bereit. Ganz bequem wären die Reisenden hineinspaziert, ohne erst durch eine Sperr« zu gel)en. Die Fahrkarte wird auch nicht geknipst. Keine Fahrkarte? Oho! Doch haben sie eine, hier: den grün* geränderten Tierfrachtbrief! Im Laufe der Meise seien dann noch weitere Wagen hinzugekommen, und schließlich war ein ganzer Diehzug beisammen. Der Beamte fügt hinzu, daß Tiere immer mit Eilgüter- und schnellfahrenden Güterzügen befördert werden, manchmal auch mit Personenzügen. Dann also sind sie richtige Reisegefährten, lacht mein Nachbar.
Der Diehzug ruckt an und wird ein Stück vorgeschoben. Während er langsam an uns vorüber, gleitet, werfen wir einen Bliick in die andern Wagen. Hier sind z. B. kleinere Tiere drin, Ferkel, Geflügel, Kaninchen, und sie stecken in Kisten, Körben und anderen Behältnissen. Ueberall herrscht lautes und ein bißchen aufgeregtes Leben, Grunzen, Gackern und Schnattern. Dann entgleitet neben uns der letzte Wagen; das Gleis ist wieder leer. ZdR.
Dornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Andalusische Nächte".
RS.-Gememschast„Kraft durch Freude". Amt Reisen — Wandern — Urlaub.
Für die Rorwegenfahrt SF. 103 vom 13. bis 20. September 1938 sind einige Plätze frei geworden. Anmeldungen können noch in der Geschäftsstelle, Lettersweg 60, abgegeben werden. Teilnehmerpreis beträgt 60,— RM.
Abteilung Sport.
heule abend findet wieder die Schwimmstunde im Volksbad in der Zeit von 20.30 bis 21.30 Uhr und von 21.30 bis 22.30 Uhr statt. 5487D
Obstbäume werden gezählt.
Lpd. Die letzte Obstbaumzählung im Deutschen Reich fand im Jahre 1934 statt, wobei etwa 125 Millionen ertragsfähige Bäume ermittelt wurden. Diese Erhebung vom Jahre 1934 weist nach dem Urteil von Sachverständigen des deutschen Obstbaues zum Teil große Lücken auf, weil damals der Zweck der Erhebung von den Besitzern nicht immer verstanden wurde, auch das Interesse an der Baum- pflege nicht überall im gleichen Maße vorhanden war und vor allem, weil ein großer Teil der Besitzer seine Angaben nur in abgerundeten Zahlen und damit meist zu niedrig machte. Inzwischen sind nun auch erhebliche Aenderungen im Obstbaumbestand eingetreten, einesteils durch die zahlreichen Neupflänzungen, zum anderen Teil durch die Ausmerzung vieler Bäume bei der wegen der Schädlingsbekämpfung angeordneten Entrümpelung der Obstgärten.
Um eine zuverlässige Unterlage für die Ermittlung der Obsterträge zu erhalten, wird noch im Spätsommer auf Anordnung des Reichsernährungsministers eine Zählung aller Obst- bäume im gesamten Reichsgebiet durchgeführt. Gezählt werden Obstbäume und Sträucher im Hausgarten, auf freiem Ackerfeld, an Straßen und Eisenbahndämmen. Erfaßt wird Standort, Baumform und Ertragsfähigkeit der Bäume.
Die Erhebung soll außer der einwandfreien Er- fassuna der Obstbäume nach Zahl und Art auch die Unterlagen für die regelmäßige E r m it t - lung der höhe der Obsternten geben, deren Ergebnisse für die Regelung des Absatzes von großer Bedeutung sind.
• *
** Silberne Hochzeit. Am morgigen Samstag, 27. August, können der Kaufmann Heinrich Fahrenbach und Frau, geborene Weber, Frankfurter Straße 73, das Fest der silbernen hoch- zeit begehen. Der Jubilar ist durch seine rege Mit-
Alles Alteisen -em Vaterland!
