Neues für den Bücheriifch
Sucher für unsere Jugend.
— Helene Schultz-Laubien: Ei n Jahr drüben. Bebs erlebt Amerika. Mit Bildern von Margret Hegner. Halbleinen 3,20 Mark, K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. — (397) — Amerikanische Lebensart, mit den Augen eines elfjährigen Mädels gesehen, werden hier auf eine reizende Art lebendig. Schon bei b(*r Ueberfahrt lernen wir Bebs, die eigentlich Elisabeth heißt, als gute Kameradin kennen. In 31 ent)ort kann sie sich wohl bald an die Wolkenkratzer gewöhnen, aber nicht an den täglichen Haferflockenbrei zum Frühstück. Herrlich ist dann die Sommerfrische am See. Man kann baden und angeln oder Brombeeren suchen. Immer gibt es „einen Haufen Spaß". Bebs vergißt aber darüber ihre Freundin Gretel in der deutschen Heimat nicht und berichtet von ihren Erlebnissen in Amerika.
— Scholz' Photo-Bilderbücher: Meine Lieblingstiere. Kleine Tiergeschichten von Ed. Rothe- mund. — Das Auto-Bilderbuch. Erzählungen von Herbert Kranz. — Soldaten heraus! Ein Bilderbüchlein aus dem Soldatenleben mit Erzählungen von Ipf. — Wer fährt mit? Ein Bilderbuch von unserer Eisenbahn. Erzählungen von Herbert Kranz. — Jeder Band 32 Seiten mit 16 Doppeltonbildern nach künstlerischen Photos und vielen Textzeichnungen. Je 1 Mark. Josef Schulz Verlag, Mainz, 1938- — (433) — Die künstlerische Photographie hat einen so hohen Stand erreicht, daß es merkwürdig zu- gehsn müßte, wenn nicht auch das Bilderbuch, das mit Liebe und Sorgfalt auswählt, bei der Jugend Anklang finden würde. Die spannenden Erzählungen aus dem Tier-, Verkehrs- und Soldatenleben, auch noch durch beste Schwarzweiß-Zeichnungen unterstützt, finden bestimmt ihren Weg zur Jugend schon vom 5. Lebensjahr an.
— Peter Jerndorff-Iessen: Fred wird Cowboy. Eine Erzählung aus der argentinischen Pampa. 192 Seiten. Mit sechs Vollbildern und 15 Bildern im Text von Willy Widmann sowie einem Lageplan. Ganzleinen 3,80 Mark. (Herold- Verlag, Stuttgart.) — (446) — Diese prächtige Erzählung aus dem Land der riesigen Viehherden Südamerikas hat den Vorzug, daß sie wirklichkeitsgetreu ist. Der Verfasser, der selbst über den Rindern der Steppe das ßaffo schwang und tagelang durch das hohe Pampasgras ritt, erzählt hier,
wie zwei frische deutsche Jungen das Glück haben, ihre Träume verwirklichen zu können. Auf der großen argentinischen Viehfarm eines Onkels dürfen sie das harte, aber auch so ereignisreiche Leben der Viehhirten ein Jahr lang kennenlernen. Das Buch wird unsere nach Erlebnissen verlangenden Jungen begeistern!
praktisches für die Frauen.
— Kiehnle- Kochbuch. Große illustriert« Jubiläums-Ausgabe für die bürgerliche und feine Küche mit einer ausführlichen Haushaltungskunde. 48 Kunstdrucktafeln. Ganzleinen. Preis RM. 9,00. 130. bis 144. Tausend. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart. —(505)— In diesem Kochbuch ist jeder Handgriff genau erläutert, alle Angaben sind leicht verständlich. Auch für festliche Gelegenheiten findet man eine reiche Auswahl von Rezepten und Vorschlägen. Die Jubiläums-Ausgabe bringt vor allen Dingen auch zahlreiche Rezepte für vegetarische Speisen, Rohkost, Kranken- und Diätküche sowie Speisezettel darüber. 2405 Original-Rezepte bringen alle erdenklichen Speisen von der einfachen, bürgerlichen Küche bis zur festlichen Tafel. 343 Bilder, teils mehrfarbig, ergänzen das Wort. Die verschiedensten Nationalgerichte sind ausgenommen. Wochenspeisezettel fürs ganze Jahr find beigegeben, ebenso Vorschläge für Festessen aller Art. Sehr wesentlich ist der Teil über Kleinbackwerk, Kaffee- und Teegebäck. Das Einmachen von Obst, Gemüse und Fleisch, das Zubereiten von Brotaufstrich, Marmelade, Gelee, Säfte, Liköre, Weine usw. wird eingehend erläutert. Nach einer Anleitung im Tischdecken und Serviettenfalten wird in der Haushaltungskunde alles gefafft, was die Hausfrau über die Führung des Haushaltes wissen muß. Der Hand- lichkeit und der Uebersichtlichkeit des Buches wurde besonderes Augenmerk geschenkt.
