Ausgabe 
26.11.1938
 
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Das Dreieck Verlm-Rom-Tokio eine tvettpolitische Tatsache.

Oie Rundfunkansprachen der drei Außenminister am zweiten Jahrestage des Antikominternpoktes.

Berlin, 25. Noo. (DNB.) Aus Anlaß des zweiten Jahrestages der Unterzeichnung des deutsch­japanischen Antikominternabkommens hielten Der Reichsminister des Auswärtigen, von Ribben­trop, der italienische Außenminister, Graf C i a n o , und der japanische Außenminister, Ärita, im Rahmen einer deutsch-italienisch­japanischen Gemeinschaftssendung Rundfunk- ansprachen, die heute vormittag in der Zeit von 11.30 bis 12.30 Uhr vom deutschen Rundfunk über alle Sender verbreitet wurden.

Sie Ansprache des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop

hat folgenden Wortlaut:Heute vor zwei Jahren, am 25. November 1936, wurde zwischen Deutsch­land und Japan das Abkommen gegen die Kom­munistische Internationale geschlossen, das dann ein Jahr später zum Antikominternabkommen zwischen Deutschland, Italien und Japan erweitert wurde. Der Sinn dieses Abkommens war die gemeinsame kompromißlose Kampfansage gegen die zersetzende Tätigkeit der Kommunistischen Internationale.

Heute können wir mit Befriedigung feststellen: Die Zusammenarbeit zwischen den drei Staaten gegen diese Zersetzung hat sich glänzend be­währt! Weder in Spanien noch in China ist es den Machenschaften Moskaus geglückt, ihre bol­schewistische Herrschaft aufzurichten, um von dort aus die Brandfackel in die friedlichen Länder zu tragen. Die Tschecho-Slowakei sollte ein weiterer Ausgangspunkt der Weltrevolution werden. Auch diese Absichten wurden im Herbst durch die eiserne Entschlossnheit des Führers und durch die Solidari­tät der antibolschewistischen Staaten und vor allem durch die enge Zusammenarbeit von Nationalsozia­lismus und Faschismus im Keime erstickt.

In der Zeit seines Bestehens hat das Abkommen gegen die Kommunistische Internationale größte Bedeutung erlangt. Das Dreieck Berlin-Rom- Tokio ist heute für die Welt ein Begriff. Es ist nicht nur ein Faktor und ein Garant der Ordnung, sondern eine weltpolitische Tatsache.

Dieser organisch gewachsenen, schöpferischen Poli­tik der drei im Antikominternabkommen zusammen, geschlossenen Staaten steht die destruktive Wirkung der Komintern und der sie tragenden Mächte gegen­über. Nichts wäre verfehlter, als zu glauben, daß der Bolschewismus seinen Kampf aufgegeben hätte.

Gerade in diesen Tagen erleben wir, daß die kommunistische Internationale eine neue Orga­nisation geschaffen hat, um die Ziele der Welt­revolution propagandistisch vorwärtszulreiben. Die Wirkung dieser Propaganda zeigt sich in einer neuen Hetze, die überall gegen die so­genannten autoritären Staaten, d. j. also die Staaten der Ordnung, entfesselt wird. Denn was anders als diese indisch-bolschewistische Zer- sehungspropaganda steht beispielsweise hinter der neuen hehwelle gegen Deutschland in Ame­rika, mit der man versucht, den anständigen Teil des amerikanischen Volkes, das gar nichts gegen das deutsche Volk bat, in eine haß- psychose gegen das deutsche Volk, das gar nichts gegen das amerikanische Volk hat, zu treiben?

Trotz oüebem bin ich fest überzeugt, daß es den im Antikominternabkommen vereinigten Mächten gelingen wird, das von den Kommunisten erstrebte Ziel der Weltrevolution zu vereiteln und damit den Kulturstaaten einen unschätzbaren Dienst zu er­weisen. Der Kampf gegen die Kommunistische Inter­nationale richtet sich gegen keine andere Nation und schließt keinen anderen Staat aus. Die Mächte des weltpolitischen Dreiecks aber werden aus ihrem hart-en und unerbittlichen Kamps gegen den Kom­munismus in immer tieferer Freundschaft einander verbunden und somit Gestalter und Garanten einer neuen und gerechten Weltordnung. Ich grüße beute die mit uns im Antikominternabkommen verbun­denen Mächte: Italien und Japan."

