Ausgabe 
26.1.1938
 
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Nr.2l Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, ^.Januar 1938

Jugend und Hochschule.

Studentische KanmavschasisrMhlmg.

Von Rudolf Keudel

Mit der Machtübernahme wurde an die Stelle Jes alten standesbetonten Erziehungszieles der Kor­porationen die neue Idee der studentischen Kameradschaftserziehung gesetzt, für deren Durchführung der Nauonalsozialistische Stu­dentenbund die Verantwortung übernommen hat. Rückblickend auf die letzten Jahre der Hochschular­beit kann man heute feststellen, daß diese neue stu­dentische Erziehungsidee nun eine feste Gestalt an­genommen hat.

Unlösbar verbunden ist diese studentische Er­ziehungsidee mit dem heute allgemein bekannten Begriff Kameradschaftshaus. Auch die Kor­porationen hatten sogenannte Häuser. Bildete aber das Haus der Korporationen zuletzt nur noch den Mittelpunkt eines abgeschlossenen Sonderdaseins, so ist das studentische Kameradschaftshaus die po­litische Erziehungsstätte des jungen deutschen Studenten. Es stellt ihn hinein in eine straffe Orcknung, in der er sich jn kameradschaftlicher Haltung und politischem Einsatz bewähren muß. Die Notwendigkeit der politischen Erziehung des Studenten in einer eigenen Formation, ift oft an- gezweifelt worden. Sie ergibt sich allein schon aus der erhöhten Verantwortung, die der Student in seinem späteren Beruf auf sich nehmen muß. Durch die politische Erziehung auf der Hochschule soll sein Einsatz für Volk und Staat ein für allemal sicher­gestellt werden.

Der junge Student, der in die Kameradschaft des Hauses eintritt, hat bereits Arbeitsdienst und Wehr­dienst geleistet. Er tut ferner Dienst in einer For­mation der Partei, die ihn für die Dauer von zwei oder drei, Semestern in das Kameradschaftshaus beurlaubt. Als Ergebnis des ooraufgegangenen Er­ziehungsweges kann darum Disziplin und Wille zur Einordnung bei jedem einzelnen vorausgesetzt wer­den. Die eigentliche Arbeit der Kameradschaft be­steht auch nicht, wie man früher hören konnte, in wehrsportlicher Erziehung. Es ist oft genug gesagt worden, daß das Kameradschaftshaus keine Kaserne ist.

Zu Beginn des Semesters wird jeder Kamerad­schaft ein besonderes Einsatzgebiet zugewiesen, das sie unter ihrem Kameradschaftsführer zu bewälti­gen hat. Von den drei 25 bis 30 Mann umfassen­den Kameradschaften des Kameradschaftshauses der Technischen Hochschule in Berlin z. B. arbeitete die erste ein Semester lang in der Landdienst- und Grenzlandarbeit, die zweite bereitete eine Kolonial­ausstellung vor, während die dritte die Betreuung der an der Technischen Hochschule studierenden Aus­länder übernommen hatte. Die Schulung durch Vorträge tritt gegenüber diesem praktischen Einsatz in den' Hintergrund, zumal von jedem national­sozialistischen Studenten erwartet werden darf, daß er sich die notwendigen Kenntnisse in der Rassen- und Vererbungslehre, Geschichte und Volkskunde selbständig erwirbt und erweitert. Im Vordergründe steht also die charakterliche Bewährung im praktischen Einsatz, nicht die wissensmäßige Schulung.

Was diesem politischen Einsatz seine grundsätzliche Bedeutung gibt, ist die Tatsache, daß er nicht neben der Wissenschaft herläuft, sondern zur Wissenschaft hinführt und so den jungen Studenten die po­litische Bedingtheit der Wissenschaft klar erkennen läßt. Der Einsatz von Kameradschaf­ten im Landdienst hat z. B. zu umfangreichen wis­senschaftlichen Untersuchungen über den deutschen Osten geführt. Studenten aller Fakultäten haben sich an'der Arbeit beteiligt: Historiker, Philologen, Volkskundler, Wirtschaftler, Mediziner und Tech­niker haben dieselbe Aufgabe von ihrer Wissenschaft aus angepackt. Und doch blieb es nie bei der wis­senschaftlichen Arbeit, sondern sie ging aus und führte immer wieder hin zum praktischen Einsatz mit Schaufel und Spaten. ,

Bei diesem praktisch-politischen Einsatz hat sich gezeigt, daß der junge Student mit seiner Einzel-

Besuch m Oxford.

