur Verfügung gestanden hätten. Die Sorge um die „Pragmatische Sanktion", d. h. die Anerkennung der weiblichen Erbfolge in Oesterreich lag wie ein Alp über seiner Regierung und ließ ihn nicht das Nächste tun: s i ch selbst stark zu machen, wie es Prinz Eugen unermüdlich verlangte. Karl gebrauchte ungeheure Geldsummen, um durch Verträge die Nachfolge seiner Tochter Maria Theresia zu sichern. Dabei vernachlässigte er sein Heer wie die Finanzen und gewann doch nicht die Ueberzeugung, etwas Endgültiges für feine Tochter erreicht zu haben.
Von dem deutschen Volke ganz zu schweigen! Der Begriff des Volkstums war damals überhaupt nur wenigen Staatsmännern bekannt. Der Kaiser kannte nur die Losung: Haus Habsburg! Prinz Eugen dachte daneben aber auch noch an das deutsche Volk. Deshalb machte er Vorschläge, die verwirklicht, von unübersehbarer Tragweite geworden wären. Da auf kriegerischem Gebiete nichts zu erreichen war, bemühte er sich, wenigstens durch seine Staatskunst etwas herauszuholen.
Habsburgs Schicksalsschluß war die Donau. An ihr entlang zogen einst die Bayern und gründeten die deutsche Ostmark. Von hier aus ging es die Nebenflüsse aufwärts in die Alpen sowie später über das mährische Mittelgebirge nach Schlesien und Böhmen. Eine Krastballung trat um die Stadt Wien ein, die sie zum deutsche^ oder, vom damaligen Standpunkt aus betrachtet, zum europäischen Vorposten gegen das türkische Morgenland machte. Zweimal widerstand sie in 150 Jahren gewaltigsten Anstürmen, bis man von ihr aus mit der Neichsfraft zum Gegenschlag einsetzte und dem überschüssigen deutschen Volkstum in den Ebenen Ungarns an Donau und Save entlang ein Siedlungsgebiet in größtem Ausmaß eröffnete. Wien lag nun in der Mitte eines für europäische Verhältnisse ungewöhnlich großen Reiches.
Die Gefahr lag deshalb nahe, daß die Habsburger im Donauraum ihre Zukunft sahen und darüber das Reich vergaßen, dessen
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Von Albrecht Schaeffer.
Ein reicher Mann , hatte ein Weib, das er über alles liebte; dennoch zeigte er ihr feine Liebe nur wenig, denn die Vielzahl seiner Geschäfte und die unablässige Mehrung seiner Besitztümer ließen ihm zu meist nur wenig Stunden am Abend und oft sogar nur flüchtige Minuten für sie übrig.
Da begab es sich, daß die Frau erkrankte; sie verfiel in hitziges Fieber, das ihren Leib ausdörrte, und dessen Wurzel allen Aerzten unbekannt blieb, so viele auch der Mann aus allen Städten des Landes herbeirief. Mehr noch als von dem Fieber wurde die Kranke von einem unablässigen und bald unstillbaren Dürsten gepeinigt, das sie oft nächtelang vor Qual leise stöhnen ließ. Dagegen half kein Getränk aus den heilsamsten Wässern oder den seltensten Früchten, die der Mann kommen ließ Und sie sagte zu ihm eines Nachts:
Ich kann ei nicht mehr ertragen; in dieser Nacht werde ich sterben oder wahnsinnig werden, wenn ich keine Stillung erlange. Und ich sage dir Lebewohl und Dank; du hast wohl alles getan, was du tuen konntest.
Was soll ich, ächzte der Mann auf den Knien, Herr Gott, was kann ich noch tun?
Darauf sagte die Frau: Du hast mir einmal von einem Jugendfreunde erzählt, der Arzt geworden sei und in unserer Stadt lebe. Warum hast du ihn niemals befragt?
Der Mann versetzte: Wir fyatten uns erzürnt. Er nahm mir ein Mädchen fort, das ich liebte, ehe io dich konnte.
Mühsam lächelnd erwiderte ihm die Frau: Dann solltest du ihm doch danken ... freilich wenn ich jetzt sterbe ...
