Nr. 277 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
26./27. November (938
Lunge deutsche Station
3u 52, Erbhof und Kinderbetten.
Was Pimpfe für das WHW. bauen.
Heimabende und besondere Werkabende der HI., des Jungvolks, des BDM. und der Jungmädel stehen im November im Zeichen des Wintcrhilfswerkes. Ueberall entstehen unter geschickten fleißigen Händen und unter der Anleitung von geschulten Führern oder Werklehrern Werkarbeiten, Spielzeug und GevrauchsAegenstände, die nach der Fertigstellung in kleinen örtlichen Ausstellungen gezeigt werden, um anschließend dem WHW. zur Verteilung an bedürftige Volksgenossen übergeben zu werden. — In die Werkabende von Pimpfen gibt der folgende Aufsatz einen Einblick:
Wenn sich ein Pimpf Mutters Küchenschürze vor die Uniform bindet und sich dabei nicht im geringsten komisch vorkommt, muß es damit schon seine eigene Bewandtnis haben. Wieso auch komisch? Wenn man Zwischen Farbtöpfen, Leimtiegeln und knöchelhohen Hobelspänen herumhantiert und sich nicht die Uniform bekleckern will, hängt man sich eben eine Schürze vor den Bauch, damit basta! Dadurch wird aus einem Pimpfen noch lange kein Jungmädel.
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So trifft man sie in den Werkräumen der Schule an, wo sie zwei, drei Abende der Woche bei ihren Wertarbeiten verbringen, zwischen Hobelbänken und halbfertigen Werkstücken. Obgleich die Aktion der Wertarbeiten erst Anfang November angelaufen ist, häufen sich schon die halbfertigen und die fertigen Stücke, die nur noch auf ihren Anstrich warten. Ein Pimpf verriet das Geheimnis dieser Massenherstellung: man hat schon im Oktober damit begonnen, um den Bedarf des WHW. schnell zu decken und danach noch eine kleine private Hilfsaktion für sudetendeutsche Kinde er zu veranstalten. Für sie hat z. B. einer sein llu-52-Modell, das er sich in einem Dutzend Modellbaustunden mühsam zusammengebaut hat, mitgebracht, um es „auf neu zu renovieren" und anschließend nach Gablonz gehen zu lassen, „am liebsten an einen Pimpfen, damit der mal sieht, was ein anständiges deutsches Flugzeug ist". Ebenso bauen sie an einem sudetendeutschen Erbhof mit Bauernhaus, Scheunen, Ställen und lebendem Inventar; nur sind sie sich über den Farbanstrich noch nicht einig, da aus dem Zeitungsphoto, das ihre Vorlage ist, zwar Form und Abmessungen, nicht aber die Farbe ersichtlich ist Das Prunkstück aber ist, mit fast einem Dutzend Figuren, ein Puppentheater, das für eine sudetendeutsche Spielschar bestimmt ist. Dafür wird gleichzeitig ein „Drama" geschrieben mit einer Handlung, in der es Maulschellen hagelt, so wie es sich für eine richtige Kasperlbühne gehört. Jeder der daran beteiligten Jungen muß den Kopf einer solchen Figur nach eigenem Entwurf schnitzen und sie gleichzeitig ausstaffieren.
Bettenbauen lernt man auf Fahrt in der Jugendherberge; aber das ist ein anderes Bettenbauen, als es hier in der Werkstatt betrieben wird. Hier entfiel) t nämlich in Gemeinschaftsarbeit von vier Pimpfen und einem Jungzugführer — Tischlerlehrling seines Zeichens — ein richtiges Kinderbett. „Für einen Kameraden!" sagen die Pimpfe lachend, und ihr „Meister" erklärt, daß es für ein anderthalb Monate altes Baby aus einer armen Familie bestimmt ist, die vom WHW. betreut wird. Das Holz dafür wurde vom Tischlermeister des „Meisters" gratis und franko geliefert, „damit der Junge mal zeigen kann, was er bei mir gelernt hat!"
Soldaten, Kühe, Schafe, Bäume und anderes Kleinspielzeug wird von den Jüngsten am laufenden Band hergestellt. Einer zeichnet nach den Schablonen — sie wurden nach Zigarettenbildern und Bilderbüchern entworfen — die Figuren auf das Holz, drei schneiden sie mit der Laubsäge aus, und der letzte bemalt sie. Für die Autos standen
ebenfalls Zigarettenbilder und ein Mercedes-Prospekt Modell.
