Ausgabe 
26.9.1938
 
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der tschechischen Polizei verhaftet.

Oie französisch-britischen Besprechungen

schwer gefesseltin das Braunauer Ge­fängnis eingeliefert. Bald darauf hörte man im Gefängnishof eine Salve von Gewehr­schüssen. Es verlautet, daß Jekubez erschossen worden sei. Beim Überschreiten der grünen Grenze wurden der Braunauer Sparkassenbeamte Spiezoke, der Webmeister Stierand und ein dritter Mann von den Tschechen angeschossen und schwer verletzt. Am Sonntag beschlagnahmten die tschechischen Gendarmen im Braunauer Land alle Rundfunkgeräte der Sudetendeutschen. Wahrscheinlich will man dadurch verhindern, daß die Betroffenen sich die Führer-Rede anhören. Die zwangsweise Einziehung der letzten sudetendeutschen Männer zum tschechischen Heer erstreckt sich nun auch auf Bucklige, Lahme, Taubstumme und Greise,

Berlin, 26. Sept. (DNB.) Der Völkische Be­obachter schreibt:Die Prager Regierung hat Sonn­tag in acht Sprachen über alle Sender in die ganze Welt- ein sogenanntes M a n i f e st verbreitet, mit dessen Hilfe sie d i e gesamte politische Lage zu vernebeln versucht. Dieses Manifest könnte als eine der üblichen schwülstigen Tiraden hinge­nommen werden, die nun schon seit Wochen täglich über die Prager Sender laufen, wenn es nicht Be­hauptungen enthielte, auf deren Richtig st ellung nicht verzichtet werden kann.

Es wird einmal in diesem Manifest die Behaup­tung aufgestellt, daß Deutschland in Godesberg er­neute Forderungen gestellt und dadurch eine ganz neue Lage geschaffen habe. Daran wird die Schlußfolgerung geknüpft, daß England und Frankreich die-sen neuen Forderungen genau so ablehnend gegenüberständen wie Prag, und Deutschland durch sein Verhalten die Verhand­lungen zerschlage.

Demgegenüber muß doch sehr eindeutig 3um Ausdruck gebracht werden, daß die Verhand­lungsgrundtage von Godesberg der bereits von der tschechischen Regierung an­genommene Berchtesgadener Plan

die als Pferdepfleger, Putzer usw. Verwendung fin­den sollen. In Rosenthal wurden zwei Sudeten­deutsche auf der Flucht erschossen. Die beiden Opfer verscharrte man heimlich an Ort u n d S t e l l e. Bei Weckersdorf in der Nähe von Braunau ist ein 15-Zentimeter-F eldgeschützin Stellung gebracht worden, das den Ort bedroht. Den Hutberger Paß halten 300 bis 400 Mann R 0 te Weh r" besetzt. In Weckersdorf gelang es tschechischen Gendarmen nicht, auch nur einen Wehr­pflichtigen zum Heeresdienst zu pressen, da alle Männer das Dorf verlassen haben und über die grüne Grenze geflüchtet sind. In Heinzen- dorf beschoß man aus den Kasernen heraus die zurückgebliebenen Dorfbewohner, so daß diese in h«llen Scharen nach Braunau flüchteten.

H 0 h e n l y ch e n, 26. Sept. (DNB.) Der ununter­brochen anhaltende Zustrom sudetendeutscher Flücht­linge aus der Tschecho-Slowakei hat die Flüchtlings­lager in den deutschen Grenzgebieten derart in An- pruch genommen, daß die Leitung des Hilfswerkes ihre Freimachung durch Abtransport der Sudeten deutschen nach Nord-und Mit­teldeutschland veranlaßt hat. ^anze Züge mit Flüchtlingen treffen nun schon seit Tagen in diesen Gebieten ein, wo in Heimen der NSV., der Partei­gliederungen und der Gemeinden eilig alle Vor­bereitungen für die Unterbringung getroffen worden sind.

