Ausgabe 
25.11.1938
 
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Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzcigenletter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. X. 38: 10 013. Druck und Verlag: Drühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis » 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig

Kongresses für afrikanische Touristik, hierüber Pläne auszuarbeiten. Wie eine französische Na><richtenagentur berichtet, wird der Straßenzug wahrscheinlich von 2llgier nach Kapstadt gelegt werden. Es handle sich darum, bereits vor­handene Straßen auszubauen und miteinander zu verbinden. Der Gedanke einer Straßenverbindung von Aegypten nach Kapstadt sei fallengelassen wor­den, weil sich einem solchen Straßenzug zu große geographische Schwierigkeiten in den Weg stellten. Der nächste Kongreß für afrikanische Touristik 1940 in Algier hat über die endgültige Linienführung der Straße zu entscheiden. Vorher findet ein großes Automobilrennen von Paris nach Kapstadt statt, dos praktische Erfahrungen für die Linienführung der neuen Straße sammeln soll.

Kleine politische Nachrichten.

Aus Anlaß des z w e i t e n I a h r e s t a g e s der Unterzeichnung des deutsch-japanischen Antikomintern-Abkommens bringt der Deutsches Rundfunk über alle Sender heute von 1130 bis 12.30 Uhr eine deutsch-italienisch-japanische Gemeinschaftssendung, in der eine Rede des japa­nischen Außenministers A r i t a aus Tokio über­tragen wird. Es folgt eine Rede des Reichsmimsters des Auswärtigen v. Ribbentrop, an die sich eine Ansprache des italienischen Außenministers C i a n o anschließt. Die Sendung wird von japa­nischer, deutscher und italienischer Musik umrahmt.

Die Festsitzung der Reichskulturkam- mer und der N SG.Kraft durch Freude" im Deutschen Opernhaus wird heute von 13 bis 14.30 Uhr vom gesamten Deutschen Rundfunk übertragen.

Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring hatte die Gauleiter des Reiches zu einer Be­sprechung über aktuelle Wirtschafts­frage n, Sie sich aus den Aufgaben des Vierjahres­planes ergeben, nach Berlin zusammenberufen.

Am Donnerstag versammelten sich die Leiter der Reichspropagandaämter zu ihrer monatlichen Tagung, bei der Reichsminister Dr. Goebbels einen Ueberblick über die politische Lage gab und eingehend die Judensrage behandelte.

Eine rumänische Militärabordnung, an deren Spitze Generalstabschef Ionescu steht, ist in Belgrad eingetroffen. Der rumänische und der jugoslawische Generalstabschef reisten zusammen noch Athen, wo am 28. November die Bespre­chungen der Generalstabschefs der Länder des Bal­kanbundes beginnen.

Der britische Botschafter in Berlin, Henderson, der sich während seines Ferienaufenthaltes in Lon­don einer Operation unterziehen mur^e. hat die Klinik wieder verlassen. Er ist jedoch nicht so weit wiederhergestellt, daß er auf seinen Posten zurückkehren kann.

Am Mittwoch verließ derdeutscheBotschaf- tervon Keller, der in denRuhestand ge­treten ist, mit seiner Gattin die Türkei. Am Bahn­hof hatte sich das gesamte Diplomatische Korps, Außenminister Saracoglu und die ganze Deutsche Kolonie Ankaras eingefunden. Eine Stunde später verließ im Sonderzug die deutsche Delegation unter der Führung des Reich^minttters Freiherrn von Neurath Ankara. Auf dem Bahnsteig erwies eine Kompanie türkischer Infanterie die Ehrenbezeigung.

Die Königin der Niederlande hat bte Einladung des belgischen Königs Leopold III. zum Besuch nach Brüssel angenommen. Der Besuch wird voraussichtlich im Frühling stattfinden.

Die Bank von Frankreich hat den Dis­kontsatz von 3 auf 2,5 v. H. und den Satz für Vorschüsse auf Wertpapiere von 4 auf 3,5 v. H. g e -

senkt: die bisherigen Satze waren seit dem 27. 9. 1938 in Kraft, an welchem. Tage eine Erhöhung um je 0,5 v. H. erfolgt war.