— Greta Moberg: Hausweben für Anfänger. Mit 178 Zeichnungen und Photos. Verlag Knorr & Hirth, München. Preis Halbleinen RM. 4,90. —(426)— Die schwedische Webmeisterin Greta Moberg lehrt auf besonders klare und doch warmherzige Art: Wir fertigen uns den bunten Fleckerlteppich aus Stoffresten, einen karierten Schal, Handtücher, Kissenbezüge, Vorleger, eine Divandecke, aber auch Stoffe für Kleider und vieles
Luft und Licht, große Heime nehmen verwahrlost« Kinder auf, der Dolkspalast mit seinen Gärten und Bädern, seinen Sportgelegenheiten, seinen Büchern und seiner Musikhalle sucht die Menschen aus stumpfsinniger Verblödung herauszuheben. Warmherzige Schriftsteller haben mitgeholfen, die soziale Not aufzudecken, Abhilfe zu fordern und bei den wohlhabenden Kreisen den Gedanken der sozialen Volksgemeinschaft zu wecken, CH. Dickens, CH. Carlyle, I. Ruskin, Elizabeth Browning u. a. m. Aber an der Wurzel ist das liebel, besonders in London, noch nicht angefaßt worden; die grauenhaften Pesthöhlen im Osten stehen noch. Am tatkräftigsten packte der bekannte Politiker Jos. Chamberlain zu, als er als Oberbürgermeister von Birmingham ganze Lasterhöhlenvtertel dieser Stadt erbarmungslos niederreißen ließ. Die orientalisch anmutenden stimmungsvollen Dreckwinkel verschwanden.
Das kapitalistisch-egoistische England hat die sünd- hafte Barbarei in den slums der Großstädte auf dem Gewissen; es ist höchste Zeit, daß der stolze und reiche Engländer diese 2 000 000 Menschen, die doch auch als Proletarier zu seinen Volksgenossen zählen, gesunde Wohnungen und menschenwürdige Daseinsbedingungen schafft.
Ein moderner, vielgelesener Schriftsteller, I. B. P r i e st l e y , gibt in seinem English iourney ein erschütterndes Bild von der sozialen Not der Großstädte. Er sagt geradeheraus: „England leidet unter einem empfindlichen Mangel an Zielsicherheit und Führerschaft." Nun, unsere Hitler-Regierung könnte den Engländern ein eindrucksvolles Beispiel dafür liefern, wie man der sozialen Not entschlossen zu Leibe rückt und bedrängten Volksgenossen nachdrückliche Hilfe bringt.
den die Herzen hilfsbereit zuzuwenden, und ein langes Gebet folgt, das für die Gewinnung der Bekehrten dankt und um Gottes fernere Hilfe fleht. Für die Bekämpfung der Not im East-End wurde die Heilsarmee gegründet, und hier stiftet sie in selbstloser Hingabe unendlich viel Gutes. Wie der Sonnenstrahl in den Sumpf eindringt, klärend, wärmend und entgiftend, so dringen die slum- Schwestern in die Grüben der menschlichen Fäulnis vor, um mit entsagungsvoller Hingabe und engelgleicher Geduld um Menschen, die verloren scheinen, zu ringen. Sie spielen mit den Kindern, trösten die Mühseligen, pflegen die Schwachen, verrichten die Arbeit der kranken Mutter, geben Rat, wo er vonnöten ist, überall Frieden und Hoffnung verbreitend. Kein anderes Buch sandte durch England einen so gellenden Ruf nach Abhilfe wie das berühmte Buch von W. Booth; in Anlehnung an das Buch „Im dunkelsten Afrika", von Stanley, nannte er es „Im dunkel st en England" und fordert damit zu einem Vergleich heraus, der für England eine ewige Anklage in sich schließt.