Von Loire Krieser.

In Stratford, der Shakespeare-Stadt, aus der ich kam, herrschte der einzelne und sein Genie Oxsord bildet die schönumgrenzte Kulturgemem- schast. Freilich schwingt sich keiner 6er vielen guten Namen zu shakespearescher Höhe auf. Oxford ist alt und konservativ, selbst für England, eine aristokra­tische Republik mit eigenen Gesetzen. Alles tragt hier dazu bei den Typ zu formen, den England auch heute noch am höchsten schätzt: den Typ des genttenian.

Hier in Oxford geht er die Verbindung mit dem Gelehrten ein. Die Grundlage der englischen Kultur ist die Klassik, die tiefwurzelnde Kenntnis Griechen­lands und Roms. Allerdings tönt auch in England das Grabgeläut der modernen Zeit über dem antiken Bildungsideal. Die Gelehrsamkeit findet ihren für England selbstverständlichen Ausgleich aus den gro­ßen Sportwiesen. Zwei Tage vor dem Examen wird nach alter Tradition keinerlei geistige Arbeit angerührt: man faulenzt, reitet, geht spazieren und erwartet solchermaßen gestärkt den Tag des Ge­richts. , . .

Stark sind in den Colleges auch heute noch die religiösen und kirchlichen Bindungen. Alle haben sie ihre eigene kleine Kapelle. Jeden Morgen singt der Chor von der Spitze des Magdalenenturmes eint Hymne an die Hl. Dreifaltigkeit. Vor der Mahlzeit tritt einer der Studxnten vor und spricht das Tischgebet, das benedictus benedicat. Man duldet alle Bekenntnisse, aber man hält auf Aus­übung der religiösen Pflichten. Da ist die Geschichte von dem Studenten, der angab, Muselman zu sein. In grauer Morgenstunde weckte ihn der Pförtner: Gruß vom Herrn Rektor, die Gebetsmatte liegt im inneren Hof". Die Bekehrung zum Christentum soll sehr schnell erfolgt sein.

Immer wieder standen in Oxford Männer aus, deren Gedanken wie Pfeile über die engen Mauern flogen. Immer wieder zeigte sich dann die andere Seite dieser glänzenden Kulturgemeinde: die reak­tionäre Abwehr gegen alles Neue, das starre Be­harren im Ererbten. Hier wurden Wicliffs Schrif­ten verdammt und dem Feuer übergeben. Hierher

Wissenschaft nicht in einer isolierten Spezialwissen­schaft steht, von der keine Brücken hinüberführen zum Leben seines Volkes. Es hat sich vielmehr er­wiesen, daß die wissenschaftliche Arbeit des Studen­ten der eigene, ganz persönliche Einsatz des Studenten für das Ganze des Volkes ist. Die Weite und Offenheit des Blickes, die der junge Student hier gewinnt, darf während seines Studiums nicht verlorengehen. Die Haltung, die der Student im Kameradschaftshaus empfängt, muß sich in aller weiteren Arbeit bewährend; denn seine Haltung beweist er in der Zucht der Arbeit. Ohne diese Zucht wird die Gesinnung Geschwätz und das Wort von der Verantwortung *nor seinem Volke eine billige Phrase.

Die natürliche Auslese, die in den Kame­radschaften vor sich geht, wird auch die Frage des Führernachwuchses an den Hochschulen

selbst lösen. Im Kameradschaftshaus wird der Typ des Studenten erzogen, der das Gesicht der Hoch­schule einmal bestimmen wird. Mag der Einsatz später auf politischem oder wissenschaftlichem Gebiet erfolgen, in der studentischen Selbstverwaltung oder in der Arbeit der Fachschaften, im Reichsberufs­wettkampf oder in der Gestaltung neuer Feste und Feiern, immer wird die im Kameradschaftshaus erwiesene Eignung zur Führung einer Gefolgschaft als Grundlage dienen können.