Der italienische Außenminister c^raf ltiano

hielt folgende Ansprache:Es gereicht mir zur be­sonderen Freude, daß ich heute wenige Tage nach der Feier des ersten Jahrestages des Drei- mächte-Antikomintern-Paktes, im zweiten Jahre der deutsch-iapanischen Verständigung gegen den Kommunismus, Gelegenheit nehmen kann, um durch den Rundfunk den Völkern der beiden großen befreundeten Nationen den herzlichsten Gruß des faschistischen Italiens zu senden. Das Jahr, das sich seinem Ende zuneigt, hat sowohl im Westen wie im Osten die italienisch - deutsch - japanische Solidarität am Werke gesehen. Sie hat sich in klarster Welle im Laufe der Ereignisse, die eine entscheidende Be­deutung für den Frieden und die Gerechtigkeit der Welt gehabt haben, erwiesen. Ich bin überzeugt, daß diese Solidarität auch in Zukunft sich immer stärker und lebendiger zu einer Kraft entwickeln wird, die die drei großen Staaten in den Dienst der Zivilisation und der Gerechtigkeit stellt.

Italien, Deutschland und Iavan sind in der Tal nicht nur durch eine zufällige veberein- stimmung zusammenfattender Interessen ver­bunden. Ihre Zusammenarbeit beruht auf ge­meinsamen Idealen, auf gemeinsamen, unver­brüchlichen Grundsätzen des politischen Lebens. Unsere drei Rationen stellen auf allen Gebieten den zerfetzenden Kräften der Unordnung und Anarchie, die unter der Leitung der Komintern

stehen, ein unübersteigbares Vollwerk entgegen, Kräften, denen unter verschiedenen Formen und unter verfchiedenen Bannern Italien, Deutsch­land und Iapan noch jedesmal entgegengetreten sind.

Mit aufrichtiger Befriedigung können wir auf die Er geb nisse zurückblicken, welche dieses eine Jahr ge­meinsamen Zusammenwirkens erbracht hat. Don den westlichen Gestaden des Mittelmeeres bis zu den fernen Ufern des Pazifischen Ozeans konnten alle Versuche und Angriffe der Kommunistischen Internationale niedergekämpft und vereitelt werden, konnte der Weg zu einer besseren und fruchtbrin­genderen Zusammenarbeit zwischen den Kulturvöl­kern freigemacht werden. Diese Zusammenarbeit ist ist der Leitgedanke unseres Dreimächte-Abkommens, das, wie schon bet Gelegenheit seiner Unterzeichnung erklärt und seither zu verschiedenen Malen offen wiederholt wurde, keine Geheimziele oder den Aus- schluß anderer Nationen bezweckt.

Die Grundlage für das Zusammenwirken zwischen den Staaten ist das gegenseitige Verständnis zwi­schen den Völkern. Das italienische, das deutsche und das japanische Volk haben, bewußt ihrer geschicht­lichen Aufgabe, schon zu wiederholten Malen ge­zeigt, von wie hohem Wert die gegenseitige Ver­ständigung ist, die sie untereinander, nicht nur auf politischem, sondern auch auf kulturellem und ideo­logischem Gebiete auszubauen und zu vertiefen be­strebt sein werden.

Aber auch außerhalb des antikommunistischen Dreiecks hat sich der dynamische Gedanke des Anti­komintern-Paktes ausgewirkt und bringt in immer weitere Schichten der öffentlichen Weltmeinung ein. In dieser neuen Einstellung der Kulturwelt erblickt das faschistische Italien eines der Elemente, das für die Zukunft zu größter Hoffnung berechtigt, für die Zukunft, in die Italien, Deutschland und Japan, kraftvoll im Geiste und wehrhaft in den Waffen,

fest geeint durch die Bande engster Freundschaft, mit ruhigem Vertrauen blicken."