*

In Burgos überreichte der neue japanische Botschafter in Nationalspanien Makato Pano dem Staatsoberhaupt General -Franco sein Be­glaubigungsschreiben.

Aus aller Welt.

Schwere Stürme an den deutsck en Küsten.

lieber der ganzen Wasserkante tobte in der Nacht zum Donnerstag ein heftiger Sturm, der zeitweise orkanartige Stärke annahm. Die Kleinschiffahrt ruhte vollständig. Die größte Wnrdstärke von 11 bis 12 wurde vom Borkumriff-Feuerschiff gemeldet. Durch den Sturm, der gewaltige Wallermassen in die Elbe trieb, wurde Hochwasser hervorgerü- fen, das in Hamburg mit 4,24 Meter 1,90 Meter über dem mittleren Hochwasser stand. 2m Hambur­ger Hafen stteßen infolge des heftigen Sturmes der ausfahrende norwegische Dampfer ,Kong Trygve" und der LloyddampferUlm" zusammen. Während das deutsche Schiff kaum Schaden nahm, erhielt der Norweger ein großes Loch oberhalb der Was­serlinie, so daß er gezwungen war, die Ausreise zu unterbrechen.

Auch auf der Außenweser, in der Iade­rn ü n d u n g und in der Emsmündung herrschte in der Nacht zum Donnerstag ein orkanartiger Sturm. Nennenswerte Schäden find glücklicherweise nicht zu verzeichnen. Das im Kanal liegende Weft- Hinder-Feuerschiff riß sich im Orkan los und wurde abgetrieben. Erst nach längerer Zeit konnte das Feuerschiff wieder auf Station zurückkehren. Der Sturm führte auf Wyk auf Föhr zu einem unge­wöhnlich hohen Wasserstand, der etwa drei Meter über Normal-Hochwasser lag. Das Wasser drang in die am Strand gelegenen Hotels ein. Die ganze männliche Bevölkerung des Ortes mußte zur Hilfe­leistung aufgerufen werden. Sandsacksperren wur­den zum Schutz gegen das Wasser errichtet. Auf den Halligen sind sämtliche Brunnen überschwemmt und durch das Salzwasser für lange Zeit unbrauchbar gemacht. An der friesischen Küste hatte der Orkan eine Sturmflut zur Folge. In Dagobüll erin­nert man sich nicht, jemals eine so hohe Sturmflut erlebt zu haben. Aus Sylt wird gemeldet, daß der Bahndamm WesterlandHörnum an drei Stellen unterspült ist, so daß der Bahnverkehr unterbrochen werden mußte. Das Motor-Rettungsboot der Sta­tion Cuxhaven rettete bei sehr schwerer See den Ka­pitän und die zwei Mann Besatzung von dem sin­kenden MotorseglerElisabeth", dessen Anker ge­brochen waren. Das Wrack ist anscheinend ge­sunken.

An der deutschen O st s e e k ü st e wütete ein Süd­weststurm, der sich zeitweise auf Windstärke 10 stei­gerte. Der Sturm hatte ein außerordentliches Niedrigwasser mit 1,20 Meter unter Normal zur Folge. Der Tiefstand des Wassers hatte zur Folge, daß der Fährverkehr zwischen Warnemünde und Gjedser ins Stocken geraten ist.

Sturm fordert ein rNenfchenleben.

Dem heftigen Sturm, der dieser Tage in Wies­baden tobte, fiel der Viehhändler P. Bayer aus Niederwalmenach zum Opfer. Bayer befand sich, von Wiesbaden kommend, mit seinem Lastwagen lauf dem Heimweg. Unterwegs schlug eine vom

Sturm geknickte Tanne vor dem Fahrzeug nieder und beschädigte den Wagen schwer. Bayer wurde dabei verletzt, konnte sich aber noch nach Holzhau­sen schleppen, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde. Der Verunglückte wurde in ein Krankenhaus ein» geliefert, wo er seinen schweren Verletzungen er­lag.

Der 400. planmäßige Südamerika-Postflug der Lufthansa.