Gauleiter a. D. K r e b s besuchte am Sonntag einige Flüchtlingslager in der Kurmark, um seinen sudeten- deutschen Landsleuten die Versicherung zu geben, daß ihnen im Reiche Adolf Hitlers jede erdenk­liche Hilfe zuteil wird. Zunächst besuchte er das Lager Strausberg, wo im Landesjugend­heim fast ausschließlich Frauen und Kinder aus dem Hultfchiner Ländchen untergebracht sind. Mit Tränen in den Augen berichteten die Müt­ter von ihrer Flucht. Fast 20 Jahre hätten sie alles Leid und alle Not ertragen, jetzt sei es nicht mehr auszuhalten gewesen. Die Tschechen hätten wie die Hunnen gehaust und jeden Deutschen mit Erschlagen bedroht. Die Männer hätten die tschechi­schen Gendarmen mitgenommen und wie das Vieh auf Lastwagen abtransportiert, während die Frauen und Kinder mit der Drohung, sie nach Sowjetruß­land abzuschieben, in panischen Schrecken versetzten. Mit tränenerstickter Stimme rief eine Frau, die ihre vier Kinder mitgebracht hat:Haus und Hof mußten wir verlassen! Unser Vieh stebt jetzt ohne Wartung in den Ställen und wird elend ver-

Erschütternde Szenen in den Flüchtlingslagern der Kurmark.

recken! Man wollte uns verschleppen! Da sind wir geflüchtet." Eine andere Frau rief:W i r haben schon abgestimmt! Wir stehen zu Adolf Hitler, wirwollen zumRei ch!" Es waren erschütternde Szenen, die sich immer wieder vor den Augen des Gauleiters abspielten.Grüßen Sie den Führer! Wir danken dem Führer!" So riefen die Menschen.

Gauleiter a. D. Krebs begab sich dann nach Templin, wo ^eichspostminister Ohnesorge das große Post-Erholungsheim, das in 27 Häusern 240 Wohnungen ausweist, zur Verfügung gestellt hat. Nahezu 1000 Flüchtlinge, 600 Kinder und 400 Frauen, sind hier aufs sorgsamste unter­gebracht und werden ausgezeichnet verpflegt. Im­mer wieder strahlt auch hier durch Tränen die Dankbarkeit cm das Reich, das die Notbeladenen in seinen Schutz genommen hat.

In H 0 h e n l y ch e n hat der Gau Kurmark seine G a u s ch ul e zur Verfügung gestellt.Wie schön ist es hier", ruft eine Frau aus dem nord­mährischen Schlesien aus,wie friedlich!" Es geht uns so gut hier, es ist kaum zu sagen! S e i t I a h - r en haben mir uns nicht f 0 satt essen können wie jetzt! Viele Frauen sind hjer, die im Kerker gesessen haben, weil sie ihre Kinder nicht in tschechische Schulen schicken wollten. Eine Groß­mutter hat neun Kinder über die Grenze gerettet, die nun alle ohne Vater und Mutter geblieben sind. Man muß die verzweifelten An­klagen dieser von Haus und Hof vertriebenen, aber noch in bitterster Not aufrechten deutschen Frauen gehört haben, um annähernd ermessen zu können, welche ungeheuere Schuld die Tschechen auf sich ge­laden haben.

war und Deutschland in Godesberg keine neuen Forderungen erhoben hat. Die Godesberger Verhandlungen haben sich vielmehr ausschließlich um die Modalitäten der Durchführung des Berchtesga­dener planes gedreht, also darum, in wel­cher Weise der von den Tschechen bereits angenommene plan von Berchtesgaden realisiert werden soll. Deutschland hat dazu bestimmte Vorschläge gemacht, die in dem schon genannten Memorandum zufam- mengefaht sind. Dir gehen nicht fehl, wenn wir annehmen, daß diese Vorschläge sich eng an das Vorbild der Räumung von El- sah-Lothringen durch die deutschen Trup- penimRovember1918 und das Linrücken französischer Truppen anlehnen, also um Me­thoden, die von der französischen Regierung und vom ganzen französischen Volke ebenso wie von den damaligen französischen Bundesgenossen gebilligt und hingenommen worden sind. Es kann deshalb auch heute um diese Methoden der Räumungsbedingungen kaum nocheine Diskussion geben."

lassen und hatte im Anschluß eine Unterredung mit Finanzminister Marchandeau. Außenminister Bonnet hatte die Botschafter der Vereinigten Staa- ten, Bullitt, und Japans, Sugimura, emp­fangen und hatte eine Unterredung mit dem ru­mänischen Gesandten Cesianu.