Aufruf der Kreisleitung Wetterau.
Der mit der Durchführung des Vierjahresplanes vom Führer beauftragte Geueralfeldmarfchall, S2L- Obergruppenführer Hermann Göring, der Schöpfer der neuen deutschen Luftwaffe, hat das gesamte deutsche Dolf zu einer umfangreichen
Schrottfammelaktion aufgerufen und die SA. mit deren Durchführung beauftragt.
Ich richte daher an alle Volksgenofsen des Kreises Dellerau die Bitte, stellt alles verfügbare Alteisen, wie alte Oefen, Eisenreife, unbrauch
bare Maschinenteile, nicht mehr verwendbare Pflugscharen und Eggen, eiserne Behälter, alte Eisengitter und dergleichen, zur Verfügung. In jedem bäuerlichen Betriebe, in jedem haushalte und Gewerbebetriebe läßt sich solches Alteisen finden, und sei es auch noch so wenig. Für euch ist dieses Altmaterial wertlos, für das Vaterland aber wertvoll. Darum stellt es bereit und gebt es der SA.» die es in der Zeit vom 22. bis 2 7. August abholt.
Backhaus, Sreisleiter.
Vorbildliche Zeltstadt für die hessen-nassauischen Marschteilnehmer
NSG. In diesen Tagen wurden im Gau Hessen- Nassau die Appelle für die Marschteilnehmer der Partei am diesjährigen Reichsparteitag beendet. Die 4048 Parteigenossen unseres Gaues haben damit ihre letzte Ausrichtung für das größte politische Geschehen in den ersten Septemberwochen erhalten und stehen nunmehr für Nürnberg bereit.
vorbildlich sind die Männer in ihrem Auftreten und ihrer Haltung, so daß sie den Gau h e f - sen-Rasfau würdig vertreten werden und vor den Augen des Führers bestehen können.
Inzwischen ist im Lager Moorenbrunn, in dem die Marschteilnehmer während ihres Aufenthaltes in Nürnberg untergebracht werden, unermüdlich gearbeitet worden. Born Reichsarbeitsdienst wurden jetzt die Zeltager fertiggestellt. In den nächsten Tagen wird mit dem Ausbau des Lagers begonnen.
Wie wird nun das Zeltlager Moorenbrunn nach seiner Fertigstellung aussehen? Das Lager teilen die Marschteiln^hmer unseres Gaues mit den Kameraden aus den Gauen Düsseldorf, Magdeburg-An- Halt und Mecklenburg. Für je zwei Gaue werden die Zelte in einem offenen Viereck um einen freien Platz errichtet. Mit dem Gau Hessen-Nassau bildet der Gau Mecklenburg eine abgeschlossene Zeltstadt. Zum Lager führt von der neuen Straße aus, die erst in oiesem Jahre fertiggestellt wurde, eine etwa 30 Meter breite Straße. Am Eingang Aum Lager wird eine große Pforte errichtet, die besonders geschmückt wird. Auf dem Tor wird in großen Buchstaben schon von weitem zu lesen sein, daß die Zeltstadt das Lager des Gaues Hessen-Nassau ist. Rechts vom Eingang liegen die Baracken für die Lagerleitung, links ist das Wachzelt aufaebaut. Neben dem Wachzelt befindet sich das Derpflegungszelt, an das sich dann die Unterkunftszelte anschlreßen.
Insgesamt wurden für den Gau Hessev-Rasiau 22 Zette errichtet, die mit je 184 Mann belegt werden.
Die Zelte nehmen die Längsseite und die Hälfte der Querfette ein. Dor den Zelten stehen das Sanitätszelt und das Zelt der Feuerwache, hinter jedem Zelt wurden die Waschvorrichtungen erstellt, die in
wenigen Schritten vom Zelt aus zu erreichen sind. Das gesamte Zeltlager wird von Fahnenmasten umsäumt, von denen während des Reichsparteitages die siegreichen Flaggen des Nationalsozialismus wehen und dem Gelände einen festlichen Anblick geben werden. In der Mitte des freien Platzes, der von den Zelten des Gaues Heffen-Naffau und des Gaues Mecklenburg begrenzt wird, erhebt sich der Kommandoturm, von dem aus die Befehle der Lagerleitung erteilt werden.