Der Neichsstudentenführer hat in feiner letzten Rebe in Stuttgart erklärt, daß die Zeit nicht mehr. fern fei, in der jede Kameradschaft ihr Kamerad­schaftshaus besitzen würde. Damit schreitet eine Er­ziehungsidee ihrer Verwirklichung entgegen, die den Typ des nationalsozialistischen Studenten prägen wird.

Der Nachwuchs in der Technik.

Die Berufsaussichten der Ingenieure.

Nachwuchsprobleme sind längst keine originelle, erstaunliche Erscheinung mehr. Es verläuft kaum noch eine Zusammenkunft von Wirtschaftsvertretern, ohne daß dieser drohenden Not nicht ernste, mah­nende Worte gewidmet wären. Wie es um den Nachwuchs der Ingenieure beschaffen ist, wurde durch die Nürnberger Parteitagsrede von Generalinspekteur Dr. Todt eindeutig klar. Die wachsende Bedeutung der Technik für Wirtschaft und Wehrmacht ist Anlaß genug, um die hier an­gebrachten Besorgnisse zu rechtfertigen und die Er­wartung wirksamer Lösungen zu verschärfen. Im ersten Abschnitt des wirtschaftlichen Aufstiegs mag das Schwergewicht der Nachwuchssorgen noch mit gutem Recht auf der Ausbildung und Ertüchtigung der handwerklichen Kräfte, der technischen Fach­arbeiter, gelegen haben. Die Erweiterung des tech­nischen Wirkungsbereichs, der Fortschritt der Wirt­schaftsbelebung läßt aber nunmehr nicht länger mit den vorhandenen geistigen Lenkern des technischen Einsatzes auskommen und verlangt die zahlenmäßige Verstärkung eines hochqualifizierten Jngenieurstabes.

Wie immer im einzelnen auch die Gründe für den vermehrten Bedarf gesehen werden mögen, als sein Kernproblem wird immer wieder die Frage gestellt, ob es sich nur um einen vorübergehenden Notstand handele, oder ob man in dieser hohen Nachfrage eine dauernde Erscheinung zu sehen habe; ob es also an der Zeit sei, der Jugend mit allen Mitteln zum Beruf des Ingenieurs, Technikers oder Konstrukteurs zu raten, oder vb nicht eine in Aus­sicht stehende Entwicklung der Technik nur wieder einennormalen" Bedarf entgegen dem ungewöhn­lich hohen von heute auslösen werde. Die Frage ist sicherlich zu entscheidend und in ihrer Bedeutung zu weittragend, um sie einfach mit dem Hinweis abzutun, daß es müßig sei, die künftige Bewegung in Technik und Wirtschaft abzuschätzen. So ist auch von verschiedenen Seiten, versucht worden, den Be­darf für den einmaligen Neuaufbau von Industrien von den ständigen Anforderungen zu trennen, die ihre Fortführung und ihr Betrieb stellen werden.

Die Untersuchungen ergaben einheitlich, daß die zur ^Durchführung des Vierjahresplanes geforderten Produktionen einen dauernden Mehrbedarf an technischen Kräften verlangen werden, der infolge der Spezialisierung der technischen Sparten nicht einfach aus den Kräften zu decken ist, die heute in hoher Zahl zur industriellen Umstellung nötig sind. Trotzdem erscheint es ratsam, nicht in allem nach den heutigen Bedürfnissen für die Zu­kunft zu'ckalkulieren, sondern die vorhandenen Kräfte auf beste Weise auszunutzen und zum wirkungs­vollsten Einsatz zu führen.