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Gearbeitet wird mit einer Fixigkeit, als ob die Hungen in Akkordlohn stehen. Um Punkt sieben Uhr abends find alle vollzählig zum Dienst versammelt. — „Ach, wenn's doch immer so wäre!" seufzt ihr Fähnleinführer, und zwei Minuten später schon schnarren die Sägen, klopfen die Hämmer und rascheln die Hobel. So geht es zwei Stunden lang; manchmal werden auch Ueber-Viertelstunden gemacht, ohne daß es darum zu Hause gleich Aerger wegen Zuspätkommens gibt.
Manche der Pimpfe nehmen sich auch angefangene Stücke als „Heimarbeit" mit, um sie zu Hause fertigzustellen. Denn mit den zwei Stunden erschöpft sich die Arbeit nicht etwa. Die Entwürfe wurden alle außerhalb der Werkstunden geschaffen, z. T. in der Zeichenstunde der Schule, z. T. auch — das sollte hier eigentlich nicht verraten werden — im Unterricht hinter dem Rücken des Vordermannes.
Für die Stoffbespannungen und für die Kostüme der Kasperlepuppen wurden die Mütter und Schwestern als Näherinnen verpflichtet; die Babyausstattung des Kinderbettes besorgt der BDM., Farben, Pinsel und Leim werden von einem Pimpfenonkel, der glücklicher Drogeriebesitzer ist, gestiftet., „Bei uns kriegt jeder Arbeit und Brot", meint 8er Jungzugführer, der ob seiner Tischlereikenntnisse hier in der Werkstatt des Weihnachtsmannes das Kommando führt. Er beaufsichtigt alle Arbeitsvorgänge und die Werkzeugbehandlung, wirft Pfuscharbeit rücksichtslos in den Abfallkasten. Ja er hat seinen Handwerkerstolz: Sein größter Triumph wird es sein, seinen Meister im Dezember in die Werkarbeitenausstellung des Jungbannes zu lotsen und ihm die Arbeiten seines Fähnleins vorzuführen. Dann — so hofft er wenigstens — wird der „Alte" sagen: „Junge, Junge, du verstehst unser Handwerk besser als ich; ich hätte doch vielleicht lieber Portier werden sollen. h. s.
Hein, diese Zungmädel!
Die Pimpfe waren wütend. Endlich hatten sie vom Dorf ein Heim bekommen, und nun mußten sie es mit den Jungmädeln teilen. Hätten die Mädel nicht auch auf den klugen Gedanken kommen können, irgendeinen leerstehenden Raum im alten Gemeindehaus als Heim herzurichten! Natürlich hatten sie keine Stühle und Tische und konnten sich auch keine selbst machen. Die Pimpfe dagegen hatten wochenlang ihre freie Zeit dafür hergegeben, um das Heim recht schön einzurichtcn. Sie wollten bei der Einweihung zeigen, wie gut sie sich ihr Jung- zugheim aus eigenen Mitteln und mit eigener Arbeit Herrichten konnten.
Als die Bilder an der Wand hingen und die Lampe angebracht mar, fanden die Pimpfe, daß es doch noch etwas öde-in dem Zimmer aussah. Richtig — der Ofen fehlte ja noch, und wenn der erst von dem Töpferlehrling gesetzt war, würde es schon traulicher aussehen. Inzwischen mußten sie ihre Dienste schon im Heim abhalten, da das Wetter schon recht schlecht geworden war.
Nun hatte der Ofen zum erstenmal gebrannt urid nur zuerst etwas gequalmt. Die Pimpfe waren trotzdem noch nicht zufrieden und saßen knurrig in
Oie Jahreszeit
beeinflußt das Allgemeinbefinden vieler Menschen.
Sie sollten in den Wintermonaten, wenn die tägliche Lebens- und Ernährungsweise weniger zuträglich ist, Vioferrin nehmen.
Bioferrin ist ein vorzügliches Kräftigungsmittel.bei Blutarmut und Appetitlosigkeit.