Oer japanische Außenminister Arita

erklärte: _Es ist mir eine große Freude, daß ich heute, am zweiten Jahrestag des Abkommens gegen die Kommunistische Internationale, dem deutschen und italienischen Volk durch Rundfunk meine Herz- lichen Grüße und meine Hochachtung aussprechen kann. Gerade heute vor zwei Jahren habe ich als Außenminister mit großer Genugtuung erfahren, das das Deutsch-Japanische Antikominternabkommen unterzeichnet sei. Seither bildet der Antikomintern­pakt die wichtigste Richtlinie für unsere auswärtige Politik. Im letzten November ist Italien diesem Ao- kommen als vollberechtigtes Mitglied beigetreten. Damit besteht eine starke, mächtige Verbindung zwi­schen den drei blühendsten Nationen in Europa und Asien. Trotz ständiger Wühlarbeit der Kommunisten in Europa ist es gelungen, diese Zerstörungsarbeit zu unterdrücken und den Frieden $u erhalten. Die Abwehrfront gegen die Kommunistische Internatio­nale ist in Europa vergrößert und verstärkt worden.

Dieser bedeutsame große politische Erfolg Der bei­den uns verbündeten Nationen ist für uns eine auf­richtige Freude. Auch hier in Ostasien sieht die Re­gierung Tschianakaischeks, der seine 400 Millionen Landsleute mit feiner prokommunistischen und anti- japanischen Politik, in äußerste Not gebracht hat, dank der Wafsentaten der Kaiserlich-Japanischen Re­gierung ihrem Ende entgegen. Mit Bekämpfung der kommunistischen Gefahr hat Japan den ersten Schritt getan, um das große Ideal der Schaffung einer neuen Ordnung in Ostasien zu verwirklichen. Deutsch­land, Italien und Japan sind für den Frieden der Welt verantwortlich. Der gemeinsame Kampf dieser drei Staaten ist zu einer politischen Notwendigkeit geworden. Den beiden befreundeten Völkern Deutsch­land und Italien verspreche ich, daß wir in Ver­folgung unseres Zieles immer gerecht und stark fein werden."

Geschichten ans aller Wett.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

DieZeitungsleutebeschwercnsichbeimFilm.

B. Washington.

Die amerikanischen Journalisten beklagen sich schon seit langem darüber, daß sie in den Filmen eine höchst unerfreuliche Rolle spielen, indem sie fast immer nur als schmutzige Kerle und Trunkenbolde erscheinen. Sie haben es nun satt und wollen sich zur Wehr setzen. Als erste Maßnahme, um die Re­gisseure zu einer Aenderung ihrer Darstellung des journalistischen Berufs zu bringen, haben sie ver­langt, daß die Drehbuchverfasser, Regisseure und Schausvieler von Hollywood eine Kommission wäh­len sollen, die nach Neuyork geschickt wird und ohne vorherige Ankündigung in den Zeitungsredaktionen Umschau hält. Die Kommission soll dabei feststellen: 1. daß die Journalisten Kragen und Krawatte tra­gen wie die Menschen in allen Berufen, die auf glei­cher Stufe stehen: 2. daß sie den Kaugummi nach Gebrauch nicht auf die Tische ihrer Kollegen spucken: 3. daß kein Redakteur in das Arbeitszimmer des Direktors eintritt, in dem er die Tür zuschlägt, den Hut auf dem Kopf behält und die Beine auf den Schreibtisch legt; 4. daß zweimal am Tage ausge» kehrt wird; 5. daß, wenn es wahr ist, daß fast alle Journalisten verrückt sind, sie gewöhnlich ihre Ver­rücktheit zu verbergen suchen, so daß eine Redak­tion in den Pausen nicht den Eindruck eines Ir­renhauses macht. Wenn die amerikanischen Jour­nalisten mit diesem Vorschlag nicht durchdringen und der friedliche Weg zu keinem Erfolge führt, so wollen sie zu drastischeren Mitteln greifen.

Das Polar-Abenteuer in der Hypnose.