Welche Vorzüge in dieser Lösung liegen, erkennt man unschwer, wenn man nicht den Bedarf, son­dern das Angebot ins Auge faßt, wie es sich in der Kurve der Nachwuchszahlen darstellt. Die Zusam­menballung der Nachfrage erfolgt in einem Zeit­punkt, in dem die Zahl der Techniker und Ingenieure ungewöhnlich gering ist. Nur kurz sei daran er-

innert, daß die Ausbildung der Nachkriegsjahre zu wünschen übrig ließ, daß der bevölkerungsp irische Nachwuchsmangel zur Auswirkung kommt und schließlich der Weltkrieg empfindliche Lücken in den Kreis der Besten und der imbesten Mannesalter stehenden" riß.

Mit der Zeit wird auf der Seite des Nachwuchses im Hinblick auf die Geburtskurven und andere Faktoren wieder mit stärkeren Posten gerechnet werden dürfen. Die Gesamtzahl der heute verfüg­baren Techniker und Ingenieure wird auf 220 000 bis 250 000 beziffert. Daraus muß sich »in jähr­licher Ersatzbedarf von 8000 jungen Ingenieuren errechnen, wenn man den Aus­fall durch Tod, Invalidität, Berufswechsel und der­gleichen in Rechnung stellt. Mit wieviel jungen Ingenieuren kann nun aber jährlich gerechnet wer­den? Die Hörerziffern der Technischen Hochschulen sind, zunächst maßgeblich für den Nachwuchs an Diplomingenieuren. 1931 gingen 10 v. H. aller Abiturienten auf die Technischen Hochschulen, 1935 nur noch 5,3 v. H. In nächster Zeit werden jährlich etwa 1700 neue Diplomingenieure verfügbar jein, 600 bis 800 weniger als nach maßgeblichen Aus- ftfijen benötigt werden. Allerdings bewegten sich die letzten Abiturientenjahrgänge auf ungewöhnlichen Tiefs", die sich künftig ebenso wie der Anreiz zum technischen Studium überhaupt erhöhen dürften.

Günstiger liegen übrigens die Verhältnisse bei den Technischen Fachschulen. Seit 1936 befindet sich die Besucherzahl der Höheren Technischen Lehr­anstalten wieder im Aufstieg. Da in den meisten Wirtschaftszweigen die Fachschulingenieure das größeren Kontingent stellen, ist triefe Entwicklung besonders hoffnungsvoll.

Was besagt nun die geläufige Unterscheidung zwischen akademisch geschulten Ingenieuren, den Diplomingenieuren, sofern sie mit akademischer Prü­fung abschlossen, und den Ingenieuren oder Tech­nikern mit Berufs- und Fachschulbildung für das Nachwuchsproblem? Diese Trennung ist seit langem problematisch, da im praktischen Berufsleben nie­mals so eingeteilt wird. Der akademisch geschulte Ingenieur pflegt bevorzugt zu werden, wo theore­tische Arbeiten, wissenschaftliche Untersuchungen nötig sind, der Ingenieur mit Fachschulausbildung wird zunächst zu rein praktischen Arbeiten her an­gezogen. Diese Unterscheidung trifft aber meist nur für den Anfang der Berufslaufbahn zu, die Praxis sucht sich dann selbsttätig die Talente, die zur Lösung der vielgestaltigen Aufgaben gebraucht werden.Ge­sellschaftliche" Wertungen von früher entbehren also heute auch fachlich jedes Bodens. Der Mangel an Nachwuchs zerstört auch die letzten Reste falscher Klassifizierungen, die um 1930 angesichts der In­flation von Diplomingenieuren nicht selten dazu per= leiteten, im Diplom das Tor zur Jngenieurarbeit überhaupt zu sehen. Ingenieur ist heute Ingenieur. Der Ruf nach Nachwuchs lenkt den Blick wieder auf den wirklichen Könner, das tatsächliche, entwick­lungsfähige Talent.

Stenotypistin und Sekretärin.

Ausbildung und Einsatz

in kanfmännischen Mädelberufen.

Der Beruf der Stenotypistin und Sekretärin ge» hört zur Zeit zu den besonders beliebten Mädel- berufen. Er erscheint auf den ersten Blick verlockend durch die Sauberkeit der Arbeit, die genaue Zeit­einteilung, und die gute Bezahlung. So hat sich denn bei den zur Zeit sehr günstigen Anstellungs­verhältnissen eine große Anzahl von Mädeln nach einer kurzen Ausbildung in Stenographie und Ma­schineschreiben alsAnfängerin" für diesen Beruf entschlossen.