Besonders in Genesungszeiten, nach schweren Krankheiten und Operationen geht es mit Bioferrin bald wieder aufwärts. 7267 V
( A \ [BAYER) \ E /
ihrem Heim. Richtig — es war ja nicht nur i h r Heim. Da waren die Jungmädel noch, die an den drei restlichen Tagen der Woche ebenfalls ihre Dienste im Heim des Jungzuges hatten. Weil sie das wußten, fühlten sich die Pimpfe wohl nicht so ganz wie zu Hause.
Sie malten ein schönes Schild und hängten es an die Tür. „Heim des Jungzuges 3/21" stand darauf. Ass sie am nächsten Mittwoch Basteln für das WHW. hatten, mußten sie auf ihrem Schild an der Tür erstaunt den Zusatz lesen: ,Fnd der JM- Schar 3". Das war ein starkes Stück! Nicht nur, daß die Mädel dasselbe Schild benutzt hatten und sich dabei noch in der Schriftart vergriffen — sie hatten ja gar kein Recht, sich so öffe-ntlich als Besitzer des Heimes auszugeben. Wütend riffm die Pimpfe die Tür auf und blieben mit offenem Mund auf der Schwelle stehen. Das Heim sah plöip lieh so freundlich aus! Auf den Tischen lagen Decken, und an den Fenstern hingen nette Gardinen.
Das war es, was noch gefehlt hatte! Die Pimpfe musterten die neuen Sachen recht gründlich und stellten an den groben Stichen fest, daß es die Jungmädel genäht haben'mußten.
Natürlich waren sich die Pimpfe, nachdem sich ihre erste Verwunderung gelegt hatte, einig, daß die Mädel auf jeden Fall hätten vorher fragen müssen. Das sagten die Jungen aber nur so, weil es ihnen schlecht ansteht, Freude zu zeigen. Am andern Tage aber konnten die Jungmädel ihrerseits über ein neues Schild an der Tür staunen. Das war aus Laubsägeholz gemacht, und diesmal waren die Namen der beiden Besitzer des Heimes in ein und derselben Schriftart geschnitzt. Kh.
Was wünschst du dir zu Weihnachten?
(Aufnahme: Elisabeth Hase, Frankfurt a. M.)
3n der Holzschniherwerkstatt.
Besuch bei „Glaube und Schönheit".
Jeden Mittwochabend treffen wir Mädel aus der Arbeitsgemeinschaft „Persönliche Arbeitsgestaltung und Werkarbeit" uns alle in der Drechslerwerkstatt. Es ist eine richtige alte Werkstatt mit einer Hobelbank, einer Schnitzbank, Säge- und Drechselmaschine. Es riecht nach Holz und Sägespänen, und die Lampen hängen ganz tief und bescheinen nur die Arbeitsplätze. In den Ecken aber liegt graues Dämmerlicht, und die aufgestapelten Bretter werfen lange Schatten. .
Unser Meister hat schon auf uns gewartet. Schnitzmesser und Holz liegen bereit, und wir brauchen uns nur noch unsere Schürzen vorzubinden, um gleich anzufangen. Wir sind schon recht fleißig gewesen. Einige Holzschalen sind fast fertig, und auch Lottes Leuchter nimmt bereits Formen an.
Es ist gar nicht so einfach, aus einem glatten, kantigen Stück Holz einen schönen runden Teller zu schnitzen. Wie oft habe ich früher vor einem Schaufenster gestanden und die ausgestellten Herrlichkeiten bewundert. Besonders die schönen kleinen Tierplastiken hatten es mir angetan. Es konnte doch nicht so schwer fein, ein solches Figürchen zu schnitzen. Im Geist sah ich mich schon mit vor Eifer hochrotem Kopf an einer Schnitzbank stehen und mit Holz und Schnitzmesser umgehen, und dann meldete ich mich zum „Holzschnitzen".
Als wir das erstemal in unserer Werkstatt standen und alle die Messer und Holzfeilen sahen, mit denen wir jetzt umgehen sollten, wurde es uns doch ein bißchen bänglich zumute. Aber rasch verging das wieder. Es ist eine eigene Atmosphäre in solch einer Holzschnitzwerkstatt, und wir wurden auch gleich davon angesteckt. Es sieht alles nach Arbeit und Können aus, und weny man all das Werkzeug liegen sieht, bekommt man eine unbändige Arbeitslust und traut sich plötzlich sehr viel zu. Aber der Meister lächelte doch ein wenig, als ich ihm sagte, ich wollte gleich ein Tier schnitzen, ein kleines Fohlen oder einen Hund. Und dann meinte er, ich sollte lieber erst einmal eine Schale ober einen einfachen Leuchter probieren und mich mit dem Material vertraut machen.