*

Am Sonntag wurde die Lage in Pariser politi- chen Kreisen wieder zuversichtlich beurteilt. Die Straßen von Paris zeigen ihr gewohntes Bild. Auch in der Pariser Sonntagspresse macht sich eme leichte Entspannung bemerkbar. Wenn man ich auch keinem übertriebenen Optimismus hingibt, 0 hofft man dennoch, daß die kommenden Tage die Möglichkeit einer friedlichen Losung der noch bestehenden Meinungsverschiebenhetten bringen werden. Bemerkenswert ist die Einmütig­keit, mit der die Blätter ohne Unterschied ihrer po­litischen Richtung hinter der Regierung stehen. DerMatin" hält es allerdings für not­wendig, im ernsten Tone vor übereilten Maßnah­men zu warnen. Die erste Pflicht Frankreichs be­stehe in der Beibehaltung seiner kalten Ueberlegung und darin, daß es sich nicht durch Herausforderun­gen von Provokateuren übertölpeln lasse. Sie be­stehe darin, genau abzuwägen, was möglich sei, und sich daran zu erinnern, daß Frankreich gegenüber der Menschheit auch Verpflichtungen habe. Die Ehre Frankreichs bestehe darin, nicht zu dulden, daß aus­ländische Hetzer Herr in Frankreich sind. Die (Ehre Frankreichs hänge weder von der Auffassung eines Herrn Litwinow noch von den Bezügen eines Herrn Benesch ab. Das rechtsstehendeOrdr e" sagt, man dürfe die Vorschläge des Führers nicht grundsätzlich zurückweisen. Derselben Ansicht istI 0 urn al", das erklärt, die Ausdehnung der Krise, die man infolge der Einmischung Litwinows befürchte, stelle einen wirklich ernsten Faktor dar. Der Petit P a r i f i e n" schreibt, die Godesberger Besprechungen hätten zu einer gewissen Ent­spannung der internationalen Lage geführt. So­lange die Prager Antwort aber noch nicht bekannt sei, und solange eine endgültige Regelung über die Abtretung der sudetendeutschen Gebietsteile nicht erfolgt sei, müsse die Lage immer noch als ernst angesehen werden.

Tschechischer Versuch zur Irreführung

In Godesberg hat es sich lediglich um die Modalitäten der Durchführung des von den Tschechen bereits angenommenen Plans gehandelt.

lages, Wagner, und der Budapester Korrespon­dent einer Reihe von großen deutschen Zeitungen, Riedel, der sich auf der Reise durch die Tschecho-

Fast 200000 Flüchtlinge auf Reichsgebiet

Tote Dörfer an der Grenze. - Auch slowakische Soldaten treten über.

ausgenommen worden, die die Regierung von der Nation erwartet hat. Frankreich wird auf diese Weise in der Lage sein, ruhig und würdevoll die wich­tige diplomatische Verhandlung fort- z u s e tz e n , von der die Erhaltung des Frie­dens abhängt."

Der pariser Kabinestsrat.

Paris, 25. Sept. (Europapreß.) Am Sonntag um 14.30 Uhr ist unter dem Vorsitz von Minister- präsident Daladier der französische Kabi­ne 115 r a t zusammengetreten, um die neueste Ent­wicklung in der tschechischen Krise zu besprechen. Ueber den Kabinettsrat, der zweieinhalb Stunden dauerte, wurde folgende Verlautbarung ausgegeben: Der Kabinettsrat hat den Bericht des Minister­präsidenten D 0 l ä d i e r und den des Außenmini­sters Bonnet über das durch den Reichskanzler an Chamberlain übergebene Memorandum angehört. Er hat einmütig bie (Erklärungen gebil­ligt, die Daladier und Bonnet der englischen Re­gierung in London zuv Kenntnis bringen werden." Daladier und Bonnet haben sich unmittelbar nach Beendigung des Kabinettsrats um 17 Uhr nach dem Flughafen Le Bourget begeben, um von dort

Erklärungen Daladiers.

Baris, 24. Sept. (Europapreh.) Ministerpräsi­dent Daladier gab am Samstagvormittag eine (Erklärung über die von der französischen Regierung auf militärischem Gebiet getroffenen Sicherheits­maßnahmen ab. Im wesentlichen Teile dieser Erklärung heißt es:In Verfolg der Entwicklung der außenpolitischen Lage hat sich die Regierung gezwungen gesehen, die bereits vorsorglich getroffe­nen Maßnahmen zur Sicherung der französischen Nordo st grenze zu ver­stärken. Im besonderen hat sie die dringende Einberufung gewisser Kategorien aus allen Jahresklassen beschlossen. Es handelt sich aber keineswegs u m eine allgemeine Mobilmachung. Parallel mit dieser Maßnahme und zur Sicherung der für die Truppen notwendigen Mittel wird das Requisitionsrecht auf Teil­gebieten Frankreichs erklärt". Das amtliche fran­zösische Gesetzblatt veröffentlicht eine Verordnung, wonach das Gesetz von 1938 über die Organisa­tion der Nation im Kriegsfälle auch für Algerien anwendbar wird. Eine andere Ver­ordnung untersagt die Ausfuhr von Eisenerzen und Mangan aus Französisch-Jndochina. Daladier er­klärte am Samstagabend Presievertretern: ,T)ie er- fnrderlichen Sicherheitsmaßnahmen sind in ganz

3n London eingefroren.