Der kommandoturm ist umgeben von dem Fahnenhof, der aus den Fahnen der beiden Gaue gebildet wird.
Vor dem eigentlichen Laaer sind Derkaufsstände aufgebaut, in denen die Lagerinsassen sämtliche Bedarfsartikel kaufen können.
Die Zelte selbst werden für den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet. Zum Schlafen und Ausruhen werden nicht mehr Strohlager dienen, sondern es werden Pritschen mit Matratzen aufgestellt. Jedes Zelt erhält weiter eine Lautsprecheranlage.
Zum Veichsparieitag:
Gonderzug Gießen-Nürnberg.
NSG. Die Politischen Leiter des Gaues Hessen- Nassau werden in diesem Jahre insechsSönder- zügen zum Reichsparteitag 1938 nach Nürnberg gebracht. Zwei Züge fahren schon am 5. September ab Frankfurt a. M., während die restlichen vier Züge am 7. September den Gau verlassen. Sämtliche Züge kehren am 14. September wieder zurück.
Don Gießen aus verkehrt ein Sonderzug hin und zurück nach folgendem Fahrplan:
Zug Nr. 316 - Zug Nr. 1316
Hinfahrt: 7.9.1938 Rückfahrt: 14.9.1938
5.15
ab
Gießen
an 15.29
5.47
Hungen
„ 14.56
6.08
Nidda
„ 13.44
6.37
Stockheim
„ 13.18
6.53
• e
Büdingen
„ 13.04
7.23
Gelnhausen
„ 12.34
8.45
Schlüchtern
„ 11.58
9.12
Elm
„ 11.23
14.05
an
Nürnberg-Dutzendteich
ab 6.33
arbeit an der Aufgabe der Kameradfchasten der alten Soldaten in weiten Kreisen bekannt uni) beliebt geworden. Dem Jubelpaar auch unseren herzlichen Glückwunsch!
♦ * Unfälle. Ein 22jähriger Metallarbeiter aus der Glaubrechtstraße geriet mit der linken Hand in eine Drehbank und zog sich eine schwere Handquetschung zu. — Ein 52jähriger Schneidermeister kam in der Bismarckstraße unglücklich zu Fall und erlitt einen Bruch des rechten Oberarmes. — Eine 14jährige Schülerin aus der Crednerstraße wurde
von einem Hunde angefallen und schwer in die linke Hand gebissen. — Beim Spiel im Schulhof erlitt eine Schülerin aus der Feuerbachstraße einen Ellen- bogenbruch. Die Verunglückten wurden in die Chirurgische Klinik gebracht.
* * Probealarm der Feuersirene. Von der Feuerwache wird am heutigen Freitag zu verschiedenen Zeiten eine neuaufgebaute Feuersirene probeweise in Betrieb gesetzt werden. E^ besteht also beim Ertönen dieser Sirene kein Grund zur Beunruhigung.
* * D i e Schwimmhalle des Städtischen Volksbades ist vom heutigen Freitag ab wieder geöffnet.
Aus der engeren Heimat.
Unfälle auf dem Lande.