B. Liverpool.

In einem Theater in Jrvington in England gab ein indischerMagier" dem Publikum eine Vorstel­lung, in der er feine geheimnisvollen 'Kräfte vor­zeigen wollte. So versenkte er auch einen aus dem Zuschauerraum heraufgerufenen Mann in hypnoti­schen Schlaf und sagte zu ihm:Sie sind ein For­schungsreisender, und Sie fahren in einem Schlitten auf der Reise zum Nordpol. Das Thermometer zeigt 40 Grad unter Null." Der Hypnotisierte befolgte auch alles getreulich, er zog kräftig an den einge­bildeten Zügeln, mit denen er die Schlittenhunde zu lenken glaubte, er zog sich den Jackenkragen hoch und klapperte mit den Zähnen vor Kälte. Darauf befahl ihm der Inder, vom Schlitten abzusteigen und auf der Erde mit Vorsicht weiter zu gehen, weil er in Gefahr wäre, in eine Eisspalte zu fallen. Wie­der aehorchte der Mann aufs Wort, kletterte über | die Lehne feines Sessels herab und tastete sich mit größter Vorsicht gegen die Rampe vor, während ihm immer noch die Zähne klapperten. *

Jetzt schien es dem Hypnotiseur genug mit diesem Versuch und er rief dem Mann au:Wachen Sie auf! Es war ja nur ein Scherz. Zu allgemeiner Ueberraschung war der Polarfahrer aber keineswegs mit dieser Weisung einverstanden, sondern klam­merte sich mit dem Ausdruck der höchsten Angst an die kleine Treppe, die von der Bühne herabführt. Der Inder packte ihn an den Armen, schüttelte ihn mit voller Kraft und forderte ihn noch einmal auf, aufzuwachen, aber sein Opfer litt anscheinend noch immer furchtbar unter der Kälte und benahm sich weiter, als ob es wirklich 40 Grad unter Null wäre. Als alle Bemühungen des Magiers vergeblich blie­ben, verbreitete sich eine große Aufregung im Publi­

kum, und die Saaldiener holten schleunigst Kran­kenträger herbei, als der Zauberer wieder auf die Bühne sprang und den Zuschauern zurief, er habe plötzlich die Herrschaft über feine magnetischen Kräfte verloren und fei nicht mehr imstande, den Hypnotisierten aus seinem tiefen Schlaf in das nor­male Leben zurückzuführen. Noch zwei Stunden mußte der Unglückliche vermeintlich entsetzliche Lei­den im Polareis durchleben, ehe es den Aerzten endlich gelang, durch eine Einspritzung und indem sie ihn eine Ammoniaklösung einatmen ließen, von den Nachwirkungen der Hypnose zu befreien.

Der Antiquitätenladen.

B Stockholm.

In Stockholm wurde vor einiger Zeit ein sehr schöner Antiquitätenladen eröffnet, der sofort die Aufmerksamkeit zahlreicher schwedischer und aus­ländischer, besonders amerikanischer Sammler auf sich zog. Man sah da viele Bilder des 17. Jahrhun­derts, Bildhauerarbeiten, Porzellan und Möbel, die reißenden Absatz fanden und meist nach Amerika gingen. Schließlich kam der Polizei ein Verdacht über die Herkunft dieser Antiquitäten, und als fie der Sache nachging, stellte sie fest, daß das Geschäft einer Einbrecherbande gehörte, die schon seit einigen Monaten systematisch das Schloß des etwas wun­derlichen schwedischen Millionärs von Hepken in Bogesund heimsuchte und sich dort die völlig ver­nachlässigten kostbaren Schätze holte. Die Fenster und das Dach des Schlosses sind brüchig, so daß es den Räubern, wie sie selbst Der Polizei erklärten, keine Schwierigkeiten machte, in das Gebäude hin­einzugelangen. Der Besitzer, ein Baron, selbst er- klärte zur allgemeinen Ueberraschung, als er von der Sache erfuhr, daß er sich nichts daraus mache, und er erlaubt der Polizei auch nicht, in das Schloß zu kommen, um festzustellen, wieviel gestohlen 'st. Die Polizei könnte ja, so erklärt er, auf demselben Wege wie die Einbrecher, also durch das Dach oder die Fenster, eindringen. Er hat auch kein Verzeich­nis feiner .Kunstgegenstände und kümmert sich nicht im geringsten um ihr Schicksal.