Allein, das hörte er kaum noch, denn er war schon aufgesprungen; und von einer wilden Hoffnung davongetrieben ohne einen Dienstboten zu wecken, durchlief er die langen Straßen, die in der tiefen Nachtstunde schon dunkel und leer dalagen. Sein Weg roor weit, und da er selber in den letzten Nächten nur wenig Schlaf genossen hatte, roar er sehr erschöpft, als er am anderen Ende der Stadt in einer Gartengegend nach dem ihm von früher her bekannten eisernen Gitter des Gartens suchte, in dem er das Haus seines Freundes mußte. An der Stelle war aber jetzt eine lange, rötliche Mauer mit einem kaum erkennbaren Pfortlein. Kein Name
stand darauf; sondern als nun der volle Mond fein Licht zwischen Wolken hervorleuchten ließ, sah er in einem Bogen über der Tür die goldenen Lettern erschimmern:
Hier wohnt die Liebe selbst.
Sie verschwanden nach einiger Zeit mit dem sich wieder verzierenden Licht, und noch lange stand er im Dunkel, unwissend, was er tun solle. Die Nacht schien undurchdringlich geworden; endlich, von Müdigkeit, Verzweiflung und einem letzten Flackern des Hoffens getrieben, pochte er an die Tür, allein so oft und so laut er es wiederholte, wurde dem kein Erfolg. Da trat er vom Tor zurück und rief mit Verzweiflung und Hohn in der Stimme:
Wenn du denn wirklich hier wohnst — so hilf mir, hilf mir auch!
Da — so finster die Nacht war — konnte er deutlich erkennen, wie ein dunkler Ball von Jenseits über die Mauer geflogen kam und wie von einer Hand geworfen bis vor feine Füße. Er hob ihn eilig auf; er war hart und schwer wie Stein, wenn er auch die Gestalt einer großen Frucht, eines Apfels ober eines Pfirsichs hatte und auch die aller» leiseste Spur von Pfirsichduft von ihm ausging. Doch war es nur kalter Stein, und erst wollte er ihn in hell erwachender Wut über die Mauer zurück oder gegen die Tür schleudern, besann sich aber dann und lief in die Nacht zurück murmelnd: Sie soll doch wenigstens sehen, daß ich dies Letzte ver- sucht habe.
Von Müdigkeit und Gram erschöpft nach dem bitteren langen Wege zurück, stand der Mann nun wieder im Schein des Nachtlichtes am Bett seiner kranken Frau und erjagte mit bitteren Worten, was ihm da widerfahren war. Die Frau erwiderte leise:
Gib mir doch diesen Stein.
Sie nahm ihn in ihre Hände und fragte, im Bett aufsitzend:
Stand denn über der Tür geschrieben: Hier wohnt die Liebe selbst?
Ich habe so gelesen.
Und kam auch wirklich, fragte sie weiter, der Stein von jenseits geflogen?
Wie von einer Hand geworfen.
Da sagte die Frau nur: Dann ... und kein Wort weiker; denn sie hatte den Stein in den Mund geführt und ein großes Stück herausgebissen — zor- tos, weiches, von Safte triefendes Pfirßchfleisch.
Hilfswerk
für deutsche bildende Kunst.
Ausstellung im Frankfurter Stadel.
Heute wird im Erdgeschoß des Städelschen Kunst- inftituts in Frankfurt eine Ausstellung bildender Kunst eröffnet; sie ist veranstaltet durch das vom Hauptamt für Volkswohlfahrt geleitete Hilfswerk für deutsche bildende Kunst, dem Professor Schweitzer-Mjölnir vorsteht. Die Ausstellung ist, wie in der gestrigen Presse-Vorbesichtigung bargelegt wurde, die 29. in Deutschland und umfaßt insgesamt 260 Werke — Oelgemälde, Aquarelle, Graphik und Plastik — von 188 Künstlern. Der Gau Hessen-Nassau ist vertreten mit 52 Künstlern und 83 Werken. Die Ausstellung unterscheidet sich von anderen Veranstaltungen dieser Art grundsätzlich folgendemaßen: das Hilfswerk für deutsche bildende Kunst wurde 1935 auf Anregung von Reichsminister Dr. Goebbels vom Hauptamt für Volkswohlfahrt geschaffen; in den von hier aus zen- tral veranstalteten Ausstellungen wird dem deutschen Künstler Gelegenheit gegeben, seine Arbeiten kostenlos auszustellen: das bedeutet die Einsparung meist sehr beträchtlicher Kosten für Fracht, Versicherung und andere Spesen. Außerdem fließt dem Künstler jeder Verkaufserlös ohne Abzüge zu. Abgesehen von diesen auf der Hand liegenden sozialen Erleichterungen wird aber durchaus und grundlätz- lich auf Qualität Gewicht gelegt. Die Jury trifft eine scharfe Auslese. Es soll wirklich Wertvolles gezeigt und angeboten werden; nur so kann der Zweck erreicht werden, auch weniger bekannte oder noch ganz unbekannte Künstler mit Erfolg an die Oeffentlichkeit zu bringen und ihnen eine Chance 3um Verkauf zu geben. Dem Kunstfreunde und dem Käufer anderseits werden neue wertvolle Anregungen geboten. Das Ergebnis der bisher veranstalte- ten Ausstellungen war ausgezeichnet; es wurden jeweils bis zu 80 v. H der ausgestellten. Werke verkauft.