Der 39jährige Arbeiter Karl Sommer aus Leihgestern geriet mit der rechten Hand in ein rotierendes Messer und zog sich schwere Verletzungen zu. — Mit mehreren Rippenbrüchen mußte der 28jährige Arbeiter Otto Will, ebenfalls aus Leih- gestern, in ärztliche Behandlung gebracht werden. Ein zurückschnellender Bremshebel traf ihn an der Brust. — Als der 41 Jahre alte Landwirt Heinrich Hofmann aus Lützellinden in seiner Scheune Stroh auf die Tenne werfen wollte, stürzte er ab und erlitt dabei einen Fußgelenkbruch. — Bei einem unglücklichen Sturz von einem Stuhl brach sich die 57jährige Ehefrau Wilhelmine Becker aus Dorlar den rechten Oberarm. — Der 60 Jahre alte Landwirt Wilhelm Jost aus Atzenhain wurde im Stall von einer Kuh angegriffen und getreten. Dabei erlitt er einen Bruch der linken Schulter. — Mit einem komplizierten Armbruch wurde der Landwirt Johann Eckhardt aus Hochelheim in ärztliche Behandlung gebracht. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht.
Landkreis Gießen.
* Klein-Linden, 26. Aua. In Allendorf an der Lahn wurde am 16. August ein Fahrrad ge» stöhlen, das trotz eifrigen Suchens nicht auf gefunden werden konnte. Am Tage darauf wurde das Fahr- rat) in Klein-Linden herrenlos aufgefunden und bei der Polizei abgegeben. Die Nachforschungen haben nun ergeben, daß dieses Rad einem Manne namens Richard hedderich aus Lützellinden gehört, ihm bei einem Aufenthalt in Allendorf gestohlen und nach Klein-Linden verschleppt worden war.
* Allendorf (Lahn), 26. Aug. Dieser Tage ereignete sich beim Fruchteinholen ein Unfall. Ern hochbeladenes Fuhrwerk stürzte auf schlechter Straße um und die Getreidemassen begruben eine Frau unter s i ch. Erst nach einiger Zeit gelang es, die Frau zu befreien. Die Verunglückte hatte bei dem Sturz vom Wagen eine Gehirnerschütterung erlitten und mußte in ärztliche Behandlung gebracht werden.
ch Steinbach, 25. Aug. Der im Dienste der Post fahrende Autobus Gießen — Steinbach erlitt heute abend auf seiner Fahrt Gießen ab 17.20 Uhr in Annerod einen Unfall. Als der Wagen um die unübersichtliche Kurve bei der Kirche in Annerod fuhr, fuhr ihm von der Gegenseite ein Personenauto in d i e Flanke. Glücklicherweise entstand nur Materialschaden, immerhin mußten die Fahrgäste aus Steinbach zu Fuß von Annerod hierher gehen.
cxd Eberstadt, 25. Aug. Dieser Tage wurde die hiesige Freiwillige Feuerwehr überraschend zu einer Nachtübung alarmiert. 0.10 Uhr blies der Signalist und nach 15 Minuten waren zahlreiche Feuerwehrmänner am Spritzenhaus angetreten. Rasch ging es bann mit den Geräten zur angenommenen Brandstelle. Eine Scheune in Der Nähe des Brandweihers war das Objekt des Angriffs. In wenigen Minuten konnte Wasser gegeben werden. Die Spritze arbeitete tadellos. Die Wehr bewies mit dieser Hebung ihre Schlagfertigkeit recht eindrucksvoll.
Kreis Schotte».
△ Laubach , 25. Aug. Am Freitag, 26. August, feiern der Altersinvalide Johannes Högel V. und Ehefrau Marie, geb.-Althaus, in geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit.
> Laubach, 24. Aug. Am Sonntag veranstaltete der hiesige Schützenoerein fein diesjähriges Hauptschießen. Die Beteiligung Der Schützen — auch von auswärts — war gut. Abends fand im „Schützenhof" die Preisverteilung statt, die folgendes Ergebnis hatte: Schützenkönig wurde Karl Schlörb (Walkmühle), 166 Ringe; 1. Ritter:
35. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
,Es ist
Hände zitterten.
»be war und alles
andere ein törichter Irrtum.
(Fortsetzung folgt!)
Es dauerte eine hinterkam, warum
legte die Zeitung weg, seine 38.
Jufftieg unternehmen. Ich bleibe dicht hinter Ihnen, und wenn
Es verging kein Tag, an dem sich nicht Peter Stoll eingefunden hätte. Die Besuche in Lauterbrunn
Zwei hinter Gisela.