Erst die Nase, dann das Lhr ...

K. Paris.

An der Bar eines Cafes am Boulevard Mont- parnasfe in Poris faßen an einem der letzten Abende zahlreiche Gäste und nahmen Getränke zu sich. Zu ihnen gesellte sich ein etwa 40jähriger Mann, der ein Gespräch anzuknüpfen suchte:Man sollte nicht glauben, daß es schon Spätherbst ist", bemerkte er über das schöne Wetter,die Nacht ist so mild, als wären wir in Tahiti." Im weiteren Verlauf des Gespräches wandte er sich einem neben ihm fitzen­den, etwa 60jährigen Ingenieur zu, und plötzlich neigte er sich zu diesem hinüber und biß ihm mit furchtbarer Gewalt das ganze linke Ohr ab. In die- fern Augenblick stürzte sich ein anderer Mann auf bas Opfer zu und benutzte den entstandenen Auf­ruhr, um diesem seine Brieftasche zu entreißen. Als ein Zeuge des seltsamen Ueberfalls polizeiliche Hilfe herbeigeholt hatte, war der Unbekannte verschwur!- den, und die Polizei konnte nur noch die anderen Gäste befragen. Da erklärte eine junge Frau:Ich kenne diesen Menschen von Angesicht, er ist bekannt als derKannibale des Montparnasse"; er hat schon einmal vor einigen Monaten einer Frau die Nase abgebissen und ihr dabei die Geldtasche geraubt." Der Ingenieur mußte ins Krankenhaus gebracht

werden, und die Polizei hat umfaffenbe Nachfor­schungen eingeleitet, um des gefährlichen Räubers habhaft zu werden.

In Polen brummt ein wilder Bär.

AS. Vorschau.

Eine abenteuerliche Bärenjagd wurde auf den Gütern des Grafen Dunin-Karwiecki bei Rowne in Ostpolen veranstaltet. Dort war eines Nachts ein Bär erschienen, hatte zwei Pferde geschlagen, den größten Teil an Ort und Stelle mit Behagen ver­speist und den Rest für späteraufgehoben". Die Knechte wußten, daß der braune Nimmersatt in der nächsten Nacht zurückkehren würde, weshalb sie die Pferdeleichen liegen ließen, daneben aber eine große Grude aushoben, die sie mit Reisig bedeckten. Hier­auf legten sie daneben einen Sack mit Atohrrüben nieder, banden ein blökendes Lämmchen fest und umgaben das ganze mit Stacheldraht. Die Knechte beovachteten aber zu ihrer Enttäuschung, daß der Bär seinen Weg nicht über die Fanggrube nahm, sondern rüstig wie ein junger Rekrut über den Drahtzaun kletterte und das Lamm mit einem wuch­tigen Prankenhieb zerriß. Zum Nachtisch nahm er auch die Mohrrüben zu sich. Nun opferte die Guts­verwaltung neuerdings einen Hammel und Mohr­rüben, worauf die Knechte der weiteren Dinge harr­ten. Vorsichtig schlich sich in der nächsten Nacht Mei­ster Petz wieder an, riß einen Pfahl aus, legte den Drahtzaun um und machte sich, nachdem er sein Mahl beendet fattc, ebenso vorsichtig von dannen. In der dritten Nacht bewaffneten sich aber die Knechte mit Mistgabeln, fielen über den Räuber her und stießen iyn in die Grube. Er wurde je­dochbegnadigt" und an den Tiergarten in War- schau verkauft.

DurchgefallenerStudeni wird wilderMann.

