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Nr. 276 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag, 25. November 1938
es
einem bedeutenden
Gespräch in der Straßenbahn
. die mar doch
.Das mar doch keine Schwarze
.Aber ich sehe sie deutlich vor mir ... ich habe
die hat, euch
mte und
..Welche Schwarze?"
,Na, die bei Krügers mahnte ...
tes Theodor Fontanes erkannt:
Du mirft es nie zu Tücht'gem bringen Bei deines Grckmes Träumerei'n.
Die Tränen lassen nichts gelingen:
Wer schaffen rnill, mutz fröhlich sein!
hat, der weiß aus Erfahrung, daß nur die Gemeinschaft das Fundament echter Freude ist.
Daß überdies allen Veranstaltungen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ein mahl durchdachter Plan .zugrundeliegen muß, das versteht jeder, der die sarkastische Bemerkung Schopenhauers kennt: „Die freie Muße eines jeden ist so viel wert, wie er selbst rnert ist." Welche mertvollen Kräfte aber in der Seele des deutschen Volkes, oft noch ungeweckt, schlummern, das kann wiederum nur der ermessen, der sich selbst einmal auf den Weg gemacht hat, die Seele des deutschen Volkes zu suchen. So konnten also keineswegs wie im alten kaiserlichen Rom auf Masseninstinkte abgestellte Zirkusspiele genügen, um die freie Muße des deutschen Volkes aufzufüllen. Es ist daher auch kein Zufall des Datums, daß just am 25. November 1933 auch die Reichskulturkammer gegründet wurde, um dem deutschen Volke wie der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" Kultur und Kunst zu bringen und um den Grundsatz zu verwirklichen, den Dr. Ley an die Spitze aller Bestrebungen der NS.-
1 einfach sensationell. Hinzu kommt jener typisch amerikanische Einheitsdialog, der einem auf die Dauer an die Nerven geht, weil er nach einem unzerstör-
1 baren Schema gebaut zu sein scheint, in einem
elender merden ihre Wohnstätten und desto größer werden die Scharen der zerlumpten Kinder. Noch befinden wir uns auf einer breiten Straße und steigen an einem kleinen freien Platze aus; allüberall herrscht auf dem ekelerregenden Pflaster der Straße das ganze Jahr hindurch, selbst an Sonntagen, ein belebter Jahrmarkt. Dort verkauft man Handwerkszeug aller Art, gebrauchtes Schuhwerk, gebrechliche Möbel, Mausefallen, Vogelkäsige, Blumen ufm.; im Sommer kauft man dort billige Schlittschuhe und billige Sommerkleider im Winter.
Eine noch ansehnliche Seitenstraße nimmt uns auf, wir bringen in enger werdende Gassen mutig vor — und der Menschheit ganzer Jammer faßt uns an: Straßen verwandeln sich in ekelhaft stinkende Gassen, Häuser schrumpfen zusammen zu elenden Pesthöhlen. Grauenhaft diese Wohnungen! Gewiß bewohnt die proletarische Bevölkerung in den slums anderer Großstädte dieselbe Art erbärm-
huschen wie Schatten über die Straße, betrunkene Seeleute fallen niemandem besonders auf, und Taschendiebe in Menge betreiben hier ihr stehlendes Gewerbe. Eine ungehemmte kapitalistische Selbstsucht beutete die arme Bevölkerung in den Städten schamlos aus; ein besonderes System des Leute- schindens (das sogenannte sweating) bildete sich aus, worüber uns W. Booth, der Begründer der Heilsarmee, erschütternde Bilder entrollt. Im Osten stehen keine öffentlichen Gebäude von Bedeutung, hier wohnen keine Männer von Rang und Klang;
Im Beiprogramm sieht man einen eindrucksvollen Bericht von den Feiern des 9. November in München. Außerdem gibt es einen Vorspann „Eine Nacht im Mai" und auf der Bühne einen Jongleur- Akt, der mit hübschen und originellen Effekten aus- gestattet ist. Hans Thyriot.