Bei einem Rundgang durch die sehr vielseitige Ausstellung findet man zunächst ganz allgemein den Grundsatz der Qualität bestätigt. Was hier ge- zeigt wird, hat durchweg Charakter und Eigenart; es lohnt sich sehr, diese Ausstellung zu besichtigen. Eine Aufzählung vieler Namen würde ermüden und ist nicht der Zweck dieses Berichtes. Wir bekrönten uns darauf, einige Arbeiten beraus^ugrei- fen. die uns landschaftlich besonders nahestehen. Wir sahen beispielsweise von Felix K l i p st e j ß in Lau
schöpferisch für die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Aecker und sicherte den Aufschwung der Bevöl- kerung.
Fluchend hatte man in den Steinsalzlagern sich über die Abraumsalze geärgert. Sie lagen als bitter schmeckende Kaliumoerbindungen über dem Salz. Man mußte erst viel Geld und Arbeit aufbringen, um sie wegzuräumen und warf sie dann dennoch nur nutzlos auf Halden. Aber durch die Lehre Lie- bigs, der nachgewiefen hatte, daß Kalisalze so wichtig seien für die Pflanze, wie für uns bas Steinsalz, wurde dieser Abfall zu einem Wert. Für Staßfurt z. B. wurde das Katt wichtiger als das Steinsalz. 1890 verbrauchten wir 28000 Tonnen an reinem Kali, 1929 schon 870 000 Tonnen. In diesem Jahre stieg der Weltverbrauch an Kali auf über 2 Millionen Tonnen. Seit 1929 haben wir den Kalioerbrauch verdoppelt, dabei sind die Preise um die Hälfte gefallen.
In der Zeit, in der die Chemie lehrte, den Acker zu düngen, entwickelte sie auch die Wissenschaft, in
Dem Auge das Beste!
Lassen Sie sic-n beraten von Optiker Magnus
de 3 Optiker Ihres Vertrauen* / Seltersweg 33 ' Kassenlieferant, großen Mengen einen guten Stahl zu produzieren. Weil er chemisch Bescheid wußte, kam Bef- ferner auf die Stahlbereitung durch Einblasen von Lust in geschmolzenes Eisen. Ein anderer Hüttentechniker, der aus eigener Luft, aber als armer Teufel, tüchtig Chemie studierte, kam 1879 darauf, daß man Bessemer-Oefen nur mit basischen Stoffen auskleiden, sie mit Ziegeln aus Kalkerde, Magnesia und Steinkohlenteer ausfüttern müsse, um dem Eisen den Phosphor zu entziehen. So konnte man auch phosphorreiches Eisen zu Stahl machen und nebenbei gewann man Phosphor, den nach den Lehren Liebigs die junge Düngerindustrie ge« brauchte. 1890 verbrauchten wir 358 000 Tonnen, 40 Jahre später 2,5 Millionen Tonnen Thomasmehl.