Der rauhe Sohn des Ostens, der sogenannte rough, spricht eine entsetzlich rohe Sprache, die reich ist an Ausdrücken der Gauner- und Zigeunersprache. Jedem Gießener ist die Bedeutung des Wortes „Schlammbeißer" geläufig; ich kenne die etymologische Herkunft dieses schönen Wortes nicht, vernrute aber, daß sein erster Bestandteil mit dem Worte slum in sprachlicher Beziehung steht.
Bei dem ungeheuren Ausmaß von Armut, Krankheit und Elend jeglicher Art waren die bisherigen Maßnahmen nicht durchgreifend genug. Es fehlte gewiß nicht an Stiftungen und Schenkungen edler Menschenfreunde, und die private Mildtätigkeit von großen Organisationen linderte manche soziale Not. Der große Viktoria-Park bringt
ander« mit Mengen- und Preisberechnung nach die- sem grundlegenden Buch.
— Lisbeth Ankenbrand: Der Wille zur Schönheit. Ein praktischer Ratgeber für die natürliche Schönheits- und Gesundheitspflege der Frau. Neuauflage. Mit 15 Bildtafeln, Preis kartoniert 3,80 RM., Seinen 5,— RM. Süddeutsches Verlagshaus GmbH., (Stuttgarts. — (504) «— Die Verfasserin weist die natürlichen Wege, die zur Quelle aller Schönheit und Verjüngung führen. Verjünge dich durch natürliche Schönheitspflege, das ist der Grundzug dieses Buches. Staunend wird der Leser erfahren, mit welch geringen Mühen und Mitteln der Körper jung und schön zu erhalten ist. ।
— Lisa Mar: W i r backen mit Doll-! k o r n m e h l gesund und schmackhaft. Grundrezepte mit vielen Bildern für Kuchen und Kleinbackwerk aller Art, Brot, Zwieback, Waffeln, Pasteten, Aufläufe usw. Süddeutsches Verlagshaus GmbH., Stutt- gart-N. Preis kartoniert 2,50 RM. — (503) — Viele Menschen müssen, wollen sie nicht ihr Leiden verschlimmern, auf süßes Backwerk aus weißem Feinmehl verzichten. Dagegen dürfen sie dasselbe Backwerk, aus Dollkornmehl hergestellt, ohne weiteres genießen.. Jede Hausfrau wird darum gerne nach diesem neuen Dackbuch greifen. Die Rezeptangaben sind genau. Wir finden alles über die Zutaten, die Triebmittel, die Wärmeangaben und die Dauer des Backens auf Gasherd und Feuerung.
Lhmesifche Lyrik.
— Wenn ein Blatt f i ch bewegt, kann auch der Ast erzittern. Gedanken chinesischer Weisen. 90 Seiten. Mit 10 Bildern. Herausgegeben von Heinrich Ti eck. Biegsam Leinen 2,80 Mark. Derlag W. Scheuermann, Wien I und Leipzig C 1. — (252) — In der anmutigen Reihe der illustrierten Tieck-Bücher, von denen wir früher u. a. „Trost bei Goethe" und „Freude mit Kindern" besprochen haben, ist jetzt eine Sammlung von Aussprüchen alter chinesischer Dichter und Denker erschienen, die einen Einblick in die Gedankenwelt, Moral und Lebensweisheit des alten fernöstlichen Volkes gewährt. Die meisten von diesen Aussprüchen sind über das typisch Chinesische hinaus so menschlich und allgemeingültig, daß sie auch von uns mit Nutzen und Vergnügen zu lesen sind und zum Nachdenken an- regen, ob sie sich nun mit dem einzelnen und seinem Verhältnis zum Nächsten befassen, mit dem Staate, mit dem praktischen Alltag, mit Kunst aber Natur. Unter ben Autoren befinden sich neben Berühmtheiten wie Confucius und Lao Tse eine Reihe von Namen, die dem Durchschnittsleser kaum geläufig sein werden. Die Bilder, Wiedergaben alter chinesischer Drucke, fügen sich dem Text unaufdringlich und stilvoll ein. Das geschmackvoll ausgestattete Büchelchen ist auch als Geschenk aus jederlei Anlaß sehr zu empfehlen. Hans Thyriot.
Heue Romane.