Sänger.
Da kam der Nationalsozialismus, erhob
Seit einiger Zeit geht die Nachricht durch die Presst, daß die englische Regierung mehr als zwei Millionen Menschen des Londoner Armenviertels, der berüchtigten slums, innerhalb von fünf Jahren umsiedeln wolle. Damit soll eines der schwierigsten Probleme der inneren Politik Großbritanniens auf befriedigende Weise gelöst werden. Man sucht einen Diktator, der das Londoner Wohnungsproblem mit Tatkraft und zugleich mit Vorsicht anpackt und dazu mit besonderen Vollmachten ausgestattet wird. Eine grandiose Ausgabe harrt seiner, so daß man zu diesem Zweck sogar ein besonderes Ministerium neben dem Ministerium für Volksgesundheit einzurichten gedenkt. Zwar werden schon seit mehreren Jahren alljährlich vielen Menschen aus den slums, den schmutzigen und verrufenen Stadtvierteln der Großstädte (neben London, Glasgow, Manchester, Leeds, Liverpool usw.), wo eine sehr arme, zum Teil verkommene Bevölkerung in grauenhaften Lasterhöhlen haust, in anderen Orten gesunde Wohnungen eingerichtet; jetzt aber soll das alles in beschleunigtem und verstärktem Maße betrieben werden. Doch leisten die umzusiedelnden Herrschaften manchmal Widerstand, denn so abgestumpft und so heruntergekommen sind sie, daß sie apathisch im Sumpf weiterzuleben bereit sind. Und leider verletzen die bis jetzt hergerichteten Ersatzwohnungen in ihrer völligen Gleichmäßigkeit und öden Phantasielosigkeit das einfachste Schönheitsgefühl. Ein deutscher Bau- me:|ter würde ganze Straßenzüge des vollständig gleichen Häusertypus seinen Mitmenschen nicht vor die Augen stellen. Es hätte nur einer verhältnismäßig geringen Summe mehr bedurft, um dem Ganzen eine 'Form zu geben, die dem beschauenden Auge nicht wehe tut; sollen es doch Heimstätten für Menschen sein!
Berlin und Hamburg besitzen in ihrem Scheunen- bzw. Gängeviertel verkleinerte und wesentlich gemilderte Abbilder der slums; bekanntlich reißen die Berliner das Scheunenviertel nieder und legen dafür den Horst-Wessel-Hain an 31011 Segen der dortigen Bevölkerung.
Wie sieht es bzw. sah es noch vor wenigen Jahren in diesen slums aus? Unsere Erkundungsfahrt beginnt in der Altstadt (City) an der englischen Reichsbank, die von den Engländern prahlend als Mittelpunkt der Welt betrachtet wird und die inmitten eines tosenden Straßenverkehrs, ihrer Bedeutung bewußt, liegt, unzugänglich erhaben sich fensterlos gegen die Außenwelt abschließend. Ein Omnibus bringt uns in flotter Fahrt nach Osten, entlang einer langen und breiten, sehr belebten Straße, Whitechapel. Je weiter wir Vordringen, desto schmutziger werden die Menschen, desto
von Format eine bedeutende Sache daraus machen würde. Aber während jene deutschen Filme in der
ausdrucksstärker; vor allem Alice Brady als Mutter O'Leary und auch Alice Faye als die 93arietefängerin Belle Farneest; sie singt mit einer geschulten, überdurchschnittlichen, sympathischen Stimme, und erfreulich abseits vom Klischee der zahllosen Chansonetten, die uns der Film, hüben und drüben, schon beschert hat. —
Von Waldemar Keller.
Am frühen Nachmittag steige ich in die Straßenbahn. Neben mir sitzen zwei Frauen. Sie beginnen gerade ein Gespräch, das ich möglichst wortgetreu
aufweisen. Beide gipfeln, um das Nächstliegende zu nennen, in einer wch-h"" Kata
strophe. Immerhin märe es
mas in „San Francisco" das Erdbeben war.