Die technischen Fertigkeiten, wie das Beherrschen der Schreibmaschine und des Stenographierens, machen die gute Stenotypistin noch nicht aus. Sicherheit in der Grammatik, im Rechtschreiben und im Zeichensetzen sind für ihre Arbeit unbedingt er­forderlich. Sie muß nachdenken über das, was ihr diktiert wird, um es im richtigen Sinne wieder­geben zu können. Bei Zahlen in Rechnungen, Kostenanschlägen und Briefen muß die Stenotypistin vor dem Uebertragen in Maschinenschrift die Rich­tigkeit nachprüfen können. Für alle diese Auf­gaben sind fachliche Vorkenntnisse sehr wichtig, da nur durch sie eine wirklich großzügige Arbeit mög­lich ist.

Zweifellos wirkt sich die Arbeit der Stenotypistin im Großbetrieb anders aus als in den Betrieben kleineren und mittleren Grades. Die Organisation des Großbetriebes sieht für ihre Tätigkeit eine starke Teilung vor. Von der gerade der Frau eigenen Anpassungsfähigkeit wird in solchen Betrieben be­sonders viel verlangt, weil oftmals die einzelnen Stenotypistinnen für mehrere Mitarbeiter bestimmt sind, auf deren Eigenart sie sich jeweils umstellen müssen. Dagegen sieht die Leistung der Stenotypistin im Klein- oder Mittelbetrieb wesentlich anders aus. Ihre Arbeit ist vielgestaltiger, ihr Arbeitstag ist mit vielem Interessanten angefüllt, das viel Aufmerk­samkeit und Sorgfalt erfordert.

Ein Schritt zu größerer Selbständigkeit ist, Briese nach einigen Angaben selbst zu entwerfen oder nach guter Einarbeitung überhaupt manche Korrespon­denz selbständig zu erledigen. Ebenso steht über der durchschnittlichen Leistung das Aufnehmen von Protokollen, das wörtliche Mitschreiben von Reden oder was noch mehr Mitdenken und Erfassen des Wesentlichen verlangt das Festhalten von ausgesprochenen Gedankengängen bei Sitzungen und Besprechungen. v

In verstärktem Maße müssen diese Eigenschaften von der Sekretärin gefordert werden, die mit ihrem Einblick in den Betrieb und mit ihrer Wen­digkeit eine wesentliche Arbeitsentlastung für den Chef bedeutet. Durch ihre Vertrauensstellung steht die Sekretärin oft auch als Mittlerin zwischen Chef und Gefolgschaftsmitglied oder zwischen Chef und Geschäftspartner. Für diesen Einfluß darf bei der Sekretärin allerdings nicht persönliche Eitelkeit das Motiv sein, im Gegenteil, sie muß nach außen hin stark zurücktreten. In anderen Fällen dagegen er­wartet man von ihr repräsentatives Auftreten und das Geschick, bei besonderen Gelegenheiten den Ches zu vertreten. Der Maßstab für ihre Anteilnahme liegt in ihrem persönlichen Taktgefühl.

Es ist selbstverständlich, daß zur Erfüllung dieser Aufgaben eine gute Allgemeinbildung notwendig ist. Ferner ist ein gründliches, sachliches Wissen erforderlich, das in der kaufmännischen Lehre erworben wird. Sie besteht aus einer drei­jährigen praktischen Lehrzeit im Großhandel, Gin« und Ausfuhr- oder Einzelhandel, bei gleichzeitigem Besuch der kaufmännischen Berufsschule. Nach Be­endigung der Lehrzeit wird mit dem Bestehen der Abschlußprüfung der kaufmännische Lehrling zur Kaufmannsgehilfin. Danach wird sich das Mädel in den meisten Fällen für eine bestimmte Tätigkeit (Stenotypistin, Sekretärin, Buchhalterin, Korre» spondentin oder Rechnungsführerin) entscheiden. Für die Ausbildung der Stenotypistin kann der Besuch einer ein- oder zweijährigen Handelsschule auf die Lehrzeit angerechnet werden.