— „Gloria über der Welt." Roman von Wilfried Bade. (Deutscher Derlag, Berlin. Gebunden 4 RM.) — (226) — Die „Gloria" ist eine neue Form des Romans. Sie ist kein utopischer Roman, sie ist kein technischer Roman, sie ist nicht einmal eine Zukunftsdeutung, sie ist auch kein Abenteuer- roman, kein Liebesroman und fein Naturreißer, sie ist auch kein reiner Weltanschauungsroman. Von allem ist etwas darinnen, und es möge sich jeder das davon abnehmen, das ihm zusaat. Worauf es dem Verfasser ankam — und deshalb wurde dieser Roman geschrieben — ist, zu zeigen, wie sehr unsere gesamte Kultur, unsere Zivilisation, unser ganzes irdisches Leben, mit einem Wort unsere Existenz von der Tatsache abhängt, daß wir das Eisen besitzen und unter unsere Herrschaft gezwungen haben, ohne jedoch Gewalt über seine Existenz zu besitzen. Dieser Roman enthält alle Eigenschaften und Vorzüge, die ein guter Roman besitzen muß.
— Albert von Streerbach: Der blühende Baum. Preis in Ganzleinen gebunden RM. 6,80. Verlag Paul Zsolnay in Wien. —(384)— Dieser Roman einer großen Liebe und zugleich des unerschütterlichen Glaubens an die Befreiung eines Volkes ist vor den großen Ereignissen dieses Frühjahrs geschrieben, die die deutsche Ostmark heimführten ins Reich. So ist es gleichsam e»n historisches
Dokument für diese Atmosphäre des Wartens, Kämpfens und Ringens, die der Erfüllung vorausging. Das ergreifende Bekenntnisbuch eines deutschen Dichters der Ostmark.
— Robert Eton: Der Autobus fährt ins Dorf. Roman. Preis in Ganzleinen geb. RM. 6,50. Derlag Paul Zsolnay in Wien. —(385)— Dieser Roman aus dem Englischen gibt einen fesselnden Querschnitt durch das Leben eines englischen Landstädtchens, elegant geschrieben und reich an Spannungen.
— Frieda Hauswirth: Allmutter K a- weri. Preis geh. 3,— RM., Seinen 4,20 RM. Rotapfel-Derlag, Leipzig CI. — (453.) — Durch Kampf und Tod des armen Hindu-Studenten ist Wimala, feine junge Braut, Kindswitwe geworden und hat als solche ein freudloses und entsagungsvolles Leben zu führen. Ihre Mutter Kaweri nimmt sich des harten Schicksals ihrer Tochter an. Gegen die Grausamkeit der religiösen Vorschriften, vor allem der Witwenächtung, vertritt sie die Forderungen der Menschlichkeit. Es gelingt ihr im Kampf gegen das ganze Dorf, das Los ihres unglücklichen Kindes freundlicher zu gestalten. Auch in diesem neuen Buche Frieda Hauswirths tritt uns wieder der unromantische indische Mensch entgegen, bas echte inbische Volk, an ber Grenze zwischen unbegreiflichen Sitten und bem Aufbruch zu einer neuen freien Geistigkeit.
Für den Spöttler.
— A. Glucker: Waffenlos siegen! Jubo, ber neue sportliche waffenlole Zweikampf. Mit über 300 Bildern. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. Preis kart. 2,40 Mark. — (259) — Die japanische Kunst ber Selbstoerteibigung, Jiu-Jitsu, war lange Zeit etwas vom Nimbus des Geheimnisvollen umwoben. Das ist in den letzten Jahren anders geworben? Die Kunst ber Selbstverteibigung hat auch in Deutschland Eingang gefunden, wenn auch in abgeroanbelter und moberner sportlicher Form, im Jubo! Sportlehrer Glucker, vom Stuttgarter Rundfunk her sicherlich vielen bekannt, hat mit einem ausgezeichneten Lehrbuch zur Verbreitung dieses Sportes sehr beigetragen. Dieses Lehrbuch ist jetzt bereits in ber 14. Auflage erschienen und liegt in neuer Bearbeitung vor. Neben den Anleitungen im gedruckten Wort enthält das Buch 300 Bilder, die einen tiefen Einblick in das Wesen des neuen Sportes gestatten und als Schulbeispiele bem. Lernenden wertvolle Hilfe sein werden.