Sonntag früh traf die mit der" Lufthansa geflo­gene S ü d a m e r i k a p'o st bereits in Berlin ein, da das Flugzeug Frankfurt überflogen und ohne Zwischenlandung die Reichshauptstadt angesteuert hotte. Mit dieser Landung wurde der 4 0 0. plan = mäßige Postflug der Lufthansa aus der Strecke EuropaSüdamerika beendet. In 11 Stunden 17 Minuten wurde der Südatlantik überquert und Bat­hurst an der afrikanischen Küste erreicht. Das An­schlußflugzeug kam in weniger als einem Tag von Bathurst dis Berlin. So wurde dieser 400. plan­mäßige Postflug auch zu dem bisher kürzesten, ob­wohl in den letzten Abschnitt fliegende Maschine auf schlechtes Wetter traf. Auf den bisher durchgeführten Flügen hat die Lufthansa mehr als 25 Millionen Luftpostbriefe zwischen Europa und Südamerika befördert, eine Zahl, die beweist, welche Bedeutung diese älteste Ozeanluftverkehrsstrecke erlangt hat.

Furchtbare Bluttat eines indischen Amokläufers.

Ein indischer A m o k l ä u fe r hat in Nowosherha, der Garnison des 4. Bataillons des 2. Pundschab- Regiments den Batalllonskommandeur und zwei höhere britische Offiziere erschossen und zwei Majore, einen Hauptmann sowie drei andere bri­tische Offiziere schwer verletzt. Dann.hat der Tobsüchtige, ein eingeborener Soldat, zwei einge­borene Offiziere erschossen und einen dritten verletzt. Er konnte nur mit vieler Mühe über­wältigt werden. Der Bataillonskommandant, Oberst­leutnant Gray, wurde von dem Amokläufer er­schossen, als er in seinem Zelt schlief. Die anderen Offiziere, die den Schuß hörten und aus ihren Zelten stürzten, wurden von einem regelrechten Kugelregen empfangen. Der Ort Nowosherha liegt an der nordwestindischen Grenze, an der schon mehr­fach Unruhen vorgekommen sind.

Jüdische Paßfälscherbande in Mailand ausgehoben.

Nachdem erst vor wenigen Tagen eine jüdische früher in Polen ansässige Paßfälscherbande in Mailand ausgehoben worden war, wurde soeben wieder einer größeren Horde von Juden aus Polen, die sich dem gleichen unsauberenGewerbe" hingab, in Mailand das Handwerk gelegt. Den Hinweis dazu gab die Polizei von Como, der an der Grenze von Chiasso ein falscher Reisepaß in die Hände ge­fallen war. Die Bande, von der bisher sieben Mit­glieder festgenommen wurden, hatte in den unsau­bersten Stadtgegenden ihre Unterschlüpfe. Die Nach­forschungen ergaben, daß sich die Bande auch mit der Herstellung von falschen Geldanweisungen be­schäftigte. An der Grenze von Chiasso wurde außer­

dem em in Lugano ansässiger deutschsprechender Jude mit seinem Sprößling und einem Freund angehalten, als er die Grenze überschreiten wollte. In seinem Wagen befanden sich Aktten einer großen italienischen Gesellschaft im Werte von etwa einer halben Million Lire, die der Jude ins Ausland schmuggeln wollte.

Zwei italienische Kriegsschiffe zusammengeslohen.

Nach einer amtlichen Mitteilung ist im Golf von Tarent der TorpedozerstörerSampo" infolge Steuerbruchs mit dem PanzerschiffPola" z u - s a m m. e n g e st o ß e n. Während das Panzerschiff nur leichte Beschädigungen erlitt und keine Opfer zu beklagen hatte, mußte der Torpedozerstörer mit einer schweren Havarie in den Hafen geschleppt werden. Sechs Matrosen des Zerstörers tarnen bei dem Zusammenstoß ums Leben: ein Mann wurde leicht verletzt.

Unglaublicher Rohcitsakt in Amerika.