Lond 0 n, 25. Sept. (Europapreß.) Ministerpräsi­dent Daladier und Außenminister Bonnet sind am Sonntag 18.52 Uhr auf dem Flugplatz in Croy­don eingetroffen. Sie wurden im Namen der eng­lischen Regierung von dem Privatfekretär des Außen« Ministers, Oliver Harvey, und Oberst (Trane- shaw, empfangen. Außerdem hatte sich der fran­zösische Botschafter C 0 r b i n eingefunden. Als Bon­net von einem Berichterstatter gefragt wurde, ob immer noch eine HoffnungaufdenFrieden vorhanden sei, antwortete Daladier: 3m Europa müssen wir die Hoffnung stets aufrecht­erhalten.

Kabinettssitzung in London.

London, 25. Sept. (Europapreß.) Die am Sonntag um 10.30 Uhr zusammengetretene Voll­sitzung des englisch en Kabinetts wurde kurz nach 13 Uhr auf 15 Uhr vertagt. Während die­ser Pause war Ministerpräsident Chamberlain Gast des Königs zum Frühstück, im Buckinghampalast. Vorher hatte Chamberlain noch eine Besprechung mit den Mitgliedern des inneren K a b i n et t s, zu der noch Verteidigungsminister Sir Thomas Jnskip und Luftfayrtminister Sir Kingslay Wood hinzugezogen waren. Um 15 Uhr wurden die Beratungen des Kabinetts wieder ausgenommen. Im Verlaufe der Besprechungen wurde auch der parlamentarische Staatssekretär im Innenministe­rium, Sir Geoffrey Lloyd, zu der Sitzung heran­gezogen. Die Kabinettssitzung wurde um 17 Uhr abgeschlossen. Außenminister Lord Halifax be­gab sich in das Foreign Office, wo ihn der portu­giesische Botschafter erwartete. Ferner hatte der tschechische Gesandte Masaryk eine Besprechung mit Chamberlain und Lord Halifax.

Ställenbrüllt das Vieh, das seit Tagen nicht mehr gefüttert und versorgt worden ist. Während in den letzten Nächten Flüchtlinge die Grenze überschritten und das Vieh versorgten, ist dies feit der Nacht zum Sonntag unmöglich ge­worden.

Am Samstag wurde beim Ueberschreiten der grünen Grenze der Schneider Franz Jekubez aus Braunau von der tschechischen Gendarmerie gefaßt und, da er sich im Besitz einer Waffe befand,

aus die Reise nach London anzutreten. Am Sonntagvormittag hatte sich Ministerpräsident Da- , lädier von Generalstabschef Gamelin über die Frankreich mit der Kaltblütigkeit und Entschlossenheit getroffenen militärischen Maßnahmen unterrichten

Das Bild der englischen Sonntagspresse ist noch immer verwirrt. Uebereinstimmend weisen die Blätter jedoch darauf hin, daß die Entschei­dung setzt zweifelsohne von der Tschecho- Slowakei abhänge. Die Blätter betonen, daß Chamberlain das ganze Land hinter sich habe. Die Kritik an Chamberlain ist vollständig verstummt.