— „Volk in ßeibesübunge n". Ein Erinnerungsbuch an das Deutsche Turn- unb Sportfest in Breslau. Herausgegeben im Auftrag bes Reichssportführers. Wilhelm - ßimpert - Verlag, Berlin. Preis brosch. 2,50 Mark. — (260) — Noch jetzt erinnert sich feder deutsche Turner und Sportler, jede Turnerin und Sportlerin gerne ber großen Tage des Deutschen Turn- und Sportfestes von Breslau 1938, jenes Festes, bas acht Tage lang im August dieses Jahres unter fast wolkenlosem Himmel Deutschlands hoffnungsvollste Jugend nickt nur in der Gemeinschaft der ßeibesübungen, sondern auch in der völkischen Gemeinschaft in den alten Mauern Breslaus vereinigte. Das Bild der Erinnerung aller Teilnehmer an diesem Fest erfährt durch das vorliegende Buch eine Vertiefung für alle Zeiten und an Hand ber Silber, die das Buch birgt, wird bas Erlebnis dieser Tage lebendig bleiben. Für jenen aber, der nicht dabei sein konnte, ist das Buch e n schöner Wiberschein jener festlichen Tage. Darüber hinaus ist bie Bildersammlung ein Dokument, an bem niemand, ber unsere Gegenwart bewußt erleben will, vorübergehen kann. In einer Fülle meisterhafter Aufnahmen ist das Fest festgehallen. Bilder von den Feierstunden und den Kundgedun- gen, von Massenvorführungen und Aufmärschen, Augenblicksbilder von Wettkämpfen, denen e ne faszinierende Kraft innewohnt — Einzelkämpfer, wie auch Mannschaften sind im Bilde feftgehalten, oftmals in geradezu symbolhaften Darstellungen. Von außerordentlicher Schönheit sind bann auch jene Aufnahmen, die unsere auslandsbeutschen Brü- ber und Schwestern in ihren alten angestammten Trachten zeigen. Ergreifenb gar sind jene Silber, bie ben Jubel um ben Führer veranschaulichen. Das Such gehört auf den Tisch eines jeben Turners und Sportlers. Darüber hinaus ist es für den Lichtbildner eine Funbgrube der Anregungen.
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Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werbau i. Sa
40 Fortsetzung (Nachbruck verboten
„Das können mir in ber nächsten Pause schon sicher feststellen", meint Irene. „Ich werde mit den beiben ein wenig ... plaudern!"
„Unb bu meinst, bas Mäbchen liebt ben Mann?"
Da sieht Irene ihren Mann lächelnd an. „Sie liebt ihn so wie ich bich! Ueber alle Segriffe, Charly! Das fühle ich! Das änbert aber nichts an ber Tatsache, baß man einmal untersuchen tonn, wieviel bem Mäbchen ihre Liebe wert ist! Verstehst bu, Charly?"
„Nicht ganz ... aber ich ahne, was du denkst! Du meinst, wenn er erfährt, baß seine Sraut eine Fabrikantin ist, bie ihm ein Verfahren von unvorstellbarem Wert beinahe umsonst abgetouft hat..
„... bann wirb er sie bestimmt zum Teufel jagen! Liebt sie ihn, wird sie um beines Schweigens willen ohne weiteres mit dir verhandeln. Liebt sie ihn nicht so sehr, baß sie bas für ihn tun kann ... bann ... bann haben wir uns eben verrechnet, Charly!"
Meßdorfs küßt seiner Frau die Hand.
„Ich beginne langsam zu erkennen, wieviel ich von dir noch lernen kann, Irene. Du rechnest mit Menschen besser ... als ich mit meinen Zahlen."
Der Vorhang schließt sich gerade vor bem jungen Glück der kleinen Frau Schmetterling, als sie wieher auf ihren Plätzen sitzen und SeifaU spenden, als sei nicht das geringste geschehen.
*
In ber Pause ist die prächtig« Wandelhalle des ersten Ranges ber gesellschaftliche Mittelpunkt des Abenbs. Hier trifft fick alles, was Namen unb Titel hat, ober wenigstens so aussieht. Die Damen zeigen ihre schönen Kleider, bie Herren machen ernste, würdige Gesichter ober bemühen sich, leise und gedämpft zu plaudern. Viele Uniformen beleben das bunte, bewegte Sild einer fröhlich roanbelnben, festlichen Gesellschaft.
Meßborff hat sich mit seiner Frau in bie Nähe ber großen Treppe gestellt. Auf biefe Weise kann ihnen Karajan nicht entwischen.