Vornan von Hans Hirthammer.
Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.
Tatsächlich, der Zuruf hatte seine Wirkung nicht verfehlt, sie kamen wieder ein schönes Stück vorwärts.
Sie waren nur noch etwa zwanzig Sprossen vom Ziel entfernt, da ging es von neuem los. Gisela rührte sich nicht mehr von der Stelle. „Ich kann nicht mehr!" kam es kläglich. „Mir ist so elend. Ich kann mich nicht mehr halten."
So, da hatte man die Bescherung. „Gisela", bettelte er. „Gleich sind wir oben! Versuchen Sie es! Alle Kraft zusammennehmen! Es muß gehen!" „Ich kann nicht!" hauchte sie.
Da beschloß er das Aeußerste zu wagen. Zum Glück war Die Leiter breit genug, daß er sich noch einige Sprossen emporarbetten konnte, bis seine Schultern etwa in der Höhe ihrer Hüften waren. Mit Der einen HanD sich festklammernd, umfaßte er sie mit Der anderen, so gut es gehen wollte. Er preßte Die ZitternDe mit aller Gewalt an sich und begann nun höher zu klimmen, fest an die Leiter geschmiegt, ganz langsam, Sprosse um Sprosse.
„Es ist eine reizenDe Stube Droben!" redete er ihr zu, um sie von Der Gefahr abzulenken. „Ein Tisch, ein paar Stühle unD ein ganz wurmstichiges Sofa. Früher war Das nämlich Die Behausung des Turmwächters, wissen Sie. Der hatte nichts weiter zu tun, als auf Die Feinde zu lauern und alle zwei Stunden in fein Horn zu blasen. Ein beschauliches Dasein, nicht?"
Während er so auf sie einredete, rann ihm vor Anstrengung der helle Schweiß von der Stirn. Mit Dem letzten ÄraftaufmaxD zerrte er sich unD seine Last in Die Höhe.
Jetzt noch zehn Sprossen, ah, noch neun, nun noch acht!
Sein Kopf tauchte über die Bodenluke, jetzt schoben sich Die Schullern nach — und Dan» war es so weit, daß er das Mädchen über den 3Mnb des Stubenbodens hinweg kippen konnte.
In dem Augenblick, da Gisela festen Boden unter sich fühlte, loste sich die schwindelige Lähmung ihrer Sinne, und als Peter mit einem keuchenden Atem- stoß sich neben ihr niederließ, fühlte er sich plötzlich von ihren Armen umschlungen, sah ihr schluchzendes Gesicht dicht an dem seinen.
Es war das neugeschenkte Leben, das sie zu- emanbertneb und alle Hemmungen versinken ließ
„Peter!" stammelte sie. „Nicht böse fein, Peterle!" ..Sehr böfe, Madel!" jubelte er und küßte sie. und versank in diesen Kuß wie in einen Adarund des Glückes.
Endlich erschien Der Heißersehnte. Sein Gesicht war bleich, verstört, die Haare standen ihm wirr um den Kops. Er stolperte ins Auto, und im nächsten Augenblick setzte sich der Wagen in Bewegung.
„Verflucht!" dachte Toni, während er sich auf die nächste Straßenbahn schwang. „Dem ist ja der Schreck ordentlich in Die GlieDer gefahren! Kunststück, wenn man feine mühsam gegerbten Felle. Davonschwimmen sieht!"
Noch am gleichen Tage stellte Kindlmann Den Be- sitzer des Wagens fest. Es war eine Frau Dorothea Malick, wohnhaft in der Neanderstraße.