Gemeinschaft „Kraft durch Freude" gestellt hat:' „Wir wollen die Menschen von der gemeinen und niedrigen Genußsucht des liberalistischen Zeitalters hinwegführcn zur reinen Auffassung wahrer, großer und schöner Freude!"
Daß dieses Wort in Erfüllung ging, wissen wir, die wir die gewaltigen Leistungen der Reichskulturkammer und der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in den verflossenen fünf Jahren nunmehr rückschauend Überblicken können. Durch sie ist Freude in das deutsche Volk eingezogen! Und die Losung „Freut euch des Lebens!", sie hat Wunder gewirkt! Woher kämen sonst die von der ganzen Welt bewunderten Arbeitserfolge des deutschen Volkes? Woher käme sonst die Kraft zum kämpserifchen Einsatz aller deutschen Volksgenossen Mithin die Politik der Freude hat tausendfältige Frucht getragen! Und sie wird, dessen sind wir uns an diesem ersten Volkstag der Kuzist gewiß, auch in aller Zukunft reiche Früchte tragen und das Werk des Führers sichern helfen, das da heißt: Großdeutschland! 0.8.
Freude, wie es Dr. Ley einmal ausgesprochen zu einem weltanschaulichen Begriff. „Freut des Lebens!", so schallte es durch die deutschen Lande. Uni) einbegriffen in diese bejahende Lebensfreude war, was sich von selbst verstand, das schaffende Volk! Endlich wurde die Wahrheit des Dichterwor-
„Was man so nennt. Sagen mir dunkel. Am Ersten ist sie doch fortgezogen, ein paar Häuser weiter, zu Häberleins ..."
„Das ist mir neu. Da meinen wir wohl nicht dieselbe."
„Natürlich meinen wir dieselbe. Es wohnte doch nur eine bei Krügers, die schwarz war und einen Mittelscheitel hatte."
„Aber die ich meine, war nicht schwarz, und einen Mittelscheitel hatte sie auch nicht."
„Na, so ungefähr in der Mitte. Da kann man ja verschiedener Ansicht sein. Jedenfalls wohnt sie jetzt bei Häberleins."
„Ich denke, sie wohnt bei der Kreuzbach?"
„Nein, bei der Kreuzbach wohnt sie nicht, die hat ihr Zimmer noch frei. Die Kreuzbach würde auch keine Schwarze zu sich nehmen, sie mag nun einmal nicht Schwarz."
„Aber die ist doch blond."
„Nicht einen Schimmer, vielleicht kann man sie braun nennen ... es gibt ja so ein merkwürdiges Dunkelbraun, das heller wird, wenn man's wäscht..."
„Das ist möglich. Am Ende meinen wir doch dieselbe ... wenn es die ist mit den Türkisknöpfen und dem Scheitel überm linken Ohr."
„Ganz links hat sie den Scheitel nicht, darauf möchte ich wetten, und von Türkisknöpfen weiß ich nichts. Ich habe meinem Mann so oft gesagt: Solche Tropfenohrringe könntest du mir auch kaufen..."
„Dann hat sie eben auch Tropfenohrringe. Und was ist nun mit der?"
„Denken Sie sich, die ist beim Fensterputzen raus» gefallen und hat sich bloß das Schlüsselbein gebrochen!"
Zeiischnffen.
— In der letzten Nummer der „Jllustrirten Zeitung Leipzig" findet man u. a. einen interessanten Bildbericht — „Eine Römische Stadt vor den Toren Wiens" .— über die Ausgrabungen des Archäologen Dr. Swoboda. — Die Kunsterwerbungen für die Münchener Glyptothek, die ihre Krönung durch die römische Marmorkopie des weltberühmten Kunstwerkes des Diskuswerfers von Myron erfahren haben, werden im Anschluß an diese vom Führer erwirkte wertvolle Bereicherung in charakteristischen Bildproben gezeigt. — Der zweite Teil wird durch einen lebendigen Bildbericht Dom Martinsgansessen der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft eingeleitet, an den sich eine Plauderei über „Schwedische Gastronomie" anschließt. Die Modeseite steht diesmal unter dem Titel „Schöne Handtaschen".