Da entberft er bas Paar. Ein verstohlener Slick zu seiner Frau.
„Sieh ba ... welch seltene Begegnung!" Strahlenb
geht Irene auf Karajan unb seine Begleiterin zu. „Ich freu mich, lieber Doktor, baß man auf biefe Weise wenigstens ein bißchen mit Ihnen plaudern kann! Sie gehen wohl selten aus ...? Ah, ba ist auch mein Mann!"
Mit bezaubernder Liebenswürdigkeit winkt sie ihrem Mann.
Nun ist alles zu Ende, denkt Karola, jetzt wird er anfangen von unserem Geschäft zu reben und Karajan weiß Bescheid — aus, aus — vorbei! —
Sie fühlt eine eisige Ruhe über sich kommen. Ihr ist, als erstarre sie am ganzen Körper. Das Herz schlägt dumpf und schwer, als habe es Mühe, seine Pflicht auch in biesem entsetzlichen Augenblick weiter zu tun.
„Ich freue mich, Sie kennenzulernen!" hört sie Dr. Meßdorff sagen.
Es ist ihr wie im Traum zumute. Aber was ist denn —? Warum spricht er nicht? Warum deutet er mit keinem Blick, mit keiner Geste an, baß er sie kennt —? Jetzt muß es kommen, bas Unheil, jetzt muß es doch hereinbrechen — Warum kommt es nicht? Was ist in ben Mann gefahren, baß er sie hier behandelt wie eine Fremde?
Sie geht neben Herbert wie eine Schlafwandelnde. Karajan macht sein eisigstes Gesicht, er schweigt und zwingt sich nur ein knappes „Ja" oder „Nein" ab zu Irenes Fragen Die aber beherrscht die Kunst des Plauderns meisterhaft. Sie sorgt dafür, baß nicht ein toter Augenblick ins Gespräch kommt.
Wer die vier so dahinschreiten sieht, der meint, vier gute Bekannte zu sehen, der ahnt nichts von dem zähen Endkampf, der da anhebt hinter ber Maske lächelnder Höflichkeit.
Es läutet. In allen Gängen schrillen bie Glocken. Auf diesen Augenblick hat Dr. Meßdorff gewartet. Es gelingt ihm, unter dem Vorwand, Fräulein Westner einen Blick von ben Seitenlogen ins Orchester werfen zu lassen, sie auf Sekunden allein zu sprechen.
„Warum biefe Komödie?" flüstert KarÄa atemlos.
„Weil ich nicht weiß, wiL teuer Sie Ihre Liebe einschätzen."
„Was soll das bedeuten?"
„Daß ich bie Absicht habe, mit Ihnen ein Geschäft zu machen."
„Sie sind wahnsinnig!"
„Oder Herr Karajan erfährt —"
„O Gott — ich bitte Sie —"
„In ben nächsten drei Tagen erreichen Sie mich m ben Mittagspausen im Ratskeller!"
Unb bann laut, denn Karajan unb Irene sind herangekommen: „Es ist für mich immer wieder ein überraschender Anblick, so von oben herab in diese Maschinerie der Musik zu sehen! Ich bin nämlich leider ganz unmusikalisch und gestehe gern, daß mich ber Kapellmeister und ber Mann am Schlagzeug mehr fesseln als alles, was auf ber Bühne vorgeht. Darum liegt unsere Loge auch so dicht neben bem Orchester. Oh — Sie müssen sich verabsckie- ben? Sehen wir Sie nachher noch? Ich habe Den Wagen draußen unb vielleicht können wir nach dem Theater —"
„Dielen Dank, Herr Meßdorff. Unser Programm für ben Abenb steht fest." Karajan verbeugt sich kurz und knapp, reicht Karola ben Arm und geht, ohne eine Antwort abzuwarten.
Meßdorff sieht ihm lächelnd nach.
„Wenn ich mich nicht sehr täusche, haben wir soeben eine Schlacht beinahe gewonnen. Irene, ich danke dir. Dein Vorpostengefecht — war meisterhaft! Morgen werde ich zum entscheidenden Schlage ausholen. Dem kleinen Fräulein Karola scheint der ungehobelte Herr Karajan viel zu bedeuten! Großartig! Willst bu noch bleiben? — Ich würde sonst Vorschlägen, in den ,Großen Gartew zu fahren."