Am andern Morgen berichteten die Zeitungen in großer Aufmachung von einem Mord in der Milmersdorfer Straße. Eine alleinstehende Witwe, eine gewisse Frau Kretschmar, war erwürgt auf dem Sofa ihrer Stube aufgefunden worden. Nach den ärztlichen Befunden mußte das Verbrechen etwa gegen fünf Uhr nachmittags am Vortage verübt worden fein. Don dem Täter fehlt jede Spur, jedoch waren eifrige Nachforschungen im Gange, wer die Frau in der fraglichen Zeit besucht hatte.
Toni Kindlmann ' “ ~ ’
Kindlmann verließ mit einem siegesfrohen Lächeln Das Haus. Ein Glück, Daß man Dem Burschen noch zuoorgekommen war! Vielleicht wäre es ihm doch gelungen, Die Alte Durch UeberreDung unD durch Geld zum Schweigen zu bringen.
Dor Dem Haus stand ein Auto. Ob Radegast Darin angefommen war? Ob es ihm selber gehörte?
Tom beschloß, auf Radegasts Rückkehr zu warten und widmete sich mit hingebungsvollem Eifer Der Betrachtung Der umliegenden Schaufenster, nachdem er sich die Steuernummer des Autos aufgeschrieben hatte.
Es dauerte peinlich lange, bis Radegast zum Vorschein kam. Toni zog ungeduldig die Uhr. Zehn nach fünf. Lange konnte er nicht mehr warten, da er sich mit Heli verabredet hatte.
Und sie, indem sie feinen Kuß empfing und dann von der Beschenkten zur Schenkenden wurde, sie wußte, daß dies allein Die Liebe war und «lles
Peter blickte sie forschend von der Seite an. Ihre Kaltblütigkeit dünkte ihm nicht gaiu echt. “ " am besten, wenn Sie zuerst den Aufstie
in Der Nähe Des Schloßdaches, unD Dann tat sich ringsum Die Landschaft gewaltig und weit den staunenden Blicken auf.
Die Treppe endete auf einen Söller, von dessen Plattform man weit hinaus über Täler und Höhen blicken konnte.
Hengersdorf lag tief ju den Füßen der Schauen- den, wie aus einer SpielzeuAchachtel hingestellt. An der Grenze des Blickfeldes glitzerten hinter dunstigen Schleiern Die Dächer unD Türme von Breslau.
Als sie sich satt gesehen hatten, deutete Peter nach dem Hintergrund des Söllers. „Hier, Fräulein Gisela, das ist Die Leiter. Wollen Sie sich wirklich hinaufwagen?"
Gisela hob Den Blick nach oben, wo Das Gestänge der Leiter im Dunklen verlchwand, und es wuroe ihr doch ein wenig schummrig zumute. Aber nicht um alles in der Welt hätte sie eingestanden, daß sie im Begriffe war, Den Mut zu verlieren.
„Warum nicht!" sagte sie mit geringschätzigem Naserümpfen, und plötzlich packte sie die Lust an Dem Abenteuer. „Wollen Sie Den Anfang machen
geraume Zett, bis Gisela da- sie sich auf eine fo befonDere Art glücklich fühlte. Sie wußte zunächst-nur, daß dieses Glücksgefühl nichts mit der äußerlichen Der- änderung ihres Lebens zu tun hatte.
waren ihm zu einer lieben und köstlichen Gewohnheit geworden, und als Lore Jasper einmal lächelnd behauptete, daß sie diesen Eifer äußerst verdächtig fände, da wurde er zuerst verlegeb, und dann bekam er Lore an den beiden Schultern zu fassen und legte ein Geständnis ab.
„Ich habe mir schon so etwas gedacht!" sagte Lore.
„Glaubst du, daß — daß sie mich mag?"
„Da mußt du sie schon selber fragen, mein Lieber! Paßt sie denn zu Dir? Das arme Ding zu Dem zukünftigen Fabrikleiter?"
„Deine Dummen Witze kannst Du für dich behalten, Mädel!" lachte er. Dann wurde er ernst. „Weil du gerade vom „Fabrikleiter" sprichst — du, ich habe ein hübsches Grundstück für die Fabrik gefunden. Unmittelbar an der Bahn! Es gehört zum Lauter- brunner Besitz. Ob man es wohl bekommen könnte?"