Aus Wiggins im Staate Mississippi wird ein neuer sensationeller Fall eines Lynchmordes gemeldet. Ein 24 Jahre alter Neger, der angeblich eine Frau bestohlen hatte, wurde stundenlang von einem wilden Haufen der ansässigen Bevölkerung gejagt und gehetzt, bis es ihm schließlich gelang, im Dunkel der Nacht einen Unterschlupf zu finden. Bei Tagesanbruch wurde er aber von der rasenden Menge in einem Lastkraftwagen entdeckt und her- ausgezerrt. Als der Neger durch allerlei teuflische Quälereien vor Schmerzen» wahnsinnig wurde, schleifte man ihn noch unter Peitschenhieben die Sjraße entlang und knüpfte schließlich den völlig leblosen Körper an einem Baum auf. Polizeibeamte waren zur Zeit des Lynchaktes weit und breit un­sichtbar. Dieser neue Mord ist bereits der sechste Fall in diesem Jahre, der sich in den Vereinigten Staaten ereignete.

Wetterbericht

Mit her vom Atlantik ausgehenden Wirbeltätigkeit setzt sich auch bei uns die sehr wechselhafte, unbe­ständige Witterung fort. Die Temperaturen werden schwanken, sich im allgemeinen aber über dem jahres­zeitlichen Durchschnitt halten.

Vorhersage für Samstag: Wechselnd mit weiteren Niederschlägen, lebhafte bis kräftige Winde aus Süd bis West, Temperaturen wenig geändert.

Vorhersage für Sonntag: Noch immer unruhiges und wechselhaftes Wetter mit Neigung zu Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 24. November: mittags 10,2 Grad Celsius, abends 10,6 Grad: am 25. November: morgens 5,6 Grad. Maximum 10,6 Grad, Minimum heute nacht 4,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. November: abends 6,8 Grad; am 25. November: morgens 6 Grad. Niederschläge 4,2 mm. Sonnenscheindauer 2 Stunden.

im Alter von 33 Jahren.

Großen-Linden, Klein-Linden. Gießen, den 24. November 1938.

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Am Donnerstag, dem 24. November, vormittags 10% Uhr. entschlief nach langem schweren Leiden, meine innigstgeliebte Frau, die liebe Mutter ihres Kindes, unsere liebe Tochter und Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante

Die Beerdigung findet Samstag, den 26. November, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Alte Heerstraße 31, aus statt

In tiefer Trauer und im Namen der trauernden Hinterbliebenen» Wilh Lenz, Architekt, und Kind Jakob Geifcler, Lademeister i. R.

Frau Pauline Lenz

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Bekanntmachung.

Betr.: Sudetendeutsche Ergänzuugswahlen zum Großdeutschen Reichstag.

Die Stimmliste der zu den Ergänzungswahlen zum Großdeutschen Reichstag aus den heimgekehrten Gebieten stammenden wahlberechtigten, in Gießen ansässigen Personen ehemaliger tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit (einschließlich ihrer Ehefrauen und Abkömmlinge) liegt am

Freitag, 25. November 1938 u. I von 813 Uhr u. Samstag, 26.November 1938/von 1518 Uhr Sonntag, 27. November 1938 von 912 Uhr im Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Nr. 17, zm Einsichtnahme offen.

Während dieses Zeitraums können Einwendunger gegen die Nichtigkeit und Vollständigkeit der Stimm­liste schriftlich oder mündlich zu Protokoll gegeber werden.

Berechtigt zur Erhebung von Einwendungen fint alle zur Wahlzuaelassenen Stimmberechtigten, du am Tage der Wahl das 20. Lebensjahr zurückgelegi haben.

Wer die Eintragung eines Stimmberechtigter verlangt, nmß für diesen die für die Zulassung zm Wahl erforderlichen Nachweise bis spätestens zmr Ablauf der Einspruchsfrist das ist der 27. No vember 1938, 12 Uhr erbringen. Sind die Nach weise bis zu diesem Termin nicht vollständig erbracht bleibt die Anmeldung unberücksichtigt. 75826

Gießen, den 25. November 1938.

Der Oberbürgermeister

gez. Vogt, Beigeordneter