Und während auf der Bühne die kleine Frau Schmetterling von Sehnsucht' unb Hoffnung, von bem fernen Geliebten unb ihrem kurzen Glück singt, verlassen sie geräuschlos ihre Loge
*
„Warum bist du so schweigsam, Karola?" fragt Karajan und stellt eine Flasche Wermut und bie Gläser bazu bereit. Sie sind nach ber Oper, wie sie das schon öfters getan, in sein Laboratorium gefahren, in bem er fast vollstänbig zu Hause ist. Er hat sich ein Schlafsofa aufstellen lassen und einen Schrank und lebt nun inmitten seiner Apparate. Sind sie abends ausgegangen, so sitzen sie hier noch ein Stündchen zusammen, plaudern und schmieden Zukunftspläne. Das ist ihre schönste Stunde am Tag.
Karajan ist auch heute vergnügt und vorzüglich aufgelegt, wie immer, wenn er eine neue Arbeit unter den Fingern hat. Da tut es nichts, wenn die Sache mal stockt oder fehlschlägt, er findet seine Befriedigung in der Arbeit selbst, zunächst ganz unbekümmert um den Erfolg.
„Du bist schon den ganzen Abend so sonderbar, Karola", fährt er plaubernb fort, ohne seinen Worten allzu großes Gewicht beizulegen. „Hat dich das Zusammentreffen mit Meßdorff unb seiner Frau so geärgert? Ulkig, nicht wahr? Wenn wir beide mal irgendwohin schauen ... schwupp ... taucht
unsere böse Vergangenheit vor uns auf!" lacht er. Er sieht nicht, wie Karola bei diesen Worten zu- sammenzuckt, ihn erschreckt anblickt, sondern streicht ihr tröstend übers Haar und meint begütigend: „Na, laß nur, kleines Mädchen, das ist lange tot und versunken. Kannst mir schon glauben, ich habe mit dem Meßdorff nicht das geringste zu tun. Und ich fühle nichts mehr für diese Frau, im Gegenteil, es wird mir immer unverständlicher, wie ich jemals so blind sein konnte, ihr zu vertrauen!"
Karola senkt den Kopf und schweigt. Sie kämpft mit ben Tränen. Soll sie ihm jetzt nicht einfach alles sagen? Das Werk steht fertig, und wenn er sich grollend zurückziehen würde vor ihr ... seine Arbeit konnte nicht mehr darunter leiden.
„Mußt nicht traurig sein, Kleines", tröstet er. „Es tut mir ja selber weh, daß bu nickt die Allererste bist — aber schau — seit jenem Irrtum habe ich nie wieder in meinem Leben ein Mädchen geliebt, nein! Das kann ich dir schwören, ohne ben Blick senken zu müssen. Ist dir das nicht genug? Laß es gut fein, Karola, nimm’s nicht tragisch! So hast du in unserer Ehe immer einen kleinen Vorteil: Du kannst mich festnageln, daß du nicht bie erste Frau in meinem Leben warst, aber daß ich ber erste Mann bin, ber in dein Leben getreten ist. Da hast bu eine vorzügliche Waffe, mit ber bu mich sofort schlagen kannst, wenn ich es einmal wagen sollt«, ben Mund gegen bich aufzutun! Und außerbem—" er wirst einen schnellen Seitenblick voll hinterhältiger Schelmerei auf sie, „—ich habe meine Papiere beisammen. Wie wär's, wenn wir morgen ober übermorgen bas Aufgebot bestellen würben? Dann wird Mutters alter Ring wieder bas, was er immer war: ein Sinnbild ber Ehe."
Er wartet auf eine Antwort, und als keine kommt, als keine Karola ihm um ben Hals fällt unb ihn jubelnd an sich preßt, setzt er erstaunt das Glas ab, das er soeben mit Wein füllen wollte, um auf bie nahe Hochzeit mit ihr anzustohen.
„Carola!"
Er rüttelte sie bei ben Schultern, ist ganz verstört.
„Du weinst ja? Was soll denn bas bedeuten? Das ist boch nicht mehr die läppische Geschichte mit Irene Meßdorff! Da steckt boch etwas anderes dahinter! Karola —willst du mir nicht endlich erklären? —"
Mit einem Ruck steht Karola auf.
„Ja, es steckt etwas anderes dahinter, und du sollst Bescheid wissen. Ich bin Karola Westner!"
Er sieht sie plötzlich verständnislos an.
(Fortsetzung folgt!)