„Chicago."
Gießener Gloria-Palast.
Wie nicht anders zu erwarten war, stieß diese Politik der Freude, kaum daß sie in dem Wirken der Reichskulturkammer und der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" sichtbar wurde, auf manches Unverständnis und Besserwissen. Während die einen besorgt äußerten, daß man das „Volk" nicht verwöhnen dürfe, behaupteten die anderen, daß sich in dem Begriff „Kraft durch Freude" nur der im alten kaiserlichen Rom übliche Ruf „Brot und Spiele!" wiederhole. Wie wenig ahnten sie, daß es der Wille des Nationalsozialismus war und ist, das Volk, und das ganze deutsche Volk mit echter Freude zu erfüllen. Vergebens hatten in der Vergangenheit deutsche Dichter und Denker zur Freude aufgerufen! „Sorgen wir, daß das Leben nicht aus der Welt komme! Sorgen wir, daß mehr Lachen in die Welt komme!", so hatte Gorch Fock einst gesungen. „Gedenke zu leben! Wage es glücklich zu fein!", so hatte es Goethe ausgerufen. Doch ihre Rufe verhallten ebenso wirkungslos die hundertfachen Rufe anderer Dichter
der Begriff Hygiene
f i Fb e n unbekannt, und ein entsetzlicher Gestank macht den Aufenthalt zur Qual. Vorgärten und Hinterhöfe sucht man vergeblich, nur die „vornehmeren" Familien bewohnen mehr als einen Raum. Blasse, hohlwangige, schäbig gekleidete Menschen mit ausdruckslosen Gesichtern verleben hier ihren stumpfen Tag. Sie fechten einen harten Kampf mit dem Leben aus. Viele haben die Gaunerei aller Fakultäten zu ihrem Tagewerk erkoren und führen einen ewigen Kampf mit den Polizisten. Juden aller Typen kommen vor das Auge, Chinesen
Zu dieser inneren Fröhlichkeit aber mußte kommen, weil nach dem Zusammenbruch Deutschlands dem deutschen Volke im Dritten Reich eine Aufgabe gestellt wurde, die mehr denn je rastlose Schaffenskraft erforderte. Die Kurve der Arbeitsleistungen mußte steil anfteigen! „Es würde aber", so führte Dr. Ley ein andermal aus, „zum Ruin eines Volkes führen, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt würde, daß bas Volk in seiner Freizeit eine völlige Ausspannung von dem übersteigerten Tempo des Alltags erhält!" Kraft mußte also durch Freude gewonnen werden. Noch ein anderes trat hinzu. Die erforderliche Mehrarbeit, die das deutsche Volk zu leisten hatte, bedingte den erhöhten Einsatz von Maschinen. Sollte jedoch das Wort „Maschinen müssen bleiben, aber Seelen müssen sie beherrsche n!" wirklich wahr werden, dann mußte auch für die seelische Erstarkung der an den Maschinen arbeitenden Volksgenossen und Volksgenossinnen gesorgt werden, was wieder nicht and'ers möglich war als durch Freude in der Freizeit und am Feierabend.
Wie aber dem Volke diese Freude schaffen? Sie konnte nur geschaffen werden aus dem Fundament der Gemeinschaft! Wer jemals eine KdF -Urlaubsreise miterlebte, wer gar eine Fahrt auf einem der KdF.-Seeschiffe weit hinaus ins offene Meer, in die Fjorde des Nordens oder an bie Küsten des Südens mitgemacht, aber auch wer an den Spiel- und Sportveranstaltungen der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" teilgenammen
Volksiag her Kunst.