DerO b f e r 0 e r" stellt fest, Chamberlain habe aus Godesberg den Eindruck mitgebradjt, daß der Frieden noch immer gerettet werden könne, wenn alle Seiten Zurückhaltung übten. DerPeople" bemerkt, daß Deutschland mit Ausnahme der zeitlichen Begrenzung des deutschen Memorandums lediglich die Durch­führung der Konzessionen verlange, henen Prag kurz vor dem Fall der Hodza-Regierung zu­gestimmt habe. In London und Berlin erkenne man nunmehr, daß von der Antwort Prags das Schicksal b e g a n 5 en Welt ab» hänge.News of the World" schreibt unter der Überschrift:Krieg ober Frieden in der Hand der Tschecho-Slowakei",der Premierminister erklärt, daß die Aussichten nicht hoffnungslos seien", wenn Frankreich der Tschecho-Slowakei rate, den deutschen Plan anzunehmen, werde der Friede aller Wahrscheinlichkeit nach gewahrt wer­den.Sunday Expreß" (Beaverbrook) schreibt über seine Meldungen:Neue Hoffnung erhebt sich in Europa Werden die Tschechen Hitlers Ultimatum annehmen?" Die liberaleSunday Chronicle" schreibt, daß Großbritannien das deutsche Memo­randum, das tatsächlich auf ein Ultimatum hin- auslaufe, Prag übermittelt habe, daß aber kein englischer Druck auf die Tschecho-Slowakei ausgeübt worden sei. Das Blatt berichtet weiter, französische Staatsmänner hätten, als sie den Plan durchgesehen hätten, erklärt, sie glaubten, daß sich eine Regelung erreichen lassen werde.

Die Besprechungen werden heute fortgesetzt.

London, 26. Sept. (DNB.) Die französischen Minister suchten Sonntag um 21.23 Uhr Downing- street 10 auf, wo barm die Besprechungen mit den englischen Ministern begannen. Die Besprechungen ber französischen Minister mit bem Premierminister unb Lorb Halifax würben aus Anlaß ber um 23.15 Uhr stattfinbenden britten Tagung bes Kabinetts am Sonntag kurz unterbrochen. Die dritte Sitzung war gegen 0.30 Uhr beendet. Hierauf wurden die englisch' französischen Beratungen wieder aufgenommen, sie dauerten jedoch nur einige Minuten. Heute um 10 Uhr sollen die Beratungen mit den französischen Minister» fortgesetzt werden. Daladier erklärte beim Ver­lassen von Downingstreet einem Vertreter von Preß'

geois" bezeichne, so erkläre ich, daß sie sofort außer Kampf gesetzt werden.

Ich habe nicht das Bedürft, das italiemsche Volk dadurch zu verletzen, daß ich ihm empfehle, auch in den nächsten Tagen bie unerschütterliche Ruhe zu behaUen, bie es bis jetzt bewiesen hat. Ich weiß, daß jeder von euch, baß ihr alle für jebes Ereignis bereit seid. (Stürmische Ja- Rufe.) Diese eure Antwort, bieser euer orkanartiger Schrei ist im nämlichen Augenblick von der Welt vernommen worben, unb burch mich unb euch hat das ganze italienische Volk geantwortet. (Unge­heurer, stürmischer Beifall.)

Aus dem Munde des Duce hat das italienische Volk gesprochen, ber Jubel unb die Begeisterung, die bem Duce auf den Kundgebungen in Pavia und Vicenza entgegenschlugen, galten dem Bekenntnis zur unverbrüchlichen Freundschaft mit dem natio­nalsozialistischen Deutschland. Mit Dankbarkeit und Stolz nimmt bas beutsche Volk dieses erneute Zei­chen der Treue und Solidarität des italienischen Volkes entgegen.

Abgeordneter Knndt verhaftet

Auch eine Reihe Reichsdeutscher festgenommen.

Prag, 24. Sept. (DNB.) Der Donsitzenbe des Parlamentarischen Klubs der Sude- tenbeutschen Partei. Abgeordneter Kundt, ber sich während der ganzen letzten 14 Tage i n Prag aufhielt, ist am Samstag von der tschechi­schen Polizei verhaftet worden. Der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzenbe des Deutschen Hilfsvereins in Prag wurden am Samstag früh von Polizeibeamten aus ihren Wohnungen ge­holt unb währenb des ganzen Tages festgehalten, gegen Abend aber entlassen. Wie verlautet, sind im gesamten tschechischen Staatsgebiet zahlreiche Reichsdeutsche durch tschechische Polizei sestge-