Auch Stickstoff braucht man für den Acker. Früher gewann man ihn aus Mist, Guano und Chile-Salpeter. Die Chilenen wußten schon, was sie taten, als sie ihren blutigen Salpeterkrieg gegen Peru führten und ihr Monopol begründeten. 1913 mußten wir für 170 Millionen Mark Chile-Salpeter einführen, damit unsere Felder genügend Stickstoff erhielten. 1898 aber hatte schon Sir Wil- ft am Crookes prophezeit, daß Liebigs Ansicht über den Stickstoff bald werttos fei, denn Die natur-* lichen Lager in Chile seien bald verarmt. 78 v. H. der Bestandteile der Luft aber seien Stickstoff. Die Chemie müsse es fertig bekommen, ihn aus der Luft zu greifen. Aber es mußten erst in einer langen forscherischen Arbeit die Geheimnisse der Katalysatoren enthüllt und eine große Anzahl von Versuchen angestellt werden, bis es gelang, aus Lust und Wasser Ammoniak zu machen. Und es wäre wahrscheinlich nur bei einem Laboratoriumsprodukt geblieben, wenn rächt der geniale Professor und Ingenieur Bosch der IG. Farben gezeigt hätte, wie man aus der Retorte eine Fabrik macht. Man weiß, welche Stickstoffnote uns bereits das erste Jahr des Weltkrieges brachte. 1903 stand-n her Welt nur 352 000 Tonnen Nitrate aus natürr hem Stickstoff zur Verfügung. 1933/34 lieferten die chemischen Fabriken 1 787 000 Tonnen Stickstoff, das sind 95,2 v. H. der damaligen Weltproduktion. Aus der kleinen Ammoniakfabrik in Oppau, in der 1914 zum ersten Male der Sttckstoff aus der Luft gegriffen wurde, wuchsen die Riesenanlagen der IG. Farben, wuchs das imposante Werk in Leuna. Die deutsche synthetische Stickstoffindustrie gibt heute 200 000 Menschen Arbeit und Brot. In wenigen Jahrzehnten griff sie viele Milliarden an Wert aus der Luft. 1913 kostete der chemische Nährstoft je Hektar 20 Mark. Damit gewann man einen Mehr- ertrag von 60 Mark je Hektar. Das in diesen Düngemitteln angelegte Kapital hat sich um 200 v. H. verzinst.
Und während im Laufe der Zeit die Bevölkerung Europas um 30 v. H. stieg, wuchs der Ernteertrag um 40 bis 50 v. H. Liebigs Lehre schuf eine Welt- macht und widerlegte die Lehre des alten Malchus. Die Chemie besiegte den Hunger. Sie schuf Lebensraum für das kommende Geschlecht des 20. Jahrhunderts. H. Sch—r.
bad) das schone, in sich geschlossene Marburger Stadtbild (zur Vierhundertjahrfeier der Universität), das seinerzeit auch bei uns im Kunstverein gezeigt wurde. Von Emil B e i t h a n fanden wir eine wunderbar lebendige und belebte Erntelandschaft mit Schwälmer Bauern, von Ernst Eimer die Frau mit dem Spinnrad, ein ebenfalls in Gießen bereits gezeigtes Bild. Von Finsterer ist u. a. der Standartenreiter in oberhessischer Landschaft vertreten, der unseren Freunden vom diesjährigen Kalender des Gießener Anzeigers wohlbekannt ist. Ueberhaupt soll bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, daß die Graphik nicht nur vielseitig und zahlreich, sondern auch mit ungewöhnlich hohem Range in der Ausstellung vertreten ist. Bei den Malern überwiegt die Landschaft als Motiv, und es sieht manchmal so aus, als ob ein neuerwachtes Landschaftsgefühl sich künstlerisch Raum schaffte und auch eine neue Romantik, die an die edelste Tradition anknüpft. Dafür mögen Bilder wie Elfe Preuß - n e r s „Abend im Ahrtal" ober die farbig großartig empfundene Stadttandfchaft Salzburgs von Albert Birkle Beispiele geben. Noch ein paar Namen nur: Dill mit einer eleganten, hinreißend bewegten Impression vom Pferderennen; Koch-Heu« then mit einem motivisch merkwürdigen und anziehenden Werk „In Scheinwerfern"; Georg Jost mit dem groß und wuchtig aufgebauten Gemälde „Pflügender Bauer in der Rhön"; von hier schon bekannten Künstlern seien noch die Mutter-Bilder von T e i ch m a n n und H. n. Beckerath genannt, und zum Schluß ein sehr reizendes, zartes Kinderbildnis von Marquardfen. Dos möge als Anregung genügen. Die Ausstellung verdient einen lebhaften Besuch und ein ansehnliches Verkaufsergebnis. Hans Thyriot.
Hochschulnachrichten.
Die durch das Ausscheiden von Professor Dr. Toeplitz freigewordene planmäßige Professur für Mathematik an der Universität Bonn wurde dem o. Professor Dr. Wolfgang Krull an der Universität Erlangen verliehen.
Als Nachfolger des nach Halle berufenen Professors D. Erich Fascher wurde Oberkirchenrat Dr. theol. Walter Grundmann zum o. Professor für Neutestamentliche Theologie an der Universität Jena ernannt.
Der Dozent Dr. Herbert HohlfeId an der Universität Berlin ist zum ordentlichen Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Dankwirt- schäft an der Universität Köln ernannt wordrn.