Er gab jeder von uns ein Stück weiches Holz und zeigte uns die Anwendung der Schnitzmesser. Aus das Holz zeichneten wir uns. die Form unserer.
Schale oder des Leuchters auf, und der Meister schnitt es uns mit der Säge aus. Dann durften wir schnitzen. Zuerst waren wir vorsichtig und wagten gar nicht fest zu arbeiten, aber dann wurden wir mutiger, besonders als wir sahen, wie sicher und rasch der Meister mit dem Messer umging.
Jetzt sind wir fast mit unseren Tellern fertig. Wir haben manches oabei gelernt und haben sehr aufpassen müssen, daß sie schön rund wurden und wir nicht mit einem allzu raschen Schnitt zu viel Holz verschnitzten, so daß sie häßliche Ecken bekamen. Man muß ein gutes Augenmaß haben und vor allen Dingen Fingerspitzengefühl. Sonst geht es einem wie einer Kameradin, die bei ihrem Teller plötzlich mit dem Messer durch den Boden durchstieß. Aber solch ein Mißgeschick raubte uns die Freude an der Arbeit nicht, und auch Ilse hat sich nrdjt entmutigen lassen. Man muß aus seinen Fehlern, die man macht, lernen, und Lehrgeld wird bekanntlich überall gezahlt.
Wir aber wissen, wieviel Mühe und Arbeit an all diesen Schalen, Leuchtern und Figuren hängt, die wir in den Schaufenstern bewundern, und mit welch unendlicher Liebe und Geduld der Meister an diesen Sachen arbeitet. Uns macht das Holzschnitzen in unserer alten, gemütlichen Werkstatt sehr viel Freude, und die ganze Woche hindurch freuen wir uns auf den Mittwochabend L. K.
3eder bringt eine Preßkohle mit
Eine luftige Heiingeichichte.
Eines Tages kam Heinz mit einem kleinen länglichen Paket unter dem Arm zum Heimabend. Wir hatten uns leicht frierend in gedankenvoller Betrachtung unseres Ofens versammelt und warteten der Dinge, die dieser Abend bringen sollte. Bisher hatte noch niemand gewagt, sich über die Kälte zu beklagen. Als nun Heinz unter andachtsvollem Schweigen fein Paket auswickelte, brach plötzlich ein homerisches Gelächter in der Runde aus.
Heinz fühlte sich ausgelacht, bekam vor Aufregung ganz rote Ohren und brüllte los: „Na, denkt ihr denn, ich habe Lust, mir hier Eisbeine zu holen? Wozu haben wir denn den Ofen?"
Irgendeiner im Hintergrund murmelte laut und vernehmlich etwas von „unmännlicher Verweichlichung" und „Muttersöhnchen". Da kam er aber bei Heinz schlecht an: „Du hast wohl noch nie etwas
von ,Kampf dem Verderb^ gehört? Wenn ich auf Fahrt bin, dann kann es meinetwegen kalt fein. Da kriege ich beim Laufen warme Füße. Hier aber um den Tisch sitzen und hochwissenschaftliche Vorträge mitanhören, da muß es denn wenigstens warm sein! Wenn ich nachher einen Schnupfen habe und im Bett liege, macht kein anderer meine Arbeit beim Meister!"
Jetzt mischte sich endlich der Scharführer ein, um den drohenden Krieg zu unterbinden. „Na, Heinz, laß man, du hast ganz recht! Allerdings hast du sicher,Schabenverhütung< statt ,Kampf dem Verderb* gemeint, aber das kommt in diesem Fall auf das gleiche heraus. Im übrigen ist der Gedanke gar nicht so schlecht mit den Kohlen!"
Es wurde an diesem Abend nichts mit den „hoch- wissenschaftlichen Vorträgen". Denn nach einer kurzen Konferenz stob die ganze Bande auseinander, um sich nach einer Viertelstunde wieder im Heim zusammenzufinden. Diesmal aber trug jeder ein ähnliches, in Zeitungspapier gewickeltes Paket unter dem Arm, wie vorher Heinz. Auch der, der da vorher von Muttersöhnchen gesprochen hatte. Der hatte übrigens sowieso schon einen Schnupfen.