„Wer schassen will, mutz fröhlich sein."
Wenn die Theater, Lichtspielhäuser und Daricte- bühnen Großdeutschlands, entsprechend der Anregung des Reichsministers Dr. Goebbels und des Reichsorganisationsleiters der NSDAP., Dr. Ley, an diesem 25. November, an dem oor fünf Jahren die Reichskulturkammer und die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" gegründet mürben, un ganzen Reich einen Volkstag ber Kunst veranstalten (0 bebeutet bies nichts aoberes als bie Tatwerbung eines Wortes, bas Dr. Goebbels im Juni biefes Jahres auf einem Volksfest im Wiener Prater ausgesprochen hat: „Freube schaffen ist Politik!"
ner in manchen Dingen ganz anbers reagieren als wir.)
Jebenfalls lohnt es sich, ben Film anzusehen; er regt zu allerlei Betrachtungen und lehrreichen Vergleichen an. Er ist im übrigen mit der Großzügigkeit angepackt und burchgesührt, mit ber sie brühen an solche Sachen Herangehen, und die wir, schon feit ben Tagen bes stummen Films, aus vielen Beispielen kennen. Der Regisseur Henry King hat es sich, beziehungsweise ber Fox-Film, etwas kosten lassen. Die Bilber ber brennenben Stabt unb bes auf ben Michiaan-See hinaus flüchtenden Volkes sind ohne Zweifel von einer schauerlichen Realität.
Was oben vom amerikanischen Filmbialog gejagt mürbe, gilt bis zu gewissem Grabe (von uns aus gesehen) auch für bie Darsteller. Es gibt da ein Normalschema, einen bestimmten Männer-
Das Londoner Elendsviertel
Von Dr. 3- Horn, Gießen.
kicher Höhlen, aber was hier Sinn und Gemüt des Beobachters grausam zu Boden drückt, bas ist die ungeheuerliche Zahl dieser von Menschen dicht bewohnten Gebäude auf einer ungeheuren Fläche, meilenweit dieselben verwitterten Häuserftonten, keine Oase in dem unermeßlichen Meer von schmutzigen und verrusten Steinen. Diese Zehntausende von vollkommen gleichen Menschenwohnungen scheinen nicht von Menschenhand gebaut worden zu sein, sondern eine unterirdische eruptive Gewalt hat sie wohl über den Erdboden emporgestoßen, so daß sie jetzt wie eine geologische Formation zum Himmel starren. Die Baupolizei kümmert sich um nichts, ist in diesen G e -
typus, der ohne tiefergreifende Variationen immer „Aber ich sehe sie deutlich vor mir ... ich habe wiederkehrt. Hierher gehören etwa Tyrone Po- so oft zu meinem Mann gesagt wenn sie Milch wer unb Don Amecke, bie tüchtigen, feinbli-ten 1 holen ging: Guck mal die mit dem schwarzen Mittel- - - Ä-.-L-rr----- scheitel..."
* „Schwarz mar sie bestimmt nicht."
für den Film — — .