Dresden, 26. Sept. (DNB.) Während an den s einzelnen Grenzabschnitten seit Samstag die deutsch- s tschechische Grenze durch tschechisches Militär Herme- 1 tisch abgesperrt ist, befinden sich an anderen Stellen j erhebliche Lücken, durch die immer noch ein u n - 1 absehbarer Flüchtlings ström quillt. < Ebenso ist die Bevölkerung einer großen Anzahl < von Dörfern, die vor den tschechischen Befestigungs- ! linien im Bereich der tschechischen Ge- 1 schütze liegen, a u f Reichsgebiet geflüch- 1 UL So sind z. B. von den 24000 Einwohnern des 1 Ortes Warnsdorf 20 000 geflüchtet-, ebenso befindet ' sich bie Bevölkerung ber Stäbte Weipert, Graslitz, i Rumburg, Cbersborf, mehr als 20 000 Menschen , aus Eger unb die Bevölkerung zahlreicher Grenz­dörfer geschlossen aus deutschem Ge­biet. Die Orte jenseits ber Grenze machen einen gespenstischen Einbruck Es sind tote Dörfer, durch die nur der Schritt tschechischen Militärs hallt. Die Fenster sind verhängt, auf den Straßen ist kein Mensch. In den Ställen brüllt, soweit es noch nicht von Militär beschlagnahmt und fortgeführt wurde das Vieh vor Hunger und Schmerz, weil schon seit mehreren Tagen die Kühe nicht mehr ge­molken werden konnten.

Unter den Flüchtlingen, die in der Nacht vom Samstag zum Sonntag und am Sonntag die Reichsgrenze überschritten, befinden sich m e h r als 50 v. H. im wehrpflichtigen Alter, denen es gelang, sich den tschechischen Truppen zu entzie­hend Ferner haben an einzelnen Stellen, so in der Gegend von Ziegenwald, Zittau und in der Nähe von Seidenberg Flüchtlinge um auf Reichsgebiet zu gelangen, tschechische Grenzwachen und Militär­abteilungen kampfunfähig gemacht und entwaffnet. Insgesamt wurden Sonntag 985 Offiziere und Soldaten entwaffnet auf reichsdeut­sches Gebiet gebracht und hier interniert. Es befinden sich darunter vier slowakische Offi­ziere und 96 slowakische Soldaten, bie an ber Reichsgrenze bie tschechischen Abzeichen von ihren Uniformen rissen -amb fortwarfen unb Hoch­rufe auf bie freie Slowakei ausbrachten. Die Ge­fangenen gehören in erster Linie ben Infanterie- Regimentern 42 unb 44, bem Artillerie-Regt. 4 unb bem Grenzjäger-Bataillon 9 an. Eine Zählung in den Flüchtlings- unb Durchgangslagern ergab am Sonntagabenb insgesamt eine Flücht- lingszahl von 194300. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge ist bereits in das Innere des Rei­ches transportiert, um die überfüllten Lager an der Grenze aufnahmefähig für weitere Flüchtlinge zu machen.

Furchtbare Zustande in den Grenzorten.

Greise und Krüppel alsGeisel fortgeschleppt

Bärenstein, 26. Sept. (DNB.) Die Stadt Weipert im Erzgebirge, die von 95 v. H. der Bevölkerung geräumt ist, wurde am Samstagabend erneut durch Militär be­setzt. Das Militär drang in die Wohnungen ein und verhaftete in erster Linie Geiseln, fast aus­schließlich alte Leute, die zur Versorgung des Viehs im Ort zurückgeblieben waren, darunter so­gar einen Krüppel. Die Geiseln, unter denen sich Männer von mehr als 75 Jahren befin­den, wurden gefesselt abgeführt unb mit Lastkraftwagen abtransportiert. Unter den Geiseln befinben sich auch ein Reichsbeutscher sowie ein Schweizer Staatsangehöriger, der seit längerer Zeit in Weipert anfäffig ist.

Ferner wurden im Hotel Stadt Leipzig Spren­gungen vorgenommen, weil das Hotel Verkehrs­lokal ber Subetenbeutschen ist. Auch die Apo­theke ist burch Handgranaten vollkommen zer - stört worben. Der Apotheker würbe abgeführt. Es befinben sich in der Stabt jetzt roeber Arzt noch Apotheker. Vier Tote liegen seit brei Tagen in ihren Wohnungen, ohne baß eine Möglichkeit be­steht, sie zu bestatten, da es keine Särge gibt unb auch der Totengräber geflüchtet ist. Inden

N°mm°n worden In T ° t sch en wurden nach wurden der S°nderbericht« Sch^D-r. richten von reichsdeutschen Flüchtlingen Zoll- und Eisenbahnbeamte, die auf ben reichst) eut-

S>t^^e^"a6e^ = fütrLs&fd SÄ7i' bTfänb? obne Angabe non Stünben non ist vorläufig unbekannt. ' Am Samstagvormittag ber tschechischen Polizei verhaftet.