Dann wurde erst einmal der Ofen auf seine Brauchbarkeit hin eingehend begutachtet. Wir hatten keinen Töpfer unter uns, aber sachverständig reden konnten mir alle auch ohne die nötige Vorbildung.
Da aber Reden in diesem Falle wenig nützen, mußte sich schließlich doch einer den Aermel auf- krempeln und den Ofen säubern. Es stellte sich heraus, daß früher schon einmal einer den Versuch gemacht hatte, den Wärmespender zu seiner oar- gcschriebenen Tätigkeit anzuregen. Offensichtlich vergebens. Das aber spornte unseren Ehrgeiz an, und so entstand vor dem Ofen ein großer Haufen verkohlter und halbverbrannter Pappe. Nebenbei war das ein Glück, denn natürlich hatte niemand an Kohlenanzünder ober Holz gedacht. Alle waren ja so stolz auf ihre Kohle.
Endlich schien der Weg in den Schornstein frei. Nun erhob sich die Frage, wer denn überhaupt heizen konnte. Alle drängten sich heran, aber keiner konnte zunächst auf die eingehenden Fragen des Scharführers feinen Befähigungsnachweis erbringen. Schließlich war es Fritz Schneider III, der glaubwürdig barlegen konnte, daß er noch niemals eine Wohnung mit Zentralheizung gesehen habe, dafür aber alle Morgen in der elterlichen Wohnung die Oejen zu betreuen habe. Ihm wurde ss also
überlassen, die heilige Flamme zu entzünden, die uns die Erwärmung bringen sollte. Wie den Sonnengott höchstpersönlich sahen wir unseren Kameraden an, als er nun vor dem Ofen kniete, Pappe und einige Kohlen säuberlich schichtete und dann die Streichholzschachtel zückte.
„Mensch, alle Kohlen mußt du 'reintun!. Sonst wird'das nicht warm!", riet einer, und ein zweiter murrte, daß „seine" Preßkohle auch noch nicht drin sei. Natürlich wäre es ohne „seine" Kohle nichts, und das Zimmer würde bei einer solchen Nichtachtung seiner Bemühungen eher Anwartschaft auf den Titel eines Eisschranks bekommen.
Die Aufregung hatte uns alle längst warm gemacht, keiner merkte mehr etwas von der herbstlichen Kälte. Einer aber, der Scharführer, merkte etwas anderes, während Schneider nun den Brand entzündete. Er sah nämlich nach der Uhr und machte die Feststellung, daß über all dem Reden und Treiben die Zeit des Heimabends verstrichen war und wir nach Hause gehen mußten. Gerade flackerte das Flämmchen luftig hoch, als er die Feststellung machte. Groß war daher die Enttäuschung, als er befahl, das Feuer auszulöschen. Schneider machte rasch bie Ofentür zu, und im Augenblick war das Feuer erstickt.
Als nun aber einer erklärte, daß wir bod) ruhig noch hätten bleiben können, bis ber OJen warm sei, da hatte unser kluger Scharführer den richtigen Mann gefunden. „Also gut, wenn du so viel Zeit hast, dann kommst du eben vor bem nächsten Heimabend eine Stunde vorher und orennst den Ofen an. Wie es gemacht wird, hast du ja eben gesehen. Außerdem liegt ja schon alles fertig drin!"
Hier war keine Widerrede möglich, und so hatte wieder mal einer zum Schaden aUch noch den Spott zu tragen. Eine Woche später aber brauchten wir wirklich nicht mehr beim Heimabend zu frieren. Der Ofen strahlte eine freundliche Warme aus, als wir kamen. Wieviel schöner und enger wurde da bie Runde um den langen Tisch' Jetzt fühlten wir uns hier in diesem Raum wirklich zu Hause, und wenn wir im Sommer oft nicht" gerade gern an das Heim gedacht hatten, weil wir lieber auf Fahrt ober auf bem Sportplatz waren, so hatte sich bas jetzt geänbert.
Als wir wieber hinausgingen in ben bunflcn, kalten Abenb, gab es keinen, der nicht rasch noch bem Ofen einen dankbaren Blick zugeworfen hätte unserem Ofens HorsL