wurden Cranmer, Ridley und Mortimer zu einer Disputation mit den gelehrten Doktoren geloben, und da sie sich weigerten, ihre reformatorischen An­sichten zu widerrufen, auf dem Scheiterhaufen ver­brannt. Hier wurde Miltons SchriftPro Populo Anglicano Defentio als falsch und aufrührerisch den Flammen überantwortet. Aber dies alles hat Oxfords Ruf nicht zu erschüttern vermocht. Die Dankbarkeit seiner Schüler dokumentiert sich in Stiftungen, die Oxford einem kleinen Fürstentum an Reichtum zur Seite stellen.

Schön ist Oxford! Wer einmal die Highstreet sah, wird sie gewiß nicht wieder vergessen. Zwar rasen die Automobile und Omnibusse jetzt darüber hm und machen die ruhige Bewunderung fast unmög­lich. Es sei denn, daß man an einem frühen Morgen hierherkommt, wenn die Stadt gerade zu erwachen beginnt und Frühnebel die schlanke Gotik der Magdalentürme silbern verschleiern. Tritt man aber am Tag aus der Straße in einen der Colleghöfe, so erstirbt aller Lärm, und die Gedanken ergehen sich in einem Gärtlein des Friedens. Da ist New-. College (freilich nichtneu", sondern gute 500 Jahre alt) mit dem grünen Samt seiner ©artenanlagen, von den Resten der alten Stadtmauer malerisch umgrenzt. In die Gärten grüßen die schonen Türme der alten Kirchen und Colleges.

Das älteste ist Merton, 1264 gegründet. Ein enges Tor mit einer Skulptur Johannes des Täufers führt in den erstenquadrangel. Das ist hier das Bauschema: der von Gebäuden umzogene Hof. Die Harmonie der Baumwirkung ruft die Erinnerung an die edlen Plätze Salzburgs wach. In Merton interessiert mich vor allem die Bibliothek: ein schöner Raum in dem die Gelehrsamkeit vieler Jahrhunderte als leichter Modergeruch hängt. Die Bücherborde sind seitlich in den Raum Dorgebaut. Zwei zusam­men ergeben eine kleine Zelle der Wissenschaft, die mit einer harten Bank und einem schmalen Tisch kärglich möbliert ist. Die Bücher sind zum Teil noch mit langen Ketten an den Wänden gesichert. Mer­ton lief im Mittelalter Paris den Rang als astro­nomische Universität ab; so findet man hier noch wohlverwahrt die ersten primitiven Meßinstru­mente und einen sehr alten Himmelsglobus, auf Dem die Sternbilder noch wirklich bildhaft einge­zeichnet find. v.

In Magdalencollege überraschen die Kreuzgange.

Immer wieder durchwandert» man sie und genießt im Ausschnitt ihrer gotischen Bogen die verschiedene Perspektive der Türme. An der Westwand der Kapelle ist ein Rednerpult am Tage Johannes des Täufers wird von hier aus die Andacht ge­halten. Dann wird der Hof mit Gras und Schilf bestreut und die Gebäude mit grünen Zweigen fest­lich bekleidet. Jrn Kreuzgang stehen ein paar Türen offen, zu Entdeckungen verleitend. Da stehe ich in einem Arbeitszimmer, durch dessen tiesnischige Fen­ster die langen Strahlen der Nachmittagssonne fallen, im Kamin flackert ein Feuer. Im Zimmer nebenan ist ein Tisch mit Blumen und Kerzen fest­lich gedeckt. Behutsam ziehe ich mich aus der allzu privaten Atmosphäre zurück.

Der offizielle Speisesaal, in dem nach alter Tradi­tion die Studenten zusammen mit dentutors die Mahlzeiten einnehmen, ist mit Eiche schwergetäfelt. Wie überall schauen auch hier die Gesichter der Gründer, Rektoren und erfolgreichen Leute aus schweren Goldrahmen auf die studentischen Tische hinab. Der Führer zeigt mir den Platz, auf dem der Herzog von Windsor während seiner Studien­zeit gesessen hat.