brunft; man würde habet einen, wesentlichen Unterschied übersehen: m ''Chicago„ fehlt nämlich bas, was man in „San Francisco ; als ben Durchbruch bes Seelischen bezeichnet hat, jene innere Wanblung unb Wenbuna zum Christentum unter bem Einbruck einer fürchterlichen Katastrophe. (Man erinnert sich wohl an d'e Zentral gestalt, bie Clark Gable spielte und an seine^ letzten Sätze, mit denen ber Film endete.) Das fehlt hier in „Chicago" steht am Ende das Bekenntnis zu einer Idee, ber — trotz allem! —
Glaube an bie Zukunst ber eben in Flamm.naus- gegangenen, in Schutt und Asche sinkenben stabt. Der Film gibt, mit seinen Mitteln, so etwas wie eine Geschichte vorn beginnenben Aufstieg Chicagos zur Weitstabt um bie Mitte bes vorigen Jahrhunderts, gespiegelt in ber Geschichte ber tüchtigen, eines Tages tatenfroh und zukunftssreubig über bie Prärie zugewanberten irischen Familie O Leary. (Die Entwicklung ber Stabt laßt sich am beutlichsten von ben Einwohnerzahlen ablesen 1830 gabes dort nur zwölf Häuser mit 70 Einwofmern. 1837: 417». 1850: 29963; 1880: eine halbe Million; 1900. Ick Millionen Einwohner. — Das enorme Wachtum würbe auch burch bie beiben großen Feuersbrünste von 1871 und 1874 nicht aufgeholten.) Weil diese O'Learys alle einen so ungemein dicken «chadel haben und, auf ihre Weise, so tüchtig sind und es auch zu etwas bringen (ber eine ber Bruder sogar bis zum Bürgermeister von Chicago) — deswegen ist ihr Aufstieg und ihr Zusammenbruch mit dem Emporblühen und dem Schreckenstage ihrer neuen Heimat untrennbar verbunden.
man genießt keine eigene Stadtobrigkeit. Die Bewohner des Ostens scheinen aus ber menschlichen Gesellschaft ausgestoßen zu sein, sie sind zwar auch Londoner, aber sie haben keinen Teil an Londons Reichtum, seiner Pracht und seiner Ehre. Bücher über London übergehen das East End oft stillschweigend, und wenn hier irgend etwas Ausfallendes geschieht, muß der Bewohner bes vornehmen Westens erst lange überlegen, wo denn diese Gegend liege.
Die Frauen dieser unparadiesischen Gegend sind unendlich schmutzig unb schlampig; ihre mürrischen Gesichter sind oft aufgedunsen, denn ber Wachholder- branntroein (gin) schmeckt ihnen gut. Ihr Haar sieht selten einen Kamm, und ein alter zerknüllter Hut gewährt einen wenig dekorativen Abschluß nach oben. Vergeblich bemühen sich Federn, Blumen unb Spitzen, diesen abschreckenden Gesamteindruck etwas zu heben. Die gewaltige Schar ber Kinber, bie bas Ostviertel bewohnen, märe für ben Staat ein hoher Besitz, wenn sie gut geflcibct, genährt unb erzogen werben könnten; aber so wachsen sie in einem Sumpf auf unb verderben an Körper, Geist unb Seele.
Dort an der Straßenecke sammeln sich mehrere Menschen um einen hageren Jüngling, ber mit ben Armen gestikulierend auf seinen Zuhörerschaft mit leidenschaftlichen Worten einzureden sich abmüht. Möge er doch viele überzeugen, denn hier in Whitechapel wird das furchtbare Laster des Trinkens besonders offenbar. Kaum hat er geendigt, als ein zerlumptes Weid, einen Säugling auf bem Arm, aus einer naheliegenden Schenke heraus- schwankt. Der Whisky wirst sie glatt auf den Boden.
und ein Mann, der selbst kaum stehen kann — vielleicht ist es svgar ihr Ehemann — stößt sie vergeblich mit dem Fuße an, um sie zum Aufstehen zu ermuntern; Kinder sehen johlend zu. Schließlich erbarmen sich ihrer zwei Schutzleute, die sie auf einem Karren schleunigst davonfahren.
Es will Abend werden, und schon senken sich Schatten auf die Stadt hernieder. Da, plötzlich ein erregtes Gezeter vor einem großen Laden. Als sich zwei Polizisten der angesammelten Menge nähern, lösen sich dunkle Gestalten aus ihr heraus und suchen schleunigst das Weite, unter dem Hohnlachen schwatzender Weiber. Es stellt sich heraus, daß ein unkundiger Fremder vor einem großen erleuchteten Ladenfenster feine Uhr um die Zeit befragen wollte. Im Nu war er von finsteren Kerlen umringt; nichts Gutes ahnend fetzte er sich gegen sie zur Wehr, wurde von den geübten Boxern niedergeschlagen unb beklagte den Verlust seiner Uhr mit ihrer wertvollen Kette.