„Du kannst ja einmal mit Kindlmann darüber sprechen! Aber sieh vor allem zu, daß du mit der Gisela ins Reine kommst, das ist die Hauptsache!"
Als er an jenem Tage nach Lauterbrunn kam, fand er Gisela mit der Lektüre eines Briefes beschäftigt. Bei seinem Eintritt legte sie ihn hastig beiseite.
Ihr Gesicht war verdunkelt, und er hatte fast den Eindruck, als habe etwas Fremdes von ihr Besitz ergriffen, das sie nicht gleich abzuschütteln vermochte.
„Unangenehme Nachrichten?" fragte er, nachdem er sie begrüßt hatte. „Man ruft Sie doch nicht etwa vom Urlaub zurück?"
,Xd) nein! Nichts von Bedeutung!"
Sie wußte selber nicht, warum sie sich über den Brief von Radegast ärgerte. Er schrieb zärtlich wie immer, berichtete von den Vorbereitungen zur Hochzeit und von seiner Sehnsucht.
Wie fremd war ihr dieser Mann geworden in den paar Tagen, da sie ihn nicht mehr gesehen hatte! So fremd, daß sie sich fein Gesicht nur noch in verschwommenen Umrissen vorstellen konnte.
Sie schob mit einem tiefen Atemzug die quälenden Gedanken von sich. Noch war sie hier in Lauterbrunn, noch war Peter Bürger bei ihr, noch Durfte sie glücklich sein.
„Ich wäre heute in der rechten (Stimmung, etwas Waghalsiges zu unternehmen!" rief sie in übertriebener Luftigkeit. „Wie wäre es mit dem längst versprochenen Bufftieg auf Den Schloßturm?"
„Herrlich! — Wenn Sie Lust dazu haben —?" Eine halbe Stunde fpäter betraten sie den Schloß- Hof und gelangten zu der kleinen Eisentür, die Den Zugang zum Turm bildete.
In steilen und engen Windungen führte die Wendeltreppe nach oben. Don Zeit zu Zeit gab eine Luke den Blick frei. Man benützte Die Gelegenheit unD steckte Den Kopf hinaus. Immer tiefer versank Das weiße Viereck Des Hofes. Nun war mau schon
Sie Dann wirklich schwinDlig werden sollten, kann ich Ihnen helfen. Vernünftiger wäre es ja, wenn wir Den Unsinn bleiben ließen!"
Aber Gisela lachte nur. Sie stand schon am Fuß Der Leiter, nickte ihm noch einmal großartig zu und nahm dann Das Werk schneidig in Angriff. Peter folgte ihr kopfschüttelnd.
Zunächst ging alles gut. Gisela tarn mit ihrer Gelenkigkeit mit ziemlicher Schnelle voran.
„Bravo, Fräulein Gisela!" feuerte Peter sie an. Er warf einen Blick in die Tiefe und stellte fest. Daß sie schon reichlich über Die Hälfte Des Weges zurückgelegt hatten.
Die Leiter schwankte beträchtlich unter Der Doppelten Last, und dies mochte wohl Die Ursache sein, daß Giselas Füße plötzlich unsicher murDen. Sie traten nicht mehr fest auf Die Sprossen, sondern begannen zu tasten, ungewiß nach ihrem Stützpunkt zu suchen.
Plötzlich blieb Gisela stehen. Peter blickte empor und sah zu seinem Schrecken, Daß sie mit beiden Armen Die Leiter umklammert hielt. Ihre Augen starrten angstgeweitet in Die Tiefe.
„Machen Sie Die Augen zu!" rief er. „Und nehmen Sie sich ein bißchen zusammen, ja! — Schlappmachen gibt es nicht!"
Seine Stimme klang absichtlich scharf. Mochte sie denken, daß er wütend war! Es war die einzige .Möglichkeit, ihre Energie zu wecken,