Iw Allsouls, dem Collegeder in Treue abge­schiedenen Seelen", sitze ich auf den Treppenstufen der Kapelle, um mich erst einmal für neue Ein­drücke zu sammeln. Da kommt ein alter Mann in Schurzfell und Hemdärmeln er war gerade da­bei die Bauarbeiter, die einige Ausbesserungen aus­führen, zu beaufsichtigen, und erbietet sich, mich zu führen. Ihm verdanke ich eine der schönsten Stun­den in Oxford. Ich darf alles sehen: die Kapelle, den Speisesaal, die Hörräume (in einem ist ein köstliches altes Glasfenster mit einem Hahn von der alten streitbaren englischen Sorte). Zu dem zweiten Stockwerk der riesigen Bibliothek führt eine Wendeltreppe, denen Geländer, wie mir mein Füh­rer erzählt, den Studenten als beliebteRutsche" dient. Die Bücher hier darf ich nicht nur ehrfürchtig anftaunen, sondern auch herausnehmen. Von der Bibliothek geht es zur Silberkammer. Mit Stolz schließt mein Führer die Schränke auf und nimmt mit liebender Hand einzelne seiner Schätze heraus: edle Kannen, Leuchter, Tafelaufsätze. Die meisten Sachen sind im täglichen Gebrauch.

Dann schiebt mir der alte Mann einen Kasten zu, in dem ein Stirnreif liegtLawrences dagger

sagt er mit fühlbarem Stolz. Ich schaue verständnis­los dann kommt die Erinnerung: ein schmales kühnes Gesicht, vom Beduinenkopftuch umhüllt, das vomdagger, dem Stirnband, gehalten wird. Aufstand in der Wüste" der Mann, um den schon zu seinen Lebzeiten die Legende spann. Nun holt mein Führer einen Rahmen aus dem sorgsam umhüllenden Tuch, stäubt noch einmal liebevoll darüber hin und reicht ihn mir: das Bild, das Oberst Lawrence ihm geschenkt.O ja, er besuchte mich manchmal, wenn er wieder in Europa war. Hier in Allsouls hat er sein Buch geschrieben. Er war selbst ein Allsouls-Mann."Man sagt, daß er vielleicht noch lebt?" Er schüttelt den Kopf. Es ist schwer, zu glauben, daß er tot ist. Das war ein Mann. Seine Orden hat er in die Themse ge­worfen. Was hätte der alles fein können aber nein, Soldat ist er geworden bei der Luftmarine. Das war ein Feuergeist und dabei klein und zart von Körper ein Asket nahm nie mehr als eine Mahlzeit am Tage zu sich und schlief am liebsten auf der Erde" Und nun holt er aus dem Schrank der silbernen Schätze einen anderen Schatz: das Buch der sieben Pfeiler der Weisheit, das Lawrence für feine Freunde schrieb und nur in einigen Exemplaren drucken ließ. Ich lese den Vorspruch, der das schmale und edle Tor ist zum Geheimnis des inneren Tempels, und für einen Augenblick scheint mir das Leben dieses seltsamen Mannes, dies Leben, das selbst hinter dem Schleier des Geheimnisses geführt wurde, nahe. Als ich Allsouls College verlasse, spielt ein Strahl über Christopher Wrenns Sonnenuhr und läßt die Um­schrift aufleuchten: pereunt et imputantur, sie schwinden dahin und werden gezählt. Das ist das Letzte, was ich von Oxford mitnehme.

Hochschulnachrichten

Der o. Professor Dr. Eugen M a t t i a t von der Universität Berlin wurde an die Universität Göt­tingen berufen, wo ihm eine Professur fürDeut­sche Volkskunde mit besonderer Berücksichtigung der religiösen Volkskunde Niedersachsens" verliehen wurde. Zugleid) wurde Prof. Mattiat zum Direktor eines in Göttingen zu errichtenden Volkskundlichen Seminars ernannt«