B. Kopenhagen.

In den Wäldern von Jütland wurde seit einiger Zeit ein seltsames Wesen beobachtet, das halb Mensch, halb Affe sein sollte. Die Schilderungen, die von ihm gemacht wurden, waren sehr aufgeregt, aber auch sehr ungenau und widersprechend. Einige behaupteten, dos geheimnisvolle Individuum fei ganz mit Haaren bedeckt und habe auf dem Kopf etwas wie einen großen Pilz; andere wollten fo- gar wissen, daß es zwei Köpfe habe, daß es sich zwischen den Bäumen bewege und mit einer Riesen- feule bewaffnet sei. Ein junger Jäger ist der Sache nun nachgegangen und hat verständlichere Nach­richten über den Waldbewohner bringen können. Es handelt sich weder um einen Menschenaffen, noch um ein Ungeheuer mit einem Auge und vier Armen, wie vor einigen Tagen erst wieder eine Bäuerin erzählte, die atemlos und außer sich vor Entsetzen nach der Begegnung mit dem Ungeheuer wieder in ihr Haus zurückgestürzt kam. Vielmehr stellte der Jäger fest, nachdem es ihm gelungen war, näher an dieses Wesen heranzukommen, daß es sich um einen Menschen handelt, und zwar ist es ein Student der Philosophie, der unlängst durchs Examen gefallen ist.

Nach den Mitteilungen des Jägers scheint es, daß der Student nicht imstande gewesen ist, sein Mißgeschick philosophisch hinzunehmen, sondern daß er aus dem Hause geflohen ist, und, nachdem er einige Tage in der Umgebung seines Wohnortes um­hergestreift war, Zuflucht in den Wäldern von Jütland gesucht hat, fest entschlossen, alle Beziehun­gen zum bürgerlichen Leben abzubrechen. Der frühere Student hat sich eine Art Hütte unter einer riesigen Eiche hergestellt, in der er immer hausen will. Sein Gesicht hat sich mit einem dichten lan­gen Bart bedeckt, und er streift vollständig nackt im Walde umher, mit einem großen Pack Bücher unter dem Arm, einem mächtigen Regenschirm und einer kleinen Milchkanne voll Wasser. Aus den Bericht des Jägers haben die Behörden beschlossen, den Armen zu suchen und ihn in eine Anstalt unterzubringen, um die Einwohner der Gegend von einem Schreck- gespenst zu befreien.

Kunst und Wissenschaft.

Oer Historiker

Geheimrat Erich Marcks t-

Erst nachdem fein Leib schon der Erde übergeben war, wird der Tod von Erich Marcks gemeldet. Geheimrat Prof. Dr. Erich Marcks ist als Schilderet historischer Persönlichkeiten bekannt geworden und insbesondere durch seine Werke über Bismarck und Kaiser Wilhelm I. in die Reihe der großen deut­schen Historiker eingetreten. Durch seine Veröffent­lichungen über den Eisernen Kanzler hat er diese Persönlichkeit weiten Kreisen als unvergeßliche Ge­stalt vertraut gemacht, obwohl er die Biographie über ihn nicht mehr ganz vollenden konnte. Seine Forschungen galten ferner vor allem dem Zeitalter der Gegenreformation des Calvinismus und der Geschichte Frankreichs zur Zeit der Hugenotten­kriege.

Erich Marcks wurde am 17. November 1861 in Magdeburg als Sohn eines Baumeisters geboren, studierte von 1879 an in Straßburg, Bonn und Berlin neuere Geschichte und habilitierte sich 1887 in Berlin. 1892 wurde er als ordentlicher Professor nach Freiburg, 1894 nach Leipzig und 1901 nach Heidelberg berufen. Als Nachfolger Th. von H e i - g e l s folgte er 1913 einem Rufe nach München, und 1922 kam er an die Universität Berlin unter gleich­zeitiger Ernennung zum Historiographen des Preu­ßischen Staates. Seit 1928 infolge der Erreichung der Altersgrenze emeritiert, wirkte er weiter vor allem als Micherausgeber derDeutschen Geschichts­quellen des 19. Jahrhunderts". Mit feinem letzten WerkDer Aufstieg des Reiches" und vie­len weniger umfangreichen Schriften führte er die Linie der preußischen Historiker mit dem Blick für die politischen Entwicklungen lebendig fort.

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O F(jnf Röhren O Automatische Trennschärfe-Regelung O Schwundausgleich wie bei einem Großsuper O Glimm. Amplimeler O Sfumm-Abstimmung O Umschaltung auf Breitband-Nahempfang O Kein Rückkoppeln 0 Neuartige Klangregelung mit wahlweiser Anhebung der Tiefen oder der Höhen O Der Klang: lebendig wie das Leben KÖRTING

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