Kaum trauen wir unseren Sinnen, als aus einer düsteren Gasse die feierlichen Klänge eines bekannten Chorals an unser Ohr treffen. In einer stark besuchten Versammlung der Heilsarmee (Salvation Army) preisen Männer- und Frauenstimmen ben helfenden unb gütigen Gott; ein Pre- büger bittet in leidenschaftlicher Ansprache, den Aermsten der Armen und ben Elendesten ber Elen-
Atem salopp unb gezwungen klingt und kaum nen- j^er miebergebe: nensroerte Differenzierungen in Ausdruck unb Ge- „Was ich noch sagen wollte. Sie kennen boch bie sühlslage gestattet. (Bei uns binnen dock eine Schwarze von gegenüber..." Liebeserklärung und ein Geschäftsabschluß in ber — - - - - Regel hörbar verschieben, bort kaum. Es mag ja auch an ber Synchronisierung liegen, man kann bas ' ___
nicht genau übersehen. Aber man macht diese Er- blond." fahrung immer wieder in amerikanischen Filmen,. „Aber nein, die war schwarz.
unb es kann ja außerdem sein, baß bie Amerika-1 „Glauben Sie mir, Sie irren sich. Ich weiß ganz gut, wen Sie meinen — bie mit bem Scheitel, nicht wahr?"
„Stimmt. Einen Mtttelscheitel hatte sie." „Mittelscheitel? Nee, auf keinen Fall. Der Scheitel saß nicht in ber Mitte."
„Aber boch so ziemlich. Und die war schwarz." „Das weiß ich nun ganz genau, schwarz war sie nicht. Kann sein, daß sie braun war."
„Na, so Braun ins Schwärzliche spielend. Sie trug immer Tropfenohrringe."
„Ich habe nur Türkisknöpfe bei ihr gesehen. Echter Türkis wird's ja nicht gewesen sein. Und bie hatte den Scheitel überm linken Ohr."
„Davon laß ich mich nicht abbringen — einen Mittelscheitel hatte sie."
„Wissen Sie, man kann sich manchmal gewaltig täuschen."
Der Fall ist merkwürdig und liegt ähnlich wie bei etlichen deutschen Filmen, die wir in letzter Zett U°"-: JtomÄmX j Brild-r O'L-arq Di- «.Mich«. Hauptrollen wir.
unb man kann sich gut vorteilen, datz ein Erzähler I ton daneben sehr viel variabler, persönlicher und
Tat unb unverkennbar aus Romanen hervorgegangen waren, nennt das Programm hier nur eine Erzählung von Niven Busch als Vorlage für das ™ , xs mit dem ebenfalls' Manuskript von Samar Trotti, während der
JtiwTÄT, ÄÄ-iStaxST - Film „San Francisco" verglichen, oer uu. ttmger I "^erFllm der Übrigens mit
^eit auch bei uns gegeben wurde, u ri^A! amerikanischen Preise ausgezeichnet worden ist,
daß bie decken manche Ähnlich! hinterläßt beim beutschen Betrachter einen stellen-
ärhaft verNenben KaL weise starken, im ganzen aber immerhin zwiespälti- ahrhaft Y iaaen: gen Einbruch Eine Reihe von Szenen wirken na-
" hn6 (frhnphpi?mar iu — türlich und naturnah, schlicht unb menschlich ein- ,anci5co da npm/1ft;np Feuers- leuchtenb, anbere unbeschreiblich komisch, wie leden- m -Chicago die gütige Fe^ue^ ^worbene Ausschnitte aus dem Photographie- — - " Album unserer Großeltern (unb man weiß nie ge
nau, ob bie Komik beabsichtigt oder unfreiwillig war) — roieber anbere, gleich bie Eingangsszene,
vUatAeu»


